10. September 2021

Niedergang

Roman Graf: Niedergang, btb, München,
2015

Ein junges Paar bricht zu einer Tour in die Schweizer Berge auf. André und Louise wollen hoch hinauf und scheinen für ihr Abenteuer gut gerüstet. Doch je näher sie dem Gipfel kommen, desto mehr entfernen sie sich voneinander. Als Louise aufgibt, ist das für André kein Grund, es ihr gleichzutun. Denn er will, ja er muss zu Ende bringen, was er einmal angefangen hat. (Klappentext)

Moors Fazit: Was ich nicht verstehe: Weshalb schafft es ein solcher Roman mit Platitüden, unrealistischen Landschaftsbeschreibungen, einer lapidaren Handlung sowie einem Ende, das der Titel schon vorgibt, in die Nomination für den Schweizer Buchpreis? Bin ich zu anspruchsvoll, oder ist das literarische Niveau nicht mehr dasselbe wie vor 10 oder 20 Jahren?

9. September 2021

Achtung Baby!

Michael Mittermeier: Achtung Baby!
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010
Jahrelang hat Michael Mittermeier auf der Bühne Spässe über junge Eltern gemacht. Vor Kurzem ist er selbst Vater geworden. Wie seine Tochter sein Leben verändert und worüber er jetzt lacht, erzählt er in diesem Buch.

«Achtung Baby!» ist ein wunderbar selbstironischer und herzzerreissend ehrlicher Bericht über eine Zeit im Leben, in der sich Gefühle von Stolz, Unsicherheit und Glück rasant abwechseln. Eins ist danach klar: Das Leben mit Kindern ist anders als man denkt, nämlich viel lustiger. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein mitunter zum Brüllen lutiges Buch. Wäre ja auch gelacht, wenn der Mittermeier bei diesem Thema nicht aus dem Vollen geschöpft hätte. Daher: beste Unterhaltungsliteratur für alle, egal ob Kindermuffel oder Kinder-Nerd.

8. September 2021

Die Spirale – Etappe 7

Mit der Rucksackfähre über die Aare: von Boll-Utzigen nach Belp-Steinbach.

Über fünf Monate sind es nun her, seit ich die letzte Etappe meiner Wanderspirale absolviert habe. Nicht, dass mir das Projekt etwa verleidet wäre, ganz im Gegenteil, doch die Route der Etappe 7 bedingte die Überquerung der Aare mit einem Boot, was angesichts der Wetter- und Hochwasserverhältnisse der vergangenen Monate ein Ding der Unmöglichkeit war.

Am vergangenen Sonntag waren die Gegebenheiten indes perfekt, so dass ich die Fortsetzung der Spirale an der Haltestelle von Boll-Utzigen in Angriff nehmen konnte. Unter einem Himmelblau der Superlative zog ich Richtung Dentenberg, den es zum zweiten und letzten Mal im Rahmen dieses Projektes zu überschreiten galt. Oben angekommen zeigten sich vor der splendiden Aussicht auf die Alpen ein in Weiss gedeckter Tisch mit Rednerpult, daneben ein Abendmahlskelch, eine Kerze und eine Vase mit Blumenbukett. Auf der Wiese hinter der pfarrherrlichen Anordnung mehrere Reihen Festbänke und ganz rechts ein aus Bläserinnen und einem Bläser bestehendes Kirchenorchester. Noch waren kaum Gottesdienstbesucher anwesend. Die Musikusse nutzten die Gunst der Stunde und übten noch das eine oder andere Stück.

Die Heile-Welt-Idylle wurde leider durch zunehmenden Autoverkehr getrübt. Alle wollten sie auf den Dentenberg, in die Beiz, zum Gottesdienst, zum Spazieren, zur Erholung. Da kam für mich der Ruf der Ebene gerade recht. Gemütlichen Schrittes stieg ich durch eine Wohnlage für Mehrbessere nach Rüfenacht hinab, überquerte daselbst einmal mehr die Geleise des «Blauen Bähnlis» und verschwand im morgenkühlen Hüenliwald. Das erfrischende Waldbad war nur von kurzer Dauer und der Asphalt des «Bahnhofsträssli» hatte mich wieder. Welch seltsamer Name einer Strasse, wo sich doch weit und breit kein Bahnhof befand. Nun, die Bezeichnung dürfte wohl aus früheren Zeiten stammen, wo das nahe Allmendingen über eine abseits des Dorfes gelegene Haltestelle an der Bahnstrecke Bern–Thun verfügte. Mitten im Ort dient heute eines der beiden ehemaligen Wartehäuschen als Unterstand für Buspassagiere. Auf dem Dach prangt das alte Emailschild der SBB-Haltestelle in weisser Schrift auf blauem Grund.

Hinter Allmendingen senkte sich der Weg hinab zur Autobahn A6, deren Lärm permanent auf die nähere und weitere Umgebung brandete. Ein letzter Abstieg führte mich an einen Seitenarm der Aare, diesem folgend ich schliesslich zur eigentlichen Aare gelangte. Mit leicht erhöhtem Puls nahm ich einen Augenschein der Szenerie, insbesondere von der Fliessgeschwindigkeit der Aare. Würde ich mit meinem Mini-Packraft das andere Ufer erreichen, ohne gleich kilometerweit abgetrieben zu werden?

Kribbelig wie ich war, begann ich auf einem Sporn das Raft von Hand aufzublasen. Dann noch kurz der wasserdichte Rucksack auf dem Bug festgezurrt, die Schwimmweste montiert und los ging's! Die Strömung hatte im Nu meine Nussschale gepackt, so dass ich mich mit dem Doppelpaddel hart ins Zeug legen musste. Ich gebe es gerne zu, am liebsten hätte ich das gegenüberliegende Ufer sausen und mich bernwärts treiben lassen. Die Vernunft gewann freilich die Oberhand, und ehe ich mich's versah, kam der Sporn, den ich zum Anlanden ins Auge gefasst hatte, in Griffnähe. Nach rund drei Minuten war der Spuk vorüber und schon lagen meine Siebensachen zum Trocknen an der Sonne.

Zurück auf der Spiralwanderstrecke gelangte ich strammen Schrittes in die Industriezone von Belp. Mei, was herrschte hier für ein Verkehr! Ich fragte mich, ob dies am Sonntagmittag immer der Fall sei, oder ob dies lediglich eine der vielen Auswirkungen des an diesem Tag stattfindenden Ironman-Switzerland-Rennens darstellte. Wenige Minuten vor meinem Ziel in Belp-Steinbach überquerte ich bei einem mit mehreren Verkehrspolizisten bestückten Kreisel die Rennstrecke und war glücklich, meinen seit langem fälligen «Duathlon» siegreich bestanden zu haben. Auf den kommenden sechs Etappen der Wanderspirale wird das Packraft indes zu Hause bleiben, ehe dann über den beschaulichen Wohlensee gepaddelt wird. Eine ausführliche Bildstrecke dieser 12,3 km langen Etappe gibt es hier.

In Grün das Ergebnis von 7 Etappen auf der Wanderspirale.

7. September 2021

Der zweite Nansen

Es ist an der Zeit, dass hier wieder einmal über meinen kleinen Verlag, die Edition Wanderwerk, berichtet wird. In letzter Zeit sind nämlich – von der Lokal-, National- und Weltpresse einmal mehr schnöde ignoriert – weitere Bücher erschienen. Es waren dies einerseits Neuauflagen, so zum Beispiel «Gehzeiten», «Rucksacktage» oder «Aargau rundum» als auch eine neue Publikation mit dem schönen Titel «Freiluftleben». Stammen die ersten drei Bände von mir selbst, handelt es sich beim letztgenannten Buch um ein Werk des legendären Norwegers Fridtjof Nansen:

 «Am nächsten Morgen ging es über das Filefjell weiter nach Bjöberg. Gerade als ich von Breistölen aufbrach, ging die Sonne auf und ergoss ihre Röte über das Nebelmeer und die Berggipfel, die wie weissrote Zelte aus dem Nebel aufragten. Das Tal, aus dem ich kam, lag ganz unter den Nebelwogen verborgen. Über der Berglandschaft aber spaltete sich der Nebel immer mehr und mehr, so dass die Sonne in breiten Streifen durchdrang, während einzelne warmgetönte Nebelfetzen um die Gipfel krochen.»

Fridtjof Nansen, der Mann der Tat, der zähen Energie, der Sieger über die Gewalten des Polareises, weist uns den Weg zur Gesundheit und Freiheit. Er ist ein Erzähler, dem man sich mit Freuden anvertraut. In seinen Reiseschilderungen aus Norwegen, Island und Jan Mayen, führt der Friedensnobelpreisträger den Leser zurück zur Natur. Nansens Erlebnisse werden ergänzt mit einem Aufsatz von mir zum Thema «Friluftsliv» (Freiluftleben) und einem Gedicht von Henrik Ibsen. Nach dem im Jahr 2016 erschienenen «Im Eise begraben / Abenteuerlust» ist «Freiluftleben» der zweite Titel, der in der Edition Wanderwerk veröffentlicht wird. Hier kann er auch direkt bestellt werden.

