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15. August 2026

Alles für zwanzig Rappen

Kurt Held: Alles für zwanzig Rappen,
Sauerländer, Aarau, 1951
Fredi, ein Hüterbub, findet auf dem Dorfplatz zwanzig Rappen. Für den Zehnjährigen ein grosser Fund. Da der einzige Dorfladen geschlossen, geht er zu dem nahen Bahnhof, um sein Zwanzigrappenstück in einen Automaten zu werfen. Er gewinnt dabei nicht nur zwei Schachteln, er gerät ausserdem in die seltsamsten Abenteuer; aber während er eine Woche mit Fischern, Zöllnern, Töpfern, Bauern, Schmugglern, Kesselflickern und Viehtreibern verbringt, ist man in seinem Dorf in grösster Sorge um ihn. Vater, Mutter, der Lehrer, die Nachbarn, der Bürgermeister, der Polizist sind in Aufregung und sehen Fredi schon verunglückt. In eine Schlucht gestürzt, oder im Wasser des nahen Sees.

Als er auch am achten Tag nicht wieder auftaucht, beschliesst man, den Verschwundenen mit Hilfe des Radios zu suchen. Am erstauntesten ist Fredi, als er seinen Namen im Lautsprecher hört. Im gleichen Augenblick hört ihn auch der Polizist, der ihm gegenübersitzt, erkennt ihn und bringt ihn seinen Eltern zurück. Die Erlebnisse des Buben, die Aufregung im Dorf, der Empfang des Gefundenen in der Schule, die Rückkehr ins Elternhaus lesen sich wie ein lustiger, grotesker kleiner Roman und zuletzt sagt der Leser wahrscheinlich, genauso wie Fredi am Schluss seiner Abenteuer: «Und das alles für zwanzig Rappen»
(Klappentext)

TI: Carona (Hauptschauplatz), Melide, Melano, Morcote, Luganersee, Figino, Grancia, Noranco, Montagnola, Caslano, Ponte Tresa, Magliaso, Cassina, Agno, Cadempino Massagno, Besso, Lugano, Brè

12. August 2026

Dort, wo der Berg brennt

Hans Jörg Leu: Dort, wo der Berg brennt,
Edizione Tiramisù, Novaggio, 1997 
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Hans Jörg Leu hat in der Umgebung, die ihm seit Jahren vertraut ist, hingehört und hingesehen. Mit wachem Blick und sicherem Gespür für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Manchmal aus kritischer Distanz, mit feiner Ironie, doch nie verletzend. Dann wieder als stiller Beobachter, Anteil nehmend, Partei ergreifend. Als «narratore», als Geschichtenerzähler, berichtet er von alltäglichen, unglaublichen, skurrilen Begebenheiten. Von damals und von heute, in einer Weise, die stets geprägt ist von seiner Liebe zur kleinen Welt des Malcantone. (Klappentext)

TI: Novaggio, Malcantone, Lugano I: Luino

Hans Jörg Leu
Geboren am 22. August 1926 und aufgewachsen in Baden, studierte Hans Jörg Leu Medizin und promovierte 1951 an der Universität Zürich. Als junger Assistenzarzt am damaligen Militärspital in Novaggio kam er erstmals ins «Dorf», dem er seitdem verbunden blieb. Aus Ferien- und Wochenendaufenthalten im Haus am wilden, grünen Hang am Dorfrand wurde 1991 ein Daueraufenthalt in einem Rustico mitten im alten Dorfkern.

Er wohnte in Baden und war während Jahren in Zürich als Professor für Gefäss-Pathologie am Universitätsspital, mit Lehrauftrag für allgemeine und spezielle Pathologie an der Universität, tätig. Er publizierte wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge in verschiedenen Ländern und redigierte zwei internationale Fachzeitschriften. Daneben schrieb er Glossen, Satiren und Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und auch als Buch («Nun hab’ ich es doch geschrieben», 1991, Verlag Hans Huber, Bern) erschienen sind.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Hans Jörg Leu mit Malerei in Oel und Acryl, mit Linol- und Holzschnitten, seine Werke waren regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aus seinem umfangreichen Werk stammen auch die Illustrationen in diesem Buch. Hans Jörg Leu verstarb am 3. Mai 2023 im Alter von 96 Jahren.

