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23. Mai 2026

Magisches Bergland

Diverse Autoren: Magisches Bergland, Die Schweizer Alpenlandschaft im Wechsel von Licht und Schatten, Weite und Engnis, von Wundern und Verwunschenem, veranschaulicht durch 123 Schwarzweiss-Abbildungen und 53 farbige Alpenblumenbilder, Büchler, Wabern b. Bern, 1965


Das hier erwähnte Buch hat zwar keinen Klappentext, jedoch einen höchst interessanten Schluss in der von Max Niederer verfassten einleitenden Betrachtung. «Höchst interessant» aus meiner Sicht, weil der Text vor über 60 Jahren verfasst worden ist und sich seither in den Alpen leider kaum etwas zum Guten gewendet hat – im Gegenteil:

Der Mensch hat im Lauf seiner Geschichte die Furcht vor der Alpenwelt überwunden – aber auch die Ehrfurcht vor ihr verloren. Sie ist in zunehmendem Mass in den Einflussbereich einer Gesellschaft geraten, deren einseitig technisch-motorische Erlebnisfähigkeit und Empfindungsarmut zahlreiche Regionen in Rummelplätze zu verwandeln droht. Der Höhenflucht des Bergbewohners steht immer mehr eine eigentliche «Tiefenflucht» des Städters gegenüber, der aus seiner selbstgeschaffenen technisierten Welt ausbrechen will, dabei aber häufig Unrast und lärmige Betriebsamkeit wie einen Bazillus in sich trägt und sich dadurch den Zugang zu den stillen Wundern seiner ersehnten Erholungslandschaft selbst verbaut.

Noch ist es nicht zu spät, diese Fehlentwicklung mit ihren Gefahren aufzuhalten. Es ist das Anliegen dieses Buches, zur Besinnung aufzurufen und Ehrfurcht zu wecken gegenüber der grossartigen Urtümlichkeit eines Lebensraumes, in dem jedes Wesen, selbst das unscheinbarste, jede Pflanze, jedes Gewässer, ja jeder Flecken Erde sinnvoller Teil eines Ganzen ist und den Menschen glücklich zu machen vermag.

Und vergessen wir den Bergbewohner nicht! Denn das Bergland von morgen kann weder ein Reservat noch ein Freilichtmuseum sein, sondern nur ein lebendiges Bergland, in dem auch der angestammte Mensch als unentbehrliches Glied einer geschlossenen Lebensgemeinschaft und nicht als eine Art folkloristisches Fossil zu betrachten ist. Diese Verpflichtung einzugehen wäre eine Tat, die unsere Generation sowohl den Vorfahren als auch den Nachkommen schuldig ist.

20. Mai 2025

Eduard Spelterini

Diverse Autoren: Eduard Spelterini, Scheidegger & Spiess, Zürich, 2017
Der Schweizer Eduard Spelterini  (1852–1931) war ein bedeutender Ballonpionier und europaweit bekannt. Ab 1893 nutzte er seine Ballonfahrten für atemberaubende Luftaufnahmen. Als erster Mensch überflog Spelterini die Alpen und fotografierte sie, er verewigte Schweizer Städte, aber auch die Pyramiden von Giseh sowie Städte und Landschaften in Ägypten, im Orient und in Südafrika.

Das vorliegende Buch versammelt erstmals seit 1928 die schönsten und spektakulärsten Luftaufnahmen Spelterinis, direkt ab den originalen Glasnegativen reproduziert. Der Schriftsteller Alex Capus zeichnet Spelterinis abenteuerliche Lebensgeschichte nach, weitere Texte beleuchten die die Bedeutung seiner fotografischen und aviatischen Leistungen. (Klappentext)

10. Mai 2025

Neuauflage von Zoppis «Buch von der Alp»

Giuseppe Zoppi / René P. Moor: Das Buch von der
Alp, Edition Wanderwerk, Burgistein 2025
In seinem Erstlingswerk «Das Buch von der Alp», das 1922 auf Italienisch erschien, blickt der 1896 in Broglio (Val Lavizzara/Tessin) geborene Giuseppe Zoppi auf seine Kindheitsjahre zurück, die er im Sommer jeweils auf der Alpe di Brünèsc verbracht hat. Daraus entstanden ist eine Sammlung literarischer Prosatexte, die sich an den geografischen Gegebenheiten der Alp orientiert: Vom kleinen Bergdorf Broglio steigt man vorerst zum Maiensäss Monti di Rima hoch, um hernach zur weitläufigen, dreistafeligen Alpe di Brünèsc zu gelangen.

