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27. April 2025

Lebensgefährlich verletzt

Emil Zopfi: Lebensgefährlich verletzt,
Ex Libris, Zürich, 1986
Der Autor stellt Nachforschungen über den Tod seiner Mutter an, die er als achtjähriges Kind bei einem Verkehrsunfall verloren hat. Dieses einschneidende Kindheitserlebnis, der Verlust, drängt nach Verarbeitung. So wurde dieses neue Buch auch sein persönlichstes.

Nachdem Emil Zopfi in seinen bisher erschienenen Büchern sein Trauma bruchstückhaft und nur am Rande angesprochen hat, indem er autobiographische Teile in erfundene Figuren hineinlegte, entschliesst er sich jetzt zu radikaler Autobiographie, ‹schreiben, wie alles gewesen ist›, wohlwissend, dass das Gedächtnis die Erinnerungen zurechtbiegt. Es geht aber nicht um eine wahrheitsgetreue Rekonstruktion des Unfalls, es geht vielmehr um einen Prozess der Identitätsfindung des Sohnes, der in allen seinen Beziehungen Ersatz für seinen Verlust sucht.

So entschliesst sich der Autor eines Tages, sich auf eine Nachforschung nach den Ursachen für seine Verletzung zu begeben. In Archiven sucht er nach den entsprechenden Zeitungsartikeln und den Gerichtsakten, die über den Unfall berichten, findet er das gerichtsmedizinische Gutachten. Er besucht aber auch Zeugen, die ihm den Unfall und seine Umstände schildern. So legt er Schicht um Schicht frei. (Klappentext)

«Strassenverkehr ist Bürgerkrieg. Ein Krieg, der politische Hintergründe hat: Die Vorstellung, dass Freiheit vor allem die Freiheit des Starken sei, den Schwachen kaputtzumachen. Freie Fahrt, Strasse frei, Tempo frei, gurtenfrei, Benzin zollfrei, Autobahn gebührenfrei, Freiheit, die ich meine. Ein Bürgerkrieg, an dem wir alle schweigend teilnehmen, den wir alle verschweigen.» (Seite 115)

17. April 2025

Die Klappentextlosen VII

Weitere neun Bücher, die ich gelesen habe, und die über keinen Klappentext verfügen, den ich so mir nichts, dir nichts hätte abkupfern können. «Die Patrizierin» von Josef Viktor Widmann fand ich indes so gut (alleine das Cover ist eine Augenweide), dass ich sie in meiner Edition Wanderwerk in sanft überarbeiteter Form und inklusive Klappentext herausgebracht habe.

Wolfdietrich Schnurre: Ein Fall für
Herrn Schmidt, Reclam, Stuttgart
1962
Josef Viktor Widmann: Touristennovellen,
Cotta'sche Verlagsbuchhandlung, 
Stuttgart, 1892
Albert-Louis Chappuis: Die Leute vom
Grathof, Mon Village, Vulliens, 1970
Ernst Zahn: Lukas Hochstrassers Haus,
C. Bertelsmann, Gütersloh, 1949
Kurt Pahlen: Denn es ist kein Land wie dieses,
Benteli, Bern, 1971
Jakob Hardmeyer: Die Gotthardbahn,
Verlag Hans Rohr, Zürich, 1979,
faksimile Ausgabe des Originals von 1888
Josef Viktor Widmann: Die Patrizierin,
Schmid/Francke & Co., Bern, 1888
Elsa M. Hinzelmann: Irrweg im Nebel,
Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich,
1943
Mrs. Henry Freshfield: Eine Sommertour in
Graubünden + den italienischen Tälern des
Piz Bernina, Nardo Lori, Basel, 2021


1. August 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 21



Die einundzwanzigste Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes widmete sich dem Kanton Glarus. Von Mühlehorn am Walensee wanderte ich in zwei Tagen nach Glarus. Via Alp Robmen gelangte ich auf die Ober Mürtschenalp, wo ich im Zelt nächtigte. Anderntags zog ich über die Mürtschenfurgglen zum Fronalppass und von da 1400 Höhenmeter hinab nach Glarus. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. Für 2025 ist die Herausgabe eines Text-Bildbandes geplant, der die 26 Wanderungen dokumentiert.


