10. September 2021

Niedergang

Roman Graf: Niedergang, btb, München,
2015

Ein junges Paar bricht zu einer Tour in die Schweizer Berge auf. André und Louise wollen hoch hinauf und scheinen für ihr Abenteuer gut gerüstet. Doch je näher sie dem Gipfel kommen, desto mehr entfernen sie sich voneinander. Als Louise aufgibt, ist das für André kein Grund, es ihr gleichzutun. Denn er will, ja er muss zu Ende bringen, was er einmal angefangen hat. (Klappentext)

Moors Fazit: Was ich nicht verstehe: Weshalb schafft es ein solcher Roman mit Platitüden, unrealistischen Landschaftsbeschreibungen, einer lapidaren Handlung sowie einem Ende, das der Titel schon vorgibt, in die Nomination für den Schweizer Buchpreis? Bin ich zu anspruchsvoll, oder ist das literarische Niveau nicht mehr dasselbe wie vor 10 oder 20 Jahren?

9. September 2021

Achtung Baby!

Michael Mittermeier: Achtung Baby!
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010
Jahrelang hat Michael Mittermeier auf der Bühne Spässe über junge Eltern gemacht. Vor Kurzem ist er selbst Vater geworden. Wie seine Tochter sein Leben verändert und worüber er jetzt lacht, erzählt er in diesem Buch.

«Achtung Baby!» ist ein wunderbar selbstironischer und herzzerreissend ehrlicher Bericht über eine Zeit im Leben, in der sich Gefühle von Stolz, Unsicherheit und Glück rasant abwechseln. Eins ist danach klar: Das Leben mit Kindern ist anders als man denkt, nämlich viel lustiger. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein mitunter zum Brüllen lutiges Buch. Wäre ja auch gelacht, wenn der Mittermeier bei diesem Thema nicht aus dem Vollen geschöpft hätte. Daher: beste Unterhaltungsliteratur für alle, egal ob Kindermuffel oder Kinder-Nerd.

8. September 2021

Die Spirale – Etappe 7

Mit der Rucksackfähre über die Aare: von Boll-Utzigen nach Belp-Steinbach.

Über fünf Monate sind es nun her, seit ich die letzte Etappe meiner Wanderspirale absolviert habe. Nicht, dass mir das Projekt etwa verleidet wäre, ganz im Gegenteil, doch die Route der Etappe 7 bedingte die Überquerung der Aare mit einem Boot, was angesichts der Wetter- und Hochwasserverhältnisse der vergangenen Monate ein Ding der Unmöglichkeit war.

Am vergangenen Sonntag waren die Gegebenheiten indes perfekt, so dass ich die Fortsetzung der Spirale an der Haltestelle von Boll-Utzigen in Angriff nehmen konnte. Unter einem Himmelblau der Superlative zog ich Richtung Dentenberg, den es zum zweiten und letzten Mal im Rahmen dieses Projektes zu überschreiten galt. Oben angekommen zeigten sich vor der splendiden Aussicht auf die Alpen ein in Weiss gedeckter Tisch mit Rednerpult, daneben ein Abendmahlskelch, eine Kerze und eine Vase mit Blumenbukett. Auf der Wiese hinter der pfarrherrlichen Anordnung mehrere Reihen Festbänke und ganz rechts ein aus Bläserinnen und einem Bläser bestehendes Kirchenorchester. Noch waren kaum Gottesdienstbesucher anwesend. Die Musikusse nutzten die Gunst der Stunde und übten noch das eine oder andere Stück.

Die Heile-Welt-Idylle wurde leider durch zunehmenden Autoverkehr getrübt. Alle wollten sie auf den Dentenberg, in die Beiz, zum Gottesdienst, zum Spazieren, zur Erholung. Da kam für mich der Ruf der Ebene gerade recht. Gemütlichen Schrittes stieg ich durch eine Wohnlage für Mehrbessere nach Rüfenacht hinab, überquerte daselbst einmal mehr die Geleise des «Blauen Bähnlis» und verschwand im morgenkühlen Hüenliwald. Das erfrischende Waldbad war nur von kurzer Dauer und der Asphalt des «Bahnhofsträssli» hatte mich wieder. Welch seltsamer Name einer Strasse, wo sich doch weit und breit kein Bahnhof befand. Nun, die Bezeichnung dürfte wohl aus früheren Zeiten stammen, wo das nahe Allmendingen über eine abseits des Dorfes gelegene Haltestelle an der Bahnstrecke Bern–Thun verfügte. Mitten im Ort dient heute eines der beiden ehemaligen Wartehäuschen als Unterstand für Buspassagiere. Auf dem Dach prangt das alte Emailschild der SBB-Haltestelle in weisser Schrift auf blauem Grund.

