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11. Mai 2026

Zu klein für den lieben Gott

Monique Laederach: Zu klein für den lieben
Gott, Bänziger/Ex Libris, Zürich, 1988
Anfang 1940, in einem kleinen Schweizer Dorf an der französischen Grenze. Während drüben die Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen voranschreitet geschieht im Dorf fast nichts. Die Männer sind auf den Hügelkämmen, bewachen die Grenze. Im Dorf sind beinahe nur Frauen, die den Lauf der Ereignisse abwarten. Im Mittelpunkt des Romans stehen drei dieser Frauen: Judith, ihre Schwester Carole, ihre Mutter.

Der Krieg wirft seine Schatten auch auf die alltäglichen Handlungen der Menschen im Dorf. Die Isolation und Enge bringt Gefühle zum Ausbruch, die jeder in sich trägt: Angst, Schwäche, Resignation, Rassismus. Die Frauen erleben den Krieg in Schweigen und Beklemmung. Judith, die 24-jährige Übersetzerin, versucht dennoch die wahren menschlichen Gefühle zu bewahren. Sie sieht sich dabei der Zerbrechlichkeit ihrer Schwester und der Abhängigkeit von ihrer Mutter, aber auch ihrer eigenen Verbitterung und Intoleranz gegenüber. Der Tod der Mutter führt zu Versöhnung und Beruhigung. (Klappentext)

NE: Les Brenets, Doubs, Saut-du-Doubs, Lac des Brenets, Les Frêtes, Caroline, Le Locle, La Chaux-de-Fonds, Neuenburg, Bahnlinie Le Locle–Les Brenets

18. Dezember 2025

Retro 2025 – 6


Anfang Juni fuhr ich ins Vallée des Ponts. Jaja, das gibt es tatsächlich und liegt nicht etwa im fernen Frankreich, sondern unweit von La Chaux-de-Fonds im schönen Neuenburger Jura. Unweit von Les Ponts-de-Martel liegt der geografische Mittelpunkt des Kantons Neuenburg. Im Rahmen meines Projektes, alle geografischen Mittelpunkte der 26 Kantone wandernd anzusteuern, unternahm ich also diesen Abstecher in das topfebene Hochtal.

In der Umgebung von Les Ponts-de-Martel wurde einst Torf abgebaut. Die betreffenden Zonen haben sich inzwischen – auch dank der Bemühungen von Naturschutzorganisationen – zu wunderbaren Biotopen entwickelt, die unter Schutz stehen. Durch die grösste dieser Zonen führt der Torfmoor-Lehrpfad. Ihn habe ich in die Rundwanderung integriert und war voll und ganz begeistert. Sei es von der Natur – als Moor bin ich vom Namen her Mooren sehr verbunden –, aber auch von den Informationen rund um den Torfabbau. So ist beispielsweise ein Abbaubagger erhalten geblieben, der auf eindrückliche Weise veranschaulicht, wie die Torfgewinnung damals vonstattenging.

13. September 2025

Eine Höhle als literarischer Schauplatz

Der unscheinbare Eingang zur Höhle


Neulich stattete ich dem Neuenburger Jura – ein wenig Waadtland kam dann noch hinzu – ein literaturgeschichtliches Besüchlein ab. Ich tat dies im Zusammenhang mit einem historischen Roman, der in absehbarer Zeit in meinem Verlag erscheinen wird. Besonders gespannt war ich auf einen kurzen Abstecher zu einer Höhle, die im Roman eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Allein der Zugang hatte es in sich. Ein mit Ketten gesicherter Pfad führte von einem Hochplateau durch eine Steilwand hinab zum Höhleneingang. Bewaffnet mit einer Stirnlampe befuhr ich die doch recht kurze Grotte bis zu ihrem Ende, das sich als Öffnung mitten in einer Felswand entpuppte. Dementsprechend atemberaubend war hier der Tiefblick ins enge Tal.

Blick vom Höhleneingang nach draussen


Die zweitägige Wanderung, vorbei an weiteren Schauplätzen des Romans – er spielt übrigens zur Zeit des Franzoseneinfalls am Ende des 18. Jahrhunderts –, hat mir einmal mehr die Schönheit des Westschweizer Juras vor Augen geführt. Daher freue ich mich schon jetzt auf die Veröffentlichung des Titels, über den ich an dieser Stelle bewusst nicht mehr verrate.

