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12. Oktober 2025

Analog vs. digital



So sehr ich digitale Karten liebe: Wenn ich zu Fuss unterwegs bin, ziehe ich jeweils die analoge topografische Karte vor. Einerseits bietet sie mir die bessere Übersicht, andererseits zwingt sie mich, ehrliche Kartenlesearbeit zu verrichten und ermöglicht es mir zudem, mich besser mit der Landschaft zu verschmelzen. Zudem ist die Papierkarte weder auf Internet- noch auf GPS-Empfang angewiesen. Kurz: In Sachen Orientierung bin ich voll und ganz auf mich und die Karte gestellt. Dies ist mit ein Grund, weshalb ich mich draussen bewege: die temporäre Flucht vor der technologisierten Welt, hin zum Einfachen, Wesentlichen.

Daher war ich neulich freudig überrascht, als sich mir beim Besuch der Ausstellung zur sehenswerten reformierten Kirche St. Martin von Zillis ein spezielles Bild darbot. Der Boden eines Teils der Ausstellung ist mit einer stark vergrösserten Landkarte im Massstab 1:25.000 belegt, auf der sich im Schams buchstäblich herumwandern und so die kur zuvor zurückgelegte Strecke im Zeitraffer noch einmal Revue passieren lässt.

6. Oktober 2025

Ingenieure der Kartenkunst

Lorenz Hurni, Martin Raubal, Thomas Eichenberger, Christian Häberling, René Sieber:
Ingenieure der Kartenkunst, ETH Zürich, Institut für Kartografie und Geoinformation, Zürich, 2025


Das Institut für Kartografie und Geoinformation der ETH Zürich feierte Anfang September sein 100-Jahre-Jubiläum mit einem Symposium für Fachleute. Eine Festschrift gibt vertiefte Einblicke in 170 Jahre Kartografie an der Hochschule und richtet sich auch an Laien, die sich für Kartenkunst und gut erzählte Geschichte(n) interessieren.

Ob Google Maps, eine Wanderkarte oder ein Weltatlas: Wir nutzen diese Werke im Alltag, um uns zu orientieren oder zu informieren. Dass Karten aber auch eine politische Komponente haben, rief uns jüngst die von einem Staatspräsidenten angeordnete Namensänderung des «Golfs von Mexiko» in «Golf von Amerika» in Erinnerung.

Der Schweizer Weltatlas, dem viele von uns im Schulunterricht zum ersten Mal begegnet sind, beschreibt die Karte als Resultat eines Interpretations-, Klassierungs- und Abstraktionsprozesses. Daraus geht bereits hervor, dass eine Karte immer auf subjektiven Entscheiden basiert.

Erfrischend subjektiv ist auch die Festschrift «Ingenieure der Kartenkunst» abgefasst, die das Institut für Kartografie und Geoinformation der ETH Zürich anlässlich seines 100-jährigen Bestehens herausgegeben hat. Hauptautor Lorenz Hurni, der aktuelle Professor für Kartografie an der ETH Zürich, und seine Mitautoren scheuen sich nicht vor Einordnungen und klaren Aussagen, was das Werk lebendig und lesenswert macht.

Geprägt ist das Werk durch die Feststellung, dass die Kartografie an der ETH immer wieder von einer Marginalisierung bedroht war. Entsprechendes Gewicht erhält die Institutsgründung, auch wenn diese hauptsächlich auf Pinsel und Farbe beruhte. Doch dazu später.

Das Gewicht, das die Autoren dem Institut beimessen, kommt in den beiden Untertiteln der Festschrift zum Ausdruck, die eigentlich zwei Jubiläen antönen. «100 Jahre Institut für Kartografie und Geoinformation» bezieht sich auf das «richtige» Jubiläum, umfasst aber nur vier der bisher sechs ETH-Professoren am Institut. Der zweite Untertitel «170 Jahre Kartografie an der ETH Zürich» macht deutlich, dass das Werk die ganze Zeit seit der Gründung der Hochschule abdeckt.

