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15. Oktober 2025

Strassenbaukunst zum Anfassen

Die alte Averser Strasse überquert unterhalb von Cresta den Averser Rhein.


Als ich 1982 eigenständig zu wandern begann, kümmerte ich mich noch wenig um das Dies- und Jenseits meines Weges. Vielmehr stand die Besteigung eines Gipfels, die Überschreitung eines Passes oder einfach nur die Leistung im Vordergrund. Doch bald schon reichte mir das reine Wandern von A nach B nicht mehr. Ich wollte mehr über die per pedes durchmessene Gegend wissen. Da kamen mir Wanderführer mit Titeln wie «Wandert in der Schweiz solang es sie noch gibt» (Jürg Frischknecht, Limmat Verlag, 1987) oder «Unterwegs auf Walserpfaden» (Kurt Wanner, Walservereinigung Graubünden, 1989) oder «Wanderungen auf historischen Wegen» (Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz, Ott Verlag, 1990) gerade recht. Ich saugte den Inhalt dieser Bücher geradezu auf wie ein trockener Schwamm das Wasser.

In der Folge begann ich mich also mehr und mehr für geografische, historische, politische und kulturelle Themen zu interessieren, die sich mir als freischaffender Fussgänger en route darboten. Das reine Wandern als sinnfreie Aktivität begann mehr und mehr zu bröckeln und wich einer Betätigung mit unermesslichem Inhalt. Kurz: Der Fussgang wurde zum Vehikel, mein Heimatland vertieft zu erkunden und erforschen, aber auch kennen und lieben zu lernen. Und da ich von meiner Jugend her fotografisch tätig bin, hat sich eine Symbiose ergeben, die bis in die heutigen Tage andauert und vor 16 Jahren gar die Gründung meines eigenen Verlages bewirkte: die Edition Wanderwerk.

Wer sich also zu Fuss und mit einer tüchtigen Portion Chuzpe auf den Weg macht, dem oder der eröffnen sich auf Schritt auf Tritt kleinere und grössere Wunder, über die man sich mal mehr, mal weniger wundert. Überaus gestaunt habe ich in den vergangenen Tagen im bündnerischen Hochtal Avers, als ich mich endlich der alten Averser Strasse und somit einem historischen Verkehrsweg widmen konnte. Diese führt vom unteren Ende der Rofflaschlucht (1111 m) bei Andeer in 28 km hoch nach Juf (2126 m), der europaweit höchstgelegenen, dauerhaft bewohnten Siedlung. Der Bau dieser Strasse dauerte von 1890–1900. In den 1950er-Jahren wurde der alte Weg indes von einer komplett neu errichteten Strasse abgelöst. Diese hat in etlichen Abschnitten die alte Strasse ziemlich achtlos überprägt. 

Einige Passagen waren jedoch glücklicherweise erhalten geblieben. Kulturgeschichtlich interessierte Leute um den engagierten Forstingenieur Oskar Hugentobler aus Andeer und den Einheimischen Bruno Loi und Valentin Luzi aus dem Avers initiierten die Gründung des Vereins «Alte Averser-Strasse» zur Rettung des historischen Wegs und die Erschliessung einer durchgehenden Verbindung mit einem Wanderweg. Anno 2000 wurde der Verein alte Averser Strasse gegründet, womit die selbstauferlegte Arbeit beginnen konnte. Was daraus geworden ist habe ich neulich hautnah erleben und fotografieren dürfen. Hierbei beging ich den Abschnitt von Cresta, dem Hauptort des Avers, bis zur Abzweigung in die Val digl Uors, etwas oberhalb von Innerferrera. Und einmal mehr zeigte sich, dass die Bauingenieure und -arbeiter von damals ein unglaubliches Geschick an den Tag legten, was die Planung und Ausführung eines solchen Verkehrswegprojektes – und somit der Lebensader einer ganzen Talschaft – anbelangt.

8. August 2025

Steter Tropfen

Eine in mehreren Jahrtausenden von der Natur geschaffene Designerbadewanne
am Fusse der Eigernordwand.

Ich weiss nicht, ob Sie schon einmal am Fusse der über 1800 Meter hohen Eiger-Nordwand entlanggewandert sind. Ich tat dies kürzlich und war begeistert. Möglich gemacht hat dies ein gewisser Adolf – nomen est omen – Gsteiger aus Grindelwald. Der heute 89-Jährige erbaute von August bis September 1997 in nur 39 Arbeitstagen den 6 Kilometer langen Eigertrail. Dieser führt von der Station Eismeer der Jungfraubahn hinab zur Station Alpiglen der Wengernalpbahn und darf getrost als einer der Premiumwege der Schweiz bezeichnet werden. Nicht weil er besonders anspruchsvoll, dafür umso beeindruckend ist. Dies scheint auch den Leuten des Bundesamtes für Topografie in Wabern bei Bern bewusst zu sein, haben sie doch den Weg auf der Landeskarte der Massstäbe 1:10.000/25.000 und 50.000 entsprechend benamst.

Für mich war indes bei der Abzweigung zur Station Alpiglen noch nicht Schluss: Ich zog weiter der Nordostflanke des Eigers entlang, bis zu den imposanten und mehrere hundert Meter hohen Felswänden der Gletscherschlucht, wo sich bis vor gut 120 Jahren der Untere Grindelwaldgletscher bis auf 1000 Meter über Meer hinabwälzte. Heute entdeckt man das mickrige Gletscherzünglein auf rund 1900 Meter und in vier Kilometern Entfernung.

Genau so, wie die von uns verursachten CO2-Emmissionen, genau so höhlt der stete Tropfen den Stein, wie ich auf meiner Route von der Station Eigergletscher hinab nach Grindelwald an einem der zahlreichen, am Eiger-Massiv entspringenden Bäche eindrücklich beobachten konnte.

2. Juli 2025

Der Hitze entfliehen

10 Gehminuten von der Kleinen Scheidegg entfernt. Links die Jungfrau, rechts davon das Silberhorn.


Was tun, wenn du weder hitzebeständig noch eine Wasserratte bist? – Smart Wandern! Konkret: Ab in die Höhe und dies möglichst früh, denn du bist nicht der Einzige, der weiss, dass es in den Bergen oben etwas kühler ist als im Flachland. Dann: Eine Route, die möglichst wenig Steigung beinhaltet und im Morgenschatten oder aber im Bergwald verläuft. Die Lösung: Irgendwas im Raum Kleine Scheidegg – Wengen.

Ich fuhr also am vergangenen Sonntagmorgen um 6 Uhr von zu Hause mit der Bahn los, stieg drei Mal um und war kurz nach 8 auf der Kleinen Scheidegg. Gewandert bin ich dann via Rinderhitte – Wengernalp – Allmend – Ussri Allmi zur Alp Spätenen, wo ich rechtsumkehrt machte und über das Leiterhoren hinab nach Wengen ging. Alles in allem eine erfrischende, äusserst aussichtsreiche und spannende Tour, führt sie doch bei der Wengernalp über den Hundschopf und weiter unten an der Minschkante vorbei zum Kernen-S, ehe sie bei der Wasserstation die Strecke der Lauberhornabfahrt links liegen lässt.

16. Mai 2025

Krass!

Der heftige Wintereinbruch im April hat im Wallis Hunderte von Wanderwegabschnitten unpassierbar gemacht. Wie gross das Ausmass der Schäden infolge umgeknickter/umgestürzter Bäume ist, zeigt die Karte vom 15.05.2025 mit den gesperrten Wegen. Forstfachleute warnen explizit vor dem Begehen der gesperrten Routen, da oft versteckte Gefahren lauern, die selbst Experten nicht erkennen können. Der Kanton Wallis geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten bis in den kommenden Herbst dauern werden. Wer also eine Wanderung im Wallis, insbesondere südlich der Rhone, plant, ist gut beraten, sich zuvor genau über die Begehbarkeit der Route(n) ins Bild zu setzen.