Nach 2/3 des mit einer Kette gesicherten Höhlengangs wartet diese Säule

Die Höhle endet bei einem anderen, von aussen kaum zugänglichen Eingang

Blick von oberhalb der Höhle in die nahe Umgebung


23. November 2023

Schützenhilfe

Gabriel Anwander: Schützenhilfe,
Limmat Verlag, Zürich, 2011
Am Stadtrand von Bern sitzt Anwalt Schild beim Essen. Just als seine Frau in die Küche geht, tritt jemand aus dem Garten ins Haus, erschiesst ihn und verschwindet wieder. Sein aktueller Mandant war ein Finanzbetrüger, der sich nach Lipari abgesetzt hatte …

Der Ex-Polizist Alexander Bergmann hält sich mit Schnüffelarbeiten über Wasser und träumt von einer grossen Aufgabe. Jetzt erhält er von Schilds Chefin den Auftrag, dessen Mörder zu suchen, beziehungsweise möglichst viele Indizien und Beweise zu sammeln. Da sie selbst darauf spezialisiert ist, Anklagen zu zerpflücken, um Schuldige freizubekommen, fürchtet sie, dass es auch für den Mörder ihres Angestellten am Ende nicht für eine Verurteilung reichen könnte. Bergmann lehnt ab – bis sie mit einem grösseren Geldbetrag winkt … Immer leicht überfordert, beginnt er zu ermitteln. (Klappentext)

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Rubigen, Langnau, Psychiatrische Klinik Münsingen NE: Neuenburgersee

11. November 2023

Reise nach Amerika

Markus Michel: Reise nach Amerika,
Zytglogge, Bern, 1991
Brienz, Bern, Amerika. Die meisten kommen nie bis Amerika. Der Berner Oberländer Joli kam als Seifen- und Heiligenbildchenhändler bis in den Jura und ins Wallis, bevor er sich in Bern niederliess. Dort verdiente er den Lebensunterhalt für sich und seine Familie mit Büroarbeit. Geld war nie viel vorhanden. Jolis Familie war gross und der Beamtenlohn gering. Manchmal schrieb Joli Zugsverbindungen aus dem Fahrplan ab, nach Wien vielleicht, oder nach Milano. Von Amerika träumte Joli. Dort lag das Geld auf der Strasse, man brauchte sich nur danach zu bücken. Jolis Land der unbegrenzten Möglichkeiten war das Berner Stadttheater. Hier verbrachte er seine ganze Freizeit, als Obmann der Statisterie.

Auch Frau Joli träumte von Amerika. Abends, wenn sie mit den Kindern allein zuhause sass, erzählte sie von ihrer Schulfreundin Hilde, die als einziges Mädchen die Reise nach Amerika gewagt hatte. Frau Joli malte sich und ihren Kindern aus, was Hilde auf ihrer Reise erlebt haben könnte. Nach einigen Jahren kehrte Hilde mit zwei Kindern ohne Vater zurück. Ein Traum mehr, der ausgeträumt war.

Markus Michel zieht in seinem Roman immer weitere Kreise um Joli, baut dessen Familie, Geschichten von Brienzerinnen und Brienzern und Hildes Reise nach Amerika ein. Er holt die Lebensverhältnisse der nicht privilegierten Leute ans Licht, deren Leben aus Billig-Angeboten, Dienen bei fremden Leuten, der Schande unehelicher Kinder und der Schadenfreude der Nachbarn bestand. In der kleinbürgerlichen Enge hatte Amerika Platz im Kopf, aber keinen im Alltag.
(Klappentext)

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Brienz (Hauptschauplatz), Köniz, Meiringen, Gümigen, Iseltwald, Interlaken, Unterseen, Hofstetten b. Brienz, Brienzersee GE: Stadt Genf NE: Stadt Neuenburg SO: Grenchen VD: Montreux VS: Sion, Rhonetal F: Paris D: Dresden

16. März 2020

Feuerwasser

Paul Lascaux: Feuerwasser, Gmeiner,
Messkirch, 2009
Im idyllischen Justistal im Berner Oberland prallen Gegensätze aufeinander: Die Eidgenössischen Kraftwerke planen dort den größten Stausee der Schweiz, ein einflussreicher Dorfbewohner möchte an gleicher Stelle einen riesigen, voralpinen Fun-Park errichten. Dann werden innerhalb kurzer Zeit die Verantwortlichen beider Projekte auf grausame Weise ermordet.

