Posts mit dem Label CZ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label CZ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24. April 2024

Mit 3 km/h durch Mitteleuropa

Rudolf Leuenberger: Begegnungen, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2024
Soeben ist in meinem kleinen Verlag ein neuer Titel erschienen: «Begegnungen» heisst er und erzählt von Weitwanderungen durch Mitteleuropa. Kaum im frühzeitigen Ruhestand, beginnt Rudolf Leuenberger (1933–2014) mit dem Fernwandern. Für jedes Jahr bestimmt er anhand einer Landkarte eine Stadt im umliegenden Ausland als Ziel, zieht eine Luftlinie von seinem Wohnort Zollikofen bei Bern und geht hernach meist den Flüssen entlang seinen Weg. Hierbei ist für den vielseitig interessierten Menschenfreund die körperliche Leistung Nebensache. Seine Kontaktfreudigkeit bringt ihm täglich neue Begegnungen und Bekanntschaften, auch wenn er der Landessprache nicht immer mächtig ist.

Die Neugier, was ihn hinter dem nächsten Hügel erwartet, hat den Autor immer wieder neu beflügelt. So sind insgesamt 14 Berichte von Wanderungen durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Österreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Tschechien und Österreich entstanden – ergänzt mit Ausrüstungs- und Orientierungstipps, aber auch mit tiefgründigen Gedanken über Gott, die Welt und anderem.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich, wo auch eine Leseprobe heruntergeladen werden kann.

13. Dezember 2021

Das Mädchen, das gehen wollte

Barbara Schaefer: Das Mädchen, das gehen
wollte, Diana Verlag, München, 2009
Als Barbara Schaefer erfährt, dass ihre Freundin Katja am Hohen Dachstein tödlich verunglückt ist, packt sie das Nötigste in einen Rucksack und verlässt Berlin in Richtung Süden. Sie geht in zwei Etappen insgesamt fast sechs Wochen, geht rund 25 Kilometer am Tag und kommt so über Dresden und Theresienstadt nach Prag und schliesslich durch Böhmen und den Bayerischen Wald in die Berge. Schon immer konnte Barbara Schaefer durch das Gehen Energie tanken, jetzt hilft es ihr, der Trauer nachzuspüren und Abschied zu nehmen.

Eine Reise, auf der die Autorin zurück ins Leben findet. Sechs Wochen im Leben einer Frau, die um einen geliebten Menschen trauert und dafür 900 Kilometer von Berlin nach Österreich geht. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein wunderbar geschriebenes Buch über eine Fernwanderung durch drei Länder, über eine Frauenfreundschaft und nicht zuletzt über das Leben selbst.

23. Juli 2017

Zu Fuss von München nach Prag

Burkard Wittek: Zu Fuss von München
nach Prag, Wiesenburg Verlag, 2008

München und Prag, Bayern und Böhmen, Deutsche und Tschechen. Gibt es im Herzen Europas eine interessantere, historisch bedeutendere Geschichte als diese? Die Geschichte dieses Herzstücks Europas und die des Zusammenlebens zweier so wichtiger Völker begann bereits im Mittelalter, mit dem Aufstieg Prags zur Residenzstadt, dem religiös-politischen Weg eines Jan Hus und dem Fenstersturz katholischer und kaiserlicher Boten; also dem Leben einer Stadt, die beginnend von der gemeinsamen Kultur der Tschechen und Deutschen, der Christen und Juden die wechselvolle Geschichte Europas bis heute in ihren Mauern trägt; und einer Metropole, die mit ihren mutigen Menschen bis in unsere Tage, bis zur Samtenen Revolution von 1989 ganze Weltreiche zerstört und wieder aufgerichtet hat.

Das alte Prag ist und war Schmelztiegel einer grossen kulturellen Vielfalt: mit seinem Leben und seinen vielfältigen künstlerischen Reizen, den mittelalterlichen Gassen, den Häusern und Vierteln aus Gründerzeit und Jugendstil; und der Karlsuniversität als dem ersten europäischen Zentrum von Wissen und Forschung und seiner ganzen, brodelnden Kultur aus Kunst, Literatur und Theater, wo Dichter wie Rilke und Kafka, Werfel und Musil, Meyrink und Reinerova ihre ersten wichtigen Schritte taten. Und nicht zuletzt das  tschechische Bier, die gemütlichen Lokale, die bohemienhaften Absinth-Bars und der Moloch aus Bierdunst und deftigen kulinarischen Genüssen, gleichgültig ob drüben im Prager Hofbräuhaus, dem U Fleku, oder im Gasthaus Zum Kelch (U Kalicha), wo Jaroslav Hasek seine Abenteuer vom braven Soldaten Schwejk einst niederschrieb.


Diese Region ist Inbegriff und Schaufenster der alten und jungen europäischen Kultur, eines europäischen Lebens, das sonst überall längst verloren scheint. München und Bayern, Böhmen und Prag werden in diesem Buch zu einer Beschwörungsformel für ein neues Europa.
(Inhaltsangabe zum Buch)

5. Oktober 2016

Slow Food war gestern, Spazieren auch

Stephen Sokoloff, Walter Lanz: SlowFoot
Wanderungen Böhmerwald/
Bayerischer Wald
, Styria Verlag, Wien/
Graz/Klagenfurt, 2015, 180 Seiten
«Endlich ein Wanderbuch für Herz, Hirn und Körper! Eine Anleitung zu beschaulichen, genussreichen Wandererlebnissen …» Mit kernigen Worten eröffnen Stephen Sokoloff und Walter Lanz ihren 2015 im österreichischen Styria Verlag erschienen Wanderführer «Slow Foot Wanderungen Böhmerwald, Bayerischer Wald». Klingt nach der ultimativen Neuerfindung des Wanderns, dachte ich mir, als mich das Angebot erreichte, dieses Werk zu besprechen. Wandern 2.0 sozusagen, und dies in einer Zeit, in der nun wirklich alles über das Wandern gesagt und geschrieben worden ist. Dennoch hat mich die Neugierde gepackt. Wer derart auf sich aufmerksam macht, hat ein Versprechen einzulösen.

