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25. August 2026

Sinfonie der Liebe

Marga Markwalder: Sinfonie der Liebe,
Artemis, Zürich, 1953
Die Begegnung zwischen einer hochbegabten Ärztin, Chirurgin und Leiterin einer Frauenklinik, und einem international berühmten Musikdirigenten ist das Thema dieses Romans. Diese beiden Menschen, jeder vernarrt in seinen Beruf und gefesselt an einen strengen Pflichtenkreis, erfahren mit elementarer Gewalt, dass das Schicksal anderes mit ihnen vorhat, als der berufsverliebte Wille es befiehlt. Marga Markwalder flicht ein Gewebe von Schicksalsfäden so herb und schön und innig ineinander. Sie blättert Bilder aus dem Operationssaal einer Frauenklinik auf und lässt in kontrastreicher Überblendung den Leser im Konzertsaal die Erfüllungen hoher Musik miterleben. Alles, was da erzählt wird, wirkt wie der Sehnsucht abgelauscht, jener Sehnsucht nach Absolutheit im Liebeserleben, wie sie jedem Menschenherzen geheimnisvoll eingeboren ist. (Klappentext)

Marga Markwalder (eigentlich Margrit Corrodi-Horber, geborene Horber) war Schriftstellerin und Verlagslektorin. Sie lebte in Erlenbach bei Zürich und war mit dem Autor Hans Corrodi verheiratet. Bekannt wurde sie ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch Romane, Erzählungen und zürichdeutsche Mundarttexte. Markwalder heiratete kurz nach der Matura und war seither als Hausfrau sowie zeitweise als Verlagslektorin tätig. Ihre literarischen Werke erschienen zum grossen Teil im Zürcher Artemis-Verlag. Sie schrieb unterhaltsame Prosa und gestaltete Beiträge mit einer gewandten, lebhaften Feder. So unter anderem:
  • Ritter Georg (Roman)
  • Was Dir bestimmt (Roman)
  • Lieber Peter (Roman)
  • Wolkig bis heiter (Erzählungen)
  • Sinfonie der Liebe (Roman)
  • Versunkene Melodie (Roman)

16. Juni 2026

Ruf der Wildnis / Wolfsblut

Jack London: Ruf der Wildnis / Wolfsblut
Fischer, Frankfurt/Main, 1993
In seinen klassischen Tierromanen beschreibt Jack London auf eindrucksvolle Weise die Welt der Goldgräber in Alaska aus der Perspektive der Hunde, die für den Menschen auf der Suche nach dem gelben Metall unentbehrlich waren. In Ruf der Wildnis (1903) geht es um den kalifornischen Haushund Buck, der zur Zeit des Goldrauschs von seiner sicheren Farm im Süden entführt, in den hohen Norden verschifft und dort verkauft wird. Das ehemals zahme Tier entdeckt seine ursprünglichen Instinkte wieder, ohne die es in der Wildnis nicht überleben könnte. Buck wird zum Schlittenhund abgerichtet und gewöhnt sich an die harte Arbeit im ewigen Eis. Nach dem Tod seines Herrn ist das letzte Band zum Menschen zerschnitten und der «Ruf der Wildnis» wird stärker als alles andere: Buck schliesst sich einem Wolfsrudel an und lebt das ursprüngliche Leben seiner Vorfahren. 

Wolfsblut (1906) ist in vielem das Gegenstück zu «Ruf der Wildnis». Ein Wolfshund unterwirft sich einem Menschen freiwillig und fasst schließlich soviel Vertrauen zu ihm, dass er sich sogar an ein Leben in der Zivilisation gewöhnen kann. Ohne die Tiere zu vermenschlichen oder gar verniedlichen zu wollen, gelingt es London, den Leser einen Blick durch Wolfspupillen tun zu lassen, vor denen ein Hase in der Schlinge zappelt oder ein Mensch Feuer entfacht. (Inhaltsangabe im Buch)

26. April 2026

Von der Erde zum Mond

Jules Verne: Von der Erde zum Mond,
Diogenes, Zürich, 1976
In Baltimore wird während des amerikanischen Sezessionskrieges der Gun-Club gegründet. Die Mitglieder, alles Erfinder von Feuerwaffen, beschliessen, ein Projektil zum Mond zu schiessen, eine riesige Leichtmetallkugel, die von einer Riesenkanone abgefeuert werden soll. Als man gerade mit dem Guss der überdimensionalen Kanone begonnen hat, meldet sich ein Franzose namens Michel Ardan mit dem Vorschlag, das Geschoss zu bemannen, und stellt sich selber zur Verfügung. So besteigen Ardan, Barbicane, der Präsident des Gun-Clubs, sowie Nicholl, eigentlich erbitterter Gegner dieses Projekts, die Kugel, die vor einer unübersehbaren Zuschauermenge Richtung Mond abgeschossen wird …

