22. Oktober 2026

100 Jahre Schweizer Eisenbahn

Diverse Autoren: 100 Jahre Schweizer
Eisenbahn, Generaldirektion der SBB,
Bern, 1947
Die Nachkriegszeit mit ihren Sorgen und Nöten ist wenig dazu angetan, rauschende Feste zu begehen und besinnliche Betrachtungen über das erste Eisenbahnjahrhundert in der Schweiz anzustellen. Die Eisenbahnen haben sich in unserem Land ohnehin erst einige Jahre später Geburtsrecht erworben als im Ausland, weil die Alpen und Voralpen die Trassierung und den Bahnbau begreiflicherweise erschwerten. Zudem ist die Schiene in ausgesprochenem Masse ein Werkzeug für den wirtschaftlichen Alltag, dessen Wertschätzung sich nach der täglichen Dienstleistung für den Einzelnen wie für Volk und Wirtschaft bemisst.

Dementsprechend ist es der Wille der Bundesbahnleitung, das Jahr 1947 nicht in erster Linie zu einem Jahr äusserer Kundgebungen zu machen. Unser Blick richtet sich vielmehr in die Zukunft. Wir wollen keine Anstrengung scheuen, um den Ruf der Bundesbahnen als zuverlässigstes und allzeit bereites Transportmittel der Nation durch vermehrte Leistung und restlose Ausnützung des technischen Fortschrittes zu wahren und zu mehren. Damit bleiben wir auch im Jubiläumsjahr der Devise treu, die dem ersten Eisenbahnjahrhundert in der Schweiz das Gepräge gab und die in der ganzen Eisenbahngesetzgebung und Eisenhahnpolitik sichtbaren Ausdruck gefunden hat.

Unser Volksbuch wird davon nur in bescheidener Weise, einen flüchtigen Eindruck vermitteln können. Es hat keinen andern Ehrgeiz, als möglichst grosse Volkskreise zum eigenen Urteil über die in hundert Jahren schrittweise erkämpfte beträchtliche, technische und wirtschaftliche Leistungskraft der Schiene anzuregen. Darüber hinaus will es zur Besinnung über die soziale, kulturelle, militärische und politische Bedeutung der Eisenbahnen für unser bundesstaatliches Zusammenleben aufrufe~. Das Jubiläum soll daher auch zu einer Zwiesprache zwischen Nation und Staatsbahn werden, wobei unser Buch mehr als kleine Hilfe für die eigene Beobachtung und für das vom Bürger bei der täglichen Benützung der Bahn selbständig geformte Urteil gedacht ist.

Möge es damit dem vermehrten Verständnis zwischen Oeffentlichkeit und Staatsbahn dienen; möge es dazu beitragen, dass auch beim Eintritt in das zweite Eisenbahnjahrhundert der Leistungswille der Bundesbahnen sich auf die Zustimmung und den Willen des ganzen Volkes stützen kann.


Geleitwort der Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen

19. Oktober 2026

Nach oben sinken

Wilfried Meichtry: Nach oben sinken,
Nagel&Kimche, Hamburg, 2023
«Nach oben sinken» erzählt von einem fantasievollen Jugendlichen, der an der rohen Enge der katholischen Dorfwelt der 1970er- und 1980er-Jahre leidet und gegen eine unnahbare Erwachsenenwelt ankämpft, die vor lauter Schweigen die Worte vergessen hat. Immer mehr zieht sich der Junge, der nach Nähe und Zuneigung sucht, in die Welt seiner Fantasie zurück und wird zum Aussenseiter im Dorf. Als er zufällig entdeckt, dass er einen Onkel hat, der vor Jahrzehnten spurlos verschwunden ist, ist er überzeugt, in diesem seinen einzig wahren Verwandten gefunden zu haben. Bei seinen Nachforschungen allerdings rennt er erneut gegen eine Mauer des Schweigens an. (Klappentext)

VS: Leuk, Susten, Pfynwald, Illgraben, Brig, Nivenalp, Sion

16. Oktober 2026

Die Entweihung der Alpen

«Die Einsamkeit geht verloren». Ich möchte doch einmal erfahren, wieviel Quadratkilometer Einsamkeit eigentlich ein einzelner Mensch für sich beansprucht, damit er sich zufrieden gebe: Der Mensch hat 5 bis 6 Fuss Höhe und 1 bis 2 Fuss im Durchmesser; und dieser Knirps begehrt für seine Ferieneinsamkeit nicht etwa bloss, dass ihm auf seinen Spaziergängen niemand begegne, nein, er verlangt gleich ein paar Dutzend Gebirgsstöcke von je 4000 Metern Höhe und je zwanzig Stunden im Umkreis für sich allein. Ich begreife die Einsamkeit und liebe sie; ich kann sogar äussert lebhaft mitfühlen, dass es kein Genuss ist, sich mit den Ellenbogen stossen zu lassen oder auf Schritt und Tritt einem Mitmenschen auszuweichen. Allein was es mir schaden sollte, wenn ich auf der Walliser Seite der Jungfrau über das Eis kletternd, weiss, dass auf der Berner Seite, weit ausserhalb meines Horizontes, in einer Entfernung von zwei Tagereisen eine Partie von einigen hundert Passagieren im Dampfwagen hinauffährt, das begreif ich nicht. So weit das Auge reicht, keinen Menschen zu sehen, das ist schon eine ganz annehmbare Einsamkeit; die Forderung, es sollten keine vorhanden sein, so weit der Gedanke denkt, wird wohl etwas unbescheiden heissen dürfen. «Die blosse Vorstellung davon verleidet mir die Alpen.» Unter uns gesagt, das ist eine ziemlich griesgrämige Vorstellung. Es gibt ja unter den Menschen nicht bloss Engländer, es gibt auch ganz leidliche, ja sogar äusserst liebenswürdige Herren und Damen. Warum sich gleich das Schlimmste vorstellen? Und wenn denn einer so galligen Temperaments ist, dass er nicht einmal in Gedanken einen andern auf zwanzig Kilometer Entfernung dulden mag, so verkrieche er sich meinetwegen in eine Höhle des Finsteraarhorns. Zu verlangen, dass mit ihm die ganze Gebirgskette überlassen sollen, damit er sein Leberleiden darauf kuriere, das ist etwas viel. Und dann, ebenso gut wie ihn die blosse Vorstellung davon ärgert, dass eine fröhliche Vergnügungsbande mit der Eisenbahn lustig nach dem Jungfraugipfel kutschiert, könnte die Vergnügungsschar ihrerseits daran Anstoss nehmen, dass ein Brummbär auf dem Finsteraarhorn lungert, welchen die blosse Vorstellung eines Vergnügungszuges nach der Jungfrau schon ärgert. Sollen sich nun beide Teile gegenseitig von den Gipfeln hinunterärgern?

Wahrlich eine bizarre Feindseligkeit! Und ein kindischer Anlass! Der Kampf ums Dasein hat einen Sinn; denn wenn zwei nicht nebeneinander Platz finden, so stösst eben einer den andern von der Stelle; allein der Kampf ums Dortobensein, herbeigeführt durch die Anmassung, dass im Umkreis von zwölf Gletscherkegeln niemand anders sich aufhalten dürfe, ist einfach lächerlich. In diesem Krieg werden übrigens die Gebirgseremiten jämmerlich unterliegen; denn es ist in der Welt so eingerichtet, dass die Herde den Bock und nicht der Bock die Herde ausstösst. Mit der Einsamkeit ist es eben bestellt wie mit den übrigen Gütern; wenn viele Menschen der Einsamkeit teilhaftig werden wollen, so müssen sich eben alle in eine Teilung derselben fügen. Und das lässt sich ja über die Massen leicht bewerkstelligen. Welche Begriffe macht man sich denn eigentlich von den räumlichen Verhältnissen des Menschen zu den Bergen? In den einzigen Kanton Graubünden könnte man die Bevölkerung der ganzen Schweiz derart verteilen, dass jeder Einzelne nicht bloss Einsamkeit, sondern überdies noch ein gerütteltes Mass von tödlicher Langeweile erhielte.

