22. Juli 2026

Dieses endlose Schweigen

Sandrine Fabbri: Dieses endlose Schweigen,
Lenos, Basel, 2011
Eines Tages endet plötzlich die Kindheit. Vor einem Körper, der aus dem vierten Stock gefallen ist. Direkt auf den Asphalt. Nach dem Unaussprechlichen wird die Mutter, die gestorben ist, totgeschwiegen. Die Hinterbliebenen, Vater und Tochter, sind fortan auf sich selbst zurückgeworfen. Doch wie leben mit der Lücke, die die Mutter hinterlassen hat? Wie überleben inmitten der Stille, der Lügen, die um die Fortgegangene gesponnen werden

Jahre später, als auch der Vater nicht mehr lebt, sucht die inzwischen erwachsene Tochter nach der Wahrheit über den Selbstmord, der als Unfall ausgegeben wurde. Wer war ihre Mutter, sie, die Genferin aus der Bohème, die einen jugoslawischen Einwanderer geheiratet hatte? Die Tochter beginnt nachzuforschen, taucht in die Tristesse einer Genfer Satellitenstadt ein, streift die Welt der Psychiatrie und stösst dabei auf weitere Tragödien in ihrer Familie.

Sandrine Fabbris Debütroman über ein Kind, das auf brutalste Weise von seiner Mutter verlassen wurde, ist schrecklich und prächtig zugleich. Ob Autofiktion oder Autobiographie, die Autorin überzeugt durch die Kraft ihres atemlosen und poetischen Stils.
(Klappentext)

GE: Stadt Genf, Meyrin (Cité Ciel Bleu) ZH: Stadt Zürich I: Rimini, Alassio, Abano, Venedig SLO: Lokavec

19. Juli 2026

Grosse Entdecker

Hans-Joachim Löwer + Alexandra Schlüter:
Grosse Entdecker, Piper, München, 2011
Ob Christoph Kolumbus, Fernando de Magellan oder Mary Kingsley: Die Pioniere vergangener Zeiten schrieben Geschichte, entdeckten neue Länder, umsegelten die Welt, bezwangen Wüsten, lieferten sich Wettläufe zu den Polen. Sie kehrten als Eroberer, Helden oder Verlierer zurück. Und manch einer bezahlte seine Entdeckerlust mit dem Leben. Die 100 bedeutendsten Forscher und Entdecker, bekannte und weniger bekannte, versammelt dieses kompakte und spannende Leselexikon. (Klappentext)

Was der Klappentext verschweigt: Auch manch ein Entdeckter bezahlte mit seinem Leben. 

13. Juli 2026

Adieu Paris, Adieu Catherine

Eveline Hasler: Adieu Paris, Adieu Catherine,
Benziger, Einsiedeln/Zürich/Köln, 1966
In diesem Jugendroman geht es um das Erwachsenwerden, soziale Klassen und die erste Liebe vor der Kulisse der Weltmetropole Paris. Im Mittelpunkt steht Catherine, ein junges Mädchen aus der Schweiz, das für eine gewisse Zeit nach Paris geht, um dort in einer französischen Familie als Au-pair zu arbeiten. Die Autorin, die selbst in Paris Psychologie und Geschichte studiert hat, nutzt ihre Erfahrungen, um die Kontraste zwischen der glitzernden Pariser Oberschicht und dem harten Alltag der einfachen Leute realistisch zu schildern. Die junge Schweizerin muss sich in der fremden Grossstadt behaupten und lernt die Welt der Pariser Jugend kennen. Während ihres Aufenthalts durchlebt sie tiefe persönliche Entwicklungen, erste grosse Verliebtheiten, aber auch Enttäuschungen.

