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8. April 2026

Verweile doch!

Arnold Kübler: Verweile doch! Ex Libris,
Zürich, 1974
«Belächle die Hatz und die Hetz und den Stress und die Fitness … Erfahre dich selbst» – der Feder- und Wortkünstler Arnold Kübler zeigt, wie er die Welt sieht.

«Ich beginne mit dem Schauen, mit dem Augenerlebnis», versichert Arnold Kübler. Seine meist heiteren Berichte und Zeichnungen, die er seit 1970 in den Sonntagsausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» veröffentlichte und nun seinen Freunden in Buchform vorlegt, sind keineswegs nur illustrierte Texte; sie sind vielmehr eigenständige zeichnerische Beobachtungen, denen der Text nur zufügt, was sich aus dem Gezeichneten nicht ablesen lässt. Freilich ein Text, der die Gedanken des Lesers ebenso verführt wie die Zeichnungen das Auge des Betrachters.

Da ist von den Umständen die Rede, unter denen die jeweilige Zeichnung entstand, von Begegnungen mit verständigen und unverständigen Menschen, von der Vergangenheit und vom Schicksal der Orte, überhaupt von allem, was Orte, Menschen und Dinge preisgeben, wenn man, wie Arnold Kübler, die innere Ruhe hat, zu verweilen. Auf verborgene Schönheiten hinweisend, lächelnd oder provokativ auf etwas deutend, Stimmungen einfangend oder neugierig beobachtend zieht der schreibende Zeichner oder zeichnende Schreibende durch die Welt. Und die Welt ist alles, was seine wache Aufmerksamkeit zu fesseln vermag: das Fabrikgelände in Zürich-Oerlikon ebenso wie Sizilien, das Bündnerland ebenso wie Dresden oder Frankreich.

«Verweile doch!» ist eine Aufforderung an die Zeitgenossen, vielleicht sogar eine Beschwörung, an den Wundern dieser Welt nicht achtlos vorüberzuhasten.
(Klappentext)

28. Februar 2026

Der Weg ist mein Zuhause

Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause,
Knesebeck, München, 2021
272 Tage zu Fuss unterwegs, über 6500 Kilometer und 35 Breitengrade durch sieben Länder: Was für viele Wanderer ein Traum bleibt, hat Philipp Fuge in die Tat umgesetzt. Er durchquert Europa vom südlichsten Festlandszipfel in Tarifa in Spanien bis hin zum Nordkap in Norwegen, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Während im spanischen Januar der Winter zum Frühling wird, wähnt sich Philipp im norwegischen Spätsommer schon tief im Herbst.

Die Route führt ihn von Spanien nach Frankreich durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland bis an sein Ziel in Norwegen. Er spricht kein Spanisch und auch kein Schwedisch, ist fünf Monate auf dem Weg Richtung Norden vollkommen auf sich allein gestellt, aber Sprache ist beim Wandern kein Problem. Philipp Fuge trifft auf seinem Weg viele herzliche Menschen, die seine Reise einzigartig machen. Er erspürt die Eigenheiten der Länder und Regionen und die Besonderheiten der Landschaften, die er durchwandert. Auch die Schönheit der Natur lernt er durch seine entschleunigte Fortbewegung wieder viel mehr zu schätzen. Dass er bei dieser Wanderung kein einziges Mal seinen Pass vorzeigen muss, macht seine Reise aber auch zu einem Plädoyer für ein Europa ohne Grenzen
. (Inhaltsangabe zum Buch)

24. April 2024

Mit 3 km/h durch Mitteleuropa

Rudolf Leuenberger: Begegnungen, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2024
Soeben ist in meinem kleinen Verlag ein neuer Titel erschienen: «Begegnungen» heisst er und erzählt von Weitwanderungen durch Mitteleuropa. Kaum im frühzeitigen Ruhestand, beginnt Rudolf Leuenberger (1933–2014) mit dem Fernwandern. Für jedes Jahr bestimmt er anhand einer Landkarte eine Stadt im umliegenden Ausland als Ziel, zieht eine Luftlinie von seinem Wohnort Zollikofen bei Bern und geht hernach meist den Flüssen entlang seinen Weg. Hierbei ist für den vielseitig interessierten Menschenfreund die körperliche Leistung Nebensache. Seine Kontaktfreudigkeit bringt ihm täglich neue Begegnungen und Bekanntschaften, auch wenn er der Landessprache nicht immer mächtig ist.

