28. April 2016

Ich gehe vegan

Meine neuste Errungenschaft ist ein Paar hype Outdoor-Schuhe. Ich war auf der Suche nach geschlossenen und gleichzeitig leichten Tretern, die ich auf Zelttouren mitnehmen kann, um abends im Camp nicht in den schweisselnden Wanderschuhen herumsitzen zu müssen. Gefunden habe ich einen Schuh der Marke Merell, dem man seine Eigenschaften nicht auf den ersten Blick ansieht. Und dass er sogar vegan ist, macht ihn doch doppelt sympathisch. Bin gespannt, ob der Schuh hält, was er verspricht. Meine erste Gehprobe mit dem Bare Acess 4 (400 g/Paar bei Grösse 10½) ist schon mal sehr verheissungsvoll ausgefallen. Hier noch das technische Kauderwelsch:


Barefoot-Running at it’s best! Die vierte Auflage des Bare Access sorgt dank der MBound™ Mittelsohle für ein noch energetischeres Feedback. Dank der 8 mm starken Dämpfung ist der Schuh prädestiniert für lange Trainingseinheiten oder Läufe auf Asphalt. Der Zero Drop (0 mm Gefälle zwischen Ferse und Ballen) bietet unmittelbaren Kontakt zum Boden, aktiviert die Muskulatur und sorgt für ungetrübtes Barfuss-Feeling.

OBERMATERIAL/FUTTER
• Mesh und TPU
• traditionelle Schnürung
• reflektive Details
• atmungsaktives Innenfutter mit M-Select FRESH™ Behandlung verhindert unangenehme Gerüche
• integriertes EVA-Fussbett mit M-Select FRESH™
• kalt waschbar, Schonschleudern und Lufttrocken möglich

ZWISCHENSOHLE/AUSSENSOHLE
• 0 mm Sprengung (Gefälle zwischen Ferse und Ballen)
• 8 mm Dämpfung
• MBound™ Mittelsohle für energetisches Feedback
• kompressionsgeformte EVA-Mittelsohle
• 2 mm Profiltiefe
• Vibram® Außensohle
• vegan

26. April 2016

Widmers Wunderwelt

Thomas Widmer: Schweizer Wunder,
Echtzeit Verlag, Basel, 2016
Es misst herzige 10,5 x 14,6 cm, ist 180 Gramm leicht und beinhaltet 183 Destillate aus Thomas Widmers Wanderschatz. Schweizer Wunder nennt sich das neuste Werk des unermüdlichen Schreibers und Gehers. Auf 235 Seiten – der Band ist insgesamt 272 Seiten stark – werden dem Leser Kuriositäten aus allen Ecken des Landes präsentiert. Episödchen und Fakten, Lokalhistorie und Ethymologisches, Bekanntes und zumeist Unbekanntes. Es ist, aller Erwartungen zum Trotz, kein Wanderbuch. Die eine oder andere Routenbeschreibung kommt technisch bedingt vor, vielmehr haben wir es indes mit einer Art Gegenentwurf zum 0815-Tourismus zu tun: einem Schatzkästlein für den stillen Geniesser. Widmers Wunder sind am Wegrand aufgegabelte Trouvaillen. Mal witzig, mal tragisch. Mal skurril und mal komisch, aber auch lehrreich, den Gwunder weckend, obendrein unterhaltsam zu lesen und erst noch voll familientauglich.
 
Da sind zum Beispiel die Kamele auf der Bergmatten im Solothurner Jura, das Sennentuntschi im Calancatal, das Globularhaus im schaffhausischen Trasadingen, die brutalistische Kirche von Hérémence im Wallis oder die Arche Noah im jurassischen Vicques. Allesamt Amuse bouches, die zu Ausflügen oder Wanderungen animieren. Als optische Intermezzi haben sich die Buchgestalter etwas Besonderes einfallen lassen. Einige der Wunderorte werden aus der Vogelperspektive gezeigt. Die perfekten Luftaufnahmen des Bundesamtes für Landestopografie verleihen dem Werk eine dritte Dimension. Die gewählten Bildausschnitte verdeutlichen die unglaubliche topografische Vielfalt als neu zu entdeckendes Wunder. Dass man dies von Vorteil zu Fuss tut, beweist Thomas Widmer mit seinem Lese-, Wander- und Schmunzelbuch einmal mehr in vortrefflicher Manier.