6. September 2021

Jaun im Greyerzerland

Diverse Autoren: Jaun im Greyerzerland,
Deutschfreiburger Heimatkundeverein,
Freiburg, 1989
Jaun ist in vielfacher Hinsicht einzigartig, eine Gemeinde und Pfarrei der Rekorde! Ist es da verwunderlich, dass auch die vorliegende Monographie einen Rekordumfang aufweist? Trotz des Umfangs wird vieles nur angedeutet, manches überhaupt nicht erwähnt. So müsste etwa die Geschichte Jauns, die hier nur in Ansätzen dargestellt wird, erst noch aufgearbeitet, die sprachliche Entwicklung zusätzlich untersucht werden und vieles weitere mehr. 

Ist Jaun ein Sonderfall? Ja und Nein! In Jaun leben wie überall Menschen, die sich im Alltag behaupten müssen, ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Freuden kennen. Doch trifft für Jaun und seine Bewohner vieles zu, das im Kanton einmalig und einzigartig ist : Jaun ist das höchstgelegene Dorf des Kantons und die einzige deutschsprachige Gemeinde im sonst französischsprachigen Greyerzbezirk. Die Jauner sprechen einen eigenen, nur ihrer Gemeinde vorbehaltenen Dialekt, der – auch dies einmalig im Kanton – klar erkennen lässt, dass die Alemannisierung Jauns aus dem Simmental erfolgt ist. Die alte kulturelle Verbundenheit mit dem Simmental und dem Saaneoberland wirkt auch im Hausbau, in der Siedlungsart und – im Fall der Alten Kirche – beim Kirchenbau nach.

Jaun hat einen Wasserfall, wie es im Kanton keinen zweiten gibt, und nützt die Wasser des Jaunbachs im einzigen privaten Elektrizitätswerk des Kantons zur Stromerzeugung aus. In
Jaun führte man Auto- und Motorradrennen zu einer Zeit durch, als man andernorts Autos noch kaum zu Gesicht bekam (und schaffte die Rennen wieder ab, als man andernorts erst damit anfing!). Aus Jaun stammen Schweizermeister im Skilanglauf und die ersten Eigernordwandbezwinger Deutschfreiburgs!

Pfarrei und Gemeinde Jaun haben bis heute die Gütertrennung nicht vollzogen. Gemeinde- und Pfarreiversammlun finden jeweils nacheinander am gleichen Abend statt. Der Kampf ums Überleben in einer Umwelt, die in ihrer Kargheit keine Geschenke macht und gar oft zum Feind wird (Lawinen!), prägte das Volk, kittete es zusammen und liess es in der Religion Halt finden. Ist es da verwunderlich, dass es in Jaun-Im Fang drei Kirchen und ebenso viele Mariengrotten gibt und die Pfarrei Priester, geistliche Brüder und Schwestern in einer Menge hervorgebracht hat, die ihresgleichen im Kanton sucht? Wohl aus dem gleichen Geist des Sichbehauptenmüssens heraus stellte Jaun immer wieder .auch. in Politik und Wirtschaft überdurchschnittlich viele Persönlichkeiten. 

Schon diese paar Hinweise mögen genügen, um aufzuzeigen, wie sehr Jaun einer Monographie würdig ist. Zwischen der Idee des Jaunbuches und der Verwirklichung vergingen allerdings mehrere Jahre. Das Festlegen der Themen und die Wahl der Autoren – wobei möglichst viele Einheimische zu Wort kommen sollten –, die Bereitstellung und Durchsicht der zahlreichen Manuskripte, die Redaktion und Drucklegung waren sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Ich danke deshalb allen Autoren und Mitarbeitern nicht nur herzlich für den Beitrag, den sie an das Jaunbuch geleistet haben, sondern auch für die Geduld, die sie bis zur Herausgabe des Buches mit dem Redaktor hatten beziehungsweise haben mussten.

Beim vorliegenden Jaunbuch handelt es sich um einen Sonderdruck aus den gleichzeitig erscheinenden «Deutschfreiburger Beiträgen zur Heimatkunde», die vom Deutschfreiburger Heimatkundeverein herausgegeben werden. Allen, die zum guten Gelingen dieses Werkes beigetragen und mit ihrer finanziellen Unterstützung den Druck und die Herausgabe des Jaunbuches ermöglicht haben, sei ganz herzlich gedankt. (Vorwort von Moritz Boschung, Ehrenpräsident des Deutschreiburger Heimatkundevereins)

5. September 2021

Warum hast du dich nicht gewehrt

Rosalia Wenger: Warum hast du dich nicht
gewehrt, Zytglogge, Bern, 1982

Rosalia Wengers grosser Erfolg «Rosalia G. – ein Leben» hat vor allem die Autorin überrascht. Das Echo, das dieses Buch auslöste – sei es als Dokument aus einer Zeit, von der man plötzlich feststellte, dass man fast gar nichts wusste; sei es als Geschichte eines harten Frauenlebens – war überwältigend. Um ein überschaubares Buch zu erhalten, musste man aus dem umfangreichen Manuskript von «Rosalia G.» vieles auf später verschieben. Die Autorin: «Trotzdem wurmte es mich, dass nun so viele Geschichten nicht im Buch standen. Bei Lesungen las ich einige von ihnen immer wieder vor und hatte Erfolg. Diese «verlorenen Geisteskinder» habe ich nun gesammelt, bearbeitet und ergänzt.»

So ist nun ein Buch entstanden, das weiter in die karge Welt in der Lischern hineinleuchtet, das genaue Beschreibungen gibt von der harten Alltagsarbeit, von den Sorgen der kleinen Leute und den Benachteiligungen zuerst des Verdingkindes und später der Frau.

Diese Geschichten können nicht konstruiert werden; sie wurden aufgeschrieben von einer Frau, die das alles selber erlebt hat und im Alter die Kraft fand, Zeugnis abzulegen. Manchmal tagebuchartig, meist in kurzen, einfachen Geschichten treten Augenblicke, Gefühle, Ereignisse hervor, die wohl von einer düsteren Vergangenheit berichten, aber die frohen, ja fröhlichen Momente nicht vergessen. (Klappentext)

Die Autorin

Rosalia Wenger wurde am 5. Juni 1906 als uneheliche Tochter der Dienstmagd Rosina Wenger in Basel geboren. Ihr Vater war der deutsche politische Flüchtling Albin Lessing, der jedoch kurz nach der Geburt seiner Tochter in die USA emigrierte. Sie wuchs bei ihren Grosseltern auf dem Hof Lischern in der Nähe von Schwarzenburg im Kanton Bern auf. Die Grossmutter war ihre Ersatzmutter, da die Mutter über zu geringe finanzielle Mittel verfügte.

Schon als Elfjährige wurde Rosalia Wenger zu Fuhrhaltersleuten in Schwarzenburg verdingt. Als junge Erwachsene hatte sie als Dienstmädchen und Arbeiterin neun verschiedene Stellen in der ganzen Schweiz inne, bevor sie in Bern eine Berufslehre als Glätterin und Wäscherin absolvierte und als solche in Bern tätig war. 1932 heiratete sie den Arbeiter Werner Grützner, mit dem sie zwei Töchter hatte. Die Ehe stand wiederholt kurz vor der Scheidung, da sie ihr Mann zeitweise wie ein Dienstmädchen behandelte und ihr jahrelang Besuche und Reisen verbot.

1960 wurde sie vom Schwiegersohn ermutigt, ihre Zeit als Verdingkind, Arbeiterin, Dienstmädchen und unglückliche Ehefrau erzählerisch aufzuarbeiten. Nach dem Tod ihres Mannes trat Rosalia Wenger der Berner Frauenbefreiungsbewegung (FBB) bei. 1978 erschien ihre Autobiografie «Rosalia G.», die umgehend zu einem viel gelesenen Werk avancierte. Dafür erhielt sie 1979 den Buchpreis der Stadt Bern. Weitere Begebenheiten aus ihrem Leben, die nicht im ersten Buch Platz gefunden hatten, erschienen 1982 unter dem Titel «Warum hast du dich nicht gewehrt.» Rosalia Wenger starb am 5. Dezember 1989 im Alter von 83 Jahren. Nach ihr wurde 2004 bei der S-Bahn-Station Wankdorf in Bern ein Platz benannt.

4. September 2021

Tannöd

Andrea Maria Schenkel, Tannöd,
Nautilus, Hamburg, 2006
Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. Diese Spur muss der Leser aufnehmen.

Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mitverfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist. (Inhaltsangabe zum Buch)

«Tannöd» ist Andrea Maria Schenkels Debüt, für das sie den Deutschen Krimi Preis sowie den Friedrich-Glauser-Preis 2007 erhielt.

