20. September 2021

Die Spirale – Etappe 8

In 19,6 km von Belp-Steinbach nach Bern-Brünnen Westside.

Plötzlich knackte es im Unterholz. Es war viertel nach acht und ich im Cholholz oberhalb Belps, als der Orientierungsläufer auftauchte. Ich stand zufälligerweise bei einem Posten, den der Frühsportler nun aus dem Boden zog. Er hätte ihn falsch gesetzt und andere Posten auch. Der Alptraum eines jeden OL-Veranstalters, als den sich der Läufer nun entpuppte, ehe er sich von dannen machte.

Ich ging indes weiter bergan, kämpfte gegen feuchtes Gras und hoffte, bald dem Nebel entkommen zu können. Und in der Tat, bald schon drangen die ersten Sonnenstrahlen durch das Geäst und zauberten ein mystisches Bild in die Landschaft. Im Weiler Englisberg angelangt, wurde ich von freundlicher Wärme empfangen. Doch das Glück dauerte nicht lange. Eine halbe Stunde später erhielt der Wasserdampf wieder die Oberhand; und zwar bis ich kurz nach Mittag an meinem Ziel in Bern-Brünnen Westside eintraf.

Der 918 Meter hohe Zingghöch markierte den höchsten Punkt der knapp 20 Kilometer langen Route. Über eine triefendnasse Weide stieg ich ab in Richtung Schlatt. Meine Leichtwanderschuhe erwiesen sich als nicht mehr so wasserdicht, wie sie es einmal waren. Grummel.

Die unverhofft am Wegrand stehende Kirche der Evangelisch-methodistischen Kirche in Schlatt erinnerte mich daran, dass das in meinem Verlag erschienene «Zu Fuss von Frauenfeld nach London» des Methodisten-Pfarrers Jörg Niederer demnächst eine dritte Auflage erfahren wird. Vom Gotteshaus zum Fussballplatz des FC Sternenberg waren es nur ein paar Schritte. Der Viertligaklub nennt seine schattig gelegene Sportstätte nicht unbescheiden «Schlatt-Arena». Das stirnseitig zum Fussballplatz gelegene Beizli mit grosser gedeckter Terrasse verspricht fröhlichen Kickgenuss. Irritiert hatte mich jedoch ein Plakätlein, das auf ein Zuschauerverbot bei Trainings und Spielen von Kinder- und Jugendmannschaften hinweist. Echt jetzt?

Gasel als nächstes Zwischenziel. Wie an anderen Orten auch, haben hier liebe Menschen einen Bücherschrank aufgestellt. Ich konnte einmal mehr nicht widerstehen und unterbrach meinen Schritt. Die Ausbeute: Alex Capus' «Königskinder» sowie Ingrid Nolls «Hab und Gier» in der gebundenen Ausgabe von Diogenes. Himmlisch!

In Mengesdorf entdeckte ich gleich mehrere schmucke Häuser und Nebengebäude, die nur wenige Jahre vor dem Einmarsch der Franzosen anno 1798 erbaut wurden. Es folgte die Überschreitung des Mengesdorfbergs nach Herzwil und der anschliessende Abstieg ins Wangental. Welch ein Kontrast innerhalb einer halben Stunde! Moosiger Waldboden und landwirtschaftlich geprägtes Ambiente wichen brachialen Industriezonen, einer lärmigen Autobahn und unmittelbar angrenzenden Wohngebieten. Ein lebensfeindliches Revier, garniert mit Bauprofilen, die den letzten Grünflächen unmissverständlich den Kampf ansagen.

Zügigen Schrittes flüchtete ich aus dieser pedestrischen Enge an den scharfen Rand zwischen Urban und Agrar. Am Horizont zeichnete sich bereits mein Ziel ab: Der 2008 eröffnnete und von Daniel Liebeskind entworfene Konsum-, Schwimmbad- und Hoteltempel «Westside». 69 Ladengeschäfte beherbergt die architektonisch bemerkenswerte Baute, der ich einen Besuch nicht verwehren konnte. Mei war das skurril! Wo auf meiner Landkarte noch unverbautes Land eingezeichnet ist, tummelt sich heute das shoppingwütige Volk. Vom Nagelstudio über den Tiershop, den Gameshop, Denner, Migros, Decathlon, SportXX, Restaurants, Dutzende von Kleidergeschäften und -boutiquen bis hin zu Schickimicki-Parfümshops, ist alles da, was auch in der Berner Innenstadt zu haben wäre.

Nachdem ich auf allen vier Etagen meine Runde gedreht hatte, fehlte mir die Orientierung komplett. War ich von Belp bis zur Tempelpforte ohne einen einzigen Kartenlesefehler gelangt, wusste ich nun nicht mehr, wo der für mich relevante Ausgang war. Immerhin schaffte ich es beim zweiten Anlauf, zurück zum Vorplatz zu finden, wo ich mich schleunigst zur abfahrbereiten S-Bahn begab, um dem Grauen so schnell wie möglich den Rücken kehren zu können. Doch keine Angst: Westside, ich werde wiederkommen, und sei es bloss, um die 9. Etappe meiner zirkularen Forschungsreise rund um Bern in Angriff zu nehmen. Fotos zur 8. Etappe gibt es hier.