Hinter Allmendingen senkte sich der Weg hinab zur Autobahn A6, deren Lärm permanent auf die nähere und weitere Umgebung brandete. Ein letzter Abstieg führte mich an einen Seitenarm der Aare, diesem folgend ich schliesslich zur eigentlichen Aare gelangte. Mit leicht erhöhtem Puls nahm ich einen Augenschein der Szenerie, insbesondere von der Fliessgeschwindigkeit der Aare. Würde ich mit meinem Mini-Packraft das andere Ufer erreichen, ohne gleich kilometerweit abgetrieben zu werden?

Kribbelig wie ich war, begann ich auf einem Sporn das Raft von Hand aufzublasen. Dann noch kurz der wasserdichte Rucksack auf dem Bug festgezurrt, die Schwimmweste montiert und los ging's! Die Strömung hatte im Nu meine Nussschale gepackt, so dass ich mich mit dem Doppelpaddel hart ins Zeug legen musste. Ich gebe es gerne zu, am liebsten hätte ich das gegenüberliegende Ufer sausen und mich bernwärts treiben lassen. Die Vernunft gewann freilich die Oberhand, und ehe ich mich's versah, kam der Sporn, den ich zum Anlanden ins Auge gefasst hatte, in Griffnähe. Nach rund drei Minuten war der Spuk vorüber und schon lagen meine Siebensachen zum Trocknen an der Sonne.

Zurück auf der Spiralwanderstrecke gelangte ich strammen Schrittes in die Industriezone von Belp. Mei, was herrschte hier für ein Verkehr! Ich fragte mich, ob dies am Sonntagmittag immer der Fall sei, oder ob dies lediglich eine der vielen Auswirkungen des an diesem Tag stattfindenden Ironman-Switzerland-Rennens darstellte. Wenige Minuten vor meinem Ziel in Belp-Steinbach überquerte ich bei einem mit mehreren Verkehrspolizisten bestückten Kreisel die Rennstrecke und war glücklich, meinen seit langem fälligen «Duathlon» siegreich bestanden zu haben. Auf den kommenden sechs Etappen der Wanderspirale wird das Packraft indes zu Hause bleiben, ehe dann über den beschaulichen Wohlensee gepaddelt wird. Eine ausführliche Bildstrecke dieser 12,3 km langen Etappe gibt es hier.

In Grün das Ergebnis von 7 Etappen auf der Wanderspirale.

7. September 2021

Der zweite Nansen

Es ist an der Zeit, dass hier wieder einmal über meinen kleinen Verlag, die Edition Wanderwerk, berichtet wird. In letzter Zeit sind nämlich – von der Lokal-, National- und Weltpresse einmal mehr schnöde ignoriert – weitere Bücher erschienen. Es waren dies einerseits Neuauflagen, so zum Beispiel «Gehzeiten», «Rucksacktage» oder «Aargau rundum» als auch eine neue Publikation mit dem schönen Titel «Freiluftleben». Stammen die ersten drei Bände von mir selbst, handelt es sich beim letztgenannten Buch um ein Werk des legendären Norwegers Fridtjof Nansen:

 «Am nächsten Morgen ging es über das Filefjell weiter nach Bjöberg. Gerade als ich von Breistölen aufbrach, ging die Sonne auf und ergoss ihre Röte über das Nebelmeer und die Berggipfel, die wie weissrote Zelte aus dem Nebel aufragten. Das Tal, aus dem ich kam, lag ganz unter den Nebelwogen verborgen. Über der Berglandschaft aber spaltete sich der Nebel immer mehr und mehr, so dass die Sonne in breiten Streifen durchdrang, während einzelne warmgetönte Nebelfetzen um die Gipfel krochen.»

Fridtjof Nansen, der Mann der Tat, der zähen Energie, der Sieger über die Gewalten des Polareises, weist uns den Weg zur Gesundheit und Freiheit. Er ist ein Erzähler, dem man sich mit Freuden anvertraut. In seinen Reiseschilderungen aus Norwegen, Island und Jan Mayen, führt der Friedensnobelpreisträger den Leser zurück zur Natur. Nansens Erlebnisse werden ergänzt mit einem Aufsatz von mir zum Thema «Friluftsliv» (Freiluftleben) und einem Gedicht von Henrik Ibsen. Nach dem im Jahr 2016 erschienenen «Im Eise begraben / Abenteuerlust» ist «Freiluftleben» der zweite Titel, der in der Edition Wanderwerk veröffentlicht wird. Hier kann er auch direkt bestellt werden.