3. September 2021

Foroglio

Diverse Autoren: Foroglio, Agenziakay,
Foroglio, undatiert
Foroglio ist ein Ort, der aus vielen Orten besteht. Foroglio ist eine wunderbare Location. Um einen Tag zu verbringen, eine Woche, ein Leben. Um einen Film zu drehen. Um sich zu begeistern. Um auf Augen und Seele das einzigartige Zusammenspiel von Stein, Wasser und Himmel wirken zu lassen. Und darauf ins Flachland zurückzukehren und zu sagen: Ich war dort, wo die Welt entsteht. (Klappentext)

2. September 2021

Irinas Buch der leichtfertigen Liebe

Tim Krohn: Irinas Buch der leichtfertigen
Liebe, Diogenes, Zürich, 2000
Eigentlich will die in Paris lebende Russin Dunja ihrem Mann ein Fax nach Moskau schicken – dass es bei seiner Ex-Geliebten Ewa in Schweden landen wird, kann sie nicht wissen. Das fehlgeleitete Fax bringt Turbulenz ins Leben und die Phantasie der jetzigen und einstigen Liebenden. Als Ewa sich entschliesst, nach Paris zu fliegen, löst dies einen Wirbel von Missverständnissen aus. Und je mehr die Beteiligten die Verhältnisse in den Griff zu bekommen versuchen, desto grösser wird die Verwirrung.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Welt mehr Vorstellung als Wille ist, dass Erotik vor allem im Kopf entsteht – und dass die Liebe ein zauberhaftes, kompliziertes Ding ist. (Klappentext)

F: Paris RUS: Moskau S: Svärdsjö

1. September 2021

Das Freiburger Soldatenhaus

Diverse Autoren: Das Freiburger Soldatenhaus,
Chalet du Soldat, Fribourg, 1995
1945 beschloss eine Gruppe von Freiburger Offizieren, zu Ehren eines unbekannten Soldaten im Sinne eines Denkmals ein Chalet zu errichten. Es erhielt den Namen «Chalet du Regiment». Anlass dazu war die Kriegsmobilmachung. Umgesetzt wurde das Vorhaben zu Beginn einer Periode, die man als «Kalten Krieg» bezeichnet. Diese Epoche war charakterisiert durch die Konfrontation zweier Weltanschauungen, erstarrt unter einem Gleichgewicht des Schreckens durch nukleare und konventionelle Überrüstung. 

50 Jahre später präsentiert sich die Welt in einer veränderten Lage. Sie erlaubte es, ohne die Sicherheit unseres Landes zu gefährden, die wichtigste Reform der Armee seit ihrer Gründung an die Hand zu nehmen: die Armee 95. Die Armee 95 zeichnet sich aus durch eine neue Doktrin und veränderte Strukturen und führt zu einer Verjüngung sowie einer besseren Anpassung der Vorhandenen Mittel an die Aufgaben. Der sicherheitspolitische Bericht, der dieser Konzeption zugrunde liegt, hebt auch Fragen zur Zukunft unseres Landes hervor, die offen bleiben. Diese Fragen, seien sie allgemeinpolitischer oder sicherheitspolitischer Natur, müssen im Rahmen des Dialogs angegangen werden. 

Das Soldatenhaus ist ein symbolischer Ort der Begegnung zwischen Armee und Zivilleben, zwischen Generationen, die einen Moment ihrer Existenz teilen, mit unterschiedlichen Erfahrungen, aber einem gemeinsamen Ziel: der Schweiz und ihrer Bevölkerung eine Zukunft in Frieden und Wohlergehen zu sichern. Es ist ein guter Ort für einen offenen und konstruktiven Dialog. Um dorthin zu gelangen, braucht es körperliche Anstrengung. Aber oben angelangt, erlebt man Befriedigung über das erreichte Ziel. Gleich verhält es sich mit den Anstrengungen, die es braucht, um künftige Ziele unseres Landes zu erreichen. Die Lage des Chalets am Fusse der Gastlosen symbolisiert diesen Aspekt: ein Berg, der einlädt, ihn zu besteigen. Nicht als Hindernis, das es zu überwinden gilt, sondern als Herausforderung, neue Wege zu öffnen und andere Horizonte zu finden. Das Soldatenhaus möge somit ein Ort der Begegnung sein und zum Dialog einladen. Es soll dazu beitragen, Meinungsverschiedenheiten aufzulösen und einen Konsens im Interesse von uns allen zu finden. (Vorwort von Kaspar Villiger, damaliger Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartementes und zugleich Bundespräsident)

31. August 2021

Landjäger

Denise Locher, Flurina Gradin:
Landjäger, Eigenverlag, Zürich, 2011
Die Schweiz zählt rund 6000 Dörfer. Der vorliegende Reiseführer stellt daraus eine erlesene Auswahl von 60 Ortschaften in Bild und Text vor. Im Fokus stehen jene Dörfer, die sich fern ab von Agglomerationswuchs und touristischer Belagerung bis in die heutige Zeit einen eigenständigen Charakter bewahren konnten, und die gerade deshalb eine spannende Mischung an Authentizität und Neuentdeckungen zu bieten haben. 

Ob kulinarische Trouvaillen oder historische Kuriositäten, Dorforiginale oder feingliedrige Architektur in wildromantischer Umgebung, ist die Auswahl darauf bedacht, ein möglichst abwechslungsreiches Bild der geografischen und kulturell en Vielfalt der Schweizer Dorflandschaft zu vermitteln. 

Auf den folgenden Seiten wird der Leser mit genügend Informationen ausgestattet, um sich als Landjäger neugierig auf die Pirsch nach sechzig versteckten Kleinoden zu begeben. Der Reiseführer soll aber auch als Inspirationsquelle für eigenhändig recherchierte Dorf touren dienen. Mit der Einstellung, ein Dorf zu besuchen und sich vor Ort Zeit zu nehmen und die Umgebung zu erkunden, ergeben sich unerwartet spannende, neue Blickwinkel und Begegnungen.

Wir wünschen viel Vergnügen mit dem Buch und sagen: hinaus an die frische Luft, hinein in die Provinz und ran an den Stammtisch! (Vorwort der Autorinnen)

30. August 2021

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und
der Bombenbauer, dtv, München, 2015
Nur einmal können die drei einander begegnet sein: Im November 1924 am Hauptbahnhof in Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden.

Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Die rebellische Musikantentochter Laura d’Oriano versucht sich als Sängerin, doch da ihr das grosse Talent fehlt, lässt sie sich als Spionin rekrutieren. Der Kunststudent Emile Gilliéron folgt Schliemann nach Troja, zeichnet Vasen und restauriert Fresken, fertigt auf Wunsch auch Reproduktionen an – und muss bald einsehen, dass es von der Kopie bis zur Fälschung nur ein kleiner Schritt ist.

Alex Capus treibt seinen Erzählstil des faktenreichen Träumens zu neuer Meisterschaft. Er zeichnet die exakt recherchierten Lebensläufe dreier Helden nach, die durch die Macht der Umstände gezwungen werden, von ihren Wünschen und Hoffnungen abzulassen – um schliesslich in der Niederlage zu triumphieren. (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Aller negativen Kritiken zum Trotz: Mir hat dieser Roman ausserordentlich gut gefallen. Alleine schon die Idee, diese drei Figuren, die sich womöglich nie wirklich begegnet sind (wir wissen es nicht), in eine Geschichte mit fiktiven Übergängen zu verpacken, ist bemerkenswert. Alex Capus lässt seine Leserschaft in eine höchst spannende Zeitepoche eintauchen, von deren Protagonisten vermutlich die wenigsten je etwas gehört oder gelesen haben. So gesehen ist der Roman auch ein Bildungsroman und regt womöglich gar zu weiteren, eigenen Recherchen an. Und dann ist die Erzählsprache Capus': fern jeglicher Effekthascherei, sachlich, stimmig und zu keiner Zeit langweilig. Ein Rundumpaket bester Belletristik im untrivialsten aller Sinne!

29. August 2021

Grenzschlängeln

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht:
Grenzschlängeln, Rotpunkt, Zürich, 1997
«Grenzschlängeln» ist ein ungewöhnliches Wanderbuch – geschrieben für Leute, die gerne lesen, wandern und essen. Die 47 Routen dies- und jenseits der heutigen Landesgrenzen führen durch jenen Teil des Alpenbogens, den die Schweiz mit Österreich, Italien und Frankreich teilt. Das Buch liefert Ideen für lange Wochenenden, für ganze Wanderwochen oder gar für eine 47tägige Fussreise von Samnaun nach Saint-Gingolph. Zu jedem Tag präsentieren Ursula Bauer und Jürg Frischknecht eine historische, kulturelle oder aktuelle Geschichte. Und sie weisen auf Gasthäuser hin, in denen man besonders gut isst. «Grenzschlängeln» ist auch ein Wanderbuch für Geniesserinnen und Geniesser. (Klappentext)

Moors Fazit: Mit «Grenzschlängeln» läutete das Duo Bauer-Frischknecht eine neue Ära in Sachen Wanderliteratur ein, ja, es darf gar von einer Revolution gesprochen werden. Und dass es sich nicht um eine Eintagesfliege handelte, bewiesen die zahlreichen weiteren Bücher dieser Art, die in der Folge veröffentlicht wurden.