Der Projektstand (grün) nach 8 Etappen.


17. September 2021

Berner Affären

Hans Suter: Berner Affären, Emons,
Köln, 2016
Der Nationalrat einer Rechtspartei verliebt sich während der Frühjahrssession in eine Kollegin aus dem gegenrischen Lager. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht wird er in den Lauben der Marktgasse überfallen. Anderntags wird dort ein Junge tot aufgefunden. War es ein Unfall oder Mord? Fahnder Max Freuler, eben erst von Basel nach Bern gezogen, ermittelt im Farbnebel von Graffiti, Erpressung, Mord und Brandstiftung. (Klappentext)

BE: Stadt Bern und Umgebung (Hauptschauplatz) BS: Stadt Basel ZH: Stadt Zürich

10. September 2021

Niedergang

Roman Graf: Niedergang, btb, München,
2015

Ein junges Paar bricht zu einer Tour in die Schweizer Berge auf. André und Louise wollen hoch hinauf und scheinen für ihr Abenteuer gut gerüstet. Doch je näher sie dem Gipfel kommen, desto mehr entfernen sie sich voneinander. Als Louise aufgibt, ist das für André kein Grund, es ihr gleichzutun. Denn er will, ja er muss zu Ende bringen, was er einmal angefangen hat. (Klappentext)

Moors Fazit: Was ich nicht verstehe: Weshalb schafft es ein solcher Roman mit Platitüden, unrealistischen Landschaftsbeschreibungen, einer lapidaren Handlung sowie einem Ende, das der Titel schon vorgibt, in die Nomination für den Schweizer Buchpreis? Bin ich zu anspruchsvoll, oder ist das literarische Niveau nicht mehr dasselbe wie vor 10 oder 20 Jahren?

9. September 2021

Achtung Baby!

Michael Mittermeier: Achtung Baby!
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010
Jahrelang hat Michael Mittermeier auf der Bühne Spässe über junge Eltern gemacht. Vor Kurzem ist er selbst Vater geworden. Wie seine Tochter sein Leben verändert und worüber er jetzt lacht, erzählt er in diesem Buch.

«Achtung Baby!» ist ein wunderbar selbstironischer und herzzerreissend ehrlicher Bericht über eine Zeit im Leben, in der sich Gefühle von Stolz, Unsicherheit und Glück rasant abwechseln. Eins ist danach klar: Das Leben mit Kindern ist anders als man denkt, nämlich viel lustiger. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein mitunter zum Brüllen lutiges Buch. Wäre ja auch gelacht, wenn der Mittermeier bei diesem Thema nicht aus dem Vollen geschöpft hätte. Daher: beste Unterhaltungsliteratur für alle, egal ob Kindermuffel oder Kinder-Nerd.

8. September 2021

Die Spirale – Etappe 7

Mit der Rucksackfähre über die Aare: von Boll-Utzigen nach Belp-Steinbach.

Über fünf Monate sind es nun her, seit ich die letzte Etappe meiner Wanderspirale absolviert habe. Nicht, dass mir das Projekt etwa verleidet wäre, ganz im Gegenteil, doch die Route der Etappe 7 bedingte die Überquerung der Aare mit einem Boot, was angesichts der Wetter- und Hochwasserverhältnisse der vergangenen Monate ein Ding der Unmöglichkeit war.

Am vergangenen Sonntag waren die Gegebenheiten indes perfekt, so dass ich die Fortsetzung der Spirale an der Haltestelle von Boll-Utzigen in Angriff nehmen konnte. Unter einem Himmelblau der Superlative zog ich Richtung Dentenberg, den es zum zweiten und letzten Mal im Rahmen dieses Projektes zu überschreiten galt. Oben angekommen zeigten sich vor der splendiden Aussicht auf die Alpen ein in Weiss gedeckter Tisch mit Rednerpult, daneben ein Abendmahlskelch, eine Kerze und eine Vase mit Blumenbukett. Auf der Wiese hinter der pfarrherrlichen Anordnung mehrere Reihen Festbänke und ganz rechts ein aus Bläserinnen und einem Bläser bestehendes Kirchenorchester. Noch waren kaum Gottesdienstbesucher anwesend. Die Musikusse nutzten die Gunst der Stunde und übten noch das eine oder andere Stück.

Die Heile-Welt-Idylle wurde leider durch zunehmenden Autoverkehr getrübt. Alle wollten sie auf den Dentenberg, in die Beiz, zum Gottesdienst, zum Spazieren, zur Erholung. Da kam für mich der Ruf der Ebene gerade recht. Gemütlichen Schrittes stieg ich durch eine Wohnlage für Mehrbessere nach Rüfenacht hinab, überquerte daselbst einmal mehr die Geleise des «Blauen Bähnlis» und verschwand im morgenkühlen Hüenliwald. Das erfrischende Waldbad war nur von kurzer Dauer und der Asphalt des «Bahnhofsträssli» hatte mich wieder. Welch seltsamer Name einer Strasse, wo sich doch weit und breit kein Bahnhof befand. Nun, die Bezeichnung dürfte wohl aus früheren Zeiten stammen, wo das nahe Allmendingen über eine abseits des Dorfes gelegene Haltestelle an der Bahnstrecke Bern–Thun verfügte. Mitten im Ort dient heute eines der beiden ehemaligen Wartehäuschen als Unterstand für Buspassagiere. Auf dem Dach prangt das alte Emailschild der SBB-Haltestelle in weisser Schrift auf blauem Grund.