Mehr als hundert Jahre vor dem ersten Mondflug hat Jules Verne »seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch« (Arno Schmidt). Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heisst heute ein Mondkrater «Jules Verne».
(Klappentext)

5. April 2026

Fatal Woman

Patrick Quentin: Fatal Woman, Diogenes,
Zürich, 1996
Peter Duluth, erfolgreicher New Yorker Theaterproduzent und glücklicher Ehemann, folgt einer mitleidigen Laune, als er sich auf einer Party eines unscheinbaren jungen Mädchens annimmt. Schliesslich ist seine Frau, eine bekannte Schauspielerin, gerade für einige Zeit verreist und er fühlt sich einsam. Nanny Ordway scheint jung, unerfahren und hilfsbedürftig. Sie appelliert an seinen männlichen Beschützerinstinkt. Das junge Mädchen lässt Peter Duluth nicht los – und als sie tot in seiner Wohnung gefunden wird, wird die Affäre für ihn zum Alptraum. Seine Frau verlässt ihn, die Freunde verdächtigen ihn des Ehebruchs, und die Polizei des Mordes. Plötzlich sieht er sich in einem Netz von Intrigen gefangen … (Klappentext)

USA: New York City

9. März 2026

Yukon solo

Karel Dohnal: Yukon solo, Albert Müller
Verlag, Rüschlikon, 1987
3100 Kilometer im Kanu in 66Tagen – quer durch Alaska. Flüsse waren für den Amerikaner und gebürtigen Tschechen Karel Dohnal schon immer ein Teil seines Lebens, wie er sagt. In seinem Tagebuch beschreibt er die abenteuerliche Kanufahrt den Yukon River hinunter, vom Quellgebiet dieses noch ungezähmten Stromes in den Bergen Nordwestkanadas bis zu seinem in der Tundra Alaskas ins Bering-Meer mündenden Delta. In diesem vielschichtigen und packenden Kanu-Epos werden nicht nur der persönliche Einsatz des Autors, sein Kampf gegen die Unbilden der Witterung und seine Erlebnisse in der Wildnis des hohen Nordens, einem der letzten Refugien für Naturliebhaber und Zivilisationsüberdrüssige, lebendig, sondern auch die Geschichte des Yukon Rivers und der Menschen, die sich an ihm niedergelassen haben. So erfährt der Leser überaus Interessantes über die Kultur der Ureinwohner, die sich in Tausenden von Jahren herauskristallisiert hatte und mit der Besiedlung durch den weißen Mann und dessen Ausbeutung der Naturschätze zerstört wird, und wird Zeuge der Verzweiflung, aber auch der Freundlichkeit und Grosszügigkeit der zahlreichen Indianer Eskimos, denen der Autor begegnet.

Yukon solo erzählt ein spannendes, unvergessliches Abenteuer in einem Teil der Welt, von dem der Mensch träumt, wenn er sich fort von der Hektik des Alltags wünscht. Der Grund für die Suche nach Einsamkeit, Naturerleben, Abenteuer, Risiko lässt sich am treffendsten in der knappen Tagebucheintragung – Kampf mit schweren Stürmen – fassen: «Noch nie mit solcher Intensität gelebt.» (Klappentext)

19. Februar 2026

Morgarten

Peter Beutler: Morgarten, Emons, Köln
2014
An der Morgartenstrasse in Luzern wird ein Mann tot aufgefunden. Was anfänglich wie ein Selbstmord aussieht, wird zum brisanten Fall, denn der Tote hatte eine CD mit Bankdaten an deutsche Steuerfahnder weitergeleitet. Kripo-Leutnant Lauber und Detektiv-Wachtmeister Minder nehmen die Ermittlungen auf und geraten in einen tödlichen Strudel aus Macht und Politik. (Klappentext)

LU: Stadt Luzern (Hauptschauplatz), Gisikon, Fuchsberg ob Gisikon BE: Stadt Bern GR: Ofenpass, Val Müstair A: Eisenerz, Leoben, Wien I: Taufers USA: Lucerne

