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7. Juli 2025

Der Dieb

Fuminori Nakamura: Der Dieb,
Diogenes, Zürich, 2015
Er ist ein Taschendieb mit Prinzipien: nur wohlhabende Opfer, männlich, keine Gewalt. In den überfüllten U-Bahnen oder belebten Strassen Tokios holt Nishimura ihnen das Portemonnaie aus der Tasche. Dabei bedeutet ihm Geld wenig, er lebt zurückgezogen in einem billigen Apartment an der Peripherie, hat keine Familie, keine Freunde. Nur einen kleinen Jungen, der um jeden Preis von ihm lernen will, wie man stiehlt, wird er nicht los. Seine Vergangenheit versucht Nishimura zu vergessen, doch eines Tages holt sie ihn ein. In Gestalt eines Kumpels, mit dem er vor Jahren in einen Raubüberfall verwickelt war. Und auch der Drahtzieher jenes Überfalls, der allmächtige Yakuza-Boss Kizaki, Herr über Leben und Tod, hat erfahren, dass er wieder in Tokio ist. Ein Roman in messerscharfer, schnörkelloser Sprache, ein Leseerlebnis von grosser Intensität.

J: Tokio

19. November 2023

Die Ladenhüterin

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin, 
Aufbau, Berlin, 2018
Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stösst, einen sogenannten Konbini, beschliesst sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Mass zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sich's versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht. (Klappentext)

17. Januar 2022

Die Frau in den Dünen

Kobo Abe: Die Frau in den Dünen,
Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1984
Kobo Abe, Jahrgang 1924, erhielt für seinen Roman «Die Frau in den Dünen» 1960 den Yomiuri-Preis, die Verfilmung wurde 1965 in Cannes mit dem Kritiker-Preis ausgezeichnet. Als gebürtiger Tokioter, aufgewachsen in der Mandschurei, studierte Abe zunächst Medizin, um sich später ganz der Literatur zuzuwenden. Einflüsse von Poe, Dostojewski, Nietzsche, Heidegger, Kafka und Jaspers lassen sich in seinem Werk nachweisen.

Die ans Existentielle rührende Parabel von der Frau in den Dünen, die ebenso namenlos bleibt wie der Mann, der sich in ihre Welt aus Sand und Wind verirrt, kann auch als Schlüsselroman für die Bedingungen des Einzelnen in der japanischen Gesellschaft gelesen werden. Der westliche Leser fühlt sich unweigerlich an den Mythos des Sisyphos erinnert, wenn Abe den täglichen Kampf gegen eine nicht zu bezwingende Natur und ein nicht zu begreifendes Schicksal schildert. (Klappentext)

13. August 2016

Verbeugung vor Spiegeln

Martin R. Dean: Verbeugung vor Spiegeln,
Jund und Jung, Salzburg/Wien, 2015
Man könnte meinen, das Fremde sei allgegenwärtig. Jedenfalls gibt es kaum ein Thema, das von der Tagespolitik über die Medien bis zu den Stammtischen so heftig diskutiert wird, und immer geht es um die Fremden und um Abwehr, Regulierung und Integration. Martin R. Dean, als Sohn eines Vaters aus Trinidad in der Schweiz geboren, kennt die Debatte, vor allem aber kennt er die Erfahrung, die er in vielen seiner Romane fruchtbar gemacht hat. So auch in diesem Buch, in dem er das Fremde als radikale Erfahrungsmöglichkeit im Austausch unter Menschen beschreibt. In einer Art Selbstbegegnung sucht er nach Spuren der eigenen Verwandlung, wie sehr ihn das Fremde, die Begegnung mit dem anderen, auf Reisen, in der Literatur, zu dem gemacht hat, der er ist. Und er kommt zu einem überraschenden Schluss: Das Fremde, das eigentliche Kapital der Moderne, droht in den Prozessen der Globalisierung zu verschwinden. Um es wiederzugewinnen, müssen wir darauf bestehen, dass das Fremde fremd bleibt, wir müssen es aushalten. Und wir müssen vor allem »verlernen«, es uns verständlich machen zu wollen. (Klappentext)

AG: Menziken E: Sevilla F: Paris GB: London GBZ: Gibraltar IND: Indien J: Japan MA: Marrakesh TT: Trinidad + Tobago

Martin R. Dean
Geboren 1955 in Menziken (AG). Sohn einer Schweizerin und eines karibischen Vaters aus Trinidad. Studium der Germanistik, Ethnologie und Philosophie. Lebt als Schriftsteller, Journalist und Essayist in Basel.