Posts mit dem Label JU werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label JU werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

13. März 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 10

Die zehnte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes ging von Buix nach Chevenez in der Ajoie (Kanton Jura). Auf diesen knapp 20 Kilometern begegnete ich kaum Menschen. In Fahy kam es indes zu einem unerfreulichen Zwischenfall, über den ich im Buch berichten werde, das im Zusammenhang mit diesem Projekt erscheinen wird. Ansonsten war die Route sehr angenehm und landschaftlich reizvoll. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU   Buix – La Tenie – Chevenez 19.2 09.03.2024 
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.02.2024 
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9  01.01.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.02.2024 

20. Juli 2020

Nebenaussen

Christian Schmid: Nebenaussen, Cosmos,
Muri b. Bern, 2002
Anfang der fünfziger Jahre lebte das junge Grenzwächterehepaar Schmid, beide aus dem Berner Worblental stammend, mit seinen zwei Knaben zuhinterst in der Ajoie an der Grenze im Weiler Les Bornes, der auf Deutsch «Die Grenzsteine» hiesse.

Die Welt von Les Bornes, die erinnert, erfunden und erzählt wird, eine Welt kurz nach dem Krieg und kurz vor dem grossen Aufschwung, ist voll Grenzen. Sichtbar, wenigstens streckenweise, ist nur die Landesgrenze. Dennoch sind die anderen nicht weniger fühlbar, zum Beispiel jene zwischen Bernern und Jurassiern, zwischen Deutsch und Welsch, zwischen katholisch und protestantisch, zwischen Männern und Frauen, zwischen Erwachsenen und Kindern – zwischen uns und ihnen. Einige lassen sich leicht überschreiten, andere nur mit Mühe oder gar nicht.

Die Welt von Les Bornes ist ein stilles, abseitiges Paradies ohne Ausweg – eine Welt «näbenuss» würde man auf Berndeutsch sagen. Spiele und Arbeit beschäftigen hier die Hände der Kinder und Erwachsenen, aber füllen die Köpfe nicht. In ihnen ist Platz für Geschichten von Schmugglern, vom Krieg, von Bern und dem Jura, Geschichten aus dem Rucksack des Herkommens, den man mit sich trägt, Geschichten vom Hier und Jetzt und von der Zukunft. Muster werden sichtbar im Alltag und in den Geschichten, Muster, an denen man festhält, obwohl nicht mehr alle überzeugen. Mitten in dieser Welt erwacht ein Kind zur Sprache, zum Begreifen und zum Ahnen.
(Klappentext)

14. Juni 2020

Konfliktstoff für Jahrzehnte

Marcel Schwander: Jura – Konfliktstoff für
Jahrzehnte, Benziger, Zürich/Köln, 1977
Der Jurakonflikt ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten innenpolitischen Probleme für die Schweiz. Ein neuer Kanton ist im Entstehen begriffen, den die Schweizer Stimmbürger durch Revision der Bundesverfassung gutheissen oder ablehnen können. Doch es fragt sich, ob die Schaffung eines neuen Kantons das Juraproblem wirklich löst: Ein neuer und möglicherweise noch härterer Konflikt hat im bei Bern verbleibenden Südjura begonnen. Manche Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einer «lrlandisierung» des Jura. Das Buch «Jura. Konfliktstoff für Jahrzehnte» möchte die notwendigen Grundlagen zur Beurteilung der Jurafrage vermitteln. Zugleich sieht es den Jura im weltweiten Zusammenhang der regionalistischen Bewegungen und stellt die Frage nach dem Wesen des schweizerischen Föderalismus. (Klappentext)

8. Dezember 2019

Rätselhafter Tod in Zähringen

Handruedi Gehring: Rätselhafter Tod in
Zähringen,
Orte, Zürich, 2001
Nachdem der Psychoanalytiker Josef Weingart durch den Biss einer Schlange im Spital stirbt, muss Marlis Merz den Fall untersuchen. War es ein Unfall? Oder ein Selbstmord? Hatten Dritte die Hand im Spiel? Der Krimi beginnt wie eine klassische Detektivstory im Geiste Sherlock Holmes'. Doch nicht allein, weil die sensible Kommissarin das Opfer gekannt hat, bedrücken ihre Ermittlungen sie; ebenso werden diese zu einem Abstieg in Vergessenes und Verdrängtes der eigenen Vergangenheit. Sie muss erkennen, dass Unheimliches gerade dort lauern kann, wo man Zuflucht sucht, etwa am Stammtisch mit alten Freunden. Was sich hier zuträgt in den verwinkelten Gassen der Zähringer Altstadt, im Seeland und in den Bündner Bergern, wird keine Leserin, kein Leser so bald vergessen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern BS: Stadt Basel FR: Murten, Estavayer-le-Lac GE: Puplinge, Cara b. Puplinge, Stadt Genf GR: Poschiavo, Val da Camp JU: Lucelle NE: Neuenburgersee VD: Bière, Grandvaux, Rivaz, Neuenburgersee F: Evian-les-Bains I: Mailand


