29. April 2026

Asiatische Absencen

Wolfgang Büscher: Asiatische Absencen,
Rowohlt, Berlin, 2008
Asien, das ist für Wolfgang Büscher das radikal Fremde. Indien, Kambodscha, der Himalaya, Tokio, China – ein Unterwegssein zwischen Traum, gesteigerter Wahrnehmung und Vergessen.

Einmal fällt der Reisende in heftiges Fieber. Seine Gefährten lassen ihn in einem aufgegebenen Kolonialhospital zurück, wo er seine Abenteuer aufs neue durchlebt: den indischen Traum des Europäers, die Extreme von Faszination und Abstossung. Er fährt über staubrote Pisten zu einem Palast, in dem ein Fürst ein Sitarkonzert für seine Affen gibt, flieht aus der Zelle eines Yogapriesters, der ihn rekrutieren will. An der tibetischen Grenze besteigt er einen Viertausender, auf dem sich Hunderte Schamanen treffen. Und er geht an Bord eines modernen Supertankers, unterwegs nach Singapur, verschläft die Tage und verbringt die Nächte auf der Brücke mit dem diensthabenden Offizier, der unentwegt das Kricketspiel übt. Doch der Engländer hat das Festland lange nicht mehr betreten, er ist der See verfallen …

Absencen, das sind Abwesenheiten, Reisen, Träume, das ist Wolfgang Büschers melodiös-sinnliche Prosa – seine Asienfahrten, die zu Geschichten wurden, literarisch auf den Spuren eines Rudyard Kipling oder Joseph Conrad.
(Klappentext)

26. April 2026

Von der Erde zum Mond

Jules Verne: Von der Erde zum Mond,
Diogenes, Zürich, 1976
In Baltimore wird während des amerikanischen Sezessionskrieges der Gun-Club gegründet. Die Mitglieder, alles Erfinder von Feuerwaffen, beschliessen, ein Projektil zum Mond zu schiessen, eine riesige Leichtmetallkugel, die von einer Riesenkanone abgefeuert werden soll. Als man gerade mit dem Guss der überdimensionalen Kanone begonnen hat, meldet sich ein Franzose namens Michel Ardan mit dem Vorschlag, das Geschoss zu bemannen, und stellt sich selber zur Verfügung. So besteigen Ardan, Barbicane, der Präsident des Gun-Clubs, sowie Nicholl, eigentlich erbitterter Gegner dieses Projekts, die Kugel, die vor einer unübersehbaren Zuschauermenge Richtung Mond abgeschossen wird …

Mehr als hundert Jahre vor dem ersten Mondflug hat Jules Verne »seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch« (Arno Schmidt). Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heisst heute ein Mondkrater «Jules Verne».
(Klappentext)

20. April 2026

Ich bleibe hier

Marco Balzano: Ich bleibe hier,
Diogenes, Zürich, 2020
Trina ist eine junge Lehrerin und lebt in Graun, einem hübschen Bergdorf im Vinschgau. Doch die Zeiten sind düster. Die von Hitler und Mussolini ausgehandelte «Grosse Option» zwingt sie, wie alle deutschsprachigen Südtiroler, zu einer Entscheidung: entweder ins Deutsche Reich auszuwandern oder weiter in Italien Bürger zweiter Klasse zu sein. Trina bleibt – obwohl sie in ihrem Dorf nicht als Lehrerin tätig sein darf. Und sie bleibt auch, als nach dem Krieg ihr Dorf einem Stausee weichen soll, einem Energieprojekt, das keine Rücksicht auf Mensch und Natur nimmt.

Marco Balzano erzählt eine Geschichte von Leid, Widerstand und Mut – eine universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen. (Klappentext)

I: Altgraun, Graun, Reschen, Reschensee, St. Valentin, Mals, Glurs, Schluderns, Meran, Bozen, Sondrio TI: Lugano

Mehr über den Reschensee weiss einmal mehr Wikipedia.

Die Gegend von Reschen und Graun vor der Flutung des Stausees 1949/50.

