18. August 2026

Golden Pass und Greyerzerland

Michel Gremaud, Peter Pfeiffer: Golden Pass und
Greyerzerland / Golden Pass et Pays de Gruyère,
AS-Verlag, Zürich, 2001
Das Schmalspur-Fieber erfasste gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die Westschweiz. Unter den zahlreichen Nebenlinien, die damals als Verbindung zwischen dem Ufer des Genfersees und dem Hinterland erbaut wurden, nahm die Montreux–Oberland Bernois (MOB) allerdings eine Sonderstellung ein, denn sie war für den Tourismusverkehr zwischen dem Berner Oberland mit dem mondänen Kurort Gstaad und dem Genfer See von überregionaler Bedeutung. Schon 1906, nur ein Jahr nach ihrer durchgehenden Eröffnung, führte die Bahn drei Speisewagen. Weitere Speise-, Salon- und Panoramawagen folgten in kurzer Zeit. Der luxuriöse Golden Mountain Pullmann Express bestimmte das Erscheinungsbild der MOB, bis die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre dem Tourismusverkehr ein jähes Ende setzte.

Im Band der AS-Reihe Bahnromantik sind die schönsten und spektakulärsten Fotos aus den frühen Jahren der MOB und CEG (TPF) vereint. Deutlich kommt in den Aufnahmen die Vielseitigkeit der Voralpenbahnen zum Ausdruck: Hier der elegante und luxuriöse Golden Mountain Pullmann-Express, der begüterte Touristen aus Europa und Übersee von Gstaad nach Montreux führt. Dort die einfache Triebwagenkomposition mit Zweit- und Drittklasswagen, die Bauern und Arbeiter der Region in den Hauptort Bulle oder zum Volksfest ins Nachbardorf befördert. Beide verkehren sie auf demselben Gleis, fahren sie durch dieselbe Landschaft und scheinen doch aus zwei ganz verschiedenen Welten zu stammen. Ein Einleitungstext, verfasst vom Journalisten und Regionalhistoriker Michel Gremaud aus Bulle, ordnet die im Buch vereinten Aufnahmen im verkehrs-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Rahmen ein. Detailangaben, auch bahntechnischer Art, sind in den Bildlegenden und Kapiteleinleitungen zu finden, die vom Herausgeber Peter Pfeiffer stammen.

15. August 2026

Alles für zwanzig Rappen

Kurt Held: Alles für zwanzig Rappen,
Sauerländer, Aarau, 1951
Fredi, ein Hüterbub, findet auf dem Dorfplatz zwanzig Rappen. Für den Zehnjährigen ein grosser Fund. Da der einzige Dorfladen geschlossen, geht er zu dem nahen Bahnhof, um sein Zwanzigrappenstück in einen Automaten zu werfen. Er gewinnt dabei nicht nur zwei Schachteln, er gerät ausserdem in die seltsamsten Abenteuer; aber während er eine Woche mit Fischern, Zöllnern, Töpfern, Bauern, Schmugglern, Kesselflickern und Viehtreibern verbringt, ist man in seinem Dorf in grösster Sorge um ihn. Vater, Mutter, der Lehrer, die Nachbarn, der Bürgermeister, der Polizist sind in Aufregung und sehen Fredi schon verunglückt. In eine Schlucht gestürzt, oder im Wasser des nahen Sees.

Als er auch am achten Tag nicht wieder auftaucht, beschliesst man, den Verschwundenen mit Hilfe des Radios zu suchen. Am erstauntesten ist Fredi, als er seinen Namen im Lautsprecher hört. Im gleichen Augenblick hört ihn auch der Polizist, der ihm gegenübersitzt, erkennt ihn und bringt ihn seinen Eltern zurück. Die Erlebnisse des Buben, die Aufregung im Dorf, der Empfang des Gefundenen in der Schule, die Rückkehr ins Elternhaus lesen sich wie ein lustiger, grotesker kleiner Roman und zuletzt sagt der Leser wahrscheinlich, genauso wie Fredi am Schluss seiner Abenteuer: «Und das alles für zwanzig Rappen»
(Klappentext)

TI: Carona (Hauptschauplatz), Melide, Melano, Morcote, Luganersee, Figino, Grancia, Noranco, Montagnola, Caslano, Ponte Tresa, Magliaso, Cassina, Agno, Cadempino Massagno, Besso, Lugano, Brè

12. August 2026

Dort, wo der Berg brennt

Hans Jörg Leu: Dort, wo der Berg brennt,
Edizione Tiramisù, Novaggio, 1997 
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Hans Jörg Leu hat in der Umgebung, die ihm seit Jahren vertraut ist, hingehört und hingesehen. Mit wachem Blick und sicherem Gespür für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Manchmal aus kritischer Distanz, mit feiner Ironie, doch nie verletzend. Dann wieder als stiller Beobachter, Anteil nehmend, Partei ergreifend. Als «narratore», als Geschichtenerzähler, berichtet er von alltäglichen, unglaublichen, skurrilen Begebenheiten. Von damals und von heute, in einer Weise, die stets geprägt ist von seiner Liebe zur kleinen Welt des Malcantone. (Klappentext)

