26. April 2026

Von der Erde zum Mond

Jules Verne: Von der Erde zum Mond,
Diogenes, Zürich, 1976
In Baltimore wird während des amerikanischen Sezessionskrieges der Gun-Club gegründet. Die Mitglieder, alles Erfinder von Feuerwaffen, beschliessen, ein Projektil zum Mond zu schiessen, eine riesige Leichtmetallkugel, die von einer Riesenkanone abgefeuert werden soll. Als man gerade mit dem Guss der überdimensionalen Kanone begonnen hat, meldet sich ein Franzose namens Michel Ardan mit dem Vorschlag, das Geschoss zu bemannen, und stellt sich selber zur Verfügung. So besteigen Ardan, Barbicane, der Präsident des Gun-Clubs, sowie Nicholl, eigentlich erbitterter Gegner dieses Projekts, die Kugel, die vor einer unübersehbaren Zuschauermenge Richtung Mond abgeschossen wird …

Mehr als hundert Jahre vor dem ersten Mondflug hat Jules Verne »seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch« (Arno Schmidt). Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heisst heute ein Mondkrater «Jules Verne».
(Klappentext)

20. April 2026

Ich bleibe hier

Marco Balzano: Ich bleibe hier,
Diogenes, Zürich, 2020
Trina ist eine junge Lehrerin und lebt in Graun, einem hübschen Bergdorf im Vinschgau. Doch die Zeiten sind düster. Die von Hitler und Mussolini ausgehandelte «Grosse Option» zwingt sie, wie alle deutschsprachigen Südtiroler, zu einer Entscheidung: entweder ins Deutsche Reich auszuwandern oder weiter in Italien Bürger zweiter Klasse zu sein. Trina bleibt – obwohl sie in ihrem Dorf nicht als Lehrerin tätig sein darf. Und sie bleibt auch, als nach dem Krieg ihr Dorf einem Stausee weichen soll, einem Energieprojekt, das keine Rücksicht auf Mensch und Natur nimmt.

Marco Balzano erzählt eine Geschichte von Leid, Widerstand und Mut – eine universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen. (Klappentext)

I: Altgraun, Graun, Reschen, Reschensee, St. Valentin, Mals, Glurs, Schluderns, Meran, Bozen, Sondrio TI: Lugano

Mehr über den Reschensee weiss einmal mehr Wikipedia.

Die Gegend von Reschen und Graun vor der Flutung des Stausees 1949/50.

Die Gegend von Reschen und Graun heute.


17. April 2026

Reisen und bleiben

Andrea Bocconi: Reisen und bleiben,
Dörlemann, Zürich, 2007
REISEN – Neue Gerüche, neue Geschmäcker, andere Spielregeln. Niemand kennt uns, niemand verbindet unser Gesicht mit einem Namen. Unsere alte Identität hat keine Gültigkeit mehr. Wir werden mit neuen Augen gesehen und betrachtet, und wir sehen und betrachten selbst mit neuen Augen. Wir fühlen uns freier, lebendiger, unsere Sinne erwachen, unsere Vorurteile werden abgebaut. Doch das ständige Weggehen lässt sich auch als Wiederholungszwang entlarven, der mit Freiheit nichts zu tun hat, als eine Flucht vor uns selbst.

UND BLEIBEN – Der eine geht auf Reisen, doch eingesponnen in seinen eigenen Kokon bewegt er sich nicht von der Stelle. Der andere bewegt sich und legt lange Wege zurück, ohne je sein Zimmer zu verlassen. Ist es am Ende unerheblich, ob man reist oder bleibt? Andrea Bocconi nimmt uns mit auf eine kunterbunte Reise durch die unzähligen Facetten und Aspekte des Reisens und Bleibens.
 (Klappentext)

14. April 2026

Journeyman

Fabian Sixtus Körner: Jouneyman,
Ullstein, Berlin, 2015
Wie kommt man einmal um die Welt, mit nur 255 Euro auf dem Konto? Fabian Sixtus Körner schnappt sich seinen Rucksack und macht sich auf ins Ungewisse. Sein Plan: Alle Kontinente dieser Erde bereisen – und überall für Kost und Logis arbeiten. Ohne Reiseroute und feste Jobs, nur mit dem Drang nach Freiheit und grenzenlosem Optimismus im Gepäck.