11. Juli 2019

Der Antiquar

Hansjörg Schertenleib: Der Antiquar,
Fischer, Frankfurt/Main, 1994
Der Antiquar Arthur Dold, ein zurückhaltender Schöngeist und Träumer, verkauft alte Stiche, Globen und Atlanten. Er tut dies mehr aus Liebe zum Medium als aus reiner Profession, denn bereits als Kind hatte er akribisch Pläne und Karten gezeichnet, mit deren Hilfe er in Phantasiewelten abtauchen, ferne Kontinente entdecken und fremde Länder bereisen konnte. Auch als Erwachsener kann er von diesen Reisen auf topographischer Vorlage nicht lassen und schafft sich seine Fluchträume außerhalb der Alltagswelt. Eines Tages erinnert er sich an eine Zeichnung, die er als Junge in einem Versteck im Bootshaus des reichen Fabrikantenehepaars hinterlassen hat. Durch diese Karte gerät seine Stille und geruhsame Existenz peu à peu aus den Fugen, zusehends entgleitet ihm sein geregelter Alltag. (Inhaltsangabe zum Buch)

BE: Adelboden GR: Sils-Maria, Oberengadin, Julierpass, Maloja JU: Pierre Percée bei Courgenay TI: Lugano UR: Gotthardpass VD: Montreux ZH: Stadt Zürich, Zürichsee I: Bergamo PE: Lima

10. März 2019

Das Schattenhaus

Werner Schmidli: Das Schattenhaus,
Benziger, Einsiedeln, 1969
Werner Schmidli, der junge Basler Autor, erzählt in diesem Buch die Geschichte eines jungen Mannes, der den dunklen Erinnerungen an sein Elternhaus zu entrinnen und seine eigene Zukunft zu gestalten versucht.

Schmidli schreibt, um sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen: Da ist die Stadt Basel, das Industrieviertel, das Räderwerk einer grossen Chemiefabrik, Geschwätz, Gerede, öder Alltag, erdachte und gescheiterte Auswege, um aus dieser phantasielosen Umwelt zu entfliehen, wo die Konsumsteigerung Gradmesser der Persönlichkeit wird.

«Schattenhaus» hat Schmidli seinen neuen Roman genannt und meint damit die dumpfe, hoffnungslose Welt seines Vaters. Schmidli erzählt eindrücklich, beklemmend und dicht ein «finsteres Märchen» der Alltäglichkeit. (Klappentext)


AG: Staffelegg, Oberfrick BE: Kandersteg, Strandbad Biel BL: Birsfelden, Allschwil, Grellingen, Restaurant Paradies Allschwil, Birsmündung, Auhafen BS: Bushaltestelle Basel Riehenring, Basel Badischer Bahnhof, Gartenbad Eglisee, Friedhof am Hörnli, Claraplatz, Restaurant Rheinblick, Riehen, Klybeckstrasse, Bahnhof Basel SBB, Feldbergstrasse, Matthäuskirche, Wettsteinbrücke, Ciba, Solitüdenplatz, Mittlere Rheinbrücke, Clarastrasse, Kleinhüningen, Café Romano (heute Pizzeria Roma) an der Hammerstrasse, Birsmündung, St. Albanbrücke, St. Albanfähre, Solitüdenpark GR: Truns, Zignau, Puntegliashütte SAC JU: Vermes SO: Glitzerstein- bzw. Ramstelhöhle am Gempen SZ: Arth-Goldau VS: Grächen D: Tüllinger Hügel F: Marseille

Werner Schmidli wurde am 30. September 1939 in Basel in einer  Arbeiterfamilie geboren. Er besuchte die Realschule und absolvierte eine Lehre zum Chemielaboranten in Basel. Von 1960 bis 1962 reiste er mit einem Frachtschiff über Nordafrika, den Panamakanal und Polynesien nach Australien, wo er sich 1½ Jahre in Melbourne aufhielt und als Industriearbeiter tätig war. Nachdem er über Indonesien und Indien in die Schweiz zurückgekehrt war, lebte Schmidli anfangs im Kanton Aargau und arbeitete im Verlagswesen. Daneben setzte er, der bereits in den Fünfzigerjahren mit dem Schreiben begonnen hatte, seine literarischen Aktivitäten fort. 1966 erschien im Benziger Verlag sein erster Band mit Erzählungen. Von 1968 bis 1978 war Schmidli Mitherausgeber der Literaturzeitschrift «Drehpunkt» und ab 1979 freier Schriftsteller in Basel. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele und Fernsehdrehbücher. Während seine frühen Werke der Arbeiterliteratur zugerechnet werden können, hatten die späteren allgemeinere, existenzielle Probleme zum Thema. Seine letzten Werke zählen vorwiegend zur Kriminalliteratur. Werner Schmidli starb am 14. November 2005 in Basel.

