13. Juni 2026
7. Juni 2026
26. Mai 2026
31. Dezember 2025
Retro 2025 – 12
29. Dezember 2025
Retro 2025– 11
Im zu Ende gehenden Jahr war ich überdurchschnittlich oft zu Fuss in der Jungfrau-Region unterwegs: Schynige Platte, First, Kleine Scheidegg, Grindelwald, Lauterbrunnen, Wengen, Mürren, Zweilütschinen. Was mir indes noch fehlte, war eine Fahrt mit der Standseilbahn von Interlaken auf den Harder Kulm mit anschliessender Wanderung hinab nach Ringgenberg und zurück nach Interlaken.
Weil die Harderbahn bis Ende November fährt, nutzte ich einen sonnigen und überaus milden Spätherbsttag. Man schrieb den 11.11.. Für mich als Nicht-Fasnächtler und Nicht-Katholik ein Tag wie jeder andere. Dennoch entpuppte sich dieser als unglaublich ergiebig, gegensätzlich und befriedigend.
In der proppenvollen Standseilbahn war ich mit grosser Wahrscheinlichkeit der einzige einheimische Fahrgast. Der Rest rekrutierte sich aus der halben Welt, der indes von der Fahrt nicht viel mitbekam. Das zwanghafte Starren auf Smartphones machte auch am Harder keine Ausnahme. Kaum oben angekommen, setzte sich die Manie in der peinlichen Form von Selfies fort. Mir schien, dass die Leute wenig Interesse an der Aussicht hatten, vielmehr ging es darum, auf dem Harder gewesen zu sein und möglichst viele Bilder von sich und seinem Anhang gemacht zu haben, ehe es nach einer Stunde mit der Bahn wieder talwärts und an den nächsten Selfie-Hotspot ging.
Aber was labere ich hier, denn dasselbe Prozedere konnte ich auf jedem meiner diesjährigen Abstecher in die Lütschinentäler beobachten. Ich verstehe diese Art von «Tourismus» längst nicht mehr. – Item, nachdem ich die Leute beim Fotografieren ihrer selbst oder durch spontan angeheuerte dritte fotografiert habe, widmete ich mich dem umwerfenden Tiefblick auf Interlaken, bestaunte einmal mehr die Mehr-oder-weniger-Viertausender im Hintergrund und warf einen Blick in Richtung Voralpen, also den im Rücken des Harders gelegenen Gebiet von Niederhorn, Burgfeldstand und Gemmenalphorn. Sehr gut gefallen hat mir zudem das denkmalgeschützte Panoramarestaurant Harderkulm. Es bietet sage und schreibe 600 Plätze, was auf eindrückliche Weise die touristische Bedeutung des Hausberges von Interlaken veranschaulicht.
Bereits nach einer halben Stunde verabschiedete ich mich vom Kulm, auch, um der nächsten Landung Selfie-Maniacs entfliehen zu können. Nach genau 10 Sekunden war ich auf dem von mir angepeilten Pfad. Und – wen wundert's – auf den kommenden anderthalb Stunden hinab nach Ringgenberg am Brienzersee sollte ich keiner einzigen Menschenseele begegnen. Wunder zu begehende Wege hin, wunderbar zu begehende Wege her.
Nicht weniger beeindruckend war hernach der Abschnitt entlang dem naturgeschützten Burgseewli und über den Goldswilhubel mit Kirchenruine sowie Mini-Friedhof mitsamt herrlichem Blick auf Aare, Interlaken und Umgebung zum Ausgangspunkt an den Bahnhof Interlaken Ost, wo mir die für heute letzten Smartphone-Süchtigen aus Übersee begegneten.
27. Dezember 2025
Retro 2025 – 10
Sind sie nicht putzig, diese Burenziegen? Angetroffen habe ich sie im Oktober mitten im tiefsten Entlebuch unweit der Gehöfte Hinter Ziegerhütten (nomen est omen) und Ober Rotmoos.
Die Begegnung mit Tieren aller Art ist für mich immer wieder einer der Höhepunkte beim Wandern. Und zwar egal, ob es sich um Haus- und Nutztiere oder Wildtiere handelt. Der Klassiker ist selbstverständlich der Hund, zu dem ich in all den Jahren eine besonders innige Zuneigung entwickelt habe. Treffe ich auf Menschen, die ihre Fellnase spazieren führen, dann entwickelt sich nicht selten ein kürzeres oder längeres Gespräch, das sich oft nicht nur um den Hund dreht. Bei Nutztieren sind es in der Tat die Ziegen, die es mir angetan haben. Gibt es etwas Keckeres, Intelligenteres und Trittsicheres unter den landwirtschaftlichen Milchspenderinnen, als diese nimmermüden Abkömmlinge von Steinbock und Steingeiss?
21. Dezember 2025
Retro 2025 – 7
Die am Fusse der Jungfrau gelegene Gemeinde Lauterbrunnen weist bei einer Fläche von 164,7 km² eine Einwohnerzahl von 2331 Personen auf. Das ergibt eine Einwohnerdichte von lediglich 14 Einwohnerinnen und Einwohner pro km². Im Vergleich dazu beträgt die Bevölkerungsdichte für die gesamte Schweiz 217 Einwohnerinnen und Einwohner pro km². Das Gemeindegebiet von Lauterbrunnen erstreckt sich von 707 m ü. M. (Weisse Lütschine beim Sandweidli im Norden) bis auf 4158 m ü. M. (Gipfel der Jungfrau im Südosten).