Carl Spitteler (1845–1924) in der Neuen Zürcher Zeitung vom 12.1.1930

13. Oktober 2026

Eine Frau für den Barista

Marco Malvaldi: Eine Frau für den Barista,
Piper, München, 2016
Alice Martelli. So heisst die neue Kommissarin in Pineta. Da sie von Klatsch als Ermittlungsmethode nicht wenig hält, macht sie bald die Bekanntschaft der BarLume und ihrer eigentümlichen Stammgäste. Die vier Senioren erläutern ihr auch umgehend ihre Theorie zum Verschwinden von Vanessa Benedetti. Sie sind sich sicher, dass ihr Ehemann sie zum Schweigen gebracht hat. Trotz der Affenhitze gelingt es den vier Alten selbstverständlich wie immer mit der Unterstützung von Massimo, ihrem Barista, am Ende jede Unklarheit zu beseitigen. Mithilfe messerscharfer Witze und tödlicher Wortgefechte. (Klappentext)

10. Oktober 2026

Endstation Alpenparadies

Markus Michel: Endstation Alpenparadies,
Münster, Basel, 2019
Max Berger, ein älterer Auslandschweizer, langjähriger Buchhalter in Paris, hört in der Metro, wie zwei Frauen von einem Alpenparadies Dolce Vita in der Schweiz erzählen, wohin alte Menschen aus ganz Europa geschickt werden. Obwohl Max sich einredet, dass dies nicht sein kann und er selbst noch jung sei, wird sein Alltag immer mehr zum Alptraum. Er verliert seine Stelle, spielt seiner Frau vor, immer noch arbeiten zu gehen, irrt durch Paris. Max sieht nur noch einen Ausweg.

Scheinbar alles nur wilde Fantasterei von Max, der, seit sie einen neuen Mitarbeiter und den neuen Computer haben, keine Arbeit mehr hat und schauen muss, wie er die Bürostunden hinter sich bringt?! Nein, die Realität holt den Alptraum ein.
(Klappentext)

F: Paris

3. Oktober 2026

Die Gedanken-Bank

Es ist an der Zeit, wieder einmal ein Bänkli zu zelebrieren. Dieses Exemplar befindet sich im Dorfzentrum von Rünenberg, Kanton Basel-Landschaft. Es soll an die schmerzlichen Erfahrungen der Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen erinnern. Im gesamten Kanton sind 13 solcher halbrunden Gedankenbänke aufgestellt worden. Hergestellt wurden sie aus Baselbieter Eichenholz in der Schreinerei des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene Arxhof. Weitere Informationen über das Weshalb und Wozu dieses Projektes gibt es hier.

27. September 2026

Alle sieben Wellen

Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen,
Goldmann, München, 2011
Erstens: Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also «Gut gegen Nordwind» gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben. Zweitens: Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo und ihrer unerfüllten Liebe abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo! Drittens: Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung verdient hätten und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende? Bitte, hier haben Sie's! Viertens: Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Kein Problem. In diesem Buch erfahren Sie alles: von Leos Rückkehr aus Boston, von Emmis Eheproblemen und von der siebenten Welle, die immer für Überraschungen gut ist. (Inhaltsangabe im Buch)

21. September 2026

Regenzauber

Michael Obert: Regenzauber, Piper,
München, 2005
Einem Kindheitstraum folgend, bereist Michael Obert den drittlängsten Fluss Afrikas. Vom Regenwald durch die Sahel-Zone und die Sahara bis zur Mündung am Golf von Benin. Er begegnet Fischern, Händlern, Nomaden und Schamanen, die ihn in die Glaubenswelt der Flussvölker und die Magie des Stroms einweihen. (Klappentext)

Oberts literarischer Reisebericht erhielt am 13. Mai 2005 den Globetrotter-Buchpreis. Die Auszeichnung prämiert besonders wertvolle Werke der Reiseliteratur. Die Jury honorierte den Autor als sanften und mutigen Reisenden und «Regenzauber» als herausragendes Buch, das durch seine intensive Auseinandersetzung mit der traditionellen Welt am Niger sowie durch seine hohen literarischen Qualitäten besticht.

Moors Fazit: 566 Seiten Reiseliteratur in Vollendung. Auch wenn das von Obert Erlebte und Beschriebene für westliches Empfinden manchmal kaum zum Aushalten ist, führt es den Leser/die Leserin hautnah an die ursprüngliche Kultur Afrikas, aber auch an die Tragik der Auswirkungen von Kolonialismus und neuzeitlichem Wirtschafts-Imperialismus westlicher Herkunft. Absolut lesenswert!

11. September 2026

Mein neustes Wanderprojekt

Der aktuelle Projektstand: Hellgrün = bereits eingebundene Haltestelle. Hellblau = noch einzubindende Haltestelle. Rot = Wanderung unter Einbezug der Haltestelle geplant.


Seit ich wandere, nutze ich für die An- und Rückreise ausschliesslich den Öffentlichen Verkehr. Im Sommer 2026 ist nun die Idee entstanden, sämtlichen Bahnhaltestellen der Schweiz wandernder Weise einen Besuch abzustatten. Hierbei sollen die bislang genutzten Bahnstationen als «besucht» berücksichtigt werden. Als «besucht» gelten Bahnhöfe und Stationen, die mir entweder als Start- oder Zielpunkt einer Wanderung gedient haben. Nach der Erstellung eines Haltestellenverzeichnisses (Stand: August 2026) ergab sich die stattliche Anzahl von insgesamt 1711 Haltepunkten. Hiervon haben mir bisher mehrere hundert im Rahmen einer Wanderung als Start oder Ziel gedient. Für den Einbezug der verbleibenden Bahnhaltestellen in mein Wandernetzwerk habe ich mir folgende Spielregeln auferlegt:

  1. Stationen, die an einer Normalspurstrecke liegen, sollen allesamt als Ausgangs- oder Zielort einer Wanderung dienen.
  2. Haltepunkte, die sich an einer Schmalspurstrecke befinden, gelten als «genutzt», bzw. «besucht», wenn ich anlässlich einer Wanderung daran vorbeigewandert bin. Diese Spielregel wird demnach dazu führen, dass ich vermehrt entlang von Schmalspurlinien von Haltepunkt zu Haltepunkt wandern werde, um so möglichst viele Stationen «sammeln» zu können.
Sinn und Zweck dieses Projekt ist es, dass ich gewisse Gegenden, aber auch die unglaubliche Vielfalt des Bahnlandes Schweiz noch besser kennenlerne.

Zur Definition der «Bahnhaltestelle» für dieses Projekt: Ausgeklammert habe ich einzig sämtliche innerstädtischen Tramlinien. Folgende Überlandtramlinien sind indes mit einbezogen:
  • Liestal–Waldenburg
  • Ettingen Dorf–Rodersdorf Station
  • Gümligen–Worb Dorf
  • Zollikerberg–Esslingen
Projektstart: 28.03.1982
Stand am 09.09.2026: Von 1711 Haltestellen sind 756 in mein Wanderwerk eingebunden.
  • An Normalspurstrecken: 512
  • An Schmalspurstrecken: 244
  • Verbleibende Haltestellen insgesamt: 955
Das Projekt firmiert unter der Bezeichnung «Bahnhaltestellenwandern» und wird auf der separaten Projektseite, wo übrigens alle meine anderen Wanderprojekte (aktuelle und beendete) aufgeführt sind,  laufend aktualisiert.

7. September 2026

Neulich in 7500 St. Moritz

Die auf 2182 m gelegene Örtlichkeit nennt sich sonderbarerweise «Paradiso», oder amtlich, denn so ist sie selbst auf der Karte 1:10 000 des Bundesamts für Landestopografie vermerkt: «Paradiso Mountain Club & Restaurant». Wer auf der Webseite dieses kafkaesk anmutenden Etablissements – selbstverständlich mit einer .com-Adresse – versucht, eine Menü- oder Getränkekarte zu finden, versucht vergeblich. Vermutlich werden die Preise derart billig sein, dass sich die Lokalbetreiber genötigt sahen, auf eine Publikation zu verzichten, um den unerwünschten Andrang proletarischen Pöbels erst gar nicht aufkommen zu lassen. Aber vielleicht liege ich da völlig falsch. Who knows?