(Quellen: Kurzbiografie aus dem vorliegenden Buch, Lebensdaten aus der Todesanzeige, erschienen in der Aargauer Zeitung.)

6. August 2026

Der böse Trieb

Alfred Bodenheimer: Der Böse Trieb,
Kampa, Zürich, 2021
Eigentlich hat Rabbi Klein in seiner Zürcher Gemeinde genug zu tun, doch als in Inzlingen kurz hinter der deutschen Grenze der Zahnarzt Viktor Ehrenreich erschossen wird, fühlt sich Klein zu einem Kondolenzbesuch bei dessen Ehefrau Sonja verpflichtet. Schliesslich kannte er den Toten gut: Jedes Jahr zu Beginn des Monats Elul hat er eine «Sichat Nefesch», ein Seelengespräch, mit ihm geführt. Steht der Mord mit den Eheproblemen der Ehrenreichs in Verbindung? Oder hat er mit der Mussar-Bewegung und Viktors regelmäßigen Reisen in den Kongo zu tun? Und welche Rolle spielt Sonjas Freundin Anouk Kriesi, die mit ihrem Mann einen dubiosen Youtube-Kanal unterhält? Klein beginnt auf eigene Faust zu ermitteln – nicht nur, weil er den zuständigen Kommissar Unmüssig nicht ausstehen kann, sondern auch, um sich nicht mit seinen eigenen Problemen beschäftigen zu müssen: Er hat sich so mächtige Feinde gemacht, dass ihm ein Berufsverbot droht. Das Schlimmste aber ist, dass Rivka wütend auf ihn ist: Denkt Klein zwischen seinen ganzen Verpflichtungen vielleicht auch mal an seine Frau und seine Töchter? (Klappentext)

AG: Rheinfelden, Möhlin, Würenlos BS: Eiserne Hand, Stadt Basel, Riehen GR: Arosa ZH: Stadt Zürich D: Inzlingen, Lörrach, Rheinfelden, Bad Bellingen, Freiburg i.Br., Frankfurt a.M. CD: Lubambashi IL: Tel Aviv

3. August 2026

Ein Polizist auf weiter Flur

Daniel Grob: Ein Polizist auf weiter
Flur, Zytglogge, Basel, 2022
Konrad Bühler ist der erste Polizist in einer Kleinstadt im Mittelland in den Siebzigerjahren. Die Bewohner müssen sich noch an ihn und seine Funktion gewöhnen. Und kaum hat er seinen Posten angetreten, taucht eine Seuche auf: die Tollwut! Sie verunsichert die Menschen, und Bühler wird bedroht und mit nächtlichen Telefonanrufen terrorisiert, weil er kranke Tiere von ihrem Leiden erlösen muss, um die Bevölkerung zu schützen. 

Der Polizist, der eigentlich gerne Bauer geworden wäre, führt seinen Auftrag trotzdem gewissenhaft und mit grosser Achtung vor Menschen und Tieren weiter, bis er beinahe daran zerbricht. Neben der Ignoranz der Mächtigen, Unwissenheit und aufgewiegeltem Hass macht ihm vor allem der arrogante Tierarzt Doktor Ludwig zu schaffen, der alles tut, um den Polizisten kaltzustellen. (Klappentext)

31. Juli 2026

Mit Wilhelm Busch auf Reisen

Hans Stengel (Hrsg.): Mit Wilhelm Busch
auf Reisen, Droste Verlag, Düsseldorf, 
1985 
«Leicht reisefertig ist zumeist
Ein Mensch, wenn er als Dichter reist.»
Wilhelm Busch, des Bählamms Dichtervater,
Selber manche Reise tat er.
Per pedes, Kutsche oder Bahn
Sah er sich manches gründlich an.
Hat es gemalt und auch gereimt,
Was ungereimt am Reisen scheint,
Was fröhlich stimmt und auch verdrossen,
Aufgeschrieben für die Zeitgenossen.