 Route km Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.1.24
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.1.24
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 3.1.24
BL       
BS   Basel SBB – Claramatte – Basel SBB 14,2  25.5.24
FR   St. Silvester – Chrüzflue – Plasselb 11,4  18.7.24
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  3.2.24
GL   Mühlehorn – Ober Mürtschenalp – Glarus  19,8  26./27.7.24
GR       
JU   Buix – La Tenie – Chevenez 19,2 9.3.24
LU   Gelfingen – Ballwil – Emmenbrücke 26,7 6./7.4.24
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières 14,0 12.01.24
NW   Emmetten – Bärenfallen – Dallenwil 21,0  10./11.5.24
OW       
SG   Seebensäge – Stockberg – Nesslau  12,3 14.7.24 
SH  Siblingerhöhe – Langer Randen – Schaffhausen 16,7 29.3.24
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4 16.1.24
SZ  Arth-Goldau – Gätterlipass – Gersau  11,0  28.6.24
TG  Diessenhofen – Rodebärg – Eschenz 16,1  5.5.24
TI   Rodi – Dalpe – Faido 12,3  16.4.24
UR       
VD   Col-de-Bretaye – La Taveyanne – Gryon 15,9  1.6.24
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.2.24
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9 1.1.24
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.2.24





25. Januar 2021

Das Bündel Zeit

Elsbeth Zweifel: Das Bündel Zeit,
Limmat, Zürich, 2017
Eine Kindheit in den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf der Orenplatte bei Braunwald: Der Vater will nicht länger im engen Tal der Linth bleiben, das geprägt ist von Fabrikarbeit, Armut und Hoffnungslosigkeit. Er gibt das Hotel auf, das seit Generationen von der Familie Zweifel geführt wurde, und kauft ein altes Bauernhaus auf dem Berg. Hier will er seinen Traum verwirklichen, bald wird dort ein Hotel stehen, auch eine Seilbahn hinaufführen. Die Tochter bewundert ihn.

Aber das Kind ahnt, dass dies nicht nur ein wunderschöner Ort ist, sondern auch ein Ort des Unheils, denn zum Leben auf dem Berg gehören auch die Wand, eine Schlucht, die alles verschluckt, die Kälte, die Dunkelheit, der Schnee und die immer gegenwärtige Lawine. Eine seltsame, nicht fassbare Bedrohung liegt über allem.

Viele Jahre, ein ganzes Leben später, nach Stationen in Lausanne, London, Bergamo und Zürich, durchgeht die Erzählerin noch einmal die Wege. In einer kunstvollen Sprache erinnert sie sich an diese Stimmung, an die Menschen auf dem Berg und die Menschen im Tal. Sie beginnen zu leben, zu streiten. Wie war das? Trauer, Vertrautheit und gleichzeitiges Fremdsein fliessen ineinander. (Klappentext)

28. August 2020

Stadt in Flammen

Walter Hauser: Stadt in Flammen, Limmat,
Zürich, 2011
Nach einer bewegten Landsgemeinde brach in der Nacht vom 10./11. Mai 1861 im Stall neben Ratsherr Tschudis Haus ein Feuer aus. Starker Föhn blies, und das Feuer führte zur grössten Katastrophe des noch jungen Bundesstaats. Der Brand löste in der ganzen Schweiz und im Ausland eine unvorstellbare Solidaritätswelle aus. Mit der Bahn wurden Tonnen von Lebensmitteln, Decken und Kleidern angeliefert, die Geldspenden erreichten eine Rekordsumme. Es war die erste 'Glückskette' der noch jungen Nation. Sogar der Papst und Kaiser Napoleon iii. reihten sich unter die Spender ein. Zum ersten Mal wird der Brand von Glarus umfassend in einem Buch dargestellt: die Brandursache, der genaue Hergang, das Medienereignis – die 'Times' in London war gleichzeitig mit den Bürgern von Elm informiert–, die Hilfsaktion und der Wiederaufbau. Und wie bereits bei 'Der Justizmord an Anna Göldi' hat Walter Hauser viele neue Dokumente gefunden, welche die Vorgänge in der Brandnacht in neuem Licht erscheinen lassen. (Klappentext)