27. September 2018

Wenn das Tigerli streikt

Nach diesem heissen und trockenen Sommer ist es ein Wunder, dass eine Dampffahrt überhaupt möglich ist.

Vergangenen Samstag hätte mich in Delémont eine dreiachsige Dampflokomotive mit zwei Wagen nach Laufen und zurück fahren sollen. Zum Glück wurde nichts daraus, den die E 3/3, im Fachjargon «Tigerli» genannt, war gesundheitlich nicht fahrtüchtig. Die verantwortlichen Organisatoren dieser historischen Bahnfahrt feuerten in Olten kurzerhand den «Habersack», eine sogenannte Eb 3/5, ein und dampften mit einem vierachsigen Personenwagen in die Jurametropole. Für denselben Preis gab es nun eine grössere Lokomotive, die statt zwei sogar drei Wagen stolz der Birs entlang durchs Laufental zog.

Ein Upgrade, das mir sehr zupass kam und mich zudem 40 Jahre zurückkatapultierte. Damals fuhr ich von Estavayer-le-Lac nach Yverdon. Ebenfalls im historischen Zug, ebenfalls mit der Kraft einer Eb 3/5. Und ja, es war genau jene Maschine, die mir am vergangenen Samstag ein unvergessliches Bahnerlebnis ermöglichte: die Eb 3/5 mit der Betriebsnummer 5819. Wie heisst es doch so schön:  Man begegnet sich im Leben immer zweimal. Wie wahr, wie wahr!

Weil eine solche Reise das Mitführen einer anständigen Fotokamera mühelos ermöglicht, habe ich seit langem wieder einmal meine Vollformat-Canon eingepackt und Eindrücke gesammelt wie ein Fotoreporter im Extasemodus. Herausgekommen ist eine Bildstrecke, die ich meiner Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Volldampf voraus!

28. Mai 2018

Der schönste Eintritt in die Schweiz

Ernst Schüler: Der schönste Eintritt in die Schweiz,
Edition Wanderwerk, Burgistein, 2018


Die Birs ist ein Jurafluss, dem über Jahrtausende Kreti und Pleti gefolgt sind. Jungsteinzeitler, Römer, Ritter, Goethe, Napoleon, Bridel, Moor und schliesslich auch ein gewisser Ernst Schüler, der sich 1833 als Flüchtling aus Deutschland in die Seeländermetropole Biel begab und dort als Unternehmer, Politiker und Schriftsteller sein Wirken entfaltete. Die Fluchtroute von Basel via Delémont nach Moutier, über die Pierre Pertuis hinab ins St. Immertal und durch die Taubenlochschlucht nach Biel, beeindruckte Schüler in einer ausserordentlichen Art und Weise, dass er 1842 ein Büchlein mit dem Titel «Der schönste Eintritt in die Schweiz» veröffentlichte. Dieses Werk ist nun in komplett neuer Aufmachung und ergänzt mit 54 Abbildungen in der Edition Wanderwerk erschienen. Ernst Schüler, der massgebliche Förderer der Bieler Uhrenindustrie im 19. Jahrhundert, bezeugte mit seinem «Schönsten Eintritt in die Schweiz» nicht nur die Liebe zu seiner Wahlheimat und deren Umgebung, er schuf auch ein wertvolles Dokument über die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse in der Region. Der Text wird begleitet von 95 Anmerkungen der Herausgeberschaft.

15. Dezember 2017

Blaue Mauer

Katharina Zimmermann: Blaue Mauer,
Zytglogge, Oberhofen, 1995
Angesichts der blutigen Folgen nationalistisch, religiös und ethnisch geprägter Kriege der Gegenwart fühlte sich Katharina Zimmermann, die Bernerin, gedrängt, in die Abgründe zu leuchten, welche Chauvinismus und Selbstüberhebung auch im eigenen schweizerischen Boden aufzureissen vermochten. Sie begibt sich bewusst auf einen riskanten Weg, wenn sie sich nicht an die altbernischen Markierungen hält, sondern ohne Vorurteile jurassischen Boden betritt, die Sichtweise und Empfindungen von Jurassiern sich zu eigen macht.

Das Risikoreiche dieses Unternehmens bestimmt nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form. Die Autorin lässt die Leserschaft von Anfang an am Entstehen des Werkes teilnehmen, lädt sie in ihre Schreibwerkstatt ein, nimmt sie mit zu ihren Recherchen im Jura. Im ersten Teil des Buches ist es ein Herantasten an Ereignisse, an Landschaften, an Menschen, Stimmungen und Gesinnungen. Im zweiten Teil dann nimmt sich die Schrifststellerin die Freiheit der Erfindung; romanhafte Figuren beherrschen die Szenerie und belegen erzählerisch, wie stark das Private von Konflikten öffentlicher Art beeinflusst, manipuliert, geschädigt wird. Und wie Versöhnung angebahnt werden kann. (Klappentext)

