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28. Februar 2026

Der Weg ist mein Zuhause

Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause,
Knesebeck, München, 2021
272 Tage zu Fuss unterwegs, über 6500 Kilometer und 35 Breitengrade durch sieben Länder: Was für viele Wanderer ein Traum bleibt, hat Philipp Fuge in die Tat umgesetzt. Er durchquert Europa vom südlichsten Festlandszipfel in Tarifa in Spanien bis hin zum Nordkap in Norwegen, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Während im spanischen Januar der Winter zum Frühling wird, wähnt sich Philipp im norwegischen Spätsommer schon tief im Herbst.

Die Route führt ihn von Spanien nach Frankreich durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland bis an sein Ziel in Norwegen. Er spricht kein Spanisch und auch kein Schwedisch, ist fünf Monate auf dem Weg Richtung Norden vollkommen auf sich allein gestellt, aber Sprache ist beim Wandern kein Problem. Philipp Fuge trifft auf seinem Weg viele herzliche Menschen, die seine Reise einzigartig machen. Er erspürt die Eigenheiten der Länder und Regionen und die Besonderheiten der Landschaften, die er durchwandert. Auch die Schönheit der Natur lernt er durch seine entschleunigte Fortbewegung wieder viel mehr zu schätzen. Dass er bei dieser Wanderung kein einziges Mal seinen Pass vorzeigen muss, macht seine Reise aber auch zu einem Plädoyer für ein Europa ohne Grenzen
. (Inhaltsangabe zum Buch)

29. Januar 2026

Nordwärts

Silvia Furtwängler: Nordwärts, Rowohlt,
Reinbek b. Hamburg, 2015
Auswandern, im Einklang mit der Natur leben, bei sich selbst ankommen – Silvia Furtwängler hat sich diesen Traum erfüllt. auf den Spuren Roald Amundsens reiste sie 2008 nach Norwegen, in die grösste Hochebene Europas, und blieb – überwältigt von der unglaublichen Schönheit der Natur. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie und ihren Schlittenhunden in einem Häuschen am See, ist oft wochenlang durch Schnee und Eis von der Aussenwelt abgeschnitten, aber glücklich. Hier bereitete sie sich auch mit ihren Hunden auf eine aussergewöhnliche Expedition vor, den Volga Quest: 600 Kilometer auf der zugefrorenen Wolga mit dem Schlitten durch Russland. Von sieben Teilnehmern ist sie die einzige Frau – und nur sie gelangt ins Ziel. (Klappentext)

23. Mai 2025

Eine Frau erlebt die Polarnacht

Christiane Ritter: Eine Frau erlebt die
Polarnacht, Ullstein, München, 2002
Im eisigen Spitzbergen, viele hundert Meilen von der nächsten Siedlung entfernt und ohne technische Hilfsmittel moderner Arktisexpeditionen, hat die Malerin Christiane Ritter ein Jahr mit ihrem Mann und einem Pelzjäger in einer primitiven Hütte gelebt. Ihr Erlebnisbericht vermittelt dem Neuling eine Ahnung von der rätselhaften Faszination der Arktis. (Klappentext)

7. September 2021

Der zweite Nansen

Es ist an der Zeit, dass hier wieder einmal über meinen kleinen Verlag, die Edition Wanderwerk, berichtet wird. In letzter Zeit sind nämlich – von der Lokal-, National- und Weltpresse einmal mehr schnöde ignoriert – weitere Bücher erschienen. Es waren dies einerseits Neuauflagen, so zum Beispiel «Gehzeiten», «Rucksacktage» oder «Aargau rundum» als auch eine neue Publikation mit dem schönen Titel «Freiluftleben». Stammen die ersten drei Bände von mir selbst, handelt es sich beim letztgenannten Buch um ein Werk des legendären Norwegers Fridtjof Nansen:

 «Am nächsten Morgen ging es über das Filefjell weiter nach Bjöberg. Gerade als ich von Breistölen aufbrach, ging die Sonne auf und ergoss ihre Röte über das Nebelmeer und die Berggipfel, die wie weissrote Zelte aus dem Nebel aufragten. Das Tal, aus dem ich kam, lag ganz unter den Nebelwogen verborgen. Über der Berglandschaft aber spaltete sich der Nebel immer mehr und mehr, so dass die Sonne in breiten Streifen durchdrang, während einzelne warmgetönte Nebelfetzen um die Gipfel krochen.»