20. Juni 2020

Vrenelis Gärtli

Tim Krohn: Vrenelis Gärtli, Eichborn,
Frankfurt, 2007
Das Vreneli ist nicht wie andere Kinder. Schon über seine Eltern kursieren im Tal die seltsamsten Gerüchte, und als die Mutter früh stirbt, heisst es, der Vater habe mit bösen Mächten paktiert. Das Vreneli soll fort von ihm und auf die Schule, doch lernt es lieber das zwielichtige Handwerk des Zauberns und streicht in Gestalt eines roten Fuchses über die zerklüfteten Berge und Gletscher.

Nachdem es die Tochter eines reichen Fabrikanten aus der Gefangenschaft eines Hexers gerettet hat, verfolgt der es mit Wut und Ausdauer. Bald darauf trifft das Vreneli den Waisenknaben Melk, einen jungen Sennen, ein Quatemberkind wie es selber – und spürt ein Sehnen, das es bis dahin nicht gekannt hat. Doch bringt der Fluch des Hexers auch den Melk in Gefahr …

Wie in Ovids Metamorphosen die klassischen Mythen, so tauchen in Tim Krohns Roman die schweizerischen Sagenstoffe auf und gewinnen in der poetischen Verwandlung neue Gestalt. In einer faszinierenden schwiizertüütsch-hochdeutschen Kunstsprache Glarner Prägung erzählt er ohne Moralisieren und jenseits aller Folklore seine wilden, anrührenden und «meineidig schönen» Geschichten.
(Klappentext)

GL: Glarus, Fessis Alp, Glärnisch, Linthal, Sool, Brunnalpeli, Chamer Alp, Dräcklochalp, Bächifirn, Beglinger Alp UR: Urnerboden

17. Dezember 2019

Fucking Friends

Roland Heer: Fucking Friends, Bilgerverlag,
Zürich, 2010
Fucking Friends, der provokante Debütroman des Extrembergsteigers und Lyrikers Roland Heer, wirft einen schonungslos offenen Blick in die Welt der Online-Singlebörsen, Sex-Sites und Internet-Kontaktplattformen. Ein kompromisslos offenes und einzigartiges Zeitdokument.  Sprachmächtig zeichnet der Autor in der Figur des 43-jährigen Comiczeichners Greg Bold jenen Typus Mensch, der süchtig nach Grenzerfahrungen den Bezug zur realen Welt verliert. Dem Wiedererwachen nach dem Tod von Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz folgt der lange Fall durch alle gesellschaftlichen, sozialen und moralischen Raster. Die sexuellen Verheissungen der Cyberwelt erweisen sich als Tor in einen elektronischen Darkroom, aus dem es kein Entrinnen gibt.

«Von da an ging es abwärts, schneller, viel schneller als erwartet. Blankeis statt Schutt. Die Weisse Spinne voll auf Speed, aus dem Wasserfallkamin kam ein Grölen, die Rampe dröhnte, beim Todesbiwak riss es mir die Flügel ab, beim Hinterstoisser-Quergang meine Beine, der Zerschrundene Pfeiler köpfte mich. Lichtgeschwindigkeit, dachte ich, schwarzes Licht - und jetzt platzen, bitte, doch der Aufprall wollte nicht kommen.»

Gregor Bold, 43, passionierter Extrembergsteiger, verliert durch einen Flugzeugabsturz Frau und Kind – zum Zeitpunkt des Unglücks ist er auf einer Expedition im Himalaya. Nach seiner Rückkehr zieht er sich zurück, er hadert mit Gott und der Welt, verfällt physisch und psychisch und findet sich in einer psychiatrischen Klinik wieder. 