Hinter Allmendingen senkte sich der Weg hinab zur Autobahn A6, deren Lärm permanent auf die nähere und weitere Umgebung brandete. Ein letzter Abstieg führte mich an einen Seitenarm der Aare, diesem folgend ich schliesslich zur eigentlichen Aare gelangte. Mit leicht erhöhtem Puls nahm ich einen Augenschein der Szenerie, insbesondere von der Fliessgeschwindigkeit der Aare. Würde ich mit meinem Mini-Packraft das andere Ufer erreichen, ohne gleich kilometerweit abgetrieben zu werden?

Kribbelig wie ich war, begann ich auf einem Sporn das Raft von Hand aufzublasen. Dann noch kurz der wasserdichte Rucksack auf dem Bug festgezurrt, die Schwimmweste montiert und los ging's! Die Strömung hatte im Nu meine Nussschale gepackt, so dass ich mich mit dem Doppelpaddel hart ins Zeug legen musste. Ich gebe es gerne zu, am liebsten hätte ich das gegenüberliegende Ufer sausen und mich bernwärts treiben lassen. Die Vernunft gewann freilich die Oberhand, und ehe ich mich's versah, kam der Sporn, den ich zum Anlanden ins Auge gefasst hatte, in Griffnähe. Nach rund drei Minuten war der Spuk vorüber und schon lagen meine Siebensachen zum Trocknen an der Sonne.

Zurück auf der Spiralwanderstrecke gelangte ich strammen Schrittes in die Industriezone von Belp. Mei, was herrschte hier für ein Verkehr! Ich fragte mich, ob dies am Sonntagmittag immer der Fall sei, oder ob dies lediglich eine der vielen Auswirkungen des an diesem Tag stattfindenden Ironman-Switzerland-Rennens darstellte. Wenige Minuten vor meinem Ziel in Belp-Steinbach überquerte ich bei einem mit mehreren Verkehrspolizisten bestückten Kreisel die Rennstrecke und war glücklich, meinen seit langem fälligen «Duathlon» siegreich bestanden zu haben. Auf den kommenden sechs Etappen der Wanderspirale wird das Packraft indes zu Hause bleiben, ehe dann über den beschaulichen Wohlensee gepaddelt wird. Eine ausführliche Bildstrecke dieser 12,3 km langen Etappe gibt es hier.

In Grün das Ergebnis von 7 Etappen auf der Wanderspirale.

7. September 2021

Der zweite Nansen

Es ist an der Zeit, dass hier wieder einmal über meinen kleinen Verlag, die Edition Wanderwerk, berichtet wird. In letzter Zeit sind nämlich – von der Lokal-, National- und Weltpresse einmal mehr schnöde ignoriert – weitere Bücher erschienen. Es waren dies einerseits Neuauflagen, so zum Beispiel «Gehzeiten», «Rucksacktage» oder «Aargau rundum» als auch eine neue Publikation mit dem schönen Titel «Freiluftleben». Stammen die ersten drei Bände von mir selbst, handelt es sich beim letztgenannten Buch um ein Werk des legendären Norwegers Fridtjof Nansen:

 «Am nächsten Morgen ging es über das Filefjell weiter nach Bjöberg. Gerade als ich von Breistölen aufbrach, ging die Sonne auf und ergoss ihre Röte über das Nebelmeer und die Berggipfel, die wie weissrote Zelte aus dem Nebel aufragten. Das Tal, aus dem ich kam, lag ganz unter den Nebelwogen verborgen. Über der Berglandschaft aber spaltete sich der Nebel immer mehr und mehr, so dass die Sonne in breiten Streifen durchdrang, während einzelne warmgetönte Nebelfetzen um die Gipfel krochen.»

Fridtjof Nansen, der Mann der Tat, der zähen Energie, der Sieger über die Gewalten des Polareises, weist uns den Weg zur Gesundheit und Freiheit. Er ist ein Erzähler, dem man sich mit Freuden anvertraut. In seinen Reiseschilderungen aus Norwegen, Island und Jan Mayen, führt der Friedensnobelpreisträger den Leser zurück zur Natur. Nansens Erlebnisse werden ergänzt mit einem Aufsatz von mir zum Thema «Friluftsliv» (Freiluftleben) und einem Gedicht von Henrik Ibsen. Nach dem im Jahr 2016 erschienenen «Im Eise begraben / Abenteuerlust» ist «Freiluftleben» der zweite Titel, der in der Edition Wanderwerk veröffentlicht wird. Hier kann er auch direkt bestellt werden.

