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22. Juni 2026

Das Wildheuen in Ringgenberg

Gustav Ritschard, Emil Schmocker: Das
Wildheuen in Ringgenberg, Verlag Ritschard/
Schmocker, Unterseen, 1980
Die vorliegende Darstellung einer jetzt nahezu verschwundenen alpinen Wirtschaftsform setzt zum Verständnis eine echte Freude an der Welt der ursprünglichen, aufs engste mit der Natur verbundenen Tätigkeiten voraus, die heute wiederum auf vermehrtes Interesse stossen. Der Wildheuer steht modellhaft da als ein Vertreter des genügsamen und gefahrvollen Lebens unserer Vorfahren, doch wird er, dessen Tätigkeit früher in den Lesebüchern der Volksschule beschrieben wurde, in unserer Zeit mehr genannt als gekannt. Deshalb verdient es besondere Anerkennung, dass in diesem Buch der Wildheuer mit seiner Geschichte, seinen Rechtsnormen, seinen sich aufgrund von Erfahrung entwickelnden Werkzeugen und Arbeitstechniken, seinen Unterkunfts- und Ernährungsgewohnheiten – eingebettet in das Leben – einer Familie und der Dorfgemeinschaft von Ringgenberg – ebenso verständlich wie anschaulich und warmherzig dargestellt wird. Einen breiten Raum nimmt zu Recht die minuziöse Beschreibung der Wegverhältnisse, der Traggeräte und der übrigen Transportmittel ein, denn das Wildheu legt vom steilen Graaggen bis zum hungrigen Maul der Stallgeissen einen weiten Weg zurück.

Die Arbeitswelt der Ringgenberger Wildheuer und ihre Eigenart spiegeln sich nicht nur in besonderen Ausdrücken und Redensarten, sondern auch in heiteren und ernsten Episoden, Gedichten, Erzählungen und Sagen, deren mundartliche Wiedergabe der Monographie einen ganz besonderen Wert verleiht. Die Schilderung der wilden Bergnatur mit ihren Gefahren, aber auch mit ihren Schönheiten, gibt der zeichnerisch vortrefflich ergänzten Darstellung einen grossartigen Rahmen. Es ist ein Verdienst, dass neben der Fülle des Altertümlichen auch die moderne Entwicklung bis zum Helikoptertransport unbefangen notiert wird.

Möge etwas von der Freude, welche die beiden Erforscher dieses Stückes alpiner Volkskultur bei ihrer Arbeit beflügelt hat, auf die Leser übergehen!
(Vorwort von Arnold Niederer, Professor für Volkskunde, Universität Zürich)

26. Dezember 2025

Retro 2025 – 9

Seit ich Anfang der 1990er-Jahre das Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz entdeckt habe, gehe ich mit anderen Augen durch die Gegend. Insbesondere in den bergigen Regionen stosse ich da und dort auf Wegabschnitte mit potenziell-historischer Substanz. Dies können unter anderem Stütz- und Begrenzungsmauern, Spurrillen, Wegkreuze- und Kapellen (sogenannte «Wegbegleiter»), Brücken, Steintreppen oder beispielsweise auch Pflästerungen sein. 

Als ich am 12. September vom Col-de-Bretaye in den Waadtländer Alpen via Les Ecovets nach Ollon abstieg, stiess ich kurz vor dem Wanderziel auf diesen gepflästerten Wegabschnitt. Leider ergaben meine Recherchen zu Hause lediglich den Hinweis auf eine historische Wegverbindung von lokaler Bedeutung. Gerne hätte ich mehr über diesen ausserordentlich breiten Weg erfahren: Wann wurde er und durch wen erbaut? Wer nutzte ihn über all die Jahrhunderte? Auf welche Art und Weise wurde er genutzt? Lediglich zu Fuss, mit Pferden und Maultieren oder gar mit von Tieren gezogenen Fahrzeugen?

3. November 2015

Hübsche Passagen

Weshalb die BLS an einem Prachtssonntag wie dem 1. November 2015 morgens die mögliche Transportkapazität nicht voll ausschöpft, weiss, wenn überhaupt, nur die BLS. Umso schöner und menschenleerer gab sich dann meine Route von der Haltestelle Weissenburg nach Erlenbach im Simmental. Nein, ich ging ihn nicht, den legendären Simmentaler Hausweg. Vielmehr wählte ich die Variante eine Etage höher, hatte dadurch die umfassendere Aussicht und zudem ein paar verkehrshistorische Leckerbissen von regionaler und lokaler Bedeutung.

Stattlicher Waldweg im Steilwald oberhalb des ehemaligen Bad Weissenburg, kurz vor den Edelkastanienbäumen.


Raschelndes Waldlaub und knallige Farben paarten sich mit einer Fernsicht, die schärfer kaum sein kann. Nach einem Schluck vorzüglichen Wassers aus dem Brunnen der Mineralquelle Weissenburg, ging es im Kurzarmhemd jäh bergauf. Links der gähnende Abgrund und vor mir ein Pfad, der einst als Fussweg zum Weissenburg Bad angelegt wurde. An fünf prächtigen Edelkastanienbäumen vorbei stieg ich weiter hoch zur beeindruckend in den Fels gehauenen Fahrstrasse, die vom Weissenburgberg ins Buuschental führt. Die nun folgenden Abschnitte waren leider mit überdurchschnittlich viel Asphalt versehen, so dass mir einzig noch die kurze Passage zwischen der Örtlichkeit Moos und dem Weiler Tal zu erwähnen bleibt. Das IVS (Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz) stuft sie als Weg von regionaler Bedeutung ein:

Die Strecke zwischen den beiden Orten ist ein Teilstück der ehemaligen Saumwegverbindung zwischen den Höhensiedlungen von Allmenden bis Balzenberg. Es ist das Teilstück, das am wenigsten ausgebaut wurde und am meisten historische Bausubstanz aufweist. Die Strecke ist auf der ganzen Länge befahrbar: Zu Beginn und am Schluss besteht sie aus einem asphaltierten 4. Klass-Fahrweg, die mittlere Partie ist ein Feldweg mit Naturbelag. Substanziell ist vor allem eine 300 Meter lange Stützmauer auf der Bergseite des Feldweges zu erwähnen. Das Mauerwerk ist 1 Meter hoch. Auf der Talseite wird der Weg von einer 500 Meter langen Baumreihe und weiteren Einzelbäumen und Büschen gesäumt.

Ach, gäbe es doch mehr an derartiger Wegsubstanz in unserem Ländle. Ich würde glatt meine Schlagzahl an Schritten verdoppeln.

Sieht aus wie eine Alpenpassstrasse in den 1920er-Jahren, ist aber das Strässchen vom Weissenburgberg ins Buuschental. 

Beginn der traumhaften Passage zwischen Moos und Tal.

Die 1 Meter hohe Stützmauer auf dem Abschnitt Moos–Tal, gesäumt von Ahorn-Bäumen.

Blick zurück auf dem genannten Abschnitt. Schönes Detail rechts mit der in der Trockensteinmauer eingelassenen Steinbank.

Die Wegverbindung vom Weiler Allmenden nach Erlenbach ist vom IVS als Strecke von lokal-historischer Bedeutung eingestuft worden. Oben rechts der Niesen.