27. Februar 2025

Sinnierstoff

Für mich als nebenberuflicher Wanderer ein erheblich Mass an Sinnierstoff.




15. August 2022

Zu Fuss über die Alpen

Ludwig Grassler: Zu Fuss über die Alpen, Süddeutscher
Verlag, München, 1977
Dieses Buch ist für alle Freunde des Bergwanderns eine Sensation. Rechtzeitig zum 75. Jubiläumsjahr des Isartalvereins stellt Ludwig Grassler seinen «Traumpfad» über die Alpen von der Isar bis an den Piave in Wort und Bild vor. Der Wanderweg vom Münchner Marienplatz bis zum Markusplatz in Venedig ist etwa 515 Kilometer lang, kann in 28 Wandertagen in einzelnen Etappen bewältigt werden und führt im Bereich der Alpen über insgesamt 33 Jöcher, Scharten und Pässe. Die Stationen dieser Etappen sind: München, Wolfratshausen, Bad Tölz, Leger, Vorderriss, Wattens, Lizum, Tuxerjoch, Pfunders, Lüsen, Grödnerjoch, Marmolada, Masare, Pramperet, Belluno, Priula, Bocca Callalta, Jesolo, Venedig .

Für jeden bergerfahrenen Wanderer ist der hier vorgestellte Weg von München nach Venedig ein «Erlebnis fürs Leben»! Wer für dieses Erlebnis vier Wochen Abschied nimmt von den Bequemlichkeiten der modernen Zivilisation, der wird durch die zahllosen stillen oder gewaltigen Naturschönheiten und die einmaligen Begegnungen abseits von lärmenden Autostrassen reichlich entschädigt. 

Die vielen Bilder in diesem Buch, während der Wanderung vom Autor selbst aufgenommen, bestätigen solche Eindrücke. Die ausführliche Beschreibung des Weges und seiner Besonderheiten sowie die Vermittlung der kulturhistorisch en Daten über die zahlreichen erwanderten Stationen unterwegs durch das Isartal entlang den weissen Kalkwänden des Karwendel, den firnglänzenden Höhen der Zillertaler Berge, über die lieblichen Matten zwischen den roten Felsburgen in den Dolomiten und durch die Wildflusslandschaft am Piave bis zum Meer bei Jesolo  lassen uns darauf besinnen, wie weit die Zersiedelung unserer Landschaften und der hektische Ausbau eines immer dichteren Strassennetzes die Fussgängerfreiheiten in unserer modernen Welt beschränkt haben: Durchgehende Fusswege über weite Strecken sind heute immer weniger auszumachen. Nur noch entlang den Flüssen und im Gebirge finden wir sie, und der «Traumpfad» von Münchens «Guter Stube» über die Alpen bis zum «schönsten Salon der Welt», wie Napoleon den Markusplatz in Venedig nannte, ist wohl der verlockendste unter ihnen, weil er den aktiven Wanderer herausfordert, aber auch reichlich belohnt.

Doch selbst den Nur-Leser, der diesen Pfad lediglich mit Hilfe des Buches nachvollzieht, bereichert die Lektüre mit einem anregenden und aussergewöhnlichen Erlebnis, mit der Teilhabe an einem Abenteuer, wie es in unserer technisierten Welt nicht mehr möglich schien. (Klappentext)

28. August 2017

Surselva V

Während meinem Ferienaufenthalt in der Surselva lernte ich ein schönes romanisches Wort: «caplutta». Es ist substantiver und nicht etwa adjektiver Natur, hat also nicht die Bedeutung von «kaputt». Eine caplutta ist eine Kapelle. Und davon gibt es rund um Disentis eine ganze Menge! Mit Freude habe ich deshalb zur Kenntnis genommen, dass es einen Weg gibt, der alle diese capluttas, aber auch die baselgias, die Kirchen, miteinander verbindet. Erfahren habe ich dies in einem Restaurant, als man das Gedeck mitsamt Tischset auffuhr. Gute Sache!

Auf Bild klicken, damit es lesbar wird!


15. August 2017

Der Niesen im Berner Oberlande

Eine Reiseskizze
von Dr. H., erschienen in der Oesterreichischen botanischen Zeitschrift, X. Jahrgang, Nr. 3, März 1860

Mancher Leser dieser Blätter hört hier wohl zum ersten Male den Namen eines Berges, der doch mehr als mancher andere, jetzt viel besuchte und gerühmte Punkt der an Naturschönheiten so reichen Schweiz die Aufmerksamkeit des flüchtigen Reisenden nicht allein, sondern auch des wissenschaftlichen Forschers verdient. Gleich merkwürdig durch seine Gestalt und prachtvolle Fernsicht, wie durch seine üppige Flora und seine interessanten geognostischen Verhältnisse und bereits im Jahre 1561 von Benedikt Aretius (der dem Genus Aretia seinen Namen gab) beschrieben, diente er doch bis jetzt beinahe nur der näheren und ferneren Umgegend zum Zielpunkt von Excursionen , während der grosse Touristenschwarm, der alljährlich die Schweiz durchflutet, und zum grossen Teile an seinem Fusse vorüber durchs Kandertal und über den Gemmipass dem Wallis zueilt, durch seine schwere Zugänglichkeit und den Mangel eines sicheren Obdachs auf der Spitze von der Besteigung abgeschreckt wurde. In den letzten Jahren ist das anders geworden. Seitdem ein mit grosser Mühe und bedeutenden Kosten angelegter, ganz gefahrloser Weg zum Gipfel des Niesen führt, und ein treffliches Gasthaus dem Wanderer erwünschte Labung und Schutz gegen einbrechendes Unwetter verspricht, hat sich ihre Zahl auch der ausländischen Besucher ungemein vermehrt und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, wo sein Name dem des Rigi und anderer berühmter Aussichtspunkte ebenbürtig genannt wird. Leider wird aber auch mit dem Eintreffen des unvermeidlichen Engländers und des lärmenden Franzosen der Berg viel von dem poetischen Reize verlieren, der sein einsames Haupt bisher schmückte.



Der Niesen, 7280 Fuss ü.M., 5580 Fuss über dem Spiegel des Thuner Sees gelegen, den sein Fuss beinahe berührt, ist ein fast ganz isolierter Berggipfel im Südwesten des Kantons Bern, zwei Stunden von Thun entfernt. Gleich einem weit vorgeschobenen Posten des höheren Alpengebirges, ist er, ein riesiger Wächter, zwischen den engen Ausgangspforten des Simmen- und Kander-Tales hingelagert, den Umwohnern ein zuverlässiger Wetterprophet. Schon aus der Ferne lenkt er durch seine fast regelmässige Pyramidenform das Auge des Reisenden auf sich. Nach drei Seiten schroff abfallend, hängt er nur gegen Südwest mit einer niedrigeren, gegen das Wallis auslaufenden Gebirgskette zusammen. Nur bis auf den vierten Teil etwa ist er bewaldet, den übrigen Teil des Berges bedecken schöne Triften, auf denen eine gesegnete Alpenwirtschaft von den Umwohnern betrieben wird. Sein Haupt reicht nicht in die Schneeregion, auch kann an seinen steilen Wänden der Winterschnee nicht lange haften und macht zeitig im Jahre einer mannigfaltigen Flora Platz.