28. August 2021

Das Kabarett-Buch

Franz Hohler: Das Kabarett-Buch,
Luchterhand, Darmstadt, 1988
Franz Hohler gehört innerhalb und ausserhalb der Schweiz zu den renommiertesten Kabarettisten. Seine Lieder und Chansons, wie «Der Weltuntergang», «Es sind alle so nett», «Ein Schweizer im Ausland», haben ihn weit über den Kreis derer populär gemacht, die sich für das Kabarett interessieren. Konflikten ist er nicht aus dem Weg gegangen. In Rundfunk- und Fernsehsendungen hat er sich neben seinen Auftritten mit zeitkritischen Satiren zu Wort gemeldet. Seine Sendung zum Thema «Kriegsdienstverweigerung» wurde vom Schweizer Fernsehen abgesetzt, worauf Franz Hohler seinerseits alle seine weiteren Sendungen vom Schweizer Fernsehen absetzte. Franz Hohler über Franz Hohler: «Lebt heute in der Schweiz als freier Gaukler und Spezialist für cellistische Subkultur, deren einziger Vertreter er bislang geblieben ist.»

In diesem Band sind alle wichtigen Programme und Nummern von Franz Hohler gesammelt, die Sketche, die er mit Hanns Dieter Hüsch aufgeführt hat, Chansontexte, die er auf Platte einspielte, und seine Beiträge fürs Fernsehen. Die Texte in Schweizer Mundart werden in der Originalsprache und in einer von Franz Hohler besorgten hochdeutschen Version wiedergegeben. Damit der Leser sich die Atmosphäre von Franz Hohlers Auftritten vergegenwärtigen kann, ist der Band reich mit Szenenfotos illustriert. Den berühmten Liedern sind die Noten gegenübergestellt – zum Nachspielen. Franz Hohlers Kabarettbuch ist ein Gesamtspass ohnegleichen.
(Klappentext)

27. August 2021

Schreiben für die Zeitung

Roland Drenkelforth: Schreiben für die
Zeitung, Orell Füssli, Zürich, 2005
Endlich eine praktische Einführung in den Journalismus und die Pressearbeit, die aus dem Alltag einer Lokalzeitung heraus entstanden ist. Roland Drenkelforth erläutert die unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen anhand von Textbeispielen und gibt Tipps, wie ein Artikel besser wird. Das ideale Buch für Einsteiger, Studenten und Freie Mitarbeiter. Aber auch für alle, die sich mit der Pressearbeit in Vereinen, Parteien, KMUs, Behörden und Schulen befassen.

Aus seinen gut zwanzig Jahren Erfahrung als Journalist und Redakteur weiss Drenkelforth, dass man durch mangelnde Sachkenntnisse wertvolle Medienpräsenz verpassen kann. Das muss nicht sein. Mit der Beachtung einfacher Regeln kann der Beachtungsgrad in den Medien massiv verbessert werden. Welche Themen interessieren? Wie schreibt man eine Vorschau auf einen Anlass? Wie verfasst man eine Pressemitteilung? Was muss man bei der Durchführung einer Presseorientierung beachten? Bei welchem Anlass lohnt es sich, die Medien einzuladen? Daneben bietet das Buch eine umfassende Übersicht der Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. (Klappentext)

26. August 2021

Bäderfahrten

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht:
Bäderfahrten, Rotpunkt, Zürich, 2002
Die Schweiz, das «Wasserschloss Europas», ist auch ein Paradies der erholsamen Bäder und der gesunden Wässer. Die beiden «Genusswanderer» Ursula Bauer und Jürg Frischknecht verbinden diesmal das Wandern mit entspannendem Baden und Übernachtungen in stilvollen Badehotels und Kurhäusern. 22 mehrtägige Wanderungen führen zu Bädern in der Schweiz und im benachbarten Ausland. 39 Häuser werden ausführlich porträtiert. Begleitet werden die Wandervorschläge von Hintergrundinformationen zu den Bädern und ihrer Geschichte oder zum Wasser in all seinen Facetten. Ein Buch für Wanderlustige, die besondere Ideen für lange Wochenenden oder Wanderwochen suchen – und dies zu allen Jahreszeiten. Ein Buch auch für Leute, die alte Kur- und Bädetradition neu entdecken und erleben möchten. (Klappentext)

25. August 2021

Jakobswege durch die Schweiz

Jolanda Blum: Jakobswege durch die
Schweiz, Ott, Thun, 1998
1999 ist das nächste «Heilige Jahr» des Apostels und Pilgerpatrons Jakobus – das trifft immer zu, wenn der Geburtstag des Heiligen (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Sicher ein zusätzlicher Reiz für viele, den wohl berühmtesten Pilgerweg mit dem Endpunkt der legendären Grabstätte des St. Jakobus in Santiago de Compostela neu zu entdecken. Der Ott-Spezial-Wanderführer beschreibt erstmals und umfassend die Jakobs-Pilgeretappen quer durch die schönsten Landschaften der Schweiz – beginnend am Bodensee, weiter am Zürich- und Vierwaldstättersee entlang, über Interlaken, Freiburg, Lausanne bis nach Genf.

Die Autorin und Historikerin Jolanda Blum informiert ausführlich über die einzelnen Wanderabschnitte, unterstützt von dem Spezialwissen der Mitherausgeber «Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz» (IVS), «Schweizer Wanderwege» (SAW) und «Les Amis du Chemin de St-Jaques».

Der Leser kann sich mit dem handlichen Führer zudem auf die kulturhistorische Spurensuche rund um den Jakobskult begeben und vieles über uralte Sagen und Legenden, die vielfältigen Traditionen der Volksfrömmigkeit und über Glauben und Leben in den Regionen erfahren. Hinweise über wichtige Kontaktadressen, Sehenswürdigkeiten, Anfahrtswege und Übernachtungsmöglichkeiten sowie Fotografien, Zeichnungen und Routenskizzen runden diesen informativen Wegbegleiter ab. (Klappentext)

24. August 2021

Churfirsten

Emil Zopfi: Churfirsten, AS Verlag, Zürich, 2006
Selun, Frümsel, Brisi, Zuestoll, Schibenstoll, Hinterrugg, Chäserrugg – sieben Berge, die den Grenzkamm zwischen Toggenburg und Sarganserland bilden, eine alte geopolitische Grenze. Emil Zopfi schafft Verbindungen zwischen Nord und Süd, zwischen den lang gezogenen Bergrücken, den Firsten, die das Massiv dem Toggenburg zuwendet, und den schroffen Südwänden, in denen Klettergeschichte geschrieben wurde. Die Identifikation der Ansässigen mit «ihren» sieben Bergen ist auf beiden Seiten bemerkenswert hoch. In der Tourismuswerbung; in Logos, im Sport, in den Namen von Restaurants und Firmen tauchen die Churfirsten auf.

Die alpinistische Erschliessung des Massivs mit ihren Triumphen und Tragödien bildet einen wesentlichen Teil des Buches. Ausserdem gibt es die Geschichte des Findlings «Seluner», benannt nach dem ersten (oder letzten) Churfirst.

Es gibt Klang- und Sagen- und Wanderwege und Seilbahnen. Es gibt seltene Tiere und Pflanzen, die auf den Churfirsten die Eiszeiten überlebten. Es gibt Kletterfreaks, die alle sieben Gipfel an einem Tag überklettern, immer dem scharfen Grat entlang, 2000 Meter über dem Walensee. Es gibt Bergläufer, die alle an einem Tag besteigen oder gar umrunden, es gibt Skipisten neben stillen, steilen Skitouren und Gleitschirmflieger, die über den Gipfeln kreisen wie einst die Drachen in den uralten Geschichten. Und manchmal beginnen die sieben Berge zu klingen, man kann den Gesang der Schellen hören, den Ruf der Goldschrecke, das Echo von Kirchenglocken in den einsamen Tälern.
(Klappentext)

23. August 2021

Antipasti und alte Wege

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht, Antipasti
und alte Wege, Rotpunkt, Zürich, 1999
Im italienischen Valle Maira lässt sich von Mai bis Oktober wandern. Hauptader des Wegnetzes ist der Mairaweg: Er beginnt und führt durch südliche Landschaften zu den «Dolomiten von Cuneo, den Kalkbergen an der Grenze zu Frankreich. 

«Antipasti und alte Wege» bietet alle Informationen zu den zwölf Etappen des Mairawegs der Percorsi Occitani) beschreibt Ausflüge auf stolze Dreitausender oder in ein Hinterland, das die Menschen aufgegeben haben, schlägt Zweitageswanderungen in die Nachbartäler vor, gibt Tipps zur Provinzhauptstadt Cuneo, zum Talort Dronero und zu Acceglio, dem Ausgangspunkt in den Bergen.