3. September 2026

Dietegen

Gottfried Keller: Dietegen, Reclam
Junior, Stuttgart, 1967
Die Novelle «Dietegen» spielt zur Zeit der Burgunder- und der Mailänderkriege in den beiden fiktiven Schweizer Städten Seldwyla und Ruechenstein. In Ruechenstein wird der Waisenjunge Dietegen, der als rechtloses Verdingkind sklavenartig gehalten wird, zu Unrecht des Diebstahls einer Armbrust bezichtigt und gehängt. Küngolt, ein Mädchen aus Seldwyla, entdeckt, dass der Junge in seinem Sarg noch lebt. Nach der Rechtsordnung Ruechensteins bekommt das Leben geschenkt, wer eine Hinrichtung überlebt. Dietegen wächst fortan beim Vater Küngolts, dem Forstmeister von Seldwyla, und ihrer Mutter auf. Küngolt sieht in ihm ihren zukünftigen Ehemann und behandelt ihn wie ihren Besitz.
Nach dem Tod der Mutter zieht die Base Violande in das Forsthaus, die den Förster heiraten und die einander liebenden Kinder auseinander bringen will. Das gelingt ihr, als Küngolt eine Gruppe Ruechensteiner mit einem Aphrodisiakum aus Violandes Besitz zu Tätlichkeiten aufreizt, bei denen einer getötet wird. In derselben Nacht verführt Violande den betrunkenen Förster zur Ehe. Küngolt wird in Seldwyla vor Gericht gestellt und muss ein Jahr Dienst beim Friedhofswärter tun. Dietegen bewacht sie dort zunächst und schützt sie vor Nachstellungen. Als Küngolt sich jedoch von einem Kaplan im Hause des Totengräbers den Hof machen lässt, überlässt er sie ihrem Schicksal.
Zusammen mit seinem Ziehvater nimmt er an der Schlacht bei Grandson teil, in der der Förster fällt. Dietegen nimmt auch an spontanen, nicht angeordneten Auszügen teil, so am Zug des törichten Lebens von 1477, und kehrt, reich und eitel geworden, nach Hause zurück. Noch im Feldlager hat er von Violande, die in sich gegangen ist, erfahren, dass Küngolt in die Hände der drakonisch strafenden Ruechensteiner gefallen ist und hingerichtet werden soll. Nur eine schnelle Heirat könne sie retten. Dietegen überwindet sein moralisches Vorurteil gegen die «Dirne», geht nach Ruechenstein und bewahrt Küngolt vorm Tod. Er beteiligt sich an den Mailänder Feldzügen, in denen er fällt, aus der Ehe aber ist ein «zahlreiches Geschlecht» hervorgegangen.

Entstehung
Die Novelle entstand in der ersten Hälfte, bis zum Tod der Forstmeisterin, von 1860–62. Der zweite Teil entstand erst 1873. Angeregt wurde Keller durch zwei juristische Fundstellen in einem der Werke des  evangelischen Geistlichen und Heimatforschers, Johann Melchior Schuler (1779–1859): «Die Thaten und Sitten der Eidgenossen: ein Handbuch der Schweizergeschichte» (Zürich 1842).

Band I S. 404 f. (unter Luzern): «Ein noch junger Knabe, der aber schon viel gestohlen hatte, ward 1473 zum Tode durch den Strick verurteilt; man bat für ihn um seiner Jugend willen, und nun sollte er ertränkt werden – aus Gnade, sagte man! Der Scharfrichter warf ihn in den Fluss und zog ihn am bestimmten Orte heraus, zerschnitt seine Bande und liess ihn als tot liegen. Die Stadtknechte legten ihn in einen Sarg, der einen Spalt hatte; Knaben blickten durch denselben und fanden, dass der Mund sich bewege; Frauen hörten dies, eilten hinzu, brachen den Sarg auf, fanden Leben im Knaben und trugen ihn in den Spital; da kam er zu sich selbst, lebte lange, ward ein Biedermann, nahm ein Weib und hatte schöne Kinder.»

Band III, S. 469 f (unter Solothurn): «Der Rath verurtheilte 1632 eine Kindsmörderin zum Tode. Da bot sich ein junger Mann von Regensburg an, sie zu heirathen. Nach uralter Sitte ward ihr nun, auf Fürbitte der Geistlichkeit, das Leben geschenkt; das Paar ward auf dem Rathhaus getraut und dann auf ewig verwiesen.» Quelle: Wikipedia

30. August 2026

Zürihegel

Stefan Haenni: Zürihegel, Gmeiner,
Messkirch, 2022
Von der Metropole bis ins hügelige Hinterland des Kantons Zürich erschüttern eiskalte Verbrechen die Bevölkerung. In Fischenthal macht eine junge Frau auf Jobsuche eine grausige Erfahrung. Am Skilift des Atzmännig wird es für einen ehrgeizigen Ehemann prekär. «Die Bösen» schwingen auf dem Bachtel ohne ihren entgleisten Favoriten. Im Tösstal gefriert das Herz eines eifersüchtigen Schreiners, und die Stadtzürcher Bike Police jagt am Utoquai eine Schmuckdiebin, während im «Chreis Cheib» ein «Serien-Chiller» von sich reden macht. (Klappentext)

25. August 2026

Sinfonie der Liebe

Marga Markwalder: Sinfonie der Liebe,
Artemis, Zürich, 1953
Die Begegnung zwischen einer hochbegabten Ärztin, Chirurgin und Leiterin einer Frauenklinik, und einem international berühmten Musikdirigenten ist das Thema dieses Romans. Diese beiden Menschen, jeder vernarrt in seinen Beruf und gefesselt an einen strengen Pflichtenkreis, erfahren mit elementarer Gewalt, dass das Schicksal anderes mit ihnen vorhat, als der berufsverliebte Wille es befiehlt. Marga Markwalder flicht ein Gewebe von Schicksalsfäden so herb und schön und innig ineinander. Sie blättert Bilder aus dem Operationssaal einer Frauenklinik auf und lässt in kontrastreicher Überblendung den Leser im Konzertsaal die Erfüllungen hoher Musik miterleben. Alles, was da erzählt wird, wirkt wie der Sehnsucht abgelauscht, jener Sehnsucht nach Absolutheit im Liebeserleben, wie sie jedem Menschenherzen geheimnisvoll eingeboren ist. (Klappentext)

Marga Markwalder (eigentlich Margrit Corrodi-Horber, geborene Horber) war Schriftstellerin und Verlagslektorin. Sie lebte in Erlenbach bei Zürich und war mit dem Autor Hans Corrodi verheiratet. Bekannt wurde sie ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch Romane, Erzählungen und zürichdeutsche Mundarttexte. Markwalder heiratete kurz nach der Matura und war seither als Hausfrau sowie zeitweise als Verlagslektorin tätig. Ihre literarischen Werke erschienen zum grossen Teil im Zürcher Artemis-Verlag. Sie schrieb unterhaltsame Prosa und gestaltete Beiträge mit einer gewandten, lebhaften Feder. So unter anderem:
  • Ritter Georg (Roman)
  • Was Dir bestimmt (Roman)
  • Lieber Peter (Roman)
  • Wolkig bis heiter (Erzählungen)
  • Sinfonie der Liebe (Roman)
  • Versunkene Melodie (Roman)

18. August 2026

Golden Pass und Greyerzerland

Michel Gremaud, Peter Pfeiffer: Golden Pass und
Greyerzerland / Golden Pass et Pays de Gruyère,
AS-Verlag, Zürich, 2001
Das Schmalspur-Fieber erfasste gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die Westschweiz. Unter den zahlreichen Nebenlinien, die damals als Verbindung zwischen dem Ufer des Genfersees und dem Hinterland erbaut wurden, nahm die Montreux–Oberland Bernois (MOB) allerdings eine Sonderstellung ein, denn sie war für den Tourismusverkehr zwischen dem Berner Oberland mit dem mondänen Kurort Gstaad und dem Genfer See von überregionaler Bedeutung. Schon 1906, nur ein Jahr nach ihrer durchgehenden Eröffnung, führte die Bahn drei Speisewagen. Weitere Speise-, Salon- und Panoramawagen folgten in kurzer Zeit. Der luxuriöse Golden Mountain Pullmann Express bestimmte das Erscheinungsbild der MOB, bis die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre dem Tourismusverkehr ein jähes Ende setzte.

Im Band der AS-Reihe Bahnromantik sind die schönsten und spektakulärsten Fotos aus den frühen Jahren der MOB und CEG (TPF) vereint. Deutlich kommt in den Aufnahmen die Vielseitigkeit der Voralpenbahnen zum Ausdruck: Hier der elegante und luxuriöse Golden Mountain Pullmann-Express, der begüterte Touristen aus Europa und Übersee von Gstaad nach Montreux führt. Dort die einfache Triebwagenkomposition mit Zweit- und Drittklasswagen, die Bauern und Arbeiter der Region in den Hauptort Bulle oder zum Volksfest ins Nachbardorf befördert. Beide verkehren sie auf demselben Gleis, fahren sie durch dieselbe Landschaft und scheinen doch aus zwei ganz verschiedenen Welten zu stammen. Ein Einleitungstext, verfasst vom Journalisten und Regionalhistoriker Michel Gremaud aus Bulle, ordnet die im Buch vereinten Aufnahmen im verkehrs-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Rahmen ein. Detailangaben, auch bahntechnischer Art, sind in den Bildlegenden und Kapiteleinleitungen zu finden, die vom Herausgeber Peter Pfeiffer stammen.