Zurück im Leben, aber mehr oder weniger beziehungsunfähig, entdeckt Gregor das Internet als Partner-Plattform: Einloggen ist der Ausgang des Singles aus seiner selbstverschuldeten Einsamkeit. Er gerät rasch in den Strudel eines immer intensiver werdenden Kontakt-Knüpfens, trifft Frauen bald schon im Dutzend, er lebt im Versuch, möglichst nichts auszulassen: exzessiv, obsessiv und immer verzweifelter.
Via Internet lernt Gregor auch Heike kennen: sie ist hübsch, anzüglich und verkommen. Heike und Gregor verlieren jegliche Scham voreinander und vor sich selber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Dynamik aus Verletzung, Sex und Gewalt, welche sie gegenseitig in Gang setzen, ins Katastrophale eskaliert.
(Inhaltsangabe zum Buch)

AG: Aarau GL: Chly Kärpf, Fanenstock SZ: Bockmattli UR: Salbitschijen VS: Matterhorn ZH: Stadt Zürich, Schlieren A: Feldkirch D: Dresden Diverse: Himalaja, Mutzagh Ata, Serifos, La Gomera, Stromboli

2. Dezember 2019

Notlandung im Entlebuch

Dominik Brun: Notlandung im Entlebuch,
Benziger, Zürich, 1982
Johannes Schöpfer, Bundesbeamter in Bern, vorsichtig, zuverlässig, etwas gelangweilt, und Hugo Emmenegger, Student, spontan, offen und unbekümmert: Bei der Notlandung eines Militärhelikopters im Entlebuch begegnen sie einander. Eine Begenung, die Unruhe in Schöpfers Leben bringt. Durch Hugo lernt er die unheile Welt der Bauern im Entlebuch kennen, deren Alltag von industriellen Fertigungsmethoden und Erwerbssinn bestimmt wird: Geflügelbatterien, Ferkel und Kälber auf engstem Raun, ein der Natur völlig entfremdetes Leben.

Ein Heimatroman», der nicht in der Heimat gelesen wird, ein Schelmenroman mit ernstem Hintergrund, voller Ironie, Wortwitz und überraschenden Einfällen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern GL/SG: Walensee LU: Entlebuch (Dorf), Lustenberg, Rengg

17. September 2019

Rund um Zürich – die Zweite

Gestern ist bei mir die 2. Auflage meines Wanderbuches «Rund um Zürich» eingetroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass es die 53 Touren zwischen Schaffhausen und Gotthard in die zweite Runde schaffen. Henusodehaut, ich freue mich und bin obendrein grad ein bisschen stolz.

Zu kaufen gibt es den Führer in jeder Buchhandlung oder direkt bei der Edition Wanderwerk. Auf geht's!

7. August 2019

Die Steinflut

Franz Hohler: Die Steinflut, Luchterhand,
München, 1998
Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Grosseltern geschickt. Dort sollen beide die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch es kündigt sich noch ein anderes Ereignis an. Von einem Hang sind einige Felsbrocken ins Tal hinabgestürzt und der ganze Berghang könnte sich lösen und das Dorf unter sich begraben. Daran möchte niemand glauben, am allerwenigsten die Arbeiter im Schieferbruch, die mit ihren Händen ganze Familien ernähren. Aber der Berg führt in Franz Hohlers hochgelobter, in der Tradition der besten Schweizer Literatur stehenden Novelle sein Eigenleben. (Klappentext)

GL: Elm und Umgebung

8. September 2016

Albert lebt auf


Schöne Überraschung in der aktuellen Ausgabe des Magazins wandern.ch: Der in der Edition Wanderwerk in diesem Frühjahr publizierte Wanderreisebericht, Wanderungen nach und in Graubünden von Julius Albert, findet seinen Niederschlag in der Rubrik «Das Wanderzitat»! Als Wiederentdecker und neuer Herausgeber dieses 1858 erschienen Buches freue ich mich ganz besonders auf diese Erwähnung, denn Alberts Wandererlebnisse haben es gerade deshalb verdient, in heutiger Zeit gelesen zu werden, weil sie die damalige Zeit in unverfälschter Sprache und auf äusserst authentische Weise dokumentieren.