23. Mai 2017

Der Kanton Jura ist durch


Am 18. Juni 2017 kommt es im bern-jurassischen Moutier zum geo-politischen Showdown. Das Stimmvolk wird über die zukünftige Kantonszugehörigkeit ihres Städtchens entscheiden. Dies entnehme ich zwei verschiedenen Werbeplakaten am Bahnhof von Moutier während des Wartens auf das Postauto nach Choindez. Ich halte  Ausschau nach weiteren Insignien, die auf den seit Jahren schwelenden Interessenszwist hindeuten. Auf die Schnelle entdecke ich drei Jurawappen. Zwei an Gebäudefassaden in Bahnhofnähe, eines an einem Felsen hoch über der Stadt. Das Wappen wird ergänzt mit dem Zusatz «Oui». Da harre ich gespannt der Dinge, die da kommen sollen. Es bleibt zu hoffen, dass beide Lager kühlen Kopf behalten und sich die Bilder aus den 1970er-Jahren nicht wiederholen.



Nach bloss sechs Minuten Fahrt setzt mich der Bus in Choindez ab. Hier war ich zuletzt am 17.10.1985 wandernd zugegen. Choindez ist so etwas wie der Inbegriff an hässlicher Industrie-Location. Nicht so heute. Über der Klus wölbt sich ein tiefblauer Himmel. Die Strasse ist kaum befahren, und aus den Fabrikgebäuden der vonRoll Casting ist lediglich das Summen irgendwelcher Aggregate zu hören. An gestapelten Röhren vorbei schlage ich mich über kaum mehr begangene Passerellen zum längst von den Regionalzügen nicht mehr bedienten Bahnhof durch. Die Fortsetzung der Wanderung erfolgt auf der gegenüberliegenden Seite der Geleise, die ich verbotenerweise überqueren muss.

Ein lauschiger Pfad führt mich aus der Klus in die Höhe bis unterhalb des Dorfes Vellerat, das den Kantonswechsel bereits hinter sich hat. 1996 – 18 Jahre nach der Gründung des Kantons Jura – verabschiedeten sich die «Poulats» (Name der Einwohner) von den Bernern. Die alte Ortstafel hängt seither über dem Eingang des Hôtel-Restaurant de la Gare in Moutier, eine Stätte, die seit Jahrzehnten als Hochburg der Pro Jurassier gilt. Am 11. Juni 2017 entscheidet sich übrigens an der Urne, ob die Gemeinden Vellerat (70 Einwohner), Courrendlin, Châtillon, Rossemaison und Rebeuvelier zu einer einzigen Gemeinde fusionieren. 

Als ich in erhöhter Lage die Klus von Moutier verlasse, liegt mir das ganze Delsberger Becken zu Füssen, dessen westlichem Teil ich in der Folge meine pedestrischen Bemühungen widme. Hierbei gelange ich unter anderem durch die Gemeinden Châtillon, Rossemaison, Develier und Boécourt. Sie alle begehe ich zum ersten Mal. Gleichzeitig bilden sie die letzten, im Kanton Jura zu beschreitenden Kommunen. Für mich ist also der Jura durch, es sei denn Moutier wird dereinst jurassisch ...

Alle Gemeinden im Kanton Jura bewandert: ein letzter Blick zurück von Glovelier Richtung Osten.

12. Mai 2016

Über den Gipfel des Röstigrabens

Bevor sich allenthalben die Wolken ihrer Fracht entledigen, wollte ich die 6. Etappe meines Nordkap-Vorhabens unter die Füsse nehmen. Die Episode vom Montag hatte mich zusätzlich motiviert, dem Jura vor der angekündigten Sintflut die Aufwartung zu machen. Nun, ganz so psychedelisch ging es gestern auf dem Abschnitt von Courchapoix nach Zwingen im Laufental nicht zu und her.

Das Streckenprofil war dementsprechend banal: ein ziemlich flacher und monotoner Anmarsch nach Montsevelier, gefolgt von einem steilen und mitunter traumhaft anmutenden Aufstieg zum Welschgätterli, einem bewaldeten Übergang zwischen Jura und Solothurn, zwischen Deutsch und Welsch, nicht aber zwischen katholisch und reformiert. Als Fortsetzung wartete ein Abstieg in typischer Hügellandschaft à la Schwarzbubenland. Den Schluss bildete wiederum eine eher triste Hatscherei durch die skurrilen Industrieanlagen von Breitenbach und Büsserach. Im Gegensatz zu der als Monokultur verkommenen Landschaft, zeigte die Industriezone wenigstens einen Hauch kafkaesker Züge. Man beachte die Fotos!

Auf der Juraseite des Welschgätterli haben sich die Touristiker dieses Denkmal gesetzt.
Das Tagesziel Zwingen hatte auch nicht mehr zu bieten als depressive Bahnhoftristesse. Hallo SBB, hier wäre ein gröberer Relaunch dringend nötig. Gegen den Abriss des Bahnhofgebäudes wird der Heimatschutz bestimmt nicht intervenieren, genauso wenig wie gegen eine Neugestaltung des Bahnhofplatzes.