15. August 2026

Alles für zwanzig Rappen

Kurt Held: Alles für zwanzig Rappen,
Sauerländer, Aarau, 1951
Fredi, ein Hüterbub, findet auf dem Dorfplatz zwanzig Rappen. Für den Zehnjährigen ein grosser Fund. Da der einzige Dorfladen geschlossen, geht er zu dem nahen Bahnhof, um sein Zwanzigrappenstück in einen Automaten zu werfen. Er gewinnt dabei nicht nur zwei Schachteln, er gerät ausserdem in die seltsamsten Abenteuer; aber während er eine Woche mit Fischern, Zöllnern, Töpfern, Bauern, Schmugglern, Kesselflickern und Viehtreibern verbringt, ist man in seinem Dorf in grösster Sorge um ihn. Vater, Mutter, der Lehrer, die Nachbarn, der Bürgermeister, der Polizist sind in Aufregung und sehen Fredi schon verunglückt. In eine Schlucht gestürzt, oder im Wasser des nahen Sees.

Als er auch am achten Tag nicht wieder auftaucht, beschliesst man, den Verschwundenen mit Hilfe des Radios zu suchen. Am erstauntesten ist Fredi, als er seinen Namen im Lautsprecher hört. Im gleichen Augenblick hört ihn auch der Polizist, der ihm gegenübersitzt, erkennt ihn und bringt ihn seinen Eltern zurück. Die Erlebnisse des Buben, die Aufregung im Dorf, der Empfang des Gefundenen in der Schule, die Rückkehr ins Elternhaus lesen sich wie ein lustiger, grotesker kleiner Roman und zuletzt sagt der Leser wahrscheinlich, genauso wie Fredi am Schluss seiner Abenteuer: «Und das alles für zwanzig Rappen»
(Klappentext)

TI: Carona (Hauptschauplatz), Melide, Melano, Morcote, Luganersee, Figino, Grancia, Noranco, Montagnola, Caslano, Ponte Tresa, Magliaso, Cassina, Agno, Cadempino Massagno, Besso, Lugano, Brè

12. August 2026

Dort, wo der Berg brennt

Hans Jörg Leu: Dort, wo der Berg brennt,
Edizione Tiramisù, Novaggio, 1997 
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Hans Jörg Leu hat in der Umgebung, die ihm seit Jahren vertraut ist, hingehört und hingesehen. Mit wachem Blick und sicherem Gespür für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Manchmal aus kritischer Distanz, mit feiner Ironie, doch nie verletzend. Dann wieder als stiller Beobachter, Anteil nehmend, Partei ergreifend. Als «narratore», als Geschichtenerzähler, berichtet er von alltäglichen, unglaublichen, skurrilen Begebenheiten. Von damals und von heute, in einer Weise, die stets geprägt ist von seiner Liebe zur kleinen Welt des Malcantone. (Klappentext)

TI: Novaggio, Malcantone, Lugano I: Luino

Hans Jörg Leu
Geboren am 22. August 1926 und aufgewachsen in Baden, studierte Hans Jörg Leu Medizin und promovierte 1951 an der Universität Zürich. Als junger Assistenzarzt am damaligen Militärspital in Novaggio kam er erstmals ins «Dorf», dem er seitdem verbunden blieb. Aus Ferien- und Wochenendaufenthalten im Haus am wilden, grünen Hang am Dorfrand wurde 1991 ein Daueraufenthalt in einem Rustico mitten im alten Dorfkern.

Er wohnte in Baden und war während Jahren in Zürich als Professor für Gefäss-Pathologie am Universitätsspital, mit Lehrauftrag für allgemeine und spezielle Pathologie an der Universität, tätig. Er publizierte wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge in verschiedenen Ländern und redigierte zwei internationale Fachzeitschriften. Daneben schrieb er Glossen, Satiren und Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und auch als Buch («Nun hab’ ich es doch geschrieben», 1991, Verlag Hans Huber, Bern) erschienen sind.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Hans Jörg Leu mit Malerei in Oel und Acryl, mit Linol- und Holzschnitten, seine Werke waren regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aus seinem umfangreichen Werk stammen auch die Illustrationen in diesem Buch. Hans Jörg Leu verstarb am 3. Mai 2023 im Alter von 96 Jahren.

(Quellen: Kurzbiografie aus dem vorliegenden Buch, Lebensdaten aus der Todesanzeige, erschienen in der Aargauer Zeitung.)

6. August 2026

Der böse Trieb

Alfred Bodenheimer: Der Böse Trieb,
Kampa, Zürich, 2021
Eigentlich hat Rabbi Klein in seiner Zürcher Gemeinde genug zu tun, doch als in Inzlingen kurz hinter der deutschen Grenze der Zahnarzt Viktor Ehrenreich erschossen wird, fühlt sich Klein zu einem Kondolenzbesuch bei dessen Ehefrau Sonja verpflichtet. Schliesslich kannte er den Toten gut: Jedes Jahr zu Beginn des Monats Elul hat er eine «Sichat Nefesch», ein Seelengespräch, mit ihm geführt. Steht der Mord mit den Eheproblemen der Ehrenreichs in Verbindung? Oder hat er mit der Mussar-Bewegung und Viktors regelmäßigen Reisen in den Kongo zu tun? Und welche Rolle spielt Sonjas Freundin Anouk Kriesi, die mit ihrem Mann einen dubiosen Youtube-Kanal unterhält? Klein beginnt auf eigene Faust zu ermitteln – nicht nur, weil er den zuständigen Kommissar Unmüssig nicht ausstehen kann, sondern auch, um sich nicht mit seinen eigenen Problemen beschäftigen zu müssen: Er hat sich so mächtige Feinde gemacht, dass ihm ein Berufsverbot droht. Das Schlimmste aber ist, dass Rivka wütend auf ihn ist: Denkt Klein zwischen seinen ganzen Verpflichtungen vielleicht auch mal an seine Frau und seine Töchter? (Klappentext)

AG: Rheinfelden, Möhlin, Würenlos BS: Eiserne Hand, Stadt Basel, Riehen GR: Arosa ZH: Stadt Zürich D: Inzlingen, Lörrach, Rheinfelden, Bad Bellingen, Freiburg i.Br., Frankfurt a.M. CD: Lubambashi IL: Tel Aviv

3. August 2026

Ein Polizist auf weiter Flur

Daniel Grob: Ein Polizist auf weiter
Flur, Zytglogge, Basel, 2022
Konrad Bühler ist der erste Polizist in einer Kleinstadt im Mittelland in den Siebzigerjahren. Die Bewohner müssen sich noch an ihn und seine Funktion gewöhnen. Und kaum hat er seinen Posten angetreten, taucht eine Seuche auf: die Tollwut! Sie verunsichert die Menschen, und Bühler wird bedroht und mit nächtlichen Telefonanrufen terrorisiert, weil er kranke Tiere von ihrem Leiden erlösen muss, um die Bevölkerung zu schützen. 

Der Polizist, der eigentlich gerne Bauer geworden wäre, führt seinen Auftrag trotzdem gewissenhaft und mit grosser Achtung vor Menschen und Tieren weiter, bis er beinahe daran zerbricht. Neben der Ignoranz der Mächtigen, Unwissenheit und aufgewiegeltem Hass macht ihm vor allem der arrogante Tierarzt Doktor Ludwig zu schaffen, der alles tut, um den Polizisten kaltzustellen. (Klappentext)

31. Juli 2026

Mit Wilhelm Busch auf Reisen

Hans Stengel (Hrsg.): Mit Wilhelm Busch
auf Reisen, Droste Verlag, Düsseldorf, 
1985 
«Leicht reisefertig ist zumeist
Ein Mensch, wenn er als Dichter reist.»
Wilhelm Busch, des Bählamms Dichtervater,
Selber manche Reise tat er.
Per pedes, Kutsche oder Bahn
Sah er sich manches gründlich an.
Hat es gemalt und auch gereimt,
Was ungereimt am Reisen scheint,
Was fröhlich stimmt und auch verdrossen,
Aufgeschrieben für die Zeitgenossen.