Die Berner Polizei steht zunächst vor einem Rätsel, ebenso wie das agile Detektivduo Heinrich Müller und Nicole Himmel. Doch dann kommen die Ermittlungen ins Rollen: Müller & Co- stossen auf geheimnisvolle Militärgebirgsfestungen aus dem Zweiten Weltkrieg, degustieren Wasser und Eau de Vie und begegnen Alpenbewohnern, die mehr wissen, als sie zugeben wollen ...
(Klappentext)

BE: Bern, Sigriswil, Justistal, Seefeld, Obere Zettenalp NE: Môtiers, Poëta Raisse

8. Dezember 2019

Rätselhafter Tod in Zähringen

Handruedi Gehring: Rätselhafter Tod in
Zähringen,
Orte, Zürich, 2001
Nachdem der Psychoanalytiker Josef Weingart durch den Biss einer Schlange im Spital stirbt, muss Marlis Merz den Fall untersuchen. War es ein Unfall? Oder ein Selbstmord? Hatten Dritte die Hand im Spiel? Der Krimi beginnt wie eine klassische Detektivstory im Geiste Sherlock Holmes'. Doch nicht allein, weil die sensible Kommissarin das Opfer gekannt hat, bedrücken ihre Ermittlungen sie; ebenso werden diese zu einem Abstieg in Vergessenes und Verdrängtes der eigenen Vergangenheit. Sie muss erkennen, dass Unheimliches gerade dort lauern kann, wo man Zuflucht sucht, etwa am Stammtisch mit alten Freunden. Was sich hier zuträgt in den verwinkelten Gassen der Zähringer Altstadt, im Seeland und in den Bündner Bergern, wird keine Leserin, kein Leser so bald vergessen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern BS: Stadt Basel FR: Murten, Estavayer-le-Lac GE: Puplinge, Cara b. Puplinge, Stadt Genf GR: Poschiavo, Val da Camp JU: Lucelle NE: Neuenburgersee VD: Bière, Grandvaux, Rivaz, Neuenburgersee F: Evian-les-Bains I: Mailand


6. Dezember 2019

Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen

Christoph Simon: Franz oder Warum Antilopen
nebeneinander laufen
, Bilgerverlag, Zürich, 2001
In der Hauptrolle: Franz, der ewig bekiffte Gymnasiast, der die Oberstufe lieber bis zum Umfallen wiederholt, als - Gott bewahre - erwachsen zu werden und sich der fürchterlich komplizierten Welt da draussen zu stellen. Mit im Gepäck sein Dachs MC, der ideale beste Freund. In den Nebenrollen: Franz' Kumpel Rambo Riedel, der unvergleichliche und dezent alkoholabhängige Hausmeister Eryilmaz, die Ex-DDR-Lehrerin Doro Apfel - ach, und dann ist da natürlich noch Venezuela, das Mädchen aus der Nachbarschaft, heissblütig, militant und andauerndes Thema aller Tag- und Nachtträume von Franz.

AR: Urnäsch BE: Thun (namentlich Lerchenfeld, Gymnasium Schadau, Regionalspital, Schorenfriedhof, Lauitor, Bushaltestelle Kaserne, Schwäbis, Waisenhausplatz, Bälliz, Burgstrasse, Obermattweg, Bahnhof, Rathausplatz), Oberhofen, Gürbetal, Weissenbach i.S. Müntschemier, Stadt Bern BE/NE/FR/VD: Neuenburgersee  SG: Rorschach, Buchs 

25. Dezember 2016

Im Röstigraben haust der Biber

Gleich zu Beginn der fünften Etappe meines Projektes «Die Koordinate» erwartet mich in La Neuveville ein auffrischender Nordwestwind. Hochnebel und düster das Licht. Nichts Neues im Vergleich zum Ende der letzten Etappe. Der Jurasüdfuss bleibt im Winterhalbjahr eine meteorologische Tristesse.

Am Yachthafen machen die letzten Kapitäne ihre Schiffe winterdicht. Und wie immer um diese Tageszeit bevölkern Hundehalter Strassen und Wege. Entlang von Autobahn und Eisenbahn strebe ich der Nordwestecke des Bielersees zu. Ein wüster Strassenviadukt zwängt sich durch Wohn- und Freizeitgebiete. Das Rauschen der vorbeifahrenden Autos ist trotz Lärmschutzwänden gut zu hören. Auf dem See schwimmen Hunderte von Enten. Am Horizont die Silhouette der St. Petersinsel und dem Städtchen Erlach. Auf ein Uferwäldchen folgt der nächste Yachthafen. Am nahen Zihlkanal frischer Biberfrass. Der Nager muss neu sein in der Gegend. Ein einziger Baum hat er sich bislang vorgenommen.

