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24. März 2026

Mys Worbletal

Karl Uetz: Mys Worbletal, Verlag Hans Scheibli,
Herzogenbuchsee, 1962
Vor einiger Zeit ist von Karl Uetz ein Bändchen «Ein Jahr im Melchenbühl» erschienen, worin von der ersten bis zur letzten Zeile in ergreifender Weise zum Ausdruck kommt, wie er, von einem Hirnschlag getroffen, um die Wiedererlangung seines Sprachvermögens gerungen hat. Wenn nun Elisabeth Müller im Vorwort zu diesem neuen Buch von Karl Uetz von einer Tatsache schreibt, «die an ein Wunder grenzt», so ist das nicht im Geringsten zu hoch gegriffen: Der Dichter Karl Uetz hat seine Sprache wiedergefunden!

Karl Uetz ist ja längst als einer der kurzweiligsten Erzähler in unserer Mundart bekannt, trefflich beobachtend, herzlich einfühlend und träf, oft mit viel menschenfreundlichem Witz und Humor berichtend.

Wenn er nun allerlei Erlebtes und Erfahrenes, Erlauschtes und Erfragtes aus dem Tal seiner Jugendzeit zu einem Buch zusammengefügt hat, so wird sich daran männiglich ergötzen und erfreuen, der das Gemütvolle und wahrhaft Herzlich-Herzhafte in kräftiger und unverfälschter Mundart zu schätzen weiss. «Mys Worbletal» erhält auch die Erinnerung an einige jener Sonderlinge etwa den «StettIen-Zwerg» und an allerlei Brauchtum und fröhlichen Dorf-Schabernack, für die in unserer gehetzten Welt und Zeit kaum mehr Platz ist. Ganz besonders erfreulich, weil so selten geworden, ist des Autors echte und unsentimentale Freude an all jenem Unscheinbaren, an dem heute so viele achtlos vorübergehen, obgleich es zur Quelle stiller Glückseligkeiten werden könnte.

Das Buch wird nicht bloss alle jene erfreuen, denen das Worblental Heimat oder als oft durchwandertes Vorstadtgebiet lieb geworden ist, es wird jedem zum erfreulichen Gewinn werden, der in stillen Lese-Augenblicken geruhsame Erholung von der Hast des heutigen Lebens sucht
. (Klappentext)

21. Dezember 2025

Retro 2025 – 7

Die am Fusse der Jungfrau gelegene Gemeinde Lauterbrunnen weist bei einer Fläche von 164,7 km² eine Einwohnerzahl von 2331 Personen auf. Das ergibt eine Einwohnerdichte von lediglich 14 Einwohnerinnen und Einwohner pro km². Im Vergleich dazu beträgt die Bevölkerungsdichte für die gesamte Schweiz 217 Einwohnerinnen und Einwohner pro km². Das Gemeindegebiet von Lauterbrunnen erstreckt sich von 707 m ü. M. (Weisse Lütschine beim Sandweidli im Norden) bis auf 4158 m ü. M. (Gipfel der Jungfrau im Südosten).

Ich bin gerne in der Talschaft zu Fuss unterwegs, die trotz der zahlreichen Bergbahnen und Touristen immer noch Ecken bietet, wo man weitgehend alleine ist. Weil am 15. Juli das Wetter indes keine abenteuerlichen Wanderungen zuliess, begnügte ich mich mit einer kürzeren Tour vom Allmendhubel via Mürren nach der Grütschalp. Was mir dabei einmal mehr auffiel: In der Gemeinde Lauterbrunnen hat jeder noch so kleine Bach einen Namen und ergo an jeder Stelle mit Personenverkehr ein Namensschild. Besonders angetan hat es mir der «Inneren Chrutteren Graben». Schwingt in dieser Benamsung nicht die volle Kraft des kernigen Lauterbrunner Dialektes mit?