So ist denn im einleitenden Kapitel von «kleinen Entdeckungsreisen abseits sportlichen Ehrgeizes» die Rede; von «sich Zeit nehmen», vom «Nachspüren der Geheimnisse der Natur und der Geschichte», von «Menschen, auf die man sich einlässt, die einem unterwegs begegnen» und von der «Gastronomie, die gross geschrieben wird». Dies geht am Besten, so die Autoren, wenn sich der Wanderer «entschleunigt und sein eigenes Tempo findet», ergo langsamer geht als der «Normal»wanderer. Dennoch sollen im Slow-Foot-Modus «äussere und innere Grenzen überschritten» werden. Die äussere Grenze bezieht sich auf die geopolitische Situation der beschriebenen Region, also auf das Dreiländereck Bayern – Oberösterreich – Tschechien, in der die 30 beschriebenen Slow-Foot-Wanderungen angesiedelt sind. Das Überschreiten dieser Gemarkungen wird als Überwindung von inneren Grenzen betrachtet. Von einer «Herausforderung» ist die Rede, damit «Neues entdeckt und der eigene Horizont erweitert» werden kann.

Wer sich diesem Führer anvertraut und auf Leistung aus ist, wird enttäuscht sein, denn die vorgeschlagenen, mit vielen Hintergrundinformationen versehenen Routen richten sich mit moderaten Längen von 1 bis 15 km und zu bewältigenden Höhenunterschieden von maximal 350 Metern in erster Linie an Familien mit Kindern, Senioren und gesundheitlich leicht beeinträchtigte Menschen.

Mein Fazit: «Slow-Foot-Wanderungen Böhmerwald/Bayerischer Wald» ist nicht die insgeheim erhoffte Revolution in Sachen Wandern, propagiert das Buch doch einfach die althergebrachten Sparten Spazieren, Flanieren, Promenieren, garniert sie mit kulturellem und gastronomischem Inhalt sowie mit den für jeden Wanderführer obligaten Informationen.

26. September 2015

«Bylo to to nejtepší, co jsem kdy udělal!»

Hanspeter Tschanz: Projekt Mount Ma 394 05,
Eigenverlag, Brenzikofen, 2013
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks entstanden zwischen West und Ost zahlreiche Gemeindepartnerschaften. Die Berner Landgemeinde Brenzikofen zum Beispiel verschwesterte sich mit dem tschechischen Vyskytná. Der bis 2007 als Gemeindepräsident von Brenzikofen amtierende Hanspeter Tschanz, hegte den Plan, seinen Partnerort zu Fuss zu besuchen. Dies, obschon er ursprünglich die Besteigung des Mount Everest im Visier hatte. Marathonläufer Tschanz sollte den Entscheid nicht bereuen, wie er in seinem Erlebnisbericht über die 1075 km lange Wanderung nach Tschechien schreibt: «Es war das Beste, was ich je gemacht habe!» Und weil das 128seitige Buch zweisprachig abgefasst ist, hier die tschechische Version: «Bylo to to nejtepší, co jsem kdy udělal!» (schwierige Sprache!).

Gefunden habe ich das Buch per Zufall in einer Thuner Brockenstube, ist es doch in keinem Verlag erschienen und daher nicht einfach zu bekommen. Hanspeter Tschanz ging die lange Strecke übrigens in lediglich 24 Tagen, in der Zeit vom 6. bis 29. Juni 2012, nachdem er sich zuvor körperlich und mental intensiv vorbereitet hatte. Ja, er belegte für sechs Monate sogar einen Sprachkurs in Tschechisch. Mit einem Tagesschnitt von knapp 45 km erbrachte er eine beachtliche Marschleistung, trug er doch ein kleines Zelt mitsamt dem dazu notwendigen Biwakmaterial mit.

19. Juli 2013

Tödliche Seilschaft

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Barbara Traber: Tödliche Seilschaften
Gmeiner, Messkirch, 2012
Warum tun so viele Frauen Dinge, nur um einen Mann zu beeindrucken und ihm zu gefallen, gehen an ihre Grenzen und verlieren sich selbst? Das fragt sich Eva in der Mitte des Lebens. Sommer in den Dolomiten. Die junge Eva freut sich, mit ihrem Freund eine unbeschwerte Zeit zu verbringen und klettern zu lernen. Doch statt romantischer Tage erlebt sie abenteuerliche und gefährliche Bergtouren. Wird sich die neue Seilschaft bewähren oder ist das Absturzrisiko zu groß? (Klappentext)

Barbara Traber schreibt subtil-einfühlsam und wohlrecherchiert. Die Lektüre dieses vielschichtigen Romans kann ich daher sehr empfehlen. Etwas vom Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe und eine wunderbare Geschichte – auch wenn sie traurig-glücklich endet – für all jene, die sich im Südtirol tummeln.

Südtirol (Hauptschauplatz): Völs, Seis, Kastelruth, Bozen, Meran, Dolomiten, Stilfserjoch, Reschenpass Übriges Italien: Berninamassiv, Campofranco, Rifugio Marc e Rosa, Rifugio Marinelli, Rom Bern: Adelboden, Grindelwald Basel: Basel Bahnhofbuffet SBB Graubünden: Berninamassiv, Diavolezza, Pontresina Obwalden: Engelberg Österreich: Krems/Stein, Pfaffenberg bei Krems Frankreich: Chamonix Tschechien: Prag Deutschland: München