Die Gegend von Reschen und Graun heute.


17. April 2026

Reisen und bleiben

Andrea Bocconi: Reisen und bleiben,
Dörlemann, Zürich, 2007
REISEN – Neue Gerüche, neue Geschmäcker, andere Spielregeln. Niemand kennt uns, niemand verbindet unser Gesicht mit einem Namen. Unsere alte Identität hat keine Gültigkeit mehr. Wir werden mit neuen Augen gesehen und betrachtet, und wir sehen und betrachten selbst mit neuen Augen. Wir fühlen uns freier, lebendiger, unsere Sinne erwachen, unsere Vorurteile werden abgebaut. Doch das ständige Weggehen lässt sich auch als Wiederholungszwang entlarven, der mit Freiheit nichts zu tun hat, als eine Flucht vor uns selbst.

UND BLEIBEN – Der eine geht auf Reisen, doch eingesponnen in seinen eigenen Kokon bewegt er sich nicht von der Stelle. Der andere bewegt sich und legt lange Wege zurück, ohne je sein Zimmer zu verlassen. Ist es am Ende unerheblich, ob man reist oder bleibt? Andrea Bocconi nimmt uns mit auf eine kunterbunte Reise durch die unzähligen Facetten und Aspekte des Reisens und Bleibens.
 (Klappentext)

14. April 2026

Journeyman

Fabian Sixtus Körner: Jouneyman,
Ullstein, Berlin, 2015
Wie kommt man einmal um die Welt, mit nur 255 Euro auf dem Konto? Fabian Sixtus Körner schnappt sich seinen Rucksack und macht sich auf ins Ungewisse. Sein Plan: Alle Kontinente dieser Erde bereisen – und überall für Kost und Logis arbeiten. Ohne Reiseroute und feste Jobs, nur mit dem Drang nach Freiheit und grenzenlosem Optimismus im Gepäck.

Körner erlebt Hahnenkämpfe in Santo Domingo, permanente Abschiede, Modelwettbewerbe in Malaysia, Kulturschocks, wackelige Baugerüste aus Bambus in Schanghai und grenzenlose Gastfreundschaft. Er legt Tausende von Kilometern in Fliegern, Zügen, Bussen, löchrigen Booten und Rikschas zurück und arbeitet dabei mal als Grafiker, mal als Architekt oder Fotograf. Zwei Jahre und drei Monate, über sechzig Orte, querweltein (Klappentext)

11. April 2026

Im Herz das Feuer

Andreas Altmann: Im Herz das
Feuer, Picus, Wien, 2001
In Kairo beginnt Andreas Altmann seine drei Monate lange Reise in den Süden Afrikas. Mit viel Sinn für die absurde Komik des Schrecklichen führt uns der renommierte Reporter durch diesen geheimnisvollen Kontinent; dabei hat Altmann keinerlei Berührungsängste, nie ist er der distanzierte Beobachter: Er geht nah heran, verführt die Menschen zum Reden und Geheimniserzählen. So entsteht ein Kaleidoskop von teils komischen, teils traurigen meist aber beeindruckend schönen Momentaufnahmen: der Besuch beim Friseur, der mit einer Ziege auf dem Schoss in seinem Laden sitzt; die fünfköpfige Familie, die in die Totenstadt im Osten von Kairo gezogen ist, weil unter den Lebenden kein Platz mehr war; die Strassen «Old Cairos» mit ihrem Unrat und ihren Pariahunden.

Auf Sandpisten und Dschungelwegen nähert er sich langsam seinem Ziel, wobei das Vorankommen immer wieder zur fast unlösbaren Aufgabe wird: Altmann lässt den Leser teilhaben an einer Sinnlichkeit und auch den Strapazen des Reisens, die ihn an seine körperlichen Grenzen bringen. Er wohnt in Hotels «mit halbem Stern», verbringt die nächtliche Überfahrt auf dem Lake Nasser auf einem Küchentisch dösend; auf dem Dach eines Lasters geht es durch die Sahelzone; er hört Geschichten von Goldschmuggler-Karawanen und mutigen Banditen und bewundert das afrikanische Talent zum Teilen. (Klappentext)

8. April 2026

Verweile doch!