6. September 2021

Jaun im Greyerzerland

Diverse Autoren: Jaun im Greyerzerland,
Deutschfreiburger Heimatkundeverein,
Freiburg, 1989
Jaun ist in vielfacher Hinsicht einzigartig, eine Gemeinde und Pfarrei der Rekorde! Ist es da verwunderlich, dass auch die vorliegende Monographie einen Rekordumfang aufweist? Trotz des Umfangs wird vieles nur angedeutet, manches überhaupt nicht erwähnt. So müsste etwa die Geschichte Jauns, die hier nur in Ansätzen dargestellt wird, erst noch aufgearbeitet, die sprachliche Entwicklung zusätzlich untersucht werden und vieles weitere mehr. 

Ist Jaun ein Sonderfall? Ja und Nein! In Jaun leben wie überall Menschen, die sich im Alltag behaupten müssen, ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Freuden kennen. Doch trifft für Jaun und seine Bewohner vieles zu, das im Kanton einmalig und einzigartig ist : Jaun ist das höchstgelegene Dorf des Kantons und die einzige deutschsprachige Gemeinde im sonst französischsprachigen Greyerzbezirk. Die Jauner sprechen einen eigenen, nur ihrer Gemeinde vorbehaltenen Dialekt, der – auch dies einmalig im Kanton – klar erkennen lässt, dass die Alemannisierung Jauns aus dem Simmental erfolgt ist. Die alte kulturelle Verbundenheit mit dem Simmental und dem Saaneoberland wirkt auch im Hausbau, in der Siedlungsart und – im Fall der Alten Kirche – beim Kirchenbau nach.

Jaun hat einen Wasserfall, wie es im Kanton keinen zweiten gibt, und nützt die Wasser des Jaunbachs im einzigen privaten Elektrizitätswerk des Kantons zur Stromerzeugung aus. In
Jaun führte man Auto- und Motorradrennen zu einer Zeit durch, als man andernorts Autos noch kaum zu Gesicht bekam (und schaffte die Rennen wieder ab, als man andernorts erst damit anfing!). Aus Jaun stammen Schweizermeister im Skilanglauf und die ersten Eigernordwandbezwinger Deutschfreiburgs!

Pfarrei und Gemeinde Jaun haben bis heute die Gütertrennung nicht vollzogen. Gemeinde- und Pfarreiversammlun finden jeweils nacheinander am gleichen Abend statt. Der Kampf ums Überleben in einer Umwelt, die in ihrer Kargheit keine Geschenke macht und gar oft zum Feind wird (Lawinen!), prägte das Volk, kittete es zusammen und liess es in der Religion Halt finden. Ist es da verwunderlich, dass es in Jaun-Im Fang drei Kirchen und ebenso viele Mariengrotten gibt und die Pfarrei Priester, geistliche Brüder und Schwestern in einer Menge hervorgebracht hat, die ihresgleichen im Kanton sucht? Wohl aus dem gleichen Geist des Sichbehauptenmüssens heraus stellte Jaun immer wieder .auch. in Politik und Wirtschaft überdurchschnittlich viele Persönlichkeiten. 

Schon diese paar Hinweise mögen genügen, um aufzuzeigen, wie sehr Jaun einer Monographie würdig ist. Zwischen der Idee des Jaunbuches und der Verwirklichung vergingen allerdings mehrere Jahre. Das Festlegen der Themen und die Wahl der Autoren – wobei möglichst viele Einheimische zu Wort kommen sollten –, die Bereitstellung und Durchsicht der zahlreichen Manuskripte, die Redaktion und Drucklegung waren sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Ich danke deshalb allen Autoren und Mitarbeitern nicht nur herzlich für den Beitrag, den sie an das Jaunbuch geleistet haben, sondern auch für die Geduld, die sie bis zur Herausgabe des Buches mit dem Redaktor hatten beziehungsweise haben mussten.

Beim vorliegenden Jaunbuch handelt es sich um einen Sonderdruck aus den gleichzeitig erscheinenden «Deutschfreiburger Beiträgen zur Heimatkunde», die vom Deutschfreiburger Heimatkundeverein herausgegeben werden. Allen, die zum guten Gelingen dieses Werkes beigetragen und mit ihrer finanziellen Unterstützung den Druck und die Herausgabe des Jaunbuches ermöglicht haben, sei ganz herzlich gedankt. (Vorwort von Moritz Boschung, Ehrenpräsident des Deutschreiburger Heimatkundevereins)

5. September 2021

Warum hast du dich nicht gewehrt

Rosalia Wenger: Warum hast du dich nicht
gewehrt, Zytglogge, Bern, 1982

Rosalia Wengers grosser Erfolg «Rosalia G. – ein Leben» hat vor allem die Autorin überrascht. Das Echo, das dieses Buch auslöste – sei es als Dokument aus einer Zeit, von der man plötzlich feststellte, dass man fast gar nichts wusste; sei es als Geschichte eines harten Frauenlebens – war überwältigend. Um ein überschaubares Buch zu erhalten, musste man aus dem umfangreichen Manuskript von «Rosalia G.» vieles auf später verschieben. Die Autorin: «Trotzdem wurmte es mich, dass nun so viele Geschichten nicht im Buch standen. Bei Lesungen las ich einige von ihnen immer wieder vor und hatte Erfolg. Diese «verlorenen Geisteskinder» habe ich nun gesammelt, bearbeitet und ergänzt.»