Rund 110 Jahre nach den Kindheitserlebnissen Zoppis bin ich mit der Kamera den beschriebenen Örtlichkeiten in Zoppis «Buch von der Alp» gefolgt. Hierbei hat mich die Frage angetrieben, was von der damaligen Zeit noch übriggeblieben ist: Gibt es noch Hirten auf der Alpe di Brünèsc? Finde ich den Stein auf Corte Grande, wo der junge Zoppi unzählige Stunden verbracht hat? Wie sieht es mit dem kleinen Bächlein auf Campagna aus? Und was ist mit dem Steinbrunnen auf den Monti di Rima? Ein mehrtägiger Besuch im oberen Maggiatal hat Erstaunliches zu Tage gefördert! Im neulich erschienenen Buch finden sich nebst Zoppis Text 58 stimmige Farbfotos einer Welt, in der heute etliches noch ziemlich genau so ist wie vor über 100 Jahren.

Das durchgehend vierfarbige Buch im Format 17 x 21 cm mit Hardcover und Fadenheftung ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich.

23. Juli 2022

«Indirettissima» ist da!

Reto Küng: Indirettissima, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2022
Inspiriert von der 1983 landesweit legendär gewordenen «Direttissima Schweiz» unternimmt Reto Küng fast 40 Jahre später eine ähnliche Reise: zu Fuss vom nordwestlichsten Zipfel des Kantons Waadt zur südöstlichsten Ecke des Bündnerlandes. Anders als seine Vorgänger sucht der Autor nicht den möglichst direkten Weg. Seine Absicht ist es vielmehr, bislang weniger begangene Gegenden von Jura, Mittelland und Alpen zu bewandern.

An 43 Tagen legt Küng weit über 900 Kilometer zurück. Begleitet vom Wetterglück durchstreift er fantastische Landschaften und fotografiert diese gekonnt. In seinem Erlebnisbericht erzählt er von Begegnungen mit Wildtieren, Beherbergern und mitunter gewalttätigen Einheimischen. Er berichtet aber auch von den Sorgen und Nöten des Fernwanderers, seinen Glücksmomenten und vielem mehr.

Der mit 140 meist grossformatigen Fotos reich bebilderte Band lädt dank einer Etappenübersicht sowie den zur Verfügung gestellten GPS-Tracks zum Nachwandern der wunderbaren Route ein.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich. Hier steht auch eine Leseprobe und ein kurzes Autorenporträt zur Verfügung.

23. März 2022

Wo geht's lang?

Dieter Nuhr: Wo geht's lang? Bastei Lübbe, Köln, 2020
Dieter Nuhr steht seit weit über dreißig Jahren auf der Bühne und ist vielleicht Deutschlands erfolgreichster Kabarettist. Seine Art, unvoreingenommen auf die Dinge zu blicken, provoziert Ideologen aller Couleur. 

Er ist aber nicht nur ein unbestechlicher Kommentator, sondern auch Weltreisender, Autor und bildender Künstler, alles mit gleicher Intensität. Er hat Malerei studiert, heute benutzt er statt Pinsel eine Kamera. Seine Kunst wird international ausgestellt, zuletzt in Shanghai und St. Petersburg. In seinem Bildband zeigt Nuhr 120 bisher ungesehene dokumentarische Fotos von seinen unzähligen Reisen in alle Erdteile. 