Über die geognostischen Verhältnisse des Niesen kann ich als Laie nur erwähnen, dass er dem Kalke angehört, dessen Schichten auf mannigfache Weise von Schiefer, Sandsteine und Grauwacke durchsetzt werden. Den Gipfel bedecken mächtige, chaotisch durcheinander geworfene Sandsteinstücke, wie von Riesenhand nach allen Richtungen hingeschleudert.




Als ich im vergangenen Sommer auf einem botanischen Ausfluge durch die Schweiz in dem heiteren Thun angelangt, schon im Begriffe stand, vom Dampfe mich wieder dem Norden zuführen zu lassen, kam mir der Rat meiner freundlichen Thuner Wirtin, dem nahen Niesen zum Abschied noch einen Besuch abzustatten, ganz gelegen. Schon am vergangenen Abend hatte mir auf der Fahrt von Interlacken herüber seine gigantische, vom Abendrot bestrahlte Pyramide lockend zugewinkt und den Wunsch rege gemacht, mit seiner Besteigung meinen Reiseerlebnissen noch eine schöne Erinnerung hinzuzufügen. Ich hatte zwar des Schönen viel, für so kurze Zeit fast zu viel gesehen, und dabei als Neuling in den Schätzen einer reichen Alpenflora geschwelgt; Rigi und St. Gotthard, Furka und Grimsel, Rhonegletscher und Faulhorn hatten mir mit ihren schönsten Gaben Tribut zahlen müssen, und dennoch sah ich nur mit Bedauern dem Augenblick entgegen, der mich von so viel Herrlichkeiten trennen sollte. Begierig ergriff ich daher die günstige Gelegenheit, den Abschied noch um einen Tag hinauszuschieben und schon die nächste Stunde sah mich, am heitern Morgen des 29. Juli, auf der schönen Strasse nach Wimmis meinem Ziele zustreben. Eine fruchtbare, reich angebaute Gegend und links in nicht zu weiter Ferne die im Morgenlicht strahlende Kette der Berner Hochalpen gewährte Unterhaltung genug während des zweistündigen Weges bis Wimmis, welches, von einem altertümlichen Schlosse überragt, sich an den Fuss des Niesen anschmiegt. Ein Führer wurde hier akquiriert, mehr der Gesellschaft und des Gepäcktragens halber, als um den Weg zu zeigen, der deutlich genug vorgezeichnet war. Nachdem ein enges, von steilen, nadelholzbewachsenen Wänden umgebenes Wiesental durchschritten war, begann sogleich das Ansteigen, anfangs noch im Schatten des Gehölzes oder durch fette Bergwiesen, auf denen indes nur die gewöhnliche montane Flora, z.B. Scabiosa sylvatica, Gentiana campestris, Prunella grandiflora, Orchis militaris, Peristylus albidus u. A., untermischt mit einzelnen subalpinen Kräutern anzutreffen war. Hin und wieder öffnete sich eine reizende Fernsicht über den Spiegel des Sees und nahe und ferne Bergeshäupter, oder eine klare Quelle rauschte zwischen einem Walde hoher Farrenkräuter, zwischen denen Aconitum Napellus, Saxifraga rotundifolia, Veronica urticaefolia, Astrantia major, Prenanthes purpurea, Senecio cordatus u.A. wucherten, hervor. Nach und nach wurde die Holzung sparsamer und niedriger, der Rasen kürzer, aber auch das Ansteigen unter der brennenden Julisonne beschwerlicher. Über weithin sich dehnende Matten von zahlreichen Herden eines schönen Rindviehschlages belebt, zog sich der Weg in mannigfachen Windungen am Berge hinauf. Die bis dahin etwas einförmige Flora, fast nur aus kurzem Grase, untermengt mit den alpinen Formen von Lotus corniculatus, Thymus Serpyllum und Anthyllis Vulneraria bestehend, denen sich seltener Daphne striata und Veratrum album, desto häufiger und auf weite Strecken hin Rumex alpinus zugesellte, nahm allmählich alpinen Charakter an. Gentiana purpurea zeigte sich nun und blieb bis nahe an den Gipfel häufig, seltener, aber in riesengrossen Exemplaren, fand sich Gentiana lutea, ganz vereinzelt Gentiana punctata, dazwischen Cirsium eriophorum, an feuchten Stellen Cirsium spinosisximum, mit ihnen Parnassia palustris in fremdartiger zwerghafter Tracht, Trifolium caespitosum, badium, pratense var nivalis, Saxifraga Aizoon, Scabiosa lucida, Sedum album und atratum, Bellidiastrum Michelii, Homogyne alpina , Erigeron alpinus und glabratus, Chrysanthemum atratum, Arnica montana, Carduus defloratus , Leontodon hastilis var. alpina, Crepis aurea, Hieracium Auricula und angustifolium, Campauula barbata, pusilla und Scheuchzeri, Phyteuma betonicefolium, Gentiana acaulis (hier schon verblüht), Rhododendron ferugineum, Bartsia alpina, Euphrasia officinalis var. alpestris und salisburgensis, Poa alpina, Phleum alpinum, Festuca Halleri und ovina var. alpina.




Nach dreistündigem, ununterbrochenem Ansteigen war die noch eine Stunde unter dem Berggipfel gelegene Sennhütte erreicht, wo bei erquickender Alpenkost frische Kräfte für die noch übrige Strecke gesammelt wurden. Mit jedem Schritte auf dem fortwährend im Zickzack steil, aber bequem und gefahrlos ansteigenden Pfade öffnet sich eine neue, immer schönere Fernsicht auf die gerade gegenüber riesig emporsteigenden Berner Alpen, eine oft schon empfindliche Gletscherluft, die von ihnen herüber weht, kühlt die erhitzte Stirn und immer reicher entfaltet sich dabei eine herrliche Alpen-Flora. Die schöne Alpenaster färbt mit ihren Massen den Rasen fast tiefblau, und wetteifert mit den brennenden Farben des Alpen-Vergissmeinnichts und der Gentiana nivalis und bavarica; Nigritella angustifolia haucht ihre Düfte aus, Anemone alpina und vernalis, Arabis alpina, pumila, Arenaria ciliata, Cerastium strictum, Hedysarum obscurum, Phaca astragalina, Oxylropis montana, Geum montanum, Dryas octopetala, Potentilla aurea (nebst einer anderen, Poteiitilla, die der salisburgensis var. trifoliata am nächsten kommt), Alchemilla alpina, Gaya simplex, Bupleurum ranunculoides, Galium helveticum, Erigeron uniflorus, Gnaphalium carpaticum, dioicum var. alpina, supinum und Leontopodium (letzteres in grösster Menge), Pedicularis verticillata, Phyteuma hemisphaericum, Androsace Chamaejasme, Primula farniosa und ein Heer von Gräsern, darunter Avena versicolor und Festuca pumila, auch im Rasen versteckt Selaginella spinulosa und Cystopteris alpina, fesseln immer aufs Neue die Blicke.

So nahten wir uns unter fortwährendem Sammeln der Spitze, der Rasen wird dürftiger und zahlreiche Felsblöcke, oft Ruinen oder Mauern gleich, zwischen denen sich der kunstvoll angelegte Weg hinschlängelt, bedecken die Hänge des Berges. Endlich steigt die höchste Kuppe, bisher noch versteckt, vor den Blicken auf, nach wenigen Minuten ist das freundliche, mit manchem in solcher Höhe kaum gesuchten Komforts ausgestattete Gasthaus erreicht und wir können unter schattigem Dache unserem Körper die notwendige Ruhe und leibliche Erquickung gönnen.