Die Neugier, was ihn hinter dem nächsten Hügel erwartet, hat den Autor immer wieder neu beflügelt. So sind insgesamt 14 Berichte von Wanderungen durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Österreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Tschechien und Österreich entstanden – ergänzt mit Ausrüstungs- und Orientierungstipps, aber auch mit tiefgründigen Gedanken über Gott, die Welt und anderem.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich, wo auch eine Leseprobe heruntergeladen werden kann.

22. Oktober 2020

Der Alchimist

Paulo Coelho: Der Alchimist, Diogenes,
Zürich, 1996
Santiago, ein andalusischer Hirte, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? War er nicht zufrieden mit seiner bescheidenen Existenz? Santiago ist mutig genug, seinen Traum nicht einfach beiseite zu wischen. Er wagt sich hinaus und begibt sich auf eine Reise, die ihn nicht nur von den Souks in Tanger über Palmen und Oasen bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch immer mehr zu sich selbst und erkennt, was das Leben für Schätze bereithält, die nicht einmal mit Gold aufzuwiegen sind. Verschleierte Frauen und sich bekriegende Berber säumen seinen Weg, vor allem aber Menschen, die ihn ermuntern, die Geheimnisse der Welt zu erkunden: eine Zigeunerin, ein alter Mann, und nicht zuletzt der weise Alchimist. Und er erfährt die Liebe in ihrer schönsten Form. Fatima und der Alchimist helfen ihm, bis zu tiefstem innerem Glück und völligem Einklang mit der Welt und den Menschen vorzudringen. (Klappentext)

E: Andalusien, Tarifa Afrika: Tanger, Sahara, Pyramiden von Gizeh

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»). 

5. Oktober 2020

Dampf-Impressionen

Heinz Sigg: Dampf-Impressionen: Orell Füssli, Zürich,
1982
Dies ist das Buch eines Poeten, der genau betrachtet und Stimmungen aufnimmt. Für diesen Menschen ist eine Dampflokomotive nicht nur eine technische Meisterleistung; sondern gehört zum Ganzen der Landschaft. aus der sie auftaucht und in die sie sich wieder verliert.

Heinz Sigg, selber Heizer und Lokführer auf Museumszügen, ist dem noch lebenden Dampf im Westen und Osten unseres Kontinents auf der Spur. Sei es in Spanien, in Polen oder in der DDR: Fast immer sind es «letzte» Linien, nicht selten sogar Maschinen, die im offiziellen Fahrplan gar nicht mehr im Einsatz sind.

Die Texte zu den Bildern sind bewusst kurz gehalten, sie treten hinter das Optische zurück. Mit einigen behutsam und genau gesetzten Worten versucht der Autor den Eindruck für den Betrachter zu verstärken und stimmungsmässig zu bereichern. Die Aufnahmen haben Dokumentcharakter. Jedes Bild steht für ein Erlebnis.

Siggs «Dampfimpressionen» ist ein Buch über das, geheimnisvolle Leben und Vorübergehen der schönsten, der menschlichsten Maschine, die der Mensch je geschaffen hat.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»).

27. August 2019

Der Sandmaler

Henning Mankell: Der Sandmaler, Zsolnay,
Wien, 2017
Stefan und Elisabeth treffen sich auf dem Flug nach Afrika kurz nach dem Abitur wieder. Gegen Ende der Schulzeit hatten sie eine flüchtige Beziehung. Während Stefan das Strandleben geniesst, will Elisabeth das fremde Land in Afrika verstehen. Sie freundet sich mit einem Lehrer an, der ihr die historischen Hintergründe erklärt, und der einheimische Guide Ndou führt sie durch die ärmsten Viertel. Elisabeth lernt, die Welt und ihr eigenes Leben mit anderen Augen zu sehen. Bereits in Mankells erstem Afrika-Roman sind seine späteren grossen Themen versammelt: die Schönheit der Natur, die Überlebenskunst der Einheimischen, die Gedankenlosigkeit der weißen Touristen und die Nachwirkungen des Kolonialismus. (Klappentext)