In gewohnt unterhaltsamen und pointierten Annotationen erkundet er eine obskure Welt, erzählt Anekdotisches, Nachdenkliches und Witziges und er lässt uns teilhaben an seinen Reflexionen über die absurde Vielfalt des Lebens. Dieter Nuhrs Fotografien feiern die Fremdheit und verweigern sich dem aktuellen Untergangskult. Sie sind überzeugend positiv und optimistisch. (Inhaltsangabe zum Buch)

16. August 2021

Hirtenstock und Käsebrecher

Diverse Autoren: Hirtenstock und Käsebrecher,
Zalpverlag, Mollis, 2010
Schauen und lesen Sie in dreizehn Portraits von Menschen, wie sie heute auf den Alpen leben und arbeiten. Es wird eine Reise vom Jura bis in die Ostschweiz, vom Kuhgatter bis in den Käsekeller, vom Huhn bis zur Mutterkuh, von der jungen Landschaftsarchitektin bis zum weise ergrauten Bauern. Eine Art moderne Volkskunde über die Lebensentwürfe von Hirtinnen und Sennen. Erzählt in Geschichten und Bildern, die über die geblümte Käseetikette hinausgehen, von Autorinnen und Fotografen, die das Alpleben aus eigener Erfahrung kennen. Freuen Sie sich auf ein Alpenglühen mit Achselschweiss. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein wunderbares Buch!

17. März 2021

Das Kamerahandbuch Canon EOS 6D

Holger Haarmeyer, Christian Westphalen: Das
Kamerahandbuch Canon EOS 6D, Galileo Press,
Bonn, 2013
Von den Grundlagen bis zum praktischen Einsatz bei Spiel, Spass und Arbeit – entdecken Sie mit unserem Buch Ihre Canon EOS 6D!  Canons «kleinste» Vollformatkamera bietet ausgereifte Profiqualität in einem sehr ergonomischen Gehäuse. Dieses Buch wird Ihnen helfen, sich schnell mit der Technik und den Funktionen der EOS 6D vertraut zu machen, die mitgelieferten Amateurprogramme hinter sich zu lassen und die beste Bildqualität mit dieser rundum gelungenen Kamera zu erzielen! 

Sie lernen, wie Sie den Autofokus der EOS 6D richtig nutzen, die Belichtung steuern, mit der Kamera filmen sowie mit Blitz- und Studiolicht umgehen. Sie entdecken die passenden Objektive für das Vollformat und sinnvolles Zubehör. Und nicht zuletzt erfahren Sie, welche Erkenntnisse Holger Haarmeyer und Christian Westphalen beim praktischen Einsatz der EOS 6D im realen Leben gewonnen haben: von der Porträt- und Naturfotografie bis zum Filmen. Zahlreiche Praxistipps und die individuelle Konfiguration für Techniken und Motive erleichtern Ihnen den Start mit der EOS 6D. Ein ausführliches Kapitel zeigt Ihnen alle Tasten, Menüs und die Bedienung im Überblick. Inklusive einer praktischen Kurzreferenz mit wichtigen Kamerafunktionen für die Fototasche! (Inhaltsangabe zum Buch)

31. August 2020

Der Test

Hat zwar «nur» 10 Megapixel, überzeugt aber dennoch mit guter Bildqualität: die E-520 von Olympus.

Geniales Weitwinkelzoom mit guter Lichtstärke und
einem Brennweitenbereich von 11–22 mm.
Sie werden schon längst nicht mehr hergestellt, dennoch finde ich die digitalen Spiegelreflexkameras mitsamt den dazugehörigen Objektiven von Olympus nach wie vor formidable Arbeitstiere. Hier ein paar Beispiele, aufgenommen über Mittag mit der Olympus E-520 und dem 11–22 mm f/2.8–3.5-Objektiv. Und nicht unerwähnt sei in diesem Zusammenhang die unverwüstliche Robustheit von Kamera und Objektiv; also genau das Richtige für den Wanderfotografen.

17. Juli 2020

Meine fotografierende Marlboroschachtel

Die Smartphones gelten bekanntlich als Killer der kompakten Digitalkameras. So erleben es zumindest die Hersteller und Verkäufer dieser kleinen Wunderwerke. Wie schade diese Entwicklung ist, habe ich diese Woche einmal mehr erlebt. Als zunehmend begeisterter Benutzer von Olympus-Kameras, ist mir neulich auf einem Jekami-Händlerportal die XZ-10 unter die Augen gekommen, von deren Existenz ich bis dato nicht einmal gewusst habe. Und weil das Interesse an diesem Kamerazwerg derart klein war, ging ich problemlos als Gewinner der Auktion hervor. Selbstverständlich habe ich mich vor der Bieterei im Web über diesen Winzling schlau gemacht. Und da ich mit der grösseren Schwester der XZ-10, der XZ-2, bereits vertraut war, wartete ich gespannt auf das, was mir der Verkäufer zukommen lassen würde.