5. Januar 2026

Der unglückliche Mörder

Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder,
btb, München, 2006
Es ist eine neblige, nasskalte Nacht. Es giesst in Strömen, und der Junge, der am Strassenrand geht, ist kaum zu sehen. Als der Mann den Aufprall hört, ist es bereits zu spät: Die Verletzungen des Jungen sind tödlich – und der schwer angetrunkene Fahrer gerät in Panik und macht sich aus dem Staub. Warum sollte er sein ganzes Leben zerstören wegen dieses Unglücksfalls? Sich von seiner Karriere verabschieden? Seine Zukunft aufs Spiel setzen, die auf einmal in leuchtenden Farben vor ihm steht? Er kann nicht wissen, dass seine Feigheit schliesslich drei weiteren Menschen den Tod bringen wird und seine Vertuschungsmanöver ihn letztlich gründlicher ruinieren werden, als seine Todesfahrt es je gekonnt hätte … (Klappentext)

NL: Fiktive Niederlande (Hauptschauplatz) USA: New York

24. Oktober 2025

Die blaue Linie

Daniel de Roulet: Die blaue Linie,
Limmat, Zürich, 1996
Die blaue Linie auf den Strassen New Yorks markiert den Weg durch die fünf Stadtteile, die die 25.000 Marathonläufer durchqueren, bevor sie nach 26 Meilen beim Central Park das Ziel erreichen.

Max, der im Widerspruch zwischen erfolgreichem Architekten heute und politischem Aktivisten damals lebt, hat sich eine Zeit unter vier Stunden vorgenommen. Während des Rennens wird Vergangenes wieder gegenwärtig – sein Lauf durch die Nacht von K. nach Olten, nachdem der Pavillon auf dem AKW-Gelände gesprengt worden war, eine Frau, die sich ihm während des Laufes unvermittelt in Erinnerung ruft, die Flucht Gustave Courbets in die Schweiz, weil er in der Pariser Commune die Vendôme-Säule umgestürzt haben soll.

In diesem Roman zwischen Fiktion und literarischer Aneignung schildert Daniel de Roulet die Biographie einer Generation. (Klappentext)

AG: Kaiseraugst, Aargauer Jura BL: Baselbieter Jura SO: Solothurner Jura, Olten USA: New York City

Georgio Bellini, der gewalttätige Politaktivist, als logische Inspiration für den Schriftsteller de Roulet
Am 18. Februar 1979, kurz nach der Ablehnung der Atomschutzinitiative, zerstörte der aus Bellinzona stammende Giorgio Bellini (1945–2024) eigenen Angaben zufolge zusammen mit anderen Aktivisten mit einem Sprengstoffanschlag den Informationspavillon des geplanten Kernkraftwerks Kaiseraugst. Zwischen 1974 und 1984 beging er ebenfalls eigenen Angaben zufolge mit Komplizen der Gruppierung «Do it yourself» über 40 weitere Anschläge u.a. auf die Kernkraftwerke Leibstadt und Gösgen, bei denen Sachschaden im Umfang von mehreren Millionen Franken entstand, sowie einen Raubüberfall. Bellini sagte vor seinem Tod, der Anschlag in Kaiseraugst sei weniger wegen der ökologischen Fragestellungen erfolgt, sondern er habe als Marxist gegen Machtkonzentration gekämpft. Die Taten blieben unaufgeklärt. 2021, lange nach der Verjährung der Taten, bekannte Bellini sich gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» zu ihnen.

So wie Bellini machte auch der Autor Daniel de Roulet, selber Architekt und zweifacher Teilnehmer am New York Marathon, eine politisch motivierte Tat nach Ablauf der Verjährungsfrist publik. Im März 2006 erschien sein literarischer Bericht Ein Sonntag in den Bergen*, in dem er sich zum bis zu diesem Zeitpunkt unaufgeklärten Brandanschlag auf das auf dem Gipfelplateau der Rodomonts (1878 m) gelegene Chalet von Axel Springer, oberhalb von Rougemont bei Gstaad, am 5. Januar 1975 bekennt. De Roulet begründet seine Tat damit, dass er damals geglaubt habe, Springer sei ein Nazi gewesen, was damals viele geglaubt haben, z.B. auch der spätere Springer-Biograf Michael Jürgs) Der Tenor der Buchbesprechungen war in der Schweiz mehrheitlich negativ, in Frankreich ausgesprochen positiv, ebenso mehrheitlich in Deutschland. Bemängelt wurde insbesondere die Naivität des jungen de Roulet, der aus «Liebe» ein Chalet anzündete, und dass er sich zuerst über die Verjährung der Tat versicherte, bevor er seinen Bericht veröffentlichte. Allerdings war die Tat schon lange vorher verjährt.