Was er erfuhr, kaum ist’s zu glauben,
Will auch fürs Reisen heute taugen.
In City-Jet und Campingwagen
Stell’n sich oft die gleichen Fragen,
Hat man nämliches erlebt,
Was einst des Dichters Herz bewegt.

Bei Droste ist es nun vereint,
Was Wilhelm Busch zum Reisen meint.
Glücklich ist der Mensch zu preisen
«Mit Wilhelm Busch auf Reisen».

(Klappentext)

28. Juli 2026

Reise durch einen einsamen Kontinent

Andreas Altmann: Reise durch einen
einsamen Kontinent, Rowohlt, Reinbek
b. Hamburg, 2009
Ob Señora Botero de Mejía, eine Greisin, die durch die Strassen von Bogotá zieht und Nahrungsmittel an die Ärmsten verteilt, ober der Schuhputzer Xavier in Ecuador, der sich für die Geheimnisse der Sprache interessiert, ob eifersüchtige Rentner oder strenggläubige sechzehnjährige Mütter: Andreas Altmann destilliert aus ihren Lebensgeschichten ein unsentimentales Porträt des heutigen Südamerikas und zeigt, dass Gier und Zerstörung nur eine Handbreit von Barmherzigkeit und Liebe entfernt sind. (Klappentext)

25. Juli 2026

Die Kinderfrau

Petros Markaris: Die Kinderfrau,
Diogenes, Zürich, 2009
Was macht ein Athener Kommissar in Istanbul? Das fragt sich Kostas Charitos auch. Ferien waren noch nie seine Sache, und diesmal sind sie sogar erzwungen: Die Reise nach Istanbul ist der verzweifelte Versuch, Abstand zu gewinnen. Denn Tochter Katerina hat ‹nur› standesamtlich geheiratet; dabei hätten sich Kostas und seine Frau Adriani so sehr eine traditionelle Hochzeit gewünscht. Doch bald ereilt die Polizeiarbeit den Kommissar und erlöst ihn von Familiendiskussionen, Gruppenführungen und ähnlichem Klimbim.

Als Verbindungsbeamter zur türkischen Kriminalpolizei soll Kostas Charitos den Fall einer neunzigjährigen Griechin übernehmen, die allem Anschein nach ihren Bruder getötet hat und nach Istanbul geflüchtet ist – in die Stadt, in der sie, wie sich herausstellt, noch ein paar alte Rechnungen zu begleichen hat. Auf türkischer Seite kümmert sich Kommissar Murat Saglam um den Fall – ein junger Kollege, der in Deutschland aufgewachsen ist und mit dem Charitos schnell ein wechselseitiges Misstrauen verbindet. Petros Markaris präsentiert mit ‹Die Kinderfrau› einen Kriminalroman voller Witz und Nostalgie – sein bisher persönlichstes Buch. (Inhaltsangabe zum Buch)

TR: Istanbul (Hauptschauplatz), Trabzon, Giresun

22. Juli 2026

Dieses endlose Schweigen

Sandrine Fabbri: Dieses endlose Schweigen,
Lenos, Basel, 2011
Eines Tages endet plötzlich die Kindheit. Vor einem Körper, der aus dem vierten Stock gefallen ist. Direkt auf den Asphalt. Nach dem Unaussprechlichen wird die Mutter, die gestorben ist, totgeschwiegen. Die Hinterbliebenen, Vater und Tochter, sind fortan auf sich selbst zurückgeworfen. Doch wie leben mit der Lücke, die die Mutter hinterlassen hat? Wie überleben inmitten der Stille, der Lügen, die um die Fortgegangene gesponnen werden

Jahre später, als auch der Vater nicht mehr lebt, sucht die inzwischen erwachsene Tochter nach der Wahrheit über den Selbstmord, der als Unfall ausgegeben wurde. Wer war ihre Mutter, sie, die Genferin aus der Bohème, die einen jugoslawischen Einwanderer geheiratet hatte? Die Tochter beginnt nachzuforschen, taucht in die Tristesse einer Genfer Satellitenstadt ein, streift die Welt der Psychiatrie und stösst dabei auf weitere Tragödien in ihrer Familie.

Sandrine Fabbris Debütroman über ein Kind, das auf brutalste Weise von seiner Mutter verlassen wurde, ist schrecklich und prächtig zugleich. Ob Autofiktion oder Autobiographie, die Autorin überzeugt durch die Kraft ihres atemlosen und poetischen Stils.
(Klappentext)

GE: Stadt Genf, Meyrin (Cité Ciel Bleu) ZH: Stadt Zürich I: Rimini, Alassio, Abano, Venedig SLO: Lokavec

19. Juli 2026

Grosse Entdecker

Hans-Joachim Löwer + Alexandra Schlüter:
Grosse Entdecker, Piper, München, 2011
Ob Christoph Kolumbus, Fernando de Magellan oder Mary Kingsley: Die Pioniere vergangener Zeiten schrieben Geschichte, entdeckten neue Länder, umsegelten die Welt, bezwangen Wüsten, lieferten sich Wettläufe zu den Polen. Sie kehrten als Eroberer, Helden oder Verlierer zurück. Und manch einer bezahlte seine Entdeckerlust mit dem Leben. Die 100 bedeutendsten Forscher und Entdecker, bekannte und weniger bekannte, versammelt dieses kompakte und spannende Leselexikon. (Klappentext)

Was der Klappentext verschweigt: Auch manch ein Entdeckter bezahlte mit seinem Leben. 

13. Juli 2026

Adieu Paris, Adieu Catherine

Eveline Hasler: Adieu Paris, Adieu Catherine,
Benziger, Einsiedeln/Zürich/Köln, 1966
In diesem Jugendroman geht es um das Erwachsenwerden, soziale Klassen und die erste Liebe vor der Kulisse der Weltmetropole Paris. Im Mittelpunkt steht Catherine, ein junges Mädchen aus der Schweiz, das für eine gewisse Zeit nach Paris geht, um dort in einer französischen Familie als Au-pair zu arbeiten. Die Autorin, die selbst in Paris Psychologie und Geschichte studiert hat, nutzt ihre Erfahrungen, um die Kontraste zwischen der glitzernden Pariser Oberschicht und dem harten Alltag der einfachen Leute realistisch zu schildern. Die junge Schweizerin muss sich in der fremden Grossstadt behaupten und lernt die Welt der Pariser Jugend kennen. Während ihres Aufenthalts durchlebt sie tiefe persönliche Entwicklungen, erste grosse Verliebtheiten, aber auch Enttäuschungen.

Der Titel «Adieu Paris, adieu Catherine» deutet bereits an, dass es sich um eine prägende Lebensphase handelt. Am Ende der Erzählung lässt die Protagonistin diese turbulente Zeit und die gewonnenen Freunde hinter sich, um in ihre Heimat zurückzukehren – ein Abschied, der sowohl schmerzhaft ist als auch einen Reifeprozess markiert. Das Buch zeichnet sich durch seinen feinfühligen, realistischen Schreibstil aus und fängt den Zeitgeist der 1960er-Jahre in Frankreichs Hauptstadt gekonnt ein.

F: Paris

10. Juli 2026

Kirchweihmord

Friederike Schmöe: Kirchweihmord,
Gmeiner, Messkirch, 2005
Mordsstimmung und Aufregung in Bamberg. Kurz vor der Sandkirchweih, dem berühmten Volksfest der Stadt, treibt eine Tote im Fluss. Beunruhigend ist, dass die junge Frau an einer Ricin-Vergiftung gestorben ist.