Mittlerweile habe ich den Zwei-Kilometer-Korridor verlassen. Die Binnenschifffahrtsverordnung lässt es leider nicht zu, den See mit einem Schlauchboot zu überqueren. Für einen Kilometer folge ich dem Kanal stromaufwärts, den steifen Wind nun von vorn. Die Justizvollzugsanstalt St. Johannsen rückt ins Blickfeld. Auf der Website des Kantons Bern lese ich zu Hause mit mulmigem Gefühl: «Willkommen in der Justizvollzugsanstalt St. Johannsen». Nach dem per Ende Oktober 2016 geschlossenen Jugenheim Prêles, ist dies die zweite Institution für aus der Norm gefallene Menschen, der ich begegne. Weitere Nachforschungen führen mich auf eine Website, die über das Museum St. Johannsen informiert:

«Im Jahr 1096 wurde auf dem Gebiet zwischen der Zihlbrücke, Erlach und Le Landeron die Benediktinerabtei St. Johannsen gegründet. Von 1528–1798 wurde die Abtei zum bernischen Landvogteisitz und diente ab 1883 als Strafanstalt für Männer und Frauen. Seit 1911 wird St. Johannsen als kantonales Massnahmenzentrum für Männer geführt. Die bewegte Geschichte der Anlage ist nicht ohne Spuren an ihr vorbeigezogen. Im historischen Teil des Zentrums wurde jedoch viel bewahrt. Im dort eingerichteten Museum werden Funde aus zahlreichen Ausgrabungen beherbergt. Hunderte von romanischen und gotischen Werkstücken sowie eine reiche Plan- und Bilddokumentation geben Einblick in das Bauwesen des Mittelalters.  Wer sich für das Bauwesen der romanischen und gotischen Epoche interessiert, ist hier am richtigen Ort.» Das Museum ist indes nur für Gruppen und auf Voranmeldung zugänglich.

Grün die Begrenzung des Zwei-Kilometer-Korridors. In der Mitte die Koordinate 574, der ich vom Pruntruter Zipfel bis ins Unterwallis folge.


Mit der Überquerung des Zihlkanals verlasse ich für den Rest dieser Etappe das französische Sprachgebiet, wechsle also über den vielzitierten Röstigraben in die Deutsschweiz. Kurz vor Erreichen des Bielersees hat mich mein Korridor wieder. Und beim Campingplatz von Erlach treffe ich auf die Koordinate 574, den roten Faden dieses Wanderprojektes. In Erlach ist dieses Jahr die 1962 gegründete Band Status Quo aufgetreten. Wenige Stunden nach meiner Erlacher Passage berichten die Medien, dass Rick Parfitt, der blondhaarige Gitarrist der Band, heute im Alter von 68 Jahren an einer Infektion gestorben ist.

Das im Sommer betriebsame Erlach ist wie ausgestorben. In einer Zick-Zack-Linie rücke ich in südlicher Richtung vor. Am Horizont sehe ich noch einmal die markante Silhouette des alten Ortsteils von Erlach mit dem Schloss. Leicht ansteigend nähere ich mich dem Aussichtspunkt St. Jodel. Ausgerechnet hier, auf dem höchsten Punkt der alten Strassen Ins–Erlach und Ins–Lüscherz–Biel, bläst der Wind am stärksten. Ums Jodeln ist mir also nicht zu Mute. Dafür erfahre ich, dass hier einst eine Wegkapelle stand, die an Theodorus aus Octodurus (Martigny) erinnerte, den ersten historisch fassbaren Bischof von Sion. Aus dem Namen Teodorus war Theodul geworden. Letzterer nennt man auch Joder oder eben Jodel. St. Jodel diente bis zum Ende des Alten Bern auch als Hochwacht. Der sogenannte «Chutz» wurde um 1800 entfernt.

