21. September 2026

Regenzauber

Michael Obert: Regenzauber, Piper,
München, 2005
Einem Kindheitstraum folgend, bereist Michael Obert den drittlängsten Fluss Afrikas. Vom Regenwald durch die Sahel-Zone und die Sahara bis zur Mündung am Golf von Benin. Er begegnet Fischern, Händlern, Nomaden und Schamanen, die ihn in die Glaubenswelt der Flussvölker und die Magie des Stroms einweihen. (Klappentext)

Oberts literarischer Reisebericht erhielt am 13. Mai 2005 den Globetrotter-Buchpreis. Die Auszeichnung prämiert besonders wertvolle Werke der Reiseliteratur. Die Jury honorierte den Autor als sanften und mutigen Reisenden und «Regenzauber» als herausragendes Buch, das durch seine intensive Auseinandersetzung mit der traditionellen Welt am Niger sowie durch seine hohen literarischen Qualitäten besticht.

Moors Fazit: 566 Seiten Reiseliteratur in Vollendung. Auch wenn das von Obert Erlebte und Beschriebene für westliches Empfinden manchmal kaum zum Aushalten ist, führt es den Leser/die Leserin hautnah an die ursprüngliche Kultur Afrikas, aber auch an die Tragik der Auswirkungen von Kolonialismus und neuzeitlichem Wirtschafts-Imperialismus westlicher Herkunft. Absolut lesenswert!

11. September 2026

Mein neustes Wanderprojekt

Der aktuelle Projektstand: Hellgrün = bereits eingebundene Haltestelle. Hellblau = noch einzubindende Haltestelle. Rot = Wanderung unter Einbezug der Haltestelle geplant.


Seit ich wandere, nutze ich für die An- und Rückreise ausschliesslich den Öffentlichen Verkehr. Im Sommer 2026 ist nun die Idee entstanden, sämtlichen Bahnhaltestellen der Schweiz wandernder Weise einen Besuch abzustatten. Hierbei sollen die bislang genutzten Bahnstationen als «besucht» berücksichtigt werden. Als «besucht» gelten Bahnhöfe und Stationen, die mir entweder als Start- oder Zielpunkt einer Wanderung gedient haben. Nach der Erstellung eines Haltestellenverzeichnisses (Stand: August 2026) ergab sich die stattliche Anzahl von insgesamt 1711 Haltepunkten. Hiervon haben mir bisher mehrere hundert im Rahmen einer Wanderung als Start oder Ziel gedient. Für den Einbezug der verbleibenden Bahnhaltestellen in mein Wandernetzwerk habe ich mir folgende Spielregeln auferlegt:

  1. Stationen, die an einer Normalspurstrecke liegen, sollen allesamt als Ausgangs- oder Zielort einer Wanderung dienen.
  2. Haltepunkte, die sich an einer Schmalspurstrecke befinden, gelten als «genutzt», bzw. «besucht», wenn ich anlässlich einer Wanderung daran vorbeigewandert bin. Diese Spielregel wird demnach dazu führen, dass ich vermehrt entlang von Schmalspurlinien von Haltepunkt zu Haltepunkt wandern werde, um so möglichst viele Stationen «sammeln» zu können.
Sinn und Zweck dieses Projekt ist es, dass ich gewisse Gegenden, aber auch die unglaubliche Vielfalt des Bahnlandes Schweiz noch besser kennenlerne.

Zur Definition der «Bahnhaltestelle» für dieses Projekt: Ausgeklammert habe ich einzig sämtliche innerstädtischen Tramlinien. Folgende Überlandtramlinien sind indes mit einbezogen:
  • Liestal–Waldenburg
  • Ettingen Dorf–Rodersdorf Station
  • Gümligen–Worb Dorf
  • Zollikerberg–Esslingen
Projektstart: 28.03.1982
Stand am 09.09.2026: Von 1711 Haltestellen sind 756 in mein Wanderwerk eingebunden.
  • An Normalspurstrecken: 512
  • An Schmalspurstrecken: 244
  • Verbleibende Haltestellen insgesamt: 955
Das Projekt firmiert unter der Bezeichnung «Bahnhaltestellenwandern» und wird auf der separaten Projektseite, wo übrigens alle meine anderen Wanderprojekte (aktuelle und beendete) aufgeführt sind,  laufend aktualisiert.

7. September 2026

Neulich in 7500 St. Moritz

Die auf 2182 m gelegene Örtlichkeit nennt sich sonderbarerweise «Paradiso», oder amtlich, denn so ist sie selbst auf der Karte 1:10 000 des Bundesamts für Landestopografie vermerkt: «Paradiso Mountain Club & Restaurant». Wer auf der Webseite dieses kafkaesk anmutenden Etablissements – selbstverständlich mit einer .com-Adresse – versucht, eine Menü- oder Getränkekarte zu finden, versucht vergeblich. Vermutlich werden die Preise derart billig sein, dass sich die Lokalbetreiber genötigt sahen, auf eine Publikation zu verzichten, um den unerwünschten Andrang proletarischen Pöbels erst gar nicht aufkommen zu lassen. Aber vielleicht liege ich da völlig falsch. Who knows?