Der Titel «Adieu Paris, adieu Catherine» deutet bereits an, dass es sich um eine prägende Lebensphase handelt. Am Ende der Erzählung lässt die Protagonistin diese turbulente Zeit und die gewonnenen Freunde hinter sich, um in ihre Heimat zurückzukehren – ein Abschied, der sowohl schmerzhaft ist als auch einen Reifeprozess markiert. Das Buch zeichnet sich durch seinen feinfühligen, realistischen Schreibstil aus und fängt den Zeitgeist der 1960er-Jahre in Frankreichs Hauptstadt gekonnt ein.

F: Paris

10. Juli 2026

Kirchweihmord

Friederike Schmöe: Kirchweihmord,
Gmeiner, Messkirch, 2005
Mordsstimmung und Aufregung in Bamberg. Kurz vor der Sandkirchweih, dem berühmten Volksfest der Stadt, treibt eine Tote im Fluss. Beunruhigend ist, dass die junge Frau an einer Ricin-Vergiftung gestorben ist.

Privatdetektivin Katinka Palfy, gerade mit der Suche nach einer verschwundenen Ehefrau beauftragt, vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen und ermittelt fieberhaft in alle Richtungen. Da ereignet sich ein weiterer Todesfall. Am Kirchweihfreitag stirbt ein Mann im Gedränge der Altstadt. Wieder war Ricin im Spiel. Und an der Tür ihrer Detektei klebt ein Erpresserbrief: Wenn sie ihre Ermittlungen nicht einstellt, wird Bambergs grösste Sause ein giftiges Desaster erleben. Katinka steht unter Druck: Vor dem beliebten Fischerstechen am Kirchweihsonntag muss sie die Karten der Verdächtigen neu gemischt haben …
(Inhaltsangabe im Buch)

D: Bamberg (Hauptschauplatz), Schesslitz

7. Juli 2026

Das zitronengelbe Haus

Monica Bentiveni: Das zitronengelbe
Haus, Eugen Salzer Verlag, Heilbronn,
1986
In Deutschland aufgewachsen, mit einem Schweizer verheiratet, hat Monica Bentiveni im ererbten Haus in der Nähe von Mendrisio eine dritte Heimat gefunden. Sie hat Italienisch gelernt und kann nun im Dorfleben mitmachen oder sich die Ereignisse berichten lassen. Für ihren neuen Band Tessiner Erzählungen – betitelt «Das zitronengelbe Haus» – schöpft sie also aus dem vollen. Im Dorf wohnen Leute verschiedener Stände, aber sie halten zusammen, und an Gesprächsstoff fehlt es nirgends. Ausser ihrem offenkundigen Interesse für Menschen und alles Menschliche besitzt Monica Bentiveni ein spontanes und frisch-fröhliches Erzähltalent, das auch ohne psychologische Bohrungen den Ursachen und Wirkungen gerecht wird. Dazu schreibt sie ein natürliches und gutes Deutsch, so fliessend und bildhaft, dass das Lesen eine Freude ist. Rini Widmers Umschlagbild und die neun schwarz-weiss Zeichnungen sind vortrefflich auf den Inhalt des unprätentiösen Werkleins abgestimmt. (Klappentext)

TI: Mendrisiotto, Mendrisio, Lugano, Cademario

4. Juli 2026

Schienenbummel Schweiz

Jean-Michel Hartmann, Will-H. Wenger: Schienenbummel Schweiz, Ott, Thun, 1978

In der grossartigen Landschaft der Schweiz haben die Eisenbahnbauer dem Fotografen Motive bereitgestellt, die Jean-Michel Hartmann mit Meisterschaft einfängt. Er vereint seinen angeborenen Kunstsinn mit der Präzision des guten Schützen, dessen Auge genau ins Schwarze zielt. Nach «Magie du rail», der ihm 1960 den «Prix Chatrian» einbrachte, nach «Zauber der Schiene» (1961), «Adieu Dampflok» (1966) und «Dampflokomotiven in Deutschland» (1974) schenkt er uns nun mit «Schienenbummel» eine neue Probe seines Talents. Die Idee dazu stammt von Will-H. Wenger, dem ehemaligen Pressechef der Schweizerischen Bundesbahnen und gewesenen Direktor der Zentralstelle für Öffentlichkeitsarbeit des Internationalen Eisenbahn-Verbandes, 1970 selber mit dem «Prix Chatrian» für sein Werk «Die Eisenbahnen der Welt» ausgezeichnet. 

