30. Juli 2014

Small World

Martin Suter: Small World,
Diogenes, Zürich, 1999
Erst sind es Kleinigkeiten: Konrad Lang legt aus Versehen seine Brieftasche in den Kühlschrank. Bald vergisst er den Namen der Frau, die er heiraten will. Je mehr Neugedächtnis ihm die Krankheit – Alzheimer – raubt, desto stärker kommen früheste Erinnerungen auf. Und das beunruhigt eine millionenschwere alte Dame, mit der Konrad seit seiner Kindheit auf die ungewöhnlichste Art verbunden ist. (Klappentext)

GR: Pontresina, Spital Samedan, Stazer Wald TG: Basadingen TI: Autobahn A3 bei Bellinzona ZH: Stadt Zürich

29. Juli 2014

Stalden – Visperterminen – Visp

Am Sonntag ging ich im Wallis eine schöne Route. Mit der Bahn fuhr ich via Visp nach Stalden-Saas, folgte auf dem alten Talweg hinab zur Vispa und stieg am gegenüberliegenden Hang nach Staldenried hoch. Von hier wandte ich mich nordwärts Richtung Visperterminen und stiess auf einen wunderbaren Hangweg, der hoch über dem Talgrund durch magisch anmutenden Bergwald führte. In einer Lichtung mit Wiese sah ich einen Feldhasen friedlich äsen. Nur wenige Schritte weiter erblickte ich mitten auf dem Weg einen kapitalen Gamsbock. Der Pfad machte mit seinem geschmeidigen Waldboden das Gehen zum Hochgenuss. Das Glück steigerte sich, als die Route in den imposanten Graben des Beiterbachs mündete. Am Gegenhang zeigte sich über bedrohlichem Abgrund die Fortsetzung des Weges (siehe Bilder 1 + 2). Die Wildheit dieses Schlitzes begeisterte mich. Eine gute halbe Stunde später stand ich im Zentrum von Visperterminen, wo ich an einem Brunnen meinen Wasservorrat erneuerte.

Das Tobel des Beiterbachs, darüber der wunderbare Pfad Richtung Visperterminen.

Auf dem Pfad von Bild 1 hoch über dem Beiterbach.

Blick zurück nach Visperterminen. Hinten rechts die Gegend des Weisshorns.


Hernach hielt ich Richtung Hotee, was mundartlich für Hohtenn steht. Dieses hat indes nichts gemein mit jenem Hohtenn an der alten Lötschberglinie. Bis Hotee ging ich wiederum einen traumhaften Pfad durch Föhrenwald. Für ein paar Momente folgte ich gar einer Wasser führenden Suone. Das Wallis-Feeling erreichte nun endgültig seinen Höhepunkt. Der Abstieg nach Visp war der Inbegriff eines Knie und Gelenke schonenden Steigs. Seine Erbauer hatten eine durchgehend konstante Sanftneigung gewählt, die durchaus für manch zu steil gebaute Rampe Modell stehen könnte. War das ein Bergablaufen! Himmlisch. Bei circa 1100 Metern über Meer kam ich an den ersten Edelkastanienbäumen vorbei, umgeben von Birken, Föhren, Lärchen und später auch Buchen. An einer einzigen Stelle erblickte ich die Stadt Visp in ihrer ganzen Grösse (siehe Foto). Der Rest war reines Schaulaufen bis an den Rand der besiedelten Zone. Ich empfehle diese durchgehend ausgeschilderte Premium-Wanderung wärmstens zur Nachahmung.

Distanz: 16,9 km; Aufstieg: 1180 m; Abstieg: 1330 m; Wanderzeit: 6½ Std.; Schwierigkeit: T2; Karten: Swisstopo 1288 Raron, 1308 St. Niklaus; 274T Visp.

Der einzige Blick auf Visp beim Abstieg von Hotee.

Die Route auf der Karte 1:100 000 von Swisstopo.

