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29. Juli 2025

Der Wächter des Matterhorns

Kurt Lauber: Der Wächter des Matterhorns,
Droemer, München, 2012
Wenn Kurt Lauber Glück hat, ist es noch früh am Tag und das Wetter so gut, dass er und seine Kollegen von der Zermatter Bergrettung ein paar unerfahrene Touristen, die sich überschätzt haben per Helikopter einsammeln können. Doch wenn es schlecht läuft, erlauben Gelände, Schneesturm und Dunkelheit nur eine Rettung zu Fuss. Dann ist er schon mal siebzehn Stunden unterwegs und setzt sein Leben aufs Spiel, um Verletzte oder im schlimmsten Fall tödlich Verunglückte zu bergen.

Kurt Lauber lebt ein abenteuerliches und abwechslungsreiches Leben. Denn seit mehr als fünfzehn Jahren betreibt er auch die Hörnlihütte am Matterhorn – auf 3260 Meter Höhe. In der Hochsaison stellt ihn der Ansturm der Bergsteiger vor grosse Herausforderungen: Bei idealen Voraussetzungen brechen morgens über hundert Alpinisten auf, um das Matterhorn zu besteigen. Während einer Schlechtwetterperiode hingegen kann es auf der Hütte ziemlich einsam sein.

Kurt Lauber erzählt, was er bei seinen gefährlichen Rettungseinsätzen in den Bergen rund um Zermatt erlebt hat. Und er schildert, wie er und sein Hüttenteam eine eingeschworene Familie auf Zeit bilden. Ein beeindruckender Bericht vom Leben und Arbeiten vor dem Panorama des mächtigen Matterhorns (Klappentext)

Dieses Buch ist in meinem Antiquariat unter der Rubrik «Alpinismus» erhältlich.

16. Mai 2025

Krass!

Der heftige Wintereinbruch im April hat im Wallis Hunderte von Wanderwegabschnitten unpassierbar gemacht. Wie gross das Ausmass der Schäden infolge umgeknickter/umgestürzter Bäume ist, zeigt die Karte vom 15.05.2025 mit den gesperrten Wegen. Forstfachleute warnen explizit vor dem Begehen der gesperrten Routen, da oft versteckte Gefahren lauern, die selbst Experten nicht erkennen können. Der Kanton Wallis geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten bis in den kommenden Herbst dauern werden. Wer also eine Wanderung im Wallis, insbesondere südlich der Rhone, plant, ist gut beraten, sich zuvor genau über die Begehbarkeit der Route(n) ins Bild zu setzen.

21. Februar 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 9


Die neunte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes ging von Arbaz nach Ardon. Das war feinstes Mittelwallis an einem viel zu warmen Februartag. Es flatterten die Schmetterlinge, es raschelten die Eidechsen, es blühten die ersten Waldblümchen. Im Zentrum der Tour standen zwei Suonen, die man hier Bisses nennt. Mehr darüber bei anderer Gelegenheit. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU       
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.02.2024 
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9  01.01.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.02.2024 

26. Januar 2024

Endstation Belalp

Mirjam Britsch: Endstation Belalp,
Xanthippe Verlag, Zürich, 2009
Im Sommer 1862 verlegt der London Alpine Club seine jährliche Versammlung in die Schweizer Berge, genauer gesagt ins Hotel Belalp beim Aletschgletscher. Es ist der Lieblingsort von Professor James McGregor, dem erfolgreichen Gletscherforscher und Alpinisten, der heuer in Begleitung seiner frisch angetrauten Braut Penelope Lancaster anreist. Doch schon am Morgen nach seiner Ankunft im Hotel wird der Professor offenbar Opfer einer tragischen Medikamentenverwechslung. Hôtelière Amalia Germaniers Umsicht ist gefragt und ihre Nerven werden aufs Äusserste strapaziert.

Ein klassisches Whodunit, das vor exotischer Bergkulisse atmosphärisch dicht die unterschiedlichsten Temperamente, Ambitionen und Kulturen aufeinanderprallen lässt und zugleich lebhaft Einblick gewährt in die abenteuerlichen Anfänge der Alpinismusgeschichte.
(Klappentext)

VS: Belalp

11. November 2023

Reise nach Amerika

Markus Michel: Reise nach Amerika,
Zytglogge, Bern, 1991
Brienz, Bern, Amerika. Die meisten kommen nie bis Amerika. Der Berner Oberländer Joli kam als Seifen- und Heiligenbildchenhändler bis in den Jura und ins Wallis, bevor er sich in Bern niederliess. Dort verdiente er den Lebensunterhalt für sich und seine Familie mit Büroarbeit. Geld war nie viel vorhanden. Jolis Familie war gross und der Beamtenlohn gering. Manchmal schrieb Joli Zugsverbindungen aus dem Fahrplan ab, nach Wien vielleicht, oder nach Milano. Von Amerika träumte Joli. Dort lag das Geld auf der Strasse, man brauchte sich nur danach zu bücken. Jolis Land der unbegrenzten Möglichkeiten war das Berner Stadttheater. Hier verbrachte er seine ganze Freizeit, als Obmann der Statisterie.