Neu gestärkt klimmten wir die wenigen Schritte zur höchsten Spitze des Berges hinan, die nur wenig Personen Raum bietet. Eine Aussicht bietet sich hier, mit der sich nur wenige vergleichen, die wir aber hier dem Leser nur in ihren Hauptumrissen zeichnen können. Die ganze weite Fläche zwischen Alpen und Jura liegt vor uns, mit einer Unmasse von Ortschaften besät, von zahlreichen Seen belebt, von Gebirgen nach allen Richtungen hin durchzogen, im fernen Hintergrund von der vielgezackten Mauer des Jura begrenzt. Kehrt der Blick in die nähere Umgebung zurück, so fällt er zunächst in das zu unsern Füssen liegende Simmental, berühmt wegen seiner Fruchtbarkeit und trefflichen Viehzucht, jenseits von der Stockhornkette mit ihren abenteuerlich gestalteten Gipfeln begrenzt, welche nach dieser Seite hin die weitere Aussicht hemmen. Über die Simmentaler Berge hinweg erheben sich westlich zahllose Bergspitzen der Kantone Waadt, Genf und Freiburg. Weiter gegen Norden schweifend haftet das Auge auf dem glänzenden Spiegel des Thuner Sees, denn ein Kranz schöner Ortschaften umgibt und dessen Nordspitze das malerische Städtchen Thun krönt. Einem silberglänzenden Bande gleich schlängelt sich aus der Bucht des Sees die Aare in zierlichen Windungen dem alten Bern zu, dessen Turmspitzen dem Auge kaum noch deutlich erscheinen. Weiter nördlich lagern sich die niedrigeren Gebirge des Kantons Bern vor, dem Emmental und Entlebuch entsteigend. Nach NO, in der Tiefe, ist noch ein Teil des Brienzer Sees zwischen seinen hohen Felsenufern sichtbar, dahinter ragen der Pilatus, Brünig und andere Gebirge der östlichen Schweiz. Südöstlich strecken sich zu unseren Füssen die Frutigen-, Kander-, Adelboden- und Kien-Täler aus, in ihrem reichen Anbau einem Garten ähnlich, zwischen ihnen und dem Brienzer See die Berge des Lauterbrunnen- und Grindelwald-Tals und noch über diese majestätisch emporgipfelnd die Kette der Berner Hochalpen. Unter allen am prachtvollsten ragt die Blümlisalp oder Frau hervor, die mit ihren weiten Schneefeldern und Gletschern den Glanzpunkt der Aussicht bildet und weil mit ihrem Fuss dem Kiental entsteigend, hier ihrem ganzen Umfange nach, wie von keiner anderen Stelle aus sichtbar ist. Das Breithorn, die Jungfrau, der Eiger, die Schreck- und Wetter-Hörner reihen sich östlich an sie an, während gegen Süd und Südwesten die Gemmi, Altels, Karyl, Diablerets und unzählige andere, dem Wallis und Waadt-Lande angehörende Spitzen sich erheben. Eine im fernen Hintergrunde auftauchende Kuppe bezeichnete mir der kundige Führer als zur Gruppe des Montblanc gehörig. Wer, wie ich, das Glück hatte, diese Aussicht bei heiterem Himmel und einem gleich prachtvollen Sonnenauf- und Untergang zu geniessen, dem wird sie unvergesslich bleiben.

Wendet sich das Auge endlich von dem erhabenen Rundgemälde ab und der näheren Umgebung wieder zu, so trifft es zwischen den Felsenblöcken, dem Gerölle und kurzen Rasen der Spitze – ausser vielen der schon früher genannten Pflanzen – noch auf die Polster der Silene acnaulis, Saxifraga oppositifolia (schon verblüht), moschata und Seguieri? Aronicum scorpioides, Elyna spicata, Carex frigida, firma und ferruginea, Sesleria coerulea (nur auf der höchsten Spitze bemerkt) Poa minor. Schöne Steinflechten überziehen in mannigfachen Farben die verwitterten Blöcke.

Ein erquickender Schlaf folgte den gehabten Anstrengungen. Zeitlich am anderen Tage, um die Morgenkühle noch zu benützen, trat ich den Rückweg an, wobei ich leider der Zeitersparnis halber dem gestrigen Pfade wieder folgen musste. Nach kaum zwei Stunden war der Fuss des Berges, nach einer weiteren Stunde auch Thun wieder erreicht und der Nachmittag traf mich bereits, Dank der Geschwindigkeit des Dampfrosses, in dem schweizerischen Venedig, wie der Berner seine Stadt gern nennen hört. Ein mächtiger Strauss von Edelweiss folgte mir in die Heimat und mahnte noch lange an eine der genussvollsten Exkursionen.




Mit vorliegenden Zeilen bin ich natürlich weit entfernt, ein vollständiges Bild der Flora dieses Berges entwerfen zu wollen, sie enthalten nur das, was bei einer flüchtigen Besteigung zur Seite des Weges gesammelt oder notiert wurde. Ich würde sehr dankbar sein, wenn die kundigere Feder eines Schweizer Botanikers, vielleicht in diesen Blättern die obige Skizze vervollständigte. Denn es ist mit Recht anzunehmen, dass sich bei einer genaueren Durchforschung, namentlich auch der übrigen Seiten des Berges und zu einer früheren Jahreszeit, noch manche Seltenheit, so das von Gaudin erwähnte Eryngium alpinum, findet, und dass der Niesen seinem neuerlich durch manchen seltenen Fund berühmt gewordenen Nachbar, dem Stockhorn, auch in dieser Beziehung ebenbürtig zur Seite stehe. Und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würde schon die Üppigkeit der Flora und der Umstand, dass die Vegetationsgrenzen der Pflanzen hier, wie an andern isolierten Bergen, recht instruktiv hervortreten, und sich bequem studieren lassen, einem jeden Botaniker die immer etwas mühselige Besteigung lohnen.

23. Juli 2016

Weshalb ist dieser Höhenweg kein Klassiker?

Vor 20 Jahren sagte mir ein Kollege, ich müsste unbedingt einmal die Wendenalp bewandern. Nun, am vergangenen Wochenende nahm ich mir die Gegend am Sustenpass vor und trabte am späteren Nachmittag von Obermaad bei Gadmen los. Bereits nach wenigen Minuten nahm mich die historisch belegte Kommunikationsstrasse von 1811 auf. Es handelt sich hierbei um die erste eigentliche Strasse über den Sustenpass. Sie löste den alten Saumpfad ab und diente bis zum Bau der heutigen Touristenstrasse (1938–1945) als Verkehrsweg mit einer Breite von 3 Metern. Währenddem neben und über meinem Kopf die Motorräder röhrend die Passstrasse rauf- und runterkurvten, stieg ich mit zunehmender Begeisterung und mutterseelenalleine die 200 Jahre alte Trasse hoch. 

Den krönenden Abschluss dieses Wegabschnittes bildete ein kurzes Steilstück, das mit einer Haarnadelkurve und schönen Trockensteinmauern überwunden wird. Das Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) schreibt dazu: Bauliches Kernstück dieses Abschnittes ist eine S-Schlaufe im offenen Grasland westlich von Löibboden. Mit dieser Schlaufe sowie dank aufgeschütteten Dammkonstruktionen konnte die Steigung minimiert und konstant gehalten werden. Die Dammauern sind bis zu 2 m hoch; ihre Kronen sind mit wenig behauenen Randsteinen durchsetzt. Für die Oberflächenentwässerung wurde ursprünglich ein durchgehender, seitlicher Entwässerungsgraben angelegt. Er ist heute meist verfüllt und mit Gras überwachsen. Mehrere gemauerte Tombini führen kleinere Wasserläufe unter der Fahrbahn durch.