27. Juli 2014

Deutschland solo

Axel Braig: Allein und zu Fuss durch
Deutschland, Fischer Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/Main, 2006, vergriffen
Anno 2004 verwirklicht Axel Braig einen langgehegten Traum: Er legt seine Arbeit als Arzt nieder und zieht alleine und zu Fuss von zu Hause los. Von Tübingen startet der Autor seine Reise Ende Februar. Das ist beachtlich, denn zu dieser Zeit ist der Winter noch nicht ganz vorüber. Für entsprechende Wetterkapriolen ist also gesorgt. Dass es sich bei Braig um einen äusserst kulturbeflissenen Wandersmann handelt, wird schnell einmal klar. Seine Vorlieben gelten eindeutig der Muse. Da wird keine Gelegenheit ausgelassen, dieses Dichtermuseum oder jenes Geburtshaus eines berühmten Musikers zu besuchen. Braigs Wanderroute berührt denn auch die grossen Städte unseres Nachbarlandes: Stuttgart–Heidelberg–Mannheim–Mainz–Koblenz–Köln–Düsseldorf–Dortmund–Hamburg–Berlin–Dresden–Leipzig–Nürnberg, um nur die wichtigsten zu nennen. Wer sich für Persönlichkeiten wie Goethe, Schubert, Bach, Nietzsche, Adenauer etc. interessiert, kommt in diesem sprachlich und gestalterisch äusserst schlicht aber nicht banal gehaltenen Taschenbuch voll auf seine Kosten. Von der Wanderung über mehrere Tausend Kilometer erfährt man erstaunlich wenig, weshalb man sich mehr als Zugreisender denn als lesender Mitwanderer vorkommt, scheinen doch die Distanzen zwischen den Städten im Katzensprung gemeistert zu sein. Das ist schade, denn hier hätte uns der Autor bestimmt noch einmal dutzendweise spannende Seiten bescheren können.

An geschichtlichen Hintergründen kommt der Lesende ebenfalls nicht zu kurz. Mal wird über das unsägliche Spekulantentum in den neuen deutschen Bundesländern berichtet, oder dann entsetzt sich Braig (zurecht) über fragwürdige «historische» Kircheninschriften aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Alles in allem bringt uns das Werk ein kulturell spannendes Deutschland näher, das mit Bestimmtheit Lust auf Entdeckungsreisen zu Fuss macht, wenn nicht im Westen des Landes, dann zumindest in der ehemaligen DDR. Drei Punkte sollten sich aber die Buchgestalter noch zu Herzen nehmen:
  1. Wenn einer beinahe ganz Deutschland zu Fuss abklappert, dann gehört ein Kärtchen mit Routenverlauf abgedruckt.
  2. Die zum Teil sehr stimmungsvollen Fotos dürften ruhig mit einer Bildlegende versehen sein.
  3. Wenn wir schon bei den Fotos sind: Ein Bild des Autors wäre doch auch noch was. Am besten mit dem oft zitierten, schwer beladenen Rucksack.

26. Juli 2014

Eistod

Michel Theurillat: Eistod,
List, München, 2011
Eine Leiche in der Limmat, ein verschwundener Assistent und ein Professor unter Mordverdacht. In seinem zweiten Fall gerät Kommissar Eschenbach in einen Sumpf aus Intrigen und tödlichem Ehrgeiz. Hat sein alter Schulfreund biochemische Substanzen zur Folterung islamischer Terroristen entwickelt? Und wem kann Eschenbach selbst in höchsten Polizei- und Politikerkreisen noch trauen? (Klappentext)

In diesem eisigen Winter wundert sich zunächst niemand, als in Zürich immer mehr Obdachlose erfroren aufgefunden werden. Doch dann entdeckt ein Gerichtsmediziner bei den Toten Reste eines rätselhaften Giftes. Die Ermittlungen führen Kommissar Eschenbach an das Biochemische Institut zu Professor Winter, der als Anwärter auf den Nobelpreis gilt. Hat sein alter Schulfreund tatsächlich etwas mit den Toten zu tun? Eschenbach werden Hinweise zugespielt, dass Winter womöglich biochemische Substanzen zur Folterung islamischer Terroristen entwickelt hat. Und wo steckt Winters Assistent, der plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist? Je weiter Eschenbach mit seinen Nachforschungen in die besseren Kreise vordringt, desto tiefer gerät er in einen Sumpf aus Intrigen, Lügen und Korruption. Nach dem Debüterfolg «Im Sommer» sterben der zweite atemberaubende Kriminalroman des Schweizer Autors Michael Theurillat. (Inhaltsangabe im Buch)