Was er erfuhr, kaum ist’s zu glauben,
Will auch fürs Reisen heute taugen.
In City-Jet und Campingwagen
Stell’n sich oft die gleichen Fragen,
Hat man nämliches erlebt,
Was einst des Dichters Herz bewegt.

Bei Droste ist es nun vereint,
Was Wilhelm Busch zum Reisen meint.
Glücklich ist der Mensch zu preisen
«Mit Wilhelm Busch auf Reisen».

(Klappentext)

22. Juli 2026

Dieses endlose Schweigen

Sandrine Fabbri: Dieses endlose Schweigen,
Lenos, Basel, 2011
Eines Tages endet plötzlich die Kindheit. Vor einem Körper, der aus dem vierten Stock gefallen ist. Direkt auf den Asphalt. Nach dem Unaussprechlichen wird die Mutter, die gestorben ist, totgeschwiegen. Die Hinterbliebenen, Vater und Tochter, sind fortan auf sich selbst zurückgeworfen. Doch wie leben mit der Lücke, die die Mutter hinterlassen hat? Wie überleben inmitten der Stille, der Lügen, die um die Fortgegangene gesponnen werden

Jahre später, als auch der Vater nicht mehr lebt, sucht die inzwischen erwachsene Tochter nach der Wahrheit über den Selbstmord, der als Unfall ausgegeben wurde. Wer war ihre Mutter, sie, die Genferin aus der Bohème, die einen jugoslawischen Einwanderer geheiratet hatte? Die Tochter beginnt nachzuforschen, taucht in die Tristesse einer Genfer Satellitenstadt ein, streift die Welt der Psychiatrie und stösst dabei auf weitere Tragödien in ihrer Familie.

Sandrine Fabbris Debütroman über ein Kind, das auf brutalste Weise von seiner Mutter verlassen wurde, ist schrecklich und prächtig zugleich. Ob Autofiktion oder Autobiographie, die Autorin überzeugt durch die Kraft ihres atemlosen und poetischen Stils.
(Klappentext)

GE: Stadt Genf, Meyrin (Cité Ciel Bleu) ZH: Stadt Zürich I: Rimini, Alassio, Abano, Venedig SLO: Lokavec

13. Juli 2026

Adieu Paris, Adieu Catherine

Eveline Hasler: Adieu Paris, Adieu Catherine,
Benziger, Einsiedeln/Zürich/Köln, 1966
In diesem Jugendroman geht es um das Erwachsenwerden, soziale Klassen und die erste Liebe vor der Kulisse der Weltmetropole Paris. Im Mittelpunkt steht Catherine, ein junges Mädchen aus der Schweiz, das für eine gewisse Zeit nach Paris geht, um dort in einer französischen Familie als Au-pair zu arbeiten. Die Autorin, die selbst in Paris Psychologie und Geschichte studiert hat, nutzt ihre Erfahrungen, um die Kontraste zwischen der glitzernden Pariser Oberschicht und dem harten Alltag der einfachen Leute realistisch zu schildern. Die junge Schweizerin muss sich in der fremden Grossstadt behaupten und lernt die Welt der Pariser Jugend kennen. Während ihres Aufenthalts durchlebt sie tiefe persönliche Entwicklungen, erste grosse Verliebtheiten, aber auch Enttäuschungen.

Der Titel «Adieu Paris, adieu Catherine» deutet bereits an, dass es sich um eine prägende Lebensphase handelt. Am Ende der Erzählung lässt die Protagonistin diese turbulente Zeit und die gewonnenen Freunde hinter sich, um in ihre Heimat zurückzukehren – ein Abschied, der sowohl schmerzhaft ist als auch einen Reifeprozess markiert. Das Buch zeichnet sich durch seinen feinfühligen, realistischen Schreibstil aus und fängt den Zeitgeist der 1960er-Jahre in Frankreichs Hauptstadt gekonnt ein.