Mein Tagesziel, die Wendenalp in einem Seitental des Gadmentals, erreichte ich über einen traumhaft schönen Pfad, der sich über einen Hügelrücken mit Schafalp windend in den Talgrund zum Wendenwasser hinab senkte. Daselbst, am Fusse von Wendenstöcke und Titlis schlug ich mein Zelt auf und erlebte eine totenstille Nacht im fahlen Licht des sich anbahnenden Vollmondes.

Anderntags widmete ich mich dem Höhenweg, der sich unterhalb der Gadmenflüe talauswärts zieht. Der schmale Pfad führt nicht selten hart am Abgrund vorbei, er durchquert auch mehrere Gräben, die bis weit hinunter mit Lawinenschnee gefüllt waren. Je weiter ich mich von der Wendenalp entfernte, umso umfangreicher wurde die Aussicht in meinem Rücken. Beidseits des Weges standen unzählige Blumenarten in voller Blütenpracht. Die äusserst abwechslungsreiche Route führte mal durch bestossenes Alpgelände, dann wieder durch wildere und steilere Zonen. Kurz vor der Tällihütte (SAC) begegnete ich ein paar wenigen Wanderern, den langgezogenen Abstieg hinunter nach Nessental an der Sustenstrasse bewältigte ich indes wieder in völlig einsamer Umgebung.

Die Runde beginnt östlich von Gadmen im Weiler Obermaad und zieht sich dann gegen den Uhrzeigersinn nach Nessental hinunter, wo sich wenige Meter von der Postautohaltestelle ein empfehlenswertes Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit befindet. Insgesamt 8 Stunden bei T2 (einzelne Passagen T3), durchgehend markiert.


Da fragt man sich am Ende, weshalb ist dieser Höhenweg nicht besser bekannt und stärker frequentiert? Dabei bietet die Postautohaltestelle Gadmen, Feldmoos den idealen Einstieg, will man sich die Höhenmeter von Obermaad ersparen, und die Tällibahn unmittelbar bei der Tällihütte vermittelt die knieschonende Abstiegsvariante ins Tal. Henu, ich will nicht grübeln, sondern die Bilder sprechen lassen. Und ... ja ..., mein Kollege hatte völlig recht, damals vor 20 Jahren ...

21. Juli 2016

Wie ich zum Buch und das Buch zu mir kam

Anderthalb Jahre wandern und schreiben:
Nun ist es endlich käuflich zu haben, so
auch über meine Edition Wanderwerk.
Im Frühling 2014 erhielt ich vom deutschen Bergbuchverlag Rother die Anfrage, ob ich einen Wanderführer für das Gebiet zwischen Schaffhausen und Gotthard verfassen möchte. Es war kein geringerer als der helvetische Wanderpapst, Thomas Widmer, der mich als in Frage kommenden Autor dem Verlag empfahl. Ohne lange zu zögern sagte ich zu. Welch eine Ehre für mich, welch eine anstrengende Arbeit aber auch. Mindestens 50 Touren sollten es sein, ausgewogen verteilt und unter anderem mit anspruchsvolleren Routen im Gebirge.

Alleine die Planung der Touren kostete mich mehr als eine Woche Arbeit. Gefordert waren einerseits Wanderungen, die in keinem der bereits erschienenen Rother-Führer beschrieben waren, andererseits sollten es wenn möglich Rundwanderungen sein. Bereits kurz nach der Unterzeichnung des Autorenvertrags ging ich ins Gelände. Die ersten Touren führte ich bei grosser Hitze durch. Dann kam der Katastrophen-Sommer 2014 und warf viele meiner Rekognoszierungspläne über den Haufen. Es war zum Verzweifeln schlimm. Zum Glück blieb mir noch reichlich Zeit bis zum Abgabetermin Ende 2015.

Nun, ich schaffte es, das Vorhaben termingerecht umzusetzen. Es folgten die Vorarbeiten für den Neuheitenkatalog, die Festlegung des Umschlagfotos, des Buchtitels und des Vorschautextes. Hernach war die Reihe am Verlag, aus den über 500 abgelieferten Fotos, dem Text, den Bildlegenden, den Routenkarten und den GPS-Dateien etwas Gescheites zu kreieren. Ein freischaffender Lektor aus München nahm sich mit viel Einfühlungsvermögen dem Material an. Im vergangenen Frühling erhielt ich den ersten Wurf des Werks als PDF. Ich war positiv überrascht. Sowohl Lektor und Buchgestalter haben sich grosse Mühe gegeben, so dass ich am Layout nichts zu mäkeln hatte (und das will etwas heissen!). Zu guter Letzt wurden noch die Routenkarten eingebaut, so dass nach zwei Korrekturlesungen meinerseits, das Buch via Verlagskorrektorat in den Druck gehen konnte.

Das Buch erschien am 6. Juli 2016, verbunden mit einem für mich bedauernswerten Wermutstropfen: Die vom Verlag unmittelbar nach Erscheinen verschickten Belegexemplare fanden bis heute den Weg nicht zu mir. Da gehst du fast zwei Jahre schwanger mit dem Teil, es wird geboren, uns du bekommst es tagelang nicht zu Gesicht. Ich befürchtete zudem, dass selbst die Medien auf ihre Rezensionsexemplare warten müssten, allen voran Thomas Widmer, der mit mir für den Tages-Anzeiger ein längeres Interview zur Publikation von «Rund um Zürich», so der Name des Kindes, machen wollte.

Das Glück wollte es aber, dass wenige Stunden vor dem Gesprächstermin, Thomas sein Besprechungsexemplar erhalten hatte. So kam es, dass ausgerechnet jener Mann, dem ich die Möglichkeit verdanke, diesen Führer verfassen zu können, dass ausgerechnet er mir nun jenes Buch in die Hände geben konnte, auf das ich so sehnlichst gewartet hatte. So schliessen sich Kreise.

11. November 2015

Weisshorn im Visier

Das umwerfend schöne Herbstwetter führte mich gestern ins Goms, wo noch ein paar Gemeinden der Begehung harren. Vom Bahnstatiönchen Fürgangen-Bellwald stieg ich auf eine ehemalige Gletschermoräne hoch und folgte dieser bis kurz vor Fiesch. Die Fortsetzung spielte sich am Südhang ab und erstreckte sich via Betten nach Mörel und war ein absolutes Schmankerl. Nebst einer glasklaren Sicht, wobei ich stets das betörende Weisshorn vor Augen hatte, bestachen die Lärchen mit ihren goldfarbenen Nadeln. Ziemlich krass war die Durchquerung des Deischbachtobels zwischen Lax und Martisberg. Auf meiner Karte von 1985 ist noch kein Weg vermerkt. Meine DVD-Karte von swisstopo gibt einen markierten Bergweg an. Die aktuelle Online-Karte des Bundes zeigt zwar den Weg, zeichnet ihn jedoch nicht als markierte Route aus. Die Situation vor Ort präsentierte mir einen tipptopp Instand gehaltenen, als Bergweg markierten Pfad über schauerlichen Abgründen. Ein weiterer wegtechnischer Höhepunkt war der Saumpfad von Betten nach Mörel. Mehr über diesen Abschnitt in einem der nächsten Blogeinträge.

Fürgangen-Bellwald–Mörel: 15.0 km, 745 m Auf- und 1190 m Abstieg bei gut 5 Stunden Wanderzeit.