Fridtjof Nansen, der Mann der Tat, der zähen Energie, der Sieger über die Gewalten des Polareises, weist uns den Weg zur Gesundheit und Freiheit. Er ist ein Erzähler, dem man sich mit Freuden anvertraut. In seinen Reiseschilderungen aus Norwegen, Island und Jan Mayen, führt der Friedensnobelpreisträger den Leser zurück zur Natur. Nansens Erlebnisse werden ergänzt mit einem Aufsatz von mir zum Thema «Friluftsliv» (Freiluftleben) und einem Gedicht von Henrik Ibsen. Nach dem im Jahr 2016 erschienenen «Im Eise begraben / Abenteuerlust» ist «Freiluftleben» der zweite Titel, der in der Edition Wanderwerk veröffentlicht wird. Hier kann er auch direkt bestellt werden.

25. März 2021

Polarfahrer

Theodor Lerner: Polarfahrer, Oesch Verlag,
Zürich, 2005
«Die Geschichte meiner langjährigen Polarfahrertätigkeit ist in vielen hundert Aufsätzen, in Tageszeitungen und Illustrierten Zeitschriften behandelt worden. Wie es so zu gehen pflegt, zerflatterten diese Veröffentlichungen in alle Winde und wurden vergessen …»

Siebenmal war der deutsche Journalist und Polarforscher Theodor Lerner (1866–1931) im hohen Norden, zu Wasser und zu Land, auf Schnee und Eis. Ebenso vielfältig waren seine Motive: Es ging ihm um journalistische Berichterstattung über waghalsige Unternehmungen und die Rettung von Menschen; um kolonisatorische Landnahme, den Abbau von Steinkohle und den Aufbau des Tourismus; um wissenschaftliche Forschung «mit allen ihren erhabenen Augenblicken, aber auch mit ihren Sorgen und Kämpfen».

Damit diese Lebensaufgabe nicht der Vergessenheit anheimfalle, hielt Lerner seine Erlebnisse in Tagebuchaufzeichnungen und zahlreichen Fotografien fest – erfrischend direkt, humorvoll und spannend. Seine Abenteuer muten heute beinahe unglaublich an (sind aber wahr!); die Gefahr, in der er häufig schwebte, bekümmerte ihn jedoch kaum. Mehr beschäftigte ihn der stete Kampf um Geld, Ruhm und Ehre, den er immer aufs Neue zu führen hatte.

Letztlich musste Lerner manche Schlacht verloren geben. Geblieben ist sein Buch, ein ungeschminktes, für die Geschichtsschreibung bedeutungsvolles Dokument mit hohem Unterhaltungswert.
(Klappentext)

18. Februar 2021

Norwegen

Peter Mertz: Norwegen, Bruckmann,
München, 1998
20 Touren für anspruchsvolle Wanderungen und gemütliche Spaziergänge. Exakte Kartenskizzen in Farbe. Sonderseiten «Natur beobachten» mit den NaturHighlights der Region. Übersichtliche Infokästen mit Informationen zum Tourencharakter, zu Anfahrt, Gehzeit, Ausrüstungstips und Einkehrmöglichkeiten. Wertvolle Zusatzinformationen über Sehens- und Wissenswertes am Weg, Varianten und Alternativen. Tourenbegleiter zum Mitnehmen im praktischen Taschen-Einsteckformat mit allen wichtigen Infos und einer Übersichtskarte zur Tour. (Klappentext)

19. Mai 2020

Norwegens Fjordland

Merian – Das Monatsheft der Städte und
Landschaften, Norwegens Fjordland,
Hef 3/XXI
In den Tagen unserer Grosseltern, als die Kaiseryacht «Hohenzollern» alljährlich ihren Ferienkurs hierhersetzte, ein Reiseziel comme il faut – ist eine Wiederentdeckung wert: Nirgends sonst sind Meer und Gebirge so verschwistert, nirgends «entfällt soviel Natur auf den Kopf der Bevölkerung», jenes liebenswerten Menschenschlages, der Wikingertradition in einen eigenen Lebensstil zu übersetzen verstand. (Über dieses Heft, Seite 2)

