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6. August 2026

Der böse Trieb

Alfred Bodenheimer: Der Böse Trieb,
Kampa, Zürich, 2021
Eigentlich hat Rabbi Klein in seiner Zürcher Gemeinde genug zu tun, doch als in Inzlingen kurz hinter der deutschen Grenze der Zahnarzt Viktor Ehrenreich erschossen wird, fühlt sich Klein zu einem Kondolenzbesuch bei dessen Ehefrau Sonja verpflichtet. Schliesslich kannte er den Toten gut: Jedes Jahr zu Beginn des Monats Elul hat er eine «Sichat Nefesch», ein Seelengespräch, mit ihm geführt. Steht der Mord mit den Eheproblemen der Ehrenreichs in Verbindung? Oder hat er mit der Mussar-Bewegung und Viktors regelmäßigen Reisen in den Kongo zu tun? Und welche Rolle spielt Sonjas Freundin Anouk Kriesi, die mit ihrem Mann einen dubiosen Youtube-Kanal unterhält? Klein beginnt auf eigene Faust zu ermitteln – nicht nur, weil er den zuständigen Kommissar Unmüssig nicht ausstehen kann, sondern auch, um sich nicht mit seinen eigenen Problemen beschäftigen zu müssen: Er hat sich so mächtige Feinde gemacht, dass ihm ein Berufsverbot droht. Das Schlimmste aber ist, dass Rivka wütend auf ihn ist: Denkt Klein zwischen seinen ganzen Verpflichtungen vielleicht auch mal an seine Frau und seine Töchter? (Klappentext)

AG: Rheinfelden, Möhlin, Würenlos BS: Eiserne Hand, Stadt Basel, Riehen GR: Arosa ZH: Stadt Zürich D: Inzlingen, Lörrach, Rheinfelden, Bad Bellingen, Freiburg i.Br., Frankfurt a.M. CD: Lubambashi IL: Tel Aviv

7. Oktober 2019

Unter Engeln und Wasserdieben

Stefan Tomik: Unter Engeln und Wasser-
dieben, DuMont, Ostfildern, 2015
Der Weg durch die Negev-Wüste zehrt an den Kräften. Dort hat Stefan Tomik vor seiner Wanderung Wasserdepots angelegt. Aber die Sorge, dass sie geplündert werden, reist immer mit. In «Unter Engeln und Wasserdieben» nimmt der Autor den Leser mit auf den atemberaubenden Israel National Trail, den er sich für ein Sabbatical vorgenommen hat. Die Route führt ihn über Klippen und Grate, durch Canyons und Krater. Stefan Tomik trifft auf einen Mitwanderer, der eine Pistole trägt und ihn vor Beduinen warnt. Er hilft bei der Feldarbeit in einem Kibbuz, in dem alle dauernd schweigen. Er wohnt bei Hippies in einem Ashram, der mitten im Militärübungsplatz liegt, und bei Ingenieuren, die in der Wüste Solarzellen montieren und unbedingt deutsche Schimpfwörter lernen wollen. Am Ende der Wüstenetappe kommt es tatsächlich zu einer Begegnung mit den Wasserdieben. Immer wieder nehmen Trail Angels Stefan Tomik bei sich auf. So erfährt er, warum ein Rabbi einen Kuhstall mit Videokameras überwacht, und warum in einem Kibbuz Schweine gezüchtet werden dürfen, obwohl das im Heiligen Land streng verboten ist. Zehn Wochen lang ist Stefan Tomik zu Fuss auf dem tausend Kilometer langen Israel National Trail unterwegs, von Eilat im Süden bis zum Kibbuz Dan kurz vor der libanesischen Grenze. Seine Reisereportage öffnet den Blick auf ein kaum bekanntes Israel jenseits der Schlagzeilen. (Klappentext)

Moors Fazit: Das Beste, was ich bislang über den «Shvil», den Israel National Trail, und Israel überhaupt, gelesen habe. Tomik ist nicht nur Journalist, er ist auch Agnostiker, was ihm den unvoreingenommenen Zugang zur kulturellen, religiösen und ethnischen Vielfalt dieses sonderbaren Landes ermöglicht. Ich wünsche mir mehr Tomiks, die auf eine derart gekonnte und ausgewogene Weise über ihre Wanderreisen berichten.

27. Juni 2016

«Kisch mir im tuches!»