*Das Buch ist aktuell in meinem Antiquariat unter der Rubrik Lebensgeschichten erhältlich.

11. Juni 2025

Schweiss der Sonne, Tränen des Mondes

Peter Lourie: Schweiss der Sonne, Tränen
des Mondes, Piper, München, 1994
Während eines Studienaufenthaltes in Equador lernt Peter Lourie einen reichen Grossgrundbesitzer kennen, der ihm von einem fabelhaften Schatz der Inkas erzählt. Gibt es diesen Schatz tatsächlich? Oder handelt es sich bloss um eine faszinierende Fiktion? Lourie macht sich auf in den Nebelwald Equadors, auf der Suche nach den letzten Nachfahren der Inkas und nach einem Schatz, den es vielleicht gar nicht gibt. (Inhaltsangabe im Buch)

3. April 2025

Museum des Hasses

Jürg Federspiel: Museum des Hasses,
Ex Libris, Zürich, 1988
Während den Tagen des Mordes an Martin Luther King, den Tagen der Blumenkinder, des Vietnam-Horrors, des Marsches aufs Pentagon, der Black-Power-Bewegung hat sich Jürg Federspiel anderthalb Jahre in New York aufgehalten. Aus seinen Eindrücken ist eine seltsame Mischung aus Essay, Erzählung, Gesellschaftskomödie, Reportage und Tagebuch entstanden.

In «Museum des Hasses» kommt Durchlebtes und Erfahrenes in vielfältiger literarischer Form zum Ausdruck – es ist ein Buch voll prosaischer Distanz und poetischer Wärme, ein ungeschminkter und ehrlicher Bericht, der gerade durch seinen subjektiven Zugriff eine heterogene Wirklichkeit empfinden und erkennen lässt. (Klappentext)

30. Oktober 2024

Susanna

Alex Capus: Susanna, Hanser, München,
2022
Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, neue sind noch nicht zu haben. In New York wird die Brooklyn Bridge eröffnet, Edisons Glühbirnen erleuchten die Stadt. Mittendrin Susanna, eine Malerin aus Basel, die mit ihrer Mutter nach Amerika ausgewandert ist. Während Maschinen die Welt erobern, kämpfen im Westen die Ureinwohner ums Überleben. Falsche Propheten versprechen das Paradies, die Kavallerie steht mit entsicherten Gewehren bereit. Mit ihrem Sohn reist Susanna ins Dakota-Territorium. Sie will zu Sitting Bull, um ihn zu warnen. Ein Portrait, das sie von ihm malt, hängt heute im State Museum North Dakotas. Das ergreifende Abenteuer einer eigenwilligen und wagemutigen Frau, voller Schönheit und Mitgefühl erzählt.
(Klappentext)

14. Februar 2024

Lieber Leo

Hansjörg Schneider: Lieber Leo,
Benziger, Zürich/Köln, 1980
Dieser lange Brief an den toten Freund handelt vom Abschiednehmen: von der geliebten Frau, die ihn verlassen hat, vom Freund, der knapp 40-jährig, an einem Herzinfarkt gestorben ist, von der Mutter, deren lange zurückliegenden Selbstmord er nie überwunden hatte. Er handelt vom Schmerz des Abschieds und vom Annehmen von Trennung und Verlust.

Doch ist dieser Roman auch eine Standortbestimmung, stellvertretend vollzogen für eine Generation, die in der restaurativen Enge der 50er-Jahre aufgewachsen, sich den Zugang zu Jazz, Existenzialismus und Beat erkämpfte, die die 68er-Unruhen zwar bewusst, aber als 30-Jährige schon nicht mehr ganz dazugehörig erlebte und die, nun 40 geworden, Berufsroutine und Karriere plötzlich als schal empfindet. 

Zugleich spricht hier ein Mann, der, in patriarchalischen Vorstellungen aufgewachsen, versucht, mit dem neuen Selbstverständnis der Frau zurechtzukommen, der sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlt und doch um Verständnis bemüht.