So ist nun ein Buch entstanden, das weiter in die karge Welt in der Lischern hineinleuchtet, das genaue Beschreibungen gibt von der harten Alltagsarbeit, von den Sorgen der kleinen Leute und den Benachteiligungen zuerst des Verdingkindes und später der Frau.

Diese Geschichten können nicht konstruiert werden; sie wurden aufgeschrieben von einer Frau, die das alles selber erlebt hat und im Alter die Kraft fand, Zeugnis abzulegen. Manchmal tagebuchartig, meist in kurzen, einfachen Geschichten treten Augenblicke, Gefühle, Ereignisse hervor, die wohl von einer düsteren Vergangenheit berichten, aber die frohen, ja fröhlichen Momente nicht vergessen. (Klappentext)

Die Autorin

Rosalia Wenger wurde am 5. Juni 1906 als uneheliche Tochter der Dienstmagd Rosina Wenger in Basel geboren. Ihr Vater war der deutsche politische Flüchtling Albin Lessing, der jedoch kurz nach der Geburt seiner Tochter in die USA emigrierte. Sie wuchs bei ihren Grosseltern auf dem Hof Lischern in der Nähe von Schwarzenburg im Kanton Bern auf. Die Grossmutter war ihre Ersatzmutter, da die Mutter über zu geringe finanzielle Mittel verfügte.

Schon als Elfjährige wurde Rosalia Wenger zu Fuhrhaltersleuten in Schwarzenburg verdingt. Als junge Erwachsene hatte sie als Dienstmädchen und Arbeiterin neun verschiedene Stellen in der ganzen Schweiz inne, bevor sie in Bern eine Berufslehre als Glätterin und Wäscherin absolvierte und als solche in Bern tätig war. 1932 heiratete sie den Arbeiter Werner Grützner, mit dem sie zwei Töchter hatte. Die Ehe stand wiederholt kurz vor der Scheidung, da sie ihr Mann zeitweise wie ein Dienstmädchen behandelte und ihr jahrelang Besuche und Reisen verbot.

1960 wurde sie vom Schwiegersohn ermutigt, ihre Zeit als Verdingkind, Arbeiterin, Dienstmädchen und unglückliche Ehefrau erzählerisch aufzuarbeiten. Nach dem Tod ihres Mannes trat Rosalia Wenger der Berner Frauenbefreiungsbewegung (FBB) bei. 1978 erschien ihre Autobiografie «Rosalia G.», die umgehend zu einem viel gelesenen Werk avancierte. Dafür erhielt sie 1979 den Buchpreis der Stadt Bern. Weitere Begebenheiten aus ihrem Leben, die nicht im ersten Buch Platz gefunden hatten, erschienen 1982 unter dem Titel «Warum hast du dich nicht gewehrt.» Rosalia Wenger starb am 5. Dezember 1989 im Alter von 83 Jahren. Nach ihr wurde 2004 bei der S-Bahn-Station Wankdorf in Bern ein Platz benannt.

4. September 2021

Tannöd

Andrea Maria Schenkel, Tannöd,
Nautilus, Hamburg, 2006
Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. Diese Spur muss der Leser aufnehmen.

Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mitverfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist. (Inhaltsangabe zum Buch)

«Tannöd» ist Andrea Maria Schenkels Debüt, für das sie den Deutschen Krimi Preis sowie den Friedrich-Glauser-Preis 2007 erhielt.

3. September 2021

Foroglio

Diverse Autoren: Foroglio, Agenziakay,
Foroglio, undatiert
Foroglio ist ein Ort, der aus vielen Orten besteht. Foroglio ist eine wunderbare Location. Um einen Tag zu verbringen, eine Woche, ein Leben. Um einen Film zu drehen. Um sich zu begeistern. Um auf Augen und Seele das einzigartige Zusammenspiel von Stein, Wasser und Himmel wirken zu lassen. Und darauf ins Flachland zurückzukehren und zu sagen: Ich war dort, wo die Welt entsteht. (Klappentext)

2. September 2021

Irinas Buch der leichtfertigen Liebe

Tim Krohn: Irinas Buch der leichtfertigen
Liebe, Diogenes, Zürich, 2000
Eigentlich will die in Paris lebende Russin Dunja ihrem Mann ein Fax nach Moskau schicken – dass es bei seiner Ex-Geliebten Ewa in Schweden landen wird, kann sie nicht wissen. Das fehlgeleitete Fax bringt Turbulenz ins Leben und die Phantasie der jetzigen und einstigen Liebenden. Als Ewa sich entschliesst, nach Paris zu fliegen, löst dies einen Wirbel von Missverständnissen aus. Und je mehr die Beteiligten die Verhältnisse in den Griff zu bekommen versuchen, desto grösser wird die Verwirrung.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Welt mehr Vorstellung als Wille ist, dass Erotik vor allem im Kopf entsteht – und dass die Liebe ein zauberhaftes, kompliziertes Ding ist. (Klappentext)

F: Paris RUS: Moskau S: Svärdsjö

1. September 2021

Das Freiburger Soldatenhaus

Diverse Autoren: Das Freiburger Soldatenhaus,
Chalet du Soldat, Fribourg, 1995
1945 beschloss eine Gruppe von Freiburger Offizieren, zu Ehren eines unbekannten Soldaten im Sinne eines Denkmals ein Chalet zu errichten. Es erhielt den Namen «Chalet du Regiment». Anlass dazu war die Kriegsmobilmachung. Umgesetzt wurde das Vorhaben zu Beginn einer Periode, die man als «Kalten Krieg» bezeichnet. Diese Epoche war charakterisiert durch die Konfrontation zweier Weltanschauungen, erstarrt unter einem Gleichgewicht des Schreckens durch nukleare und konventionelle Überrüstung. 