Moors Fazit: Dieser Roman erschien 1972, sieben Jahre nach der Unabhängigkeit Gambias von Grossbritannien. Dass die Geschichte 45 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wieder neu verlegt wurde, mag ein weiteres Zeugnis dafür sein, wie wenig sich bis heute das afrikanisch-europäische Verhältnis verändert hat. Leider geht in heutiger Zeit der geschichtliche Hintergrund zu oft vergessen, weshalb es derart viele Afrikaner in den Norden zieht. Und Millionen weiterer Afrikaner hätten Gründe genug, nach Europa oder Nordamerika zu flüchten, um ihrer Misere zu entfliehen, die wir letztlich dem kolonialistischen Gebaren gewisser westlicher Staaten und dem daraus resultierenden Machtgehabe Afrikanischer Potentaten zu verdanken haben. Henning Mankell schafft es, in seiner einfachen und dennoch literarisch treffenden Sprache darzustellen, mit welcher Arroganz die westliche Welt indigenen Völkern anderer Kontinente mitunter begegnet.

S: Landskrona, Stockholm, Limhamn DK: Kastrup b. Kopenhagen E: Teneriffa Gambia: Banjul und Umgebung

7. Juli 2019

Die unglaubliche Reise des Ludwig Gnadl

Ludwig Gnadl: Fussreise eines Bäcker-
gesellen durch Europa, Asien und Afrika,

Liliom-Verlag, Waging, 2001 (Nach-
druck der Originalausgabe von 1912)
«Fussreise eines Bäckergesellen durch Europa, Asien und Afrika» lautet der Titel eines 1912 in München erschienenen Buches. Geschrieben hat es der aus dem oberbayerischen Waging stammende Ludwig Gnadl. Im Jahre 2001 publizierte der in besagtem Waging ansässige Liliom-Verlag einen Faksimiledruck der Originalausgabe. Mit gutem Grund, denn die Erstausgabe ist 1. antiquarisch kaum mehr zu bekommen und 2. ist Gnadls Bericht eine durch und durch lesenswerte Sache!

Der am 12.6.1882 in Waging am See geborene Gnadl machte sich nach seiner Ausbildung zum Bäcker auf zu einer langen Reise, die ihn bis in den Nahen Osten und nach Afrika führen sollte. Die Suche nach Arbeit gestaltete sich überall schwierig, weshalb sich der Autor nicht selten ohne Geld durchschlagen musste. Was er in all den Ländern erlebte, grenzt zwischendurch an kaum für möglich zu haltende Umstände. Und genau dies macht den Text so wertvoll, zeigt er doch die damaligen Verhältnisse ungeschminkt auf. Besonders interessant sind die Abschnitte über Gnadls Aufenthalte in den ost- und westafrikanischen Ländern, als der Kolonialismus noch in vollem Gang war. Da kommt ein mittelloser Europäer als blinder Passagier eines Frachtschiffes in einem afrikanischen Land an und sucht nach Arbeit ... Gut 100 Jahre später sind die Verhältnisse gerade umgekehrt ... und was dies bedeutet, lesen und sehen wir täglich in den Medien.

Das nachfolgend 1:1 wiedergegebene Inhaltsverzeichnis zeigt auf, wohin Gnadls Reise ging: Über München in die Schweiz > Von Basel nach Paris > Von Paris über Orléans und Bordeaux nach Spanien > In Spanien zu Fuss nach Gijon > Vierzehn Tage an Bord des deutschen Küstendampfers «Ceres» als blinder Passagier > Mein Aufenthalt in holländischen Gefängnissen > Per Schub nach Deutschland und vier Monate Reise in Deutschland > Über die Schweiz nach Mailand, Genua und Nizza > Meine Reise nach Tunis und einjähriger Aufenthalt dort > Von Tunis nach Malta und Alexandrien > Nach Kairo und ein Jahr Aufenthalt dort > Ein Jahr in Abessinien > Von Abessiniern überfallen und ausgeraubt, dann zu Fuss durch das Isaasomaliland nach der französischen Küste > Mein Aufenthalt in Djibouti > Fünftägige Seereise in einem kleinen offenen Boot im indischen Ozean > Mein Aufenthalt in Aden > Als blinder Passagier an Bord des deutschen Reichspostdampfers «Feldmarschall» > Mein Aufenthalt in Ägypten > Von Alexandrien nach Neapel auf einem italienischen Passagierdampfer > Von Neapel zu Fuss nach Rom und mein Aufenthalt dort > Von Rom nach Bayern per Bahn > Von München zu Fuss nach Lissabon und mein Aufenthalt dort > Von Lissabon zu Fuss nach Gibraltar > Von Gibraltar nach Marokko und Aufenthalt dort > Von Tanger nach den kanarischen Inseln auf einem englischen Passagierdampfer > Mein Aufenthalt in Las Palmas > Als blinder Passagier an Bord des deutschen Frachtdampfers «Edea» von der Hamburg-Amerika-Linie > In Liberia an Land gesetzt > Mit demselben Dampfer von Liberia nach Lomé > Meine Ankunft in Lomé und 2½jähriger Aufenthalt dort Von Lomé mit dem Moermann-Dampfer «Lucie» nach Hamburg und mit der Bahn nach München

