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27. März 2026

Weggehen ehe das Meer zufriert

Laure Wyss: Weggehen ehe das Meer
zufriert, Limmat, Zürich, 1994
Ihre Zeit bewunderte und verachtete Königin Christina gleichermassen; und ihre vielen späteren Interpreten sehen sie als umstrittene Persönlichkeit: ein Leben zwischen Stolz und Tragik. Diese hervorragende Frau, privilegiert durch Geburt und Erziehung, ausgestattet mit strahlenden Geistesgaben, ist nicht loszulösen von den Händeln und heftigen Auseinandersetzungen der barocken Epoche.

Ist die Frage beantwortet, aus welch tiefem Grund die schwedische Königin ihre schwerwiegenden Entscheide traf? Wir notieren ihre Unternehmungen, wir sehen ihre Gestalt, ihr Gesicht, doch kennen wir ihre Seele?
(Klappentext)

28. Februar 2026

Der Weg ist mein Zuhause

Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause,
Knesebeck, München, 2021
272 Tage zu Fuss unterwegs, über 6500 Kilometer und 35 Breitengrade durch sieben Länder: Was für viele Wanderer ein Traum bleibt, hat Philipp Fuge in die Tat umgesetzt. Er durchquert Europa vom südlichsten Festlandszipfel in Tarifa in Spanien bis hin zum Nordkap in Norwegen, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Während im spanischen Januar der Winter zum Frühling wird, wähnt sich Philipp im norwegischen Spätsommer schon tief im Herbst.

Die Route führt ihn von Spanien nach Frankreich durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland bis an sein Ziel in Norwegen. Er spricht kein Spanisch und auch kein Schwedisch, ist fünf Monate auf dem Weg Richtung Norden vollkommen auf sich allein gestellt, aber Sprache ist beim Wandern kein Problem. Philipp Fuge trifft auf seinem Weg viele herzliche Menschen, die seine Reise einzigartig machen. Er erspürt die Eigenheiten der Länder und Regionen und die Besonderheiten der Landschaften, die er durchwandert. Auch die Schönheit der Natur lernt er durch seine entschleunigte Fortbewegung wieder viel mehr zu schätzen. Dass er bei dieser Wanderung kein einziges Mal seinen Pass vorzeigen muss, macht seine Reise aber auch zu einem Plädoyer für ein Europa ohne Grenzen
. (Inhaltsangabe zum Buch)

30. Juli 2024

Küstenmorde

Nina Ohlandt: Küstenmorde, Bastei Lübbe,
Köln, 2014
Herbst auf der Nordseeinsel Amrum. In einer stürmischen Nacht stirbt ein alter Mann, kopfüber aufgehängt am Quermarkenfeuer, dem kleinen Inselleuchtturm. Auch seine Frau wird brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen übernimmt Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo. Benthien hat in seiner Dienstzeit schon viele grausame Fälle bearbeitet, doch dieser übertrifft alle. Wer steckt hinter dem Doppelmord? War es ein Racheakt? Der Kommissar und sein Team tappen im Dunkeln – bis sie auf zwei Ereignisse stossen, die weit in der Vergangenheit liegen. (Klappentext)

D: Amrum, Föhr, Sylt, Flensburg DK: Skagen

2. Juli 2020

Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus

Friedrich Christian Delius: Der Spaziergang
von Rostock nach Syrakus, Rowohlt,
Reinbek bei Hamburg, 1995
«In der Mitte seines Lebens, im Sommer 1981, beschliesst der Kellner Paul Gompitz aus Rostock, nach Syrakus auf der Insel Sizilien zu reisen. Der Weg nach Italien ist versperrt durch die höchste und ärgerlichste Grenze der Welt, und Gompitz ahnt noch keine List, sie zu durchbrechen. Er weiss nur, dass er die Mauern und Drähte zweimal zu überwinden hat, denn er will, wenn das Abenteuer gelingen sollte, auf jeden Fall nach Rostock zurückkehren.» So beginnt F. C. Delius' Chronik einer modernen Schwejkiade.

Im Juni 1988 gelingt es Gompitz, mit einer Jolle von Hiddensee nach Dänemark zu segeln. Delius erzählt von der Mühsal der Vorbereitungen, von der Hartnäckigkeit, wie Gompitz das Segeln lernte. sein Boot tarnte. Geld in den Westen schaffte, wie er gegen jede Gefahr eine List fand, immer etwas schlauer als die Staatssicherheit. Einfach auf sein Recht auf eine Bildungs- und Pilgerreise pochend, auf den Spuren Johann Gottfried Seumes, dessen «Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802» er seit Jugendzeiten im Kopf hat. Doch zunehmend irritiert ihn die Frage: «Wie kommst du am besten wieder zurück?»
(Klappentext)

Moors Fazit: Eine wunderbare Erzählung mit einem liebenswürdigen Deserteur in der Hauptrolle. Die Geschichte beruht auf der wahren Begebenheit eines gewissen Klaus Müllers.