6. Mai 2020

Ahoi Polaroid

Sobo Swobodnik: Ahoi Polaroid, Heyne,
München, 2011
Plotek und Vinzi haben ein Ziel: den hohen Norden, genauer gesagt das Nordkap. Dorthin soll es mit einem Hurtigruten-Schiff gehen. Mit dem Erlös eines mehr oder weniger legal in seinen Besitz gelangten Gemäldes von Ernst Ludwig Kirchner will Plotek seinem Kumpel einen lang ersehnten Traum erfüllen. Urlaub machen, Seele baumeln lassen. Aber nichts da. Schon bei der Anreise im Nachtzug von Berlin nach Oslo werden beide mit einer Leiche im Zugabteil konfrontiert. Und kaum haben sie mit der MS Finnmarken den Hafen verlassen, verschwinden auf mysteriöse Art und Weise weitere Mitreisende: ein evangelischer Pastor aus Nordhessen, ein ehemaliger Fussballprofi aus Ostdeutschland und ein schwäbischer Bundestagsabgeordneter. Als Plotek und Vinzi kurz darauf heimlich Polaroids untergeschoben werden, auf denen die Leichen der drei Vermissten in unappetitlichem Zustand zu sehen sind, scheint der Urlaub dahin. Was hat es mit den Polaroids auf sich, und Was verbindet die drei Männer? (Klappentext)

D: München-Neuhausen, Lauterbach, ICE-Fahrt München–Jena–Berlin, Nachtzug Berlin–Malmö S: Nachtzug Berlin–Malmö, Bahnfahrt Malmö–Göteborg, Bahnfahrt Göteborg–Oslo N: Bahnfahrt Göteborg–Oslo, Busfahrt Oslo–Bergen, Bergen, Fahrt mit dem Hurtigrutenschiff MS Finnmarken Bergen–Alesund–Geirangerfjord–Trondheim–Engabreen-Gletscher (Svartisen)–Tromsö–Honingsvag, Busfahrt Honingsvag–Nordkap–Honignsvag, Hurtigroute Honingsvag–Kirkenes

Moors Fazit: Eine Geschichte, die stimmig in München beginnt, driftet in eine ziemlich unglaubwürdige und sexistisch-schmuddelige Schmierenkomödie ab. Schade.

22. März 2020

Skandinavien selbst erleben

Joachim Fischer: Skandinavien, Syro, Göttingen,
1981
Dieses Buch versucht, mit einer neuen Konzeption die ausgetretenen Pfade der üblichen Reiseführer zu verlassen. Eine klare Gliederung nach Grossregionen, viele Karten und Symbole sollen Ihnen helfen, Informationen schnell und übersichtlich zu finden.

Märchen aus dem Literaturschatz der skandinavischen Länder fangen die Mentalität der Menschen ein. Kurze Essays vermitteln Hintergrundinformationen über Geschichte, Natur und Gesellschaft. Die Streckenbeschreibungen, die die jeweiligen Kapitel abschliessen, schlagen Reiserouten in den einzelnen Ländern vor. Viele Hinweise führen zu Fabriken, die Sie besichtigen können, andere nennen Kunsthandwerkstätten, in denen Sie wertvolle Handarbeiten kaufen können. Eigene Symbole verweisen auf traditionelle Veranstaltungen, Festivals und Sehenswürdigkeiten, die auch Kindern Freude bereiten können.

