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4. Februar 2026

Teufelsfrucht

Tom Hillenbrand, Teufelsfrucht,
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2011
Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer hat der Haute Cuisine abgeschworen und betreibt in der Luxemburger Unterstadt ein kleines Restaurant, wo er seinen Gästen Huesenziwwi, Bouneschlupp und Rieslingpaschtéit serviert. Doch dann bricht eines Tages ein renommierter Pariser Gastro-Kritiker tot in seinem Restaurant zusammen und plötzlich steht Kieffer unter Mordverdacht. Als dann noch sein alter Lehrmeister spurlos verschwindet, beschliesst der Luxemburger, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen; sie führen ihn bis nach Paris und Genf. Dabei stösst er auf eine mysteriöse, außergewöhnlich schmackhafte Frucht, auf gewissenlose Lebensmittelkonzerne und egomanische Fernsehköche. Immer tiefer taucht Kieffer in die von Konkurrenzkampf und Qualitätsdruck beherrschte Gourmetszene ein und erkennt, was auf dem Spiel steht. (Klappentext)

PNG: Aramia-Ebene L: Stadt Luxemburg (Hauptschauplatz) F: Flughafen Charles-de-Gaulle, Paris, Châlons-en-Champagne, St-Martin-aux-Champs, Grand Étang du Roi, Lyon D: Hohenheim b. Stuttgart, Bitburg I: Aostatal GE: Stadt Genf, Genfersee ZH: Stadt Zürich

24. April 2024

Mit 3 km/h durch Mitteleuropa

Rudolf Leuenberger: Begegnungen, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2024
Soeben ist in meinem kleinen Verlag ein neuer Titel erschienen: «Begegnungen» heisst er und erzählt von Weitwanderungen durch Mitteleuropa. Kaum im frühzeitigen Ruhestand, beginnt Rudolf Leuenberger (1933–2014) mit dem Fernwandern. Für jedes Jahr bestimmt er anhand einer Landkarte eine Stadt im umliegenden Ausland als Ziel, zieht eine Luftlinie von seinem Wohnort Zollikofen bei Bern und geht hernach meist den Flüssen entlang seinen Weg. Hierbei ist für den vielseitig interessierten Menschenfreund die körperliche Leistung Nebensache. Seine Kontaktfreudigkeit bringt ihm täglich neue Begegnungen und Bekanntschaften, auch wenn er der Landessprache nicht immer mächtig ist.

Die Neugier, was ihn hinter dem nächsten Hügel erwartet, hat den Autor immer wieder neu beflügelt. So sind insgesamt 14 Berichte von Wanderungen durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Österreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Tschechien und Österreich entstanden – ergänzt mit Ausrüstungs- und Orientierungstipps, aber auch mit tiefgründigen Gedanken über Gott, die Welt und anderem.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich, wo auch eine Leseprobe heruntergeladen werden kann.

21. September 2016

Madonna auf der Strasse

Ueli Brunner: Madonna auf der Strasse,
Pendo, Zürich, 1996
Er hat Hunderte von Bildern gemalt. Vom Regen aufgelöst, von Putzmaschinen verschmiert, von Lausbuben zerstört, von der Sonne ausgetrocknet und vom Wind verweht, sind sie spurlos verschwunden. Aber das Werk – von Trapani auf Sizilien über Zürich bis Brighton in England auf Strassen und Plätzen den Passanten für einige Stunden oder Tage zur Schau gestellt – hinterlässt dennoch Spuren.

Die Aufzeichnungen entwickeln sich zum Panorama des Alltags eines Strassenmalers. Wir lernen sein Handwerk kennen, erfahren, wie er die Bildmotive den örtlichen Begebenheiten anpasst – in Italien sind es religiöse Bilder, im Norden eher profane Werke –, wir werden vertraut mit den Spielregeln öffentlicher Räume, mit den Launen der Leute, die mit grossen und kleinen Spenden die Arbeit belohnen oder belächeln.

