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Anne Frank: Tagebuch, Fischer Taschenbuch,
Frankfurt/Main, 1986 |
Anne Frank, am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, emigriert 1933 mit ihren Eltern nach Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande überfallen und besetzt hat, versteckt sich Anne Franks Familie gemeinsam mit vier anderen in einem Hinterhaus der Firma von Otto Frank. Ihrem Tagebuch vertraut die dreizehnjährige Anne während dieser Zeit ihre Gefühle und Gedanken an, beschreibt ihren Alltag im Versteck und die erdrückende Angst vor der Entdeckung. Das Tagebuch endet am 1. August 1944: Die jüdischen Bewohner des Hinterhauses werden denunziert und drei Tage später verhaftet, die Familie Frank wird nach Auschwitz deportiert und dort getrennt. Anne Frank und ihre Schwester Margot sterben sieben Monate später im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Am 6. Januar 1945 stirbt ihre Mutter Edith in Auschwitz. Otto Frank, der Vater von Anne und Margot, ist der einzige Überlebende aus dem Hinterhaus. Nach dem Krieg erhält er die Tagebücher seiner Tochter und publiziert 1947 erstmals Auszüge daraus.
Die vorliegende Ausgabe ist die einzige vom Anne Frank Fonds in Basel
autorisierte Fassung des Tagebuchs, von dem es eine erste und eine
zweite, spätere Version gibt, die beide von Anne Frank selbst stammen.
Sie hatte das von ihr über mehr als zwei Jahre geführte Tagebuch zu
einem späteren Zeitpunkt überarbeitet, weil die erste Fassung ihren
schriftstellerischen Ansprüchen nicht mehr genügte.
Diese
Ausgabe enthält den von Anne Frank überarbeiteten Tagebuchtext samt den
unverändert aus der ersten Fassung übernommenen Teilen, ohne jene
Auslassungen, die Annes Vater Otto Frank aus Diskretion vorgenommen
hatte. Mirjam Pressler hat dafür eine neue, dem ungekünstelten Stil des
Originals adäquate Übersetzung erarbeitet. Dieser vollständige Text,
dessen Authentizität seit der kompletten Wiedergabe aller Werkfassungen
in der kritischen Ausgabe der «Tagebücher der Anne Frank» (S. Fischer
Verlag, Frankfurt am Main 1988) unbestritten ist, vermittelt ein
eindrucksvolles Bild von Anne Franks Gefühls- und Gedankenwelt und nicht
zuletzt von ihren Fortschritten als Schriftstellerin.
«…
werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden? Ich hoffe es,
ich hoffe es so sehr! Mit Schreiben kann ich alles ausdrücken, meine
Gedanken, meine Ideale und meine Phantasien.» (Anne Frank, 5. April
1944)
Überblick über die Versionen der Tagebücher: Anne
Frank hat zwei fragmentarische Tagebuchversionen hinterlassen: Version a
und Version b Version a ist der ursprüngliche Tagebuchtext von Anne
Frank. Version b ist Anne Franks unvollendete Bearbeitung der
Tagebuch-Texte, mit der sie eine etwaige Publikation vorbereitet hat.
Version b wurde 1986 erstmals publiziert. Seit kurzem wird dieses
Fragment als Romanentwurf bezeichnet. Version c war die erste Fassung
des Tagebuchs, die Otto Frank nach dem Krieg 1947 veröffentlichte.
Otto
Frank, der seine gesamte Familie verloren hatte, bereinigte den Text
von Stellen, die für ihn das Andenken an seine Familie schmälerten. Die
Version c ist seit 1990 nicht mehr lieferbar. Version d ist die so
genannte Leseausgabe der Tagebücher, die vom Anne Frank Fonds
autorisiert wurde und die Versionen a und b in eine Fassung überführt,
so dass die Tagebuchtexte ungekürzt zur Verfügung stehen. Diese Version
hat die Version c abgelöst und ist seit 1991 die weltweit verbindliche
Grundlage für die Übersetzungen des Tagebuchs in über 80 Sprachen, in
über 100 Ländern. Alle Versionen der Tagebücher - ausser der Version c –
sind in verschiedenen Ausgaben in der Übersetzung von Mirjam Pressler
im S. Fischer Verlag erschienen.
NL: Amsterdam