Körner erlebt Hahnenkämpfe in Santo Domingo, permanente Abschiede, Modelwettbewerbe in Malaysia, Kulturschocks, wackelige Baugerüste aus Bambus in Schanghai und grenzenlose Gastfreundschaft. Er legt Tausende von Kilometern in Fliegern, Zügen, Bussen, löchrigen Booten und Rikschas zurück und arbeitet dabei mal als Grafiker, mal als Architekt oder Fotograf. Zwei Jahre und drei Monate, über sechzig Orte, querweltein (Klappentext)

11. April 2026

Im Herz das Feuer

Andreas Altmann: Im Herz das
Feuer, Picus, Wien, 2001
In Kairo beginnt Andreas Altmann seine drei Monate lange Reise in den Süden Afrikas. Mit viel Sinn für die absurde Komik des Schrecklichen führt uns der renommierte Reporter durch diesen geheimnisvollen Kontinent; dabei hat Altmann keinerlei Berührungsängste, nie ist er der distanzierte Beobachter: Er geht nah heran, verführt die Menschen zum Reden und Geheimniserzählen. So entsteht ein Kaleidoskop von teils komischen, teils traurigen meist aber beeindruckend schönen Momentaufnahmen: der Besuch beim Friseur, der mit einer Ziege auf dem Schoss in seinem Laden sitzt; die fünfköpfige Familie, die in die Totenstadt im Osten von Kairo gezogen ist, weil unter den Lebenden kein Platz mehr war; die Strassen «Old Cairos» mit ihrem Unrat und ihren Pariahunden.

Auf Sandpisten und Dschungelwegen nähert er sich langsam seinem Ziel, wobei das Vorankommen immer wieder zur fast unlösbaren Aufgabe wird: Altmann lässt den Leser teilhaben an einer Sinnlichkeit und auch den Strapazen des Reisens, die ihn an seine körperlichen Grenzen bringen. Er wohnt in Hotels «mit halbem Stern», verbringt die nächtliche Überfahrt auf dem Lake Nasser auf einem Küchentisch dösend; auf dem Dach eines Lasters geht es durch die Sahelzone; er hört Geschichten von Goldschmuggler-Karawanen und mutigen Banditen und bewundert das afrikanische Talent zum Teilen. (Klappentext)

8. April 2026

Verweile doch!

Arnold Kübler: Verweile doch! Ex Libris,
Zürich, 1974
«Belächle die Hatz und die Hetz und den Stress und die Fitness … Erfahre dich selbst» – der Feder- und Wortkünstler Arnold Kübler zeigt, wie er die Welt sieht.

«Ich beginne mit dem Schauen, mit dem Augenerlebnis», versichert Arnold Kübler. Seine meist heiteren Berichte und Zeichnungen, die er seit 1970 in den Sonntagsausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» veröffentlichte und nun seinen Freunden in Buchform vorlegt, sind keineswegs nur illustrierte Texte; sie sind vielmehr eigenständige zeichnerische Beobachtungen, denen der Text nur zufügt, was sich aus dem Gezeichneten nicht ablesen lässt. Freilich ein Text, der die Gedanken des Lesers ebenso verführt wie die Zeichnungen das Auge des Betrachters.

Da ist von den Umständen die Rede, unter denen die jeweilige Zeichnung entstand, von Begegnungen mit verständigen und unverständigen Menschen, von der Vergangenheit und vom Schicksal der Orte, überhaupt von allem, was Orte, Menschen und Dinge preisgeben, wenn man, wie Arnold Kübler, die innere Ruhe hat, zu verweilen. Auf verborgene Schönheiten hinweisend, lächelnd oder provokativ auf etwas deutend, Stimmungen einfangend oder neugierig beobachtend zieht der schreibende Zeichner oder zeichnende Schreibende durch die Welt. Und die Welt ist alles, was seine wache Aufmerksamkeit zu fesseln vermag: das Fabrikgelände in Zürich-Oerlikon ebenso wie Sizilien, das Bündnerland ebenso wie Dresden oder Frankreich.