F: Paris

7. Juli 2026

Das zitronengelbe Haus

Monica Bentiveni: Das zitronengelbe
Haus, Eugen Salzer Verlag, Heilbronn,
1986
In Deutschland aufgewachsen, mit einem Schweizer verheiratet, hat Monica Bentiveni im ererbten Haus in der Nähe von Mendrisio eine dritte Heimat gefunden. Sie hat Italienisch gelernt und kann nun im Dorfleben mitmachen oder sich die Ereignisse berichten lassen. Für ihren neuen Band Tessiner Erzählungen – betitelt «Das zitronengelbe Haus» – schöpft sie also aus dem vollen. Im Dorf wohnen Leute verschiedener Stände, aber sie halten zusammen, und an Gesprächsstoff fehlt es nirgends. Ausser ihrem offenkundigen Interesse für Menschen und alles Menschliche besitzt Monica Bentiveni ein spontanes und frisch-fröhliches Erzähltalent, das auch ohne psychologische Bohrungen den Ursachen und Wirkungen gerecht wird. Dazu schreibt sie ein natürliches und gutes Deutsch, so fliessend und bildhaft, dass das Lesen eine Freude ist. Rini Widmers Umschlagbild und die neun schwarz-weiss Zeichnungen sind vortrefflich auf den Inhalt des unprätentiösen Werkleins abgestimmt. (Klappentext)

TI: Mendrisiotto, Mendrisio, Lugano, Cademario

28. Juni 2026

Caspar

Beate Rothmaier: Caspar, Nagel & Kimche
München/Wien, 2005
Widerwillig nimmt die Schwanenwirtin Kreszenz Borst den Jungen bei sich auf, der in ihrer Schankstube von seiner Mutter und dem Stiefvater zurückgelassen wurde. Er heisst Caspar und trägt einen Zettel um den Hals: ‹Vom Bortzlanmacher Schwartz, Wellische Schweiz›. Aber auf Dauer will die Wirtin Caspar nicht umsonst beherbergen. Sie spricht beim Amtmann Bräm in Exenheim vor, zumal bald schon gemunkelt wird, der Schwartz habe dort Geld hinterlegt.

Aber der Amtmann hat andere Pläne. Caspar kommt zum Bauer Melcher auf den Hof, der kriegt Kostgeld für den Jungen, lässt seine Wut aber trotzdem an ihm aus. Mit Hilfe seiner Freundin Karolin gelingt Caspar Jahre später die Flucht. Porzellanmaler will er werden, wie sein Vater, und er schafft es, in der Porzellanfabrik als Ausputzer angestellt zu werden. Eines Tages steht er seinem Vater leibhaftig gegenüber.

Mit furiosem Tempo und Wortgewalt gestaltet Beate Rothmaier das vergessene, historisch verbürgte Schicksal eines Findelkinds aus dem 18. Jahrhundert zu einem grossartigen Roman.
(Klappentext)

D: Schrezheim und Umgebung (Hauptschauplatz), Ludwigsburg, Jagst (Fluss)

25. Juni 2026

Pietr der Lette

Georges Simenon: Pietr der Lette,
Diogenes, Zürich, 2008
«Kriminalkommissar Maigret von der Ersten Mobilen Einsatztruppe hob den Kopf.» Mit diesem Satz betritt der unvergessliche Kommissar Maigret die Bühne der Weltliteratur.

Pietr der Lette ist der erste namentlich gezeichnete Maigret-Roman von Georges Simenon. Er entstand 1929 im Hafen von Delfzijl, Holland, an Bord seiner kleinen Yacht ‹Ostrogoth›.

In diesem Roman, der in Fécamp, Paris und Bremen spielt, soll Maigret eigentlich nur einen Mann am Bahnhof abholen, der ihm aber schon bei der Ankunft entwischt. Minuten später wird im selben Zug die Leiche eines anderen Reisenden gefunden …, und der sieht dem ersten Reisenden zum Verwechseln ähnlich.
(Klappentext)

F: Paris, Fécamp D: Bremen

19. Juni 2026

Die gelbe Ottomane

Margrit Staub-Hadorn: Die gelbe Ottomane,
Cosmos, Muri b. Bern, 1997
Die freundliche Krankenschwester Ruth findet, ihr Leben laufe wie Wasser über eingeölte Haut, keine Liebe, kein Hass, keine starken Gefühle, bis ein blauer Tonkrug zu Boden fällt und zerbricht …