50 Jahre später präsentiert sich die Welt in einer veränderten Lage. Sie erlaubte es, ohne die Sicherheit unseres Landes zu gefährden, die wichtigste Reform der Armee seit ihrer Gründung an die Hand zu nehmen: die Armee 95. Die Armee 95 zeichnet sich aus durch eine neue Doktrin und veränderte Strukturen und führt zu einer Verjüngung sowie einer besseren Anpassung der Vorhandenen Mittel an die Aufgaben. Der sicherheitspolitische Bericht, der dieser Konzeption zugrunde liegt, hebt auch Fragen zur Zukunft unseres Landes hervor, die offen bleiben. Diese Fragen, seien sie allgemeinpolitischer oder sicherheitspolitischer Natur, müssen im Rahmen des Dialogs angegangen werden. 

Das Soldatenhaus ist ein symbolischer Ort der Begegnung zwischen Armee und Zivilleben, zwischen Generationen, die einen Moment ihrer Existenz teilen, mit unterschiedlichen Erfahrungen, aber einem gemeinsamen Ziel: der Schweiz und ihrer Bevölkerung eine Zukunft in Frieden und Wohlergehen zu sichern. Es ist ein guter Ort für einen offenen und konstruktiven Dialog. Um dorthin zu gelangen, braucht es körperliche Anstrengung. Aber oben angelangt, erlebt man Befriedigung über das erreichte Ziel. Gleich verhält es sich mit den Anstrengungen, die es braucht, um künftige Ziele unseres Landes zu erreichen. Die Lage des Chalets am Fusse der Gastlosen symbolisiert diesen Aspekt: ein Berg, der einlädt, ihn zu besteigen. Nicht als Hindernis, das es zu überwinden gilt, sondern als Herausforderung, neue Wege zu öffnen und andere Horizonte zu finden. Das Soldatenhaus möge somit ein Ort der Begegnung sein und zum Dialog einladen. Es soll dazu beitragen, Meinungsverschiedenheiten aufzulösen und einen Konsens im Interesse von uns allen zu finden. (Vorwort von Kaspar Villiger, damaliger Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartementes und zugleich Bundespräsident)

31. August 2021

Landjäger

Denise Locher, Flurina Gradin:
Landjäger, Eigenverlag, Zürich, 2011
Die Schweiz zählt rund 6000 Dörfer. Der vorliegende Reiseführer stellt daraus eine erlesene Auswahl von 60 Ortschaften in Bild und Text vor. Im Fokus stehen jene Dörfer, die sich fern ab von Agglomerationswuchs und touristischer Belagerung bis in die heutige Zeit einen eigenständigen Charakter bewahren konnten, und die gerade deshalb eine spannende Mischung an Authentizität und Neuentdeckungen zu bieten haben. 

Ob kulinarische Trouvaillen oder historische Kuriositäten, Dorforiginale oder feingliedrige Architektur in wildromantischer Umgebung, ist die Auswahl darauf bedacht, ein möglichst abwechslungsreiches Bild der geografischen und kulturell en Vielfalt der Schweizer Dorflandschaft zu vermitteln. 

Auf den folgenden Seiten wird der Leser mit genügend Informationen ausgestattet, um sich als Landjäger neugierig auf die Pirsch nach sechzig versteckten Kleinoden zu begeben. Der Reiseführer soll aber auch als Inspirationsquelle für eigenhändig recherchierte Dorf touren dienen. Mit der Einstellung, ein Dorf zu besuchen und sich vor Ort Zeit zu nehmen und die Umgebung zu erkunden, ergeben sich unerwartet spannende, neue Blickwinkel und Begegnungen.

Wir wünschen viel Vergnügen mit dem Buch und sagen: hinaus an die frische Luft, hinein in die Provinz und ran an den Stammtisch! (Vorwort der Autorinnen)

30. August 2021

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und
der Bombenbauer, dtv, München, 2015
Nur einmal können die drei einander begegnet sein: Im November 1924 am Hauptbahnhof in Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden.

Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Die rebellische Musikantentochter Laura d’Oriano versucht sich als Sängerin, doch da ihr das grosse Talent fehlt, lässt sie sich als Spionin rekrutieren. Der Kunststudent Emile Gilliéron folgt Schliemann nach Troja, zeichnet Vasen und restauriert Fresken, fertigt auf Wunsch auch Reproduktionen an – und muss bald einsehen, dass es von der Kopie bis zur Fälschung nur ein kleiner Schritt ist.