TI: Novaggio, Malcantone, Lugano I: Luino

Hans Jörg Leu
Geboren am 22. August 1926 und aufgewachsen in Baden, studierte Hans Jörg Leu Medizin und promovierte 1951 an der Universität Zürich. Als junger Assistenzarzt am damaligen Militärspital in Novaggio kam er erstmals ins «Dorf», dem er seitdem verbunden blieb. Aus Ferien- und Wochenendaufenthalten im Haus am wilden, grünen Hang am Dorfrand wurde 1991 ein Daueraufenthalt in einem Rustico mitten im alten Dorfkern.

Er wohnte in Baden und war während Jahren in Zürich als Professor für Gefäss-Pathologie am Universitätsspital, mit Lehrauftrag für allgemeine und spezielle Pathologie an der Universität, tätig. Er publizierte wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge in verschiedenen Ländern und redigierte zwei internationale Fachzeitschriften. Daneben schrieb er Glossen, Satiren und Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und auch als Buch («Nun hab’ ich es doch geschrieben», 1991, Verlag Hans Huber, Bern) erschienen sind.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Hans Jörg Leu mit Malerei in Oel und Acryl, mit Linol- und Holzschnitten, seine Werke waren regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aus seinem umfangreichen Werk stammen auch die Illustrationen in diesem Buch. Hans Jörg Leu verstarb am 3. Mai 2023 im Alter von 96 Jahren.

(Quellen: Kurzbiografie aus dem vorliegenden Buch, Lebensdaten aus der Todesanzeige, erschienen in der Aargauer Zeitung.)

6. August 2026

Der böse Trieb

Alfred Bodenheimer: Der Böse Trieb,
Kampa, Zürich, 2021
Eigentlich hat Rabbi Klein in seiner Zürcher Gemeinde genug zu tun, doch als in Inzlingen kurz hinter der deutschen Grenze der Zahnarzt Viktor Ehrenreich erschossen wird, fühlt sich Klein zu einem Kondolenzbesuch bei dessen Ehefrau Sonja verpflichtet. Schliesslich kannte er den Toten gut: Jedes Jahr zu Beginn des Monats Elul hat er eine «Sichat Nefesch», ein Seelengespräch, mit ihm geführt. Steht der Mord mit den Eheproblemen der Ehrenreichs in Verbindung? Oder hat er mit der Mussar-Bewegung und Viktors regelmäßigen Reisen in den Kongo zu tun? Und welche Rolle spielt Sonjas Freundin Anouk Kriesi, die mit ihrem Mann einen dubiosen Youtube-Kanal unterhält? Klein beginnt auf eigene Faust zu ermitteln – nicht nur, weil er den zuständigen Kommissar Unmüssig nicht ausstehen kann, sondern auch, um sich nicht mit seinen eigenen Problemen beschäftigen zu müssen: Er hat sich so mächtige Feinde gemacht, dass ihm ein Berufsverbot droht. Das Schlimmste aber ist, dass Rivka wütend auf ihn ist: Denkt Klein zwischen seinen ganzen Verpflichtungen vielleicht auch mal an seine Frau und seine Töchter? (Klappentext)

AG: Rheinfelden, Möhlin, Würenlos BS: Eiserne Hand, Stadt Basel, Riehen GR: Arosa ZH: Stadt Zürich D: Inzlingen, Lörrach, Rheinfelden, Bad Bellingen, Freiburg i.Br., Frankfurt a.M. CD: Lubambashi IL: Tel Aviv

3. August 2026

Ein Polizist auf weiter Flur

Daniel Grob: Ein Polizist auf weiter
Flur, Zytglogge, Basel, 2022
Konrad Bühler ist der erste Polizist in einer Kleinstadt im Mittelland in den Siebzigerjahren. Die Bewohner müssen sich noch an ihn und seine Funktion gewöhnen. Und kaum hat er seinen Posten angetreten, taucht eine Seuche auf: die Tollwut! Sie verunsichert die Menschen, und Bühler wird bedroht und mit nächtlichen Telefonanrufen terrorisiert, weil er kranke Tiere von ihrem Leiden erlösen muss, um die Bevölkerung zu schützen. 

Der Polizist, der eigentlich gerne Bauer geworden wäre, führt seinen Auftrag trotzdem gewissenhaft und mit grosser Achtung vor Menschen und Tieren weiter, bis er beinahe daran zerbricht. Neben der Ignoranz der Mächtigen, Unwissenheit und aufgewiegeltem Hass macht ihm vor allem der arrogante Tierarzt Doktor Ludwig zu schaffen, der alles tut, um den Polizisten kaltzustellen. (Klappentext)