Auch Frau Joli träumte von Amerika. Abends, wenn sie mit den Kindern allein zuhause sass, erzählte sie von ihrer Schulfreundin Hilde, die als einziges Mädchen die Reise nach Amerika gewagt hatte. Frau Joli malte sich und ihren Kindern aus, was Hilde auf ihrer Reise erlebt haben könnte. Nach einigen Jahren kehrte Hilde mit zwei Kindern ohne Vater zurück. Ein Traum mehr, der ausgeträumt war.

Markus Michel zieht in seinem Roman immer weitere Kreise um Joli, baut dessen Familie, Geschichten von Brienzerinnen und Brienzern und Hildes Reise nach Amerika ein. Er holt die Lebensverhältnisse der nicht privilegierten Leute ans Licht, deren Leben aus Billig-Angeboten, Dienen bei fremden Leuten, der Schande unehelicher Kinder und der Schadenfreude der Nachbarn bestand. In der kleinbürgerlichen Enge hatte Amerika Platz im Kopf, aber keinen im Alltag.
(Klappentext)

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Brienz (Hauptschauplatz), Köniz, Meiringen, Gümigen, Iseltwald, Interlaken, Unterseen, Hofstetten b. Brienz, Brienzersee GE: Stadt Genf NE: Stadt Neuenburg SO: Grenchen VD: Montreux VS: Sion, Rhonetal F: Paris D: Dresden

23. Juli 2022

«Indirettissima» ist da!

Reto Küng: Indirettissima, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2022
Inspiriert von der 1983 landesweit legendär gewordenen «Direttissima Schweiz» unternimmt Reto Küng fast 40 Jahre später eine ähnliche Reise: zu Fuss vom nordwestlichsten Zipfel des Kantons Waadt zur südöstlichsten Ecke des Bündnerlandes. Anders als seine Vorgänger sucht der Autor nicht den möglichst direkten Weg. Seine Absicht ist es vielmehr, bislang weniger begangene Gegenden von Jura, Mittelland und Alpen zu bewandern.

An 43 Tagen legt Küng weit über 900 Kilometer zurück. Begleitet vom Wetterglück durchstreift er fantastische Landschaften und fotografiert diese gekonnt. In seinem Erlebnisbericht erzählt er von Begegnungen mit Wildtieren, Beherbergern und mitunter gewalttätigen Einheimischen. Er berichtet aber auch von den Sorgen und Nöten des Fernwanderers, seinen Glücksmomenten und vielem mehr.

Der mit 140 meist grossformatigen Fotos reich bebilderte Band lädt dank einer Etappenübersicht sowie den zur Verfügung gestellten GPS-Tracks zum Nachwandern der wunderbaren Route ein.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich. Hier steht auch eine Leseprobe und ein kurzes Autorenporträt zur Verfügung.

9. März 2021

Brig, Glis, Brigerbärg, Simplon

Georges Tscherrig: Brig/Glis/Brigerbärg/Simplon,
Rotten Verlag, Visp, 2001
Der vorliegende Band «Brig/Glis/Brigerbärg/Simplon» ergänzt die Publikationsreihe «Erinnern Sie sich», die im Rotten Verlag erscheint. Brig-Glis, so nennt sich seit 1973 die grosse, aus der Fusion der Gemeinden Brig, Glis und Brigerbad hervorgegangene Stadtgemeinde. Die hier wiedergegebenen Ansichten von Brig-Glis stammen zum überwiegenden Teil aus der Zeit, in der die drei vorgenannten Gemeinden noch als selbständige Gemeinwesen ihr Eigenleben führten. Andererseits löste sich Brig 1957 aus der Pfarrgemeinde Glis-Brig und schuf die eigene Herz-Jesu-Pfarrei Brig. Diese Entwicklung ist in der Ausgabe «Erinnern Sie sich» mit einem fotografischen Dokument angedeutet. Es zeigt den Abbruch des Salzhofes, eines lokalhistorisch interessanten Gebäudekomplexes. Er wich dem Neubau der Pfarrkirche Brig. Das herausgegriffene Beispiel verdeutlicht, wie bauliche und gestalterische Massnahmen das frühere Ortsbild verändern.