Wer den «Wanderpapst» persönlich kennenlernen möchte, dem bietet sich anlässlich der Buchvernissage die Gelegenheit: Mittwoch, 27. April 2016, 19.30 Uhr im Miller's Studio an der Seefeldstrasse 225 in Zürich. Tickets können hier reserviert und bezahlt werden.

24. April 2016

Solothurn – Corcelles

Abstieg vom Hinter Weissenstein nach Gänsbrunnen (SO).


Auch heute bestätigte sich die alte Wanderweisheit, dass garstiges Wetter nicht selten die schönsten Erlebnisse und Eindrücke ermöglicht. So hatte ich es im Vorfeld meinem Wandergrüppchen angekündigt, und so ist es auch eingetroffen.

Zu dritt wuselten wir durch die Altstadt von Solothurn. Samstagsmärit unter Regenschirmen, anschliessend sakrale Quartiere, durchmischt mit barocken Villen und Herrschaftshäusern. Ein Bärlauchbach dann, oberhalb davon die psychiatrische Klinik. In Langendorf ein Höllenverkehr, alle fahren sie einkaufen, die nahe Migros das verlockende Ziel. Wir rätseln, weshalb der viereckige Migros-Monsterkamin eine überdimensionierte Uhr ziert. Egal.

Ab in den Frühlingswald, hoch nach Oberdorf, dem Basislager für Weissensteinbezwinger. Es regnet und regnet und regnet. Mal so und mal so. Rast am Bahnhof. Dahinter gondeln die Gondeln stumm auf den Stein, den weissen – in der Endlosschlaufe. Ein paar Autos verlieren sich auf dem Parkplatz. Für das Gros des Volkes ist kein Hausbergwetter.

Gestärkt weiter. Steil der Direktanstieg zum Hinter Weissenstein. Abnehmend das grüne Blattwerk. Bärlauch da und dort. Oben, der Tritt aus dem Wald. Kurz das Gras, vernebelt die Sicht. Eine Landschaft an der Bruchstelle zwischen Winter und Frühling. Willkommen die Wärme der Bergwirtschaft, willkommen Kaffee und Kuchen. Hübsch die junge Bedienung. Verdammt hübsch.

Nicht weniger direkt der Abstieg auf der Nordseite des Riegels. Unmarkiert der Weg, aber lohnend, sehr lohnend. Jura vom Feinsten! Zurück in das Lenzgrün, hinunter nach Gänsbrunnen und hinein in den Berner Jura. Erneute Pause in der Düsternis des Gänsbrunnener Bahnhofs. Ein Unort fürwahr, aber ein wichtiger.

Kräftiger Regen nun, doch frohgemut ziehen wir los, ein gutes halbes Stündchen noch. Vorerst der Bahnlinie entlang auf schönem Weg, am Lotterzoo der Siky-Ranch vorbei über ein Sättelchen, hinab nach Corcelles. Keine Augenweide das Dorf. Hier herrscht randregionale Beklommenheit. Vor uns türmt sich schemenhaft der Raimeux auf, die baldige Fortsetzung dieser Traumaktion. Weitere Fotos der 4. Etappe auf meinem Weg ans Nordkap gibt es hier.

21. April 2016

Ich bin wild aber lieb


Jetzt lauern, tigern und mauzen sie wieder vermehrt draussen herum.
Dieses Prunkstück traf ich neulich auf einer Feierabendwanderung
am Fusse der Gwattegg in Thun.

PS für Fotografen: Das Bild habe ich mit einer Systemkamera
und einem Objektiv von 40 mm Brennweite gemacht. Es muss
also nicht immer eine Spiegelreflex mit Tele sein ...

20. April 2016

Mit zwei Elefanten über die Alpen

Gerhard von Kapff: Mit zwei Elefanten über die
Alpen,
F.A. Herbig, München, 2010
Mit dem Entschluss, gemeinsam zu Fuss die Alpen zu überqueren, haben sich Gerhard von Kapff, seine Frau Sibylle und die Söhne Lukas und Felix einer ungewöhnlichen Herausforderung gestellt. Am Münchner Marienplatz beginnt ihr grosses Abenteuer, welches sie aufgrund einer Verletzung zwar nicht, wie geplant, in zwei, sondern in drei Anläufen schaffen, das sie dafür aber tatsächlich die Isar entlang, ins Gebirge hinein bis zum Markusplatz in Venedig führt.

