27. August 2014

Ausgelatscht


Gestatten, mein Name ist Furka. Etwas sonderbar für einen Wanderschuh, nicht wahr. Ich entstamme der Familie Meindl und wurde vermutlich in Tschechien gezeugt. Vor ein paar Jahren gelangte ich in einer Schachtel in die Schweiz, wo ich monatelang in einem Regal meine Dienste anbot, bis mich Anfang August 2009 ein Mann käuflich erwarb, dem offenbar meine Masse zusagten.

Mei, nun konnte ich endlich beweisen, was ich drauf hatte. Mein Herrchen führte mich regelmässig spazieren, bis zu meinem Ableben im August 2014 insgesamt 141 Mal. Und wo ich meine Fähigkeiten überall unter Beweis stellen konnte! In nicht weniger als 24 Kantonen war ich unterwegs, in Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich – ja, selbst durch das Fürstentum Liechtenstein schritt ich. Am meisten gelitten habe ich bei der Besteigung der Schafnase im Kanton Obwalden. Das unwegsame Gelände mit den scharfkantigen Steinen setzte meinen Nähten arg zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 1228,7 km auf dem Buckel. Weil auch die Profilsohle Abnützungserscheinungen aufzuweisen begann, gelangte ich in der Folge nur noch auf Wanderungen im einfacheren Gelände zum Einsatz. Mit der Zeit litt ich zudem an Innenfutterschwund. War's der Fussschweiss meines Chefs?




Neulich trat ich die letzte Wanderung an. Es ging von Wiler über Gerlafingen und Luterbach nach Solothurn. Alles in allem schaffte ich in den fünf Jahren 2303,3 Kilometer. Hierbei bewältigte ich 100'820 Meter bergauf und 91'310 Meter bergab. Nicht schlecht, oder? Am besten haben sich meine Schnürsenkel gehalten, sehen sie doch aus wie neu. Wenn ich meinen Chef richtig verstanden habe, werden sie noch einmal zum Einsatz gelangen.

23. August 2014

Die Mischung aus der Steinzeit

Ja, ja, ich weiss, das hier abgebildete Buch dürfte nun wirklich keinen mehr gross interessieren, ist es doch bereits 1996 als spezielle Mischung zwischen Trekkingbericht und Trekkingführer erschienen. Leider bin ich aber erst jetzt zum Lesen gekommen und ich finde, dass es eine post hume Erwähnung verdient hat. Der Autor, Alwig Derstvenscheg, schildert uns also 21 Trekkingtouren im schönen Norwegen. Eine davon als Fahrradtour von der Südspitze bis zu den Lofoten, eine andere als Kanufahrt auf dem Telemarkkanal. 12 Touren beschreibt Derstvenscheg aus der Sicht des Trekkers, wie er sich mit den Verhältnissen vor Ort arrangiert. Seine Eindrücke sind richtiggehende Appetitanreger auf das wohl abwechslungsreichste Land Skandinaviens. Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass der Autor meist tagelang mit dem Zelt über das Fjell zog – und zwar zu beinahe jeder Jahreszeit. Das Buch liefert nebst den allernotwendigsten Angaben zu jeder Tour auch eine zusammenfassende Einführung in die für den Wanderer relevanten Gegebenheiten Norwegens, dies ohne eine einzige E-Mail- oder Web-Adresse. Kein Wunder, 1996, das war internetmässige Steinzeit. Wie schnell man doch vergisst.

21. August 2014

Ööhm …


Frei nach dem Werbeslogan des Zürcher Verkehrsverbundes ZVV: «Steig aus, es geht nicht weiter.»

19. August 2014

Staub im Schnee

Ernst Solèr: Staub im Schnee,
Grafit, Dortmund, 2008
Ives Schneider, Moderator und landesweit bekannte ›Glücksfee‹ der schweizerischen Zahlenlotterie, wird brutal ermordet. Die Gerüchteküche brodelt, der Kreis der Verdächtigen ist groß. Denn Schneider verkehrte nicht nur in der Zürcher Schwulenszene,
sondern war auch bekannt für seine Kokain- und Spielsucht und befand sich in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Fred Staub, Hauptmann der Zürcher Kantonspolizei, und sein Team können den Fall binnen kürzester Zeit als klassische Beziehungstat lösen. Die Öffentlichkeit ist voll des Lobes angesichts der raschen Aufklärung – nur Staub ist unzufrieden, ihm geht das Ganze eine Spur zu schnell. Zu Recht, wie sich herausstellt: Denn bei seinen Nachforschungen deckt er einen Skandal auf, der die ganze Nation erschüttert …
(Verlagswebsite)

AG: Spielcasino Baden BS: Stadt Basel SG: Jona ZH: Chäferberg, Zürich, Schweizer Fernsehen Leutschenbach, Wasterkingen bei Rafz, Oerlikon, Nassenwil bei Niederhasli, Klinik Hard Embrach D: Hohentengen

17. August 2014

Ist sie nicht süss?