Der Journalist Jacques ist in Tat und Wahrheit ein U-Boot, bis ihm eines Nachts ein Satz zufliegt, sozusagen der Satz der Sätze …

Der alte Weber steht am Grab von Katharina und erzählt aus seinem Leben. Eigentlich gäbe es da wenig Aussergewöhnliches: immer hart gearbeitet, gespart, die Ehe mit Claire, die Kinder, wäre da nicht die Sache mit der gelben Ottomane, die Weber in seiner Verlobungszeit gekauft hat …

Die junge Sandra lernt einen kauzigen Alten mit einem grossen Schlapphut kennen und ist überzeugt, an einen totalen Spinner geraten zu sein, doch sie hört ihm zu, hört ihm immer aufmerksamer und Iieber zu …

Dieses Buch berichtet von Menschen und ihren Beziehungen, von Liebe und Gewalt, aber auch von Verheimlichtem, Verdrängtem, Abgründigem, den Rissen im Boden ihrer Geschichten.
(Klappentext)

16. Juni 2026

Ruf der Wildnis / Wolfsblut

Jack London: Ruf der Wildnis / Wolfsblut
Fischer, Frankfurt/Main, 1993
In seinen klassischen Tierromanen beschreibt Jack London auf eindrucksvolle Weise die Welt der Goldgräber in Alaska aus der Perspektive der Hunde, die für den Menschen auf der Suche nach dem gelben Metall unentbehrlich waren. In Ruf der Wildnis (1903) geht es um den kalifornischen Haushund Buck, der zur Zeit des Goldrauschs von seiner sicheren Farm im Süden entführt, in den hohen Norden verschifft und dort verkauft wird. Das ehemals zahme Tier entdeckt seine ursprünglichen Instinkte wieder, ohne die es in der Wildnis nicht überleben könnte. Buck wird zum Schlittenhund abgerichtet und gewöhnt sich an die harte Arbeit im ewigen Eis. Nach dem Tod seines Herrn ist das letzte Band zum Menschen zerschnitten und der «Ruf der Wildnis» wird stärker als alles andere: Buck schliesst sich einem Wolfsrudel an und lebt das ursprüngliche Leben seiner Vorfahren. 

Wolfsblut (1906) ist in vielem das Gegenstück zu «Ruf der Wildnis». Ein Wolfshund unterwirft sich einem Menschen freiwillig und fasst schließlich soviel Vertrauen zu ihm, dass er sich sogar an ein Leben in der Zivilisation gewöhnen kann. Ohne die Tiere zu vermenschlichen oder gar verniedlichen zu wollen, gelingt es London, den Leser einen Blick durch Wolfspupillen tun zu lassen, vor denen ein Hase in der Schlinge zappelt oder ein Mensch Feuer entfacht. (Inhaltsangabe im Buch)

1. Juni 2026

Der Spaziergang

Robert Walser: Der Spaziergang (inkl.
Prosastücke und Kleine Prosa, Suhrkamp,
Zürich + Frankfurt/Main, 1985
Der vorliegende Band enthält die ersten der in schweizerischen Verlagen erschienenen Prosa-Publikationen Robert Walsers. Er setzt ein mit der 1916 entstandenen Urfassung der Erzählung «Der Spaziergang», die Eduard Korrodi 1917 in der «Neuen Zürcher Zeitung» rühmte: dieser Text sei «eine so glückliche Mischung aus Einfalt und höchster Klugheit, dass sich einer noch lange den Wind um die Nase blasen lassen kann», bis er wisse, ob dieser planlose Spaziergang aus einer künstlerischen Faulenzertechnik entstanden sei, oder ob dieses Schlendern «ohne Zweck und Ziel vom Künstler erwogen und für gut befunden worden ist.»