Und in der Tat kam da genau das, was man mir versprochen hatte: Eine praktisch neue Kamera, oder vielmehr ein «Kameräli» mit Baujahr 2013, das betriebsbereit gerade mal 220 Gramm auf die Waage bringt. Auch die Abmessungen lassen sich in Sachen Kleinheit sehen, wenn man dem überhaupt so sagen darf, denn die Kamera passt nicht nur in jede Hosen- sondern auch in jede Hemdtasche, ohne dass sein Träger zu Schlagseite neigt. Also, die Masse betragen: 102.4 x 61.1 x 34.3 mm (ohne hervorstehende Teile), was etwa der Grösse einer Zigarettenschachtel entspricht.



Doch dies alleine ist nicht der Punkt, denn was die XZ-10, die es längst nicht mehr als neue Kamera zu kaufen gibt, denn 7 Jahre seit dem Markteintritt sind im digitalen Zeitalter eine halbe Ewigkeit – was die Kamera schliesslich ungemein attraktiv macht, sind:
  1. Das lichtstarke Fünffach-Zoom-Objektiv mit einer Lichtstärke von f1.8 bei 26 mm Kleinbildäquivalent und f2.7 bei 130 mm.
  2. Der drehbare Objektivring, der sich programmieren lässt.
  3. Die Einstell- und Funktionsmöglichkeiten, die einer «grossen» Kamera in nichts nachstehen.
  4. Ein Display, auf dem man auch bei grellem Lichteinfall noch sieht, was Sache ist.
  5. Der knackige Akku, der im besten Fall 300 Aufnahmen erlaubt.
  6. Die Bildqualität.


Für einen Leichtgewichts- und Qualitätsfetischisten wie mich ist die XZ-10 von Olympus fast schon so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau. Was mich indes ärgert: Weshalb habe ich von diesem Wunderwerk erst jetzt erfahren, durch Zufall, weil sie jemand in fast ungebrauchtem Zustand loshaben wollte? Ärgern auf sehr hohem Niveau, ich weiss, doch verwunderlich ist es allemal. So oder so, ich bin glücklich über meinen Kauf und möchte es an dieser Stelle nicht unterlassen, die ersten Fotos der XZ-10 zu präsentieren, die diese Woche in der Mittagspause und am Feierabend entstanden sind. Voilà!

Und ja, auf die anstehende Bergwanderung kommt sie selbstverständlich mit.

25. Juni 2020

Oje Olympus!

Wie gestern bekannt wurde, will sich der japanische Olympus-Konzern von seinem traditionsreichen Kamerageschäft trennen, nachdem Smartphones die Branche umgepflügt haben. Die Sparte soll von dem Finanzinvestor Japan Industrial Partners übernommen werden.

Aussen Retro, innen Hightech: Die PEN F ist das unbestrittene Flaggschiff in Sachen Ästhetik.

Das Kamerageschäft von Olympus war in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft und brachte zuletzt nur noch gut fünf Prozent der Konzernerlöse ein. Olympus konzentriert sich inzwischen fast ausschliesslich auf medizinische Ausrüstung. Die Entscheidung, bei Kameratechnik aufzugeben, wurde getroffen, nachdem der Bereich auch nach harten Sanierungsmaßnahmen drei Geschäftsjahre in Folge rote Zahlen verbuchte.
Olympus verwies ausdrücklich darauf, dass die Verbesserung der Smartphones den Kameramarkt rapide schrumpfen liess. Vor allem Topmodelle bieten inzwischen dank der Kombination aus mehreren Objektiven und der Bearbeitung per Software immer bessere Bildqualität. Der Deal soll Ende September abgeschlossen werden. Japan Industrial Partners hatte bereits vor einigen Jahren Sony das Notebook-Geschäft abgekauft und weitergeführt.

Sieht aus wie eine echte Spiegelreflex, ist aber eine nette kleine Spiegellose: die OM-D 10 Mark II
 Als Nutzer von Olympus-Kameras und -Objektiven betrübt mich diese Nachricht, selbst wenn sie nicht unerwartet kommt. Es bleibt letztlich nur zu hoffen, dass die neuen Machthaber mit Vernunft zu regieren wissen, denn im Micro-Four-Third-Bereich gibt es nichts Besseres als eben Olympus. Und: So gut die Bildqualität von Smartphones mittlerweile ist, an die praktischen und technischen Vorteile von «echten» Fotokameras werden sie nie anknüpfen können.