Fazit: Diese Etappe wird nicht als Burner in meine Wander-Annalen eingehen, immerhin habe indes ich die Sprachgrenze endgültig überschritten und werde mich bis Schleswig-Holstein mit der deutschsprachigen Kultur ausgiebig befassen können. Neu hinzugekommen ist nun auch der Kanton Basellandschaft, dies trotz des Berner Bären, der immer noch die Kantonsgrenzsteine ziert. Und selbst der Himmel hat artig dicht gehalten. Mann dankt.

10. Mai 2016

Jura psychedelisch

Auf dem Plain Fayen, hoch über der Klus Tiergarten (JU) werden psychedelische Reize aktiviert.


Es gibt Tage, da nimmt man sich viel vor, wacht am Morgen auf und dann fehlt auf einmal die Kraft, die Motivation, der Wille. Ein solcher Tag war gestern. Geplant war eine Dreitagestour mit Zelt. Geworden ist eine Tageswanderung. Immerhin blieb ich spurtreu und ging von Corcelles (BE) über den Raimeux ins Val Terbi. Ich ging also nordwärts, nordwärts Richtung Nordkap.

Müden Körpers und Geistes schritt ich in Corcelles den Berg hinan und wurde von der Natur auf eine wundersame Weise wach- und starkgerüttelt. Im Frühlingswald fiel rechter Hand einer der seltenen Jurabäche talwärts. Le Gore Virat nennt er sich. Noch nie davon gehört und doch erregte das Wässerchen meine Aufmerksamkeit. Weiter oben, der Weg führte über einen Holzsteg, kaskadierte der Bach über mehrere Stufen, in der Art einer grandiosen Touristenattraktion. Doch da waren keine Touris – nur ich und der Bach. Der Pfad zickzackte weiter den Steilwald hoch und die pittoreske Szene wollte und wollte kein Ende nehmen. Der krönende Abschluss bildete ein für Jura-Verhältnisse typischer Felsriegel – Wanderpapst Widmer würde von einem «Karl-May-Feeling» sprechen –, wo ich unter einem Überhang Stundenrast hielt.

Nur wenige Höhenmeter später der pure Kontrast. Eine Hochebene mit Wettertannen und weidendem Vieh. Das andere Gesicht des Jura: Viel Weide mit dem Blick auf die verföhnten Alpen und davor die erste Kette mit dem Hinter Weissenstein. Himmel, wie schnell der Wanderer doch vorrückt!

Auf dem höchsten Punkt des Mont Raimeux hielt ich erneut Rast. Immerhin befand ich mich auf über 1300 Metern über Meer und damit auf dem Kulminationspunkt des Schweizer Abschnitts meines gewagten Vorhabens. Daselbst befindet sich ein lächerlich klein scheinender Aussichtsturm, dessen Ersteigung mittels Leiter alles andere als lächerlich ist. In der Tat erweitert sich die Sicht – einmal hochgekraxelt – nicht unerheblich, insbesondere Richtung Westen zum Chasseral hin.

Im langgezogenen Abstieg nach Vermes – ich hatte inzwischen den Kanton Bern endgültig verlassen – erregte das an völlig unerwarteter Stelle gelegene Schloss Raymontpierre* meine Aufmerksamkeit. Ein mystischer Ort! Im Gegensatz dazu das Dorf Vermes – es nennt sich auf Deutsch Pferdmund –, das an diesem Montagnachmittag in Dämmerschlaf verfallen schien. Das Glanzlicht hier: die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Freskenmalereien in der Kirche. Der anschliessende Aufstieg zur Erhebung Plain Fayen war geprägt von einem Wald- und Naturlehrpfad, der mit unglaublich viel Herzblut seines Schöpfers entstanden sein muss. Keine kühlen Alutafeln beschreiben die Wunder der Natur, nein, individuell gestaltete Holztafeln und -täfelchen sind es! Und es sind deren viele! Hat man je so etwas im Lande der invasiven Themenwege gesehen? Hat man nicht, bin ich der felsenfesten Überzeugung. Hingehen und staunen!

Was nach Erreichen des Bergplateaus folgte war ein psychedelisches Schaulaufen durch Pink-Floyd'sche Waldpartien. Was die Natur hoch über der Klus mit dem sonderbaren Namen «Tiergarten» inszeniert, gehört eigentlich in jeden Baedecker oder Lonely Planet. Zum Glück verhält sich der Tourismus aber ziemlich mainstreamy, so dass meiner Wander-Trance nichts im Wege stand. Wenn das bis zum Nordkap so weiter geht, werde ich spätestens in Skagen, an der Nordspitze Jütlands, das Nirvana geküsst haben. Ein paar optische Eindrücke dieser Wanderung habe ich hier bereitgestellt.