Die Wanderroute entstand übrigens im Rahmen meines Projektes, sämtliche Gemeinden der Schweiz zu begehen. Heute waren dies Lax, Martisberg, Betten, Mörel. Was Martisberg betrifft, so fusionierte die Gemeinde am 1.1.2014 mit Betten, die sich seither Gemeinde Bettmeralp nennt. Zum Zeitpunkt der Fusion zählte Martisberg gerade mal 16 Einwohner. Bei der Kapelle in Martisberg hielt ich Mittagsrast und kam mit einer betagten Walliserin ins Gespräch. Sie war gerade daran, die Blumen zu bewässern, als sie sagte, dies sei nun das letzte Mal, dass sie «bschütte». Vor ein paar Wochen lagen hier auf 1350 Meter über Meer 30 cm Schnee, erzählte sie mir, währenddem die Sonne angenehm warm an die Kapellenmauer schien. Was mich indes am meisten erstaunte: Während der fünf Wanderstunden begegneten mir nur drei Spaziergänger mit Hunden sowie ein Rennradfahrer. Henu, die Route sei dennoch all jenen empfohlen, die der Bettmeralp, der Riederalp und der Belalp aus dem Weg gehen und sich dennoch reichlich beschenken lassen wollen.

Unweit von Fiesch zeigte sich mir das Weisshorn zum ersten Mal (ganz klein rechts der Bildmitte).

Traumhafte Landschaft kurz vor Martisberg. Blick hinüber Richtung Binntal (rechts).



22. September 2015

Holje-guggu

Bis vor Kurzem lebte ich im Irrglauben, das Rigi-Lied sei ein Wanderlied. Rigi-Lied? Rigi-Lied:

Vo Lozärn gäge Wäggis zue
Holje-guggu, holje-guggu
Bruucht me weder Strömpf no Schueh
Holje-guggu, holje-guggu


Diese Rigi-Weise ist eines der wohl bekanntesten Deutschschweizer Volkslieder, doch wer, wie ich, bloss die erste Strophe kennt, der erliegt schon mal einem Irrtum. Strophen zwei und drei bringen nämlich eine ungeahnte Wendung:

Fahre im Schiffli öbere See
Holje-guggu, holje-guggu
Um die schöne Meitli z’gseh
Holje-guggu, holje-guggu

Hoduliduli hopsassa holje-guggu, holjeguggu
Hoduliduli hopsassa holje-guggu-guggu


Z'Weggis, dort foht's Stiegen a
Holje-guggu, holje-guggu
Meiteli, Büebeli hopsassa!
Holje-guggu, holje-guggu

Meiteli, g-ümpele nit eso
Holje-guggu, holje-guggu
's Gümpele wird dir scho vergoh
Holje-guggu, holje-guggu

Im Chaltbad do chehrt me-n-i,
Holje-guggu, holje-guggu
trinkt es Schöppeli rote Wi
Holje-guggu, holje-guggu

Wo mir si uf e Rigi cho
Holje-guggu, holje-guggu
het's viel Alperöseli do
Holje-guggu, holje-guggu

Meiteli, trink mer ned z’vel Wy
Holje-guggu, holje-guggu
S’Gäud das muess verdienet sy
Holje-guggu, holje-guggu

Hoduliduli hopsassa holje-guggu, holjeguggu
Hoduliduli hopsassa holje-guggu-guggu


Das von dem aus dem Kanton Solothurn stammenden Johann Lüthy 1832 komponierte Rigi-Lied handelt also nicht vom Wandern zwischen Luzern und Weggis, sondern von der Schifffahrt und Besteigung der Rigi. Ich sah mich also selber belehrt, als ich mich in Luzern aufmachte, um im Sinn und Geist der ersten Strophe nach Weggis zu gehen. Nun, ich empfehle das Abschreiten des Waldstätterweges so oder so. Man gelangt an gar manch schöner Stelle vorbei, wie zum Beispiel dem öffentlich zugänglichen Schloss Meggenhorn, der Seepromenade von Meggen, dem historischen Dorfkern von Küssnacht oder dem sensationellen Bio-Laden des Haldihofs eine gute Wegstunde vor Weggis. Hier erstand ich mir ein Flachmannfläschchen «Wanderwasser». Der Aprikosenschnaps trägt die Bezeichnung Chasseral. Dahinter steckt ein geniales Konzept, wonach sämtliche auf dem Haldihof destillierte Schnäpse Bergnamen Tragen, die auf einem Rigi-Panorama von 1820 aufgeführt sind. Das Panorama dient dem Hof zugleich als Werbe-Leporello. Das Ganze ist sehr professionell gestaltet und macht dem typografisch geschulten Auge Freude.

PS 1: In Weggis angekommen, bestieg ich das Dampfschiff Luzern und fuhr – im umgekehrten Sinne des Rigi-Liedes – zurück nach Luzern. Schuhe und Strümpfe behielt ich an. Es hatte mir zu viele Leute an Bord.

PS 2: Das Rigi-Lied wird je nach Gusto seines Erwähners auch als Luzerner Lied oder Weggiser Rigi-Lied benannt.

PS 2: Die Route führt ausnahmslos durch Orte mit Doppelkonsonanten: Meggen, Küssnacht, Greppen, Weggis.


Empfehlenswerte Route von Luzern (Haltestelle Seeburgstrasse) via Meggen–Küssnacht–Greppen nach Weggis.

Das Märchenschloss Meggenhorn entstand nach dem Vorbild des Loire-Schlosses von Chambord.

Einer von drei Verkaufsräumen des Haldihofs zwischen Greppen und Weggis.

Auf dem Haldihof werden leckere Schnäpse gebrannt, so unter anderem etliche Sorten «Wanderwasser».

6. Juli 2015

Die Bank im Rank 29



Massiv wie der Berg, an dem diese Steinbank steht. Es ist die einzige geordnete Sitzgelegenheit am Aufstieg zum Gross Mythen. 47 Kehren zählt der beeindruckende Serpentinenweg von der Holzegg auf den knapp 1900 Meter hohen Gipfel. Die Bank befindet sich in der 29. Kehre, kurz bevor sich der Weg durch eine Felswand in der Südostflanke windet. Der Gross Mythen: Ein Must für jeden zünftigen Bergwanderer!

Und nun noch eine gute Nachricht für alle jene Mythenbezwinger, die schon länger nicht mehr oben waren. Seit vergangenem Jahr wirtet eine neue Crew im Gipfel-Restaurant. Der Vorgängerwirt, der die Wanderer und vor allem die Wanderinnen mit seinen mitunter schockierenden Sprüchen das Gipfelerlebnis vermieste, ist also nicht mehr. Er treibt nun seine Spässe oberhalb von Amden im Bergrestaurant Walau. Ein Besuch der Website gibt einen netten Einblick in das Niveau des kauzigen Gastgebers.

21. Juni 2015

Kavernen zur Sommersonnenwende

Heute ging es ins Aargauische. Vom solothurnischen Schönenwerd startend führte die Route durch viel Wald hinüber nach Kölliken, wo mich der Gasthof Bären mächtig beeindruckte. Im wegen der Sondermülldeponie leidgeprüften Ort hätte ich nie ein derart hübsch hergerichtetes Restaurant vermutet. Überhaupt scheint mir dieses Kölliken über eine nebenher gute Wohnqualität zu verfügen. Mitten durch ein Wohnquartier führt zum Beispiel der Köllikerbach, darin sich gleich mehrere Entenpaare tummelten.

