25. Juni 2026

Pietr der Lette

Georges Simenon: Pietr der Lette,
Diogenes, Zürich, 2008
«Kriminalkommissar Maigret von der Ersten Mobilen Einsatztruppe hob den Kopf.» Mit diesem Satz betritt der unvergessliche Kommissar Maigret die Bühne der Weltliteratur.

Pietr der Lette ist der erste namentlich gezeichnete Maigret-Roman von Georges Simenon. Er entstand 1929 im Hafen von Delfzijl, Holland, an Bord seiner kleinen Yacht ‹Ostrogoth›.

In diesem Roman, der in Fécamp, Paris und Bremen spielt, soll Maigret eigentlich nur einen Mann am Bahnhof abholen, der ihm aber schon bei der Ankunft entwischt. Minuten später wird im selben Zug die Leiche eines anderen Reisenden gefunden …, und der sieht dem ersten Reisenden zum Verwechseln ähnlich.
(Klappentext)

F: Paris, Fécamp D: Bremen

22. Juni 2026

Das Wildheuen in Ringgenberg

Gustav Ritschard, Emil Schmocker: Das
Wildheuen in Ringgenberg, Verlag Ritschard/
Schmocker, Unterseen, 1980
Die vorliegende Darstellung einer jetzt nahezu verschwundenen alpinen Wirtschaftsform setzt zum Verständnis eine echte Freude an der Welt der ursprünglichen, aufs engste mit der Natur verbundenen Tätigkeiten voraus, die heute wiederum auf vermehrtes Interesse stossen. Der Wildheuer steht modellhaft da als ein Vertreter des genügsamen und gefahrvollen Lebens unserer Vorfahren, doch wird er, dessen Tätigkeit früher in den Lesebüchern der Volksschule beschrieben wurde, in unserer Zeit mehr genannt als gekannt. Deshalb verdient es besondere Anerkennung, dass in diesem Buch der Wildheuer mit seiner Geschichte, seinen Rechtsnormen, seinen sich aufgrund von Erfahrung entwickelnden Werkzeugen und Arbeitstechniken, seinen Unterkunfts- und Ernährungsgewohnheiten – eingebettet in das Leben – einer Familie und der Dorfgemeinschaft von Ringgenberg – ebenso verständlich wie anschaulich und warmherzig dargestellt wird. Einen breiten Raum nimmt zu Recht die minuziöse Beschreibung der Wegverhältnisse, der Traggeräte und der übrigen Transportmittel ein, denn das Wildheu legt vom steilen Graaggen bis zum hungrigen Maul der Stallgeissen einen weiten Weg zurück.

Die Arbeitswelt der Ringgenberger Wildheuer und ihre Eigenart spiegeln sich nicht nur in besonderen Ausdrücken und Redensarten, sondern auch in heiteren und ernsten Episoden, Gedichten, Erzählungen und Sagen, deren mundartliche Wiedergabe der Monographie einen ganz besonderen Wert verleiht. Die Schilderung der wilden Bergnatur mit ihren Gefahren, aber auch mit ihren Schönheiten, gibt der zeichnerisch vortrefflich ergänzten Darstellung einen grossartigen Rahmen. Es ist ein Verdienst, dass neben der Fülle des Altertümlichen auch die moderne Entwicklung bis zum Helikoptertransport unbefangen notiert wird.

Möge etwas von der Freude, welche die beiden Erforscher dieses Stückes alpiner Volkskultur bei ihrer Arbeit beflügelt hat, auf die Leser übergehen!
(Vorwort von Arnold Niederer, Professor für Volkskunde, Universität Zürich)

19. Juni 2026

Die gelbe Ottomane

Margrit Staub-Hadorn: Die gelbe Ottomane,
Cosmos, Muri b. Bern, 1997
Die freundliche Krankenschwester Ruth findet, ihr Leben laufe wie Wasser über eingeölte Haut, keine Liebe, kein Hass, keine starken Gefühle, bis ein blauer Tonkrug zu Boden fällt und zerbricht …

Der Journalist Jacques ist in Tat und Wahrheit ein U-Boot, bis ihm eines Nachts ein Satz zufliegt, sozusagen der Satz der Sätze …