Spannend, witzig und einfühlsam erzählt Gerhard von Kapff von den «Höhen und Tiefen» ihrer Wanderung, von gewaltigen Panoramen, erhebenden Gipfelerlebnissen, Motivationslöchern, Regengüssen und ungeahnten Muskelschmerzen. Er berichtet von absurden Begegnungen, dramatischen Zwischenfällen und kulinarischen Highlights auf dem «Traumpfad». Doch vor allem schildert er die positiven Aspekte dieses unvergesslichen Unternehmens, das die Familienbande vertieft und den beiden Jungs nebenbei vermittelt hat, dass mit ein wenig Abenteuerlust und Mühe auch scheinbar Unmögliches zu schaffen ist. 

Eine unterhaltsame und anregende Lektüre, die Lust macht, sofort die Wanderschuhe zu schnüren und loszumarschieren. (Klappentext)

Für einmal ein Klappentext, der hält, was er verspricht. Beeindruckend, wie die vier die insgesamt 554 Kilometer und 22 000 Höhenmeter in 35 Tagen bewältigen und berührend die letzten Sätze im Buch: Keine Trauer über das Ende unserer Tour hat jetzt noch Platz, nur Freude, Erleichterung und Stolz, etwas geschafft zu haben, woran wir fast bis zuletzt selbst noch gezweifelt haben. Lukas [der ältere der beiden Söhne] drückt sich an mich und lächelt: «Schön, dass ich so einen verrückten Vater habe, der mit uns von München nach Venedig gehen wollte.» Ich sage leise «Danke». Schön, dass ihr alle so verrückt wart, einfach mit mir mitzugehen.

19. April 2016

Skandinavische Vorboten

Auf der dritten Nordkap-Etappe vom vergangenen Samstag zeigte das Wetter seine unglaubliche Wandelbarkeit und Meteo Schweiz, wie präzise eine Wettervorhersage sein kann. Auf 10 Uhr wurde das Nachlassen des Regens prognostiziert, um 10 Uhr hörte es auf, um 11 Uhr schien die Sonne, die Temperaturen kletterten auf die angesagten Werte. Aus einer anfänglich tristen Angelegenheit wurde eine veritable Schönwetterwanderung mitten durch den spriessenden Frühling.

Zwei Besonderheiten muss ich erwähnen. Da war 1. der Dannebrog im kleinen Bauerndorf Iffwil. Die dänische Fahne flatterte völlig durchnässt im Westwind, sehr zu meiner Verwunderung und Freude. Und 2. verblüffte mich in der Dorfbäckerei von Lüterkofen nicht nur das feine Angebot sondern auch ein Artikel im Gratis-Magazin Schweizer Hausapotheke, das ich mir im Laden schnappte. Ein Beitrag befasst sich mit dem Phänomen der Nord- oder Polarlichter. Bin gespannt, welche skandinavischen Vorboten mich auf dem Weg bis Dänemark sonst noch begegnen.

Mitten in Iffwil (BE) weht bei strömendem Regen der Dannebrog.



Am Ende waren 33.2 km zurückgelegt. Während Stunden näherten wir uns dem Jura, dem der Schnee bereits abhanden gekommen war. Im Rücken die zunehmend kleiner werdenden Alpen. Die Vorfreude, die erste Jurakette zu überschreiten und damit in einen völlig anderen Landschaftstypus einzutauchen, nahm fortwährend zu. Die nächste Etappe scheint bloss noch eine Frage der Zeit.

Ausschnitt aus der Schweizer Hausapotheke, Nr. 1/2016

18. April 2016

Achtung, i chume!

Hans Künzi: Achtung i chume! Fischer
Media Verlag, Münsingen, 1997, lieferbar
im Licorne Verlag
Imene chräftige und unterhautsame Bärndütsch loht dr Hans Künzi syni Thuner Jugedzyt lo ufläbe. Disi isch genauso rych a luschtige Begäbeheite, wie syni Zyt in Lützuflüe. Wär jetzt aber gloubt, dr bekannt Pfarrer würdi syner Erinnerige imene nostaugische Sinn ufarbeite, irrt sech. Nid Schmärz oder Wehmuet stöh hinger den Erzählige, sondern ächti Fröid über ds Erläbte. E spitzbüebische Blick zrügg: So blitzt den o dr Humor meh oder weniger stark i aune Gschichten uf. D Erläbnis verleite nid zum Süüfze, sondern zum Ufschnufe oder Schmunzle. U d Gwüssheit, dass ou dr Herr Pfarrer zu jenere Zyt e Lusbueb isch gsy, füehrt zumene dopplete Vergnüege. [Übersetzt vom Klappetext]