211 Fotos, davon 28 farbige, verschaffen den Freunden der Eisenbahn und der Berge, den Freunden alter Gemäuer und besonnter Rebberge das Vergnügen, Bekanntschaft zu schliessen mit der unvergleichlichen Stimmung erhabener Augenblicke, mit Bildern, von welchen man sich nur schwer lösen kann. Das Mittelland und die Voralpen sind ebenso reich an eindrucksvollen Motiven, denen in absehbarer Zeit ein zweiter Band gewidmet werden soll. (Klappentext)

1. Juli 2026

Eisenbahnstadt Olten

Johannes von Arx: Eisenbahnstadt Olten, Weltbild Verlag, Verlag Oltner Tagblatt, Olten, 1997

Das SBB-Jubiläumsjahr 1997 «150 Jahre Schweizer Bahnen rückt auch die Eisenbahnstadt Olten ins Blickfeld, ist doch ihre Geschichte eng mit dem schweizerischen Bahnwesen verknüpft.

1956 ist aus der Feder des unvergesslichen Dr. Urs Wiesli ein Werk mit dem Titel «100 Jahre Eisenbahnstadt Olten erschienen. Die vorliegende Publikation bringt eine gekürzte Zusammenfassung des damaligen Textes, skizziert sodann die facettenreiche Entwicklung der Stadt und ihres Bahnhofs in den vergangenen 40 Jahren und schliesst mit einem faszinierenden Ausblick auf künftige Gestaltungsmöglichkeiten. Das Buch ist mit z.T. historischem Bildmaterial und farbigen Abbildungen reich illustriert.

Wie der Oltner Bahnhof samt der Zentralwerkstätte, oder wie sie heute heisst, der Hauptwerkstätte «HW Olten, zum Koordinatenkreuz des schweizerischen Bahnsystems geworden ist, bildet ein spannungsreiches Kapitel der neueren Schweizer Geschichte. Es legt Zeugnis ab von der Tatkraft sowohl der Eisenbahnpioniere des letzten Jahrhunderts als auch der politischen Behörde von Stadt und Region Olten. Als Zeitgenossen erinnern wir uns an das Drum und Dran der Projektierung einer neuen Bahnlinie durch das Ruttigertäli – wo ein Landschaftsplan den Durchbruch zu einer allseits befriedigenden Lösung gebracht hatte – oder an die Pläne für einen grossen Rangierbahnhof im Niederamt – auf die wegen der politischen Widerstände verzichtet wurde, mit Recht, wie sich später zeigte. Jetzt sind wir Zeugen einer beeindruckenden Neugestaltung des Bahnhofes selbst, die mit dem Stellwerk in den 80er Jahren begonnen hatte und ihre Fortsetzung mit der überaus gefälligen Erneuerung der Personenunterführungen und den zukunftsweisenden Gleisanlagen an der stadtwärts liegenden Westseite gefunden hat.

Solche Abläufe haben ihre Peripetien. Die Bahn 2000 und alles, was sich um die Alpentransversalen abspielt, die verpendelten Fernzüge und die Integration der Schweizer Bahnen in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz eröffnen Perspektiven, zeigen aber auch das Risiko auf, dass der Bahnhof Olten an Stellenwert verlieren könnte. Wenn davon die Rede ist, dass 1997 ein Technologiesprung des Eisenbahnmaterials stattfindet, dann ist auch die HW Olten mit ihrem Arbeitsplatzpotential angesprochen. (Aus dem Vorwort von Leo Schürmann [1917–2002], ehemaliger Präsident der Regionalplanungsgruppe Olten-Gösgen-Gäu)