Arnold Kübler: Verweile doch! Ex Libris,
Zürich, 1974
«Belächle die Hatz und die Hetz und den Stress und die Fitness … Erfahre dich selbst» – der Feder- und Wortkünstler Arnold Kübler zeigt, wie er die Welt sieht.

«Ich beginne mit dem Schauen, mit dem Augenerlebnis», versichert Arnold Kübler. Seine meist heiteren Berichte und Zeichnungen, die er seit 1970 in den Sonntagsausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» veröffentlichte und nun seinen Freunden in Buchform vorlegt, sind keineswegs nur illustrierte Texte; sie sind vielmehr eigenständige zeichnerische Beobachtungen, denen der Text nur zufügt, was sich aus dem Gezeichneten nicht ablesen lässt. Freilich ein Text, der die Gedanken des Lesers ebenso verführt wie die Zeichnungen das Auge des Betrachters.

Da ist von den Umständen die Rede, unter denen die jeweilige Zeichnung entstand, von Begegnungen mit verständigen und unverständigen Menschen, von der Vergangenheit und vom Schicksal der Orte, überhaupt von allem, was Orte, Menschen und Dinge preisgeben, wenn man, wie Arnold Kübler, die innere Ruhe hat, zu verweilen. Auf verborgene Schönheiten hinweisend, lächelnd oder provokativ auf etwas deutend, Stimmungen einfangend oder neugierig beobachtend zieht der schreibende Zeichner oder zeichnende Schreibende durch die Welt. Und die Welt ist alles, was seine wache Aufmerksamkeit zu fesseln vermag: das Fabrikgelände in Zürich-Oerlikon ebenso wie Sizilien, das Bündnerland ebenso wie Dresden oder Frankreich.

«Verweile doch!» ist eine Aufforderung an die Zeitgenossen, vielleicht sogar eine Beschwörung, an den Wundern dieser Welt nicht achtlos vorüberzuhasten.
(Klappentext)

5. April 2026

Fatal Woman

Patrick Quentin: Fatal Woman, Diogenes,
Zürich, 1996
Peter Duluth, erfolgreicher New Yorker Theaterproduzent und glücklicher Ehemann, folgt einer mitleidigen Laune, als er sich auf einer Party eines unscheinbaren jungen Mädchens annimmt. Schliesslich ist seine Frau, eine bekannte Schauspielerin, gerade für einige Zeit verreist und er fühlt sich einsam. Nanny Ordway scheint jung, unerfahren und hilfsbedürftig. Sie appelliert an seinen männlichen Beschützerinstinkt. Das junge Mädchen lässt Peter Duluth nicht los – und als sie tot in seiner Wohnung gefunden wird, wird die Affäre für ihn zum Alptraum. Seine Frau verlässt ihn, die Freunde verdächtigen ihn des Ehebruchs, und die Polizei des Mordes. Plötzlich sieht er sich in einem Netz von Intrigen gefangen … (Klappentext)

USA: New York City

2. April 2026

Hohgant

Gabriel Anwander: Hohgant, Emons, Köln
2016
Auf den Strassen des Berner Mittellandes taucht auffallend reines Kokain auf – Gerüchten zufolge stammt es aus dem Emmental. Dabei trinkt man in der grünen Hügellandschaft höchstens Schnaps; Kokain kennen die Menschen nur vom Hörensagen. Als die Drogen ein erstes Opfer fordern, macht sich Privatdetektiv Alexander Bergmann auf die Suche nach den Hintermännern. Er ahnt nicht, dass er sich mit Gegnern anlegt, die ihn zwingen, die Grenze des Legalen zu überschreiten … (Klappentext)

BE: Langnau i.E, Stadt Bern, Trubschachen, Camping Mettlen (Gohlgraben) LU: Flühli