Zeugnisse aus der Zeit, in der die Postkutschen von Brig aus über die Furka und den Simplon rollten, dominieren diesen Bildband. Bilder aus der Bauzeit des Simplontunnels und Fotos vom aufkommenden Verkehr auf Schiene und Strasse dokumentieren den Wandel im angebrochenen 20. Jahrhundert.

Die Publikation vereint mit den Bildern aus dem Gebiet der heutigen Stadtgemeinde Brig-Glis auch viele frühere Ansichten aus den Dörfern, Siedlungen und Landschaften im weitläufigen Gebiet des Simplons. Wie in Brig markierte der Grosse Stockalper mit dem repräsentativen Spittel auf dem Simplon und mit der trutzigen Suste in Gondo seine Herrschaft am Simplon. Es erwies sich im Nachhinein als eine glückliche Fügung, dass die napoleonische Heerstrasse der friedlichen Nutzung und nicht den Kriegsscharen dienlich war. So verkehrte bereits 1919 das Postauto auf der Simplonstrasse und schuf damit auf schweizerischen Passstrassen eine Premiere. Ein weiteres fotografisches Dokument erinnert an die Versuche im Winter 1931, den eingeschneiten Simplonpass in einem Raupenauto zu queren. Dass auch der Simplonadler in diesen Band gehört, ist naheliegend, ist er doch wohl das schönste Soldatendenkmal im Alpenraum. Der thronende Adler ob der Simplonpasshöhe ist schon längst zum Kennzeichen des Simplons aufgestiegen.
(Vorwort des Autors)

5. März 2021

Durchs Obergoms

Diverse Autoren: Durchs Obergoms,
Vereinigung «Inns Obergoms», 1987
Der kulturhistorische Wanderweg «Durchs Obergoms» will zu markanten wie versteckten Punkten der Obergommer Siedlungs- und Kulturlandschaft hinführen und dabei hervorragende wie typische Äusserungen der Kulturgeschichte dieser Region sichtbar machen und entschlüsseln. Nicht bloss, was unmittelbar sichtbar ist, ist dabei Gegenstand der Auseinandersetzung, sondern auch das, wofür dieses Scihtbare zeichenhaft steht: die Kirchenausstattung als Spiegel barocken Geistes, das Ortsbild als Ergebnis diktierender Naturgewalten, der Nutzbau als sichtbarer Ausdruck von Selbstversorgung und Gemeinschaftssinn. (Klappentext)

21. November 2020

Fleisch und Blut

Susanna Schwager: Fleisch und Blut,
Chronos, Zürich, 2004
Büne Huber, Patent Ochsner: «Ein wunderschönes Buch. Jedesmal, wenn mich ein Buch mit Haut und Haar packt, entwickle ich einen missionarischen Eifer und erachte es als meine Bürgerpflicht, der Bevölkerung die frohe Botschaft zu überbringen ...


‹Fleisch und Blut› erzählt die Lebensgeschichte von Hans Meister, der 1913 geboren wurde und seine Kindheit mit sieben Geschwistern auf einem Bergbauernhof im Emmental verlebte. es erzählt vom frühen Tod der Mutter, wie die Familie nach diesem Verlust verarmte, wie die Kinder um ein Haar verdingt wurden, vom Überlebenskampf unter schwierigsten Umständen. es erzählt von einem aufgeweckten, wissensdurstigen Jungen, der die Tiere mehr liebt als alles andere, der jedoch seinen Traumberuf Tierarzt begraben musste.


Hans Meister wird Metzger. Einer bis ins Blut. Ein währschafter, stolzer Metzger mit grösster Berufsehre und ebenso grosser Sorgfalt. Um es in seinen eigenen Worten zu sagen: ‹Ein Metzger kennt die Sachen von innen, gäll. Er kennt auch den Tod. Man kann sagen, ein Metzger muss ein guter Mann sein. Muss. Weil er tötet. Ein schlechter Mensch ist auch ein schlechter Metzger, das gehört zusammen.›


Es erzählt auch von einem jungen Mann, der mit Humor, Schlauheit und einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit seinen Weg geht, mitunter vor Hürden stolpert und fällt, aber wieder aufsteht, um einen neuen Anlauf zu nehmen und dabei immer wieder Nischen der Freiheit findet. Nicht zuletzt erzählt es aber die Geschichte eines würdevoll gealterten Mannes, der 92-jährig nicht ohne Selbstkritik und voller Gelassenheit auf das letzte Jahrhundert zurückblickt, das von unzähligen Krisen, Kämpfen und tiefgehenden Umbrüchen geprägt war.» (Klappentext)