21. Juli 2016

Wie ich zum Buch und das Buch zu mir kam

Anderthalb Jahre wandern und schreiben:
Nun ist es endlich käuflich zu haben, so
auch über meine Edition Wanderwerk.
Im Frühling 2014 erhielt ich vom deutschen Bergbuchverlag Rother die Anfrage, ob ich einen Wanderführer für das Gebiet zwischen Schaffhausen und Gotthard verfassen möchte. Es war kein geringerer als der helvetische Wanderpapst, Thomas Widmer, der mich als in Frage kommenden Autor dem Verlag empfahl. Ohne lange zu zögern sagte ich zu. Welch eine Ehre für mich, welch eine anstrengende Arbeit aber auch. Mindestens 50 Touren sollten es sein, ausgewogen verteilt und unter anderem mit anspruchsvolleren Routen im Gebirge.

Alleine die Planung der Touren kostete mich mehr als eine Woche Arbeit. Gefordert waren einerseits Wanderungen, die in keinem der bereits erschienenen Rother-Führer beschrieben waren, andererseits sollten es wenn möglich Rundwanderungen sein. Bereits kurz nach der Unterzeichnung des Autorenvertrags ging ich ins Gelände. Die ersten Touren führte ich bei grosser Hitze durch. Dann kam der Katastrophen-Sommer 2014 und warf viele meiner Rekognoszierungspläne über den Haufen. Es war zum Verzweifeln schlimm. Zum Glück blieb mir noch reichlich Zeit bis zum Abgabetermin Ende 2015.

Nun, ich schaffte es, das Vorhaben termingerecht umzusetzen. Es folgten die Vorarbeiten für den Neuheitenkatalog, die Festlegung des Umschlagfotos, des Buchtitels und des Vorschautextes. Hernach war die Reihe am Verlag, aus den über 500 abgelieferten Fotos, dem Text, den Bildlegenden, den Routenkarten und den GPS-Dateien etwas Gescheites zu kreieren. Ein freischaffender Lektor aus München nahm sich mit viel Einfühlungsvermögen dem Material an. Im vergangenen Frühling erhielt ich den ersten Wurf des Werks als PDF. Ich war positiv überrascht. Sowohl Lektor und Buchgestalter haben sich grosse Mühe gegeben, so dass ich am Layout nichts zu mäkeln hatte (und das will etwas heissen!). Zu guter Letzt wurden noch die Routenkarten eingebaut, so dass nach zwei Korrekturlesungen meinerseits, das Buch via Verlagskorrektorat in den Druck gehen konnte.

Das Buch erschien am 6. Juli 2016, verbunden mit einem für mich bedauernswerten Wermutstropfen: Die vom Verlag unmittelbar nach Erscheinen verschickten Belegexemplare fanden bis heute den Weg nicht zu mir. Da gehst du fast zwei Jahre schwanger mit dem Teil, es wird geboren, uns du bekommst es tagelang nicht zu Gesicht. Ich befürchtete zudem, dass selbst die Medien auf ihre Rezensionsexemplare warten müssten, allen voran Thomas Widmer, der mit mir für den Tages-Anzeiger ein längeres Interview zur Publikation von «Rund um Zürich», so der Name des Kindes, machen wollte.

Das Glück wollte es aber, dass wenige Stunden vor dem Gesprächstermin, Thomas sein Besprechungsexemplar erhalten hatte. So kam es, dass ausgerechnet jener Mann, dem ich die Möglichkeit verdanke, diesen Führer verfassen zu können, dass ausgerechnet er mir nun jenes Buch in die Hände geben konnte, auf das ich so sehnlichst gewartet hatte. So schliessen sich Kreise.

4. Juli 2016

Fallhöhe

Sabina Altermatt: Fallhöhe,
Limmat Verlag, Zürich, 2010
Klassentreffen in den Bergen, fünfzehn Jahre nach der Matur. Was als Rundwanderung gedacht war, endet für drei Frauen und zwei Männer unfreiwillig in einer Berghütte. Marina, grosse Hoffnung und Liebling der Lehrer, hat einen fünfzehnjährigen Sohn und das Tal nie verlassen. Sandra lebt in Kanada und ist nach zehn Jahren erstmals wieder in der Schweiz. Eveline ist ein Kontrollfreak und hat die Auseinandersetzungen mit Marina, damals ihre beste Freundin, nicht verdaut. Adrian, Sandras Jugendliebe, versauert als Dokumentalist, obwohl er immer hatte Künstler werden wollen. Und Frido entspricht ganz dem Bild eines Anwalts mit Frau und zwei Kindern.