Klein, schön und oho! Die Olympus PEN E-PL 8

25. Mai 2019

Das kleine Glück mit meiner Kleinsten

Mein neustes Pferd im Stall: Die Lumix GM-1 von Panasonic

Vorgestern Abend: Gebraucht-Kamera von Thuner Fotografin gekauft. Das kleinste MFT-Apparätli, das je serienmässig produziert worden ist. Ein Bijou mitsamt tollem Objektiv zu einem schnäppchenhaften Preis. Und alles in einem Zustand, als wäre das Teil gar nie benutzt worden.

Item. Ich: total happy und gestern in der Mittagspause und auf dem Nachhauseweg testfotografierend zugegen. Ich finde, dass sich das Ergebnis durchaus sehen lässt. Mit anderen Worten: Die Kamera und ich, wir verstehen uns bereits (ab)blendend. Die Bildstrecke gibt es hier!

15. September 2017

Fotografieren mit Ansel Adams

Ansel Adams: Meisterphotos, Christian Verlag,
München, 1984, vergriffen.
Die Lektüre des vorliegenden Text-Bildbandes ist in Zeiten der digitalen Fotografie eine wahre Wohltat! Der weltberühmte Ansel Adams (1902–1984) erzählt einfühlsam, wie die hier präsentierten 40 Meisterfotos entstanden sind. Beeindruckend mit welcher Ausrüstung Adams jeweils unterwegs war und wie wenig Bilder er jeweils schiessen konnte. In den Anfängen hatte er nicht einmal einen Belichtungsmesser zur Verfügung! Der Kontrast zu dem Einst und Jetzt könnte nicht grösser sein. Dies macht das Buch umso lesenswerter. Unbewusst holt Adams dabei die omnipräsent gewordene Fotografiererei auf den Boden der Realität zurück und verdeutlicht, was wirkliche Fotografie eigentlich darstellt. Jedes Bild wird mit Bedacht komponiert und der Film mit viel Erfahrung und Fachwissen belichtet.

Nun, ich wäre vermutlich einer der Letzten, der mit einer Ausrüstung à la Adams – diese war mitunter so schwer, dass er sie auf Maultiere lud, um in die entlegenen Winkel Kaliforniens zu gelangen – auf Motivjagd ginge. Dennoch haben mir die Erläuterungen des Meisterfotografen neue Impulse und Ideen geliefert, wie ich inskünftig meine Bilder in den Kasten befördere. Eines möchte ich indes nicht mehr missen: die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Adams entwickelte nicht nur die belichteten Filme selber, er vergrösserte sie hernach im eigenen Labor auf Fotopapier. Eine Arbeit, die ich auch aus eigener Erfahrung kenne. Hier bietet uns die digitale Bildbearbeitung einiges mehr und kommt zudem ohne umweltschädliche Chemikalien aus. Meiner Meinung nach ein gewichtiger Fortschritt in der Geschichte der Fotografie.

Und noch etwas, das mich Adams' Werk lehrt: Die Schwarz-Weiss-Fotografie hat in dieser ach so bunten Welt nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Auf geht's!

27. August 2017

Megapixler reloaded

Vor ein paar Jahren rief ich einen weiteren Blog ins Leben. Den Megapixler. Wie es der Name verrät, handelte es sich um einen Fotoblog, den ich jedoch nach einigen Monaten wieder einstellte. Neulich habe ich einen Neuanfang mit dem Megapixler gewagt und dabei gleich das Design komplett neu gestaltet. Der Blog ist nun mit dem absoluten Minimum an Informationen und Features bestückt, so dass in erster Linie das Bild im Zentrum steht. Und hier ist er also!