BE: Thun, Margel, Uttigenbrücke, Aarebad Marzili Bern, Thunersee

15. April 2016

Der Fliegenschiss und das Nordkap


Lediglich zwei Etappen alt ist mein Vorhaben, per pedes das Nordkap zu erreichen, und schon zeigt sich auf der Übersichtskarte am unteren Bildrand der klitzekleine Fortschritt. Morgen Samstag soll es über 30 km weit nach Solothurn gehen. Ist dieses Ziel erreicht, dürfte das Fliegenschisschen zu einem veritablen Fliegenschiss geworden sein. Und nein, ich will erst gar nicht wissen, wie weit es bis ans Ziel ist, und wann ich dort ankommen werde. Ein Schritt ergibt den nächsten und fertig.

14. April 2016

Es Nasewunder

Chürzlech bini mit dem STI-Bus vo Thun uf Hünibach gfahre. Hinger mir si zwe euteri Wallisserinne ghocket u hei schuderhaft viu zbrichte gha. Eini het vo ihrer Wallfahrt uf Mariastei im Slolothurner Jura verzeut. Das sigi fei echly e Wäutreis dört häre, het das Froueli gmeint. Si heig sech im Devotionalielade de zwe Muetergottesstatue gchouft. Die einti, die mit em fründlechere Gsicht, heig si sech ines Sydepapier lo iiwickle u de no ines Styroporschachteli to. Wo si du deheime die Maria uspackt heig, heig dere d Nase gfäut. Die sig us unerklärleche Gründ abbroche u weder im Sydepapier no im Styropor zfinge gsy, «gottfridstutz!».

I ha du überleit, wele vo dene Heilige ächt chönnti zueständig sy, dass dem Firgürli wieder e Nase wachsi. Wöu i do aber nid eso drus chume, hani du ds Grüble lo sy. Viu meh beschäftiget het mit de doch no das «Gottfridstutz» vo däm Muetterli ännet em Lötschbärg.

Henu, das eim mou ab und zue d Nase verheit, isch mönschlech. U flueche im Grund gno doch o.

12. April 2016

Narrentod

Stephan Haenni, Narrentod, Gmeiner,
Messkirch, 2009
Thun, am Rande des Berner Oberlandes. Ein grausamer Mord droht den Frieden der Schweizer Kleinstadt zu zerstören: Ausgerechnet der «Fulehung», die Leitfigur des jährlichen Stadtfestes, wird tot in einer Schule aufgefunden. Kein leichter Fall für Privatdetektiv Hanspeter («Hanspudi») Feller, denn schon bald gibt es ein weiteres Todesopfer zu beklagen ... (Klappentext)

Narrentod war Stephan Haennis erster Kriminalroman, auf den er mit Brahmsrösi eine Steigerung seines Könnens unter Beweis stellte, um dann mit dem Drittling Scherbenhaufen leider nicht nachzudoppeln.

BE: Thun (Hauptschauplatz), Adelboden TI: Morcote F: Südfrankreich

11. April 2016

Worb – Schönbühl

Gestern bin ich dem Nordkap 20 km näher gerückt. Vom Worbletal durch und über Hügel ins flache Land in Sichtweite des Jura. Feuchte Wiesen, tödlicher Asphalt und – schattig, schattig – kühler Wald. Viel Sonne dennoch und einsetzende Bise just beim Thorberg, dem Gefängniskomplex auf dem, dem Dorf Krauchtal vorgelagerten Gupf.

Zum Glück habe ich ein Transit-Ticket gelöst und konnte die Strafanstalt Thorberg
getrost hinter mir lassen.
Zaghaft blühender Raps, am Horizont die Stockhornkette, tief verschneit. Im vermoosten Wald eine Horde Menschen mit Berner Sennenhunden. Ein Club. Kurz vor Schönbühl, dem Ziel, der nächste Club. Auf einer Wiese trainieren sieben Jungs mit ihren Copters. Mini-Drohnen sirren in atemberaubendem Tempo um Fahnen herum. Man habe sich via Facebook kennengelernt und diesen Event spontan organisiert. Für den Landeigner seien bereits 150 Franken gesammelt worden, als Entschädigung. Dies, obschon der Landwirt noch nichts wisse von seinem Glück. Man habe ihn vorgängig nicht ausfindig machen können. Zustände sind das, südlich der Arktis. Meine Fresse.