Die Geschichte der Kartografie ist ein wichtiger Teil der Geschichte der ETH Zürich. So erfährt man viel über die Gründung des Polytechnikums im Jahre 1855 und seine Funktionsweise über die ganzen Jahre. Die Festschrift liefert – immer mit dem Fokus auf die Kartografie und Geoinformation – generelle Einsichten darüber, wie Professoren berufen wurden (und werden), wie die Hochschule in den verschiedenen Epochen organisiert war und welche Faktoren zu Anpassungen von Lehrinhalten führen.

Details zu Berufungen, zur Ausstattung von Professuren, der Suche nach Drittmitteln, aber auch zu Rivalitäten unter den Wissenschaftlern machen die Lektüre kurzweilig. Zudem bietet die Festschrift Informationen über die Herkunft und Interessen der Professoren. Nicht nur im Text, sondern auch in Form von Karten, Zeichnungen und Fotos. Quelle: ETH-News

Das wunderbare Werk kann auf der Website der ETH-Bibliothek auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

13. Juli 2021

Die Grossen Kalten Berge von Szetschuan

Eduard Imhof: Die Grossen Kalten Berge von
Szetschuan, Orell Füssli, Zürich, 1974
Im Westen von China, an der tibetischen Grenze, liegt eine der unzugänglichsten, wildesten und unbekanntesten Gebirgsregionen der Erde. Erst im Jahre 1929 wurde dort Chinas höchster Berg entdeckt, der 7600 m hohe Minya Konka. 1930 durchforschten Arnold Heim und Eduard Imhof das Gebiet. Professor Imhof, der international bekannte Kartograph, ermittelte die Höhe des Minya Konka und kartierte dessen Umgelände. Zwei Jahre darauf bestiegen amerikanische Alpinisten erstmals den Berg. Seither blieb dieses Gebirgsland der westlichen Welt völlig verschlossen. 1957 aber gelang es chinesischen Bergsteigern ebenfalls, den Gipfel des Minya Konka zu erreichen.

Kernstücke des vorliegenden Buches sind Berichte über die abenteuerlichen Erlebnisse Imhofs in dieser weltabgeschiedenen Gegend. Auch wird über die ausserordentlichen, zum Teil tragischen Unternehmungen der Minya-Konka-Bezwinger berichtet. All das auf dem Hintergrund einer grossartig-wilden Bergnatur, des tibetischen Hirtenlebens und lamaistischen Mönchtums. Tief betroffen lesen wir von den Schicksalen der chinesischen Bevölkerung im Vorfeld der hohen Berge, einer Bevölkerung, die, geplagt durch Armut, Krieg, Revolutionen und Banditenunwesen, damals in schlimmster Verwahrlosung lebte. Umrahmt werden die Erlebnisberichte von kurz gefassten, allgemeinverständlichen Kapiteln geographischen, topographischen, forschungsgeschichtlichen und sprachlichen Inhaltes.

Das Faszinierende, das wortwörtlich Einzigartige an diesem Werke ist die Einheit von Text und Bild. Eduard Imhof ist nicht nur Wissenschafter, sondern auch ein begnadeter Zeichner. Sämtliche Zeichnungen, Aquarelle und Karten stammen von seiner Hand.
 (Klappentext)

10. Februar 2021

Die Umschlaglosen III

Und noch mehr Bücher, die ohne Umschlagtexte auskommen und so den Leser über den Inhalt im Ungewissen lassen, ehe er das Buch gelesen hat. 

René Teuteberg: Niklaus Bolt, Verlag von
Heinrich Majer, Basel, 1953

Carl Täuber: Aus den Tessiner Bergen,
Orell Füssli, Zürich, ca. 1910

Erling Welle-Strand: Bergwandern in
Norwegen, Nortrabooks, Oslo, 1981

Maurice Zermatten: Der Heimweg,
Benziger, Einsiedeln/Köln, 1941

Werner von der Schulenburg: Tre
Fontane, Franz Decker Verlag, Schmiden/
Stuttgart, 1961
Werner von der Schulenburg: Briefe
vom Roccolo, Erich Sicker, Berlin, 1944