In den Alpen herrscht noch Föhn, weshalb ich für einen kurzen Moment die Berner und Freiburger Voralpen sehe, ehe ich nach Ins gelange. Imposant die Kirchenanlage, vor allem weil sich das Pfarrhaus mitsamt den dazugehörigen Nebengebäuden mächtiger gibt als die eher bescheidene Kirche mit ihrem niedrigen Turm. Im Gotteshaus ist alles vorbereitet für den Weihnachtsgottesdienst. Beim Ausgang nehme ich mir «Ds Lukas-Evangelium bärndütsch». Das Büchlein ziert ein sitzender Junge. Gezeichnet hat ihn Albert Anker, der wohl berühmteste Inser aller Zeiten.

22. Dezember 2016

Das Freudenkind

Katharina Zimmermann: Das Freudenkind,
Zytglogge, Oberhofen, 2003
Katharina Zimmermann, die als Kind selber die Zeit des Zweiten Weltkriegs erfahren hat, lebt in Gedanken mit Angelika und dem jungen Staš und sieht hinter den vordergründigen Bildern der Reise nach Siennów langsam die Liebesgeschichte entstehen, die im Winter 1942/43 in einem Truber Schulhaus bei einer Mozartsonate ihren Anfang nahm. Der Autorin gelingt es wiederum unnachahmlich, ein Geflecht von genau recherchierter Zeitgeschichte und einer persönlichen, grenzüberschreitenden Biografie herzustellen.

BE: Stadt Bern, Dürrenroth, Trub, Twärengraben GR: Tomülpass NE: Le Locle, Les Brenets

Anmerkung
Unter dem Label Schauplätze stelle ich in lockerer Folge belletristische Werke und die darin vorkommenden Schauplätze vor. Weshalb nach der Lektüre eines Romans nicht einmal den Schauplatz im Original besuchen? Es eröffnen sich einem unter Umständen neue Welten.

27. März 2016

Frühlingswarm am Bielersee

Wer in die Röhre guckt, hat auch mal gewonnen. Am Rande von Le Landeron (NE)


Sind die winterlichen Hochnebeltage im Seeland einmal vorbei, lässt es sich dort vortrefflich wandern. Gestern ging ich von Le Landeron nach Tüscherz. Eine Mischung aus Reben- und Waldwanderung. Besonders erwähnenswert scheint mir der Abschnitt La Neuveville – Ligerz zu sein. Hierbei begeht man auf einem guten Fusspfad unter Naturschutz stehendes Waldgelände. Weil Bäume und Büsche noch blattlos, sah ich die St. Petersinsel buchstäblich laufend näher rücken. In Ligerz wartet das Kalenderblattknirchlein mit Bielersee und Alpenkranz im Hintergrund. Famoses Bild! Auf Schritt und Tritt stoben zudem die Eidechslein von dannen. Höhepunkt war indes eine im Laub sich verkriechende Schlange, vermutlich eine Ringelnatter. So wie gestern ist die Gegend am Jurafuss erträglich, wenn auch der Autolärm zwischendurch ziemlich stört.

Kaiserwetter vom Jura bis hin zu den Alpen. Kirche von Ligerz mit St. Petersinsel (BE). Oben links die Blümlisalp.

Im Winzerdorf Twann.

18. Februar 2016

Un défi pour la Nature

Loïc Quintin: Un défi pour la nature,
Édition du Belvédère, Pontarlier, 2004,
épuisé
La première traversée intégrale et en solitaire du Massif jurassion franco-suisse à raquettes.

«Je regarde dans le rétroviseur le parcours accompli non seulement dans le Massif jurassien, mais aussi dans ma vie. Je mesure le chemin réalisé. J’évalue l’avenir à partir de ce passé et de ce présent intenses.  Je revis le passage mouvementé au Chasseral, la tempête et le déluge, l’apparition des chamois, les chevreuils graciles, le silence impénétrable des vastes forêts, les larges combes, les crêts scintillants, les rencontres pittoresques, et la neige poudreuse qui m’aura porté pendant trois cents trente kilomètres et trente et un jours. Cette neige qui m’entoure à l’entrée du village. Cette neige que je saisis à poignée pour mieux m’en imprégner. Doucement, elle s’écoule entre mes doigts comme s’écouleraient des larmes d’émotion si je ne me retenais. Emotion d’en terminer. Emotion de retrouver les miens. Dilemme que tout aventurier, marcheur au long cours, explorateur rencontre. Partir, c’est revenir. Revenir, c’est partir.»