9. April 2016

Kniffelei am Strättlighügel

Oben der Startpunkt beim TCS-Camping. Eine Art
Nabelschnur führt zum Wirrwarr am Strättlighügel,
den es mit voller Konzentration auf die Einhaltung der
Route abzuschreiten galt.
Diese Woche startete ich meine zur Tradition gewordenen Feierabendwanderungen. Der Sommerzeit sei's gedankt. Nach Büroschluss lässt es sich selbst Anfang April bis um 20 Uhr beinahe drei Stunden durch die Gegend streifen, ohne dass gleich die Hightech-Stirnlampe hervorgekramt werden muss. Der Auftakt gehörte einmal mehr meinem Langzeitprojekt, sämtliche Strassen, Wege und Pfade der Gemeinde Thun pedestrisch zu erkunden. Von langer Hand geplant, nahm ich mir die Zone Strättlighügel im Süden der Gemeinde vor. Wie es der abgebildete Routenverlauf vermuten lässt, war das Ganze nur mit einer Prise Kniffelei zu bewerkstelligen. Einige Abschnitte waren doppelt zu begehen, nicht wenige davon als Sackgassen.

In den 2½ Stunden erhielt ich wieder einmal einen netten Einblick in die Hinterhöfe Helvetischer Wohnkunst. Prunkstück war ein Fischteich mit prächtigen Koi-Karpfen. Das Katzenvolk hatte überdies alle Pfoten voll zu tun. Mehr dazu in einem der kommenden Einträge. Der Nordosthang am Moränenzug der Gwattegg bot zuweilen schöne Ausblicke auf den See, aber auch auf die Oberländer Giganten, die sich in den letzten Sonnenstrahlen zeigten. Und immer wieder ein Erlebnis, wenn auch ein kurzes, war der Gang über die Gwattegg. In derartigem Gelände möchte man stundenlang gehen können. Ich stellte mir die Gegend vor, als sie noch unverbaut war. Muss ziemlich romantisch gewesen sein. Und ruhig!

6. April 2016

Totentanz

Paul Lascaux: Totentanz, Orte Verlag,
Schwellbrunn, 1996
Der 1955 in der Ostschweiz geborene und seit 1974 in Bern lebende Paul Lascaux erweist sich in seinem «Totentanz» als ein Erzähler, der an der Grenze zwischen Vernunft und Wahn seinen Weg sucht. Und wie in den beiden Krimis «Arbeit am Skelett» und «Kelten-Blues» sind es berufliche und private Lebensräume, die Grundlagen für seine kriminellen Inszenierungen in literarischer Form hergeben. Man kann durchaus sagen, dass bei Lascaux Täter und Opfer in einem Reigen entfesselter Leidenschaften verschmelzen. Sie kennen weder Grenzen noch wahren sie jene Distanz, die normalerweise ein geordnetes Zusammenleben unter Menschen erst möglich macht. Dafür lassen sie der Neugier und der Fantasie des Lesers Raum. Was Totentanz in der Moderne und im Klartext heisst, führen Lascaux' kriminelle Geschichten drastisch vor Augen: Eine hauchdünne Nachwirkung auf eine Frustration oder Verletzung kann jäh mörderische Impulse auslösen, die in uns allen schlummern. Die Geschichten klingen ohne Entwicklung aus und geben den Blick auf eine durch keine Dämme gebändigte oder befestigte Landschaft frei. (Klappentext)

BE: Stadt Bern, Bantiger, Deisswil, Twann, Dentenberg, Fehrenberg, Langnau, Rüegsau, Rüegsbachtal, Wittigkofen FR: Grange-Neuve, Kloster Hauterive