Diverse Autoren: Das war der alte Bahnhof, Benteli, Bern, 1997


 

Diverse Autoren: Unsere Landeskarten, Verlag
des Schweizer Alpen-Club, Bern, 1979
Eduard Imhof: Bildhauer der Berge, Verlag
des Schweizer Alpen-Club, Bern, 1981

Conrad Ferdinand Meyer: Jürg Jenatsch,
Reclam Junior, Stuttgart, 1985

Adalbert Stifter: Der Hochwald, Reclam
Junior, Stuttgart, 1995

 

Carl Spitteler: Meine frühesten
Erlebnisse, Artemis, Zürich, 1986

Walter Keller: Schatzkästlein tessinischer
Erzählungen, Eichen-Verlag, Arbon, 1952

 

Felix Landmann, Franz K. Opitz: Abenteuer Tessin, GS-Verlag, Basel, 1988
 

Klaus Jopp: Das HO Gleisplanbuch,
Edition Roco, Salzburg, 1989

R.B. Robertson: Von Schotten und Schafen,
Ullstein, Berlin/Frankfurt/Wien, 1958

Albert Schaufelberger: Thuner Reben –
Thuner Wein, Ott, Thun, 1986

Schweizerische Bundesbahnen: Signalbuch,
Pharos, Basel, 1982
Melchior Sooder: Habkern, Schweizerische
Gesellschaft für Volkskunde, Basel, 1982

 

Ernst Konrad Rieder: Beglückendes
Wandern, Feuz, Bern

Ludwig Renn: Zu Fuss zum Orient – Ausweg,
Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar, 1968

Andreas Staeger: Wandern, Rub Media,
Bern, Jahrring 2011

Guglielmo Canevascini: Ein Dorf erwacht,
Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1944

Gontran de Poncins: Kabluna, Büchergilde
Gutenberg, Zürich, 1943
Venero Delucchi: Angst im Schatten, Eichen-
Verlag, Arbon, 1954

Erich Kästner: Probepackung, Hyperion,
Freiburg i.Br., 1957

 

 

11. Oktober 2020

Pizzo Cengalo reloaded

Bin am Durchforsten meiner Bibliothek. Da fällt mir das 1979 erschienene Büchlein «Unsere Landeskarten» aus dem Verlag des Schweizer Alpen-Club in die Hände. Das Cover zeigt einen in zweierlei Hinsicht bemerkenswerten Kartenausschnitt:

  1.  Wird ein kleines Stück Italien abgebildet. Man fragt sich, weshalb, geht es doch um die Landeskarten der Schweiz.
  2.  Steht im Zentrum des Ausschnitts ausgerechnet der Pizzo Cengalo, also jener Berg, von dem im Val Bondasca (Bergell) am 23. August 2017 3 Millionen Kubikmeter Fels abbrachen, die 8 Menschen unter sich begruben und verheerende Schäden anrichteten.

Habe dann nachgeschaut, ob ich weitere Bücher mit Kartenausschnitten von Bergen auf dem Cover besitze. Negativer Befund.


 

26. März 2020

DAS Handbuch zu den Landeskarten der Schweiz

Martin Gurtner: Karten lesen, Verlag
Schweizer Alpenclub, Bern, 1995
Ein Lehr- und Lernbuch für Alpinisten und Wanderer, für Pfadfinder und Velofahrer, für Techniker und Militärs – kurz: Für alle, die in der Schweiz unterwegs sind und ihren Weg mit Hilfe der Landeskarten sicher ans Ziel finden wollen. Ein praktisches Handbuch mit Hintergrundinformationen über Geschichte und Herstellung der offiziellen Schweizer Karten, mit Hinweisen zum Selbsstudium und Detailinformationen für Lehrer und Kursleiter. (Klappentext)

15. August 2016

Vom Baum mit eigener Facebook-Seite und anderem aus dem Aargau

Peter Siegrist: Wanderbuch Aargau,
AT Verlag, Aarau, 2016
Wer erinnert sich noch an die legendären Radiowanderungen? Während 41 Jahren – von 1961 bis 2002 rief das Deutschschweizer Radio zur Teilnahme an geführten Wanderungen auf. Im Boomjahr 1964 nahmen im Schnitt pro Wanderung 460 Personen teil! Bei sehr beliebten Routen waren manchmal bis zu 1500 Wanderer dabei.