In Zürich setzt ihm die Obrigkeit zu. Er wird für seine hier ungebetene Arbeit gebüsst, die Strafzettel häufen sich. Schliesslich sitzt er im Bezirksgefängnis Andelfingen eine Haftstrafe ab. Auf Wunsch des Gefängnisverwalters malt er vor seiner Entlassung Vermeers «Mädchen mit dem Turban» an eine Wand, zur Freude der Insassen und Aufseher – und der Leser, die in diesem Tagebuch den kleinen grossen Kosmos der Welt eines Aussenseiters kennenlernen, der so bizarr und abwegig eigentlich gar nicht ist.
(Klappentext)

Auch dieses Buch ist, wie die anderen drei des Autors, in der Edition Wanderwerk erhältlich.

5. Oktober 2014

Andrack legt nach

Manuel Andrack: Wandern – Das deutsche
Mittelgebirge für Amateure und Profis,
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2006
Da hat man soeben Hape Kerkelings «Ich bin dann mal weg» vertilgt, stellt sich einem das neuste Oeuvre von Manuel Andrack, dem anderen deutschen Fernsehstar, in den Weg. Hiess sein erstes Buch noch «Du musst wandern», hat man sich nun auf die Verknappung «Wandern» beschränkt. Zeigt Andracks erstes Buch den Autor auf dem Umschlag noch mit Rucksack, fehlt dieser auf Band zwei. Der aufmerksame Beobachter der Promiwanderszene fragt sich denn sogleich, ob sich der Kölner seit seinem äusserst erfolgreichen Erstling nun einen Sherpa leisten kann? Mitnichten. Vielmehr entführt uns der durchaus sympathische, laut internationaler Presse, «deutsche Wanderpapst», in für uns Schweizer mehr oder minder bekannte Regionen Deutschlands, Luxemburgs und Österreichs. Mal ist er alleine unterwegs, mal mit Kumpels oder dann mit Mitgliedern seiner Familie.

Andrack weckt in uns Schweizern zwar nicht unbedingt den Drang, seine Touren nachzuahmen, er hält freilich die Flamme der Wanderlust arg am Brennen. Ist es sein  Humor, die zwischendurch ernsthaft gemeinten Hintergrundinformationen oder aber die unzähligen Begebenheiten, die einem beim Wandern halt immer wieder widerfahren? Wie dem auch sei, die wachsame Leserschaft erfährt in «Wandern» unter anderem, woher das Schneewittchen stammt, was es mit der deutschen Geologie auf sich hat (ganz toll erklärt, Herr Andrack!), wie man mittels Wandern einen Nierenstein loswerden und damit eine unangenehme medizinische Behandlung vermeiden kann, weshalb man sich auf dem Rennsteig mit «Gut Runst» grüsst, wo die Vor- und Nachteile von Gruppenwanderungen liegen oder wie es an der Wanderweltmeisterschaft in Österreich zu und her gegangen ist. (Das gibt es tatsächlich, obschon das eigentlich gar nicht geht.) Manuel Andrack ist denn durchaus zu Gute zu halten, dass er sich stets auch kritisch-humorvoll mit Gesehenem und Erlebtem auseinandersetzt.

Nun noch ein Wort zur Aufmachung des Taschenbuches, das übrigens als Originalausgabe daherkommt. Die von Andrack höchstpersönlich angefertigten Routenskizzen zeugen zwar von viel Herzblut, hätten aber für den Deutschlandunkundigen noch mit einer zusätzlichen Übersichtskarte ergänzt werden sollen, damit man sich eine ungefähre Vorstellung davon machen kann, wo in Deutschland sich das bewanderte Gebiet befindet. Die Fotos, ebenfalls alle vom Autor (bis auf das Bild des nackten Hermann Hesse ...), sind zwar nicht perfekt, passen aber ganz gut zum Geschriebenen. Und zuletzt noch ein Wort zur Typografie: Im Kopf jedes Kapitels hat der Gestalter (oder die Gestalterin) sämtliche typografischen Regeln in den Wind geschlagen! Schade, aber vielleicht stört es ja lediglich den Rezensenten.