* Der Nachkomme eines alten Delsberger Geschlechts, Georg Huge (†1608), liess dieses herrschaftliche Haus bauen: Er wollte sich der Verwaltung der Wälder und der umliegenden Weiden widmen, die er als Lehen vom Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee erhielt und wünschte, sich dem Vergnügen der Jagd widmen zu können. Man muss daran erinnern, dass die Fürstbischöfe aus Basel, die seit der Reform in Exil in Porrentruy lebten, gezwungen waren, ihren Vasallen mit der Pflege um ihre politische und wirtschaftliche Kraft zu betrauen. Somit war der Herr von Raymontpierre beauftragt worden, den guten Verlauf des Baumfällens auf dem Raimeux zu gewährleisten, dessen Holz die Giessereien des Bischofs im Birs- und Sornetal versorgte. In 1609, heiratete Anna Huge, Tochter des obgenannten Georg, Hans Jakob von Staal (1589-1657), ein Ereignis, das den Verkauf der Domäne an die Solothurner Dynastie der von Staal ankündigte. Hans Jakob von Staal, zukünftiger Banneret und Schultheiss, der die bedeutendste Persönlichkeit von Raymontpierre bleiben wird, zog sich viele Feinde in seiner Geburtsstadt Solothurn heran, da er seine feindselige Haltung gegen Frankreich verteidigte, was erklärt, weshalb er sich gerne in seinem Juraschloss oder in Delsberg zurückzog. Der Fürstbischof indes meinte, in Raymontpierre einen vorgeschobenen Posten gefunden zu haben, der bereit war, sich den Expansionisgelüsten des reformierten Bern zu stellen. 1623 gelangte die Gesamtheit des Gebiets an Hans Jakob von Staal und seinem Bruder Justus. Der Name der von Staal blieb mit ihm verbunden bis 1809. Im Jahr 1944 schliesslich, nach mehreren Besitzerwechseln, wurde das Schloss von der Fabrik Dozière AG von Delsberg erworben, die es erneuerte.

Das Schloss setzt sich aus dem herrschaftlichen Haus, der Kapelle und den gemeinsamen Räumen innerhalb eines viereckigen Bereichs zusammen, der an den Ecken durch kleine Rundtürme verteidigt wurde. Durch seine Form verbindet sich Raymontpierre mit den herrschaftlichen Häusern zeitgenössischer Konstruktion – wie z.B. das Schloss A Pro in Seedorf oder Greifenstein im Kanton St. Gallen – bei dem der Verteidigungscharakter weniger Wert zukam als das Symbol der allgemeinen Bekanntheit und des hohen Rufs seines Besitzers. Die zwei Rundtürme, die an den Ecken der Mauer an der Hofeseite stehen, sind ein Wiederaufbau auf alten Grundmauern. Ins Innere gelangt man durch ein gewölbtes Tor, welches das Datum von 1596 trägt sowie die Wappen, die das Symbol des Steinmetzes einrahmen. Man erkennt beim ersten Blick die Kleeblätter und das Band der Familie Huge de Raymontpierre und auf dem anderen die Tanne der Familie Nagel. Beim Eingang bemerkt man zudem links eine kleine durchbrochene Arkadenkonstruktion und rechts in der Ecke der Mauer die kleine zeitgenössische Kapelle mit ihrem Glockenturm. Das Fenster weist einen gotischen Fries auf, denselben Stil der verdoppelten Fenster: die Drillinge wie auch die die Rangfenster, die die südliche Seite des herrschaftlichen Hauses charakterisieren. Zwischen zwei Fenstern des Stockwerkes steht ein Relief von 1623 mit den Wappen der Raymontpierre und der von Staal mit zwei in Latein verfassten Inschriften:

Unser Schicksal ruht in Gotteshand

Die Edelleute, Johann Jakob und Justus Staal, Brüder, Solothurner von Geburt an, wurden Erben und zum Teil die Erwerber von Raymontpierre.

Diese Plakette erinnert an die Übertragung der Herrschaft von Raymontpierre an die Familie von Staal. Ein Korridor geht vom Eingang im Süden weg und führt zur anderen Fassade, wo ein Treppenturm in Hufeisenform zum darüber gelegenen Stockwerk führt. Beiderseits versorgt der Gang im Erdgeschoss die Küche und den Keller und im ersten Stockwerk die Zimmer und die Appartements, die unter anderen Zimmern den «Rittersaal» mit einem geschmückten Kamin von 1595 und doppeltem Wappen des Konstrukteurs und seiner Frau Aloysia Nagel enthalten.

28. September 2015

Zurück auf dem Strich

Eigentlich hätte ich vergangenen Donnerstag den Hoch Fulen, den Pilatus oder das Buochserhorn besteigen wollen. Bloss: das Wetter, ein Jammer. Ab in den Jura also, nach St-Brais, jener Ort in den Freibergen mit den lärmenden Windkraftwerken. Ich setzte dort ein, wo ich Ende 2014 aufgehört hatte und widmete mich der Koordinate 574, dem imaginären Strich, dem zu folgen ich mir vor zwei Jahren zur Aufgabe gemacht hatte.