Dieser scheinbar spontan erzählte, tatsächlich sehr durchdacht komponiere Roman ist gefühlvoll und spröde zugleich. Die Stimmungen und Schauplätze wechseln rasch – vom Tessin über Basel, Paris im Mai 68, nach Kalifornien, Mexiko und schliesslich nach Berlin. Und so entwickelt dieses Buch bei aller bewusst eingesetzten schweizerischen Färbung ein mitreissende Erzähltempo, das einem stärker aus der angelsächsischen denn aus der deutschsprachigen Literatur vertraut ist. (Klappentext)

AG: Zofingen BE: Emmental (Region Affoltern) BS: Stadt Basel TI: Carona, Lugano Morcote, Melide UR: Maderanertal D: Frankfurt, Berlin F: Paris USA: San Franzisco, Carmel MEX: San Felipe

12. April 2021

Mit dem Kanu quer durch Alaska

Elisabeth Weigand: Mit dem Kanu quer
durch Alaska, Trèves, Trier, 1995
«Der Yukon-River. 3200 km wollte ich mit dem Kanu auf dem Fluss zurücklegen – ihn von seinem Ursprung bis zur Mündung abpaddeln. Ich würde im Frühjahr im Nordwesten Kanadas starten und bis Herbst Alaska durchquert haben.» Elisabeth Weigand genoss das Abenteuer in der faszinierenden Wildnis. Sie freundete sich an mit Eskimos und Indianern, die sie auf ihrem Weg kennenlernte und erlebte eine unvorstellbar weite Natur. Exkurse über die Geschichte des Landes und seiner Menschen tragen zum tieferen Verständnis bei. (Klappentext)

10. April 2021

Peace Pilgrim

Peace Pilgrim: Die Friedenspilgerin, Yoga,
Vidya Verlag, Horn-Bad Meinberg, 2014
«Eine Pilgerreise ist eine andächtige Reise des Gebets und des guten Beispiels. Meine Reise ist in erster Linie ein Gebet um Frieden. Wenn man sein Leben dem Gebet widmet, intensiviert man das Gebet in höchstem Masse.»
Peace Pilgrim über ihre Pilgerreise 1953–1981

Mildred Norman Ryder (1908–1981), genannt Peace Pilgrim, die Friedenspilgerin, wanderte weit über 40.000 km quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie gab so ihre Botschaft vom Frieden weiter: Das ist der Weg des Friedens: Überwinde Böses mit Gutem, Falschheit mit Wahrheit und Hass mit Liebe.

Die Friedenspilgerin besass nur die Kleidung, die sie trug. In ihren Taschen nur eine Zahnbürste und ein Kamm. Sie nahm kein Geld an und versprach: Ich will ein Wanderer bleiben bis die Menschheit den Weg des Friedens gelernt hat. Ich will wandern bis mir Obdach gewährt wird und fasten bis mir zu essen gegeben wird.

Peace Pilgrim sprach mit Leuten auf staubigen Landstraßen und in den Straßen der Städte. Sie sprach in Kirchen, in Schulen und in Bürgervereinen, im Fernsehen und im Radio über den inneren und äusseren Frieden. Ihre Pilgerreise umfasste das gesamte Friedensspektrum: Frieden zwischen den Nationen, einzelnen Gruppen und Individuen, und den äusserst wichtigen inneren Frieden, da dort nämlich der Frieden beginnt. Die Friedenspilgerin glaubte, dass der Weltfriede dann kommen kann, wenn genügend Menschen inneren Frieden erreicht haben. Ihr Leben und ihre Arbeit zeigen, dass eine Person, die inneren Frieden hat, einen bedeutenden Beitrag zum Weltfrieden leisten kann.
(Klappentext)

3. April 2021

Gold

Blaise Cendrars: Gold, Ex Libris, Zürich,
1977
Blaise Cendrars, «der transsibirische Homer», wie ihn Jürg Fedrspiel in der «Weltwoche» nannte, hat mit dem Roman des Schweizer Generals Suter, «der wider Willen zum Besitzer der riesenhaftesten Goldlager in Kalifornien geworden war und dennoch als Bettler gestorben ist, ein Meisterwerk von unverkennbarer dichterischer Relevanz geschaffen: es begründete seinen weiteren literarischen Ruhm und wurde später in Hollywood verfilmt.