27. März 2019

Nina und Tom

Tom Kummer: Nina & Tom, Blumenbar,
Aufbauverlag, Berlin, 2017
Tom liebt Nina.
Nina liebt Tom.


Sie hat nur noch wenige Tage zu leben.


Die größte Liebesgeschichte seit «Love Story».

So jemanden wie Nina hat Tom noch nie gesehen: Sie sieht aus wie ein Knabe und hat diesen Gangsterblick, der keine Schwächen zulässt. Er selbst bastelt Feuerbomben und inszeniert Geschichten, die wie die Wahrheit klingen. In Barcelona lernen sie sich kennen, in Berlin experimentieren sie mit Sex, Pop und Drogen, und in L. A. gründen sie eine Familie. Nina & Tom sind das ungleiche Paar, das nur die Extreme kennt. Doch nun, nach dreissig gemeinsamen Jahren, ist Nina krank. Sie wird sterben. Und niemand kann sie davon abhalten, ihre letzten Tage in Freiheit zu verbringen. Ein Buch, wie es nur das Leben schreiben kann.

«‹Wir sind Engel der Hölle›, sage ich zu Nina, als wir in der Lufthansa-Maschine die Anden überqueren. Sie legt ihren Arm über meine Schulter. Ich lege meine Finger auf ihre Wange und streiche hinunter bis zum Kinn. Ich sehe, wie ihre Lippen zittern: ‹Tom›, sagt sie, ‹wie wollen wir jetzt weiterleben?›»

Tom Kummer, der «Bad Boy» des deutschen Journalismus, hat der Frau ein Denkmal gesetzt, von der ihn nur der Tod scheiden konnte: ein durch und durch erschütterndes Buch.
(Text schamlos kopiert von der Website des Verlags. Und der «Bad Boy» hat selbst in diesem, meiner Meinung nach ziemlich pietätlosen Roman, nicht alles selber erfunden, wie hier nachzulesen ist.)

BE: Biel, Schnottwil A: Obertauern D: Berlin, Weil am Rhein E: Portbou, Walter-Benjamin-Weg bei Portbou, Barcelona, Umgebung von Saragossa, Barceloneta, Sitges F: Toulouse, Paris   GB: Londonderry, Windsor NL: Amsterdam USA: Los Angeles, Umgebung von Wichita, Borrego Springs, Palm Springs Diverse: Lima, Bolivien, Santiago de Chile

9. März 2019

Nachtzug nach Lissabon

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon,
btb, München, 2006
Mitten im Unterricht verlässt ein Lehrer seine Schule und macht sich auf den Weg nach Lissabon, um den Spuren eines geheimnisvollen Autors zu folgen. Immer tiefer zieht es ihn in dessen Aufzeichnungen und Reflexionen, immer mehr Menschen lernt er kennen, die von diesem Mann, den ein dunkles Geheimnis umgibt, zutiefst beeindruckt waren. Eine wundervolle Reise – die vergeblich sein muss und deren Bedrohungen der Reisende nicht gewachsen ist. Endlich kann er wieder fühlen, endlich hat er von seinem Leben zwischen Büchern aufgeblickt – aber was er sieht, könnte ihn das Leben kosten … (Inhaltsangabe zum Buch)

BE: Stadt Bern, Kirchenfeldbrücke, Kirchenfeldgymnasium, Hotel Bellevue, Spanische Buchhandlung am Hirschengraben, Bärenplatz, Länggasse, Bahnhof Bern, Moutier P: Lissabon, Coimbra, Bélem CH-F-E-P: Bahnfahrt Bern–Lausanne–Genf–Paris–Bordeaux–Irùn–Lissabon

13. September 2018

An einem hellen Morgen ging ich fort

Laurie Lee: An einem hellen Morgen
ging ich fort,
Milena, Wien, 2016
Die wunderbare Geschichte eines jungen Engländers, der eines Tages mit nichts als seiner Geige in die Welt zieht. Nichts ahnend vom Gang der Dinge, durchstreift er Spanien und beschreibt seine Erlebnisse auf unvergessliche Weise. Ein wunderschönes Buch, das in England begeisterte Aufnahme fand und ein Bestseller wurde – wieder entdeckt.