BE: Jassbach, Zimmerwald, Gwatt BS: Stadt Basel GR: Thusis, Celerina SZ: Hoch Ybrig, Feusisberg ZH: Stadt Zürich (Hauptschauplatz), Horgen, Schwerzenbach

25. Juli 2014

pandemie

au
auau
auauau
auauauauauauto
auto auto auto auto auto
autoautoautoautoautoautoautod


tod tod tod tod tod tod tod tod tod tod tod tod

tot

kremieren
oder 
beerdigen?

24. Juli 2014

Oh Arvigrat, oh Arvigrat

Es war am Tag nach dem französischen Nationalfeiertag, als ich mich in den Kanton Nidwalden begab, um daselbst ausnahmsweise eine Rundwanderung zu zelebrieren. In Dallenwil bestieg ich die Kabinenbahn und schwebte dem Nebel entgegen zum Wirzweli. Drei Stunden täppelte ich im Wasserdampf herum, ehe sich am Gräfimattstand so was wie eine Aussicht ins Grosse Melchtal auftat. In dieser Konstellation – links ein wenig Panorama, rechts die Nebelwand – beschritt ich den Arvigrat Richtung Ächerlipass. Den schmalen Pfad säumten Alpenblumen en gros. Männertreu, Enziane, Anemonen, Alpenrosen, Arnika und und und. Der Weg war teilweise ausgesetzt, verlief also auf dem Grat, der zu beiden Seiten steil abfiel. Einmal wand sich der Steig um Felsentürme, dann schlängelte er sich der Schrofenflanke entlang. Gegenanstiege wechselten sich in lockerer Folge mit steileren Abstiegen ab. Irgendwann fehlten die Markierungen, obschon die Route als offizieller Bergweg klassiert ist. Die Karte bestätigte mir indes die Richtigkeit meines Kurses. Auf das offene Gelände folgte ein nicht enden wollender Abschnitt im Föhrenwald. Immer noch auf schmalem Grat galt es, sich vor den feuchten Wurzeln in Acht zu nehmen. Dennoch beschloss ich spontan, den Arvigrat – er bildet übrigens die Grenze zwischen Ob- und Nidwalden und die Route verläuft meist auf Obwaldner Seite – also, ich beschloss, den Arvigrat zu meinem Lieblingsgrat zu küren.

Die Route, ausgehend vom Wirzweli, beging ich im Uhrzeigersinn. Rot der wunderbare Abschnitt Gräfimattstand–Arvigrat, von dem die Bildstrecke handelt.


23. Juli 2014

Sommer im Züri Oberland

Vergangenen Dienstag war Wanderkumpel Toni mit Gummistiefeln und Regenschirm in der Umgebung von Wetzikon spazieren. Und was er mir abends per E-Mail zukommen liess, fasst auf wunderbare Weise zusammen, welchen Sommer wir derzeit erleben. Die Bilder zeigen das Kemptner Tobel und das Südufer des Pfäffikersees bei Wetzikon. Na dann: schöne Ferien allerseits!






22. Juli 2014

Neulich in 6174

Sörenberg (LU). Jetzt verhunzen die Touristiker auch noch meinen Namen …

20. Juli 2014

Der Hund, der Tunnel, die Panne

Friedrich Dürrenmatt: Der Hund / Der
Tunnel / Die Panne
, Diogenes,
Zürich, 1980
Stellen Sie sich vor, der Zug, in dem Sie sitzen, fährt in einen 500 Meter langen Tunnel. Und statt dass Sie nun nach einer Minute wieder das Tageslicht erblicken, donnert der Zug unermüdlich im Tunnel weiter. Dieses Szenario beschreibt Friedrich Dürrenmatt in seiner 1952 erstmals erschienenen Erzählung Der Tunnel. Die Geschichte spielt auf der Strecke zwischen Bern und Olten. Als Tunnel kommt als einziger in diesem Abschnitt jener nach Burgdorf infrage. Wer Der Tunnel gelesen hat, denkt jedes Mal, wenn er mit dem Schnellzug bei Burgdorf im Loch verschwindet an Dürrenmatts apokalyptisch anmutenden Einfall und dass dieser doch bitte nicht gerade jetzt eintreffen möge.