14. November 2025

e Ligu Lehm

Otto von Greyerz: e Ligu Lehm,
Lukianos-Verlag, Bern-Liebefeld, 1967
In seiner «Individuellen Sprachgeschichte» preist mein Vater, Otto von Greyerz, die Mannigfaltigkeit der Sprachen und im Besonderen der Mundarten in der Schweiz und im Kanton Bern. «Man wird schwerlich auf der deutschen Sprachenkarte ein zweites Gebiet vom Umfang des Kantons Bern nachweisen können, das sich eines so reich individualisierten Sprachlebens rühmen dürfte.» Und in der Stadt Bern wiederum unterscheidet er vier bis fünf bernische Sprachtypen, wovon einer das Mattenenglisch ist. Wen wundert es, dass auch das Mattenenglisch wieder seine Variationen aufweist?!

Der Sprachforscher, der (1863) in Bern geboren war und inmitten dieses Sprachreichtums sein Leben verbrachte, konnte am Mattenenglisch nicht vorbeigehen. Wenn es auch in seiner Verwandtschaft zum Rotwelsch nicht eine typisch bernische Mundart darstellt, so ist es andererseits wegen seiner Merkwürdigkeiten und seiner sprachschöpferischen Kraft eine umso beachtenswertere Sprache. So hat Otto von Greyerz auch diese Sprache erforscht und im Jahr 1929 unter dem Titel «Das Berner Mattenenglisch und sein Ausläufer: Die Berner Bubensprache» dargestellt. Die Arbeit ist längst vergriffen, und es ist nun dem Lukianos-Verlag Hans Erpf, Liebefeld, zu verdanken, dass er eine Neuauflage angeregt hat und durchführt.

Das Mattenenglisch hat gewiss seither als lebendige und nichtgeschriebene Sprache seine Entwicklung durchgemacht; es mag sich einerseits Neuschöpfungen zugelegt haben, anderseits – und wohl hauptsächlich – wird es seine einst selbstverständliche Geltungskraft unter dem Zwang der Entwicklung – denn gibt es noch wie einst richtige Mattegiele? – eingebüsst haben. Also ist just der Zeitpunkt da, in dem es gilt, diese bernische Sprachvariation, die immer wieder viele Berner und Auswärtige interessiert, festzuhalten, zu erklären und Unkundigen neu nahezubringen.

Der Verleger und ich glauben, bald dreissig Jahre nach dem Tod des Verfassers, in seinem Sinne zu handeln, wenn wir mit einer Neuausgabe das Interesse an einer der merkwürdigsten Sprachen und damit an der Sprache und ihrer Vielfältigkeit überhaupt wecken und fördern. Möge der Leser schmunzelnd all die teils bekannten, teils unbekannten Köstlichkeiten des Mattenenglisch «chüschte».


Walo von Greyerz im Vorwort

4. August 2024

Zum letschte Mau

Margrit Staub-Hadorn: Zum letschte Mau,
Cosmos, Muri b. Bern, 2007
Zum letzten Mal erscheinen in Buchform Texte von Margrit Staub-Hadorn in der vertrauten Sprache und Form, Miniaturen, die zum Teil ursprünglich Radiotexte waren. Abschied meint der Buchtitel jedoch nicht: «U geng, we irgendöppis es Änd het, isch es gliichzitig e Aafang», sagt die Autorin in der drittletzten Geschichte. Und was im ersten Prosatext zu lesen ist, gilt auch für ihr weiteres Schreiben: «Schribe heisst für mi, e Fade spinne u hoffe, er wärd ufgno u witergspunne, alleini spinne fänd i sinnlos.» Klappentext

14. Juni 2024

Masch o ne Schnitz?