Diesem Rindli begegnete ich kürzlich auf der Alp Trepsen in den Schwyzer Alpen. Ich fand die Kopfzeichnung sehr besonders, ja süss. Das muss das Tier gespürt haben, begann es doch mit seiner Zunge meine Schuhe zu säubern. Als es sich dann auch noch über das Hosenbein hermachte, musste ich dem Treiben Einhalt gebieten.


15. August 2014

Weg mit den Stahlträgern!

Die neu errichtete Schulhausbrücke über die Gürbe bei Burgistein ist zwar noch nicht ganz fertiggestellt, doch am 13. August 2014, einem windigen aber für einmal trockenen Augusttag, wurde mit dem Entfernen der Hilfsstahlträger begonnen.

13. August 2014

Eine Wanderung, die ich nicht empfehle

Gestern schrittelte ich im Rahmen meines Gemeindebewanderungsprojektes von Dompierre via Missy und Gletterens nach Grandcour. Und was ich gelegentlich bereits bemängelt habe, bewahrheitete sich in der Region Broyetal-Neuenburgersee einmal mehr: Die Freiburger und Waadtländer sind Weltmeister im Verbetonieren und Verteeren ihrer Feld-, Wald- und Wiesenwege. Die Nachahmung dieser Wanderung kann ich wahrlich nicht empfehlen.

Liebe Wanderer, das ist Pfui! 89% oder 13.21 von 14.9 km dieser Route weisen Hartbelag (rot) auf.

Typisches Bild im Broyetal: Gütersträsschen mit Hartbelag, daneben gedeiht subventionierter Tabak.


11. August 2014

Da da da!

Früher als erwartet, aber dennoch keine Frühgeburt: Mein neustes Werk Aargau rundum ist kürzlich erschienen, umfasst 212 Seiten und beschreibt meine Zu-Fuss-Umrundung des Kantons Aargau entlang seiner Gemarkung. Mehr noch: Das Büchlein beinhaltet die Kantonsgeschichte von der Steinzeit bis DJ Bobo. Zudem gebe ich einen repräsentativen Abriss über die Aargauer Literaturszene von Heinrich Zschokke bis Ina Haller. Und das ist freilich noch nicht alles. 20 Exkurse berichten unter anderem über die Geschichte bedeutender Aargauer Firmen, über das Rüebli, die Erfindung des Birchermüeslis, das Aargauer Lied, den Salm, die Bahnhofsuhr von Aarau und natürlich auch über Kernkraftwerke. 19 Etappen benötigte die insgesamt 367,7 km lange Expedition. Als Zugabe kam dann noch eine Achterschleife rund um die Exklave Kloster Fahr hinzu. 21 Karten haben Eingang in diese Art Liebeserklärung an meinen Heimatkanton gefunden, bei der auch die Nachbarkantone nicht zu kurz kommen. Gibt es Gründe, dieses Werk nicht zu kaufen? Vielleicht hier?

9. August 2014

Eine signaletische Rarität

Was hab ich in meiner Wanderkarriere schon alles an Wegweisern gesehen. Unglaublich! Ein Novum ist mir indes vor ein paar Tagen am Neuenburgersee begegnet. Die Beschilderung eines Wanderwegs, den es noch gar nicht gibt. In der angegebenen Richtung versperren Zaun und Dickicht jegliches Durchkommen. Ich war irritiert und kam zum Schluss, dass es sich vermutlich um eine politisch motivierte Aktion der Neuenburger Wanderwegorganisation handeln könnte. Gut möglich, dass sich einer oder mehrere Grundstückbesitzer weigern, den von Gesetzes wegen öffentlichen Zugang ans Seeufer zu gewährleisten, weshalb sich die Signaletiker die Freiheit ausbedungen haben, den zukünftigen Weg vorsorglich zu beschildern.

In Marin-Epagnier (NE) gibt's Wegweiser für Pfade, die es noch gar nicht gibt.

7. August 2014

Ostfriesen Killer

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesen Killer,
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt,
2012
Der erste Fall für Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen: Eine Serie von Morden erschüttert eine kleine Stadt in Ostfriesland. Die Opfer sind alle Mitglieder des Vereins «Regenbogen», der sich um behinderte Menschen, deren Angehörige und Vermögen kümmert. Wer hasst so sehr, dass er sie alle auslöschen will? (Klappentext)

D: Ostfriesland, namentlich: Norden, Süderneuland, Norddeuch, Nessmersiel,  Eversmeer, Ewiges Meer, Aurich, Leer

5. August 2014

Die Koordinate

Auf «Querschnitt Schweiz» folgt «Die Koordinate». Ging ich von 2006 bis 2008 in einem Zwei-Kilometer-Korridor von West nach Ost, so werde ich mich in der kommenden Zeit mit derselben Hartnäckigkeit vom Pruntruter Zipfel südwärts ins Unterwallis durchschlagen. 17 Etappen, 302 Kilometer zu Fuss, 4½ Kilometer mit dem Boot, saloppe 17'000 Meter bergauf und beschwingte 15'735 Meter bergab.