BE: Bahnhof Bern, Bahnlinie Bern–Olten, Burgdorfer Tunnel

18. Juli 2014

Die patentierte Base Fit-Technologie

Diese Woche kaufte ich mir ein neues Paar Wanderschuhe. Das Modell aus dem Hause Mammut nennt sich Mount Cascade GTX und muss, wenn ich den Herstellerangaben glaube, ein wahres Geh- und Klettersteigwunder sein. Dies verspricht auf jeden Fall die Firmenwebsite:

Der leichte Bergschuh für anspruchsvolle Touren und Via Ferrata ist aus robustem Dropstop-Textil mit Verstärkungen aus Veloursleder gefertigt. Die elastische GORE-TEX®-Zungenkonstruktion erleichtert den Ein- und Ausstieg und verhindert Faltenbildung. Die asymmetrische Schnürung berücksichtigt die Anatomie des Fusses und verstärkt den Druck auf die grosse Zehe, was zu erhöhter Präzision führt. Die patentierte Mammut® Base Fit-Technologie überträgt die Kraft der Schnürung via frei gleitenden Bändern auf die Sohle. Die wasserdichte GORE-TEX® Performance® Comfort Footwear-Membran und die multifunktionelle vibram® Maton-Sohle mit integrierter Climbing Zone sowie der technische Keil aus Dual Density-PU sind die zusätzlichen Features.

Besonders gut gefällt mir, dass der Schuh auch der Faltenbildung entgegenwirkt. Vielleicht stecke ich vor (!) dem Gebrauch mal meinen Kopf für ein Weilchen rein und schaue, ob's funktioniert. Selbstverständlich werde ich über die mit diesen Nonplusultra-Tretern zurückgelegten Kilometern genaustens Buch führen. Wie lange die Nähte halten, die Membrane dichtet und das Leder mitmacht, interessiert mich nämlich mehr als all der technische Schnickschnack des Produkte-Marketings.

Das graue Wunder? Die anstehenden Wanderungen werden es zeigen.
 

17. Juli 2014

Fussangel

René Regenass: Fussangel, Edition
Hans Erpf, Bern/München, 1991
vergriffen
Peter Affolter, die Hauptfigur des Romans, ist erprobter Junggeselle und hat als Universitätsdozent eine gesicherte Position. Eine durch und durch bürgerliche Existenz, getragen von den Konventionen, wenn auch ab und zu angekränkelt von Selbstzweifeln. Wie dünn der Lack ist, der seine Psyche schützt, muss er bei einer zufälligen Begegnung mit einem Mädchen erfahren. Er wird mehr und mehr aus der Lebensbahn getragen. Das fremdartige Mädchen übt einen Sog aus, gerade weil es Affolters Ansichten kontrastiert, ihm zeigt, dass es jenseits der täglichen Norm noch etwas anderes gibt. 

Dieses Andere ist für Affolter der schreckliche Dämon namens Fetischismus. Er verfällt nicht dem Mädchen, begehrt es nicht einmal; seine Sinne fordern die Hingabe an die Füsse dieses Mädchens. Scham und Angst, Opfer einer Perversion zu sein, einer Begierde, die ihn und seine Existenz in Frage stellt, gar vernichtet, lähmen und demütigen ihn. Er verliert die Selbstachtung. Alle seine Bemühungen, sich von dieser Leidenschaft zu befreien, misslingen. Er ist seinem Trieb ausgeliefert – und damit auch dem Mädchen. Er wird ihm hörig. Sein Verhalten nimmt zusehends groteske, wahnhafte Züge an, wobei er bis zuletzt versucht, sein Laster zu kaschieren.