29. Oktober 2020

Wanderful

Thor Kunkel: Wanderful, Eichborn, Köln, 2014
Als Thor Kunkel nach fast zehn Jahren Vorbereitungszeit endlich die Genehmigung erhält, in der Schweiz, nur wenige Kilometer vom Grossen Aletschgletscher entfernt, ein Haus zu bauen, fallen die Würfel für ein ganz neues Leben. Er wagt sich in eine ihm anfangs sehr fremde Welt, geprägt von kompromissloser Natur, wortkargen Menschen und existenziellen Fragen: Ist es möglich, mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzufangen? Thor Kunkel hat sich die Frage mit der für ihn typischen Radikalität gestellt und seine Antwort gefunden. In «Wanderful» berichtet er von inspirierenden und irritierenden Begegnungen in der Bergeinsamkeit, er hält Rückschau auf das Leben in den grossen Metropolen und wagt die Begegnung mit sich selbst.

«In den Bergen wirst du auf dich selbst zurückgeführt. Diese Landschaften öffnen Landschaften in uns. Und sie sprechen eine Einladung aus, die man nicht ausschlagen kann.»
(Klappentext)

Dieses Buch kann im Antiquariat der Edition Wanderwerk käuflich erworben werden (Rubrik «Lebensgeschichten)

5. September 2020

Ich, Adeline, Hebamme aus dem Val d'Anniviers

Adeline Favre: Ich, Adeline, Hebamme
aus dem Val d'Anniviers, Limmat,
Zürich, 1982
Adeline Favre wird 1908 in St. Luc im Val d'Anniviers als achtes von vierzehn Kindern geboren. Gegen den Willen ihrer Eltern besucht sie in Genf die Hebammenschule. Als kaum Zwanzigjährige kehrt sie ins Wallis zurück und arbeitet bis zu ihrer Pensionierung als Hebamme, anfangs in den Häusern der Familien, zuletzt im Spital von Sierre. 8000 Kinder haben mit ihrer Hilfe das Licht der Welt erblickt.

Lebendig und spontan erzählt Adeline Favre von ihrer Jugend und der Ausbildung, vor allem aber von ihrer fünfzigjährigen Arbeit als Hebamme, die oft über die einer Geburtshelferin hinausgeht, vom Kampf gegen Widerstände, alte Traditionen und Bräuche. Und immer steht das Schicksal der Frauen und ihrer Kinder im Mittelpunkt, ihre Sorgen, Nöte und Freuden. Aber auch von den Vätern ist die Rede. (Klappentext)


«Macht aus meinem Bericht keine romantische Erzählung. Es sind harte Tatsachen – gebt sie als solche wieder.» Adeline Favre

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Lebensgeschichten»).

11. Mai 2020

Das verlorene Tal

Hannes Taugwalder: Das verlorene Tal,
Verlag Glendyn, Aarau,
Das verlorene Tal ist mehr als eine Erzählung. Auch mehr als ein autobiographischer Bericht über ein Hirtendasein in den Zermatter Alpen. Das verlorene Tal ist ein Zeitdokument. In spannenden Abschnitten erleben wir den Alltag einer Bergbauernfamilie in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, ihren harten Kampf, die langen Winter zu überleben, aber auch die vielen heiteren und fröhlichen Episoden eines gesunden Menschenschlages.

Wir müssen dem Autor dankbar sein, dass er in so offener und freimütiger Art von sich und seinen Eltern erzählt. Von der Mutter, die sich als Novizin aus dem Kloster stiehlt, vom Vater, der, nach erfolgreichen Expeditionen, als geschlagener Bergführer mit erfrorenen Gliedern aus den Anden nach Hause zurückkehrt.

Von ganz besonderer Dichte und eigenem Reiz sind die Erlebnisse, in denen der Autor aus eigenen Erinnerungen schöpft. Seiner ersten Jugendsünde begegnen wir im Beichtstuhl. Er holt den zechenden Vater aus der Pinte, verbringt mit einer mannstollen Sennerin den Sommer auf der Alp, muss in stockfinsterer Nacht durch einen sagenträchtigen Geisterweg, um einem kranken Tier Hilfe zu bringen, und besucht auf einem gefahrvollen Weg seine Mutter in der Matterhornhütte, die dort als Köchin die Bergsteiger betreut.

In der Einsamkeit des Hirtenlebens redet der Junge mit den Bergen, hört Laute, die vielleicht eine Quelle verplaudert, und betrachtet am Himmel seltsame Wolkengebilde. Die Fremden nennen ihn öfters «Geissenpeter», obwohl er mit Johanna Spyris Geissenpeter wenig Gemeinsames hat. Ein Armbruch bringt dem wilden Buben ein völlig anderes Dasein. Infolge Komplikationen sucht er Hilfe im Kinderspital in Bern. Es gelingt den Ärzten, den Arm vor einer Amputation zu retten. Der anschliessende Prozess gegen den Landarzt findet ein unrühmliches Ende. Um die Prozesskosten zu decken, müssen die Eltern eine der beiden Kühe hergeben. Als die Zukunftsaussichten recht düster aussehen, findet sich im Teehüttli Aroleid ein holländisches Ehepaar ein. Sie bauen dem Jungen eine Brücke in ein neues Leben. Seinen Traumberuf, Bergführer zu werden, muss er aber begraben. Er verlässt das Tal. – Das verlorene Tal. 