Der eigentliche Kracher waren indes die Kavernen des ehemaligen Sandsteinbruchs Friedlistall südwestlich von Staffelbach. Sie standen schon seit einiger Zeit auf der Menüliste der noch auszuführenden Wandertaten. In der Gegend wurde schon im 16. und 17. Jahrhundert Sandstein abgebaut. Der «Staffelbacher Marmor» war im ganzen Aargau und den umliegenden Kantonen ein Begriff. Vielfach wurden die Felsblöcke in der Staffelbacher Steinsäge bearbeitet. Vier- bis sechsspännige Steinfuhren brachten das Baumaterial auf dreitägigen Fahrten bis in die Ostschweiz. Um die Jahrhundertwende ging der Sandsteinabbau stark zurück. Die letzten Blöcke wurden in den 1960er-Jahren auf dem Böl gebrochen.

Die Sandsteinkavernen von Staffelbach (AG) sind auf ausgeschildertem Weg zu erreichen. Staffelbach liegt an der Buslinie Schöftland–Sursee.


Beim Steinbruch Friedlistall handelt es sich um eine grossartige, in den Molassefels hineingeschnittene Anlage mit einer Gesamtlänge von 180 Metern. Sie ist unterteilt in etwa ein Dutzend 18–20 Meter hohe und bis zu 20 Meter tiefe Kavernen. Schätzungsweise wurde hier ein Volumen von mehreren 10'000 m³  Sandstein abgebaut. Zudem sind verschiedene Stadien des Abbaus sichtbar, so dass die damalige Abbautechnik veranschaulicht wird. Wie sich die Kavernen mitten im Wald präsentieren zeigen die Fotos.

16. Juni 2015

Den Uhrwald gibt's tatsächlich


Als wir neulich von der Vallée des Ponts im Neuenburger Jura über die Anhöhe des Mont Racine nach Neuenburg wanderten, entdeckten wir den mir bis dato unbekannten Sentier des sculptures. Dieser zickzackt den Wald südlich von La Sagne hoch und endet in superber Juraweide. Die Holzschnitzer haben auf humorvolle und mitunter kunstreiche Art einen Weg geschaffen, der nicht nur Kinder begeistert. Mir jedenfalls ist es so ergangen. Und seither weiss ich auch, dass der Uhrwald nicht bloss eine Wortspielerei ist, es gibt ihn wahrhaftig! Weitere Bilder gibt es auf meiner Fotoseite.

Ausgehend vom Bahnhof La Sagne (NE), wird der Skulturenweg am Mont Racine in 20 Minuten erreicht.

8. Januar 2015

Aus dem Schnee an den See

Wandern geht immer und überall. Deshalb empfehle ich meinen lieben Blogleserinnen und -lesern nachfolgende Winterwanderroute von Heiligenschwendi über den Vesuv hinunter an den Thunersee.

Alleine die Busfahrt vom Thuner Hauptbahnhof hinauf zur Haltestelle Heiligenschwendi Dörfli ist eine Reise wert. In wenigen Minuten lassen wir uns aus dem Stadtzentrum ins ländlich-verhügelte Voralpenambiente katapultieren. Auf breiter Strasse streben wir der etwas deplaziert wirkenden Einfamilienhaussiedlung an der Haltenegg zu. Über den breiten Rücken dieser Egg schreiten wir hernach an Ruhebänken und dem gleichnamigen Kurhaus vorbei durch verschneiten Wald einem Gupf entgegen, der sich seiner Form wegen «Vesuv» nennt. Auf einem Stichpfad beschreiten wir den Nordgrat, um sodann vom Gipfelplateau in die Oberländer Bergherrlichkeit und hinunter auf den funkelnden See zu blicken.

Blick vom Vesuv über den Thunersee zu Niesen (links) und Stockhorn (rechts).

Nach der Durchquerung des Schwändigrabe öffnet sich das Panorama im Westen mit dem Stockhorn.


Als purer Kontrast gibt sich die Fortsetzung eine Viertelstunde später. Der im Winter kaum begangene Schwändigrabe versprüht den Hauch vom Ende der Welt, welches jedoch beim Hof Melbaume selbst ein Ende hat. Hier labt sich das Auge erneut am göttlichen Panorama von Eiger, Niesen undsoweiter. Es folgt der Abstieg im lichtdurchfluteten Wald. Der südwestlichen Exposition wegen, weicht hier der Schnee dem winterlichen Laubbraun. In weiten Kehren steuern wir den Längenschachen an und folgen der Seestrasse zum Oberhofner Strandbad. War vor einer Fussstunde noch eisiger Winter, setzt die Uferpromenade vorfrühlingshafte Akzente.

Hübscher Gegensatz: Die Uferpromenade nahe des Schlosses Oberhofen.


Hier liesse sich der Bus nach Thun besteigen, doch wir wollen mehr Goldküste und begehen den alten Oberländerweg nach Hilterfingen, vorbei an Villen und verwitterten Chalets, durch den Hüneggpark mit Schloss und exotischen Gehölzen nach Hünibach mit Migros, Coop und Denner.

Von Heiligenschwendi Dörfli hinunter an den Thunersee nach Hünibach.

Die durchgehend als Wanderweg ausgeschilderte Route eignet sich zu jeder Jahreszeit. Gutes Schuhwerk ist Pflicht. Hin mit dem STI-Bus bis Heiligenschwendi Dörfli, zurück mit der STI ab Hünibach Chartreuse. 14,1 km. 440 m Aufstieg. 810 m Abstieg. 4 Std. Karte 1:50‘000, Blatt 253T, Gantrisch.

1. November 2014

Das Wasserzeichen

Hansjörg Schneider:
Das Wasserzeichen, Diogenes,
Zürich, 2013, ursprünglich 1997
im Amman Verlag erschienen
Ende der dreissiger Jahre kommt in einem Schweizer Dorf ein Junge zur Welt, der an seinem Hals eine kiemenartige Öffnung aufweist. Sie wird zu einer schmerzhaften Wunde, wenn sie austrocknet, regelmässig muss er sie wässern. So findet man den kleinen Moses Binswanger häufiger in den Bächen und Tümpeln der Umgebung als in seinem Elternhaus, bei der liebevollen, aber unglücklichen Mutter und dem groben Vater, dem der eigene Sohn mit seinem ›Wasserzeichen‹ nicht geheuer ist. Ins Wasser zieht sich Moses auch zurück, wenn er es unter den Menschen nicht mehr aushält, die ihm mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination begegnen. Fasziniert von seiner Wunde zeigen sich vor allem die Frauen. Denn alle Frauen, das weiss Moses, sind im Grunde Wasserwesen. Doch er muss erfahren, dass die Liebe ein gefährlicher Strudel ist, der die Liebenden in die Tiefe zu reißen droht – ist Moses Binswanger ein Mörder, eine Gefahr für die Öffentlichkeit? (Klappentext)

AG: Zofingen, Bottenstein, Altacherbach, Mühlebach, Wiggerfeld, Wigger, Gymnasium Aarau, Aarau, Mündung Wigger-Aare, Waage in Aarburg, Knabenanstalt Aarburg, Uerkheim, Banwald bei Zofingen, Rütihof oberhalb von Gränichen, Hochwacht oberhalb von Safenwil, Bänkerjoch BL: Schafmatt bei Oltingen BS: Stadt Basel, Psychiatrische Klinik Friedmatt, Riehen (Weiher am Aubach)

Hansjörg Schneiders autobiografisch gefärbter Roman Das Wasserzeichen spielt zur Hauptsache in Zofingen und Umgebung. Die Verortung der Geschichte ist derart einfach und klar, dass ich mich veranlasst fühle, den Schauplätzen demnächst zu Fuss nachzugehen. Als Wanderung drängt sich die Route von Brittnau nach Aarburg auf.