Eine Fortsetzung dieser Idee lancierte 2010 die Aargauer Zeitung (AZ). Während fünf Wochen pro Jahr werden jeweils von Montag bis Freitag geführte Wanderungen durchgeführt. Die Rekordbeteiligung liegt bislang bei über 300 Personen. Beachtlich. Bis 2015 fanden insgesamt 125 AZ-Leserwanderungen statt. Der pensionierte AZ-Redaktor, Peter Siegrist, hat 35 davon in Form eines Führers aufbereitet, der nun als Wanderbuch Aargau aufliegt. Das Werk lädt ein, den für viele – Aargauer und Nicht-Aargauer – meist unbekannten Kanton zu Fuss zu erkunden. Die geografisch ausgewogene Zusammenstellung der Touren berührt jede Ecke des vom Rhein bis fast an den Zugersee reichenden Gebietes. Hierbei erfährt der Leser einiges über Geschichte, Natur und Kultur. Etliche Glanzlichter werden so einem breiteren Publikum bekannt gemacht:

  • die aufwärtsfliessende Aare, die sogenannte «Woog», bei Aarburg
  • der Flösserweg von Stilli nach Laufenburg
  • das römische Amphitheater von Windisch (Vindonissa)
  • der Cheisacherturm im Fricktal
  • die Schlösser Lenzburg, Trostburg, Liebegg, Habsburg und Wildegg
  • das Kleinststädtchen Kaiserstuhl am Rhein
  • der Erdmannlistein bei Bremgarten
  • das Kloster Muri im Freiamt
  • die jüdisch geprägten Dörfer Endingen und Lengnau
  • die mächtige Linde von Linn, die sogar über eine eigene Facebook-Seite verfügt
  •  etc. etc.
Dem Autor ist mit dem Wanderbuch Aargau ein hübscher Führer gelungen, den man immer wieder gerne zur Hand nehmen wird und um den wohl am meisten unterschätzten Kanton der Schweiz staunend zu durchstreifen.

Passend und ergänzend zum erwähnten Buch ist die offizielle Wanderkarte der Aargauer Wanderwege im Massstab 1:50‘000. Der zehntgrösste Kanton der Schweiz findet dabei auf dem beidseitig bedruckten Bogen problemlos Platz. Die Karte zeigt nicht nur alle ausgeschilderten Wanderrouten, sie verzeichnet auch die Hartbelagsabschnitte, die Aussichtspunkte, zahlreiche Sehenswürdigkeiten sowie das speziell hervorgehobene öV-Netz mitsamt Haltestellen. Das handliche Werk ist direkt bei der Geschäftsstelle der Aargauer Wanderwege erhältlich. 

26. November 2015

Röbi der Berg

Ab Februar 2016 in der
Edition Wanderwerk
erhältlich.
Im kommenden Februar wird in der Edition Wanderwerk ein historischer Reisebericht erscheinen, an dessen Bearbeitung ich derzeit bin. Wanderungen nach und in Graubünden lautet das Werk. Geschrieben hatte es anno 1856/57 ein gewisser J. Albert aus dem Norden Deutschlands. Besonders interessant sind die heute zum Teil noch kaum bekannten Orts- und Gipfelbezeichnungen. Weil das Buch auch ein Ortsregister enthält, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alte Bezeichnungen mit den heute gebräuchlichen zu ergänzen. Hierbei gilt es manchmal, wahre Knacknüsse zu lösen. Eine davon hiess Röbi, bei der es sich um den Namen eines Gipfels handelte. Google brachte mir zwar andere Quellen näher, die den Röbi ebenfalls als Berg auswiesen, doch, weil es sich ebenfalls um historische Quellen handelt, ohne einen Bezug zu heutigen Bezeichnung. Und, geben Sie einmal bei Google Röbi + Gipfel ein! Sie werden Tausende von Röbis angezeigt erhalten, die irgendwann einen Gipfel bestiegen und sich im Internet verewigt haben.