Dieser Führer wendet sich an alle, die den Ländern und ihren Menschen begegnen möchten, die bereit sind, einen Urlaub zu erleben und für die eine Reise mehr bedeutet, als Sehenswürdigkeiten an den Wegen des Massentourismus abzuhaken. (Klappentext)

19. November 2019

Kein Schritt umsonst

Philipp Fuge: Kein Schritt umsonst, Books on Demand,
Norderstedt, 2018
Zu Fuss von Berlin zum Nordkap, 3325 km in 150 Tagen. Anfangs ist das nur eine spinnerte Idee, aber sie lässt Philipp Fuge nicht mehr los. Ohne so recht an sich zu glauben, fängt er an zu planen und zu organisieren – Auszeit auf der Arbeit, nächtelanges Brüten über Landkarten, das Reisebudget zusammensparen und vieles mehr. Am 13. März 2016 ist es endlich so weit. Bei frostigem Vorfrühlingswetter bricht er auf, mit 25 kg auf dem Rücken. Schon kurz hinter Berlin kommen die ersten Zweifel – Kälte, Hunger, Erschöpfung, Einsamkeit. Doch Schritt für Schritt wird er sich seiner Sache sicherer. Ob Sonne, Regen, Sturm, Nebel, Hagel oder Gewitter, Morgen für Morgen schultert er den Rucksack und geht weiter zum nächsten Schlafplatz – meistens das eigene Zelt, hin und wieder ein Unterstand oder eine kleine Hütte, selten mal ein Hostel und in klaren Nächten direkt unterm Sternenhimmel. Ein Leben nur mit dem Allernötigsten und ganz langsam. Oft ist er selbst erstaunt, dass ihm nichts fehlt. Im Gegenteil, er fühlt sich unendlich reich. Er nimmt uns mit auf eine Reise voller farbenprächtiger Sonnenuntergänge, tiefblauer Seen, rauschender Wälder, karger Hochebenen und schroffer Gebirgslandschaft. Er kraxelt über Blockfelder, schlägt sich mit Heerscharen von Mücken herum, überquert eiskalte Flüsse und wandert durch tiefen Schnee. Mit jedem Tag fühlt er sich draussen in der Natur ein bisschen mehr zu Hause. Er schildert sein demütiges Staunen angesichts der Herrlichkeit der Schöpfung. Doch er schwärmt nicht nur, er kritisiert auch – sich selbst und uns alle für unseren energiehungrigen, profitorientierten und zerstörerischen Lebensstil, mit dem wir uns und künftigen Generationen ein Überleben auf diesem Planeten immer schwerer machen. Wiederholt kommt er auf die vielfältigen und verworrenen Probleme unserer Zeit zu sprechen, nicht schulmeisterlich, sondern selbst ratlos. Aber eines hat er gelernt auf seiner Reise: Nicht den Mut verlieren, denn jeder Schritt zählt! (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Philipp Fuges Bericht lässt einem vom ersten bis zum letzten Satz nicht mehr los. So unermüdlich wie Fuge die unglaublich lange Strecke von 3325 Kilometern bewältigt hat, so unermüdlich schreibt er über jeden Tag seines Abenteuers. Die bildhafte Sprache des 35-jährigen Arztes aus Berlin kommt ohne grosse Effekthascherei aus. Und genau dies macht den Text stark. Fuge ist kein Mann der lauten Worte, dennoch hat er einiges zu sagen, das uns zum Nachdenken und Handeln anregen sollte, ja muss. Seine jeweils kurzen Einschübe über das Wesen und Wirken des Menschen auf unserem Planeten sind glaubhaft und nachvollziehbar. Hier ist einer Zugange, der es ernst meint und auch danach handelt. Hinzu kommt die wirklich phänomenale Leistung, lückenloss zu Fuss – die Fährfahrt nach Schweden ausgenommen – und mit allem, was ein campender Nordlandwanderer zum Leben und Überleben benötigt, von Berlin durch ganz Schweden, einen kleinen Teil Finnlands und die schier endlose Weite von Norwegens Norden zu gehen. Chapeau! Und was mir ganz am Ende seiner Wanderung besonders gut gefallen hat: Der Mann war sich nicht zu schade, nebst dem «falschen» Nordkap auch noch das echte zu erwandern: die Landzunge mit dem zungenbrechenden Namen Knivskjelloden.

6. November 2019

Frei. Luft. Hölle.