Die sich anschliessenden Sammlungen «Prosastücke» (1916) und «Kleine Prosa» (1917) enthalten die wohl unbekanntesten der von Walser selbst veröffentlichten Arbeiten, da sie nur in winzigen Auflagen erschienen sind. Dabei sind diese aus Märchen, Aufsätzen, Erzählungen, Bildbeschreibungen und literarischen Portraits komponierten Bände mit Stücken wie «Basta» und «Schneien», mit der Liebesgeschichte «Luise» und der autobiographisch gefärbten Erzählung «Tobold» Höhepunkte Walserscher Prosa. Hermann Hesse zählte diese Kleinepik mit ihrer «magischen Verliebtheit in die Sprache zur graziösesten deutschen Prosa, die noch nicht übertroffen oder im Geringsten veraltet» sei.
(Inhaltsangabe im Buch)

29. Mai 2026

Edition Wanderwerk – die Chronologie 1

Wie ich zum Verleger wurde

Mitte der 1990er-Jahre keimte in mir der Wunsch, ein Buch zu schreiben, dieses auch selber zu gestalten und zu veröffentlichen. Doch zu jener Zeit waren dies für mich unüberwindbare Hürden. Einerseits fehlte mir eine entsprechendes Desktop-Publishing-Programm und andererseits das nötige Kleingeld, um den Druck eines Buches finanzieren zu können. Und von den Vertriebsmöglichkeiten gar nicht zu reden ...

Mit der galoppierend fortschreitenden Entwicklung der gesamten Informatikbranche, wurden in den Nullerjahren die Möglichkeiten für das sogenannte Self-Publishing erheblich erleichtert. Die Firma Adobe machte mit seinem Programm «InDesign» dem damaligen Branchenkrösus «Quark» sein «QuarkXPress» streitig, indem ersteres um einiges billiger und in der Handhabung auch etliches einfacher war.

Ich nutzte also die Gunst der Stunde, beschaffte mir das «InDesign CS2» und begann, mich anhand von Fachliteratur in das unendlich weite Feld der typografischen Gestaltung zu vertiefen. Gleichzeitig galt es, dieses «InDesign» als Benutzer zu begreifen, denn, in gewissen Fällen funktionierte das Programm völlig anders als das mir bis dahin vertraute «Word» von Microsoft. Nebenbei bemerkt: Wenn du einmal mit einem professionellen Layout-Programm arbeitest, dann verfluchst du dieses «Word» beinahe täglich.

Die stilsichere Buchgestaltung ist das eine, das Finden einer qualitativ guten aber dennoch preisgünstigen Druckerei  das andere. Fündig wurde ich schliesslich bei einer Online-Druckerei in Berlin, wo ich die ersten 150 Exemplare herstellen liess. (Aufgrund der exorbitanten Preise und Auflagenstärken fielen  sämtliche Anbieter in der Schweiz ausser Rang und Traktanden.)

Währenddem ich nach der Erteilung des «Gut-zum-Druck» auf die Lieferung der Bücher wartete, gestaltete unter www.wanderwerk.ch eine Webseite, auf welcher das Buch präsentiert wurde und ergo auch bestellt werden konnte. Gleichzeitig bereitete ich ein Presse-Comuniqué an die Lokalzeitungen vor, das ich nach Erhalt der Bücher versenden würde.

Das Cover der ersten zwei Auflagen
Im März 2009 war es dann soweit: Ich hielt mein erstes selbstgeschriebenes und -gestaltetes Buch in den Händen «Schritt für Schritt» lautete sein Titel und vereinigte «63 Wandertaten in der Schweiz und Umgebung». Der Klappentext beschreibt das Buch so: Seit seiner Jugend wandert René P. Moor ohne Unterlass. «Das Leben ist zu kurz, um nicht zu Fuss zu gehen», lautet das Credo. Die «Wandertaten», wie er seine Unternehmungen per pedes nennt, führen ihn in alle Landesteile der Schweiz sowie ins angrenzende Ausland. Mal geht es auf verschwundenen Pfaden durch die Wildnis des Tessins, mal durch die Ödnis der Oltner Agglomeration, dann auf stillgelegter Bahnlinie durch den Bregenzerwald, über Stock und Stein dem Sonnenaufgang entgegen, auf dem Jakobsweg zu kulturhistorisch bedeutsamen Stätten oder zum vermeintlichen Mittelpunkt der Schweiz. Und wenn es sein muss, trägt er auch mal einen Barhocker auf einen Alpengipfel oder schreitet in einem Tag sämtliche Strassen und Wege einer politischen Gemeinde ab.