Fündig wurde ich schliesslich auf genau jener Karte, die Herr Albert bei seiner Wanderreise mit sich führte: Leuthold's neueste Reisekarte der Schweiz. Da entdeckte ich, mit der im Text erwähnten Umgebung des Röbi, einen Gipfel namens Mot de Röbi. Der Blick auf die aktuelle Landeskarte der Schweiz verriet mir nun, dass es sich um den Muot da Rubi oder auf Deutsch, das Kistenstöckli (2748 m) handelt.

Die Leuthold'sche Karte von 1868 im Massstab von ca. 1:450'000 mit dem Mot da Röbi

Die aktuelle Landeskarte zeigt den Muot da Rubi erst ab dem Massstab 1:50'000

Der Berg liegt unweit der Bifertenhütte des Akademischen Alpenclubs Basel und bildet die Kantonsgrenze zwischen Glarus und Graubünden. Nun hatte ich eine Handhabe, um weitere Nachforschungen zu diesem Berg anzustellen, so unter anderem stiess ich auf einen Eintrag im Geographischen Lexikon der Schweiz von 1902 (Autorenkollektiv, Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg, 1902-1910; 2. Band, Seite 749):

Kistenstœckli, romanisch Muot de Robi (Kt. Glarus und Graubünden). 2749 m. Schön und regelmässig geformter Felsspitz, nach allen Seiten hin steil abfallend; in der vom Bifertenstock gegen O. und NO. über die Muttenberge, den Ruchi und Hausstock ziehenden Kette und zwischen dem tief eingeschnittenen Limmernboden und dem Val Frisal; w. über dem Kistenpass. Besteht aus eocänen Schiefern mit Nummuliten, unter denen in normaler Lagerung verschiedene Stufen von Kreide und Jura (besonders Malm) folgen; im Limmernboden treten noch tiefer auch Dogger, Rötidolomit und Verrucano zu Tage. Gehört dem normalen Muldenschenkel der Glarner Doppelfalte an. Das Kistenstöckli kann von der Muttseehütte des S. A. C. aus über den Kistenpass und seine NW.-Flanke in 3½ Stunden bestiegen werden.

9. Juni 2014

Berge, die es nie gab und mehr

Simon Garfield: Karten!, Konrad
TheissVerlag,
Darmstadt, 2014
Meine aktuelle Lektüre ist ein Wälzer mit 520 Seiten und widmet sich der Geschichte der Kartografie. Geschrieben hat es der Brite Simon Garfield und liest sich äusserst süffig. Zahlreiche Geschichten und Anekdoten, die hinter den Karten von der Antike bis zu Google Maps stehen, bereichern den Text. Aber auch die Kartenabbildungen (leider nur in Schwarzweiss) betrachte ich mit grossem Interesse. Garfield weist immer wieder auf kleine Details hin, die das Salz in der Suppe dieses unterhaltsamen volkswissenschaftlichen Sachbuches bilden. Ich empfehle das Werk eindringlich zur Lektüre!

17. Januar 2014

1:25'000 im neuen Gewand

Die neue Serie im Massstab 1:25'000
der Schweizer Landeskarte wartet
auch mit einem neuen Umschlag auf.
Dieser Jahrgang wird in die Historie der helvetischen Kartografie eingehen. Seit geraumer Zeit werkelt die Eidgenössische Landestopografie an der Neugestaltung der 25'000er-Karte. Heuer erscheinen die ersten Blätter. Das Positive gleich vorneweg: Die virtuelle Schweiz wird nicht nur bunter sondern auch wanderfreundlicher.