Margrit Staub-Hadorn: Masch o ne Schnitz?
Cosmos, Muri b. Bern, 1998
Masch o ne Schnitz? fragte Eva schelmisch ihren Adam. Stimmt natürlich nicht; Eva war ja keine Bernerin! Margrit Staub-Hadorn ist aber eine, und es stimmt, dass sie uns verführen will mit ihrer Sprache, die wie Apfelschnitze schmeckt, mit ihren «Gedankefötzeli» und ihren Texten aus der Radiorubrik «Zum neuen Tag». Sie möchte, dass wir in ihre Äpfel reinbeissen; «chüschte», schlucken und verdauen sollten wir sie dann aber schon selber, die Autorin will wirklich nur anregen, verführen eben: «Masch o ne Schnitz?»

Die Texte «Zum neuen Tag» waren im Schweizer Radio DRS von Mai 1995 bis Oktober 1997 zu hören, die «Gedankefötzeli» auf dem gleichen Sender in der «Siesta-Visite» von Januar bis Dezember 1997.
 (Klappentext)


1. Juni 2024

Liebesgschichte

Pedro Lenz: LIebesgschichte, Cosmos,
Muri b. Bern, 2012
«Was ist das für eine Gesellschaft, in der alle etwas über das Unterhöschen von Britney Spears wissen, aber nichts über ihren Nachbarn?», fragt Pedro Lenz in einem Interview mit der Aargauer Zeitung. Seine Geschichten handeln von diesen Nachbarn, er erzählt mit Zuneigung von ihnen, von ihren Stärken und ihren Schwächen, von der Sehnsucht nach Liebe und den Tücken des Alltags. (Klappentext)

23. März 2024

Wörter wandere dür d Jahrhundert

Ruth Bietenhard: Wörter wandere dür
d Jahrhundert, Cosmos, Muri b. Bern,
1999
Geht unsere Mundart, im speziellen Fall die berndeutsche, sachte verloren? Opfern wir sie gedankenlos unserer Anglophilie oder einfach einer allgemeinen schweizerischen Umgangssprache? Nein – aber sie wandelt sich, wie alles, was lebt! Diesen Wandel mitzuerleben an einzelnen Wörtern und Sprachfakten, lädt dieses Buch ein.

Wortgeschichten können fast so spannend wie ein Krimi sein. Warum entsteht ein Wort, wer ist sein Vater, seine Mutter? Was bewirkt es? Wieso verschwindet es manchmal spurlos? Wie können Wörter auch nach Jahrzehnten wieder zum Leben erwachen? Wie weit sind Wörter manipulierbar? Lauter Fragen, die wir uns oft stellen und die in diesem Buch «zu Wort» kommen.

55 Wortgeschichten versammelt das Buch. Geschrieben hat sie Ruth Bietenhard für das «Stübli », die beliebte Berndeutsch-Kolumne im «Bund», für die sie von 1977 bis heute nahezu dreihundert Artikel zu Sprach- und Literaturfragen verfasst hat.
(Klappentext)

7. Februar 2024

Für nes Füfi Brot

Erika Wiedmer-Mani: Für nes Füfi Brot,
Weber Verlag, Thun-Gwatt, 2011
Erika Wiedmer nimmt uns in ihrem stimmungsvollen Erzählband mit auf ihren Bergbauernhof. In humorvollen, alltäglichen und oft auch nachdenklich stimmenden Geschichten gewährt sie Einblick in ihren Alltag und lässt uns teilhaben an ihrem Erinnerungsschatz. Vieles mag uns heute entbehrungsreich erscheinen – Erika Wiedmer hat das nie so empfunden.