Ein kleines Zelt, eine in eine Wolldecke eingewickelte Geige, Wäsche zum Wechseln und eine Dose Kekse: Das ist die ganze Ausrüstung Laurie Lees, als er an einem strahlenden Junimorgen sein Heimatdorf in Gloucestershire verlässt und sich auf den Weg nach London macht. «Neunzehn Jahre war ich alt, noch nicht trocken hinter den Ohren, aber ich verliess mich auf mein Glück.» Mithilfe seines Geigenspiels schlägt er sich als liebenswürdiger, alle Eindrücke intensiv erlebender Vagabund zunächst bis London durch.


Da Laurie weder ein anderes Land noch eine andere Sprache kennt, wählt er Spanien als nächstes Reiseziel, er betritt es in Vigo und durchwandert es bis nach Gibraltar, macht Bekanntschaften mit Bauern und Bettlern, den Armen und Ärmsten, musiziert für Brot und Wein und schläft in Olivenhainen und Wirtschaftshaushöfen. Es ist das Jahr 1935, und der kommende Bürgerkrieg wirft seine Schatten voraus.
(Klappentext)

Moor meint: Spannend, poetisch und wunderbar übersetzt.

22. Mai 2018

Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell: Die schwedischen
Gummistiefel
, dtv Verlag, München, 2017
Seit Fredrik Welin als Chirurg ein Kunstfehler unterlief, lebt er allein auf einer einsamen Insel in Schweden. Ihm ist nach dem Brand seines Hauses so gut wie nichts geblieben. Nur wenige Menschen, die ihm nahestehen: Jansson, der pensionierte Postbote, die Journalistin Lisa Modin, in die er sich verliebt, und seine Tochter Louise, die schwanger ist und in Paris lebt. Als sie wegen eines Diebstahls in Untersuchungshaft gerät, ruft sie ihn zu Hilfe. Während er in Paris über ihre Freilassung verhandelt, erfährt er, dass auf den Schären schon wieder ein Haus in Flammen steht. Mankells letzter Roman, der Nachfolger des Bestsellers «Die italienischen Schuhe», ist ein sehr persönliches Buch und beschwört die Möglichkeit menschlicher Nähe angesichts von Einsamkeit, Alter und Tod. (Inhaltsangabe zum Buch)

Mein erster Mankell und zugleich Mankells letzter Roman, jedoch mit Bestimmtheit nicht mein letzter Mankell, dessen Duktus grosses Suchtpotenzial versprüht.

S: Schärenküste in der Nähe von Stockholm (1. Hauptschauplatz), Arlanda E: Barcelona F: Paris (2. Hauptschauplatz). F, D, DK, S: Bahnfahrt von Paris via Hamburg–Kopenhagen nach Stockholm

3. Januar 2018

Ein Atheist auf Marienwallfahrt

Robert Ward: Pilgerwege eines
Ungläubigen, Kreuz Verlag, Stuttgart,
2004, vergriffen
Santiago, Finisterre, Chartres, Lourdes, Fatima, Loreto und andere grosse Wallfahrtsorte: Was der kanadische Autor Robert Ward hier an aussergewöhnlichen Erfahrungen gemacht hat, ist in diesem Buch im Geiste miterlebbar. Ein literarisch und journalistisch gekonntes, inhaltlich inspirierendes und liebenswertes Buch, das «Gläubigen» hilft, sich besser zu verstehen, und «Ungläubige» mit der kritisch-hinterfragenden Neugier des Autors anstecken kann. Ein Buch aber auch, das hervorragend übersetzt worden und leider vergriffen ist. Ward verfügt zudem über die nötige religiöse Distanz, sich vertieft Gedanken über die erlebten Situationen zu machen, ohne dass er sich selber als Besserwisser versteht. Aus meiner Sicht sind ihm damit beeindruckende Reportagen aus der katholischen Welt gelungen, die vieles in einem zu reflektierenden Licht erscheinen lassen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Ueli Brunner vom Ultreïa Verlag, der mir diese Lektüre geschenkt hat.