Vorerst gilt es freilich Abschied zu nehmen. Schrittweise, denn die gute alte Karte, dieser State of the Art, hat ausgedient. Das Ende der ausgewogensten aller Kartenwerke ist besiegelt und die fliegerischen Augenreisen über optisch hervorragend gestaltete Landstriche dazu. Das faltbare Stück Papier macht den Bedürfnissen eines breiteren Anwenderkreises Platz, sprich, die Karte wird bedeutend mehr an Informationen erhalten als bis anhin. Mit folgenden Neuerungen warten die Kartenmacher aus Wabern bei Bern auf:
  • Die Typografie ist komplett neu gestaltet worden. Die unterschiedlichen Antiquaschriften fallen weg und werden durch eine Groteske ersetzt.
  • Strassen mit einer Breite von zwei Metern und mehr, werden unterschieden nach deren Beschaffenheit: Hartbelag oder Naturbelag. Davon haben Wanderer schon lange geträumt.
  • Eisenbahnlinien werden in roter Farbe dargestellt.
  • Bahnhöfe, Stationen und Haltestellen von Bahnen werden explizit in roter Schrift aufgeführt.
  • Die bislang als kleine schwarzen Punkte dargestellten Gemeindegrenzen werden neu in durchgezogener, rosaroter Linie aufgeführt.
  • Durchgangsstrassen werden in rot, Verbindungsstrassen in gelb und Autobahnen in orange dargestellt. 
  • Die Zeichenerklärung auf der Rückseite erfolgt (endlich) im Vierfarbendruck.

Die vor über 60 Jahren eingeführte 25'000er-Karte hat ausgedient.


Ob sich das neue Werk bewährt, wird die Zukunft weisen. Vergleichender Ausschnitt aus dem Vorabdruck von 2013, der in der Zwischenzeit in etlichen Detailbereichen Verbesserungen erfahren hat.
Man darf gespannt sein, wie sich die neuste Landeskarte nach Dufour, Siegfried und Co. in der Praxis bewähren wird. Besonders interessant dürfte zu beobachten sein, wie swisstopo ihre Novität in die Online-Version einbaut. Die ersten Blätter in der neuen Aufmachung führt swisstopo bereits im Sortiment. Es sind dies – dem Aargau gebührt die Ehre! – 1088 Hauenstein, 1089 Aarau, 1108 Murgenthal und 1109 Schöftland. Die Umstellung soll übrigens bis 2019 für alle 247 Blätter vollzogen sein. Langfristig werden alle anderen Massstäbe grafisch überarbeitet.

9. Dezember 2013

Wenn Literaten wandern

Diverse Autoren: «Einen schweren Schuh
hatte ich gewählt …»,
Dörlemann
Verlag, Zürich, 2013
Seit 1996 findet jeweils sommers in Leukerbad das Internationale Literaturfestival statt. Ins Leben gerufen wurde der Anlass von dem aus Leukerbad stammenden Verleger Rico Bilger (Bilger Verlag). Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der halben Welt haben in all den Jahren den Weg in den Schoss der Gemmi gefunden . John von Düffel war hier, Chika Unigwe, Yoko Tawada, Monika Sznajderman, Jakob Arjouni†, Arnon Grünberg, Helga Glantschnig, Amira Hass, Chirikure Chirikure. Alle waren sie da. Aus Deutschland, Österreich, den USA, Nigeria, Israel, Mexiko, Neuseeland, Tunesien, Weissrussland, Russland, Syrien, Polen, Bulgarien etc. Und natürlich auch aus der Schweiz: Alex Capus, Hugo Loetscher†, Franz Hohler, Urs Mannhart, Paul Nizon, Petra Ivanov, Silvio Huonder, Peter Bichsel, Daniel de Roulet, Rolf Dobelli, Rolf Lappert, Hansjörg Schneider, Peter Stamm und wie sie alle heissen.

Nun ist es ja mittlerweile eine nette Tugend der Schreibzunft geworden, dem Wandertum zu fröhnen und daraus literarischen Mehrwehrt zu schöpfen. Genau dies haben die ehemaligen Leukerbader Literaturfestivalteilnehmer  Arno Camenisch, Gerhard Falkner, Nora Gomringer, Sabine Gruber, Judith Hermann, Rolf Hermann, Douna Loup, Tanya Malyarchuk, Urs Mannhart, Francesco Micieli, Christine Pfammatter, Angelika Reitzer, Michail Schischkin, Monique Schwitter, Christoph Simon, Marie-Jeanne Urech und Peter Weber im Rahmen eines Buchprojektes getan.