Ich bin gerne in der Talschaft zu Fuss unterwegs, die trotz der zahlreichen Bergbahnen und Touristen immer noch Ecken bietet, wo man weitgehend alleine ist. Weil am 15. Juli das Wetter indes keine abenteuerlichen Wanderungen zuliess, begnügte ich mich mit einer kürzeren Tour vom Allmendhubel via Mürren nach der Grütschalp. Was mir dabei einmal mehr auffiel: In der Gemeinde Lauterbrunnen hat jeder noch so kleine Bach einen Namen und ergo an jeder Stelle mit Personenverkehr ein Namensschild. Besonders angetan hat es mir der «Inneren Chrutteren Graben». Schwingt in dieser Benamsung nicht die volle Kraft des kernigen Lauterbrunner Dialektes mit?
13. Dezember 2025
Retro 2025 – 4
Als ich nach fast vier Stunden beim Licht-durchfluteten Platz ankam, stachen mir die rot angemalten Bänke ins Auge. Dem Fotografen dienten sie als willkommenes Sujet, dem Wanderer als nicht weniger willkommene Sitzgelegenheit, um vor dem langen Gang an den Langenthaler Bahnhof noch einmal einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu nehmen.
8. Dezember 2025
Retro 2025 – 2
5. Dezember 2025
Retro 2025 – 1
Im vergangenen Januar erledigte ich eine persönliche fussgängerische Restanz im Prättigau (GR). Hierbei ging ich von Pany via Lunden nach Grüsch. Und als wäre dieser phonetische Dreiklang nicht genug, kam ich auch durch das Örtchen Putz, dessen etymologische Herkunft ich an dieser Stelle gerne stehen lasse. Der Unterputzweg indes liess mir dann doch ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Dies zu Ehren aller Berufsleute, die mit Gebäudetechnik zu tun haben.
Allerdings kann ich an dieser Stelle verraten, dass in Putz leider kein Aufputzweg existiert.Fazit: Wer zu Fuss unterwegs ist, entdeckt an allen Ecken und Enden dieser Welt Grosses und Kleines, und sei es nur ein für Nicht-Prättigauer kurioser Strassenname.
25. März 2024
Das Rütschli von Rütschelen und eine Nachgeburt
| Gefahr in Rütschelen (BE). |
Neulich kam ich auf einer Wanderung von Madiswil nach Herzogenbuchse im Dorf mit dem lustigen Namen Rütschelen vorbei. Was klingt wie die berndeutsche Verkleinerung von Rutschen hat etymologisch betrachtet nichts damit gemein*, dennoch musste ich schmunzeln, als mitten im Ort ein Strässchen wegen eines Hangrutsches für Fahrzeuge gesperrt war. Gespannt auf den Rutsch schritt ich vorsichtig voran. Rechterhand erhob sich ein steiles Bord aus Sandstein, aus dem an einer Stelle ein wenig Material abgebrochen und auf der Strasse gelandet sein musste. So interpretierte ich auf jeden Fall die Reinigungspuren auf dem Asphalt. Dass der Abschnitt immer noch gesperrt war, ist wohl einer Vorsichtsmassnahme geschuldet, da vorbeifahrende Fahrzeuge mit ihren Erschütterungen vermutlich weitere Teile des Sandsteinfelsens hätten abbrechen lassen.
Als ich ein paar Kilometer später durch Herzogenbuchsee zog, kamen mir zwei etwa zehnjährige Knaben entgegen. Der eine kickte gegen einen Stein, der mich zum Glück nicht traf. Der Jüngling sagte daraufhin zu mir: «Ich bi d Nachgeburt vo Ronaldo.» Was ich ihm antwortete, lässt sich erahnen.
| Das Rütschli von Rütschelen. |
| Die offizielle Mitteilung auf der Website der Gemeinde Rütschelen (Screenshot vom 25.3.2024) |
* Hier noch ein wenig Namensforscherlatein zum Wort Rütschelen: Oettli (1945) führt den Namen Rütschelen auf «altromanisches Riuskellos» zurück, das er mit französisch ruisseau vergleicht. Oettlis Deutung ist grundsätzlich wohl zuzustimmen. Rütschelen ist ein langgezogenes Strassendorf an einem Bachlauf, zwischen 545 und 590 m ü.M. Als ursprüngliche Bezeichnung ist jedoch eher an einen romanischen Flurnamen im Singular rīvuscellum «kleiner Bach» zu denken, der nach der Entlehnung ins Deutsche analogisch an die schweizerdeutsche Ortsnamenendung -(e)le/-(e)len angeglichen wurde. Diese Endung geht zurück auf ein germanisches-(i)lōn, althochdeutsch -ala, -ila, -ula, -ilja. Es handelt sich dabei um einen erstarrten Dativ Plural in lokativischer Bedeutung; die Endung drückt also eine Zugehörigkeit im weitesten Sinne aus und wird in Ortsnamen häufig als Stellenbezeichnung verwendet (cf. Burri 1995: 462s; Hogan-Brun 1996: 306). gs/ks (Quelle: www.ortsnamen.ch)