Are Kalvø: Frei. Luft. Hölle. Dumont,
Ostfildern, 2019
Alle Menschen lieben es, in der Natur zu sein. Alle? ... Nein! Ausgerechnet ein Norweger hat ihn verpasst, den Zug ins Freie. Are Kalvø zog in die Stadt und blickte nie zurück. Doch dann kommt der Tag, an dem er zu seinem Entsetzen feststellt: Er hat alle seine Freunde an die Natur verloren. Früher kamen sie mit ihm in den Pub, um Unsinn zu reden, jetzt gehen sie plötzlich in die Berge und posten Bilder von Skispuren, tragen Klamotten mit zu vielen Taschen und sagen humorfreie Sätze wie «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung». Zum ersten Mal, seit er auf der Schule zu so etwas gezwungen wurde, geht Kalvø deshalb auf Tour, zu Fuss, auf Skiern und im Auto, um seine Freunde zu finden. Und um herauszufinden, was eigentlich mit uns los ist. (Klappentext)

Moors Fazit: 360 Seiten gespickt mit zu vielen running Gags und wenig lustigen Wahrheiten über das Wandern und Skiwandern in Norwegen. Vom «bekanntesten Entertainer und Comedian Norwegens» hätte ich etwas mehr Witz und Abwechslung erwartet. Gerne hätte ich mir einen selbstironischen Text über den «Outdoor-Wahnsinn» zu Gemüte geführt. Nun, vielleicht verstehe ich den norwegischen Humor nicht, oder aber das Buch ist schlecht übersetzt, oder aber ich bin zu abgebrüht. Are empfehle ich, sich eine lebenslange Mitgliedschaft in einem trendigen Fitnessstudio zuzulegen, die Mitglieschaft im DNT aufzukündigen und den Hüttenschlüssel in der Osloer Zentrale persönlich vorbeizubringen.

24. Mai 2019

Nordkap hoch zwei

Nicole Schwarz + Daniela Kleck: Walking North,
Books on Demand, Norderstedt, 2019
«Neben dem Zelt sitzend lauschen wir der Stille, in der nur der Wind zu hören ist. Eine Stille, berührender als jede Meditation. So ist also Natur. Unglaublich. In diesem Moment bin ich einfach überglücklich. Überglücklich und stolz, nicht aufgegeben zu haben. Zehenbruch, Schleimbeutelentzündung, Schilddrüsenüberfunktion und Gallensteine liegen Wochen und Monate zurück. Nein, nichts konnte mich davon abhalten, diese einmalige Schönheit zu erleben», schreibt Nicole Schwarz über einen der letzten Abende, kurz vor dem Nordkap, das sie ein paar Tage später mit ihrer Lebenspartnerin Daniela Kleck erreichen wird.

Vorangegangen ist eine rund 4000 Kilometer lange Wanderung, die ihren Anfang am 6. Februar 2016 in Basel nahm. Für den Traum, zu Fuss ans Nordkap zu reisen, haben die beiden Frauen ihre Arbeitsstelle gekündigt. Mit der Ungewissheit, was der lange Weg bringen wird, und ob das Ziel im hohen Norden überhaupt im Bereich des Machbaren liegt, wandern die «Walking North Girls», wie sie sich selber nennen, durch ein vorerst winterliches und später frühlingshaftes Deutschland. Und in der Tat verläuft das ambitionierte Projekt nicht nach Wunsch. Gesundheitliche Probleme machen Nicole Schwarz zu schaffen und hätten beinahe zum Abbruch des Vorhabens geführt.

Die beiden Fernwanderinnen lassen sich indes nicht unterkriegen und finden Wege, mit den Widerwärtigkeiten umzugehen. Diese bestehen unter anderem darin, auf eine durchgehende Begehung der Strecke zu verzichten und ab Dänemark, die Abschnitte durch Norwegen und Schweden zu portionieren. Diese Kompromissbereitschaft zahlt sich folglich in mancherlei Hinsicht aus. Einerseits schaffen es die beiden bis ans nördlichste Festland Europas und nehmen dabei eine unzählige Menge an Eindrücken, Bekanntschaften und Erlebnissen mit. Andererseits schweisst das gemeinsame Erreichen des Ziels die Beziehung zusammen.