Affolter ist zwar hochintelligent, aber unfähig, sich aus dem Denkschema der Gesellschaft zu lösen. (Klappentext)

BS: Stadt Basel F: Elsass

15. Juli 2014

Herr Gott der armen Seelen

Felice Filippini: Herr Gott der armen
Seelen
, Huber, Frauenfeld, 1991
Es erregte nicht geringes Aufsehen, als der 25jährige Felice Filippini 1942 für seinen Romanerstling «Signore dei poveri morti»/«Herr Gott der armen Seelen» den renommierten «Premio Lugano» erhielt, und von klerikaler Seite sprach man offen von einem «Affront gegen jegliche dem tessinischen Menschen innewohnende Religiosität». Doch das Buch, das für die Trauerarbeit eines kleinen Jungen um seinen toten Bruder hinreissend visionäre Bilder findet, erwies sich schon bald als ein Schlüsselwerk der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts und brachte dem Tessin auf einen Schlag den Anschluss an die moderne italienische Literatur der Silone, Pavese und Vittorini. Der Roman, der hier in der neu überarbeiteten Übersetzung von Adolf Saager und mit einem reich illustrierten Nachwort von Giovanni Bonalumi erstmals seit einem halben Jahrhundert wieder auf Deutsch vorliegt, ist, typographisch gestaltet von Max Caflisch, mit 52 zum Teil noch unpublizierten Zeichnungen von Felice Filippini illustriert. (Klappentext)

TI: Bellinzona, Lugano

14. Juli 2014

Entdeckung im Kiental

Boah, jetzt bin ich aber geschafft. Nach zwei Tagen als Reporter am 12. Natural Sound Openair in Kiental schrieb ich nicht nur ein Textlein für die Zeitung sondern machte über 2100 Fotos von Bands wie Span, Fäbs, Trummer, Lamine M'Boup & The Foul Fayda, Still, Manillio oder Chica Torpedo. Vor halb zwei Uhr in der Früh gab es keine Nachtruhe, denn, nicht wahr, die besten Gigs beginnen selten um acht Uhr abends.

Item.

Der Freitag war wettermässig noch ganz passabel, aber der Samstag ... Es begann zwar ganz artig, bloss spielte da noch niemand. Und als es dann einmal zu regnen begonnen hatte, war's den Leuten eigentlich auch egal. Nur für den leid geplagten Fotografen ist das nicht gäbig. Der steht nämlich alleine mit dem Regenschirm am Bühnenrand und nervt womöglich die Groupies, weil die Sicht zu den Angebeteten auf der Bühne um eine halbe Beinlänge eingeschränkt wird.

Item.

Die eigentliche Entdeckung war für mich die aus Basel stammende Veronika Stalder mit ihrer Band Veronika's Ndiigo. Heieiei gab das Hühnerhaut. Der Mix aus Worldmusic, Folk und ein wenig New Age (aber nur ein wenig) betörte mich. Und zwar so, dass ich trotz Schlafmanko zu Hause das liebe YouTube aufsuchte, um noch einmal den Hühnerhaut-Generator anzuwerfen. Weil diese hervorragend bestückte Truppe, u.a. mit Oli Hartung an der Gitarre, auf dem oben erwähnten Line-up fehlt, sei noch nachgeschoben, dass auch hier der Abzug meiner Kamera locker sass.

PS. Gänsehaut, liebe Deutsche, heisst bei uns Hühnerhaut. Ihr wisst ja nun, wie sich dies nach dem gestrigen Abend anfühlt. Gratulation!


Tolle Stimme zu Hühnerhaut-Klängen: Veronika Stalder

Veronika's Ndiigo am Natural Sound Openair Kiental (BE). Der Mann links spielt eine Kora.

12. Juli 2014

Fluchtrouten

Urs Berner: Fluchtrouten, Steinhausen,
München, 1980
Urs Berner erzählt eine Liebesgeschichte. Die Welt der Halbwüchsigen, in der sie spielt, ist mit einer bemerkenswerten Authentizität dargestellt, die Charaktere sind in ihrem Erleben und Denken mit einer wunderbaren Intensität geschildert, die an Sailingers Jugendliche in «Der Fänger im Roggen» erinnert.