Eine lange Nacht beginnt. Während Adrian und Frido sich betrinken, erzählt Sandra, warum sie wirklich in die Schweiz gekommen ist, und Eveline lässt Marinas Intrigen, die sie vor fünfzehn Jahren gesponnen hat, auffliegen.

Ein Roman über das Leben der Mittdreissiger, voller aufgeschobener Entscheidungen, verpasster Chancen und ungelebter Träume. (Klappentext)

GL: Kanton Glarus, Braunwaldbahn, Braunwald, Chnügrat, Oberblegisee, Gumen

Unter dem Label Schauplätze stelle ich seit längerem und in lockerer Folge belletristische Werke und die darin vorkommenden Schauplätze vor. Weshalb nach der Lektüre eines Romans nicht einmal den Schauplatz im Original besuchen? Es eröffnen sich einem unter Umständen neue Welten.

23. März 2016

Ein Stück Glarner Stadt- und Kulturgeschichte

Abraham Emanuel Fröhlich:
Der Brand in Glarus,
Edition Wanderwerk, Burgistein,
2016
Mein Verläglein ist seit gestern um ein Werk reicher. Geschrieben hat es Abraham Emanuel Fröhlich, ein leider in Vergessenheit geratener Aargauer Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller. Der Brand in Glarus nennt sich die Erzählung und widmet sich nebst der verheerenden Feuersbrunst, welche die Stadt Glarus vom 10. auf den 11. Mai 1861 heimsuchte, der Geschichte vom jungen Glarnervolk, das im Zwiespalt zwischen hartem Bauernleben und den Verlockungen des Fabrikarbeitertums hin und her pendelt. Der Ich-Erzähler unternimmt als Kurgast des damaligen Stachelbergbades kleinere und grössere Fussreisen in die gebirgige Umgebung von Linthal. Nebst berührenden Landschafts- und Naturbeschreibungen gibt uns der Autor einen repräsentativen Einblick in den Glarner Alltag, so wie er sich vor über 150 Jahren abgespielt hat.

Der Stadtbrand von Glarus machte damals bis weit über die Schweizer Landesgrenzen Schlagzeilen. Die Stadt erfuhr in der Folge eine ungeahnte Hilfsbereitschaft aus vielen Ecken der Welt. Was bis 2011 indes ungelöst blieb, war die Ursache des Feuers. In einem, der Erzählung angegliederten Aufsatz gehe ich deshalb auf die historische Bedeutung des Unglücks ein, welche Folgen es für andere Orte hatte, die später auch Opfer der Flammen wurden und wie der Journalist Walter Hauser nachweisen konnte, wie es zum Inferno gekommen war. Ein Kurzporträt von Abraham Emanuel Fröhlich über sein Leben und Werk rundet das gefällige Buch würdig ab.

1. Februar 2016

Das neuste Kind der Edition

Julius Albert: Wanderungen nach
und in Graubünden
, Edition
Wanderwerk, 2016
Es ist wieder einmal an der Zeit, etwas Werbung in eigener Sache zu veranstalten. Ab sofort ist in der Edition Wanderwerk der erste Band eines Drittautors erhältlich. Die Rede ist von Julius Alberts Wanderungen nach und in Graubünden.

Im Jahre 1856 reist der Norddeutsche Julius Albert mit seinem Weggefährten in die Schweiz und geht von Altdorf zu Fuss über den Klausenpass ins Glarnerland und von dort via Walensee, Bad Ragaz und Kunkelspass ins Bündnerland. Der Autor findet Gegenden vor, die vom Tourismus noch weitgehend wenig berührt sind. Dies macht den Reisebericht zu einem wertvollen und aufschlussreichen Dokument, das einerseits schonungslos aufzeigt, welch gewaltige Entwicklung und Veränderung der Tourismus und insbesondere das Bergwandern in den nachfolgenden 100 Jahren erfahren hat. Andererseits verdeutlicht die Lektüre auch, dass gewisse Gepflogenheiten bis zum heutigen Tag ihre Gültigkeit behalten haben.