Wie in ihren Lesewanderbüchern «Grenzschlängeln» und «Veltliner Fussreisen» präsentieren Ursula Bauer und Jürg Frischknecht zu jeder Etappe eine Geschichte: Wie zwei Bergnester den Handel mit Perückenhaar und Sardellen kontrollierten. Wie die Musikgruppe «Lou Dalfin» zur Bannerträgerin des neuen okzitanischen Selbstbewusstseins wurde. Was die «okzitanische» Küche an Antipasti, Primi und Secondi auftischt. Wie Mussolini im Juni 1940 einen Krieg gegen den guten Nachbarn Frankreich anzettelte. Wie der Allgäuer Heilige Magnus in einem piemontesischen Bergtal heimisch wurde. Wer den Wettlauf um die Erstbesteigung des alles dominierenden Monviso gewann. Wie sich eine Kölnerin und ein Vorarlberger ins Mairatal verirrten und was sie dort anrichten. (Klappentext)

22. August 2021

Schauen und Wandern im freiburgischen Senseland

Bernhard Zurbriggen: Schauen und
Wandern im freiburgischen Senseland,
Deutschfreiburger Heimatkundeverein,
1996
Dieses Buch ist auf einigen Hundert Kilometern Fussmarsch langsam entstanden. Mut zur Lücke hat von Anfang an die Arbeit mitbestimmt, denn das Senseland ist überaus reich an Iohnenden Wegen. Auch ist längst nicht alles in Worten fassbar, was uns Wolkengang und Schattenwurf, Pflanzen und Tiere an Bildern, Begegnungen und Überraschungen bieten. Und zudem «ist» Landschaft nicht einfach; dauernde Umgestaltung ist ihr eigen.

Ich habe die Brille des naturwissenschaftlich orientierten Geographen aufbehalten. Die Grossformen der Landschaft, ihre Entstehung und der zumeist übersehene, geheimnisvolle Untergrund wurden bewusst ins Zentrum gerückt. Reichtum, Vielgestaltigkeit, Schönheit unserer Gegenden und deren Entstehungsgeschichte in Rundwanderungen nachzuzeichnen, war die Aufgabe. Bei Leserinnen und Benutzern die Aufmerksamkeit dem nahen Lebensraum gegenüber zu wecken, war die Absicht. Allen - und es waren viele – die in irgend einer Form mitgearbeitet haben, sei dies beratend, schreibend, zeichnend, wandernd oder korrigierend, spreche ich meinen herzlichen Dank aus. Intensiv und kreativ erlebte ich die Zusammenarbeit mit der Graphikerin Brigit Herrmann (Laupen) und dem Kartographen Jean-Martin Herrmann (Überstorf). Hoch geschätzt habe ich auch die Mitarbeit von Beatrice Chatton, Josef Kurzo und Jean-Daniel Wicky.
(Vorwort des Autors)

21. August 2021

Säntiswetter

Bruno Meier: Säntiswetter, Appenzeller
Verlag, Herisau, 1996

Der Untertitel des Buches verrät es: Im Mittelpunkt der Geschichte des Observatoriums auf dem Säntis steht nicht die technische Entwicklung zwischen 1880 und 1970, sondern jene Menschen, die in diesen neun Jahrzehnten das «Säntiswetter» beobachteten, notierten, übermittelten. Autor Bruno Meier scheute keine Mühe, eine grosse Zahl von Dokumenten und Berichten aufzustöbern, zu sichten und auszuwerten. Dies ist noch kaum je in dieser umfassenden Form geschehen. Zu seinen ausgezeichneten Kenntnissen der Örtlichkeiten gesellt sich eine nicht unwesentliche Begabung, das Geschehen in einer gut lesbaren Erzählform zu präsentieren, wobei er sich wohl strikte an die authentischen Ereignisse hält und nur dort seiner Phantasie freien Lauf lässt, wo dies die Dialogform erfordert.

Der Leser wird mitgenommen in die Einsamkeit der Säntiswetterwarte, die vor allem bis 1935 (Bau der Säntis-Schwebebahn) besonders dramatische Zeiten erlebte. So etwa im Februar 1922, als der noch heute immer wieder erwähnte Doppelmord am Wetterwart-Ehepaar Haas geschah. Diesen beiden jungen Leuten und ihrem Mörder gilt ein wesentlicher Teil des Buches. Nicht zu kurz kommen aber auch die Leistungen der Pioniere in den Anfängen der Wetterbeobachtungen auf dem Säntis, angefangen von «Vater Billwiller», dem ersten Direktor der Meteorologischen Zentralanstalt, über «Säntis»-Wirt Johann Jakob Dörig und Säntisträger Rusch bis zu den Wetterwarten und ihren Ehefrauen, die bis zur Automatisierung der Station im Jahre 1970 das Wetterwart-Haus bewohnten. (Klappentext)

20. August 2021

Karte und Kompass

Edwin Kaufmann: Karte und Kompass,
Ott, Thun, 1995
Im sachkundigen Umgang mit Karte und Kompass eröffnen sich viele Möglichkeiten, uns in der Natur zu bewegen und zu orientieren. Sei es beim Wandern, Orientierungslaufen, Klettern, Segeln oder Reisen in bekanntem oder fremdem, auch weglosem Gelände – oder wenn wir von Dunkelheit, Nebel oder Unwetter überrascht werden: Eine sichere Orientierung hilft uns immer weiter.

Dieser «Ott Spezial Führer» kann zum Nachschlagen oder fürs Selbststudium und «learning by doing» verwendet werden. Dazu dienen die 17 Fotos und 62 z.T. zweifarbigen Zeichnungen und Kartenbeispiele. Welche Informationen die Karte enthält und wie sie zu interpretieren sind, wird ebenso gezeigt wie die vielen praktischen Anwendungen. Die Karten des deutschsprachigen Raumes sind besonders berücksichtigt.

Welches der vielen Kompassmodelle für welche Ansprüche geeignet ist, und was wir beim Kauf beachten müssen, ist genau beschrieben. Viele praktische Anwendungen diverser Hilfsmittel wie Peilkompasse, Höhenmesser, Schrittzähler usw. sind klar und leicht verständlich beschrieben. Auch die satellitengestützten Orientierungshilfen wie GPS, DGPS und GPS-Kompass, ihre Funktion und Anwendung sowie Vor- und Nachteile sind auf dem neuesten Stand erfasst. (Klappentext)

19. August 2021

Was die Welt nicht braucht

Anette C. Anton, Daniel Kiecol: Was
die Welt nicht braucht, Piper,
München, 2001
Endlich wird die Wahrheit gesagt über Hunde mit Halstüchern und ihre Besitzer, über Frauen, die nichts essen, aber trotzdem irgendwie am Leben bleiben, und über den Drang der Menschen, sich witzige Anrufbeantworteransagen auszudenken. Wir erfahren, welche vorzeitlichen Rituale hinter dem ganz gewöhnlichen Verhalten von Männern in Sitzungen stecken, was Eltern dazu treibt, ihre Kinder mit originellen Vornamen zu quälen, und was alles dabei herauskommen kann, wenn Deutsche beim Italiener versuchen, Espresso zu bestellen. Annette Anton und Daniel Kiecol haben die dümmsten und peinlichsten Gegenstände und Gepflogenheiten gesammelt, genüsslich seziert und zum Abschuss freigegeben. Der Lebensstil der «Generation Golf» wird treffend aufs Korn genommen. (Inhaltsangabe zum Buch)

18. August 2021

Nik & Jabba

Nik Hartmann: Nik & Jabba, Fona,
Lenzburg, 2011
Um Nik und Jabba herum ist es das ganze Jahr Weihnachten. Im Advent legen sie aber noch einen Sternzacken zu. An jedem einzelnen Dezembertag entführen die beiden in eine abenteuerliche oder herzerwärmende Geschichte, die einem ein Licht im Wintergrau aufgehen lässt. Nik Hartmann erzählt seinen grossen und kleinen Lesern die ganze Jabba-Geschichte und verrät ausser seinen und Jabbas Lieblingsguetzli noch ein paar andere Dinge. (Klappentext)

17. August 2021

Veltliner Fussreisen

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht: Veltliner
Fussreisen, Rotpunkt, Zürich, 1997
Der einzige erhältliche deutschsprachige Führer zum Veltlin. Alle kennen den Veltliner Wein. Aber nur wenige das Veltlin, dieses faszinierende Grenzgebiet, das fast so gross ist wie das Wallis und so südlich wie das Tessin. Ursula Bauer und Jürg Frischknecht schlagen in ihrem Führer Routen durch die Veltliner Weinberge vor, zu den alten Badeorten in den Rhätischen Alpen und durch die Bergamasker Alpen. Ihre Wanderungen führen mitten in die Alpenstädtchen Chiavenna, Morbegno, Sondrio, Tirano und Bormio. Das Buch liefert überdies Ideen und Esstipps für lange Wochenenden in dieser Region Ausflugs- und Wanderziele für alle Jahreszeiten. Auch an die Sofawandernden ist gedacht: Wie in allen Lesewanderbüchern des Autorenduos begleitet auch in Veltliner Fussreisen Hintergründiges zur Gegend die 37 Etappenbeschriebe. (Klappentext)

16. August 2021

Hirtenstock und Käsebrecher

Diverse Autoren: Hirtenstock und Käsebrecher,
Zalpverlag, Mollis, 2010
Schauen und lesen Sie in dreizehn Portraits von Menschen, wie sie heute auf den Alpen leben und arbeiten. Es wird eine Reise vom Jura bis in die Ostschweiz, vom Kuhgatter bis in den Käsekeller, vom Huhn bis zur Mutterkuh, von der jungen Landschaftsarchitektin bis zum weise ergrauten Bauern. Eine Art moderne Volkskunde über die Lebensentwürfe von Hirtinnen und Sennen. Erzählt in Geschichten und Bildern, die über die geblümte Käseetikette hinausgehen, von Autorinnen und Fotografen, die das Alpleben aus eigener Erfahrung kennen. Freuen Sie sich auf ein Alpenglühen mit Achselschweiss. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein wunderbares Buch!