Thomas Meyer: Wolkenbruchs
wunderliche Reise in die Arme einer
Schickse,
Diogenes, Zürich, 2014
Der junge orthodoxe Jude Mordechai Wolkenbruch, kurz Motti, hat ein Problem: Die Frauen, die ihm seine mame als Heiratskandidatinnen vorsetzt, sehen alle so aus wie sie. Ganz im Gegensatz zu Laura, seiner hübschen Mitstudentin an der Universität Zürich – doch die ist leider eine schikse: Sie trägt Hosen, hat einen wohlgeformten tuches, trinkt Gin Tonic und benutzt ungehörige Ausdrücke. Zweifel befallen Motti: Ist sein vorgezeichneter Weg wirklich der richtige für ihn? Sein Gehorsam gegenüber der mame mit ihren verstörenden Methoden schwindet. Dafür wächst seine Leidenschaft für Laura. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Und Motti kann schon bald einen vorläufigen Schluss ziehen: Auch schiksn haben nicht alle Tassen im Schrank.

Ein herrlich schräger Entwicklungsroman, der dem Leser nicht nur die jüdische Kultur sondern auch das Jiddische näher bringt. Meyer versteht es zudem gekonnt, sich in die Gefühls- und Rollenwelt von Mann und Frau zu denken, wenn es um das nie enden wollende Thema lieben und geliebt werden geht. Lesen!

Und Gott sei Dank beinhaltet das Buch auch ein Glossar mit den im Roman verwendeten jiddischen Vokabeln: kisch = küssen, tuches = Hintern!

ZH: Stadt Zürich IL: Tel Aviv

25. März 2016

Zwischen den Grenzen

Martin Schäuble: Zwischen den Grenzen,
Carl Hanser Verlag, München, 2013 
Martin Schäuble hat Israel und Palästina zu Fuss von den Golanhöhen bis ans Rote Meer durchquert. In seinem grossen, lebendigen Reisebericht erzählt er, wie sich die Menschen dort ihr Leben unter ständiger Bedrohung im Nahost-Konflikt eingerichtet haben. Er sprach mit orthodoxen Juden und verzweifelten Palästinensern, beobachtete die Protestbewegung in Tel Aviv und wanderte eine Etappe mit David Grossman. Unter großen Schwierigkeiten gelang ihm ein Abstecher in den Gaza-Streifen. Schäuble bringt uns nicht nur den Alltag der Israelis und Palästinenser näher, er hilft auch zu verstehen, wie hier auf engstem Raum unterschiedliche Lebensweisen, Interessen und Ansprüche aufeinandertreffen. (Website des Verlags)

Sehr interessanter und spannender Bericht, der schonungslos aufzeigt, wie verworren die Situation im bereisten Gebiet ist. Gekauft habe ich das Buch, weil ich – wie es der Untertitel suggeriert – über eine Fusswanderung durch Israel und Palästina lesen wollte. Die Rede ist indes meist von Fahrten per Anhalter. Na bitte ...

7. Dezember 2014

Auf dem Schwil

Judith Galblum Pex, Der Israel Trail,
Brunnen Verlag, Basel, 2009
Schafft es ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das zwar gerne wandert, seit seinen Hippie-Tagen jedoch nie mehr mit schweren Rucksäcken unterwegs war, den 940 km langen Israel Trail abzuwandern? Diese Frage stellten sich John und Judith Galblum Pex, ehe sie sich auf den sogenannten Schwil begaben. 42 Tage dauerte das Trekking durch Israel, angefangen im Süden an der ägyptischen Grenze und beendet an der Grenze zum Libanon im Norden.

Judith Galblum Pex verfasste über die Begehung des hierzulande kaum bekannten Fernwanderweges einen Erlebnisbericht. Dieser beginnt mit der Geburt des Traums dieser Wanderung und dem Jahr der Vorbereitung auf das Unternehmen. Die Autorin, eine messianische Jüdin, erzählt in der Folge über die körperliche und spirituellen Herausforderungen sowie die immer mal wieder auf die Probe gestellte Beziehung zu ihrem Mann.

Obschon die beiden seit mehr als 30 Jahren in Israel leben und das Land auf etlichen Reisen erkundet haben, entdecken sie ihre Heimat fortlaufend neu, gerade weil der Weg auch durch unbewohnte und weniger spektakuläre Gegenden führt. Doch auch vor arabischen Städten und Dörfern macht der Schwil nicht Halt, führt zudem durch Tel Aviv – Israels grösste Stadt – und vorbei an jüdischen, islamischen, drusischen und christlichen Heiligtümern.

Als Leser nehme ich teil an den Entdeckungen der zwei Herbergsbesitzer in Elat und begleite sie durch Wüsten, Wälder, Oasen, vorbei an Quellen, über Hügel und Felder. Ich begegne dem vielgesichtigen Volk Israel: orthodoxen Juden, Soldaten, Beduinen, Studenten und vielen mehr. Mit fortschreitender Lektüre erhalte ich eine Innenansicht Israels, der jüdischen Kultur und seiner Geschichte, aber auch über Botanik, Fauna, Geografie, Politik und die hebräische Sprache. Und gemäss der Autorin soll das Buch auch Ansporn sein, zu einem neuen Weg aufzubrechen oder ganz einfach einen Traum zu träumen.