6. September 2021

Jaun im Greyerzerland

Diverse Autoren: Jaun im Greyerzerland,
Deutschfreiburger Heimatkundeverein,
Freiburg, 1989
Jaun ist in vielfacher Hinsicht einzigartig, eine Gemeinde und Pfarrei der Rekorde! Ist es da verwunderlich, dass auch die vorliegende Monographie einen Rekordumfang aufweist? Trotz des Umfangs wird vieles nur angedeutet, manches überhaupt nicht erwähnt. So müsste etwa die Geschichte Jauns, die hier nur in Ansätzen dargestellt wird, erst noch aufgearbeitet, die sprachliche Entwicklung zusätzlich untersucht werden und vieles weitere mehr. 

Ist Jaun ein Sonderfall? Ja und Nein! In Jaun leben wie überall Menschen, die sich im Alltag behaupten müssen, ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Freuden kennen. Doch trifft für Jaun und seine Bewohner vieles zu, das im Kanton einmalig und einzigartig ist : Jaun ist das höchstgelegene Dorf des Kantons und die einzige deutschsprachige Gemeinde im sonst französischsprachigen Greyerzbezirk. Die Jauner sprechen einen eigenen, nur ihrer Gemeinde vorbehaltenen Dialekt, der – auch dies einmalig im Kanton – klar erkennen lässt, dass die Alemannisierung Jauns aus dem Simmental erfolgt ist. Die alte kulturelle Verbundenheit mit dem Simmental und dem Saaneoberland wirkt auch im Hausbau, in der Siedlungsart und – im Fall der Alten Kirche – beim Kirchenbau nach.

Jaun hat einen Wasserfall, wie es im Kanton keinen zweiten gibt, und nützt die Wasser des Jaunbachs im einzigen privaten Elektrizitätswerk des Kantons zur Stromerzeugung aus. In
Jaun führte man Auto- und Motorradrennen zu einer Zeit durch, als man andernorts Autos noch kaum zu Gesicht bekam (und schaffte die Rennen wieder ab, als man andernorts erst damit anfing!). Aus Jaun stammen Schweizermeister im Skilanglauf und die ersten Eigernordwandbezwinger Deutschfreiburgs!

Pfarrei und Gemeinde Jaun haben bis heute die Gütertrennung nicht vollzogen. Gemeinde- und Pfarreiversammlun finden jeweils nacheinander am gleichen Abend statt. Der Kampf ums Überleben in einer Umwelt, die in ihrer Kargheit keine Geschenke macht und gar oft zum Feind wird (Lawinen!), prägte das Volk, kittete es zusammen und liess es in der Religion Halt finden. Ist es da verwunderlich, dass es in Jaun-Im Fang drei Kirchen und ebenso viele Mariengrotten gibt und die Pfarrei Priester, geistliche Brüder und Schwestern in einer Menge hervorgebracht hat, die ihresgleichen im Kanton sucht? Wohl aus dem gleichen Geist des Sichbehauptenmüssens heraus stellte Jaun immer wieder .auch. in Politik und Wirtschaft überdurchschnittlich viele Persönlichkeiten. 

Schon diese paar Hinweise mögen genügen, um aufzuzeigen, wie sehr Jaun einer Monographie würdig ist. Zwischen der Idee des Jaunbuches und der Verwirklichung vergingen allerdings mehrere Jahre. Das Festlegen der Themen und die Wahl der Autoren – wobei möglichst viele Einheimische zu Wort kommen sollten –, die Bereitstellung und Durchsicht der zahlreichen Manuskripte, die Redaktion und Drucklegung waren sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Ich danke deshalb allen Autoren und Mitarbeitern nicht nur herzlich für den Beitrag, den sie an das Jaunbuch geleistet haben, sondern auch für die Geduld, die sie bis zur Herausgabe des Buches mit dem Redaktor hatten beziehungsweise haben mussten.