Wie das Unternehmen im Detail von statten ging, kann seit kurzem in der Buchveröffentlichung mit dem Titel «Walking North» fein säuberlich nachgelesen werden. Das Buch haben die zwei Powerfrauen gleich selber verfast. Hierbei präsentieren sie dem Leser zwei sich abwechselnde Sichtweisen: jene von Daniela «Danni» Kleck und jene von Nicole Schwarz. Eine gute Idee! Ergänzt wird das spannende Buch mit farbigen Fotos, die freilich nur einen Hauch an optischen Eindrücken einer derart happigen Fernwanderung vermitteln können.

1. November 2018

Zu Fuss von Lindesnes ans Nordkap

Martin Kettler: Schritt für Schritt nordwärts,
Tredition, Hamburg, 2017
Vom Südkap zum Nordkap: Norwegen der Länge nach zu durchwandern, ist schon für erfahrene Fernwanderer eine grosse Herausforderung. Die 3000 km lange Wanderung «Norge på langs» ist weltweit eine der eindrücklichsten und einsamsten überhaupt. Dennoch nimmt Martin Kettler diese Langdistanzwanderung – seine erste dieser Art – in Angriff. Und erfüllt sich damit einen langgehegten Traum. Der im Herzen der Schweiz geborene Autor beschreibt in «Schritt für Schritt nordwärts» seinen Traum und was zur Verwirklichung an Planung und Vorbereitung nötig war. Und er erzählt auch vom Scheitern: dem Abbruch des ersten Versuchs 2013 bis zur Wiederaufnahme der Tour zwei Jahre später. Und schliesslich von der erfolgreichen Ankunft am nördlichsten Punkt Europas. Das Buch enthält auf 40 Seiten farbige Fotos von der Tour. (Klappentext)

18. Juli 2017

Selfie mit einer Botschaft


Wenn schon ein Selfie, dann ein anständiges.
Das Model trägt einen Anorak von Norrøna (made in Vietnam :-().
Das Wappen ist ein Direktimport aus Schweden.
Im Übrigen distanziere ich mich von jeglicher Symbolik, mit der
das norwegische Wappen bzw. die norwegische Fahne
bzw. die Wikinger in Verbindung mit der Neonazi-Szene gebracht werden.
Oder anders ausgedrückt: Ich bin Norwegen-Fan ohne jeglichen politischen
oder ideologischen Hintergrund.

3. Juli 2017

Solar

Ian McEwan: Solar, Diogenes, Zürich,
2010
Er gehörte zu jener Sorte Männer – nicht wirklich attraktiv, meist kahl, klein, dick und klug –, die auf gewisse schöne Frauen erstaunlich anziehend wirkt. Zugute kam ihm dabei auch, dass manche Frauen ihn für ein Genie hielten, das man retten musste. Im Moment allerdings war Michael Beard nicht in bester Verfassung, lustlos, verzweifelt, nur auf eins fixiert, denn gerade ging seine fünfte Ehe in die Brüche. Michael Beard, 53, ist Nobelpreisträger der Physik. Doch seine besten Zeiten hat er hinter sich. Er lebt von seiner Reputation, gibt seinen Namen für Briefköpfe her, käut seine prämierte Idee in Vorträgen wieder und ergattert Fördergelder für ein politisches Prestigeprojekt: das Institut für Erneuerbare Energien. Wirklich neue Energie aber steckt er nur in den privaten Bereich: Während seiner fünften Ehe hat er es zu elf Affären gebracht. Nun aber rächt sich seine Frau und nimmt sich einen Liebhaber. Genau in dem Moment, als alles ins Wanken gerät, bietet sich ihm die Gelegenheit zu einem Coup. ›Solar‹ führt den Leser von London in die Arktis und bis nach New Mexico. Ian McEwans Roman ist eine ebenso gnadenlose wie vielschichtige Abrechnung mit der Politik, dem Wissenschaftsbetrieb – und einer Sorte Mann. Ein Buch, das den Faktor Mensch auf literarisch neue Art und Weise in die Klimarechnung einführt. (Inhaltsangabe zum Buch)