Die Route führte mich zu Beginn an zwei Windturbinen vorbei – mangels Wind war Produktionsflaute – und durch das obere Ende der Combe Tabéillon. Mit Freude nahm ich zur Kenntnis, dass das Buffet de la Gare bei der Haltestelle La Combe immer noch existiert. In der Folge ging ich mehrere weglose Abschnitte über Juraweiden sowie durch Waldpartien unterschiedlicher Grösse und Beschaffenheit. Schliesslich gelangte ich über die Kantonsgrenze in den Berner Jura, wo ich, als Kontrast zu den Wiesen und Wäldern, das stattliche Dorf Tramelan durchquerte. Der Landschaftstypus ging nun vom Plateaujura in den Kettenjura über. Ich erstieg die Montagne du Droit, überquerte sie in ihrer mässigen Breite, um hernach die mit Felsen durchsetzte, bemerkenswert steile Südflanke nach Cortébert im Vallon de St-Imier abzusteigen. Ende der dritten Etappe.

St-Brais–Cortébert: grün die Koordinate 574, rot gepunktet die weglosen Abschnitte. Links und rechts markieren die roten Linien den Zwei-Kilometer-Korridor.



10. Februar 2015

Gelungener «Schachzug»

Rolf von Siebenthal, Schachzug,
Gmeiner Verlag, Messkirch, 2013
Liestal im Baselland. Ein präziser Schuss aus 600 Metern Entfernung reisst Marcel Laval, einen aufstrebenden Manager, aus dem Leben. Der Journalist Max Bollag, der Schwager des Toten, macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Er hofft auf neuen Schwung für seine stockende Karriere und die kriselnde Ehe. Bei seinen Recherchen stösst Bollag auf einen Gegner, der eine Mission zu erfüllen hat – und keine Gnade kennt. (Klappentext)

Rolf von Siebenthals Erstling im Gmeiner Verlag ist sehr gelungen. Reale, authentisch beschriebene Schauplätze, eine mit viel Verve vorangetriebene Handlung sowie eine Prise Ironie bilden die Zutaten zu diesem Krimigenuss. Schön, dass mit Höllenfeuer bereits ein Zweitling greifbar ist. Ich werde dranbleiben.

Der Autor mit Jahrgang 1961, ist ausgebildeter Sprachlehrer. Er arbeitete viele Jahre bei einer Tageszeitung und im Schweizer Verkehrsministerium, heute ist er selbstständiger Journalist und Texter. Er lebt mit seiner Familie in der Nordwestschweiz.

BL:  Seltisberg, Liestal, Pratteln, Birsfelden, Rhein, Muttenz, Sissach, Lausen, Häfelfingen, Frenkendorf, Gelterkinden, Reinach BS: Stadt Basel BE: Lötschbergtunnel, Lötschberg Nordrampe, Stadt Bern SO: Autobahnraststätte Deitingen VD: Eisenbahnwerkstätte Yverdon JU: Waffenplatz Bure

13. Januar 2015

Nachholbedarf II

Wie gestern angekündigt, hier nun der Routenverlauf der 2. Etappe meines Projektes Die Koordinate. Ich beging die Strecke von Porrentruy nach St-Brais am 23. Dezember 2014. Die rot gepunkteten Abschnitte verliefen im weglosen Gelände.




12. Januar 2015

Nachholbedarf I

Im März 2013 startete ich mein Projekt Die Koordinate. In einem Korridor von zwei Kilometern durchquere ich die Schweiz zu Fuss von Nord nach Süd. Richtungsweisend ist hierbei die Koordinate 574 (neu 2574) des schweizerischen Koordinatennetzes. Mittlerweile habe ich auch die zweite Etappe gemeistert, und das Projekt wartet nun im jurassischen St-Brais auf seine Fortsetzung. Nachfolgend der Routenverlauf von Etappe 1. Sie führte mich von Bonfol (ausserhalb des Korridors) nach Porrentruy. Grün die seitliche Begrenzung, rot die Route, welche ausnahmslos über bereits vorhandene Wege, Pfade und Strassen ging. Im Eintrag von morgen dann die Route der 2. Etappe.



11. Januar 2015

Sweet Home

Jean Willi, Sweet Home, Bilgerverlag,
Zürich, 2009
In der Morgendämmerung eines regnerischen Tages im April 1953 werden Alex und sein Vater von Polizisten aus dem Schlaf gerissen. Alex' Stiefmutter hängt am Fensterkreuz des Schlafzimmers. Der Vater kommt in Untersuchungshaft, Alex zu Tante Hedi. «Sweet Home» ist die spannende Geschichte einer Jugend im Schatten eines Justizirrtums. Sie spielt im Basel der Fünfziger- und Sechzigerjahre mit seinen todernsten Fasnachtsritualen und beklemmenden Moralvorstellungen, zwischen Existenzialisten, Kleinbürgern, Bürokraten und Halbstarken. Ein authentischer Roman. Und das nicht nur, weil er auf Tatsachen beruht. (Klappentext von  Martin Suter)

Mit «Sweet Home» reiht sich Jean Willi in die Tradition der Erzähler, die einen brisanten und authentischen Stoff in eine packende und atmosphärische Romanhandlung zu packen wissen. Dieser Roman ist zugleich die längst überfällige – zumindest literarische – Rehabilitation eines in den 50er Jahren zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Justizopfers. (Website des Verlags)

Noch Wochen nach der Lektüre von Jean Willis persönlicher Geschichte hallt in mir die Unfassbarkeit der juristischen Willkür nach. Dem Autor ist es gelungen, ein realistisches Bild von zwei Dekaden zu schaffen, deren Jugendkultur bis heute zu spüren ist. Unbedingt lesen!