Privatdetektivin Katinka Palfy, gerade mit der Suche nach einer verschwundenen Ehefrau beauftragt, vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen und ermittelt fieberhaft in alle Richtungen. Da ereignet sich ein weiterer Todesfall. Am Kirchweihfreitag stirbt ein Mann im Gedränge der Altstadt. Wieder war Ricin im Spiel. Und an der Tür ihrer Detektei klebt ein Erpresserbrief: Wenn sie ihre Ermittlungen nicht einstellt, wird Bambergs grösste Sause ein giftiges Desaster erleben. Katinka steht unter Druck: Vor dem beliebten Fischerstechen am Kirchweihsonntag muss sie die Karten der Verdächtigen neu gemischt haben …
(Inhaltsangabe im Buch)

D: Bamberg (Hauptschauplatz), Schesslitz

7. Juli 2026

Das zitronengelbe Haus

Monica Bentiveni: Das zitronengelbe
Haus, Eugen Salzer Verlag, Heilbronn,
1986
In Deutschland aufgewachsen, mit einem Schweizer verheiratet, hat Monica Bentiveni im ererbten Haus in der Nähe von Mendrisio eine dritte Heimat gefunden. Sie hat Italienisch gelernt und kann nun im Dorfleben mitmachen oder sich die Ereignisse berichten lassen. Für ihren neuen Band Tessiner Erzählungen – betitelt «Das zitronengelbe Haus» – schöpft sie also aus dem vollen. Im Dorf wohnen Leute verschiedener Stände, aber sie halten zusammen, und an Gesprächsstoff fehlt es nirgends. Ausser ihrem offenkundigen Interesse für Menschen und alles Menschliche besitzt Monica Bentiveni ein spontanes und frisch-fröhliches Erzähltalent, das auch ohne psychologische Bohrungen den Ursachen und Wirkungen gerecht wird. Dazu schreibt sie ein natürliches und gutes Deutsch, so fliessend und bildhaft, dass das Lesen eine Freude ist. Rini Widmers Umschlagbild und die neun schwarz-weiss Zeichnungen sind vortrefflich auf den Inhalt des unprätentiösen Werkleins abgestimmt. (Klappentext)

TI: Mendrisiotto, Mendrisio, Lugano, Cademario

4. Juli 2026

Schienenbummel Schweiz

Jean-Michel Hartmann, Will-H. Wenger: Schienenbummel Schweiz, Ott, Thun, 1978

In der grossartigen Landschaft der Schweiz haben die Eisenbahnbauer dem Fotografen Motive bereitgestellt, die Jean-Michel Hartmann mit Meisterschaft einfängt. Er vereint seinen angeborenen Kunstsinn mit der Präzision des guten Schützen, dessen Auge genau ins Schwarze zielt. Nach «Magie du rail», der ihm 1960 den «Prix Chatrian» einbrachte, nach «Zauber der Schiene» (1961), «Adieu Dampflok» (1966) und «Dampflokomotiven in Deutschland» (1974) schenkt er uns nun mit «Schienenbummel» eine neue Probe seines Talents. Die Idee dazu stammt von Will-H. Wenger, dem ehemaligen Pressechef der Schweizerischen Bundesbahnen und gewesenen Direktor der Zentralstelle für Öffentlichkeitsarbeit des Internationalen Eisenbahn-Verbandes, 1970 selber mit dem «Prix Chatrian» für sein Werk «Die Eisenbahnen der Welt» ausgezeichnet. 

211 Fotos, davon 28 farbige, verschaffen den Freunden der Eisenbahn und der Berge, den Freunden alter Gemäuer und besonnter Rebberge das Vergnügen, Bekanntschaft zu schliessen mit der unvergleichlichen Stimmung erhabener Augenblicke, mit Bildern, von welchen man sich nur schwer lösen kann. Das Mittelland und die Voralpen sind ebenso reich an eindrucksvollen Motiven, denen in absehbarer Zeit ein zweiter Band gewidmet werden soll. (Klappentext)

1. Juli 2026

Eisenbahnstadt Olten

Johannes von Arx: Eisenbahnstadt Olten, Weltbild Verlag, Verlag Oltner Tagblatt, Olten, 1997

Das SBB-Jubiläumsjahr 1997 «150 Jahre Schweizer Bahnen rückt auch die Eisenbahnstadt Olten ins Blickfeld, ist doch ihre Geschichte eng mit dem schweizerischen Bahnwesen verknüpft.

1956 ist aus der Feder des unvergesslichen Dr. Urs Wiesli ein Werk mit dem Titel «100 Jahre Eisenbahnstadt Olten erschienen. Die vorliegende Publikation bringt eine gekürzte Zusammenfassung des damaligen Textes, skizziert sodann die facettenreiche Entwicklung der Stadt und ihres Bahnhofs in den vergangenen 40 Jahren und schliesst mit einem faszinierenden Ausblick auf künftige Gestaltungsmöglichkeiten. Das Buch ist mit z.T. historischem Bildmaterial und farbigen Abbildungen reich illustriert.

Wie der Oltner Bahnhof samt der Zentralwerkstätte, oder wie sie heute heisst, der Hauptwerkstätte «HW Olten, zum Koordinatenkreuz des schweizerischen Bahnsystems geworden ist, bildet ein spannungsreiches Kapitel der neueren Schweizer Geschichte. Es legt Zeugnis ab von der Tatkraft sowohl der Eisenbahnpioniere des letzten Jahrhunderts als auch der politischen Behörde von Stadt und Region Olten. Als Zeitgenossen erinnern wir uns an das Drum und Dran der Projektierung einer neuen Bahnlinie durch das Ruttigertäli – wo ein Landschaftsplan den Durchbruch zu einer allseits befriedigenden Lösung gebracht hatte – oder an die Pläne für einen grossen Rangierbahnhof im Niederamt – auf die wegen der politischen Widerstände verzichtet wurde, mit Recht, wie sich später zeigte. Jetzt sind wir Zeugen einer beeindruckenden Neugestaltung des Bahnhofes selbst, die mit dem Stellwerk in den 80er Jahren begonnen hatte und ihre Fortsetzung mit der überaus gefälligen Erneuerung der Personenunterführungen und den zukunftsweisenden Gleisanlagen an der stadtwärts liegenden Westseite gefunden hat.

Solche Abläufe haben ihre Peripetien. Die Bahn 2000 und alles, was sich um die Alpentransversalen abspielt, die verpendelten Fernzüge und die Integration der Schweizer Bahnen in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz eröffnen Perspektiven, zeigen aber auch das Risiko auf, dass der Bahnhof Olten an Stellenwert verlieren könnte. Wenn davon die Rede ist, dass 1997 ein Technologiesprung des Eisenbahnmaterials stattfindet, dann ist auch die HW Olten mit ihrem Arbeitsplatzpotential angesprochen. (Aus dem Vorwort von Leo Schürmann [1917–2002], ehemaliger Präsident der Regionalplanungsgruppe Olten-Gösgen-Gäu)

28. Juni 2026

Caspar

Beate Rothmaier: Caspar, Nagel & Kimche
München/Wien, 2005
Widerwillig nimmt die Schwanenwirtin Kreszenz Borst den Jungen bei sich auf, der in ihrer Schankstube von seiner Mutter und dem Stiefvater zurückgelassen wurde. Er heisst Caspar und trägt einen Zettel um den Hals: ‹Vom Bortzlanmacher Schwartz, Wellische Schweiz›. Aber auf Dauer will die Wirtin Caspar nicht umsonst beherbergen. Sie spricht beim Amtmann Bräm in Exenheim vor, zumal bald schon gemunkelt wird, der Schwartz habe dort Geld hinterlegt.

Aber der Amtmann hat andere Pläne. Caspar kommt zum Bauer Melcher auf den Hof, der kriegt Kostgeld für den Jungen, lässt seine Wut aber trotzdem an ihm aus. Mit Hilfe seiner Freundin Karolin gelingt Caspar Jahre später die Flucht. Porzellanmaler will er werden, wie sein Vater, und er schafft es, in der Porzellanfabrik als Ausputzer angestellt zu werden. Eines Tages steht er seinem Vater leibhaftig gegenüber.

Mit furiosem Tempo und Wortgewalt gestaltet Beate Rothmaier das vergessene, historisch verbürgte Schicksal eines Findelkinds aus dem 18. Jahrhundert zu einem grossartigen Roman.
(Klappentext)

D: Schrezheim und Umgebung (Hauptschauplatz), Ludwigsburg, Jagst (Fluss)

25. Juni 2026

Pietr der Lette

Georges Simenon: Pietr der Lette,
Diogenes, Zürich, 2008
«Kriminalkommissar Maigret von der Ersten Mobilen Einsatztruppe hob den Kopf.» Mit diesem Satz betritt der unvergessliche Kommissar Maigret die Bühne der Weltliteratur.

Pietr der Lette ist der erste namentlich gezeichnete Maigret-Roman von Georges Simenon. Er entstand 1929 im Hafen von Delfzijl, Holland, an Bord seiner kleinen Yacht ‹Ostrogoth›.