In Frankreich zählt man Cendrars zu den Grössten, und es steht ausser Zweifel, dass einige seiner Werke auch in hundert Jahren wie Granitblöcke aus der von ständigen Modeströmungen überschwemmten Tiefebene moderner Literatur herausragen werden.
(Klappentext)

Dieser Roman ist in doppelter Art literarisch bedeutungsvoll: stofflich als eines der abenteuerlichsten Schicksale unserer Zeit, formal als eine grossartige gestalterische Leistung des dem Helden der Erzählung schicksalsverwandten Dichters.
  (Neue Zürcher Zeitung»)

17. Februar 2021

Walden

Henry David Thoreau: Walden, Könemann,
Köln, 1999
Das berühmteste Werk des amerikanischen Dichters Henry David Thoreau (1817–62) basiert auf Tagebuchnotizen zu einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt des Autors in einem selbstgezimmerten Holzhaus am Ufer des Waldensees, unweit seines Heimatortes Concord, Massachusetts. Dorthin hatte er sich zwischen 1845 und 1847 zurückgezogen, um ein Experiment ganz eigener Art durchzuführen: Er beschränkte sich auf die einfachsten und elementarsten Bedürfnisse und tat nur das Notwendigste zu deren Befriedigung, nicht um sich als Lebenskünstler ein bequemes Leben zu verschaffen, sondern um in Schlichtheit und vor allem «Musse zum wirklichen Leben» sich der Entfaltung seiner Spiritualität und Moralität zu widmen. Damit wollte er ein Zeichen setzen gegen die Technikeuphorie seiner Zeit und den grenzenlosen Optimismus seiner Landsleute, die sich auf einem Weg in eine neue Zivilisation jenseits der kühnsten Menschheitsträume sahen. Thoreau glaubte an das Recht des einzelnen zu freier, unkonventioneller Entscheidung, allein an den Normen der Natur orientiert. Dabei verfiel er weder in völlige Naturschwärmerei noch in einen radikalen Individualismus. Es ging ihm dabei auch weniger um Gesellschaftskritik als um das Individuum, das er aus den Zwängen seines oft selbstgewählten sklavischen Charakters befreien wollte. In «Walden» hat Thoreau die Erlebnisse dieser zweieinhalb Jahre in der Zeit eines Jahreskreislaufs zusammengefasst; kein Tatsachenbericht über ein Eremitendasein, sondern ein Mythos von der Fähigkeit des Menschen zu Selbstverwirklichung. (Klappentext)

30. November 2020

Winter in Montana

Rick Bass, Winter in Montana, Frederking &
Thaler, München, 1991
Tief in den Wäldern Montanas liegt Yaak, ein Tal mit nur dreissig Einwohnern, eines der letzten ohne Stromversorgung. Verschrobene Menschen leben hier, die etliche Meilen überwinden müssen, um sich gegenseitig zu besuchen. Die unerbittlichen Winter sind selbst für diesen hartgesottenen Menschenschlag immer wieder eine Herausforderung. Doch das hält Rick Bass und seine Freundin Elizabeth nicht ab, sich hier auf einer abgeschiedenen Farm einzurichten.

Mühsame Vorbereitungen auf den Winter beginnen, und so wird die neue Heimat für den Schriftsteller und die Malerin schnell zur Prüfung. Werden sie Einsamkeit und Entbehrungen aushalten? Bass schildert die Freiheit der Menschen in Yaak und die wunderbare Langsamkeit des Lebens in diesem letzten Paradies. (Klappentext)

4. Juni 2020

Friss oder stirb

Hermann Hossmann: Friss oder stirb,
Albert Müller Verlag, Rüschlikon/Stuttgart/
Wien, 1942
Es ist der unbestrittene Lieblingsroman meiner Kindheit: Hermann Hossmanns «Friss oder stirb». Die Geschichte öffnete mir endgültig die Augen für das viel zitierte «Kopfkino». Ich hatte das Buch zwei- oder dreimal gelesen, ehe ich es, weshalb auch immer, irgendwann weggab. Jahre später, ich war längst zum bibliophilen Liebhaber mutiert, erinnerte ich mich an Hossmanns Werk ... und entdeckte es am 12. Juli 2000 tatsächlich in einem Buchantiquariat wieder. Klar doch, dass ich es kaufte und ein drittes oder viertes Mal – wenn auch mit anderen Augen – las. Doch worum geht es denn eigentlich in diesem Jungendroman? Dies sagt der Klappentext:

«Hermann Hossmann ist Lehrer – aber ein Lehrer besonderer Art! Als er mit 20 Jahren sein Diplom in der Tasche hatte, fand er, dass er zunächst die Welt und das Leben besser kennen lernen sollte, ehe er daran ging, Kinder in der Schulstube für den Lebenskampf zu rüsten. Er wanderte nach Amerika aus und verdiente sich dort sein Brot mit den verschiedensten Arbeiten, – jawohl: als Tellerwäscher und dann als Nachtwächter, als Taxichauffeur, Bauarbeiter, Filmschauspieler, Geschäftsmann und Zeitungsredakteur! Was ihm da begegnete, das lässt er in seinem Buch Peter Hitzig, den Helden der Erzählung, erleben.

