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15. Mai 2019

Fünfunddreissig

Rolf Dobelli: Fünfunddreissig, Diogenes,
Zürich, 2003
Häppchen und Wein, ausgelassene Feststimmung in der Firma, denn Gehrer, der billante Markentingchef, wird aus Harvard zurückerwartet. Und das an seinem 35. Geburtstag. Tatsächlich ist er in Zürich gelandet, allerdings nicht mit der Maschine aus Boston. Gehrer war in Indien. Und er sitzt an diesem kalten Februartag nicht etwa in seinem Büro, sondern auf einer Bank am See. In einem entwaffnend präzisen Selbstgespräch zieht er Bilanz. Was geschieht im Zenit des Lebens? Wer ist er mit 35? Und was ist mit 35 plötzlich anders? Das Erwachen: Gehrer möchte nichts lieber als Gehrer loswerden, ein anderer werden. Aber da beginnt sein Problem.

Rolf Dobelli schreibt mit Tempo und Witz. Seine Beobachtungsgabe, sein kritischer Geist, mal poetisch, mal ironisch und sarkastisch erinnern an Max Frisch.

ZH: Stadt Zürich, Zürichsee USA: Harvard-Universität Boston IND: Indien

25. September 2016

Zanskar im Val d'Hérens



Sie dauerte offiziell vom 2. Juli bis zum 28. August 2016, doch die Fotos sind noch bis zum 30. September zu sehen. Die Rede ist von der «Itinérance – Exposition de photos en pleine nature» hoch über dem Dorf Evolène im Val d'Hérens. Die Route ist etwa 3 km lang, begleitet von unzähligen Fotos im Mindestformat von 2 x 3 Meter, die auf Kunststoffplanen gedruckt jeweils zwischen zwei Lärchen aufgehängt sind.

Den Ausstellungsmachern – der Fotograf bleibt in den Ausstellungsinformation leider unerwähnt – geht es darum, auf das abgelegene, nordindische Himalaja-Tal Zanskar aufmerksam zu machen. 1998 hat sich im Kanton Jura die Vereinigung Rigzen-Zanskar zur Unterstützung von Zanskar gebildet. Sie trägt auch die Hauptverantwortung für die Freiluftausstellung, deren Fotos auf beeindruckende Art zeigen, welche Faszination von Landschaft, Kultur und Menschen Zanskars ausgehen. Ich war froh, als ich vergangene Woche auf dem Abstieg vom Col de la Meina nach Evolène einen Teil der Ausstellung zu Gesicht bekam.

13. August 2016

Verbeugung vor Spiegeln

Martin R. Dean: Verbeugung vor Spiegeln,
Jund und Jung, Salzburg/Wien, 2015
Man könnte meinen, das Fremde sei allgegenwärtig. Jedenfalls gibt es kaum ein Thema, das von der Tagespolitik über die Medien bis zu den Stammtischen so heftig diskutiert wird, und immer geht es um die Fremden und um Abwehr, Regulierung und Integration. Martin R. Dean, als Sohn eines Vaters aus Trinidad in der Schweiz geboren, kennt die Debatte, vor allem aber kennt er die Erfahrung, die er in vielen seiner Romane fruchtbar gemacht hat. So auch in diesem Buch, in dem er das Fremde als radikale Erfahrungsmöglichkeit im Austausch unter Menschen beschreibt. In einer Art Selbstbegegnung sucht er nach Spuren der eigenen Verwandlung, wie sehr ihn das Fremde, die Begegnung mit dem anderen, auf Reisen, in der Literatur, zu dem gemacht hat, der er ist. Und er kommt zu einem überraschenden Schluss: Das Fremde, das eigentliche Kapital der Moderne, droht in den Prozessen der Globalisierung zu verschwinden. Um es wiederzugewinnen, müssen wir darauf bestehen, dass das Fremde fremd bleibt, wir müssen es aushalten. Und wir müssen vor allem »verlernen«, es uns verständlich machen zu wollen. (Klappentext)

AG: Menziken E: Sevilla F: Paris GB: London GBZ: Gibraltar IND: Indien J: Japan MA: Marrakesh TT: Trinidad + Tobago

Martin R. Dean
Geboren 1955 in Menziken (AG). Sohn einer Schweizerin und eines karibischen Vaters aus Trinidad. Studium der Germanistik, Ethnologie und Philosophie. Lebt als Schriftsteller, Journalist und Essayist in Basel.