Die Koordinate 574 misst von Grenze zu Grenze 180 Kilometer. Zu Fuss sind es deren 302.

Die Etappen
1    Bonfol – Porrentruy > 17.9 km
2    Porrentruy – St. Brais > 23.5 km
3    St. Brais – Cortébert > 18.3 km
4    Cortébert – La Neuveville > 19.3 km
5    La Neuveville – Murten > 16.3 km + 4.5 km mit Boot   
6    Murten – Matran > 20.1 km
7    Matran – Hauteville > 23.3 km
8    Hauteville – Grandvillard > 19.9 km
9    Grandvillard – Rossinière > 18.1 km
10  Rossinière – Les Aviolats > 19.1 km
11  Les Aviolats – Les Plans-sur-Bex > 21.0 km
12  Les Plans-sur-Bex – Cabane de la Tourche > 10.2 km
13  Cabane de la Tourche – Branson > 17.9 km
14  Branson – Bovernier > 11.2 km
15  Bovernier – Praz de Fort > 16.5 km
16  Praz de Fort – Gîte de la Léchère > 12.5 km
17  Gîte de la Léchère – Ferret > 16.1 km

4. August 2014

Die Vivi Kola-Runde

Am Samstag wanderten wir, ausgehend von Eglisau und daselbst wieder endend, ein unförmiges Oval im Rafzerfeld. Wasterkingen, Hüntwangen, Wil, Rafz und Buchberg waren die wichtigsten Stationen am Weg. Das hübsche Rheinstädtchen Eglisau verfügte einst über eine florierende Mineralwasserfabrik. Nebst dem beispielsweise bekannten Orangina wurde hier seit 1938 das legendär gewordene Vivi Kola hergestellt. Weil unter anderem der Druck der Weltmarktbeherrscher Coca Cola und Pepsi Cola zu gross wurde, verschwand das Produkt 1986 von der Bildfläche. 2008 war es, als der Eglisauer Grafiker, Christian Forrer, die Markenrechte von Vivi Kola erwerben und in der Folge das Getränk zum Leben erwecken konnte. Mit Erfolg! 2010 wurde die dunkle Brause zum ersten Mal nach beinahe 25 Jahren wieder abgefüllt und entwickelte sich im Nu zum Renner.

Lecker, lecker: Das 2010 wieder auferstandene Vivi Kola aus Eglisau (ZH).


Zurück in Eglisau, steuerten wir in der Untergass auf das nett gestylte Vivi Café zu, wo wir das exklusive Gebräu an einem der drei Trottoir-Tischchen die Kehlen runterfliessen liessen. Im Gegensatz zur omnipräsenten Konkurrenz ist Vivi Kola weniger süss, weniger kohlesäurenhaltig und etwas dezenter im Geschmack. Ich fand Gefallen an diesem mit viel Liebe vermarkteten Kultgetränk und empfehle den Besuch des Vivi Cafés wärmstens. Zur Produktelinie gehört auch Kaffee, den die Firma an Dienstagen jeweils röstet. Man beachte die Öffnungszeiten!

3. August 2014

Der Stammbaum

Piero Bianconi: Der Stammbaum, Werner
Classen, Zürich, 1971, vergriffen
Vergangenheit und Gegenwart sind das Thema dieses Buches. Familiengeschichten, wenn man so will, aber welch eine Welt wird sichtbar in den Schicksalen der jungen Tessiner, die, vor und nach der Jahrhundertwende, auszogen das Glück zu finden, angezogen von den magischen Namen Australien und Kalifornien und von der Hoffnung auf Gold und Wohlstand. Aber fast keinem lachte das Glück, nur wenigen wurde die Fremde zur Heimat.

Erschütternd die Briefe, die über den Ozean hin und her gingen. Warnend und beschwörend die Berichte der Heimgekehrten, die dennoch nicht verhindern konnten, dass die Jugend weiterhin die Armut und Kargheit ihrer Dörfer floh, um das Abenteuer zu suchen.

Bianconi schreibt diese Geschichte eines Dorfes, eines Tales, einer Familie stellvertretend für viele andere Tessiner Bergdörfer und zugleich eine zeitgeschichtlich und menschlich bedeutsame Chronik, die sich wie ein Roman liest – nur dass das wahre Leben dahinter steht. (Klappentext)

TI: Valle Verzasca