«Friss oder stirb» ist kein braves, sanftes Buch; es ist rauh und hart wie das Leben, das es schildert. Peter zeigt im Laufe seiner Amerika-Jahre, dass auch die ärgsten Hindernisse und Schwierigkeiten mit Mut und Tatkraft überwunden werden können. Friss oder stirb! hiess es für ihn, als er nach Amerika kam, um das gepriesene Wunderland zu erleben und sich stattdessen mit wenig Geld und ohne Sprachkenntnisse im Hexenkessel von New York fand. Das Amerika des «Lederstrumpf» und Karl Mays gehörte längst zur Vergangenheit. Hart packte ihn das Leben an und rüttelte ihn aus seinen Träumen. Was er kennen lernte, war das Amerika von gestern und heute, das Land der Industrie, des Handels, der Riesenfabriken und der Wolkenkratzer, das aber dennoch das Land der tausend Möglichkeiten geblieben ist. Was er kennen lernte, war nicht das phantastische Abenteuer romantischer Träume, – es war das Abenteuer der Wirklichkeit, das jeder erleben kann, der es nur will!»

Doch wer war dieser Hermann Hossmann eigentlich? Bürger von Gerzensee war er und wurde am 17. September 1900 als Sohn des Lehrers Friedrich Hossmann in Kriechenwil bei Laupen geboren. Sein Vater beschäftigte sich in seinen Mussestunden mit der Schriftstellerei, gab einige Gedichtbände, einen Entwicklungsroman und zahlreiche Erzählungen heraus. Der Sohn Hermann wuchs in Bern auf, besuchte dort Primar- und Sekundarschule und kam danach ins Lehrerseminar Hofwil-Bern.

Nach vollendetem Studium wanderte er nach Amerika aus, wo er sechs Jahre lang, vom Leben hart gezwackt, in den verschiedensten Berufen seinen Lebensunterhalt verdiente: als Tellerwäscher, Nachtwächter, Taxichauffeur, Bauarbeiter, Filmschauspieler, Geschäftsmann und Zeitungredaktor. Danach schloss er seine US-Lehrjahre ab und kam in die Schweiz zurück, wurde erst Lehrer in der Gesamtschule Möriswil bei Wohlen, später an der Länggass-Schule in Bern, wo er während Jahren amtete.

Früh schon verfasste er – zu seiner Freude und sozusagen zum Hausgebrauch – Dialektverse und Mundarttheaterstücklein, die an Schulfeiern und bei öffentlichen Anlässen aller Art zum Vortrag kamen. Später zog man ihn zur Mitarbeit an Jugendbüchern und -zeitschriften heran. Seine Lehrtätigkeit, besonders aber der Umgang mit gefährdeten und kriminellen Jugendlichen, überzeugten ihn davon, dass die beste Art, die verhängnisvollen Einflüsse der Schundliteratur auf die heranwachsende Jugend zu bekämpfen, die sei: Spezifisch «rassige» Jugendbücher zu veröffentlichen, die dabei lebenswahr gestaltet, aufklärend und erzieherisch wirken. Aus dieser Einsicht heraus begann Hermann Hossmann zu schreiben. Dass es auch bei Erwachsenen Anklang fand, war ihm eine erfreuliche, wenn auch unbeabsichtigte Nebenerscheinung.