In diesem Roman, der in Fécamp, Paris und Bremen spielt, soll Maigret eigentlich nur einen Mann am Bahnhof abholen, der ihm aber schon bei der Ankunft entwischt. Minuten später wird im selben Zug die Leiche eines anderen Reisenden gefunden …, und der sieht dem ersten Reisenden zum Verwechseln ähnlich.
(Klappentext)

F: Paris, Fécamp D: Bremen

22. Juni 2026

Das Wildheuen in Ringgenberg

Gustav Ritschard, Emil Schmocker: Das
Wildheuen in Ringgenberg, Verlag Ritschard/
Schmocker, Unterseen, 1980
Die vorliegende Darstellung einer jetzt nahezu verschwundenen alpinen Wirtschaftsform setzt zum Verständnis eine echte Freude an der Welt der ursprünglichen, aufs engste mit der Natur verbundenen Tätigkeiten voraus, die heute wiederum auf vermehrtes Interesse stossen. Der Wildheuer steht modellhaft da als ein Vertreter des genügsamen und gefahrvollen Lebens unserer Vorfahren, doch wird er, dessen Tätigkeit früher in den Lesebüchern der Volksschule beschrieben wurde, in unserer Zeit mehr genannt als gekannt. Deshalb verdient es besondere Anerkennung, dass in diesem Buch der Wildheuer mit seiner Geschichte, seinen Rechtsnormen, seinen sich aufgrund von Erfahrung entwickelnden Werkzeugen und Arbeitstechniken, seinen Unterkunfts- und Ernährungsgewohnheiten – eingebettet in das Leben – einer Familie und der Dorfgemeinschaft von Ringgenberg – ebenso verständlich wie anschaulich und warmherzig dargestellt wird. Einen breiten Raum nimmt zu Recht die minuziöse Beschreibung der Wegverhältnisse, der Traggeräte und der übrigen Transportmittel ein, denn das Wildheu legt vom steilen Graaggen bis zum hungrigen Maul der Stallgeissen einen weiten Weg zurück.

Die Arbeitswelt der Ringgenberger Wildheuer und ihre Eigenart spiegeln sich nicht nur in besonderen Ausdrücken und Redensarten, sondern auch in heiteren und ernsten Episoden, Gedichten, Erzählungen und Sagen, deren mundartliche Wiedergabe der Monographie einen ganz besonderen Wert verleiht. Die Schilderung der wilden Bergnatur mit ihren Gefahren, aber auch mit ihren Schönheiten, gibt der zeichnerisch vortrefflich ergänzten Darstellung einen grossartigen Rahmen. Es ist ein Verdienst, dass neben der Fülle des Altertümlichen auch die moderne Entwicklung bis zum Helikoptertransport unbefangen notiert wird.

Möge etwas von der Freude, welche die beiden Erforscher dieses Stückes alpiner Volkskultur bei ihrer Arbeit beflügelt hat, auf die Leser übergehen!
(Vorwort von Arnold Niederer, Professor für Volkskunde, Universität Zürich)

19. Juni 2026

Die gelbe Ottomane

Margrit Staub-Hadorn: Die gelbe Ottomane,
Cosmos, Muri b. Bern, 1997
Die freundliche Krankenschwester Ruth findet, ihr Leben laufe wie Wasser über eingeölte Haut, keine Liebe, kein Hass, keine starken Gefühle, bis ein blauer Tonkrug zu Boden fällt und zerbricht …

Der Journalist Jacques ist in Tat und Wahrheit ein U-Boot, bis ihm eines Nachts ein Satz zufliegt, sozusagen der Satz der Sätze …

Der alte Weber steht am Grab von Katharina und erzählt aus seinem Leben. Eigentlich gäbe es da wenig Aussergewöhnliches: immer hart gearbeitet, gespart, die Ehe mit Claire, die Kinder, wäre da nicht die Sache mit der gelben Ottomane, die Weber in seiner Verlobungszeit gekauft hat …

Die junge Sandra lernt einen kauzigen Alten mit einem grossen Schlapphut kennen und ist überzeugt, an einen totalen Spinner geraten zu sein, doch sie hört ihm zu, hört ihm immer aufmerksamer und Iieber zu …

Dieses Buch berichtet von Menschen und ihren Beziehungen, von Liebe und Gewalt, aber auch von Verheimlichtem, Verdrängtem, Abgründigem, den Rissen im Boden ihrer Geschichten.
(Klappentext)

16. Juni 2026

Ruf der Wildnis / Wolfsblut

Jack London: Ruf der Wildnis / Wolfsblut
Fischer, Frankfurt/Main, 1993
In seinen klassischen Tierromanen beschreibt Jack London auf eindrucksvolle Weise die Welt der Goldgräber in Alaska aus der Perspektive der Hunde, die für den Menschen auf der Suche nach dem gelben Metall unentbehrlich waren. In Ruf der Wildnis (1903) geht es um den kalifornischen Haushund Buck, der zur Zeit des Goldrauschs von seiner sicheren Farm im Süden entführt, in den hohen Norden verschifft und dort verkauft wird. Das ehemals zahme Tier entdeckt seine ursprünglichen Instinkte wieder, ohne die es in der Wildnis nicht überleben könnte. Buck wird zum Schlittenhund abgerichtet und gewöhnt sich an die harte Arbeit im ewigen Eis. Nach dem Tod seines Herrn ist das letzte Band zum Menschen zerschnitten und der «Ruf der Wildnis» wird stärker als alles andere: Buck schliesst sich einem Wolfsrudel an und lebt das ursprüngliche Leben seiner Vorfahren. 

Wolfsblut (1906) ist in vielem das Gegenstück zu «Ruf der Wildnis». Ein Wolfshund unterwirft sich einem Menschen freiwillig und fasst schließlich soviel Vertrauen zu ihm, dass er sich sogar an ein Leben in der Zivilisation gewöhnen kann. Ohne die Tiere zu vermenschlichen oder gar verniedlichen zu wollen, gelingt es London, den Leser einen Blick durch Wolfspupillen tun zu lassen, vor denen ein Hase in der Schlinge zappelt oder ein Mensch Feuer entfacht. (Inhaltsangabe im Buch)

10. Juni 2026

Uhren gibt es nicht mehr

André Heller: Uhren gibt es nicht mehr,
Zsolnay, Wien, 2017
Worauf kommt es an im Leben? Was ist wichtig, was weniger? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller, und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André geführt hat, geht es ans Verabschieden.

«Innerlich sieht man sich noch jung und klettert auf Berge und segelt über den Wolfgangsee, freut sich auf den nächsten Tag», sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach und mit gerade 19 den damals doppelt so alten Süsswarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, «dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll» und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe – «das Blödeste überhaupt» - und über Franz Lehar am Klavier in Bad Ischl.

Ein kleines Buch von grosser Weisheit, würdevoll, poetisch, komisch. Und das Dokument einer späten Liebe und grossen Offenheit zwischen Mutter und Sohn.

Elisabeth Heller wurde 1914 in Wien geboren und wuchs in ihrer Heimatstadt und in Südtirol auf. 1933 heiratete sie den Grossindustriellen Stephan Heller. Nach dem «Anschluss» und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb sie mit ihrem ersten Sohn, Fritz, in Wien, während ihr Mann zuerst nach Frankreich und dann nach Grossbritannien emigrierte. Nach dem Tod ihres Mannes, 1958, war sie Directrice des Haute-Couture-Salons von Gertrud Höchsmann. Sie lebte bis zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag in Wien-Hietzing.
(Klappentext)

4. Juni 2026

Deutschlands Nebenbahnen

Gerhard Bank: Deutschlands Nebenbahnen, Kosmos, Stuttgart, 1997
Das Gesicht der Eisenbahn wird sich durch die fortschreitende Modernisierung und Umstrukturierung sowie die Beschaffung einer neuen Fahrzeuggeneration im beginnenden 21. Jahrhundert entscheidend wandeln. Vor allem der Personen- und Güterverkehr auf den Nebenbahnen in strukturschwachen Regionen ist hiervon betroffen. Regioliner, Regioshuttle und andere moderne Konstruktionen lassen die letzten vertrauten Weggesellen wie Schienenbusse und V-100-Baureihen – sofern sie nicht bereits aus dem Betriebsdienst verabschiedet sind - nach und nach auf das Abstellgleis rollen.