Nach wie vor verbringt sie zusammen mit ihrer Familie, den Kindern und den Grosskindern den Sommer auf der Alp. Ihre Erinnerungen schreibt sie im Dialekt ihres Tales: dem Diemtigtal. (Klappentext)

23. Dezember 2023

Efföi im Chischtli

Barbara Traber: Efföi im Chischtli,
Verlag Emmentaler Druck, Langnau,
1995
Im Mittelpunkt dieser Mundartgeschichten stehen heutige Frauen, jüngere und ältere, die mit innerer Stärke, Mut und Humor ihre Alltagsprobleme bewältigen und zu ihren Erwartungen und Enttäuschungen stehen. Erlebtes, Beobachtetes und Erfundenes hat die Autorin zu fesselnden Erzählungen gestaltet, die oft das aktuelle Tagesgeschehen einbeziehen und weit über die Grenzen des Kantons hinausführen, nach Frankreich, in die Dolomiten und sogar in die Luft. (Klappentext)

12. Oktober 2023

Bluescht im Nöirosegarte

Hansruedi Lerch: Bluescht im Nöirosegarte,
Fischer, Münsingen, 1999
In seinen fiktiven Erzählungen streift Hansruedi Lerch jeweils auf die eine oder andere Weise den «Nöirosegarte» – jene abstruse «Geschwürklinik» menschlicher Irrungen, die zwischen dem Berner Rosengarten und der Klinik Waldau liegt. In dieser Anstalt pfercht man sie zusammen, die anhand eines neuartigen Messverfahrens des Politikers CH.B. Locher aus der Schweizer Bevölkerung herausfiltrierten Aussenseiter und Abnormalen.

Lerchs polit- und gesellschaftskritische Geschichten sind voll hintergründigem Humor: Der «Bunte Rat» im Allgemeinen und «d Palafermäntarierlnne» im Besonderen werden augenzwinkernd unter die Lupe und auf die Schippe genommen.

«Bluescht im Nöirosegarte» ist ein sprachlich und inhaltlich eigenwilliges Werk, das sich nicht ins Schema der traditionellen Mundartliteratur pressen lässt. Irgendwie liegt das Buch genauso quer wie der Gartenzwerg unter dem Buchtitel - genau hier liegt aber auch der einzigartige Reiz, der sich durch die augenfällige Sprache verdichtet. Denn der Zeit und den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, gelingt im «Bärndütsch» nicht nur einfacher, sondern weitaus direkter und markiger, auch wenn die kynischen Episoden weit über Bern und die Schweiz hinaus gelten können.
(Klappentext)

13. September 2023

Alpsummer

Walter Eschler: Alpsummer, Zytglogge,
Gümligen, 1983
Walter Eschler hat sich eine glückliche Synthese erarbeitet. Seine Sprache vermittelt viel von der mundartlichen Eigenart, und ist doch überraschend leicht lesbar. Eschler beherrscht aber nicht nur die Register der Sprache, sondern auch jene der menschlichen Seele, er verfügt über einen urwüchsigen Humor wie über empfindsames Einfühlen in Menschen und Gemeinschaft. Dies sind die Mittel, mit denen der Autor eine echte, innere Spannung hervorbringt und zur Teilnahme zwingt, selbst bei Gestalten, die am Rande der Gesellschaft stehen, am Rande im geographischen Sinn wie nach ihrer Wesensart. Darum darf man das Buch unbedenklich als grosse Bereicherung unserer Mundartliteratur willkommen heissen.
Erwin Heimann

Die Erzählungen sind echtestes Simmental nach Örtlichkeit, Personen, Begebenheiten, ganz besonders nach der Sprachgebung. Wie vor ihm Albert Streich in Brienz und die Frutigtalerin Maria Lauber, bemüht sich Walter Eschler, der sprachlichen Wirklichkeit auch in der Druckform so nahe als möglich zu kommen. Eine knappe Einführung in die Schreibproblematik ist besonders für den Nichtoberländer eine wertvolle Hilfe; dasselbe gilt vom Wörterverziichnis am Schluss. Wie farbig und wie lebensvoll Eschlers Palette ist, deuten schon die Titel an («der uhiimlich Fund»; «ds Lugi-Trittli»; «di alti Petrollampe»; «Chirschmues»; «ds Schattmatte Köbi» usw.). Manche Überschrift scheint schon etwas von der zu erwartenden Spasshaftigkeit, von Humor und Witz zu verraten. Man unterhält sich denn auch köstlich. Hans Sommer