Hannes Taugwalder schreibt in einer ihm eigenen urchigen Sprache. Seine kritische Betrachtungsweise, die an vielem Althergebrachtem kratzt, reizt immer wieder zum Schmunzeln. Vom Schicksal des Knaben ist man gepackt. (Klappentext)

BE: Kinderspital Bern, Stadt Bern BS: Stadt Basel LU: Luthern VS: Zermatt, Turtmann, Sion, Alp Kalbermatten/Zermatt, Zumsee, Sierre, Hörnlihütte, Hotel Monte Rosa Zermatt, Stafelalp/Zermatt, Mattertal

Hannes Taugwalder (21.12.1910–8.11.2007) stammte aus dem Kanton Wallis. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Zermatt auf und erlitt eine Behinderung an der linken Hand. Trotzdem konnte er in Zürich eine Banklehre absolvieren und eine steile Karriere erklimmen: Er stand an der Spitze eines Warenhauses und einer Strickwarenfabrik. Bis in die 1980er Jahre fabrizierte er, mit seiner Firma Aroleid AG, selbst Damen- und Kinderkleider. Taugwalder schrieb Texte in Walliser Mundart und verfasste mit «Das verlorene Tal» (1979) und «Der verlorene Weg» (1982), «Einsamer Mond» (1990) und «Auf-Bruch» (1992) seine Autobiografie. Sein politisches Engagement führte ihn als Mitglied der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, die 1971 in der SVP aufging, in den Einwohnerrat der Stadt Aarau, dem er von 1970 bis 1973 angehörte, und in die Paritätische Kommission der Schweizerischen Konfektionsindustrie. Später trat er der FDP bei, und in seinen letzten Jahren war er parteilos.

28. Februar 2020

Wenn die Sonne nicht wiederkäme

Charles Ferdinand Ramuz: Wenn die
Sonne nicht wiederkäme, Unionsverlag,
Zürich, 1939 (dt. Erstveröffentlichung)
Der alte Anzévui, Kräuterkundiger und Weiser, sagt aus alten Büchern auf den 13. April ihren endgültigen Untergang voraus. Schon in normalen Jahren gelangt während sechs Wintermonaten kein Sonnenstrahl ins Dorf, das hoch über dem Rhonetal an der Nordseite hängt. Und dieses Jahr scheint alles dem Kräuterweisen recht zu geben: Tag und Nacht hängt eine undurchdringliche Nebelwolke über dem Felskessel. Das Tageslicht scheint verschwunden. Die Dorfleute geraten unter den düsteren Weissagungen in Todesangst und Weltuntergangsstimmung. Jeder bereitet sich auf seine Weise auf die letzten Tage vor. Nur einige Junge haben die Lebenskraft, der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu widerstehen. (Klappentext)

19. Dezember 2019

Am Schattenberg

Otto Zumoberhaus: Am Schattenberg,
Rotpunktverlag, Zürich, 2009
«Im blauen Dunst der Toscanistumpen und Tabakpfeifen hockten die Männer an den Tischen, mampften Käse und Roggenbrot oder sogen an ihren Stumpen. Die jüngeren standen mit Glas und Schpys in der Hand zusammen, liessen sich vom Kirchenvogt aus der Zinnkanne Wein nachgiessen und redeten, kauend und sürpfelnd, immer lauter durcheinander. Als aber Christen den Saal betrat, ebbte das Gerede ab und ging in unverständliches Gemurmel über. Schliesslich machte sich betretenes Schweigen breit.»

Familienepos, Sittenroman, erzählte Zeitgeschichte: All dies vereint das Romandebüt des Walliser Autors Otto Zumoberhaus. Am Anfang dieser Geschichte eines Bergdorfs steht eine Sünde, die den jungen Christian Zenthelen und seine Frau auf eine harte Probe stellt und die Menschen am Schattenberg nachhaltig aufwühlt. Aber Christian, von den Leuten «der Rotbart-Chrischti» genannt, wehrt sich gegen die Schicksalsschläge, die falsche Frömmigkeit der Dorfgemeinschaft und die mächtige Patrizierfamilie. Beharrlich geht er seinen Weg und sorgt für den Weiterbestand seines Namens. Doch nicht nur das Archaische, sondern auch die Moderne setzt der Familie zu. Und so ist dieser Generationenroman ebenfalls eine Geschichte über Industrialisierung, Migration, Krieg, Eisenbahnbau und das Bröckeln alter Mächte. Während der Autor den Bogen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart spannt, spürt er den Verschränkungen von grosser und kleiner Geschichte nach. Denn im Mikrokosmos des Schattenbergs und seiner theaterverrückten Leute widerspiegelt sich immer auch das Weltgeschehen.
(Klappentext)