«Verweile doch!» ist eine Aufforderung an die Zeitgenossen, vielleicht sogar eine Beschwörung, an den Wundern dieser Welt nicht achtlos vorüberzuhasten.
(Klappentext)

5. April 2026

Fatal Woman

Patrick Quentin: Fatal Woman, Diogenes,
Zürich, 1996
Peter Duluth, erfolgreicher New Yorker Theaterproduzent und glücklicher Ehemann, folgt einer mitleidigen Laune, als er sich auf einer Party eines unscheinbaren jungen Mädchens annimmt. Schliesslich ist seine Frau, eine bekannte Schauspielerin, gerade für einige Zeit verreist und er fühlt sich einsam. Nanny Ordway scheint jung, unerfahren und hilfsbedürftig. Sie appelliert an seinen männlichen Beschützerinstinkt. Das junge Mädchen lässt Peter Duluth nicht los – und als sie tot in seiner Wohnung gefunden wird, wird die Affäre für ihn zum Alptraum. Seine Frau verlässt ihn, die Freunde verdächtigen ihn des Ehebruchs, und die Polizei des Mordes. Plötzlich sieht er sich in einem Netz von Intrigen gefangen … (Klappentext)

USA: New York City

2. April 2026

Hohgant

Gabriel Anwander: Hohgant, Emons, Köln
2016
Auf den Strassen des Berner Mittellandes taucht auffallend reines Kokain auf – Gerüchten zufolge stammt es aus dem Emmental. Dabei trinkt man in der grünen Hügellandschaft höchstens Schnaps; Kokain kennen die Menschen nur vom Hörensagen. Als die Drogen ein erstes Opfer fordern, macht sich Privatdetektiv Alexander Bergmann auf die Suche nach den Hintermännern. Er ahnt nicht, dass er sich mit Gegnern anlegt, die ihn zwingen, die Grenze des Legalen zu überschreiten … (Klappentext)

BE: Langnau i.E, Stadt Bern, Trubschachen, Camping Mettlen (Gohlgraben) LU: Flühli 

27. März 2026

Weggehen ehe das Meer zufriert

Laure Wyss: Weggehen ehe das Meer
zufriert, Limmat, Zürich, 1994
Ihre Zeit bewunderte und verachtete Königin Christina gleichermassen; und ihre vielen späteren Interpreten sehen sie als umstrittene Persönlichkeit: ein Leben zwischen Stolz und Tragik. Diese hervorragende Frau, privilegiert durch Geburt und Erziehung, ausgestattet mit strahlenden Geistesgaben, ist nicht loszulösen von den Händeln und heftigen Auseinandersetzungen der barocken Epoche.

Ist die Frage beantwortet, aus welch tiefem Grund die schwedische Königin ihre schwerwiegenden Entscheide traf? Wir notieren ihre Unternehmungen, wir sehen ihre Gestalt, ihr Gesicht, doch kennen wir ihre Seele?
(Klappentext)

24. März 2026

Mys Worbletal

Karl Uetz: Mys Worbletal, Verlag Hans Scheibli,
Herzogenbuchsee, 1962
Vor einiger Zeit ist von Karl Uetz ein Bändchen «Ein Jahr im Melchenbühl» erschienen, worin von der ersten bis zur letzten Zeile in ergreifender Weise zum Ausdruck kommt, wie er, von einem Hirnschlag getroffen, um die Wiedererlangung seines Sprachvermögens gerungen hat. Wenn nun Elisabeth Müller im Vorwort zu diesem neuen Buch von Karl Uetz von einer Tatsache schreibt, «die an ein Wunder grenzt», so ist das nicht im Geringsten zu hoch gegriffen: Der Dichter Karl Uetz hat seine Sprache wiedergefunden!

Karl Uetz ist ja längst als einer der kurzweiligsten Erzähler in unserer Mundart bekannt, trefflich beobachtend, herzlich einfühlend und träf, oft mit viel menschenfreundlichem Witz und Humor berichtend.

Wenn er nun allerlei Erlebtes und Erfahrenes, Erlauschtes und Erfragtes aus dem Tal seiner Jugendzeit zu einem Buch zusammengefügt hat, so wird sich daran männiglich ergötzen und erfreuen, der das Gemütvolle und wahrhaft Herzlich-Herzhafte in kräftiger und unverfälschter Mundart zu schätzen weiss. «Mys Worbletal» erhält auch die Erinnerung an einige jener Sonderlinge etwa den «StettIen-Zwerg» und an allerlei Brauchtum und fröhlichen Dorf-Schabernack, für die in unserer gehetzten Welt und Zeit kaum mehr Platz ist. Ganz besonders erfreulich, weil so selten geworden, ist des Autors echte und unsentimentale Freude an all jenem Unscheinbaren, an dem heute so viele achtlos vorübergehen, obgleich es zur Quelle stiller Glückseligkeiten werden könnte.