3. September 2023

Aues für d Chatz

Margrit Staub-Hadorn: Aues für d Chatz,
Cosmos, Muri b. Bern, 1995
Seit drei Jahren gehört die frühere Fernsehmitarbeiterin und heutige Radiofrau Margrit Staub-Hadorn zum Team jener Autorinnen und Autoren, die sich bei Radio DRS in die Rubrik «Zum neuen Tag» teilen. Drei bis vier Mal im Jahr meldet sie sich jeweils eine Woche lang zu Wort: um fünf nach sechs, um zwanzig vor sieben, um zehn vor acht. Thematisch sind ihr keine Auflagen gemacht. Sie kann philosophieren, Geschichten erzählen, Erinnerungen beschwören, von Begegnungen berichten, Redewendungen beim Wort nehmen, Gedanken entwickeln. Sie kann sagen, was sie will. Nur kurz muss es sein, zweieinhalb Minuten, nicht mehr. Das zwingt zu Konzentration und Verknappung. Margrit Staub kann das.

Sie hat Sinn für das Kleine, das Unscheinbare und gleichwohl Bedenkenswerte. Sie packt ihre Hörerinnen und Hörer, indem sie sie direkt anspricht. Die Aufmerksamkeit ist ihr sicher, weil das, was sie sagt, in ihrer eigenen Erfahrung verwurzelt ist. Margrit Staub bürgt für ihre Gedanken, auch wenn es, wie in diesem Band, bisweilen nur «Fötzeli» sind. Sie sind so echt wie das Berndeutsch, in dem sie daherkommen: einer Sprache, so eigensinnig und unverwechselbar wie die Frau, die sie spricht.

Das meint der Titel, den sie für die Auswahl ihrer «Gedanken zum neuen Tag» und der dazwischen gestreuten «Gedankefötzeli» gewählt hat: «Für d Chatz isch au es für d Chatz.» Die Katze bezieht alles, was in ihrer Umgebung geschieht, auf sich und tut alles, was sie tut, nur für sich. Das sollte der Mensch ab und zu auch versuchen, meint Margrit Staub und wünscht uns Tage, «wo mer o öpper si, wiu aues, wo mer mache, nume für d Fröid isch. Für üs. Für d Chatz.» Klara Obermüller im Vorwort

29. August 2023

Umkehrti Täler

Guy Krneta: Umkehrti Täler, Cosmos, Muri
b. Bern, 2011
Guy Krneta entdeckt seine Geschichten in der Alltagssprache, die er dreht und wendet, bis sie zu klingen beginnt. «Vorgefundene Figuren und Motive, Trouvaillen aus dem Alltagsleben werden so lang hin und her gewendet, abgeklopft und ausgehört, bis sie in die Krneta-typische leichte Schräglage gelangen, die sie liebenswert skurril aussehen lässt», schreibt Andreas Klaeui in Theater der Zeit. «Guy Krneta schaut den Leuten aufs Maul, redet ihnen aber nicht nach dem Mund.» Klappentext

25. August 2023

Di schöni Fanny

Pedro Lenz: Di schöni Fanny, Cosmos,
Muri b. Bern, 2016
Drei Künstler und Tagediebe stolpern in dieser tragisch-komischen Geschichte durch das neblige Olten: Jackpot, der erfolglose Schriftsteller, der auf Hunde und Pferde wettet, und die beiden Maler Louis und Grunz, die das Leben und die Schönheit lieben. Ihre Hingabe zur Kunst und zu den kleinen Freuden des Alltags scheint die drei Freunde zu erfüllen. Doch dann tritt die schöne Fanny in ihr Leben. Allein durch ihre Präsenz bringt Fanny das scheinbar stabile Gleichgewicht der Männerfreundschaft ins Wanken. Mit der Leichtigkeit des Seins ist es bald vorbei. Jeder begehrt Fanny, aber keiner scheint zu verstehen, was Fanny begehrt.
(Klappentext)