Der Hintergrund bildet ein Dorf im Bannkreis einer Grossstadt, dessen Eigenart durch ein modernes Einkaufszentrum und durch Trabantensiedlungen zerstört wird: ein Beispiel für viele. Das häusliche Milieu, aus dem Rocky kommt, kennt keine Autorität; es ist geprägt durch eine gutverdienende, arbeitende Mutter mit ihrem «Verhältnis», die ihr schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Sohn kompensiert: durch Verwöhnen an falscher Stelle. In dieser unwirklichen Welt beginnen die Fluchtrouten, die Rocky sucht und die ihn zu einem jugendlichen Delinquenten werden lassen, der sein Verhalten an Film-Idolen orientiert. Als Ausbruchsmanöver fängt seine Beziehung zu Marianne an – die Liebesgeschichte, die im Mittelpunkt des Romans steht. (Klappentext)

AG: Baden, Spreitenbach TI: Ascona ZH: Rangierbahnhof Limmattal, Stadt Zürich

11. Juli 2014

Gäbig

Das Tragen eines Kopftuchs hat auch Vorteile. Beim Telefonieren mit dem Smartphone zum Beispiel. Muslima klemmt das Handy einfach zwischen Ohr und Stoff und fertig ist die Freisprecheinrichtung.

9. Juli 2014

Das Verschwinden

Andrea Fazioli: Das Verschwinden,
btb, München, 2012
Elia Contini ist seines Jobs als Privatdetektiv überdrüssig. Seit kurzem verdingt er sich als Journalist bei einer Lokalzeitung und frönt seinem alten Hobby: Füchse fotografieren. Doch dann läuft ihm bei einem seiner Streifzüge durch den Wald ein Mädchen in die Arme. Natalia ist offensichtlich orientierungslos, sprachlos und völlig verängstigt. Contini bringt sie in Sicherheit und findet heraus, dass Natalia Zeugin eines schrecklichen Verbrechens wurde. Gelingt es Contini herauszufinden, was sie im Ferienhaus der Eltern gesehen hat? Denn längst schwebt Natalia selbt in höchster Gefahr. (Inhaltsangabe im Buch)

GE: Stadt Genf TI: Massagno, Lugano, Bellinzona, Castione-Arbedo, Monte Ceneri, Chiasso, Gandria (Hauptschauplätze)

7. Juli 2014

Zunehmendes Heimweh

Die Welt, die in diesem Roman abgebildet wird, ist geographisch wie historisch eindeutig auszumachen: sie wurzelt in einer Landschaft, dem katholischen Freiamt, einem fruchtbaren Hügelland im südöstlichen Teil des schweizerischen Kantons Aargau, die wie kaum eine andere innerhalb der Grenzen der Eidgenossenschaft von Raubzügen, Unterdrückung, Religionszwist und Krieg heimgesucht worden ist.


Silvio Blatter: Zunehmendes Heimweh,
Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1978,
vergriffen
«Zunehmendes Heimweh» wird zum sinnlichen Leitmotiv einer äusseren und gemeinsamen Geschichte von Personen, die mehr oder weniger zufällig während einer kalten Januarwoche des Jahres 1976 miteinander beziehungsreich verknüpft werden. Sieben Tage, von Sonntag bis Samstag, geht diese äussere Geschichte und erzählt von einer jungen Frau, die ihr erstes Kind erwartet, von Einsamkeit und Tod einer älteren Frau, vom Ausbruch eines Rockers aus dem Gefängnis, seiner Flucht und seiner neuerlichen Verhaftung, und von einem jungen Lehrer, der an einer historischen Arbeit schreibt.

