4. Juni 2026

Deutschlands Nebenbahnen

Gerhard Bank: Deutschlands Nebenbahnen, Kosmos, Stuttgart, 1997
Das Gesicht der Eisenbahn wird sich durch die fortschreitende Modernisierung und Umstrukturierung sowie die Beschaffung einer neuen Fahrzeuggeneration im beginnenden 21. Jahrhundert entscheidend wandeln. Vor allem der Personen- und Güterverkehr auf den Nebenbahnen in strukturschwachen Regionen ist hiervon betroffen. Regioliner, Regioshuttle und andere moderne Konstruktionen lassen die letzten vertrauten Weggesellen wie Schienenbusse und V-100-Baureihen – sofern sie nicht bereits aus dem Betriebsdienst verabschiedet sind - nach und nach auf das Abstellgleis rollen.

Noch einmal führt eine beschauliche Reise «abseits der Magistralen» über die oftmals stillgelegten oder privatisierten Regelspurgleise der deutschen Staatsbahnen und durch die letzten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Eine beeindruckende Auswahl von 145 Farbfotos aus den Archiven bekannter Eisenbahnfotografen präsentiert sich dem Leser: Mehr als 25 verschiedene Triebfahrzeuggattungen, darunter die Akkutriebwagen der Baureihen 515 und 51 7, die «Eierköpfe» 612/13, Klein - und Rangierlokomotiven, die Diesellokbaureihen 118, 119, 120 und 132 der DR, die Altbau- Elloks E 18, E 44, E 44.5, E 69 und E 94 spiegeln eine vergangene Vielfalt wider. Der Einsatz der rekonstruierten Reichsbahndampflokomotiven der Baureihen 50 und 52 wird mit besonders ausgesuchten Bildern dokumentiert. Darüber hinaus zeigt sich eine intakte Infrastruktur in der Fülle ihrer Erscheinungsformen: Signalbrücken und Flügelsignale, Schrankenposten und Bahnhöfe in klassischer Eisenbahnarchitektur.

Übergaben, Nahgüter- und Umleiterzüge bis hin zum letzten GmP der DB AG, Reko-, Umbau- und Altbaureisezugwagen erinnern an einen abwechslungsreichen Eisenbahnalltag, wobei auch der Übergang zur neuen Eisenbahn aufgezeigt wird.

Der Betrachter erlebt die Eisenbahnlandschaft der Küstenregionen von Nord- und Ostsee, der norddeutschen Tiefebene, der Mittelgebirge bis zu den Alpen und dem Oberlauf der Donau im Wandel der vier Jahreszeiten.

Viele der Aufnahmen sind mittlerweile historisch und somit ein Zeugnis einer ausklingenden Epoche. Ausführliche Bildtexte geben detaillierte Informationen über Triebfahrzeuge, Eisenbahnstrecken, das Umfeld der Eisenbahn und die kleinen Erlebnisse am Schienenstrang.
(Klappentext)

1. Juni 2026

Der Spaziergang

Robert Walser: Der Spaziergang (inkl.
Prosastücke und Kleine Prosa, Suhrkamp,
Zürich + Frankfurt/Main, 1985
Der vorliegende Band enthält die ersten der in schweizerischen Verlagen erschienenen Prosa-Publikationen Robert Walsers. Er setzt ein mit der 1916 entstandenen Urfassung der Erzählung «Der Spaziergang», die Eduard Korrodi 1917 in der «Neuen Zürcher Zeitung» rühmte: dieser Text sei «eine so glückliche Mischung aus Einfalt und höchster Klugheit, dass sich einer noch lange den Wind um die Nase blasen lassen kann», bis er wisse, ob dieser planlose Spaziergang aus einer künstlerischen Faulenzertechnik entstanden sei, oder ob dieses Schlendern «ohne Zweck und Ziel vom Künstler erwogen und für gut befunden worden ist.»

Die sich anschliessenden Sammlungen «Prosastücke» (1916) und «Kleine Prosa» (1917) enthalten die wohl unbekanntesten der von Walser selbst veröffentlichten Arbeiten, da sie nur in winzigen Auflagen erschienen sind. Dabei sind diese aus Märchen, Aufsätzen, Erzählungen, Bildbeschreibungen und literarischen Portraits komponierten Bände mit Stücken wie «Basta» und «Schneien», mit der Liebesgeschichte «Luise» und der autobiographisch gefärbten Erzählung «Tobold» Höhepunkte Walserscher Prosa. Hermann Hesse zählte diese Kleinepik mit ihrer «magischen Verliebtheit in die Sprache zur graziösesten deutschen Prosa, die noch nicht übertroffen oder im Geringsten veraltet» sei.
(Inhaltsangabe im Buch)