Das Buch wird nicht bloss alle jene erfreuen, denen das Worblental Heimat oder als oft durchwandertes Vorstadtgebiet lieb geworden ist, es wird jedem zum erfreulichen Gewinn werden, der in stillen Lese-Augenblicken geruhsame Erholung von der Hast des heutigen Lebens sucht
. (Klappentext)

21. März 2026

Schwarze Erde

Jens Mühling: Schwarze Erde, Rowohlt,
Reinbek bei Hamburg, 2016
Ein Jahrtausend lang lebten die Ukrainer zwischen Grenzen, die sich unter ihren Füssen stetig verschoben; mal zu Polen, mal zu Österreich und Litauen, schliesslich zu Deutschland und dann zur Sowjetunion gehörten. Und die nun wieder in Bewegung geraten sind. Als Staat existiert die Ukraine erst seit 1991; was sie vorher war, ist unter ihren Bewohnern so umstritten wie unter ihren europäischen Nachbarn. Jens Mühling erzählt von Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken, Schmugglern, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten. Sein Buch schildert ihren Blick auf ein Land, über das wir kaum etwas wissen – obwohl es mitten in Europa liegt. Und das nun der Schauplatz eines brutalen Angriffskriegs ist. (Inhaltsangabe zum Buch)

18. März 2026

Die Edition Wanderwerk hebt ab

Jakob Christoph: Heer: Im Ballon, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2026
Soeben aus der Druckerei eingetroffen: «Im Ballon» von Jakob Christoph Heer. Es ist dies der 41. Titel, den ich in meinem Verlag publiziere und befasst sich mit den Fahrten des Ballonflug-Kapitäns Eduard Spelterini. Der aus dem schweizerischen Toggenburg stammende Spelterini (1852–1931) gilt nicht nur als einer der grossen Pioniere der Ballonfahrt, sondern auch der Luftfahrtfotografie. Seine mitunter abenteuerlichen Unternehmungen führten ihn durch halb Europa, aber auch nach Nord- und Südafrika sowie Indien und Russland.

Der Schriftsteller Jakob Christoph Heer (1859–1952) widmete zu Beginn der 1890er-Jahre dem umtriebigen Lebenskünstler, der mit echtem Namen Eduard Schweizer hiess, das neu herausgegebene, sprachlich von mir behutsam überarbeitete Buch. Dieses beschreibt nicht nur etliche von Spelterinis Ballonfahrten, es zeichnet auch die spannende Geschichte der Ballonfahrt mit all ihren Protagonisten nach. Ergänzt wird das Werk mit zahlreichen Anmerkungen des Herausgebers sowie fünf historischen Fotos.

Die lesenswerte Schrift besorge man sich direkt bei der Edition Wanderwerk.

15. März 2026

Schwarzwald-Himmel

Bernd Leix: Schwarzwald-Himmel, Gmeiner,
Messkirch, 2018
Beim Wandern im nördlichen Schwarzwald möchte Oskar Lindt, der oberste Karlsruher Mordermittler, herrliche Natur und kulinarische Köstlichkeiten geniessen, doch selbst im Urlaub stolpert er über Leichen. Ein lebloser Körper im kalten Wasser der Murg. Unfall oder Gewalttat? Ist der Bauer alkoholisiert von der Brücke gestürzt oder hat ihm bereits zuvor jemand den Schädel eingeschlagen? (Klappentext)

D: Baiersbronn, Wanderhütte oberhalb von Schwarzenberg, Oberes Murgtal, Bahnstation Schönmünzach, Heselbach, Heselbacher Hof, Freudenstadt, Kniebis, Stöckerkopf, Sankenbachtal, Murg, Ruhestein, Hinterlangenbach, Euting-Grab über dem Wildsee, Wildsee, Nationalpark Schwarzwald, Forsthaus Auerhahn, Zwickgabel, Schönmünzach, Kienberg bei Freudenstadt, Berghütte Lanterbad, Huzenbachsee, Ellenbachsee, Mitteltal, Reichenbachtal, Weisenbach, Klosterreichenbach, Café Erle in Klosterreichenbach, Röt, Zimmerplatzhütte bei Klosterreichenbach, Heselbacher Hütte