VS: Gegend um Raron, Turtig, Bürchen, Eischoll, Unterbäch (Hauptschauplatz); Visp, Sion, Martigny, Gletsch, Brig, Salgesch F: Paris, Cannes GB: London I: Rom

17. Dezember 2019

Fucking Friends

Roland Heer: Fucking Friends, Bilgerverlag,
Zürich, 2010
Fucking Friends, der provokante Debütroman des Extrembergsteigers und Lyrikers Roland Heer, wirft einen schonungslos offenen Blick in die Welt der Online-Singlebörsen, Sex-Sites und Internet-Kontaktplattformen. Ein kompromisslos offenes und einzigartiges Zeitdokument.  Sprachmächtig zeichnet der Autor in der Figur des 43-jährigen Comiczeichners Greg Bold jenen Typus Mensch, der süchtig nach Grenzerfahrungen den Bezug zur realen Welt verliert. Dem Wiedererwachen nach dem Tod von Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz folgt der lange Fall durch alle gesellschaftlichen, sozialen und moralischen Raster. Die sexuellen Verheissungen der Cyberwelt erweisen sich als Tor in einen elektronischen Darkroom, aus dem es kein Entrinnen gibt.

«Von da an ging es abwärts, schneller, viel schneller als erwartet. Blankeis statt Schutt. Die Weisse Spinne voll auf Speed, aus dem Wasserfallkamin kam ein Grölen, die Rampe dröhnte, beim Todesbiwak riss es mir die Flügel ab, beim Hinterstoisser-Quergang meine Beine, der Zerschrundene Pfeiler köpfte mich. Lichtgeschwindigkeit, dachte ich, schwarzes Licht - und jetzt platzen, bitte, doch der Aufprall wollte nicht kommen.»

Gregor Bold, 43, passionierter Extrembergsteiger, verliert durch einen Flugzeugabsturz Frau und Kind – zum Zeitpunkt des Unglücks ist er auf einer Expedition im Himalaya. Nach seiner Rückkehr zieht er sich zurück, er hadert mit Gott und der Welt, verfällt physisch und psychisch und findet sich in einer psychiatrischen Klinik wieder. 


Zurück im Leben, aber mehr oder weniger beziehungsunfähig, entdeckt Gregor das Internet als Partner-Plattform: Einloggen ist der Ausgang des Singles aus seiner selbstverschuldeten Einsamkeit. Er gerät rasch in den Strudel eines immer intensiver werdenden Kontakt-Knüpfens, trifft Frauen bald schon im Dutzend, er lebt im Versuch, möglichst nichts auszulassen: exzessiv, obsessiv und immer verzweifelter.
Via Internet lernt Gregor auch Heike kennen: sie ist hübsch, anzüglich und verkommen. Heike und Gregor verlieren jegliche Scham voreinander und vor sich selber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Dynamik aus Verletzung, Sex und Gewalt, welche sie gegenseitig in Gang setzen, ins Katastrophale eskaliert.
(Inhaltsangabe zum Buch)

AG: Aarau GL: Chly Kärpf, Fanenstock SZ: Bockmattli UR: Salbitschijen VS: Matterhorn ZH: Stadt Zürich, Schlieren A: Feldkirch D: Dresden Diverse: Himalaja, Mutzagh Ata, Serifos, La Gomera, Stromboli

27. Juli 2019

Von der Rhone an die Maggia

S. Corinna Bille: Von der Rhone an die
Maggia, Rotpunktverlag, Zürich, 2011
Im August 1954 hat Corinna Bille mit ihrem Mann Maurice Chappaz und dem zehnjährigen Sohn Blaise eine Wanderung von der Rhone an die Maggia unternommen – und sie zu einem literarischen Bijou verarbeitet. Aufbrechend im Wallis überschreiten die Wanderer während ihrer Reise auf den Spuren der Walliser Auswanderer und zu den Walser Siedlungen drei Pässe, durchqueren das norditalienische Val Formazza und gelangen nach fünf Tagen schließlich in das im Tessin liegende und dennoch walliserische Dorf Bosco Gurin.