8. Oktober 2015

Leuchtend nicht leuchtend

Wie war doch die analoge Fotografie verhältnismässig simpel. Man spielte ein wenig mit der Filmempfindlichkeit, Über- und Unterbelichtung oder schraubte sich irgendwelche Filter ans Objektiv. Da macht es uns die digitale Variante des Lichteinfangens bedeutend schwieriger. Man kauft sich also eine teure Kamera mit eben solchen Objektiven, geht ein erstes Mal auf Motivpirsch, kehrt voller Hoffnung zurück an den PC und ist enttäuscht. Enttäuscht von der Bildqualität. Diese will sich nämlich überhaupt nicht an die Lobeshymnen halten, die in den einschlägigen Bewertungsforen zu lesen sind. Als Fotograf beginnt man in solchen Situationen schon mal an sich selber zu zweifeln. Kamera kaufen, auspacken und unbedarft drauflos fotografieren, das war gestern. Heute gilt es, noch vor dem ersten Bild sämtliche der Dutzenden von Menüs und Untermenüs, die eine High-Tech-Kamera bietet, peinlich genau zu studieren und sich mit den Einstellmöglichkeiten und deren Auswirkungen vertraut zu machen. Ist man davon überzeugt, die Kamera für seine Hauptbedürfnisse richtig konfiguriert zu haben, geht es ans Testen. Genau dies habe ich vergangene Woche während der Mittagspause getan und ging ein wenig im Quartier spazieren. Die Resultate haben mich zuversichtlich gestimmt. Allmählich beginnen sich die Versprechen des Herstellers und die positiven Kommentare der Benutzer mit meinen Erfahrungen zu decken. Geduld und Recherche bringen Blumen, mitunter auch Rosen!







11. Mai 2013

Ein kleiner analog-digitaler Spaziergang

Aus den Anfangstagen meiner bescheidenen Fotografenlaufbahn besitze ich ein kleines technisches Wunderwerk. Es handelt sich um die Retina IIc von Kodak. Die Kamera wurde von 1954–1957 in einer Stückzahl von 136'000 Exemplaren in Deutschland hergestellt und brillierte in der Standardausführung mit einem 50 mm Objektiv (f/2.8) des Glasveredlers Schneider (Kreuznach). Die IIc war für damalige Verhältnisse eine äusserst handliche Knipse mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis und tollen technischen Raffinessen wie etwa der mechanischen Verkupplung von Blende und Verschlusszeit, was dem heutigen Program-Shift entspricht. Auch die industrielle Verarbeitung liess kaum Wünsche offen. Noch heute funktionieren die massiven Bauteile einwandfrei, sodass das Bijou selbst 55 Jahre nach seiner Herstellung benutzt werden könnte, hätte in der Zwischenzeit das Digitale nicht Einzug gehalten.

Zwischen der Retina IIc von Kodak ...


... und der X100S von Fujifilm liegen 55 Jahre Fotokamera-Technologie.


Dies ist meine neuste Anschaffung. Was auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen aus der verstaubten Ecke eines Trödlerladens aussieht, ist in Tat und Wahrheit der neuste Stand der digitalen Kompaktkameratechnologie. Rein optisch hat sich – in der Frontansicht zumindest – nicht viel verändert, was für die Designer der damaligen Zeit spricht. Ganz im Gegensatz zu den ersten digitalen Kameras, die vor gut 15 Jahren auf den Markt gelangten … Die hier abgebildete X100S des japanischen Herstellers Fujifilm übertrifft – mit marginalen Abstrichen im Handling – in vielerlei Hinsicht das bislang auf dem gehobenen Amateur-Fotomarkt Angebotene. Doch davon später mehr.

Die spartanische Rückseite der Retina IIc mit dem damals vielgelobten «grossen, hellen» Sucher.

Der Rücken der X100S ist etwas für Knopf-Fetischisten und High-Tech-Freaks.


Beim Betrachten der Kamerarücken zeigt sich die Evolution von ihrer ungeschminkten Seite. Das x-fache Mehr an Möglichkeiten schlägt sich bei der digitalen Maschine in Form von Tasten, Kippschaltern und Drehrädchen nieder.