22. März 2020

Skandinavien selbst erleben

Joachim Fischer: Skandinavien, Syro, Göttingen,
1981
Dieses Buch versucht, mit einer neuen Konzeption die ausgetretenen Pfade der üblichen Reiseführer zu verlassen. Eine klare Gliederung nach Grossregionen, viele Karten und Symbole sollen Ihnen helfen, Informationen schnell und übersichtlich zu finden.

Märchen aus dem Literaturschatz der skandinavischen Länder fangen die Mentalität der Menschen ein. Kurze Essays vermitteln Hintergrundinformationen über Geschichte, Natur und Gesellschaft. Die Streckenbeschreibungen, die die jeweiligen Kapitel abschliessen, schlagen Reiserouten in den einzelnen Ländern vor. Viele Hinweise führen zu Fabriken, die Sie besichtigen können, andere nennen Kunsthandwerkstätten, in denen Sie wertvolle Handarbeiten kaufen können. Eigene Symbole verweisen auf traditionelle Veranstaltungen, Festivals und Sehenswürdigkeiten, die auch Kindern Freude bereiten können.

Dieser Führer wendet sich an alle, die den Ländern und ihren Menschen begegnen möchten, die bereit sind, einen Urlaub zu erleben und für die eine Reise mehr bedeutet, als Sehenswürdigkeiten an den Wegen des Massentourismus abzuhaken. (Klappentext)

27. August 2019

Der Sandmaler

Henning Mankell: Der Sandmaler, Zsolnay,
Wien, 2017
Stefan und Elisabeth treffen sich auf dem Flug nach Afrika kurz nach dem Abitur wieder. Gegen Ende der Schulzeit hatten sie eine flüchtige Beziehung. Während Stefan das Strandleben geniesst, will Elisabeth das fremde Land in Afrika verstehen. Sie freundet sich mit einem Lehrer an, der ihr die historischen Hintergründe erklärt, und der einheimische Guide Ndou führt sie durch die ärmsten Viertel. Elisabeth lernt, die Welt und ihr eigenes Leben mit anderen Augen zu sehen. Bereits in Mankells erstem Afrika-Roman sind seine späteren grossen Themen versammelt: die Schönheit der Natur, die Überlebenskunst der Einheimischen, die Gedankenlosigkeit der weißen Touristen und die Nachwirkungen des Kolonialismus. (Klappentext)

Moors Fazit: Dieser Roman erschien 1972, sieben Jahre nach der Unabhängigkeit Gambias von Grossbritannien. Dass die Geschichte 45 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wieder neu verlegt wurde, mag ein weiteres Zeugnis dafür sein, wie wenig sich bis heute das afrikanisch-europäische Verhältnis verändert hat. Leider geht in heutiger Zeit der geschichtliche Hintergrund zu oft vergessen, weshalb es derart viele Afrikaner in den Norden zieht. Und Millionen weiterer Afrikaner hätten Gründe genug, nach Europa oder Nordamerika zu flüchten, um ihrer Misere zu entfliehen, die wir letztlich dem kolonialistischen Gebaren gewisser westlicher Staaten und dem daraus resultierenden Machtgehabe Afrikanischer Potentaten zu verdanken haben. Henning Mankell schafft es, in seiner einfachen und dennoch literarisch treffenden Sprache darzustellen, mit welcher Arroganz die westliche Welt indigenen Völkern anderer Kontinente mitunter begegnet.

S: Landskrona, Stockholm, Limhamn DK: Kastrup b. Kopenhagen E: Teneriffa Gambia: Banjul und Umgebung

24. Mai 2019

Nordkap hoch zwei

Nicole Schwarz + Daniela Kleck: Walking North,
Books on Demand, Norderstedt, 2019
«Neben dem Zelt sitzend lauschen wir der Stille, in der nur der Wind zu hören ist. Eine Stille, berührender als jede Meditation. So ist also Natur. Unglaublich. In diesem Moment bin ich einfach überglücklich. Überglücklich und stolz, nicht aufgegeben zu haben. Zehenbruch, Schleimbeutelentzündung, Schilddrüsenüberfunktion und Gallensteine liegen Wochen und Monate zurück. Nein, nichts konnte mich davon abhalten, diese einmalige Schönheit zu erleben», schreibt Nicole Schwarz über einen der letzten Abende, kurz vor dem Nordkap, das sie ein paar Tage später mit ihrer Lebenspartnerin Daniela Kleck erreichen wird.