15. August 2021

Der Niesen und seine Bahn

Bruno Petroni: Der Niesen und seine Bahn,
Schläfli & Maurer, Interlaken, 2010
Das 333 Seiten umfassende Jubiläumsbuch zum 100-jährigen Bestehen der Niesenbahn handelt von der Geologie über die Zeiten der Säumer und die Idee einer Bergbahn bis zu deren Fertigstellung. Der Niesen als Kunstobjekt, Sportberg, Kinderspielplatz und einmalig attraktives Fotomodell rundet das vielfarbige Buch mit zahlreichen eindrücklichen Bildern ab. Ein Buch, welches der Autor Bruno Petroni mit viel Herzblut verfasst hat. (Inhaltsangabe zum Buch)

14. August 2021

Unterwegs auf Walserpfaden

Kurt Wanner: Unterwegs auf Walserpfaden,
Walservereinigung Graubünden, Chur, 1989
Unterwegs auf Walserpfaden ist ein Wanderführer zu den seit altersher bekannten Walserübergängen vom Piemont bis ins Vorarlberg und gleichzeitig eine aufschlussreiche und spannende Lektüre über Geschichte und Kultur der Walser. (Klappentext)

Es ist dies mein erstes Buch über die Walser und einer der ersten Wanderführer überhaupt, den ich mir vor langer Zeit (Mai 1990) zugelegt habe. Etliche der beschriebenen Routen bin ich dann auch gegangen und war von den Wegen, der Landschaft und dem kulturellen Erbe der Walser begeistert.

13. August 2021

Reportagen aus der Schweiz

Niklaus Meienberg: Reportagen aus der
Schweiz, Limmat, Zürich, 1974

«Die Schweiz hat im Ausland das Image der Harmlosigkeit. Nun ist wohl Harmlosigkeit, wenn auch verachtet, an und für sich nichts Schlechtes. Alles nicht als schlimm erscheinen lassen, die Tendenz zum Harmlosen. Meienberg übertreibt, wird man sagen, weil er entharmlost und zurückführt in den Ernst. Was wäre, fragt er, wenn das, was hier geschieht, in einer Schweiz geschehen würde, die etwas mehr wäre als ihre harmlose Selbstdarstellung?

Wenn man bereit wäre, einen Fall nicht als Zufall zu nehmen, und wenn schon Zufall, wenn man sich entscheiden würde, wo er liegt? Meienberg plädiert gegen den Zufall. Ohne Zufall gibt es Schuldige, und das im Land der Unschuldigen. Der grösste Feind der Unschuld jedenfalls ist die Wahrheit, und dieses Land, lieber Niklaus, ist das Land der Unschuldigen.»

Peter Bichsel im Vorwort

12. August 2021

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der
Welt, Rowohlt, Reinbeck b. Hamburg,
2005
Mit hintergründigem Humor schildert Daniel Kehlmann das Leben zweier Genies: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss. Er beschreibt ihre Sehnsüchte und Schwächen, ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Grösse, Scheitern und Erfolg. Ein philosophischer Abenteuerroman von seltener Phantasie, Kraft und Brillanz. (Klappentext)

Moors Fazit: Von einer «literarischen Sensation» ist bei den Kritikern die Rede. Klingt hochtrabend, aber hat etwas. Ich meine, dass Kehlmann ein ausserordentlich guter historischer Roman gelungen ist.

11. August 2021

Pflugstein

Mona Bodenmann: Pflugstein, Gmeiner,
Messkirch, 2012
Hoch über dem Zürichsee thronend, mitten im Acker, liegt ein Findling, auf dem ein Fluch liegt. Dass ein Investment-Banker nackt, mit einem Skarabäus in der Hand und drapiert mit Rosmarinkraut, am Fusse des Steins tot aufgefunden wird, gleicht einer melodramatischen Inszenierung. Was zunächst nach einem einfachen Tötungsdelikt aussieht, entpuppt sich für Kriminalpolizist Valentin Möller schon bald als ein raffiniert durchgeführter Mord. Während Möller mit Volldampf ermittelt, durchkreuzt seine Geliebte Viktoria Jung seine Bemühungen, indem sie auf eigene Faust nachforscht und sich dadurch in tödliche Gefahr bringt ... (Klappentext)

Moors Fazit: Ein weiterer 0815-Krimi, an dem das Beste noch die Schauplätze sind. Hart aber wahr.

ZH: Meilen, Herrliberg, Küsnacht, Zürich, Küsnachter Tobel

27. Juli 2021

2 Wochen zu Fuss

Diverse Autoren: 2 Wochen zu Fuss, Piper,
München, 1976
Sportlich oder nostalgisch: Das Wanderthema liegt in der Luft. Auch die Autoren dieses neuen Bandes in der erfolgreichen Reihe «Zwei Tage in …» haben das Wandern mit Genuss wiederentdeckt. Sie fanden, dass der heute so perfekt entwickelte Tourismus vielen Menschen den eigentlichen Sinn des Reisens mehr und mehr verstellt: Veränderung, um wieder zu sich selbst zu kommen, Abenteuer, Entdeckungen, wieder Schauen lernen, die Welt nicht nur als Photographierobjekt abhaken, sondern sie an Ort und Stelle erfahren, Befreiung aus dem Korsett des Alltags, die eigenen Kräfte erproben. Wo könnte man dies alles besser erfahren als beim Wandern?

Und so geht es zu Fuss in den Schwarzwald und den Harz, die Schwäbische Alb und den Spreewald, an Main und Jagst, Rhein und Weser, durch die schönsten Gegenden von Portugal, Lappland, Österreich, Irland, Griechenland, Norwegen und Korsika, über Anden und Karpaten, am Vierwaldstättersee entlang und durch den Schweizer Nationalpark, in die Auvergne und die Provence.

Zu den einzelnen Reportagen gibt es in bewährter Form wieder exakte Hinweise: Adressen von Wanderorganisationen und einschlägigen Reiseveranstaltern, Karten und Literaturangaben, Tips für die Ausrüstung und Planung von Touren und Unterkunftsvorschläge. Den Verlockungen dieses ungewöhnlichen Reisebuchs wird jeder Wanderer, ob Neuling oder alter Hase, nur schwer widerstehen können.
(Klappentext)

Moors Fazit: Eine Lektüre aus den wunderbaren 1970er-Jahren, als das Fliegen zum Glück noch teuer war und das Internet keine Rolle spielte. Es müffelt da und dort nach Kaltem Krieg und roten Socken, die Rucksäcke waren meist aus Perlon und von Gore-Tex fehlte ebenso jede Spur wie vom Euro. Für Leute wie mich eine gehörige Portion Nostalgie, die ich in den 1970ern nie für möglich gehalten hätte.

17. Juli 2021

Spinner

Benedict Wells: Spinner, Diogenes,
Zürich, 2016

«Ich habe keine Angs vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.»

Jesper Lier, 20, weiss nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen. (Klappentext)

D: Berlin (Hauptschauplatz), Potsdam, München

15. Juli 2021

Noch jemand zugestiegen?

Diverse Autoren: Noch jemand zugestiegen?
Piper, München, 1998
Gehören Sie etwa zu denen, die glauben, Züge seien nur ein reines Fortbewegungsmittel? Doris Dörrie und Günter Grass, Axel Hacke, Italo Calvino und viele andere werden Sie eines Besseren belehren. Das sichere und bequeme Reisen per Bahn ist nur einer ihrer Vorzüge. Zugfahren ist noch viel mehr: Hier kommt es wie von selbst zu offenen Gesprächen und unvergesslichen Begegnungen, dramatische Lebensläufe werden ausgebreitet, ganz Unvorhergesehenes ereignet sich. Die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft in einem Abteil ist immer für Überraschungen gut. Erotische und witzige, lakonische und erschütternde Begegnungen sind nirgends so häufig wie auf einer Bahnfahrt, und manchmal werden dort sogar die Weichen fürs Leben gestellt. (Inhaltsangabe zum Buch)

13. Juli 2021

Die Grossen Kalten Berge von Szetschuan

Eduard Imhof: Die Grossen Kalten Berge von
Szetschuan, Orell Füssli, Zürich, 1974
Im Westen von China, an der tibetischen Grenze, liegt eine der unzugänglichsten, wildesten und unbekanntesten Gebirgsregionen der Erde. Erst im Jahre 1929 wurde dort Chinas höchster Berg entdeckt, der 7600 m hohe Minya Konka. 1930 durchforschten Arnold Heim und Eduard Imhof das Gebiet. Professor Imhof, der international bekannte Kartograph, ermittelte die Höhe des Minya Konka und kartierte dessen Umgelände. Zwei Jahre darauf bestiegen amerikanische Alpinisten erstmals den Berg. Seither blieb dieses Gebirgsland der westlichen Welt völlig verschlossen. 1957 aber gelang es chinesischen Bergsteigern ebenfalls, den Gipfel des Minya Konka zu erreichen.