Angelica Schorre von der Zeitschrift «Wanderland» schrieb zu meinem Erstling: Augen und Herz sind offen für das unspektakulär Schöne, für das unfreiwillig Komische. In seinen «Wandertaten» erzählt Moor liebenswürdig-frech darüber.

Das Cover der dritten Auflage
Die Resonanz in der Öffentlichkeit war für ein solches Werk erfreulich. Nicht nur der «Berner Oberländer» und das «Thuner Tagblatt» berichteten darüber, auch Wanderkolumnist Thomas Widmer erwähnte «Schritt für Schritt» in der «Weltwoche». Sowohl Privatpersonen als auch Buchhandlungen bestellten das Buch, weshalb ich schon bald eine zweite Auflage drucken lassen musste. Und weil auch die recht schnell wieder vergriffen war, ich jedoch mit der Berliner Druckerei sowie meiner typografischen Gestaltung noch nicht ganz glücklich war, machte ich mich auf die Suche nach einer anderen Druckerei und gestaltete das Buch neu. Die dritte Auflage kann nach wie vor in meinem Verlag gekauft werden.

17. Mai 2026

Tessin

Hermann Hesse: Tessin, Insel,
Frankfurt/Main, 1993
Die Poesie des Tessin, der üppigen Berg- und Seelandschaft südlich des St. Gotthard, findet sich in den Betrachtungen und Gedichten von Hermann Hesse wie auch in den 33 farbig reproduzierten Aquarellen des Dichters. Hesse erweist hier den Bergen und Wäldern, den Rebhängen und Dörfern, den Seetälern und Menschen des Tessin seine Referenz. Stärker, glühender und bildhafter hat keiner das Tessin beschrieben als Hermann Hesse. (Klappentext)

11. Mai 2026

Zu klein für den lieben Gott

Monique Laederach: Zu klein für den lieben
Gott, Bänziger/Ex Libris, Zürich, 1988
Anfang 1940, in einem kleinen Schweizer Dorf an der französischen Grenze. Während drüben die Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen voranschreitet geschieht im Dorf fast nichts. Die Männer sind auf den Hügelkämmen, bewachen die Grenze. Im Dorf sind beinahe nur Frauen, die den Lauf der Ereignisse abwarten. Im Mittelpunkt des Romans stehen drei dieser Frauen: Judith, ihre Schwester Carole, ihre Mutter.

Der Krieg wirft seine Schatten auch auf die alltäglichen Handlungen der Menschen im Dorf. Die Isolation und Enge bringt Gefühle zum Ausbruch, die jeder in sich trägt: Angst, Schwäche, Resignation, Rassismus. Die Frauen erleben den Krieg in Schweigen und Beklemmung. Judith, die 24-jährige Übersetzerin, versucht dennoch die wahren menschlichen Gefühle zu bewahren. Sie sieht sich dabei der Zerbrechlichkeit ihrer Schwester und der Abhängigkeit von ihrer Mutter, aber auch ihrer eigenen Verbitterung und Intoleranz gegenüber. Der Tod der Mutter führt zu Versöhnung und Beruhigung. (Klappentext)

NE: Les Brenets, Doubs, Saut-du-Doubs, Lac des Brenets, Les Frêtes, Caroline, Le Locle, La Chaux-de-Fonds, Neuenburg, Bahnlinie Le Locle–Les Brenets

5. Mai 2026

Andorra

Max Frisch: Andorra, Suhrkamp, Frankfurt
a.M., 1999
Die Kernzelle von Andorra findet sich in Max Frischs Tagebuch als Eintragung des Jahres 1946. Andorra ist der Name für ein Modell: Es zeigt den Prozess einer Bewusstseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen Andri, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als sein Schicksal annimmt. Dieses Schicksal heisst in Max Frischs Stück «Judsein». Das Schauspiel erschien als Buchausgabe zuerst 1961.

Diese Ausgabe der «Suhrkamp BasisBibliothek Arbeitstexte für Schule und Studium» bietet nicht nur Max Frischs Stück Andorra , seine «Anmerkungen zu Andorra», die «Notizen von den Proben» sowie seine Prosaskizze «Der andorranische Jude», sondern auch einen Kommentar, der alle für das Verständnis des Werks erforderlichen Informationen enthält: eine Zeittafel, die Entstehungs- und Textgeschichte, einen Überblick über die Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte, eine Analyse der unterschiedlichen Deutungsansätze, Literaturhinweise sowie Wort- und Sacherläuterungen.