Cette traversée de l’Arc jurassien franco-suisse prolonge l’action militante de Loïc Quintin pour que la montagne mais aussi la terre entière soit le moins possible agressée, balafrée, meurtrie. Pour qu’enfin l’Homme prenne conscience qu’il n’est qu’un passage, qu’il se sauvera lui-même en sauvant son environnement …

16. Juni 2015

Den Uhrwald gibt's tatsächlich


Als wir neulich von der Vallée des Ponts im Neuenburger Jura über die Anhöhe des Mont Racine nach Neuenburg wanderten, entdeckten wir den mir bis dato unbekannten Sentier des sculptures. Dieser zickzackt den Wald südlich von La Sagne hoch und endet in superber Juraweide. Die Holzschnitzer haben auf humorvolle und mitunter kunstreiche Art einen Weg geschaffen, der nicht nur Kinder begeistert. Mir jedenfalls ist es so ergangen. Und seither weiss ich auch, dass der Uhrwald nicht bloss eine Wortspielerei ist, es gibt ihn wahrhaftig! Weitere Bilder gibt es auf meiner Fotoseite.

Ausgehend vom Bahnhof La Sagne (NE), wird der Skulturenweg am Mont Racine in 20 Minuten erreicht.

10. Februar 2015

Gelungener «Schachzug»

Rolf von Siebenthal, Schachzug,
Gmeiner Verlag, Messkirch, 2013
Liestal im Baselland. Ein präziser Schuss aus 600 Metern Entfernung reisst Marcel Laval, einen aufstrebenden Manager, aus dem Leben. Der Journalist Max Bollag, der Schwager des Toten, macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Er hofft auf neuen Schwung für seine stockende Karriere und die kriselnde Ehe. Bei seinen Recherchen stösst Bollag auf einen Gegner, der eine Mission zu erfüllen hat – und keine Gnade kennt. (Klappentext)

Rolf von Siebenthals Erstling im Gmeiner Verlag ist sehr gelungen. Reale, authentisch beschriebene Schauplätze, eine mit viel Verve vorangetriebene Handlung sowie eine Prise Ironie bilden die Zutaten zu diesem Krimigenuss. Schön, dass mit Höllenfeuer bereits ein Zweitling greifbar ist. Ich werde dranbleiben.

Der Autor mit Jahrgang 1961, ist ausgebildeter Sprachlehrer. Er arbeitete viele Jahre bei einer Tageszeitung und im Schweizer Verkehrsministerium, heute ist er selbstständiger Journalist und Texter. Er lebt mit seiner Familie in der Nordwestschweiz.

BL:  Seltisberg, Liestal, Pratteln, Birsfelden, Rhein, Muttenz, Sissach, Lausen, Häfelfingen, Frenkendorf, Gelterkinden, Reinach BS: Stadt Basel BE: Lötschbergtunnel, Lötschberg Nordrampe, Stadt Bern SO: Autobahnraststätte Deitingen VD: Eisenbahnwerkstätte Yverdon JU: Waffenplatz Bure

22. Dezember 2014

Gleis 4

Franz Hohler, Gleis 4, btb, München,
2015. Die Erstausgabe erschien 2013 im
Luchterhand Verlag, München
Eigentlich will Isabelle nur für ein paar unbeschwerte Tage in den Urlaub nach Italien fliegen. Doch dann bricht der ältere Herr, der ihr am Bahnhof zum Flughafen freundlicherweise den Koffer zu den Gleisen hinaufträgt, plötzlich tot zusammen. An Urlaub ist daraufhin für Isabelle nicht mehr zu denken. Denn nicht nur fühlt sie sich unschuldig schuldig an dem Tod des Unbekannten, sondern sie möchte auch unbedingt herausfinden, wer der Verstorbene gewesen ist. Und damit gerät sie in eine ebenso ungeheuerliche wie geheimnisvolle Geschichte, die ihr gewohntes Leben völlig durcheinander rüttelt. (Inhaltsangabe im Buch)

NE: Cortaillod, Bahnhof Neuchâtel SZ: Rigi Kulm, Grosser Mythen ZH: Bahnhof Oerlikon, Friedhof Nordheim Oerlikon, Oerlikon, Stadt Zürich (Grossmünster, Lindenhofplatz, Museum Rietberg, Hauptbahnhof), Stadtverwaltung Uster, Volketswil, Jugendstrafanstalt Uitikon

Franz Hohler sollte mehr Romane schreiben – hätte mehr Romane schreiben sollen!