Was aber macht die Fujifilm X100S – Nachfolgerin der X100 – so einzigartig? Abgesehen vom stimmigen Retro-Design ist es die geglückte Verquickung von mechanischer Bedienbarkeit und optisch-digitaler Technologie. Von der fest verbauten 23 mm Linse (35 mm KB-Äquivalent) mit f/2.0 und qualitativ hochstehender Vergütung bis zum sensationellen Hybridsucher bietet die Kamera unzählige Möglichkeiten, welche dank ergonomisch gestalteten Menüs schnell und einfach anzuwählen sind. Sowohl Blendenvorwahl als auch Verschlusszeitenvorwahl werden über den Blendenring bzw. das Verschlusszeitendrehrad manuell eingestellt. Wie zu analogen Zeiten eben. Selbstverständlich kann auch vollautomatisch fotografiert werden. Eine echte Invention ist der bereits erwähnte Hybridsucher. Dieser ist nicht nur wirklich gross und hell, er lässt auch zwei verschiedene Betrachtungsmodi zu: rein optisch und digital. Ein Sensor sorgt zudem dafür, dass sich beim Annähern des Auges der Monitor automatisch abschaltet bzw. wieder einschaltet, wenn sich das Auge vom Okular entfernt.

Eine weitere Funktion, die es mir nach ein paar wenigen Versuchen angetan hat, ist die Aufnahme von Panoramabildern. Die Kamera bietet hierfür zwei verschiene Winkel – 120° und 180°. Für die Erstellung eines Panoramas muss die Kamera lediglich in einer nicht zu unterschreitenden Geschwindigkeit in die gewünschte Richtung geschwenkt werden. Das nahtlose Zusammensetzen der automatisch aufgenommenen Bilder besorgt die kamerainterne Software von selber und dies in sensationeller Geschwindigkeit und Qualität. Das schaffte bislang nicht einmal Adobe Photoshop.

Die X100S verfügt über einen 16 Megapixel APS-C X-Trans CMOS II Sensor mit einer etwas anders als üblich gestalteten Farbfilter-Anordnung. Nicht das klassische Bayer-Muster, sondern Fujifilms X-Trans-Sensor der zweiten Generation gelangte zur Anwendung, welcher, ohne in die Details gehen zu wollen, eindeutig der verbesserten Farbwiedergabe dient. Positiv überrascht bin ich von den geringen 16 MP-Dateigrössen. Diese entsprechen etwa jenen meiner 10 MP-Kamera Lumix LX5 von Panasonic.

Blick von oben mit den klassischen Bedienelementen für Blende, Verschlusszeit und Belichtungskorrektur. Der Kipphebel rechts des Objektivs dient zum Ein-/Ausschalten des digitalen Suchers. Der Druckauslöseknopf verfügt über ein Gewinde für Auslösekabel. Auf die unscheinbaren Fn-Taste lässt ich eine benutzerdefinierte Menüfunktion programmieren.


Als letztes Feature erwähne ich den für mich ebenfalls neuen, künstlichen Horizont. In Zusammenarbeit mit dem Gitterraster erleichtert diese Einblendung die Aufnahme von Gebäuden, ebenen Landschaften oder Seeufern enorm und reduziert das Nachbearbeiten am PC auf ein Minimum.

Als weniger erfreulich müssen aus meiner Sicht drei Dinge erwähnt werden. 1. Das in der Regel äusserst praktische Drehrad für die Ansteuerung verschiedenster Funktionen verfügt über keinen Einrastmechanismus. Dies führt dazu, dass nur unpräzise manövriert werden kann. 2. Der ebenfalls in schönem Retrostil gefertigte Objektivdeckel aus Aluminium wird lose geliefert. Ein kleines Schnürchen mit Befestigung am Objektiv oder sonstwo an der Kamerafront würde dem vorprogrammierten Verlust des Deckels effizient entgegen treten. 3. Das Objektiv verfügt über kein Sonnenblendengewinde. Wer eine Sonnenblende haben möchte, erhält dies nur durch den überteuerten Kauf von entsprechendem Zubehör. Eine Kamera dieser Qualitätsklasse hätte dieses Spielchen eigenlich nicht nötig.

Fazit: Die Fujifilm X100S ist für meine Begriffe das Beste, was der Kompaktkameramarkt derzeit zu bieten hat. Die Kamera eignet sich dank der Brennweite hervorragend als Reportage- und/oder Reisekamera. Sowohl Preis-/Leistungs- als auch Gewichts-/Grösse-/Robustheitsverhältnis stimmen für meine Begriffe. Bedienkomfort und Bildqualität sprechen für sich.