Ich habe den 1857 erschienenen Wanderreisebericht sowohl sprachlich als auch orthografisch behutsam angepasst und ihn zudem von der altbacken wirkenden Frakturschrift befreit. Die Unternehmung gipfelt übrigens buchstäblich auf einer Berg – dem Piz Languard bei Pontresina, der damals gar nicht so einfach zu besteigen war. Und Freunde: Ich bin mächtig stolz, dieser Rarität helvetischer Tourismushistorie zu neuem Leben verholfen zu haben. Was uns Herr Albert an unverfälschten Beobachtungen und Begegnungen aus der Mitte des 19. Jahrhundert vermittelt, ist den Kauf dieses Buches absolut wert. www.wanderwerk.ch

26. November 2015

Röbi der Berg

Ab Februar 2016 in der
Edition Wanderwerk
erhältlich.
Im kommenden Februar wird in der Edition Wanderwerk ein historischer Reisebericht erscheinen, an dessen Bearbeitung ich derzeit bin. Wanderungen nach und in Graubünden lautet das Werk. Geschrieben hatte es anno 1856/57 ein gewisser J. Albert aus dem Norden Deutschlands. Besonders interessant sind die heute zum Teil noch kaum bekannten Orts- und Gipfelbezeichnungen. Weil das Buch auch ein Ortsregister enthält, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alte Bezeichnungen mit den heute gebräuchlichen zu ergänzen. Hierbei gilt es manchmal, wahre Knacknüsse zu lösen. Eine davon hiess Röbi, bei der es sich um den Namen eines Gipfels handelte. Google brachte mir zwar andere Quellen näher, die den Röbi ebenfalls als Berg auswiesen, doch, weil es sich ebenfalls um historische Quellen handelt, ohne einen Bezug zu heutigen Bezeichnung. Und, geben Sie einmal bei Google Röbi + Gipfel ein! Sie werden Tausende von Röbis angezeigt erhalten, die irgendwann einen Gipfel bestiegen und sich im Internet verewigt haben.

Fündig wurde ich schliesslich auf genau jener Karte, die Herr Albert bei seiner Wanderreise mit sich führte: Leuthold's neueste Reisekarte der Schweiz. Da entdeckte ich, mit der im Text erwähnten Umgebung des Röbi, einen Gipfel namens Mot de Röbi. Der Blick auf die aktuelle Landeskarte der Schweiz verriet mir nun, dass es sich um den Muot da Rubi oder auf Deutsch, das Kistenstöckli (2748 m) handelt.

Die Leuthold'sche Karte von 1868 im Massstab von ca. 1:450'000 mit dem Mot da Röbi

Die aktuelle Landeskarte zeigt den Muot da Rubi erst ab dem Massstab 1:50'000

Der Berg liegt unweit der Bifertenhütte des Akademischen Alpenclubs Basel und bildet die Kantonsgrenze zwischen Glarus und Graubünden. Nun hatte ich eine Handhabe, um weitere Nachforschungen zu diesem Berg anzustellen, so unter anderem stiess ich auf einen Eintrag im Geographischen Lexikon der Schweiz von 1902 (Autorenkollektiv, Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg, 1902-1910; 2. Band, Seite 749):

Kistenstœckli, romanisch Muot de Robi (Kt. Glarus und Graubünden). 2749 m. Schön und regelmässig geformter Felsspitz, nach allen Seiten hin steil abfallend; in der vom Bifertenstock gegen O. und NO. über die Muttenberge, den Ruchi und Hausstock ziehenden Kette und zwischen dem tief eingeschnittenen Limmernboden und dem Val Frisal; w. über dem Kistenpass. Besteht aus eocänen Schiefern mit Nummuliten, unter denen in normaler Lagerung verschiedene Stufen von Kreide und Jura (besonders Malm) folgen; im Limmernboden treten noch tiefer auch Dogger, Rötidolomit und Verrucano zu Tage. Gehört dem normalen Muldenschenkel der Glarner Doppelfalte an. Das Kistenstöckli kann von der Muttseehütte des S. A. C. aus über den Kistenpass und seine NW.-Flanke in 3½ Stunden bestiegen werden.