Der alte Weber steht am Grab von Katharina und erzählt aus seinem Leben. Eigentlich gäbe es da wenig Aussergewöhnliches: immer hart gearbeitet, gespart, die Ehe mit Claire, die Kinder, wäre da nicht die Sache mit der gelben Ottomane, die Weber in seiner Verlobungszeit gekauft hat …

Die junge Sandra lernt einen kauzigen Alten mit einem grossen Schlapphut kennen und ist überzeugt, an einen totalen Spinner geraten zu sein, doch sie hört ihm zu, hört ihm immer aufmerksamer und Iieber zu …

Dieses Buch berichtet von Menschen und ihren Beziehungen, von Liebe und Gewalt, aber auch von Verheimlichtem, Verdrängtem, Abgründigem, den Rissen im Boden ihrer Geschichten.
(Klappentext)

16. Juni 2026

Ruf der Wildnis / Wolfsblut

Jack London: Ruf der Wildnis / Wolfsblut
Fischer, Frankfurt/Main, 1993
In seinen klassischen Tierromanen beschreibt Jack London auf eindrucksvolle Weise die Welt der Goldgräber in Alaska aus der Perspektive der Hunde, die für den Menschen auf der Suche nach dem gelben Metall unentbehrlich waren. In Ruf der Wildnis (1903) geht es um den kalifornischen Haushund Buck, der zur Zeit des Goldrauschs von seiner sicheren Farm im Süden entführt, in den hohen Norden verschifft und dort verkauft wird. Das ehemals zahme Tier entdeckt seine ursprünglichen Instinkte wieder, ohne die es in der Wildnis nicht überleben könnte. Buck wird zum Schlittenhund abgerichtet und gewöhnt sich an die harte Arbeit im ewigen Eis. Nach dem Tod seines Herrn ist das letzte Band zum Menschen zerschnitten und der «Ruf der Wildnis» wird stärker als alles andere: Buck schliesst sich einem Wolfsrudel an und lebt das ursprüngliche Leben seiner Vorfahren. 

Wolfsblut (1906) ist in vielem das Gegenstück zu «Ruf der Wildnis». Ein Wolfshund unterwirft sich einem Menschen freiwillig und fasst schließlich soviel Vertrauen zu ihm, dass er sich sogar an ein Leben in der Zivilisation gewöhnen kann. Ohne die Tiere zu vermenschlichen oder gar verniedlichen zu wollen, gelingt es London, den Leser einen Blick durch Wolfspupillen tun zu lassen, vor denen ein Hase in der Schlinge zappelt oder ein Mensch Feuer entfacht. (Inhaltsangabe im Buch)

10. Juni 2026

Uhren gibt es nicht mehr

André Heller: Uhren gibt es nicht mehr,
Zsolnay, Wien, 2017
Worauf kommt es an im Leben? Was ist wichtig, was weniger? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller, und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André geführt hat, geht es ans Verabschieden.

«Innerlich sieht man sich noch jung und klettert auf Berge und segelt über den Wolfgangsee, freut sich auf den nächsten Tag», sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach und mit gerade 19 den damals doppelt so alten Süsswarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, «dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll» und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe – «das Blödeste überhaupt» - und über Franz Lehar am Klavier in Bad Ischl.

Ein kleines Buch von grosser Weisheit, würdevoll, poetisch, komisch. Und das Dokument einer späten Liebe und grossen Offenheit zwischen Mutter und Sohn.

Elisabeth Heller wurde 1914 in Wien geboren und wuchs in ihrer Heimatstadt und in Südtirol auf. 1933 heiratete sie den Grossindustriellen Stephan Heller. Nach dem «Anschluss» und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb sie mit ihrem ersten Sohn, Fritz, in Wien, während ihr Mann zuerst nach Frankreich und dann nach Grossbritannien emigrierte. Nach dem Tod ihres Mannes, 1958, war sie Directrice des Haute-Couture-Salons von Gertrud Höchsmann. Sie lebte bis zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag in Wien-Hietzing.
(Klappentext)

4. Juni 2026

Deutschlands Nebenbahnen

Gerhard Bank: Deutschlands Nebenbahnen, Kosmos, Stuttgart, 1997
Das Gesicht der Eisenbahn wird sich durch die fortschreitende Modernisierung und Umstrukturierung sowie die Beschaffung einer neuen Fahrzeuggeneration im beginnenden 21. Jahrhundert entscheidend wandeln. Vor allem der Personen- und Güterverkehr auf den Nebenbahnen in strukturschwachen Regionen ist hiervon betroffen. Regioliner, Regioshuttle und andere moderne Konstruktionen lassen die letzten vertrauten Weggesellen wie Schienenbusse und V-100-Baureihen – sofern sie nicht bereits aus dem Betriebsdienst verabschiedet sind - nach und nach auf das Abstellgleis rollen.