20. Mai 2023

Chabisland

Peter Imhof: Chabisland, Weber,
Thun-Gwatt, 2005
«Chabisland» – ein ungewöhnliches, sorgfältig gestaltetes Mundartwerk, das die Aufmerksamkeit eines breiten Leserkreises verdient. In seinem Erstling lässt uns der Autor auf 160 Seiten teilhaben an witzigen, spannenden und humorvoll verfassten Geschichten und Erzählungen aus einer reizvollen Region. Mit der Sensibilität zu unscheinbaren Dingen führt uns Peter Imhof durch den Alltag des «Chabisland», wie das obere Gürbetal liebevoll genannt wird. Hier begegnet uns einerseits die verträumte Herbheit und die Idylle des Gürbetals, doch ebenso auch die Dramatik und die gefürchtete Wildheit eines Flusses, der dem Tal den Namen gibt. Bemerkenswert sind auch einige bisher unveröffentlichte Sagen rund um den unheimlichen Geistsee. Aber auch die bedrückende Stimmung des damals in den vierziger Jahren allgegenwärtigen Krieges schwingt hintergründig mit. Das kernige Landberndeutsch aus der Region schafft dabei den unverwechselbaren Rahmen, Texte und Dialoge glaubhaft und überzeugend mit Land und Leuten in Einklang zu bringen.

Mit Simi, Phip und Dänu, den drei Hauptfiguren, wird man nochmals jung und erlebt mit ihnen die Streiche, Abenteuer und Sorgen einer facettenreichen Bubenzeit. Nahezu romanhaft zieht sich diese Dreierbeziehung wie ein roter Faden durch die Erzählungen, die im Untertitel als «Gschichte, chrummi Müschterli u uhiimelegi Sage us em Gürbitau» umschrieben werden.
(Klappentext)

12. Mai 2023

Die Umschlaglosen VI

Der sechste Post über gelesene Bücher ohne Klappentext widmet sich einerseits einigen Mundartwerken und andererseits einer Neuentdeckung, die ich kürzlich gemacht habe: das zeichnerische und pedestrische Werk von Werner Rosenbusch. Die antiquarisch erworbenen Bücher sind reiner Lese- und Sehgenuss!

Werner Rosenbusch: An den Ufern der Lahn, Verlag Limburger
Vereinsdruckerei, Limburg, 1986


Werner Rosenbusch: Von Passau nach Heidelberg,
Band 2: Vierzehnheiligen – Heidelberg, Vaas Verlag, Ulm, 1980


Werner Rosenbusch: Von Passau nach Heidelberg,
Band 1: Passau – Vierzehnheiligen, Vaas Verlag, Ulm, 1979


Ernst Moser: Wandern ist des Gesellen
Lust, Verlag Gute Schriften, Bern, 1952
Lisa Wenger: Der Garten, Grethlein & Co.
Verlag Seldwyla, Zürich/Leipzig, 1924
Elisabeth Bardill: Leben im Bergdorf,
edition bardill, Tenna, 2010
Hanny Schenker-Brechbühl: Bärner Märit,
Francke, Bern, 1972
Jacques Schmid: Granita, Hauenstein-
Verlag, Olten 1951


Adolf Schaer-Ris: Drätti erzellt Müschterli
us sir Juget, Francke, Bern, 1940
Käthi Künzi-Schmalz: Der guldig Fade,
Verlag Emmentaler Druck, Langnau, 1988