26. Oktober 2015

Geschafft!

Mein neustes Werk erscheint im
Frühjahr 2016
Mit einer abwechslungsreichen Wanderung über den Bözberg beendete ich vergangenen Samstag die Wanderung Nummer 53 meines im kommenden Frühjahr erscheinenden Wanderführers Rund um Zürich. Über 1000 Wanderkilometer war ich in den vergangenen anderthalb Jahren unterwegs und habe hierbei Tausende von Fotos geschossen. Das Buch wird im Bergverlag Rother publiziert und trägt den Untertitel 53 Touren zwischen Schaffhausen und Gotthard.

Die Erarbeitung des Führers war ein hartes Stück Arbeit, nicht zuletzt des miserablen Sommers 2014 wegen, der mir gar manchen Strich durch die Planung machte. Und auch der aktuelle Herbst erlaubte mir die Durchführung der zwei letzten, ursprünglich vorgesehenen Touren nicht mehr, weil er zu früh mit Schnee um sich warf. 

23. September 2015

Kilchenstock

Emil Zopfi: Kilchenstock, Limmat Verlag,
Zürich, 1996
«Eine fürchterliche Katastrophe ist so wahrscheinlich, dass Schweigen meinerseits mir als Verbrechen erschiene», schrieb der Geologe Albert Heim im November 1928 an den Landamtmann des Kantons Glarus. Am Kilchenstock über Linthal droht nach dem Urteil der Wissenschaftler ein Bergsturz. Und auch die Wirtschaftskrise zeigt Wirkung im Dorf: Fabriken entlassen Arbeiter, verarmte Bauern suchen ihr Heil in nationalen Bewegungen.

Der Dorfpfarrer Friedrich Frey ist einer der wenigen, der in dieser Zeit der Verunsicherung einen klaren Kopf behält. Er leitet eine große Hilfsaktion, kämpft gegen soziales Elend, politische Hetze und den Zerfall der Solidarität. Und immer wieder steigt er auf den Berg und registriert mit wissenschaftlicher Akribie die unaufhaltsame Bewegung der Felsmassen.

Emil Zopfi erzählt die Geschichte des Kilchenstocks aus der Sicht der bedrohten Dorfbewohner, welche auf die Umweltkatastrophe ganz unterschiedlich reagieren. Wem soll man glauben? ist die Frage, die alle bewegt. Den Wissenschaftlern? Den Politikern? Dem Pfarrer? Der Wahrsagerin? Dem eigenen Gefühl? (Klappentext)

GL: Linthal und Umgebung

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»). 

31. August 2015

Kleine Welten ganz gross

Mein Biwakplatz in marsähnlichem Ambiente. Die Einsattelung markiert die Zeinenfurggel, 2435 m.


Vergangenes Wochenende war ich im Glarnerland unterwegs. Abgehend von Braunwald wanderte ich via Alp Bösbächi hinauf ins wilde Gebiet der Zeinenfurggel, wo ich biwakierte, um anderntags halb gehend, halb kletternd besagte Furggel zu besteigen und, nun im Klöntal angelangt, bis in die Richisau zu wandern. Besonders beeindruckt haben mich nebst den mächtigen Kalkfluchten, die Erosionsformen an den Kalkblöcken entlang des Aufstiegs. Über Jahrtausende sind hier Miniwelten entstanden. Kleine Reliefs, deren Topografie an Satelitenbilder aus fernen Ländern erinnert. Dasselbe gilt auch für gewisse Uferbereiche der Gletscherseen, die der abserbelnde Bächifirn zurückgelassen hat. Was aussieht wie ein gigantisches Flussdelta aus 20 Kilometern Höhe, ist in der Tat eine Nahaufnahme, die eine Fläche von zwei Quadratmetern Fläche zeigt (letztes Bild).