Noch einmal führt eine beschauliche Reise «abseits der Magistralen» über die oftmals stillgelegten oder privatisierten Regelspurgleise der deutschen Staatsbahnen und durch die letzten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Eine beeindruckende Auswahl von 145 Farbfotos aus den Archiven bekannter Eisenbahnfotografen präsentiert sich dem Leser: Mehr als 25 verschiedene Triebfahrzeuggattungen, darunter die Akkutriebwagen der Baureihen 515 und 51 7, die «Eierköpfe» 612/13, Klein - und Rangierlokomotiven, die Diesellokbaureihen 118, 119, 120 und 132 der DR, die Altbau- Elloks E 18, E 44, E 44.5, E 69 und E 94 spiegeln eine vergangene Vielfalt wider. Der Einsatz der rekonstruierten Reichsbahndampflokomotiven der Baureihen 50 und 52 wird mit besonders ausgesuchten Bildern dokumentiert. Darüber hinaus zeigt sich eine intakte Infrastruktur in der Fülle ihrer Erscheinungsformen: Signalbrücken und Flügelsignale, Schrankenposten und Bahnhöfe in klassischer Eisenbahnarchitektur.

Übergaben, Nahgüter- und Umleiterzüge bis hin zum letzten GmP der DB AG, Reko-, Umbau- und Altbaureisezugwagen erinnern an einen abwechslungsreichen Eisenbahnalltag, wobei auch der Übergang zur neuen Eisenbahn aufgezeigt wird.

Der Betrachter erlebt die Eisenbahnlandschaft der Küstenregionen von Nord- und Ostsee, der norddeutschen Tiefebene, der Mittelgebirge bis zu den Alpen und dem Oberlauf der Donau im Wandel der vier Jahreszeiten.

Viele der Aufnahmen sind mittlerweile historisch und somit ein Zeugnis einer ausklingenden Epoche. Ausführliche Bildtexte geben detaillierte Informationen über Triebfahrzeuge, Eisenbahnstrecken, das Umfeld der Eisenbahn und die kleinen Erlebnisse am Schienenstrang.
(Klappentext)

1. Juni 2026

Der Spaziergang

Robert Walser: Der Spaziergang (inkl.
Prosastücke und Kleine Prosa, Suhrkamp,
Zürich + Frankfurt/Main, 1985
Der vorliegende Band enthält die ersten der in schweizerischen Verlagen erschienenen Prosa-Publikationen Robert Walsers. Er setzt ein mit der 1916 entstandenen Urfassung der Erzählung «Der Spaziergang», die Eduard Korrodi 1917 in der «Neuen Zürcher Zeitung» rühmte: dieser Text sei «eine so glückliche Mischung aus Einfalt und höchster Klugheit, dass sich einer noch lange den Wind um die Nase blasen lassen kann», bis er wisse, ob dieser planlose Spaziergang aus einer künstlerischen Faulenzertechnik entstanden sei, oder ob dieses Schlendern «ohne Zweck und Ziel vom Künstler erwogen und für gut befunden worden ist.»

Die sich anschliessenden Sammlungen «Prosastücke» (1916) und «Kleine Prosa» (1917) enthalten die wohl unbekanntesten der von Walser selbst veröffentlichten Arbeiten, da sie nur in winzigen Auflagen erschienen sind. Dabei sind diese aus Märchen, Aufsätzen, Erzählungen, Bildbeschreibungen und literarischen Portraits komponierten Bände mit Stücken wie «Basta» und «Schneien», mit der Liebesgeschichte «Luise» und der autobiographisch gefärbten Erzählung «Tobold» Höhepunkte Walserscher Prosa. Hermann Hesse zählte diese Kleinepik mit ihrer «magischen Verliebtheit in die Sprache zur graziösesten deutschen Prosa, die noch nicht übertroffen oder im Geringsten veraltet» sei.
(Inhaltsangabe im Buch)