Vorangegangen ist eine rund 4000 Kilometer lange Wanderung, die ihren Anfang am 6. Februar 2016 in Basel nahm. Für den Traum, zu Fuss ans Nordkap zu reisen, haben die beiden Frauen ihre Arbeitsstelle gekündigt. Mit der Ungewissheit, was der lange Weg bringen wird, und ob das Ziel im hohen Norden überhaupt im Bereich des Machbaren liegt, wandern die «Walking North Girls», wie sie sich selber nennen, durch ein vorerst winterliches und später frühlingshaftes Deutschland. Und in der Tat verläuft das ambitionierte Projekt nicht nach Wunsch. Gesundheitliche Probleme machen Nicole Schwarz zu schaffen und hätten beinahe zum Abbruch des Vorhabens geführt.

Die beiden Fernwanderinnen lassen sich indes nicht unterkriegen und finden Wege, mit den Widerwärtigkeiten umzugehen. Diese bestehen unter anderem darin, auf eine durchgehende Begehung der Strecke zu verzichten und ab Dänemark, die Abschnitte durch Norwegen und Schweden zu portionieren. Diese Kompromissbereitschaft zahlt sich folglich in mancherlei Hinsicht aus. Einerseits schaffen es die beiden bis ans nördlichste Festland Europas und nehmen dabei eine unzählige Menge an Eindrücken, Bekanntschaften und Erlebnissen mit. Andererseits schweisst das gemeinsame Erreichen des Ziels die Beziehung zusammen.

Wie das Unternehmen im Detail von statten ging, kann seit kurzem in der Buchveröffentlichung mit dem Titel «Walking North» fein säuberlich nachgelesen werden. Das Buch haben die zwei Powerfrauen gleich selber verfast. Hierbei präsentieren sie dem Leser zwei sich abwechselnde Sichtweisen: jene von Daniela «Danni» Kleck und jene von Nicole Schwarz. Eine gute Idee! Ergänzt wird das spannende Buch mit farbigen Fotos, die freilich nur einen Hauch an optischen Eindrücken einer derart happigen Fernwanderung vermitteln können.

22. Mai 2018

Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell: Die schwedischen
Gummistiefel
, dtv Verlag, München, 2017
Seit Fredrik Welin als Chirurg ein Kunstfehler unterlief, lebt er allein auf einer einsamen Insel in Schweden. Ihm ist nach dem Brand seines Hauses so gut wie nichts geblieben. Nur wenige Menschen, die ihm nahestehen: Jansson, der pensionierte Postbote, die Journalistin Lisa Modin, in die er sich verliebt, und seine Tochter Louise, die schwanger ist und in Paris lebt. Als sie wegen eines Diebstahls in Untersuchungshaft gerät, ruft sie ihn zu Hilfe. Während er in Paris über ihre Freilassung verhandelt, erfährt er, dass auf den Schären schon wieder ein Haus in Flammen steht. Mankells letzter Roman, der Nachfolger des Bestsellers «Die italienischen Schuhe», ist ein sehr persönliches Buch und beschwört die Möglichkeit menschlicher Nähe angesichts von Einsamkeit, Alter und Tod. (Inhaltsangabe zum Buch)

Mein erster Mankell und zugleich Mankells letzter Roman, jedoch mit Bestimmtheit nicht mein letzter Mankell, dessen Duktus grosses Suchtpotenzial versprüht.

S: Schärenküste in der Nähe von Stockholm (1. Hauptschauplatz), Arlanda E: Barcelona F: Paris (2. Hauptschauplatz). F, D, DK, S: Bahnfahrt von Paris via Hamburg–Kopenhagen nach Stockholm

3. Juni 2017

Das Projekt «Nordetter»

Es war schon immer mein Traum, eine Weitwanderung über Hunderte von Kilometern zu absolvieren. Als Liebhaber des Nordens lag es deshalb nahe, ein Ziel in Skandinavien anzupeilen. Bei den Recherchen hat sich gezeigt, dass das jährlich von ganzen Touristenhorden überschwemmte Nordkap Norwegens gar nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes darstellt. Die unweit vom berühmten Nordkap gelegene Landzunge Knivskjelloden liegt ganze 1.4 Kilometer näher am Nordpol und ist ausschliesslich zu Fuss zu erreichen.