Käthi Künzi-Schmalz: Gang nid verby,
Verlag Emmentaler Druck, Langnau, 1986

Karl Uetz: Erläbts Ämmital, Viktoria-
Verlag, Bern, 1958

Hans Rudolf Balmer: Vo Mönsch zu
Mönsch, Friedrich Reinhardt, Basel



6. April 2023

Senseflüe

Peter Imhof: Senseflüe, Weber Verlag,
Thun, 2012
«Senseflüe» – unter diesem Titel erscheint im Herbst 2012 ein weiteres in seiner Art einzigartiges Mundartbuch von Peter Imhof. Nach «Chabisland» und «Gürbechempe» entführt uns der Autor in seinem neuesten Werk ... diesmal nicht ins Gürbetal, jedoch einmal mehr ans Wasser, hinab in die Tiefe der Senseschlucht. Das wildromantische Flusstal, eingebettet in die faszinierende Landschaft des Schwarzenburger- und Senselandes bildet den Hintergrund für neue Erzählungen.

Aus dieser Landschaft holte sich der Autor die Inspirationen für seine Texte. Eher besinnlich kommt etwa «Der Wäg dür d Schlucht» daher, erfüllt vom Staunen über den unvergleichlichen Zauber und die Vielfalt, die es in der Einsamkeit unter den steilen Flühen immer neu zu entdecken gibt. Doch auch witzige Geschichten mit Augenzwinkern wie «Hiitipüffi» müssen ihren Platz haben. Sie sorgen für Leichtigkeit, für ein Schmunzeln. Vom Dorfwald, mit den geheimnisvollen «Auperose a de Senseflüe» ist die Rede.

Auch die stolze, sagenumwitterte Grasburg hoch über dem Fluss lebt nochmals auf und wird auf originelle, ungewöhnliche Weise zu neuem Leben erweckt. Doch nicht alles und nicht überall ist nur reine Idylle; in «Auergattig Sensefründe» kommen auch Schattenseiten ans Licht. Mit «Leonie» bewegt uns zudem eine zarte, dramatische Liebesgeschichte zweier junger Menschen.

Ob es nun um die jäh abstürzenden Sandsteinflühe, um das glasklare Wasser mit den smaragdgrünen «Glunte» geht – mit Sensibilität und Leidenschaft gelingt es dem Autor, seinen Lesern die Wildheit einer intakten, nahezu unberührten Landschaft, die Romantik der Senseschlucht mit ihren verborgenen Schönheiten näherzubringen.

«Senseflüe» ist der Versuch des Autors, die Einzigartigkeit, die subtile Vielfalt der Stimmungen dieser Schlucht zwischen zwei Buchdeckeln erlebbar zu machen. Eine Hommage ist es an eine der wohl letzten Urlandschaften des Alpenrandes. In den Texten wird auch das Suchen nach dem Geheimnis immer wieder spürbar, das Suchen nach den Gründen, warum eine tiefe Sehnsucht uns immer wieder ans Wasser, zu den Steingärten, zu den Sandsteinflühen, hinab in die Schlucht, an die Sense zieht.
(Klappentext)

8. Januar 2023

Die Umschlaglosen V

Nachfolgend ein paar weitere Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, ohne sie in einem gesonderten Blogbeitrag zu erwähnen. Der Hauptgrund hierfür liegt darin, dass sie über keinen zitierbaren Umschlag- oder Klappentext verfügen.

Käthi Künzi-Schmalz: Bsinnsch di no?
Emmentaler Druck, Langnau, 1984

Erwin Heimann: Wätterluft, Francke im
Cosmos Verlag, Muri b. Bern, 1989



Diverse Autoren: Wanderlust – Von der Magie des Gehens,
Zur Philosophie und Praxis des neuen Wanderns. Dokumentation
des Kolloquiums am 29. und 30 Juni 2017 in Eisenach, Stadtverwaltung
Eisenach, Kulturamt und Thüringer Museum, 2017

Piero Bianconi: Kreuze und Kornleitern
im Tessin, Büchergilde Gutenberg,
Zürich, 1946