Das Stück jagt dem Leser kalte Schauer über den Rücken: Die Unausweichlichkeit der Ausbreitung der Rassenvorurteile, die Unmöglichkeit ihrer Rücknahme, die Vergeblichkeit aller Gegenwehr ist heute noch so beängstigend wie vor einem halben Jahrhundert.
(Inhaltsangabe zum Buch)

26. April 2026

Von der Erde zum Mond

Jules Verne: Von der Erde zum Mond,
Diogenes, Zürich, 1976
In Baltimore wird während des amerikanischen Sezessionskrieges der Gun-Club gegründet. Die Mitglieder, alles Erfinder von Feuerwaffen, beschliessen, ein Projektil zum Mond zu schiessen, eine riesige Leichtmetallkugel, die von einer Riesenkanone abgefeuert werden soll. Als man gerade mit dem Guss der überdimensionalen Kanone begonnen hat, meldet sich ein Franzose namens Michel Ardan mit dem Vorschlag, das Geschoss zu bemannen, und stellt sich selber zur Verfügung. So besteigen Ardan, Barbicane, der Präsident des Gun-Clubs, sowie Nicholl, eigentlich erbitterter Gegner dieses Projekts, die Kugel, die vor einer unübersehbaren Zuschauermenge Richtung Mond abgeschossen wird …

Mehr als hundert Jahre vor dem ersten Mondflug hat Jules Verne »seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch« (Arno Schmidt). Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heisst heute ein Mondkrater «Jules Verne».
(Klappentext)

20. April 2026

Ich bleibe hier

Marco Balzano: Ich bleibe hier,
Diogenes, Zürich, 2020
Trina ist eine junge Lehrerin und lebt in Graun, einem hübschen Bergdorf im Vinschgau. Doch die Zeiten sind düster. Die von Hitler und Mussolini ausgehandelte «Grosse Option» zwingt sie, wie alle deutschsprachigen Südtiroler, zu einer Entscheidung: entweder ins Deutsche Reich auszuwandern oder weiter in Italien Bürger zweiter Klasse zu sein. Trina bleibt – obwohl sie in ihrem Dorf nicht als Lehrerin tätig sein darf. Und sie bleibt auch, als nach dem Krieg ihr Dorf einem Stausee weichen soll, einem Energieprojekt, das keine Rücksicht auf Mensch und Natur nimmt.

Marco Balzano erzählt eine Geschichte von Leid, Widerstand und Mut – eine universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen. (Klappentext)

I: Altgraun, Graun, Reschen, Reschensee, St. Valentin, Mals, Glurs, Schluderns, Meran, Bozen, Sondrio TI: Lugano

Mehr über den Reschensee weiss einmal mehr Wikipedia.

Die Gegend von Reschen und Graun vor der Flutung des Stausees 1949/50.

Die Gegend von Reschen und Graun heute.


5. April 2026

Fatal Woman

Patrick Quentin: Fatal Woman, Diogenes,
Zürich, 1996
Peter Duluth, erfolgreicher New Yorker Theaterproduzent und glücklicher Ehemann, folgt einer mitleidigen Laune, als er sich auf einer Party eines unscheinbaren jungen Mädchens annimmt. Schliesslich ist seine Frau, eine bekannte Schauspielerin, gerade für einige Zeit verreist und er fühlt sich einsam. Nanny Ordway scheint jung, unerfahren und hilfsbedürftig. Sie appelliert an seinen männlichen Beschützerinstinkt. Das junge Mädchen lässt Peter Duluth nicht los – und als sie tot in seiner Wohnung gefunden wird, wird die Affäre für ihn zum Alptraum. Seine Frau verlässt ihn, die Freunde verdächtigen ihn des Ehebruchs, und die Polizei des Mordes. Plötzlich sieht er sich in einem Netz von Intrigen gefangen … (Klappentext)

USA: New York City