27. Oktober 2014

Neulich in 2400


Le Locle (NE) … und weit und breit kein Mensch, dem diese Treter gehören könnten.

12. Mai 2014

Unruhen

Werner Bucher: Unruhen, Appenzeller
Verlag, Herisau, 1998
Unruhen, innere und äussere, dies ist das Thema dieses faszinierenden Buches. Kaum je dürfte in der neueren Literatur das Denken, Fühlen, Hoffen und Leiden eines Pfarrers so unmittelbar ins Wort umgesetzt worden sein wie im Roman von Werner Bucher. Mit Unruhen ist ihm ein gültiges Dokument über die Zürcher Jugendunruhen gelungen. Er hat in der Abgeschiedenheit des hügeligen Appenzellerlandes einen klassischen Bildungsroman geschrieben, der die Bewegung ins Bewusstsein zurückruft, die Anfang der 80er Jahre das satte Selbstverständnis der Schweiz in Frage gestellt hat. (Klappentext)

Dieser hervorragende Roman von Werner Bucher ist gleichzeitig auch ein Reiseroman, wie die nachfolgenden Schauplätze andeuten. Der Road-Movie in Prosa führt den Protagonisten, Priester Martin Jurt, zu Fuss von Moutier nach Villefranche. Ein absolut lesenswertes Buch, das der Verlag in verdankenswerter Weise immer noch vorrätig hat.

AG: Abtwil (Hauptschauplatz), Meienberg, Wohlen, Sins, Auw, Muri, Lindenberg, Holderstock, Aristau BE: Moutier, Perrefitte, Moron, SAC-Hütte auf dem Moron, Loveresse, Reconvilier, Tavannes, Sonceboz, Chasseral, Inselspital Bern GR: Chur LU: Lindenberg, Oberebersol, Hitzkirch, Baldegg, Schloss Heidegg Gelfingen, Hohenrain, Ballwil NE: Les Bugnenets, Le Pâquier, Villiers, Dombresson, St-Martin, Chézard, Cernier, Fontainemeleon, Les Hauts-Geneveys, Les Grandes Pradières, Mont Racine, La Sagne, Vallée des Ponts, Les Ponts-de-Martel, Fleurier, Chapeau Napoléon, Buttes, La Côte-aux-Fées, L'Auberson ZG: Zugerberg ZH: Stadt Zürich (Niederdorf, Seebach, Helvetiaplatz, Polybahn, Fluntern) F: Chappele Mijoux, Les Hôpitaux-Vieux, Labergement-Ste-Marie, Mouthe, Châtelblanc, Foncine-le-Haut, St-Laurent-en-Grandvaux, St-Maurice-en-Montagne, St-Pierre, Clairvaux-les-Lacs, Moirans-en-Montagne, Lac de Vouglans, Cernon, Arinthod, Chisséria, St-Hymetière, Valfin-sur-Valuse, Villeneuve-les-Charnod, Montfleur, Chavannes-sur-Saône, Simandre, Jasseron, Bourg-en-Bresse, St-Denis-les-Bourg, St-Rémy, St-André-le-Bouchoux, Châtillon-sur-Chalaronne, Sandrans, Ambérieux-en-Dombes, Savigneux, Ars, Villefranche, Lyon

14. Juni 2013

Mordswein

In einer neuen Serie unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen. Den Beginn macht heute der in Bern beheimatete Paul Lascaux, alias Paul Ott.

Am Jurasüdfuß in der beschaulichen Winzerregion zwischen Bielersee und Neuchâtel sterben innerhalb von einer Woche zwei Vertreter der Staatserhaltenden BürgerPartei SEBP unter mysteriösen Umständen: Hubert Welsch wird in einer Wolfsfalle gepfählt, Henri Knecht erliegt auf der Terrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel einem gezielten Schuss aus einer Pistole. Zunächst wird ein politischer Hintergrund vermutet. Die Ermittler der Berner Detektei Müller & Himmel finden jedoch heraus, dass es um weitaus mehr geht. Und dann taucht in einer Zeitung eine Todesliste auf, die weitere Opfer ankündigt … (Klappentext)

Paul Lascaux: Mordswein, Gmeiner,
Messkirch, 2011

Bern
Bern
Biel
Erlach
Gaicht
Ligerz
St. Petersinsel
Schernelz
Tessenberg
Twann

Neuenburg
Neuenburg, Centre Dürrenmatt
Champ du Moulin