12. März 2026

Königsmatt

Pierre Chiquet: Königsmatt, Bilger,
Zürich, 2003
In der Königsmatt leben zwölf wohlhabende Pensionäre in morbider Vornehmheit vor sich hin: Sie werden bloss ein wenig älter und grauer von Tag zu Tag, ein wenig steifer in den Knochen und ein wenig starrer in ihrem Eigensinn. Als einmal, ein einziges Mal, das Essen zu spät auf den Tisch kommt, fällt die vordergründig festgefügte Ordnung in sich zusammen, explodieren die scheinbar zur Ruhe gekommenen Leben. Die zwölf Männer und Frauen beginnen aufzubegehren und befreien sich nach und nach aus der totalen Versorgung, der sie ausgeliefert sind.

Sie begreifen ihr bisheriges Leben als einen einzigen Alptraum, ein unwirklicher Augenblick, und sie beginnen mit der Inszenierung des Chaos. Mit zeichnerischen Mitteln zunächst. Das ornamentale und organische Wuchern erfasst Zimmer und Flure, die Flügel und Säle der ehemaligen Psychiatrie und ergiesst sich übers Land bis ins Dorf am Fusse des Hügels. Aus biografischen Nachrufen werden Hymnen ans Leben, und das groteske und blendend inszenierte Löschballett der örtlichen Feuerwehr gerät zum atemraubenden Showdown eines hervorragend erzählten Romans.

Die Alten haben den Platz der Wahnsinnigen von einst eingenommen. Sie sind die Parias von heute. Und weil sie nichts mehr zu verlieren haben, doch alles zu gewinnen, können sie ohne zu zögern jede Ordnung und jedes System zu Fall bringen. In Anlehnung an die Kunst Adolf Wölfflis, auch er, wie viele andere, ein ehemaliger Insasse, setzt Chiquet in «Königsmatt» das Zeichnen und Malen als ursprüngliche Form der Artikulation, als Zeichen. Mit liebevollem Humor und psychologisch raffiniert führt der Roman die Leserin, den Leser dorthin, wo sie sich bedingungslos mit der Revolte der Alten solidarisieren. Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt: Ihnen würde «Königsmatt» gefallen.
(Inhaltsangabe zum Buch)

9. März 2026

Yukon solo

Karel Dohnal: Yukon solo, Albert Müller
Verlag, Rüschlikon, 1987
3100 Kilometer im Kanu in 66Tagen – quer durch Alaska. Flüsse waren für den Amerikaner und gebürtigen Tschechen Karel Dohnal schon immer ein Teil seines Lebens, wie er sagt. In seinem Tagebuch beschreibt er die abenteuerliche Kanufahrt den Yukon River hinunter, vom Quellgebiet dieses noch ungezähmten Stromes in den Bergen Nordwestkanadas bis zu seinem in der Tundra Alaskas ins Bering-Meer mündenden Delta. In diesem vielschichtigen und packenden Kanu-Epos werden nicht nur der persönliche Einsatz des Autors, sein Kampf gegen die Unbilden der Witterung und seine Erlebnisse in der Wildnis des hohen Nordens, einem der letzten Refugien für Naturliebhaber und Zivilisationsüberdrüssige, lebendig, sondern auch die Geschichte des Yukon Rivers und der Menschen, die sich an ihm niedergelassen haben. So erfährt der Leser überaus Interessantes über die Kultur der Ureinwohner, die sich in Tausenden von Jahren herauskristallisiert hatte und mit der Besiedlung durch den weißen Mann und dessen Ausbeutung der Naturschätze zerstört wird, und wird Zeuge der Verzweiflung, aber auch der Freundlichkeit und Grosszügigkeit der zahlreichen Indianer Eskimos, denen der Autor begegnet.