Unter dem antiquiert anmutenden Titel «Einen schweren Schuh hatte ich gewählt …» führen die Autorinnen und Autoren die Leserschaft in 19 Wanderungen durch die nahe und weite Umgebung von Leukerbad. Zum Wasserfall, auf und um das Torrenthorn herum, über den Restipass ins Lötschental, auf den Gemmipass, dreimal über die Albinenleitern, nach Brentschen, in die Nasenlöcher des Bietschtals, von Varen hoch ins Murmiltangil, von Leuk nach Sierre und nach Ausserberg, in den Illgraben und letztlich dreimal in den Pfynwald.

Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir der Text Gerhard Falkners. In sprachgewaltigem Pathos, kritisch-wachem Geist und witzig-skurrilen Formulierungen hebt sich der Autor von den anderen Elaboraten glasklar ab. Eine Entdeckung war indes auch der Russe Michail Schischkin. Ansonsten empfand ich das Gebotene als mittelmässige Fabulierkunst. Dass nicht alles gefiel, liegt erfahrungsgemäss in der Natur einer Anthologie.

Das Glanzstück aus gestalterischer Sicht ist indes der Umschlag! Dieser besteht aus einer gefalteten 50'000er-Karte sowie den Ausschnitten zu den einzelnen, im Buch eher dürftig beschriebenen Routen. Im Berndeutschen kennen wir für derartiges Machwerk die schönen Begriffe «tschent» und «gäbig».

Für mich der Buchumschlag des Jahres. Und wer sich am Torrenthorn im Schneesturm verirrt, hat gleich noch den Zunder dabei.





26. Juni 2013

Von 89 auf 14

Beim Stöbern in meinem Fundus an topographischen Karten bin ich vor ein paar Tagen auf die fünfte Ausgabe der Ordnance Survey «One-Inch» Map Southhampton, Portsmouth and the Isle of Wight gestossen. Ich musste sie wohl 1985 während meines Sprachaufenthaltes in Bournemouth erstanden haben. Die erste Ausgabe des Blattes datiert aus dem Jahre 1936. Wann die vorliegende Karte erschienen ist, habe ich leider nicht ausfindig machen können.

Allein dieser Umschlag war den Kauf wert.

Beim Kartenstudium ist mir aufgefallen, wie dicht das damalige Bahnnetz im Süden Englands gewoben war. Alleine auf der Insel Wight existierten vier (!) verschiedene Bahngesellschaften, die zusammengerechnet eine Streckenlänge von 89 Kilometern betrieben.

Eisenbahn-Paradies Isle of Wight: Karte aus dem Jahre 1914. Quelle: wikipedia

Den meisten Bahnlinien auf der Insel Wight erging es indes nicht anders als jenen auf der Hauptinsel. Das Aufkommen des motorisierten Privatverkehrs sowie der Niedergang gewisser Industriezweige führten zwischen 1952 und 1966 zur Stilllegung von 75 Kilometern. Von den einst stolzen 89 Bahnkilometern sind auf Wight heute nur noch deren 14 in Betrieb. Den Fahrgast erwarten unter anderem Londoner U-Bahnzüge mit Baujahr 1938! Und seit 1971 dampfen auf einer 8,9 Kilometer langen Museumsbahn wiederum Züge durch die Gegend. Die Existenz der öffentlich genutzten Strecke ist zumindest bis 2017 gesichert. Für die Zeit danach stehen verschiedene Ideen zur Diskussion. Man darf gespannt sein, wie sich das Bahnpionierland entscheidet.

Ausschnitt aus der antiquarischen Karte im Massstab 1:63'360. Newport war mit vier abgehenden
Linien der Bahnverkehrsknoten der Isle of Wight.

Heutige Situation von Newport. Von Eisenbahnen keine Spur! Ausschnitt aus der OS-Karte 1:50'000