Noch einmal führt eine beschauliche Reise «abseits der Magistralen» über die oftmals stillgelegten oder privatisierten Regelspurgleise der deutschen Staatsbahnen und durch die letzten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Eine beeindruckende Auswahl von 145 Farbfotos aus den Archiven bekannter Eisenbahnfotografen präsentiert sich dem Leser: Mehr als 25 verschiedene Triebfahrzeuggattungen, darunter die Akkutriebwagen der Baureihen 515 und 51 7, die «Eierköpfe» 612/13, Klein - und Rangierlokomotiven, die Diesellokbaureihen 118, 119, 120 und 132 der DR, die Altbau- Elloks E 18, E 44, E 44.5, E 69 und E 94 spiegeln eine vergangene Vielfalt wider. Der Einsatz der rekonstruierten Reichsbahndampflokomotiven der Baureihen 50 und 52 wird mit besonders ausgesuchten Bildern dokumentiert. Darüber hinaus zeigt sich eine intakte Infrastruktur in der Fülle ihrer Erscheinungsformen: Signalbrücken und Flügelsignale, Schrankenposten und Bahnhöfe in klassischer Eisenbahnarchitektur.

Übergaben, Nahgüter- und Umleiterzüge bis hin zum letzten GmP der DB AG, Reko-, Umbau- und Altbaureisezugwagen erinnern an einen abwechslungsreichen Eisenbahnalltag, wobei auch der Übergang zur neuen Eisenbahn aufgezeigt wird.

Der Betrachter erlebt die Eisenbahnlandschaft der Küstenregionen von Nord- und Ostsee, der norddeutschen Tiefebene, der Mittelgebirge bis zu den Alpen und dem Oberlauf der Donau im Wandel der vier Jahreszeiten.

Viele der Aufnahmen sind mittlerweile historisch und somit ein Zeugnis einer ausklingenden Epoche. Ausführliche Bildtexte geben detaillierte Informationen über Triebfahrzeuge, Eisenbahnstrecken, das Umfeld der Eisenbahn und die kleinen Erlebnisse am Schienenstrang.
(Klappentext)

1. Juni 2026

Der Spaziergang

Robert Walser: Der Spaziergang (inkl.
Prosastücke und Kleine Prosa, Suhrkamp,
Zürich + Frankfurt/Main, 1985
Der vorliegende Band enthält die ersten der in schweizerischen Verlagen erschienenen Prosa-Publikationen Robert Walsers. Er setzt ein mit der 1916 entstandenen Urfassung der Erzählung «Der Spaziergang», die Eduard Korrodi 1917 in der «Neuen Zürcher Zeitung» rühmte: dieser Text sei «eine so glückliche Mischung aus Einfalt und höchster Klugheit, dass sich einer noch lange den Wind um die Nase blasen lassen kann», bis er wisse, ob dieser planlose Spaziergang aus einer künstlerischen Faulenzertechnik entstanden sei, oder ob dieses Schlendern «ohne Zweck und Ziel vom Künstler erwogen und für gut befunden worden ist.»

Die sich anschliessenden Sammlungen «Prosastücke» (1916) und «Kleine Prosa» (1917) enthalten die wohl unbekanntesten der von Walser selbst veröffentlichten Arbeiten, da sie nur in winzigen Auflagen erschienen sind. Dabei sind diese aus Märchen, Aufsätzen, Erzählungen, Bildbeschreibungen und literarischen Portraits komponierten Bände mit Stücken wie «Basta» und «Schneien», mit der Liebesgeschichte «Luise» und der autobiographisch gefärbten Erzählung «Tobold» Höhepunkte Walserscher Prosa. Hermann Hesse zählte diese Kleinepik mit ihrer «magischen Verliebtheit in die Sprache zur graziösesten deutschen Prosa, die noch nicht übertroffen oder im Geringsten veraltet» sei.
(Inhaltsangabe im Buch)

29. Mai 2026

Edition Wanderwerk – die Chronologie 1

Wie ich zum Verleger wurde

Mitte der 1990er-Jahre keimte in mir der Wunsch, ein Buch zu schreiben, dieses auch selber zu gestalten und zu veröffentlichen. Doch zu jener Zeit waren dies für mich unüberwindbare Hürden. Einerseits fehlte mir eine entsprechendes Desktop-Publishing-Programm und andererseits das nötige Kleingeld, um den Druck eines Buches finanzieren zu können. Und von den Vertriebsmöglichkeiten gar nicht zu reden ...

Mit der galoppierend fortschreitenden Entwicklung der gesamten Informatikbranche, wurden in den Nullerjahren die Möglichkeiten für das sogenannte Self-Publishing erheblich erleichtert. Die Firma Adobe machte mit seinem Programm «InDesign» dem damaligen Branchenkrösus «Quark» sein «QuarkXPress» streitig, indem ersteres um einiges billiger und in der Handhabung auch etliches einfacher war.

Ich nutzte also die Gunst der Stunde, beschaffte mir das «InDesign CS2» und begann, mich anhand von Fachliteratur in das unendlich weite Feld der typografischen Gestaltung zu vertiefen. Gleichzeitig galt es, dieses «InDesign» als Benutzer zu begreifen, denn, in gewissen Fällen funktionierte das Programm völlig anders als das mir bis dahin vertraute «Word» von Microsoft. Nebenbei bemerkt: Wenn du einmal mit einem professionellen Layout-Programm arbeitest, dann verfluchst du dieses «Word» beinahe täglich.

Die stilsichere Buchgestaltung ist das eine, das Finden einer qualitativ guten aber dennoch preisgünstigen Druckerei  das andere. Fündig wurde ich schliesslich bei einer Online-Druckerei in Berlin, wo ich die ersten 150 Exemplare herstellen liess. (Aufgrund der exorbitanten Preise und Auflagenstärken fielen  sämtliche Anbieter in der Schweiz ausser Rang und Traktanden.)

Währenddem ich nach der Erteilung des «Gut-zum-Druck» auf die Lieferung der Bücher wartete, gestaltete unter www.wanderwerk.ch eine Webseite, auf welcher das Buch präsentiert wurde und ergo auch bestellt werden konnte. Gleichzeitig bereitete ich ein Presse-Comuniqué an die Lokalzeitungen vor, das ich nach Erhalt der Bücher versenden würde.

Das Cover der ersten zwei Auflagen
Im März 2009 war es dann soweit: Ich hielt mein erstes selbstgeschriebenes und -gestaltetes Buch in den Händen «Schritt für Schritt» lautete sein Titel und vereinigte «63 Wandertaten in der Schweiz und Umgebung». Der Klappentext beschreibt das Buch so: Seit seiner Jugend wandert René P. Moor ohne Unterlass. «Das Leben ist zu kurz, um nicht zu Fuss zu gehen», lautet das Credo. Die «Wandertaten», wie er seine Unternehmungen per pedes nennt, führen ihn in alle Landesteile der Schweiz sowie ins angrenzende Ausland. Mal geht es auf verschwundenen Pfaden durch die Wildnis des Tessins, mal durch die Ödnis der Oltner Agglomeration, dann auf stillgelegter Bahnlinie durch den Bregenzerwald, über Stock und Stein dem Sonnenaufgang entgegen, auf dem Jakobsweg zu kulturhistorisch bedeutsamen Stätten oder zum vermeintlichen Mittelpunkt der Schweiz. Und wenn es sein muss, trägt er auch mal einen Barhocker auf einen Alpengipfel oder schreitet in einem Tag sämtliche Strassen und Wege einer politischen Gemeinde ab.

Angelica Schorre von der Zeitschrift «Wanderland» schrieb zu meinem Erstling: Augen und Herz sind offen für das unspektakulär Schöne, für das unfreiwillig Komische. In seinen «Wandertaten» erzählt Moor liebenswürdig-frech darüber.

Das Cover der dritten Auflage
Die Resonanz in der Öffentlichkeit war für ein solches Werk erfreulich. Nicht nur der «Berner Oberländer» und das «Thuner Tagblatt» berichteten darüber, auch Wanderkolumnist Thomas Widmer erwähnte «Schritt für Schritt» in der «Weltwoche». Sowohl Privatpersonen als auch Buchhandlungen bestellten das Buch, weshalb ich schon bald eine zweite Auflage drucken lassen musste. Und weil auch die recht schnell wieder vergriffen war, ich jedoch mit der Berliner Druckerei sowie meiner typografischen Gestaltung noch nicht ganz glücklich war, machte ich mich auf die Suche nach einer anderen Druckerei und gestaltete das Buch neu. Die dritte Auflage kann nach wie vor in meinem Verlag gekauft werden.