Durch Corinna Billes poetische Beschreibungen erscheinen vor unserem inneren Auge die Rhone in Fiesch, das herrschaftliche Dorf Ernen, Binn und die Kristalle im Binntal, die alten Passwege, die atemberaubende Aussicht auf Täler und Seen. Wir erfahren von den Mühen des Auf- und des Abstiegs, aber auch von den Glücksgefühlen beim Zubereiten der Mahlzeit im Freien, dem Übernachten bei Hirten und Bauern. Und dem Unterwegssein in der Abgeschiedenheit: «Das Tessin! Wir hatten zwei Grenzen überschritten, ohne einem einzigen Zöllner zu begegnen.» Der Anhang von Andreas Weissen bietet detaillierte Angaben zur heutigen Route, Vorschläge für Tagesetappen und Übernachtungsmöglichkeiten.

10. März 2019

Das Schattenhaus

Werner Schmidli: Das Schattenhaus,
Benziger, Einsiedeln, 1969
Werner Schmidli, der junge Basler Autor, erzählt in diesem Buch die Geschichte eines jungen Mannes, der den dunklen Erinnerungen an sein Elternhaus zu entrinnen und seine eigene Zukunft zu gestalten versucht.

Schmidli schreibt, um sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen: Da ist die Stadt Basel, das Industrieviertel, das Räderwerk einer grossen Chemiefabrik, Geschwätz, Gerede, öder Alltag, erdachte und gescheiterte Auswege, um aus dieser phantasielosen Umwelt zu entfliehen, wo die Konsumsteigerung Gradmesser der Persönlichkeit wird.

«Schattenhaus» hat Schmidli seinen neuen Roman genannt und meint damit die dumpfe, hoffnungslose Welt seines Vaters. Schmidli erzählt eindrücklich, beklemmend und dicht ein «finsteres Märchen» der Alltäglichkeit. (Klappentext)


AG: Staffelegg, Oberfrick BE: Kandersteg, Strandbad Biel BL: Birsfelden, Allschwil, Grellingen, Restaurant Paradies Allschwil, Birsmündung, Auhafen BS: Bushaltestelle Basel Riehenring, Basel Badischer Bahnhof, Gartenbad Eglisee, Friedhof am Hörnli, Claraplatz, Restaurant Rheinblick, Riehen, Klybeckstrasse, Bahnhof Basel SBB, Feldbergstrasse, Matthäuskirche, Wettsteinbrücke, Ciba, Solitüdenplatz, Mittlere Rheinbrücke, Clarastrasse, Kleinhüningen, Café Romano (heute Pizzeria Roma) an der Hammerstrasse, Birsmündung, St. Albanbrücke, St. Albanfähre, Solitüdenpark GR: Truns, Zignau, Puntegliashütte SAC JU: Vermes SO: Glitzerstein- bzw. Ramstelhöhle am Gempen SZ: Arth-Goldau VS: Grächen D: Tüllinger Hügel F: Marseille

Werner Schmidli wurde am 30. September 1939 in Basel in einer  Arbeiterfamilie geboren. Er besuchte die Realschule und absolvierte eine Lehre zum Chemielaboranten in Basel. Von 1960 bis 1962 reiste er mit einem Frachtschiff über Nordafrika, den Panamakanal und Polynesien nach Australien, wo er sich 1½ Jahre in Melbourne aufhielt und als Industriearbeiter tätig war. Nachdem er über Indonesien und Indien in die Schweiz zurückgekehrt war, lebte Schmidli anfangs im Kanton Aargau und arbeitete im Verlagswesen. Daneben setzte er, der bereits in den Fünfzigerjahren mit dem Schreiben begonnen hatte, seine literarischen Aktivitäten fort. 1966 erschien im Benziger Verlag sein erster Band mit Erzählungen. Von 1968 bis 1978 war Schmidli Mitherausgeber der Literaturzeitschrift «Drehpunkt» und ab 1979 freier Schriftsteller in Basel. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele und Fernsehdrehbücher. Während seine frühen Werke der Arbeiterliteratur zugerechnet werden können, hatten die späteren allgemeinere, existenzielle Probleme zum Thema. Seine letzten Werke zählen vorwiegend zur Kriminalliteratur. Werner Schmidli starb am 14. November 2005 in Basel.