20. April 2020

Vier Monate auf dem Weg zu sich selbst

Stephanie Studer: Freilaufen, Driftwood,
Chur, 2019
Wir wissen es schon längst: Die USA bilden ein Land der Superlative. Im Guten wie im Schlechten. Bleiben wir beim Positiven und widmen wir uns den Fernwanderwegen, die es daselbst zuhauf gibt – allen voran die drei happigsten: der Appalachian Trail (3500 km), der Continental Divide Trail (4900 km) und der 4279 Kilometer lange Pacific Crest Trail (PCT). Letzterer, von dem in der Folge die Rede ist, führt von der mexikanischen Grenze durch die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington bis nach Kanada. Die Begehung dieser unglaublich langen Strecke ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, der sich 2017 die aus Basel stammende und heute in Chur lebende Stephanie Studer gestellt und ein Buch darüber geschrieben hat. «Freilaufen» nennt es sich und verweist so auf den hauptsächlichen Motivationsgrund der Autorin: Raus aus dem Alltagstrott und klar werden mit sich selbst.


Der PCT in der Übersicht. Quelle: Wikipedia
Kaum an der mexikanischen Grenze losgelaufen, ist der helvetische Rhythmus vergessen. Die südkalifornische Wüste wartet und macht schnell einer neuen, elementaren Routine Platz: Laufen, Essen, Schlafen. Und zwischendurch, hauptsächlich beim Gehen, bleibt jede Menge Zeit, sich über sein Leben Gedanken zu machen. Dies tut Stephanie Studer, doch, anders als es der Untertitel des Buches («… zurück zu mir selbst») vermuten lässt, gibt sie dem Leser kaum etwas davon preis. Und das ist gut so! Die Fülle an Egotrips, die als «Reiseberichte» getarnt vor Seelenstriptease nur so strotzen ist mittlerweile unerträglich geworden. Allen voran z.B. Cheryl Strayeds «Wild», das ebenfalls auf dem PCT spielt oder Shirley MacLaines «Jakobsweg».

In unaufgeregtem Plauderton nimmt uns Stephanie Studer mit auf ihren Weg, der landschaftlich und klimatisch einiges zu bieten hat. Währenddem in der Wüste die Sonne unerbittlich auf den Wanderer brennt, schneit es weiter nördlich in den höheren Lagen, und zwar derart heftig, dass einzelne längere Abschnitte umfahren werden müssen. In Oregon ist die Situation in den bis zu 4000 Meter hohen Bergen derart prekär, dass die Autorin schweren Herzens auf den Oregon Coast Trail ausweichen muss. Sie tut dies freilich nicht alleine, denn bereits in Kalifornien hat sie ein paar Jungs aus Chicago kennengelernt, an die sie sich bis zum Ende der Tour anschliesst.

Die Lektüre des unterhaltsamen Buches bringt uns mitunter ein anderes Amerika näher, als jenes, von dem täglich in den Medien zu lesen und zu hören ist; allen voran die überaus hilfsbereiten Menschen entlang des PCT. Da sind zum Beispiel die sogenannten «Trailangels», die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den vorbeiziehenden Fernwanderern mit Unterkunft, Verpflegung oder Transportdiensten unter Arme und Beine zu greifen. Studers Bericht ist indes auch ein Mutmacher für all jene, die für eine längere Zeit, mit dem Zelt durch ziemlich entlegene Gebiete gehen möchten, sei es, um zu sich zu kommen und/oder einfach die grandiose Natur zu erleben. Am Ende des Bandes gibt die Autorin daher den einen oder anderen wertvollen Tipp mitsamt einer Liste jener Ausrüstung, die sie mit auf den Weg genommen hat.

Beenden wir diese Buchbesprechung mit einem Zitat über eine Erkenntnis Stephanie Studers sowie einer Frage des Rezensenten.

«Rückblickend wir mir klar, dass ich immer unter einer Art von Stress gestanden habe. Es war mir unmöglich, einfach nur zu sein. Erst auf dem Trail habe ich gelernt, dass man auch mal in den Tag leben kann, dass man nicht immer riesige Pläne haben muss. Diese Entschleunigung, dieses Runterfahren, das tut mir gut. Auch wenn es kein einfacher Weg war, das zu erkennen.»

In einem zwar eher nebensächlichen, aber für die Fernwanderszene der USA typischen Punkt wird der Leser von «Freilaufen» im Stich gelassen. Es ist nämlich üblich, dass jeder sogenannte «Through Hiker», also jemand, der die gesamte Strecke auf einmal absolviert, einen Trail-Namen erhält. In der Regel sagt der Name auch ein wenig etwas über die betreffende Person aus. Ja, wie war denn nun Ihr Name, Frau Studer?

17. März 2020

Agnes

Peter Stamm: Agnes, Fischer, Frankfurt/Main,
1998
Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält. (Inhaltsangabe im Buch)

USA: Chicago und Umgebung, New York