Yukon solo erzählt ein spannendes, unvergessliches Abenteuer in einem Teil der Welt, von dem der Mensch träumt, wenn er sich fort von der Hektik des Alltags wünscht. Der Grund für die Suche nach Einsamkeit, Naturerleben, Abenteuer, Risiko lässt sich am treffendsten in der knappen Tagebucheintragung – Kampf mit schweren Stürmen – fassen: «Noch nie mit solcher Intensität gelebt.» (Klappentext)

6. März 2026

Seeluft

Friedrich Dönhoff: Seeluft, Diogenes,
Zürich, 2013
Zwischen den Aktivisten von Ökopolis und der Hamburger Reederei Köhn herrscht Streit. Den einen geht es um die Umwelt, den anderen um ihre Konkurrenzfähigkeit. Als am Fischmarkt die Leiche eines Reeders gefunden wird, nimmt Kommissar Sebastian Fink die Ermittlungen auf. Der Fall führt ihn zu einem verbitterten Manager in einem modernen Glaspalast hoch über dem Hafen, zu einer sportbesessenen Witwe auf dem Land und zu einem frischverliebten Studentenpaar in St. Pauli. Sebastian hat alle Hände voll zu tun, als eines Morgens unverhofft seine Großmutter vor der Tür steht – und ihn mit einem gut gehüteten Familiengeheimnis konfrontiert. (Klappentext)

D: Hamburg, Bönningstedt, Brunsbüttel

3. März 2026

Mai in Morcote

Evelyn Peters: Mai in Morcote, Knaur,
München/Zürich, 1979
Urlaub im Tessin – für zwei grundverschiedene Schwestern, Anke und Elsy, ist es weit mehr als eine willkommene Abwechslung vom Alltagseinerlei. Anke – jung und schon verwitwet – ist ausgeglichen, besonnen, überlegen! Elsy dagegen ist ein lebenslustiges, erfolgsverwöhntes Mannequin mit der Angst vor dem Tag, an dem sie nicht mehr gefragt sein wird.

Zum dramatischen Wendepunkt ihres Lebens wird eine nächtliche Gartenparty mit der Schickeria Morcotes. Alles, was Rang und Namen hat, trifft sich hoch über dem Luganersee. Elsy setzt alles auf eine Karte, spielt all ihre verführerischen Reize aus, um den eingebildeten und verheirateten, aber reichen und weltgewandten Gastgeber für sich zu gewinnen.

Anke kann diese Umgebung nicht mehr ertragen und entflieht dem blasierten Geschwätz, dem arroganten Gehabe und der peinlichen Ausgelassenheit der Partygäste. In einer kleinen abgelegenen Trattoria begegnet sie einem Mann, der, durch einen schweren Unfall gezeichnet, sich verbittert in sich selbst zurückgezogen hat.

Während dieser gemeinsamen Ferien in Morcote erleben die beiden Schwestern die Liebe so verschieden, so andersartig, wie sie selbst es sind. Der Autorin ist es gelungen, mit Anke und Elsy zwei beispielhafte Charaktere absolut glaubwürdig und lebendig, differenziert und ergreifend darzustellen Ein bewegender Roman aus unseren Tagen, voller Engagement und Lebensklugheit.
(Klappentext)

TI: Melide, Morcote, Vico Morcote, Bissone, Luganersee, Collina d'Oro, Lugano Gandria, Monte Lema, Malcantone, Pura, Neggio, Magliaso I: Cernobbio, Como, Campione

28. Februar 2026

Der Weg ist mein Zuhause

Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause,
Knesebeck, München, 2021
272 Tage zu Fuss unterwegs, über 6500 Kilometer und 35 Breitengrade durch sieben Länder: Was für viele Wanderer ein Traum bleibt, hat Philipp Fuge in die Tat umgesetzt. Er durchquert Europa vom südlichsten Festlandszipfel in Tarifa in Spanien bis hin zum Nordkap in Norwegen, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Während im spanischen Januar der Winter zum Frühling wird, wähnt sich Philipp im norwegischen Spätsommer schon tief im Herbst.

Die Route führt ihn von Spanien nach Frankreich durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland bis an sein Ziel in Norwegen. Er spricht kein Spanisch und auch kein Schwedisch, ist fünf Monate auf dem Weg Richtung Norden vollkommen auf sich allein gestellt, aber Sprache ist beim Wandern kein Problem. Philipp Fuge trifft auf seinem Weg viele herzliche Menschen, die seine Reise einzigartig machen. Er erspürt die Eigenheiten der Länder und Regionen und die Besonderheiten der Landschaften, die er durchwandert. Auch die Schönheit der Natur lernt er durch seine entschleunigte Fortbewegung wieder viel mehr zu schätzen. Dass er bei dieser Wanderung kein einziges Mal seinen Pass vorzeigen muss, macht seine Reise aber auch zu einem Plädoyer für ein Europa ohne Grenzen
. (Inhaltsangabe zum Buch)