15. September 2018

Horu

Carlo Meier: Horu, Cosmos, Muri, 1995
Horu, ein doppelbödiger Kriminalroman, eine Geschichte, die temporeich abläuft, in Zürich beginnt und in Zermatt ihren Höhepunkt erreicht, geschrieben von einem Autor, der in äusserst witziger Weise mit dem Genre umzugehen versteht. Dass die Geschichte auch eine politische Dimension hat, dafür sorgt Bundesrat Gottlieb Muggli. Doch zuerst wird Harry Grab, der Protagonist, in ein Verbrechen verwickelt und fällt unter Mordverdacht; während nach ihm gefahndet wird, führt seine Suche nach dem wirklichen Täter bis ins geheimste Örtchen des Landes. (Klappentext)

BE: Stadt Bern SZ: Brunnen UR: Göschenen VS: Brig, Zermatt ZG: Sihlbrugg, Höllgrotten Baar, Stadt Zug ZH: Stadt Zürich

28. Juli 2018

Der Geliebte der Mutter

Urs Widmer: Der Geliebte der Mutter,
Diogenes, Zürich, 2000
Als sie ihn kennenlernt, in den zwanziger Jahren in der Stadt am See, ist sie jung, schön und reich, er dagegen ein mittelloser junger Mann, der nur eines im Kopf hat: Musik. Neue Musik. Ein Orchester gründen, das Bartók, Krenek oder Prokofjew spielt. All die jungen Komponisten, die kein Mensch kennt.

Am Ende ihres Lebens ist er ein berühmter Dirigent und der reichste Mann des Landes und sie ohne Geld und immer noch und immer mehr von einer Liebe zu ihm umgetrieben, von der weder er noch sonst jemand etwas weiss. (Klappentext)

BE: Adelboden VS: Simplonpass, Brig I: Villadossola D: Frankfurt
Die «Stadt am See» ist ein fiktives Konstrukt des Autors, das manchmal auf Zürich hindeutet, dann aber wieder nicht.

29. Mai 2017

Oberwalliser Quickie

Mörel (VS).

Sonntagmorgen. Im ersten Zug nach Thun, weiter durch den Lötschbergtunnel nach Brig und schliesslich mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn bis Mörel. Um fünf nach halb acht trabe ich los, steige den alten Fussweg nach Ried-Mörel hoch und werde zunehmend glücklich. Im Bergdorf stosse ich auf eine Freiluftbibliothek, die mich einlädt, ein Buch zu nehmen, zu behalten, zu tauschen oder zu verschenken. Ich bin frech und nehme gleich zwei. Kindergeschichten* von Peter Bichsel und Hesses Siddharta, eine Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1922, gesetzt in Frakturschrift. Die zwei Funde passen prima, habe ich doch zu Hause ein Büchlein eingepackt, das ich bereits gelesen hatte, wie ich auf der Hinfahrt feststellen musste. Nun bin ich also auch schon soweit …

Aufstieg von Mörel nach Ried-Mörel.

Die Freiluftbibliothek in Ried-Mörel.


Das Glück dauert an. Zur rechten Zeit ein Brunnen mit Trinkwasser und hernach ein traumhafter Pfad entlang einer Suone durch Magerwiesen. Ich folge dem Bewässerungskanal vom Weiler mit dem sonderbaren Namen Summerseili bis zur Abzweigung, wo der legendäre Massaweg beginnt. Weil ich ihn vor Jahren gegangen bin, steige ich hier ab. Ein formidabler Bergweg, steil, vor Augen der Häuserhaufen von Naters und Brig, überragt von schneefleckigen Bergriesen, die den brachialen Reiz der Oberwalliser Metropole ausmachen.

Wallis, wie ich es liebe: Suonenweg bei der Roti Flue.

Auf dem Abstieg nach Bitsch mit Naters und Brig, darüber das Glishorn. Rechts ein Bildstock.


Begleitet von sprudelnden Schmelzwassern, erreiche ich in Bitsch die Talsohle, überquere den Rotten und strebe brigwärts. Willkommene Schattenlage des Pfades entlang der Bahngeleise. Plötzlich stehe ich über den zwei Portalen des Simplontunnels. Und wenig später schräg davor. Eine schwarze Güterlokomotive pfeilt aus der Röhre, im Schlepptau unzählige Kesselwagen. Was folgt ist ein vergleichsweise skurriler Hatscher durch öde Bahnlandschaft, vorbei an Zollfreilager, Fitnesszentrum und dem Dreiviertelrund des Lokomotivdepots. Schlag elf Uhr laufe ich im Briger Bahnhof ein. In zwanzig Minuten fährt mein Zug durch den Alpenhauptkamm. Um viertel vor eins bin ich wieder zu Hause. Fazit: dieser Oberwalliser Quickie hat Wiederholungspotenzial.

Bahnhofplatz in Brig.


*Auf der Heimfahrt lese ich die erste Geschichte. Sie handelt von einem Mann, der auf einer geraden Linie um die Welt gehen wollte, um genau dort anzukommen, wo er gestartet war. Mit einem Schlag fühlte ich mich ins Jahr 1974 versetzt. Damals las ich diesen Text zum ersten Mal. Als Viertklässler, im Schullesebuch. Und Bichsels Geschichte hat bis heute nichts an Aktualität eingebüsst.