Weil meine freie Zeit aus beruflichen Gründen beschränkt ist, werde ich die Strecke in mehrere kleinere und grössere Etappen unterteilen müssen. Den bereits zurückgelegten Schweizer Abschnitt bewältigte ich im Frühjahr 2016 in sieben isolierten Tagesetappen. In Süddeutschland werde ich wochenweise unterwegs sein, derweil sich die Dauer auf mehrere Wochen ausdehnen wird, je weiter nördlich ich gelange. Ich schätze die zurückzulegende Gesamtdistanz auf rund 5000 km. Meine Messung der Luftlinien ergab folgendes Resultat: Burgistein – Hirtshals: 1214 km; Kristiansand – Knivskjellodden: 1664 km; Total: 2878 km. Mal schauen, wie viele Kilometer es dann in Wirklichkeit sind …

Als Liebhaber der autarken Fortbewegung schätze ich die Freiheiten, die ein derartiges Unterfangen mit sich bringt. Aus diesem Grund werde ich ab Basel jeweils mit dem Zelt unterwegs sein. In einigen Teilen Norwegens ist die Mitnahme der eigenen Behausung so oder so ein Muss. Im Blog werde ich jeweils nach den zurückgelegten Abschnitten über meine Eindrücke berichten. Die Chronologie der Blogeinträge lässt sich unter dem Label Nordetter anzeigen. Nachfolgend die Karte mit Start und Ziel sowie der bislang bewältigten Stecke.

Die bisherige Strecke vom Berner Oberland nach Basel. Karte: Wikipedia

19. April 2016

Skandinavische Vorboten

Auf der dritten Nordkap-Etappe vom vergangenen Samstag zeigte das Wetter seine unglaubliche Wandelbarkeit und Meteo Schweiz, wie präzise eine Wettervorhersage sein kann. Auf 10 Uhr wurde das Nachlassen des Regens prognostiziert, um 10 Uhr hörte es auf, um 11 Uhr schien die Sonne, die Temperaturen kletterten auf die angesagten Werte. Aus einer anfänglich tristen Angelegenheit wurde eine veritable Schönwetterwanderung mitten durch den spriessenden Frühling.

Zwei Besonderheiten muss ich erwähnen. Da war 1. der Dannebrog im kleinen Bauerndorf Iffwil. Die dänische Fahne flatterte völlig durchnässt im Westwind, sehr zu meiner Verwunderung und Freude. Und 2. verblüffte mich in der Dorfbäckerei von Lüterkofen nicht nur das feine Angebot sondern auch ein Artikel im Gratis-Magazin Schweizer Hausapotheke, das ich mir im Laden schnappte. Ein Beitrag befasst sich mit dem Phänomen der Nord- oder Polarlichter. Bin gespannt, welche skandinavischen Vorboten mich auf dem Weg bis Dänemark sonst noch begegnen.

Mitten in Iffwil (BE) weht bei strömendem Regen der Dannebrog.



Am Ende waren 33.2 km zurückgelegt. Während Stunden näherten wir uns dem Jura, dem der Schnee bereits abhanden gekommen war. Im Rücken die zunehmend kleiner werdenden Alpen. Die Vorfreude, die erste Jurakette zu überschreiten und damit in einen völlig anderen Landschaftstypus einzutauchen, nahm fortwährend zu. Die nächste Etappe scheint bloss noch eine Frage der Zeit.

Ausschnitt aus der Schweizer Hausapotheke, Nr. 1/2016

1. November 2013

Ungefähre Landschaft

Peter Stamm: Ungefähre Landschaft
Arche Verlag, Zürich-Hamburg,
2001, daselbst vergriffen jedoch im
Fischer Taschenbuchverlag
erhältlich.
Ein kleines norwegisches Dorf nördlich des Polarkreises. An diesem Rand der Welt lebt Kathrine. Sie ist achtundzwanzig, hat aus erster Ehe ein Kind und unterbricht nur selten das Einerlei ihrer Tage. Sie lernt Thomas kennen und heiratet ihn. Er ist das, was man eine gute Partie nennt, er gibt ihr Halt. «Sein Leben war ein Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens.» Doch dann macht Kathrine eine Entdeckung, die sie tief verletzt. (Klappentext)

Eine wunderbar erzählte Geschichte. Stamm wählte mit dem kleinen Fischerdorf Båtsfjord im höchsten Norden Norwegens einen speziellen Hauptschauplatz, der auf gekonnte Weise mit dem mondänen Paris kontrastiert. Wer die Melancholie Skandinaviens mag, ist mit diesem Roman bestens bedient, nicht zuletzt der aufwühlenden Handlung wegen.

N: Båtsfjord (Hauptschauplatz an der Nordküste), Tromsö, Bergen, Polarlys (Schiff der Hurtigroute), Narvik DK: Århus F: Paris, Boulogne