Margrit Fischer, eine junge Frau, erwartet ihr erstes Kind und bereitet sich in Gedanken intensiv auf die unmittelbar bevorstehende Geburt vor. Dabei ertappt sie sich immer wieder, dass sie der Zukunft des noch nicht geborenen Kindes ihre eigene Vergangenheit, ihre Kindheit und Jugend beistellt. In Gesprächen mit ihrem Mann Herbert, dessen vordergründiges Lebenshziel der berufliche Aufstieg und das Weiterkommen ist, versucht Margrit ihrer Ehe eine tragende Heimat zu geben, ihn von rücksichtslosem Karrieredenken abzubringen und sich mit ihm zusammen, ohne dass einer seine Eigenständigkeit aufzugeben braucht, auf ein Leben zu Dritt einzurichten.

Anna Villiger, Margrits Tante, ist eine 62jährige, alleinstehende Frau. Sie lebt, eingeschlossen in ihre Einsamkeit, mit sehnsüchtigen Erinnerungen an ihr Elternhaus: Erinnerung wird ihr immer mehr zur Wirklichkeit, und aus solchem Erinnern wächst ein eigenständiger innerer Erzählstrang in ihre Geschichte, der die Zeit des Ersten Weltkriegs erstehen lässt. Grenzbesetzung, das heisst für den Vater Anna Villigers, einen Bauern und einfachen Soldaten, Hof und Familie zurücklassen, Wachtdienst irgendwo an der Grenze schieben, militärischer Drill und endlose Ertüchtigungsmärsche; das heisst aber auch Konfrontation mit menschlichen, mit sozialen Problemen und mit sozio-politischen Entwicklungen.

Hans Villiger, ein 30jähriger Lehrer, wohnt abseits von grösseren Ortschaften in einem alleinstehenden Bauernhaus. Hier sitzt er über einer historischen Arbeit, die den «Freiämtersturm von 1841» zum Thema hat. Hans Villiger wird, ohne dies zu wollen, zur Kontaktperson und einbezogen in die Schicksale der übrigen Romanfiguren: von ihm erwarten sie Ruhe und hoffen auf Antworten, die immer auch Lösungen ihrer Probleme sein sollen.

Lur, Pep und Anita, das sind die jungen, kaum 20jährigen Menschen, die sich mit sich selbst und der Zeit, mit der kleinbürgerlichen Gesellschaft nicht zurechtfinden können.

Was sich während sechs Tagen aufeinander zubewegt hat, findet am siebten Tag, in der Nacht von Samstag auf den Sonntag, seine Lösung. (Klappentext)

AG: Freiamt, namentlich: Bremgarten, Fischbacher Moos, Merenschwand, Muri, Murimoos, Oberentfelden, Waltenschwil, Wohlen

1. Juli 2014

Paarbildung

Urs Faes: Paarbildung, Suhrkamp,
Frankfurt/Main, 2010
Eines Tages stösst Andreas Löscher auf die Krankenakte einer Patientin, deren Namen ihm vertraut ist: Mit Meret Etter hat ihn vor Jahren eine intensive Liebe verbunden, sie ist eine Frau, die mitmischte bei den Zürcher Jugendunruhen, eine Juristin, die mit Leidenschaft gegen das Unrecht kämpfte. Jetzt liegt sie auf der Krebsstation und es steht ihr ein Kampf ganz anderer Art bevor. Und es ist die Frage, ob eine Wiederbegegnung mit Andreas Lüscher, nach sechzehn Jahren des beiderseitigen Schweigens, ihr ihre Lage erleichtert. Und ob es klug ist, wenn sich die beiden mit den Gründen ihres Schweigens auseinandersetzen.

Suggestiv, leicht und präzise erzählt Urs Faes in seinem Roman vom Kampf mit einer Krankheit, vor allem aber von der Auseinandersetzung zweier Menschen mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit.
(Klappentext)


AG: Aarau (Kantonsspital, Aare, Altstadt, Bahnhof), Schöftland, Baden GR: Bergell (u.a. Casaccia, Soglio, Vicosoprano, Val da Cam, Durbegia [Maiensäss oberhalb Vicosoprano]) TI: Bissone ZH: Stadt Zürich D: Kloster Beuron an der Donau F: La Réunion I: San Feliciano, Lago Trasimeno, Isola Polvese (Umbrien) Madagaskar: Morondava Bay