GB: London, Reading, Cricklewood N: Spitzbergen, Longyearbyen  USA: New Mexico (Lordsburg, Animas, Hachita, Playas, Pyramid Mountains, El Paso)

14. Juni 2017

Pferde stehlen

Per Petterson: Pferde stehlen, S. Fischer,
Frankfurt/Main, 2009
Trond ist 67 und zieht sich nach Ostnorwegen zurück. Als ein Nachbar auftaucht, holen ihn die Ereignisse jenes Sommers vor mehr als fünfzig Jahren ein. Damals verbrachte er die Ferien mit seinem Vater in einer Hütte nahe der schwedischen Grenze. Es ist eine Gegend, in der man Pferde stehlen kann. Als in der Nachbarsfamilie ein schreckliches Unglück geschieht, entdeckt der Junge das wohlgehütete Lebensgeheimnis des Vaters. (Inhaltsangabe zum Buch)

N: Furufjell, Elverum, Oslo, Ostnorwegen S: Karlstad

3. Juni 2017

Das Projekt «Nordetter»

Es war schon immer mein Traum, eine Weitwanderung über Hunderte von Kilometern zu absolvieren. Als Liebhaber des Nordens lag es deshalb nahe, ein Ziel in Skandinavien anzupeilen. Bei den Recherchen hat sich gezeigt, dass das jährlich von ganzen Touristenhorden überschwemmte Nordkap Norwegens gar nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes darstellt. Die unweit vom berühmten Nordkap gelegene Landzunge Knivskjelloden liegt ganze 1.4 Kilometer näher am Nordpol und ist ausschliesslich zu Fuss zu erreichen.

Weil meine freie Zeit aus beruflichen Gründen beschränkt ist, werde ich die Strecke in mehrere kleinere und grössere Etappen unterteilen müssen. Den bereits zurückgelegten Schweizer Abschnitt bewältigte ich im Frühjahr 2016 in sieben isolierten Tagesetappen. In Süddeutschland werde ich wochenweise unterwegs sein, derweil sich die Dauer auf mehrere Wochen ausdehnen wird, je weiter nördlich ich gelange. Ich schätze die zurückzulegende Gesamtdistanz auf rund 5000 km. Meine Messung der Luftlinien ergab folgendes Resultat: Burgistein – Hirtshals: 1214 km; Kristiansand – Knivskjellodden: 1664 km; Total: 2878 km. Mal schauen, wie viele Kilometer es dann in Wirklichkeit sind …

Als Liebhaber der autarken Fortbewegung schätze ich die Freiheiten, die ein derartiges Unterfangen mit sich bringt. Aus diesem Grund werde ich ab Basel jeweils mit dem Zelt unterwegs sein. In einigen Teilen Norwegens ist die Mitnahme der eigenen Behausung so oder so ein Muss. Im Blog werde ich jeweils nach den zurückgelegten Abschnitten über meine Eindrücke berichten. Die Chronologie der Blogeinträge lässt sich unter dem Label Nordetter anzeigen. Nachfolgend die Karte mit Start und Ziel sowie der bislang bewältigten Stecke.

Die bisherige Strecke vom Berner Oberland nach Basel. Karte: Wikipedia

16. August 2016

Fridtjof Nansen in der Edition Wanderwerk

Soeben aus der Druckerei angeliefert worden: Im Eise begraben / Abenteuerlust von Fridtjof Nansen. Der grosse Polarforscher, Politiker und Friedensnobelpreisträger, schildert in geraffter Form den beschwerlichen Weg zu Fuss und mit Skis über das arktische Eis. Mit drei Schlitten und zwei Kanus schlagen sich Nansen und Hjalmar Johanson durch die unermesslichen Weiten südlich des Nordpols. Im Eise begraben verdeutlicht, was es hiess, gegen Ende des 19. Jahrhunderts und völlig auf sich alleine gestellt in einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt zu reisen, zu forschen und letztlich auch zu überleben.