22. September 2014

Volldampf am Berg

Diesen Sommer stieg ich zum ersten Mal auf das Brienzer Rothorn. Von Sörenberg schaffte ich den Gipfel in gut vier Stunden. Folgendes begeisterte mich, weshalb ich die Route via Rossweid–Blattenegg–Lättgässli wärmstens empfehlen kann:
  • Die mit Heidelbeeren bestückten Waldpartien im sommers einigermassen erträglichen Skigebiet.
  • Die Hochmoorabschnitte.
  • Die zunehmend umfassend werdende Aussicht Richtung Hohgant, Entlebuch und Jura.
  • Der steile Zick-Zack-Weg in der steilen Nordflanke des Brienzer Grates.
  • Die Treppe durch das imposante Couloir des Lättgässlis.
  • Die absolut umwerfende und plötzlich auftauchende Aussicht vom Brienzer Grat hinunter zum Brienzer See, hinüber zu den Oberländer 4000ern sowie entlang des schmalen Brienzer Grates bis hin ins westliche Berner Oberland.
  • Die Geologie mit ihren Verwerfungen, Schichtungen, Faltungen.
  • Die Brienzer Rothorn Bahn mit ihren schnuckeligen Dampfloks, die sich modellbahnhaft den Berg hoch arbeiten.
  • Die Aussichtsterrasse des Bergrestaurants der Brienzer Rothorn Bahn.
  • Die Aussicht vom Brienzer Rothorn in die Zentralschweiz.
Christian Lüber: Dampfbetrieb am Brünig
und Brienzer Rothorn, AS Verlag, Zürich,
2006
Die Dampfbahn hatte es mir besonders angetan. Toll auch, dass in der 08.15-Touristenumgebung im Gipfelbereich kein Schnickschnack à la Disneyland herumstand. Keine Sommerrodelbahn, keine Hängebrücke, kein künstlicher Hochseilpark, kein Funpark mit Trampolins, Planschbecken und dergleichen, keine Monstertrottis, keine Biker. Der Star ist die Bahn, das Highlight die Aussicht, die Attraktion die tollen Wanderwege. Fertig. Für meinen Geschmack völlig ausreichend und durchaus sättigend.

Der Zufall wollte es, dass ich etliche Wochen später in einer Thuner Buchhandlung ein wunderbar gestaltetes Buch über den Dampfbetrieb an Brünig und Brienzer Rothorn neuantiquarisch erstehen konnte. Allen Dampfromantikern und Liebhabern des östlichen Berner Oberlandes sei deshalb nebst der Wanderung auch dieses Werk ans Herz gelegt.

Schnauft gemächlich den Berg hoch: Dampfzug der Brienzer Rothorn Bahn

29. Juli 2014

Stalden – Visperterminen – Visp

Am Sonntag ging ich im Wallis eine schöne Route. Mit der Bahn fuhr ich via Visp nach Stalden-Saas, folgte auf dem alten Talweg hinab zur Vispa und stieg am gegenüberliegenden Hang nach Staldenried hoch. Von hier wandte ich mich nordwärts Richtung Visperterminen und stiess auf einen wunderbaren Hangweg, der hoch über dem Talgrund durch magisch anmutenden Bergwald führte. In einer Lichtung mit Wiese sah ich einen Feldhasen friedlich äsen. Nur wenige Schritte weiter erblickte ich mitten auf dem Weg einen kapitalen Gamsbock. Der Pfad machte mit seinem geschmeidigen Waldboden das Gehen zum Hochgenuss. Das Glück steigerte sich, als die Route in den imposanten Graben des Beiterbachs mündete. Am Gegenhang zeigte sich über bedrohlichem Abgrund die Fortsetzung des Weges (siehe Bilder 1 + 2). Die Wildheit dieses Schlitzes begeisterte mich. Eine gute halbe Stunde später stand ich im Zentrum von Visperterminen, wo ich an einem Brunnen meinen Wasservorrat erneuerte.

Das Tobel des Beiterbachs, darüber der wunderbare Pfad Richtung Visperterminen.

Auf dem Pfad von Bild 1 hoch über dem Beiterbach.

Blick zurück nach Visperterminen. Hinten rechts die Gegend des Weisshorns.


Hernach hielt ich Richtung Hotee, was mundartlich für Hohtenn steht. Dieses hat indes nichts gemein mit jenem Hohtenn an der alten Lötschberglinie. Bis Hotee ging ich wiederum einen traumhaften Pfad durch Föhrenwald. Für ein paar Momente folgte ich gar einer Wasser führenden Suone. Das Wallis-Feeling erreichte nun endgültig seinen Höhepunkt. Der Abstieg nach Visp war der Inbegriff eines Knie und Gelenke schonenden Steigs. Seine Erbauer hatten eine durchgehend konstante Sanftneigung gewählt, die durchaus für manch zu steil gebaute Rampe Modell stehen könnte. War das ein Bergablaufen! Himmlisch. Bei circa 1100 Metern über Meer kam ich an den ersten Edelkastanienbäumen vorbei, umgeben von Birken, Föhren, Lärchen und später auch Buchen. An einer einzigen Stelle erblickte ich die Stadt Visp in ihrer ganzen Grösse (siehe Foto). Der Rest war reines Schaulaufen bis an den Rand der besiedelten Zone. Ich empfehle diese durchgehend ausgeschilderte Premium-Wanderung wärmstens zur Nachahmung.

Distanz: 16,9 km; Aufstieg: 1180 m; Abstieg: 1330 m; Wanderzeit: 6½ Std.; Schwierigkeit: T2; Karten: Swisstopo 1288 Raron, 1308 St. Niklaus; 274T Visp.

Der einzige Blick auf Visp beim Abstieg von Hotee.

Die Route auf der Karte 1:100 000 von Swisstopo.

24. Juli 2014

Oh Arvigrat, oh Arvigrat

Es war am Tag nach dem französischen Nationalfeiertag, als ich mich in den Kanton Nidwalden begab, um daselbst ausnahmsweise eine Rundwanderung zu zelebrieren. In Dallenwil bestieg ich die Kabinenbahn und schwebte dem Nebel entgegen zum Wirzweli. Drei Stunden täppelte ich im Wasserdampf herum, ehe sich am Gräfimattstand so was wie eine Aussicht ins Grosse Melchtal auftat. In dieser Konstellation – links ein wenig Panorama, rechts die Nebelwand – beschritt ich den Arvigrat Richtung Ächerlipass. Den schmalen Pfad säumten Alpenblumen en gros. Männertreu, Enziane, Anemonen, Alpenrosen, Arnika und und und. Der Weg war teilweise ausgesetzt, verlief also auf dem Grat, der zu beiden Seiten steil abfiel. Einmal wand sich der Steig um Felsentürme, dann schlängelte er sich der Schrofenflanke entlang. Gegenanstiege wechselten sich in lockerer Folge mit steileren Abstiegen ab. Irgendwann fehlten die Markierungen, obschon die Route als offizieller Bergweg klassiert ist. Die Karte bestätigte mir indes die Richtigkeit meines Kurses. Auf das offene Gelände folgte ein nicht enden wollender Abschnitt im Föhrenwald. Immer noch auf schmalem Grat galt es, sich vor den feuchten Wurzeln in Acht zu nehmen. Dennoch beschloss ich spontan, den Arvigrat – er bildet übrigens die Grenze zwischen Ob- und Nidwalden und die Route verläuft meist auf Obwaldner Seite – also, ich beschloss, den Arvigrat zu meinem Lieblingsgrat zu küren.

Die Route, ausgehend vom Wirzweli, beging ich im Uhrzeigersinn. Rot der wunderbare Abschnitt Gräfimattstand–Arvigrat, von dem die Bildstrecke handelt.