3. September 2026

Dietegen

Gottfried Keller: Dietegen, Reclam
Junior, Stuttgart, 1967
Die Novelle «Dietegen» spielt zur Zeit der Burgunder- und der Mailänderkriege in den beiden fiktiven Schweizer Städten Seldwyla und Ruechenstein. In Ruechenstein wird der Waisenjunge Dietegen, der als rechtloses Verdingkind sklavenartig gehalten wird, zu Unrecht des Diebstahls einer Armbrust bezichtigt und gehängt. Küngolt, ein Mädchen aus Seldwyla, entdeckt, dass der Junge in seinem Sarg noch lebt. Nach der Rechtsordnung Ruechensteins bekommt das Leben geschenkt, wer eine Hinrichtung überlebt. Dietegen wächst fortan beim Vater Küngolts, dem Forstmeister von Seldwyla, und ihrer Mutter auf. Küngolt sieht in ihm ihren zukünftigen Ehemann und behandelt ihn wie ihren Besitz.
Nach dem Tod der Mutter zieht die Base Violande in das Forsthaus, die den Förster heiraten und die einander liebenden Kinder auseinander bringen will. Das gelingt ihr, als Küngolt eine Gruppe Ruechensteiner mit einem Aphrodisiakum aus Violandes Besitz zu Tätlichkeiten aufreizt, bei denen einer getötet wird. In derselben Nacht verführt Violande den betrunkenen Förster zur Ehe. Küngolt wird in Seldwyla vor Gericht gestellt und muss ein Jahr Dienst beim Friedhofswärter tun. Dietegen bewacht sie dort zunächst und schützt sie vor Nachstellungen. Als Küngolt sich jedoch von einem Kaplan im Hause des Totengräbers den Hof machen lässt, überlässt er sie ihrem Schicksal.
Zusammen mit seinem Ziehvater nimmt er an der Schlacht bei Grandson teil, in der der Förster fällt. Dietegen nimmt auch an spontanen, nicht angeordneten Auszügen teil, so am Zug des törichten Lebens von 1477, und kehrt, reich und eitel geworden, nach Hause zurück. Noch im Feldlager hat er von Violande, die in sich gegangen ist, erfahren, dass Küngolt in die Hände der drakonisch strafenden Ruechensteiner gefallen ist und hingerichtet werden soll. Nur eine schnelle Heirat könne sie retten. Dietegen überwindet sein moralisches Vorurteil gegen die «Dirne», geht nach Ruechenstein und bewahrt Küngolt vorm Tod. Er beteiligt sich an den Mailänder Feldzügen, in denen er fällt, aus der Ehe aber ist ein «zahlreiches Geschlecht» hervorgegangen.

Entstehung
Die Novelle entstand in der ersten Hälfte, bis zum Tod der Forstmeisterin, von 1860–62. Der zweite Teil entstand erst 1873. Angeregt wurde Keller durch zwei juristische Fundstellen in einem der Werke des  evangelischen Geistlichen und Heimatforschers, Johann Melchior Schuler (1779–1859): «Die Thaten und Sitten der Eidgenossen: ein Handbuch der Schweizergeschichte» (Zürich 1842).

Band I S. 404 f. (unter Luzern): «Ein noch junger Knabe, der aber schon viel gestohlen hatte, ward 1473 zum Tode durch den Strick verurteilt; man bat für ihn um seiner Jugend willen, und nun sollte er ertränkt werden – aus Gnade, sagte man! Der Scharfrichter warf ihn in den Fluss und zog ihn am bestimmten Orte heraus, zerschnitt seine Bande und liess ihn als tot liegen. Die Stadtknechte legten ihn in einen Sarg, der einen Spalt hatte; Knaben blickten durch denselben und fanden, dass der Mund sich bewege; Frauen hörten dies, eilten hinzu, brachen den Sarg auf, fanden Leben im Knaben und trugen ihn in den Spital; da kam er zu sich selbst, lebte lange, ward ein Biedermann, nahm ein Weib und hatte schöne Kinder.»

Band III, S. 469 f (unter Solothurn): «Der Rath verurtheilte 1632 eine Kindsmörderin zum Tode. Da bot sich ein junger Mann von Regensburg an, sie zu heirathen. Nach uralter Sitte ward ihr nun, auf Fürbitte der Geistlichkeit, das Leben geschenkt; das Paar ward auf dem Rathhaus getraut und dann auf ewig verwiesen.» Quelle: Wikipedia