Beim vorliegenden Jaunbuch handelt es sich um einen Sonderdruck aus den gleichzeitig erscheinenden «Deutschfreiburger Beiträgen zur Heimatkunde», die vom Deutschfreiburger Heimatkundeverein herausgegeben werden. Allen, die zum guten Gelingen dieses Werkes beigetragen und mit ihrer finanziellen Unterstützung den Druck und die Herausgabe des Jaunbuches ermöglicht haben, sei ganz herzlich gedankt. (Vorwort von Moritz Boschung, Ehrenpräsident des Deutschreiburger Heimatkundevereins)

5. September 2021

Warum hast du dich nicht gewehrt

Rosalia Wenger: Warum hast du dich nicht
gewehrt, Zytglogge, Bern, 1982

Rosalia Wengers grosser Erfolg «Rosalia G. – ein Leben» hat vor allem die Autorin überrascht. Das Echo, das dieses Buch auslöste – sei es als Dokument aus einer Zeit, von der man plötzlich feststellte, dass man fast gar nichts wusste; sei es als Geschichte eines harten Frauenlebens – war überwältigend. Um ein überschaubares Buch zu erhalten, musste man aus dem umfangreichen Manuskript von «Rosalia G.» vieles auf später verschieben. Die Autorin: «Trotzdem wurmte es mich, dass nun so viele Geschichten nicht im Buch standen. Bei Lesungen las ich einige von ihnen immer wieder vor und hatte Erfolg. Diese «verlorenen Geisteskinder» habe ich nun gesammelt, bearbeitet und ergänzt.»

So ist nun ein Buch entstanden, das weiter in die karge Welt in der Lischern hineinleuchtet, das genaue Beschreibungen gibt von der harten Alltagsarbeit, von den Sorgen der kleinen Leute und den Benachteiligungen zuerst des Verdingkindes und später der Frau.

Diese Geschichten können nicht konstruiert werden; sie wurden aufgeschrieben von einer Frau, die das alles selber erlebt hat und im Alter die Kraft fand, Zeugnis abzulegen. Manchmal tagebuchartig, meist in kurzen, einfachen Geschichten treten Augenblicke, Gefühle, Ereignisse hervor, die wohl von einer düsteren Vergangenheit berichten, aber die frohen, ja fröhlichen Momente nicht vergessen. (Klappentext)

Die Autorin

Rosalia Wenger wurde am 5. Juni 1906 als uneheliche Tochter der Dienstmagd Rosina Wenger in Basel geboren. Ihr Vater war der deutsche politische Flüchtling Albin Lessing, der jedoch kurz nach der Geburt seiner Tochter in die USA emigrierte. Sie wuchs bei ihren Grosseltern auf dem Hof Lischern in der Nähe von Schwarzenburg im Kanton Bern auf. Die Grossmutter war ihre Ersatzmutter, da die Mutter über zu geringe finanzielle Mittel verfügte.

Schon als Elfjährige wurde Rosalia Wenger zu Fuhrhaltersleuten in Schwarzenburg verdingt. Als junge Erwachsene hatte sie als Dienstmädchen und Arbeiterin neun verschiedene Stellen in der ganzen Schweiz inne, bevor sie in Bern eine Berufslehre als Glätterin und Wäscherin absolvierte und als solche in Bern tätig war. 1932 heiratete sie den Arbeiter Werner Grützner, mit dem sie zwei Töchter hatte. Die Ehe stand wiederholt kurz vor der Scheidung, da sie ihr Mann zeitweise wie ein Dienstmädchen behandelte und ihr jahrelang Besuche und Reisen verbot.

1960 wurde sie vom Schwiegersohn ermutigt, ihre Zeit als Verdingkind, Arbeiterin, Dienstmädchen und unglückliche Ehefrau erzählerisch aufzuarbeiten. Nach dem Tod ihres Mannes trat Rosalia Wenger der Berner Frauenbefreiungsbewegung (FBB) bei. 1978 erschien ihre Autobiografie «Rosalia G.», die umgehend zu einem viel gelesenen Werk avancierte. Dafür erhielt sie 1979 den Buchpreis der Stadt Bern. Weitere Begebenheiten aus ihrem Leben, die nicht im ersten Buch Platz gefunden hatten, erschienen 1982 unter dem Titel «Warum hast du dich nicht gewehrt.» Rosalia Wenger starb am 5. Dezember 1989 im Alter von 83 Jahren. Nach ihr wurde 2004 bei der S-Bahn-Station Wankdorf in Bern ein Platz benannt.

4. September 2021

Tannöd

Andrea Maria Schenkel, Tannöd,
Nautilus, Hamburg, 2006
Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. Diese Spur muss der Leser aufnehmen.

Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mitverfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist. (Inhaltsangabe zum Buch)

«Tannöd» ist Andrea Maria Schenkels Debüt, für das sie den Deutschen Krimi Preis sowie den Friedrich-Glauser-Preis 2007 erhielt.