4. April 2016

Zu Fuss um die Welt in 492 Tagen

Heine Stupp: Zu Fuss um die Welt in 492 Tagen,
Langen Müller, München, 2003
Bevor Heinrich «Heine» Stupp am 31. Juli 1895 seine spektakuläre Reise um die Welt antrat, hatte er bereits mehrere Wettbewerbe im «Dauergehen» als Sieger beendet. Als er von der Sportwette einer Fussweltumwanderung zweier Amerikaner erfuhr, nahm er sofort Kontakt mit den beiden Wanderern auf und schloss sich ihnen auf ihrer «Tour um die Welt» in München an. «Am 31. Juli 1895 konnte ich zur großen Weltumwanderung starten, um auch die deutschen Farben rund um die Erde erfolgreich zu vertreten», so beschreibt Stupp den Start seines Unternehmens, «die Reise in 18 Monaten zu vollenden» – und dieses «ohne Geld vom Start!» Über 15'000 Kilometer führte ihn der Weg durch Europa, Asien und Amerika, in Teile dieser Erde, in denen er sich sicher fühlen konnte, aber auch durch Regionen, in denen Krieg und Bürgerkrieg herrschten. 

Die erstmals publizierten Originaltagebücher und Aufzeichnungen des Autors – mit Unterschriften, Stempeln, Siegeln, Autogrammen und Bestätigungen der einzelnen Durchgangsstationen – berichten von Entbehrungen und Strapazen, feucht-fröhlichen Abenden, armseligen Unterkünften und guten Hotels, Empfängen und Begegnungen mit Konsuln, Staatssekretären, Staatsmännern bis hin zum amerikanischen Präsidenten, und zeigen uns aus ganz persönlicher Sicht eine Welt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. (Inhaltsangabe des Verlags)

3. April 2016

Auch Minouche tigerte

Auf meinen Post vom 29. März 2016 hat sich Blogleserin M. aus Schlieren bei Zürich mit folgender Geschichte gemeldet.

Wir haben kürzlich eine ausgebüxte Katze ihrer Besitzerin über Petfinder zurück geben können. Auf unserem Abendspaziergang haben wir Minouche getroffen und sie über Nacht bei uns zuhause gehütet, weil ihre Besitzerin während zwei Monaten in Brasilien weilt und die Frau, welche für die Katze verantwortlich ist, abends nicht mehr erreichbar war! Es war das zweite Mal, dass Minouche weggelaufen ist – eigentlich hätte sie gar nicht raus dürfen – das erste Mal wurde sie in Dietikon gefunden! Eigentlich sollte man solchen unverantwortlichen Katzenhaltern überhaupt kein Tier anvertrauen! Am nächsten Nachmittag wurde Minouche dann vom Vater der Katzenbesitzerin abgeholt.

PS. Wie du siehst, fühlte sich die Katze auch bei uns wohl.



Ist ja noch einmal glimpflich abgelaufen, werte M. Wäre aber auch schade gewesen, um dieses schnusige Büsi, wenn es irgendwo im Industriegürtel Schlierens, Dietikons oder gar Kill(!)wangens von einem Auto platt gewalzt worden wäre.

2. April 2016

Der Ussland-Schwyzer

Werner Gutmann: Der Ussland-Schwyzer,
Fischer Media Verlag, Münsingen, 1997,
lieferbar im Licorne Verlag, Murten
Eigetlech möcht dr Kommissar Seiler vor Bärner Kantonspolizei sy frei Tag a der Aaren unger verbringe. Churz bevor er hinger em nöchschte Husegge verschwindet, ghört er sy Frou rüefe. Sy Chef befähli ihm, i ds «Grand-Hotel Palace» nach Interlake zfahre. Dört fingt är en ufgregte Hotel-Diräkter und in ere Badwanne e blutti, männlechi Liich. Näbe de persönlechen Effekte vom Gascht, chunnt uf emene Sekretär e Pass zum Vorschyn. «Offebar e guet betuechten Ussland-Schwyzer, wo sech i das Luxusmonschter verirrt het», steut dr Kommissar Seiler fescht …

BE: Interlaken, Oberhofen, Beatenberg, thunersee, Beatenbucht, Beatenbergbahn, Institut für Rechtsmedizin in Bern

Hie no ne chlyni Aamerkig: I verschtoh nid, werum bi vieune Mundartbüecher dr Klappetext uf Hochdütsch gschriben isch. Was söu das? Das chunnt mehr vor, wie wenn uf em Kaffeeglas steit «koffeeinfrei», derby het das Puùver glich Koffein dinne. I finge, wo Mundart drin isch, sött ou Mundart druffe stoh. Drum han i mir erloubt, dr Klappetext o vo däm Buech uf Bärndütsch z übersetze.