Von 1925 bis 1928 war Nansen Rektor an der St. Andrews Universität in Schottland. Abenteuerlust beinhaltet seine Rede an die Studenten anlässlich seines Amtsantritts. Es sind Worte, die bis in die heutige Zeit ihre Gültigkeit bewahrt haben.Abgerundet wird der Band mit einem ausführlichen Kapitel über das Leben und Werk Fridtjof Nansens.

Das lesenswerte Buch kann ab sofort bei der Edition Wanderwerk bestellt werden.

21. Juni 2016

Willkommene Gabe für die reifere Jugend

Fridtjof Nansen, Freiluftleben,
F.A. Brockhhaus, Leipzig, 1920 (vergriffen)
Wie hat sich doch das Publikationswesen bei Büchern gewandelt! Noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts waren zum Beispiel Buchumschläge mit Angaben über Inhalt und Autor äusserst selten. Stattdessen gab es meist am Ende des Bandes Hinweise zu andern Büchern und deren Inhalten. Nach der Lektüre von Fridtjof Nansens Freiluftleben machte ich mich auf die Suche nach einer derartigen Vorschau. Fündig wurde ich im Expeditionsbericht Spitzbergen desselben Autors:

Freitluftleben.
Geb. 10 M. Vorzugsausgabe: 300 numerierte Exemplare auf Büttenpapier von Van Gelder Zonen*, mit einem Bildnis des Verfassers in Kupferdruck, in Halbleder gebunden 80 M.

Nansen, der Mann der Tat, der zähen Energie, der Sieger über die feindlichen Gewalten des Polareises, weist uns den sicheren Weg zur Gesundheit und Freiheit. Er ist ein Führer, dem man sich mit Freuden anvertraut, an der Hand prächtiger Reiseschilderungen, in denen er als Meister bekannt ist. Zurück zur Natur! so tönt es aus diesem Buche, das eine Erquickung ist für jeden, der den Glauben an die Zukunft noch nicht verloren hat. Insbesondere unter den Bergsteigern und Schneeschuhfahrern hat das Buch viele Freunde gefunden; auch für die reifere Jugend ist es eine willkommene Gabe.

*Van Gelder Zonen war ein holländischer Papierhersteller. Der Betrieb wurde 1685 gegründet und 1982 eingestellt.

19. April 2016

Skandinavische Vorboten

Auf der dritten Nordkap-Etappe vom vergangenen Samstag zeigte das Wetter seine unglaubliche Wandelbarkeit und Meteo Schweiz, wie präzise eine Wettervorhersage sein kann. Auf 10 Uhr wurde das Nachlassen des Regens prognostiziert, um 10 Uhr hörte es auf, um 11 Uhr schien die Sonne, die Temperaturen kletterten auf die angesagten Werte. Aus einer anfänglich tristen Angelegenheit wurde eine veritable Schönwetterwanderung mitten durch den spriessenden Frühling.

Zwei Besonderheiten muss ich erwähnen. Da war 1. der Dannebrog im kleinen Bauerndorf Iffwil. Die dänische Fahne flatterte völlig durchnässt im Westwind, sehr zu meiner Verwunderung und Freude. Und 2. verblüffte mich in der Dorfbäckerei von Lüterkofen nicht nur das feine Angebot sondern auch ein Artikel im Gratis-Magazin Schweizer Hausapotheke, das ich mir im Laden schnappte. Ein Beitrag befasst sich mit dem Phänomen der Nord- oder Polarlichter. Bin gespannt, welche skandinavischen Vorboten mich auf dem Weg bis Dänemark sonst noch begegnen.

Mitten in Iffwil (BE) weht bei strömendem Regen der Dannebrog.



Am Ende waren 33.2 km zurückgelegt. Während Stunden näherten wir uns dem Jura, dem der Schnee bereits abhanden gekommen war. Im Rücken die zunehmend kleiner werdenden Alpen. Die Vorfreude, die erste Jurakette zu überschreiten und damit in einen völlig anderen Landschaftstypus einzutauchen, nahm fortwährend zu. Die nächste Etappe scheint bloss noch eine Frage der Zeit.

Ausschnitt aus der Schweizer Hausapotheke, Nr. 1/2016