Alex Capus treibt seinen Erzählstil des faktenreichen Träumens zu neuer Meisterschaft. Er zeichnet die exakt recherchierten Lebensläufe dreier Helden nach, die durch die Macht der Umstände gezwungen werden, von ihren Wünschen und Hoffnungen abzulassen – um schliesslich in der Niederlage zu triumphieren. (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Aller negativen Kritiken zum Trotz: Mir hat dieser Roman ausserordentlich gut gefallen. Alleine schon die Idee, diese drei Figuren, die sich womöglich nie wirklich begegnet sind (wir wissen es nicht), in eine Geschichte mit fiktiven Übergängen zu verpacken, ist bemerkenswert. Alex Capus lässt seine Leserschaft in eine höchst spannende Zeitepoche eintauchen, von deren Protagonisten vermutlich die wenigsten je etwas gehört oder gelesen haben. So gesehen ist der Roman auch ein Bildungsroman und regt womöglich gar zu weiteren, eigenen Recherchen an. Und dann ist die Erzählsprache Capus': fern jeglicher Effekthascherei, sachlich, stimmig und zu keiner Zeit langweilig. Ein Rundumpaket bester Belletristik im untrivialsten aller Sinne!

29. August 2021

Grenzschlängeln

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht:
Grenzschlängeln, Rotpunkt, Zürich, 1997
«Grenzschlängeln» ist ein ungewöhnliches Wanderbuch – geschrieben für Leute, die gerne lesen, wandern und essen. Die 47 Routen dies- und jenseits der heutigen Landesgrenzen führen durch jenen Teil des Alpenbogens, den die Schweiz mit Österreich, Italien und Frankreich teilt. Das Buch liefert Ideen für lange Wochenenden, für ganze Wanderwochen oder gar für eine 47tägige Fussreise von Samnaun nach Saint-Gingolph. Zu jedem Tag präsentieren Ursula Bauer und Jürg Frischknecht eine historische, kulturelle oder aktuelle Geschichte. Und sie weisen auf Gasthäuser hin, in denen man besonders gut isst. «Grenzschlängeln» ist auch ein Wanderbuch für Geniesserinnen und Geniesser. (Klappentext)

Moors Fazit: Mit «Grenzschlängeln» läutete das Duo Bauer-Frischknecht eine neue Ära in Sachen Wanderliteratur ein, ja, es darf gar von einer Revolution gesprochen werden. Und dass es sich nicht um eine Eintagesfliege handelte, bewiesen die zahlreichen weiteren Bücher dieser Art, die in der Folge veröffentlicht wurden.

28. August 2021

Das Kabarett-Buch

Franz Hohler: Das Kabarett-Buch,
Luchterhand, Darmstadt, 1988
Franz Hohler gehört innerhalb und ausserhalb der Schweiz zu den renommiertesten Kabarettisten. Seine Lieder und Chansons, wie «Der Weltuntergang», «Es sind alle so nett», «Ein Schweizer im Ausland», haben ihn weit über den Kreis derer populär gemacht, die sich für das Kabarett interessieren. Konflikten ist er nicht aus dem Weg gegangen. In Rundfunk- und Fernsehsendungen hat er sich neben seinen Auftritten mit zeitkritischen Satiren zu Wort gemeldet. Seine Sendung zum Thema «Kriegsdienstverweigerung» wurde vom Schweizer Fernsehen abgesetzt, worauf Franz Hohler seinerseits alle seine weiteren Sendungen vom Schweizer Fernsehen absetzte. Franz Hohler über Franz Hohler: «Lebt heute in der Schweiz als freier Gaukler und Spezialist für cellistische Subkultur, deren einziger Vertreter er bislang geblieben ist.»

In diesem Band sind alle wichtigen Programme und Nummern von Franz Hohler gesammelt, die Sketche, die er mit Hanns Dieter Hüsch aufgeführt hat, Chansontexte, die er auf Platte einspielte, und seine Beiträge fürs Fernsehen. Die Texte in Schweizer Mundart werden in der Originalsprache und in einer von Franz Hohler besorgten hochdeutschen Version wiedergegeben. Damit der Leser sich die Atmosphäre von Franz Hohlers Auftritten vergegenwärtigen kann, ist der Band reich mit Szenenfotos illustriert. Den berühmten Liedern sind die Noten gegenübergestellt – zum Nachspielen. Franz Hohlers Kabarettbuch ist ein Gesamtspass ohnegleichen.
(Klappentext)

27. August 2021

Schreiben für die Zeitung

Roland Drenkelforth: Schreiben für die
Zeitung, Orell Füssli, Zürich, 2005
Endlich eine praktische Einführung in den Journalismus und die Pressearbeit, die aus dem Alltag einer Lokalzeitung heraus entstanden ist. Roland Drenkelforth erläutert die unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen anhand von Textbeispielen und gibt Tipps, wie ein Artikel besser wird. Das ideale Buch für Einsteiger, Studenten und Freie Mitarbeiter. Aber auch für alle, die sich mit der Pressearbeit in Vereinen, Parteien, KMUs, Behörden und Schulen befassen.