17. November 2017

Jakobsweg

Carmen Rohrbach: Jakobsweg, Frederking
& Thaler, München, 1991, neu aufgelegt
im Piper Verlag, München
Seit 1000 Jahren pilgern die Menschen zum Grab des heiligen Jakob im Norden Spaniens. Eine Frau von heute macht sich auf, den Spuren der Pilger von gestern zu folgen. Mit Rucksack und Pilgerausweis wandert sie auf der spanischen Seite des Weges durch Wiesen und Wälder, erlebt die sternklaren Nächte in einsamer Natur und ist oft der Erschöpfung nahe. Doch sie wird reich belohnt durch die freundlichen, hilfsbereiten Menschen und die immer spürbare lebendige Geschichte und Natur. (Klappentext)

13. September 2017

Bis ans Ende der Welt

René Freund: Bis ans Ende der
Welt,
Picus Verlag, Wien, 1999
Herbe Landschaften und liebliche Gegenden, karge, weite Landstriche ohne Brunnen, ohne Dorf, dann wieder pittoreske Orte, hin zu den tückischen Pyrenäen – 1500 Kilometer lang ist der Fussweg von Mittelfrankreich nach Santiago de Compostela, der mythische Jakobsweg oder Camino de Santiago. Es sind zwei Monate Fussmarsch, an dessen Ende der Wanderer oder Pilger noch einmal auf eine harte Probe gestellt wird in der ungastlichen Meseta. Diese Wanderung, die René Freund in einem sehr persönlichen Tagebuch nachzeichnet, bedeutet emotionale Wechselbäder von euphorischem Glücksgefühl über die Faszination der Landschaft und das Hinauswachsen über die eigenen Kräfte bis hin zur Wut über den eigenen «Masochismus» und zu physischen wie psychischen Krisen. René Freunds Perspektive vereint wohldosiert die Objektivität des aufmerksamen Beobachters mit der Begeisterung des jeden Tag neu Aufbrechenden, das Feingefühl des Naturliebhabers mit teils ironisch gebrochener sachlicher Darstellung. So macht er Leserinnen und Leser zu Begleitern und lässt sie die Ängste, Nöte und Freuden der modernen Pilger miterleben. [Klappentext]

11. August 2017

Mein Jakobsweg

Elke Sauer: Mein Jakobsweg, Piper,
München, 2010. Das Buch ist 2008 im
Weltbildverlag erschienen, wo es immer
noch greifbar ist.
Das ist unmöglich, sagten Bekannte und Verwandte, du wirst diesen schweren Weg nicht schaffen. Aber Elke Sauer liess sich nicht aufhalten. Nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs ging sie im Jahr 2004 los, von Burgos bis nach Santiago de Compostela, 500 Kilometer weit. Ihr Körper war nach sieben Jahren schwerer Krankheit geheilt, ihr Geist offen für die intensiven Erfahrungen, die atemberaubende Natur, die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Dies ist das wohl bewegendste Buch über den Jakobsweg: Eine Frau erlebte das Pilgern als Geschenk eines neuen Lebens. (Klappentext)

22. Februar 2017

Nach Santiago – wohin sonst?

Peter Lindenthal: Nach Santiago – wohin
sonst!
Tyrolia, Innsbruck + Wien, 2002 
Peter Lindenthal ist seit seiner ersten Pilgerfahrt nach Santiago im Bann des Jakobsweges. Er wählte die südlichste der vier grossen Routen, die «Via Tolosana» von Arles über Toulouse und den Col de Somport nach Puente la Reina jenseits der Pyrenäen, wo sich die Jakobswege vereinen.

Nach den ersten Tagen in angenehmer Frühlingssonne holt Lindenthal der Winter ein mit Regen und Schnee, ungeheizten Unterkünften und verschlammten Böden. Nach Wochen einsamer Pilgerschaft – aber stets herzlich aufgenommen von der hilfsbereiten einheimischen Bevölkerung – trifft er in Puente la Reina auf andere Jakobspilger. Der Weg durch den Norden Spaniens verspricht Geselligkeit in den Pilgerherbergen, doch da erkrankt Ajiz, der vierbeinige Begleiter des Autors, schwer. An ein Weiterwandern kann vorerst nicht gedacht werden.