Elisabeth Kopp: Briefe, Benteli, Bern, 1991


W.C. Brögger, N. Rolfsen: Fridtjof Nansen
1861–1896, Fussingers Buchhandlung,
Berlin, 1898

Hermann Aellen: Die Lawine von Gurin,
Wila-Verlag, Wien/Leipzig, 1923
Hansrudolf Schwabe: Schweizer Bahnen damals, Pharos, Basel, 1974


Ernst Zahn: Die Liebe des Severin Imboden,
Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart/Berlin,
1921

5. Januar 2023

Schwärs und Liechts

Beat Jäggi: Schwärs und Liechts, Friedrich
Reinhardt, Basel, 1967
Obschon abstammungsmässig stark den ländlichen Bezirken verhaftet, sprengt Jäggi mit seinen aus dem heutigen Alltag gegriffenen Geschichten den Rahmen der Idylle. Innerstes Anliegen bedeutet ihm, auch mit der Mundart-Novelle neue, modernere Wege zu gehen.

Gleich In der ersten Erzählung, «Uusdienet», wird überzeugend das Ende einer Bauerndynastie geschildert. Der siebzigjährige Knecht Ludi erlebt nach treuen Diensten während drei Generationen den Übergang zu r industriellen Futtermittelversorgung.

Die Humoresken «Alls nume kei Lehreri» und «D Bohnegreth» bringen eine heitere, auflockernde Note in die eher ernst gehaltene Sammlung. Der ablehnende Gärtnermeister Habegger muss es erleben, dass ausgerechnet die ihm verhasste Lehrerin Rösli Läderma ihm an der Gewerbeausstellung aus der Patsche hilft.

Die habgierige, sonst schon mit ausreichendem Gemüsesegen bedachte «Bohnegreth» plündert an einem Herbstabend die Pflanzenanlagen einer Nachbarin und wird vom Aufpasser Chlausi Bänziger bei ihrem heimlichen Tun überrascht.

Menschliche Tragik zeichnet sich ab in der Erzählung «D Stross chunnt». Der Junggeselle Gottfried und seine alternde Mutter zerbrechen an der Expropriation, die wegen eines Strassenbaus über ihren schönen Baumgarten verhängt wird.

Die Probleme der Entlassenenfürsorge im Falle des Brandstifters Toni Zuber werden in der Geschichte «Zrugg is Läbe» lebensnah aufgezeigt. Dank der positiven Einstellung seines Schutzpatrons, Baumeister Lüthy, wird Toni nach Demütigungen und dramatischen Kämpfen noch rechtzeitig zum brauchbaren Glied der menschlichen Gesellschaft.

In der letzten Erzählung «Wider deheime» packt Jäggi mutig ein für die Mundart neues Thema an. Wir begleiten den durch Neid, Missgunst und Verspottung an den Rand der Verzweiflung getriebenen Kunstmaler Lorenz Hänggi nach Paris, wo er seine innere Ruhe wiederfindet und kometenhaft hohes Ansehen und internationale Auszeichnungen gewinnt. Mit dem Erfolg in der weiten Welt kehrt bei ihm der Glaube an das Gute im Menschen zurück.
(Klappentext)

2. Januar 2022

Albin

Peter Sarbach: Albin, Iszapfe Verlag,
Koblenz, 2003 (vergriffen)
Der Mundartroman «Albin» des Berners Peter Sarbach handelt von Liebe und Abenteuer, Verlieren und Finden, Seejungfrauen und dunklen Gestalten. Erstmals veröffentlicht der «freakige» Künstler Geschriebenes in einem Verlag, was ihn nicht zum Dilettanten, aber doch zu so etwas wie einem Anfänger macht. Mundart und ein oft burschikoser Ton machen das Lesen nicht immer einfach. Trotzdem nimmt einen die phantasievolle, märchenhaft naturalistische Erzählung für das im «Berner Barock» gestaltete Büchlein ein.