Aus seinen gut zwanzig Jahren Erfahrung als Journalist und Redakteur weiss Drenkelforth, dass man durch mangelnde Sachkenntnisse wertvolle Medienpräsenz verpassen kann. Das muss nicht sein. Mit der Beachtung einfacher Regeln kann der Beachtungsgrad in den Medien massiv verbessert werden. Welche Themen interessieren? Wie schreibt man eine Vorschau auf einen Anlass? Wie verfasst man eine Pressemitteilung? Was muss man bei der Durchführung einer Presseorientierung beachten? Bei welchem Anlass lohnt es sich, die Medien einzuladen? Daneben bietet das Buch eine umfassende Übersicht der Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. (Klappentext)

26. August 2021

Bäderfahrten

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht:
Bäderfahrten, Rotpunkt, Zürich, 2002
Die Schweiz, das «Wasserschloss Europas», ist auch ein Paradies der erholsamen Bäder und der gesunden Wässer. Die beiden «Genusswanderer» Ursula Bauer und Jürg Frischknecht verbinden diesmal das Wandern mit entspannendem Baden und Übernachtungen in stilvollen Badehotels und Kurhäusern. 22 mehrtägige Wanderungen führen zu Bädern in der Schweiz und im benachbarten Ausland. 39 Häuser werden ausführlich porträtiert. Begleitet werden die Wandervorschläge von Hintergrundinformationen zu den Bädern und ihrer Geschichte oder zum Wasser in all seinen Facetten. Ein Buch für Wanderlustige, die besondere Ideen für lange Wochenenden oder Wanderwochen suchen – und dies zu allen Jahreszeiten. Ein Buch auch für Leute, die alte Kur- und Bädetradition neu entdecken und erleben möchten. (Klappentext)

25. August 2021

Jakobswege durch die Schweiz

Jolanda Blum: Jakobswege durch die
Schweiz, Ott, Thun, 1998
1999 ist das nächste «Heilige Jahr» des Apostels und Pilgerpatrons Jakobus – das trifft immer zu, wenn der Geburtstag des Heiligen (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Sicher ein zusätzlicher Reiz für viele, den wohl berühmtesten Pilgerweg mit dem Endpunkt der legendären Grabstätte des St. Jakobus in Santiago de Compostela neu zu entdecken. Der Ott-Spezial-Wanderführer beschreibt erstmals und umfassend die Jakobs-Pilgeretappen quer durch die schönsten Landschaften der Schweiz – beginnend am Bodensee, weiter am Zürich- und Vierwaldstättersee entlang, über Interlaken, Freiburg, Lausanne bis nach Genf.

Die Autorin und Historikerin Jolanda Blum informiert ausführlich über die einzelnen Wanderabschnitte, unterstützt von dem Spezialwissen der Mitherausgeber «Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz» (IVS), «Schweizer Wanderwege» (SAW) und «Les Amis du Chemin de St-Jaques».

Der Leser kann sich mit dem handlichen Führer zudem auf die kulturhistorische Spurensuche rund um den Jakobskult begeben und vieles über uralte Sagen und Legenden, die vielfältigen Traditionen der Volksfrömmigkeit und über Glauben und Leben in den Regionen erfahren. Hinweise über wichtige Kontaktadressen, Sehenswürdigkeiten, Anfahrtswege und Übernachtungsmöglichkeiten sowie Fotografien, Zeichnungen und Routenskizzen runden diesen informativen Wegbegleiter ab. (Klappentext)

24. August 2021

Churfirsten

Emil Zopfi: Churfirsten, AS Verlag, Zürich, 2006
Selun, Frümsel, Brisi, Zuestoll, Schibenstoll, Hinterrugg, Chäserrugg – sieben Berge, die den Grenzkamm zwischen Toggenburg und Sarganserland bilden, eine alte geopolitische Grenze. Emil Zopfi schafft Verbindungen zwischen Nord und Süd, zwischen den lang gezogenen Bergrücken, den Firsten, die das Massiv dem Toggenburg zuwendet, und den schroffen Südwänden, in denen Klettergeschichte geschrieben wurde. Die Identifikation der Ansässigen mit «ihren» sieben Bergen ist auf beiden Seiten bemerkenswert hoch. In der Tourismuswerbung; in Logos, im Sport, in den Namen von Restaurants und Firmen tauchen die Churfirsten auf.

Die alpinistische Erschliessung des Massivs mit ihren Triumphen und Tragödien bildet einen wesentlichen Teil des Buches. Ausserdem gibt es die Geschichte des Findlings «Seluner», benannt nach dem ersten (oder letzten) Churfirst.

Es gibt Klang- und Sagen- und Wanderwege und Seilbahnen. Es gibt seltene Tiere und Pflanzen, die auf den Churfirsten die Eiszeiten überlebten. Es gibt Kletterfreaks, die alle sieben Gipfel an einem Tag überklettern, immer dem scharfen Grat entlang, 2000 Meter über dem Walensee. Es gibt Bergläufer, die alle an einem Tag besteigen oder gar umrunden, es gibt Skipisten neben stillen, steilen Skitouren und Gleitschirmflieger, die über den Gipfeln kreisen wie einst die Drachen in den uralten Geschichten. Und manchmal beginnen die sieben Berge zu klingen, man kann den Gesang der Schellen hören, den Ruf der Goldschrecke, das Echo von Kirchenglocken in den einsamen Tälern.
(Klappentext)