Kernstücke des vorliegenden Buches sind Berichte über die abenteuerlichen Erlebnisse Imhofs in dieser weltabgeschiedenen Gegend. Auch wird über die ausserordentlichen, zum Teil tragischen Unternehmungen der Minya-Konka-Bezwinger berichtet. All das auf dem Hintergrund einer grossartig-wilden Bergnatur, des tibetischen Hirtenlebens und lamaistischen Mönchtums. Tief betroffen lesen wir von den Schicksalen der chinesischen Bevölkerung im Vorfeld der hohen Berge, einer Bevölkerung, die, geplagt durch Armut, Krieg, Revolutionen und Banditenunwesen, damals in schlimmster Verwahrlosung lebte. Umrahmt werden die Erlebnisberichte von kurz gefassten, allgemeinverständlichen Kapiteln geographischen, topographischen, forschungsgeschichtlichen und sprachlichen Inhaltes.

Das Faszinierende, das wortwörtlich Einzigartige an diesem Werke ist die Einheit von Text und Bild. Eduard Imhof ist nicht nur Wissenschafter, sondern auch ein begnadeter Zeichner. Sämtliche Zeichnungen, Aquarelle und Karten stammen von seiner Hand.
 (Klappentext)

30. Juni 2021

Der Inselkönig

Hannes Nygaard: Der Inselkönig, Emons
Köln, 2009
Niemand ist traurig, als der «Inselkönig» Thies Nommensen tot aufgefunden wird: Erfroren und mit herabgelassener Hose an einen Baum  gebunden. Viele Föhrer haben unter seiner Machtbesessenheit und der Brutalität, mit der er Leben zerstörte, gelitten. Während eines heftigen Wintereinbruchs ist das Husumer Team auf der vom Festland abgeschnittenen Insel auf sich allein gestellt. Ohne technische Unterstützung gilt es, den Täter zu finden – und ein Motiv für den Mord hatten viele. Doch die Einheimischen hüllen sich in tiefes Schweigen, denn: Den «Erlöser» verrät man nicht ... (Klappentext)

D: Insel Föhr

Moors Fazit: Dutzendware, langweilig, stereotyp und daher nicht lesenswert. Einziges Highlight: der Schauplatz.

23. Juni 2021

Glossarium Helvetiae historicum - Band 1

Norbert Furrer: Glossarium Helvetiae
historicum - Band 1, Ortsnamen, Historisches
Lexikon der Schweiz, Bern, 1991
Jeder Schweizer Historiker, der mit anderssprachigen Quellen und Texten arbeitet, stösst früher oder später auf Namen und Begriffe, die ihm fremd sind. Die (zumeist ausländischen) Wörterbücher geben in der Regel keine Antwort auf Fragen wie: Wo liegt Rennendorf, wo Ablentschen? Was ist ein luogotenente?
Die Arbeiten an den drei gleichberechtigten Sprachausgaben (deutsch, französisch und italienisch) und an der einbändigen rätoromanischen Teilausgabe des neuen Historischen Lexikons der Schweiz (HLS) liessen die Übersetzungen zu einem zentralen Punkt des gesamten Unternehmens werden. Erstaunlicherweise fehlen in unserem viersprachigen Land gesamtschweizerische Übersetzungsgshilfen fast vollständig – namentlich im historischen Bereich. Einen hoffnungsvollen Anfang hat die Bundeskanzlei mit ihrer neugeschaffenen Terminologiedatenbank gemacht. Das Glossarium Helvetiae historicum des HLS zielt in die gleiche Richtung. Es soll einem drohenden Begriffswirrwarr vorbeugen und den Übersetzern ein Hilfsmittel in die Hand geben. Das Glossar besteht aus zwei Teilen: einem Verzeichnis der Ortsnamen und einer Liste der Sachbegriffe.

Beide Glossare sind elektronisch gespeichert und werden nachgeführt. Ob und in weIchem Rhythmus der Inhalt der Datenbanken gedruckt wird, hängt von den Bedürfnissen unserer Benützer, innerhalb und ausserhalb des HLS, ab. Um Missverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, dass es sich hier um ein Hilfsmittel für Historiker handelt und keineswegs um einsprachwissenschaftliches Nachschlagewerk. Dazu fehlen dem HLS der Auftrag, die Mittel und die wissenschaftliche Kompetenz.

Mit dieser Publikation übergebe ich den ersten Teil des Glossars, das Verzeichnis der Ortsnamen, unseren Mitarbeitern. Das Glossar mit den Sachbegriffen wird in den kommenden Jahren folgen.

Mein Dank geht an Herrn Norbert Furrer, der die Idee des Glossars hatte und bereit war, die Kärrnerarbeit zu leisten. Die Benützer lade ich ein, uns allfällige Korrekturen im Hinblick auf eine spätere Ausgabe mitzuteilen.

Bern, im Januar 1991, Marco Jorio, Chefredaktor HLS

20. Juni 2021

Die Jungfernfahrt

Gestern war es endlich soweit: Das im vergangenen Winter gekaufte Packraft lief am Thunersee vom Stapel. Vom Grunderinseli in der Nähe des Thuner Strandbads stach ich in See, um mich im Rahmen einer Testfahrt auf weitere Einsätze mit dem 1,2 kg leichten Boot vorzubereiten. Hierbei wehte mir ein unerwarteter Gegenwind um die Ohren. Und statt der erhofften Seeglätte schaukelte mein Boot munter auf den Wellen. Während beinahe einer Stunde kämpfte ich mich durch die Fluten und strich, mangels Training, nach 1,3 Kilometern zwar nicht die Segel, so doch die geplante Fortsetzung zum Deltapark im Gwatt. Mit anderen Worten: Beim TCS-Camping war der Ofen aus, meine Hosen klitschnass und ich dennoch überglücklich, zum ersten Mal in meinem Leben mit eigenem Schiff auf hoher See an der grossen weiten Welt geschnuppert zu haben. Die optischen Eindrücke dazu gibt es hier.

Noch etwas verkrampft, aber guten Mutes: Käptn und Matrose Moor auf dem Thunersee.

16. Juni 2021

Schlamm, Schweiss und Tränen

Bear Grylls: Schlamm, Schweiss und Tränen,
Piper, München, 2011
Wenn sich Bear Grylls in seiner Kultserie «Ausgesetzt in der Wildnis» durchs Gelände kämpft, scheinbar Ungeniessbares verspeist und ganz nebenbei jede Menge Überlebenstricks zum Besten gibt, ist ihm das Staunen seines Publikums sicher. Jetzt erzählt der ebenso sympathische wie kompromisslose Überlebenskünstler seinen wechselvollen Lebensweg vom kletterwütigen Jungen im nordirischen Donaghadee zum härtesten und bekanntesten Abenteurer der Welt. Pflichtlektüre für jeden Outdoor-Fan. (Klappentext)

4. Juni 2021

Mindestens haltbar bis siehe Tubenfalz

Lorenz Keiser: Mindestens haltbar bis siehe
Tubenfalz, Kein & Aber, Zürich, 2004
Lorenz Keisers Alarmglocken läuten sofort, wenn ein Joghurt anfängt, LC 1 zu heissen oder DC 9 oder MD 11. Geprellten oder verunsicherten Konsumenten empfiehlt er in solchen Fällen diese Frau anzurufen, die heisst wie gefälschter russischer Kaviar. Sommaruga, genau. Ferner fragt sich Keiser, weshalb die Amerikaner nun Land für Land die lokalen Führungscliquen auf Kartenspielen herausgeben – zumal die Schweiz für die Rolle des Weltpolizisten ohnehin viel geeigneter wäre. Ausserdem hat er herausgefunden, warum in der balkanfeindlichen Gemeinde Emmen der Kinofilm Titanic kaum besucht wurde und wieso die Gastrokette Mövenpic deutlich hinter den Umsatzerwartungen zurückblieb. Und, zu guter Letzt: Wussten Sie, weshalb legasthenisch veranlagte Kinder, die übrigens oft besonders intelligent sind, NTN statt Enten, WLN statt Wellen und statt Pfeifen kurz und bündig einfach FDP schreiben? (Klappentext)