Der spannende Pilgerbericht des österreichischen Jakobsweg-Pioniers mit vielen interessanten Hintergrundinformationen. (Inhaltsangabe zum Buch)

9. Februar 2017

Dem Zeitgeist verfallen

Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg,
Diogenes, Zürich, 1999
So sehr ich den Diogenes Verlag schätze, mit diesem Paulo Coelho kann ich weder hinten noch vorne etwas anfangen. Sein Buch «Auf dem Jakobsweg» erliegt denn gleich einem doppelten Zeitgeist: 1. Der vermeintlichen Wiederentdeckung dieser Pilgerroute, die mittlerweile zum modischen Wanderziel für jedermann verkommen ist. Und 2. dem esoterischen Gehabe einer Welt, die sich besser an der Realität orientiert als an der Beliebigkeit des Unsichtbaren. Mehr habe ich aus meiner Warte zu diesem Bericht nicht zu sagen. (Es spricht der Agnostiker.)

7. Dezember 2016

Dem eigenen Leben auf der Spur

Felix Bernhard: Dem eigenen Leben auf der
Spur, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M,
2008
Allen Widerständen zum Trotz pilgerte Felix Bernhard drei Mal auf dem Jakobsweg und machte das Unmögliche möglich: 2450 Kilometer hat er auf dem Pilgerweg inzwischen zurückgelegt. er überwand steile Pässe und endlose Ebenen unter sengender Sonne und in strömendem Regen. Alleine und – im Rollstuhl. Mit dieser Pilgerreise lässt sich Felix Bernhard jedoch nicht nur auf ein waghalsiges Abenteuer ein: Sie wird zur Reise seines Lebens. Klappentext

13. August 2016

Verbeugung vor Spiegeln

Martin R. Dean: Verbeugung vor Spiegeln,
Jund und Jung, Salzburg/Wien, 2015
Man könnte meinen, das Fremde sei allgegenwärtig. Jedenfalls gibt es kaum ein Thema, das von der Tagespolitik über die Medien bis zu den Stammtischen so heftig diskutiert wird, und immer geht es um die Fremden und um Abwehr, Regulierung und Integration. Martin R. Dean, als Sohn eines Vaters aus Trinidad in der Schweiz geboren, kennt die Debatte, vor allem aber kennt er die Erfahrung, die er in vielen seiner Romane fruchtbar gemacht hat. So auch in diesem Buch, in dem er das Fremde als radikale Erfahrungsmöglichkeit im Austausch unter Menschen beschreibt. In einer Art Selbstbegegnung sucht er nach Spuren der eigenen Verwandlung, wie sehr ihn das Fremde, die Begegnung mit dem anderen, auf Reisen, in der Literatur, zu dem gemacht hat, der er ist. Und er kommt zu einem überraschenden Schluss: Das Fremde, das eigentliche Kapital der Moderne, droht in den Prozessen der Globalisierung zu verschwinden. Um es wiederzugewinnen, müssen wir darauf bestehen, dass das Fremde fremd bleibt, wir müssen es aushalten. Und wir müssen vor allem »verlernen«, es uns verständlich machen zu wollen. (Klappentext)

AG: Menziken E: Sevilla F: Paris GB: London GBZ: Gibraltar IND: Indien J: Japan MA: Marrakesh TT: Trinidad + Tobago

Martin R. Dean
Geboren 1955 in Menziken (AG). Sohn einer Schweizerin und eines karibischen Vaters aus Trinidad. Studium der Germanistik, Ethnologie und Philosophie. Lebt als Schriftsteller, Journalist und Essayist in Basel.

21. Mai 2016

The Hairy Hikers

David Le Vay: The Hairy Hikers,
Summersdale, Chichester, 2012
Fuelled by a degree of midlife crisis and the need to escape from routine, armed with rusty schoolboy French and plenty of schoolboy humour, friends David and Rob set out to walk the fabled GR10 hiking trail. It will take them from the Hendaye on the Atlantic coast to Banyuls-sur-Mer on the Mediterranean, through beautiful scenery and one of the most spectacular mountain ranges in Europe. Just about perfect – if you can put aside the inevitable snoring-induced conflict and bad habits that result from two men spending over seven weeks in each other’s company. (Klappentext)

Moors Fazit: Amüsant zu lesender Bericht und very british, indeed! Wer sich für einmal aus den Alpen entfernen und neue Berge kennen lernen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. In der Schweiz bei www.dodax.ch erhältlich.