3. September 2021

Foroglio

Diverse Autoren: Foroglio, Agenziakay,
Foroglio, undatiert
Foroglio ist ein Ort, der aus vielen Orten besteht. Foroglio ist eine wunderbare Location. Um einen Tag zu verbringen, eine Woche, ein Leben. Um einen Film zu drehen. Um sich zu begeistern. Um auf Augen und Seele das einzigartige Zusammenspiel von Stein, Wasser und Himmel wirken zu lassen. Und darauf ins Flachland zurückzukehren und zu sagen: Ich war dort, wo die Welt entsteht. (Klappentext)

2. September 2021

Irinas Buch der leichtfertigen Liebe

Tim Krohn: Irinas Buch der leichtfertigen
Liebe, Diogenes, Zürich, 2000
Eigentlich will die in Paris lebende Russin Dunja ihrem Mann ein Fax nach Moskau schicken – dass es bei seiner Ex-Geliebten Ewa in Schweden landen wird, kann sie nicht wissen. Das fehlgeleitete Fax bringt Turbulenz ins Leben und die Phantasie der jetzigen und einstigen Liebenden. Als Ewa sich entschliesst, nach Paris zu fliegen, löst dies einen Wirbel von Missverständnissen aus. Und je mehr die Beteiligten die Verhältnisse in den Griff zu bekommen versuchen, desto grösser wird die Verwirrung.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Welt mehr Vorstellung als Wille ist, dass Erotik vor allem im Kopf entsteht – und dass die Liebe ein zauberhaftes, kompliziertes Ding ist. (Klappentext)

F: Paris RUS: Moskau S: Svärdsjö

1. September 2021

Das Freiburger Soldatenhaus

Diverse Autoren: Das Freiburger Soldatenhaus,
Chalet du Soldat, Fribourg, 1995
1945 beschloss eine Gruppe von Freiburger Offizieren, zu Ehren eines unbekannten Soldaten im Sinne eines Denkmals ein Chalet zu errichten. Es erhielt den Namen «Chalet du Regiment». Anlass dazu war die Kriegsmobilmachung. Umgesetzt wurde das Vorhaben zu Beginn einer Periode, die man als «Kalten Krieg» bezeichnet. Diese Epoche war charakterisiert durch die Konfrontation zweier Weltanschauungen, erstarrt unter einem Gleichgewicht des Schreckens durch nukleare und konventionelle Überrüstung. 

50 Jahre später präsentiert sich die Welt in einer veränderten Lage. Sie erlaubte es, ohne die Sicherheit unseres Landes zu gefährden, die wichtigste Reform der Armee seit ihrer Gründung an die Hand zu nehmen: die Armee 95. Die Armee 95 zeichnet sich aus durch eine neue Doktrin und veränderte Strukturen und führt zu einer Verjüngung sowie einer besseren Anpassung der Vorhandenen Mittel an die Aufgaben. Der sicherheitspolitische Bericht, der dieser Konzeption zugrunde liegt, hebt auch Fragen zur Zukunft unseres Landes hervor, die offen bleiben. Diese Fragen, seien sie allgemeinpolitischer oder sicherheitspolitischer Natur, müssen im Rahmen des Dialogs angegangen werden. 

Das Soldatenhaus ist ein symbolischer Ort der Begegnung zwischen Armee und Zivilleben, zwischen Generationen, die einen Moment ihrer Existenz teilen, mit unterschiedlichen Erfahrungen, aber einem gemeinsamen Ziel: der Schweiz und ihrer Bevölkerung eine Zukunft in Frieden und Wohlergehen zu sichern. Es ist ein guter Ort für einen offenen und konstruktiven Dialog. Um dorthin zu gelangen, braucht es körperliche Anstrengung. Aber oben angelangt, erlebt man Befriedigung über das erreichte Ziel. Gleich verhält es sich mit den Anstrengungen, die es braucht, um künftige Ziele unseres Landes zu erreichen. Die Lage des Chalets am Fusse der Gastlosen symbolisiert diesen Aspekt: ein Berg, der einlädt, ihn zu besteigen. Nicht als Hindernis, das es zu überwinden gilt, sondern als Herausforderung, neue Wege zu öffnen und andere Horizonte zu finden. Das Soldatenhaus möge somit ein Ort der Begegnung sein und zum Dialog einladen. Es soll dazu beitragen, Meinungsverschiedenheiten aufzulösen und einen Konsens im Interesse von uns allen zu finden. (Vorwort von Kaspar Villiger, damaliger Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartementes und zugleich Bundespräsident)