25. Mai 2021

Geliebte Seidenpfote

Ella Maillart: Geliebte Seidenpfote,
Piper, München, 2000

Sie hat einfach mehr Glück als die meisten anderen Katzen in diesem Land: Ihr Leben beginnt in einem Schrank im indischen Tiruvannamalai, und dann verbringt sie drei Jahre an der Seite der Schweizer Abenteurerin Ella Maillart, als diese Anfang der vierziger Jahre Indien bereist. Ti-Puss, so nennt sie zärtlich das verspielte Katzenkind, wird als das Urbild aller Katzenwesen beschrieben und darf sie überallhin begleiten: Sie sitzt auf den Lagern der bewunderten indischen Meister, nimmt ein Bad im Ganges, geht mehrfach verloren und wird wiedergefunden. Die enge Verbindung zwischen dem kleinen, ungewöhnlichen Kätzchen und der Abenteurerin ist eine hinreissende Liebeserklärung an alle Katzen dieser Welt und zeugt von der tiefen Wesensverwandtschaft zwischen Tier und Mensch. (Inhaltsangabe zum Buch)

Ella Maillart, geboren 1903 in Genf und 1997 dort gestorben, gehört zu den berühmtesten Abenteurerinnen des 20. Jahrhunderts. Schon als junge Seglerin nahm sie 1924 an den Olympischen Spielen in Paris teil. 1930 brach sie zu ihrer ersten grossen Reise in die Sowjetunion auf. Dem folgten in den dreissiger und vierziger Jahren Zentralasien, China, Kaschmir, Afghanistan, wo sie mit Annemarie Schwarzenbach unterwegs war, und Indien. Noch mit achtzig Jahren bereiste sie Nepal und Tibet.

23. Mai 2021

Warum werden Bäume im Alter schön

Werner Schmidli: Warum werden Bäume
im Alter schön, Benziger, Zürich/Köln, 1984
Ein Mann durchlebt in seinem vierten Jahrzehnt eine kritische Lebensphase. Alle seine Kontakte zur aussenwelt werden komplizierter, jede Hoffnung erweist sich als trügerisch. Sein Versagen führt in eineausweglose Lage. Ein Zusammenbruch kann vielleicht einen Neuanfang bringen.

15. Mai 2021

Endlich wieder Rucksacktage!

Sie waren mehrere Jahre vergriffen, und nun sind sie wieder da: «Die Rucksacktage»! Das Werk beinhaltet alle meine 48 Wanderkolumnen, die in der kultigen Zeitschrift «Tierwelt» erschienen sind. Hinzu kommen zwei weitere Kolumnen, die in anderen Magazinen publiziert wurden, sowie ein Essay über das Stadtwandern. Der 248 Seiten starke Band beinhaltet nicht nur 50 ganzseitige Farbfotos, er ermöglicht auch den Zugang zu den GPS-Daten sämtlicher Wanderungen. Das Buch ist in der nimmermüden Edition Wanderwerk oder in jeder gepflegten Buchhandlung erhältlich.



14. Mai 2021

Das Waldmädchen

André Besson: Das Waldmädchen, Mon Village,
Vulliens, 1981
Marie Siruguey ist mitten im Walde von Chaux geboren und aufgewachsen, jenem Forste in der Ebene des Val d'Amour, am Fusse der ersten Jura-Ausläufer. Ihr Vater sowie ihre vier Brüder sind ungezähmte, bärbeissige Köhler, die den Wald, ihren Arbeitsplatz, selten oder nie verlassen.

Eines Tages begegnet das Naturkind einem jungen Bauern aus dem nahe gelegenen Dorf. Eine Liebschaft entspinnt sich, und die jungen Menschen wollen heiraten. Für das «Waldmädchen» beginnt dann eine schwere Lehrzeit, die es zu einer sesshaften Bäuerin in einem Dorf machen soll, von dem es als Eindringling behandelt wird. Der «Wald-Marie» gelingt es, sich mutig durchzusetzen und die Schwierigkeiten zu meistern. Schon bald erwartet sie ein Kind. Aber wir befinden uns im Jahre 1870, am Vorabend des brudermörderischen Krieges, der Frankreich und Deutschland entzweien wird, um den Ehrgeiz von Napoleon III und Kaiser Wilhelm zu befriedigen. Die Siruguey-Männer, alle Republikaner und überzeugte Pazifisten, sind nicht bereit, Kriegsdienst zu leisten und verstecken sich als Dienstvenveigerer in den Tiefen des Waldes von Chaux.

Zu diesem fesselnden Buch liess sich André Besson durch die Erzählungen seiner beiden Grossmütter, die noch die preussische Besetzung miterlebt harren, inspirieren. In hinreissender Art schildert er den schrecklichen Winter 1870/71, als ausgehungerte Wölfe die Bauerndörfer in Angst und Schrecken versetzten und die deutschen Ulanen inmitten beissender Schneestürme gegen die Überreste der Bourbaki-Armee kämpften, die sich auf Schweizer Boden zurückziehen musste.

Wer die früheren Werke des Verfassers des «Versunkenen Dorfes», die alle in der gleichen Buchreihe erschienen sind, lieben gelernt hat, wird auch dieses neue Buch von André Besson nicht ohne Gemütsbewegung lesen. Er bewährt sich in diesem Werk als einer der grossen Erzähler unserer Zeit.
(Klappentext)

Der im französischen Sprachgebiet weitherum bekannte und geschätzte Autor André Besson, welcher durch den Erfolg des «Versunkenen Dorfes», von dem das welschschweizerische Fernsehen eine bemerkenswerte Verfilmung ausgestrahlt hat, ins Rampenlicht trat, gehört heute zu den führenden Schriftstellern der Franche-Comté.

«Auch Giono, Ramuz, Pagnol waren anfänglich Lokalgrössen», erklärt er. «Nie haben sie ihre Herkunft verleugnet, und deshalb werden sie geschätzt.»

Wie viele andere hätte Andre Besson ohne weiteres in Paris Karriere machen können. Er hat es aber vorgezogen, daheim zu bleiben, im Dörfchen Chaussin mit seinen Wäldern, Bächen und Teichen. Dort lebt er mit den Bauern und Dörflern, die er in seinen Büchern schildert. Ihre Einfachheit und Ursprünglichkeit beeinflussen sein Werk und sein Leben und liessen ihn zu einem brüderlichen Schriftsteller werden.

10. Mai 2021

Wanderungen auf historischen Wegen

Diverse Autoren: Wanderungen auf
historischen Wegen, Ott, Thun, 1990
Wer kennt nicht die Hohle Gasse, in der Wilhelm Tell den tyrannischen Gessler erschossen haben soll? – Wer ist nicht auf einer seiner zahlreichen Schulreisen über den Gotthard-Saumpfad gewandert? Wieviele Wanderer sind schon voller Bewunderung auf einer sogenannten «Römerstrasse» geschritten? Von historischen Verkehrswegen scheint tatsächlich schon jedermann gehört zu haben!

Dieser Wanderführer enthält 17 Vorschläge, teils in bekannte, teils in unentdeckte Gebiete, die neben dem Wandererlebnis eine zusätzliche kulturhistorische Weiterbildung bieten. Das Buch will jedoch nicht nur auf Wanderungen aufmerksam machen, sondern auch zahlreiche Gefahren aufzeigen, von denen historische Verkehrswege und andere Elemente der Kulturlandschaft heute bedroht sind. So wird sich der Wanderer, während er die Schönheiten der Landschaft geniessen kann, zugleich auch der Verantwortung bewusst, die er seiner Umwelt gegenüber trägt. (Klappentext)

Moors Fazit: Dieser Wanderführer öffnete mir 1991 die Augen für die historischen Verkehrswege der Schweiz. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen, und wenn immer möglich, versuche ich meine Wanderrouten an historischen Wegen oder Wegbegleitern auszurichten.

3. Mai 2021

Die Umschlaglosen IV

Und noch mehr Bücher, die ohne Umschlagtexte auskommen und so den Leser über den Inhalt im Ungewissen lassen, ehe er das Buch gelesen hat. 

Rudolf Graber: Kahnfahrt durch Frankreich,
Ex Libris, Zürich, 1975

Lisa Wenger: Baum ohne Blätter,
Büchergilde Gutenberg, Zürich/
Prag, 1938

Walter Schmid: Glückliche Tage auf
hohen Bergen, Hallwag, Bern/Stuttgart

Caterina Beretta: Mein Ascona, Cosmos,
Muri b. Bern, 1983

Esther Scheidegger (Hrsg.): Tessin,
Arche, Zürich, 1991

Eberhard Neubronner: Das Schwarze Tal,
Panico, Köngen, 1996

Gavin Maxwell: Im Spiel der hellen
Wasser, Ex Libris, Zürich, 1960
Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz,
Generalsekretariat SBB, Bern, 1980

 

Gavin Maxwell: Heim zu meinen
Ottern, Ex Libris, Zürich, 1963

Franz Heinrichs: Mit Knotenstock und Ränzel,
Fredebeul + Koenen, Essen, 1911
Constance + Harmon Helmricks, Unser
Winter in Alaska, Büchergilde Gutenberg,
Zürich, 1952

 

Lisa Tetzner: Die Reise nach Ostende,
Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1934