BE: Adelboden, Stadt Bern, Beatenberg BL: Benken, Langenbruck BS: Stadt Basel (Hauptschauplatz) GR: Burg Ehrenfels bei Sils i.D. JU: Doubs zwischen Soubey + Goumois SG: Rorschach, Bodensee TI: Gandria, Lugano, Monte Brè UR: Andermatt (Kaserne) VD: Morges, Lausanne (Expo 64) F: St-Louis (Flughafen), Paris E: Altea, Benidorm

20. November 2014

Das Kombiportal von Montfaucon

Weidedurchgänge sind für den Wanderer elementar. Ohne die Tore, Drehkreuze, Schranken und Gitter würde der Gang über Wiesen und Alpen zur Qual. Weil die Vielfalt und Originalität an Durchlässen keine Grenzen kennt, starte ich hiermit unter dem Label «Durchgänge» eine neue Bilderserie.



Solche und ähnliche Durchgänge finden sich in den Freibergen nicht selten. Die Konstruktion rechts lässt sich auch von Bikern und Reitern öffnen, ohne dass diese absteigen müssen. Als Wanderer muss man sich freilich daran gewöhnen, die Querverbindung oben nach unten zu drücken, damit sich die Verriegelung löst und das «Portail» geöffnet werden kann. Gesehen zwischen Montfaucon und St-Brais (JU).

8. Oktober 2014

Bristen

Helmut Maier: Bristen, Nydegg
Verlag, Bern, 2010
Finn, Galerist und Kunstfahnder in Zürich, erhält das Angebot, einen Anschlag am Gotthard aufzuklären. Seine Auftraggeberin vermutet, dass Polizeikreise involviert sein könnten. Finn graut vor jeder Art von Gewalt. Seine Welt ist die Kunst. Seine Fälle sind unblutig, unauffällig, unspektakulär. Seine Täter sind behutsam, fingerfertig und leise. Anschläge können ihm gestohlen bleiben. Trotzdem übernimmt er den Fall. Wegen seiner Auftraggeberin, Maria Lucrezia Kienast, genannt Malu.

Finn, chronisch kompliziert, wählt ungern den einfachsten Weg. Statt sich nur um den Anschlag am Gotthard zu kümmern, lässt er sich durch seine Auftraggeberin verwirren, wühlt in der Vergangenheit ihres ehemaligen Geliebten, Arpagaus, und bereitet seiner eigenen Gefühlswelt ein ungeahntes Chaos. Er kann nicht anders. Zum Glück ist da noch Kant, sein bester Freund und Partner. «Bristen» ist ein Roman und Krimi von urban bis Uri.
(Klappentext)

JU: Freiberge SG: Wildhaus und Umgebung UR: Gotthardautobahn, Reusstal, Bristen ZH: Zürich, Pfannenstiel

29. Oktober 2013

Fliehende Wasser

Ursula Fricker: Fliehende Wasser
Pendo, Zürich, 2004 (vergriffen)
Mit achtzehn verliebt sich Simon in den Verlobten einer Bekannten. Statt seiner Neigung nachzugeben, tut er, was von ihm erwartet wird: Heirat, zwei Kinder, Fabrikarbeit. Durch Zufall gerät er an die Schriften einer Lebensreformbewegung, die durch Verzicht totale Gesundheit verspricht. Kompromisslos muss die Familie die Regeln befolgen. Ida ist hin-und hergerissen zwischen Loyalität und Verrat. Bis sie Gott bittet, den Vater doch endlich fortzunehmen ...

Mit bewundernswerter Souveränität macht die Autorin das scheinbar Unverständliche verständlich. Die Subtilität ihrer Figurenzeichnung ist bestechend, die Enge der 50er Jahre mit Händen zu greifen. Mit ihrer klaren Sprache und einem konzessionslosen Blick erzählt Ursula Fricker die dramatische Geschichte so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. (Klappentext)

BE: Gstaad, Eggiwil JU: Bollement SG: Obertoggenburg SH: Stadt Schaffhausen (Hauptschauplatz), Buch, Rheinfall, Galgenbuck (Neuhausen), Rhein, Hoher Hengst bei Bargen (Randen) VD: Lausanne, Genfersee ZH: Stadt Zürich (alte Kaserne, Niederdorf, Rämistrasse), Pfannenstiel GB: Thurso (Schottland) I: Pisa