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15. August 2026

Alles für zwanzig Rappen

Kurt Held: Alles für zwanzig Rappen,
Sauerländer, Aarau, 1951
Fredi, ein Hüterbub, findet auf dem Dorfplatz zwanzig Rappen. Für den Zehnjährigen ein grosser Fund. Da der einzige Dorfladen geschlossen, geht er zu dem nahen Bahnhof, um sein Zwanzigrappenstück in einen Automaten zu werfen. Er gewinnt dabei nicht nur zwei Schachteln, er gerät ausserdem in die seltsamsten Abenteuer; aber während er eine Woche mit Fischern, Zöllnern, Töpfern, Bauern, Schmugglern, Kesselflickern und Viehtreibern verbringt, ist man in seinem Dorf in grösster Sorge um ihn. Vater, Mutter, der Lehrer, die Nachbarn, der Bürgermeister, der Polizist sind in Aufregung und sehen Fredi schon verunglückt. In eine Schlucht gestürzt, oder im Wasser des nahen Sees.

Als er auch am achten Tag nicht wieder auftaucht, beschliesst man, den Verschwundenen mit Hilfe des Radios zu suchen. Am erstauntesten ist Fredi, als er seinen Namen im Lautsprecher hört. Im gleichen Augenblick hört ihn auch der Polizist, der ihm gegenübersitzt, erkennt ihn und bringt ihn seinen Eltern zurück. Die Erlebnisse des Buben, die Aufregung im Dorf, der Empfang des Gefundenen in der Schule, die Rückkehr ins Elternhaus lesen sich wie ein lustiger, grotesker kleiner Roman und zuletzt sagt der Leser wahrscheinlich, genauso wie Fredi am Schluss seiner Abenteuer: «Und das alles für zwanzig Rappen»
(Klappentext)

TI: Carona (Hauptschauplatz), Melide, Melano, Morcote, Luganersee, Figino, Grancia, Noranco, Montagnola, Caslano, Ponte Tresa, Magliaso, Cassina, Agno, Cadempino Massagno, Besso, Lugano, Brè

12. August 2026

Dort, wo der Berg brennt

Hans Jörg Leu: Dort, wo der Berg brennt,
Edizione Tiramisù, Novaggio, 1997 
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Hans Jörg Leu hat in der Umgebung, die ihm seit Jahren vertraut ist, hingehört und hingesehen. Mit wachem Blick und sicherem Gespür für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Manchmal aus kritischer Distanz, mit feiner Ironie, doch nie verletzend. Dann wieder als stiller Beobachter, Anteil nehmend, Partei ergreifend. Als «narratore», als Geschichtenerzähler, berichtet er von alltäglichen, unglaublichen, skurrilen Begebenheiten. Von damals und von heute, in einer Weise, die stets geprägt ist von seiner Liebe zur kleinen Welt des Malcantone. (Klappentext)

TI: Novaggio, Malcantone, Lugano I: Luino

Hans Jörg Leu
Geboren am 22. August 1926 und aufgewachsen in Baden, studierte Hans Jörg Leu Medizin und promovierte 1951 an der Universität Zürich. Als junger Assistenzarzt am damaligen Militärspital in Novaggio kam er erstmals ins «Dorf», dem er seitdem verbunden blieb. Aus Ferien- und Wochenendaufenthalten im Haus am wilden, grünen Hang am Dorfrand wurde 1991 ein Daueraufenthalt in einem Rustico mitten im alten Dorfkern.

Er wohnte in Baden und war während Jahren in Zürich als Professor für Gefäss-Pathologie am Universitätsspital, mit Lehrauftrag für allgemeine und spezielle Pathologie an der Universität, tätig. Er publizierte wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge in verschiedenen Ländern und redigierte zwei internationale Fachzeitschriften. Daneben schrieb er Glossen, Satiren und Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und auch als Buch («Nun hab’ ich es doch geschrieben», 1991, Verlag Hans Huber, Bern) erschienen sind.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Hans Jörg Leu mit Malerei in Oel und Acryl, mit Linol- und Holzschnitten, seine Werke waren regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aus seinem umfangreichen Werk stammen auch die Illustrationen in diesem Buch. Hans Jörg Leu verstarb am 3. Mai 2023 im Alter von 96 Jahren.

(Quellen: Kurzbiografie aus dem vorliegenden Buch, Lebensdaten aus der Todesanzeige, erschienen in der Aargauer Zeitung.)

7. Juli 2026

Das zitronengelbe Haus

Monica Bentiveni: Das zitronengelbe
Haus, Eugen Salzer Verlag, Heilbronn,
1986
In Deutschland aufgewachsen, mit einem Schweizer verheiratet, hat Monica Bentiveni im ererbten Haus in der Nähe von Mendrisio eine dritte Heimat gefunden. Sie hat Italienisch gelernt und kann nun im Dorfleben mitmachen oder sich die Ereignisse berichten lassen. Für ihren neuen Band Tessiner Erzählungen – betitelt «Das zitronengelbe Haus» – schöpft sie also aus dem vollen. Im Dorf wohnen Leute verschiedener Stände, aber sie halten zusammen, und an Gesprächsstoff fehlt es nirgends. Ausser ihrem offenkundigen Interesse für Menschen und alles Menschliche besitzt Monica Bentiveni ein spontanes und frisch-fröhliches Erzähltalent, das auch ohne psychologische Bohrungen den Ursachen und Wirkungen gerecht wird. Dazu schreibt sie ein natürliches und gutes Deutsch, so fliessend und bildhaft, dass das Lesen eine Freude ist. Rini Widmers Umschlagbild und die neun schwarz-weiss Zeichnungen sind vortrefflich auf den Inhalt des unprätentiösen Werkleins abgestimmt. (Klappentext)

TI: Mendrisiotto, Mendrisio, Lugano, Cademario

17. Mai 2026

Tessin

Hermann Hesse: Tessin, Insel,
Frankfurt/Main, 1993
Die Poesie des Tessin, der üppigen Berg- und Seelandschaft südlich des St. Gotthard, findet sich in den Betrachtungen und Gedichten von Hermann Hesse wie auch in den 33 farbig reproduzierten Aquarellen des Dichters. Hesse erweist hier den Bergen und Wäldern, den Rebhängen und Dörfern, den Seetälern und Menschen des Tessin seine Referenz. Stärker, glühender und bildhafter hat keiner das Tessin beschrieben als Hermann Hesse. (Klappentext)

20. April 2026

Ich bleibe hier

Marco Balzano: Ich bleibe hier,
Diogenes, Zürich, 2020
Trina ist eine junge Lehrerin und lebt in Graun, einem hübschen Bergdorf im Vinschgau. Doch die Zeiten sind düster. Die von Hitler und Mussolini ausgehandelte «Grosse Option» zwingt sie, wie alle deutschsprachigen Südtiroler, zu einer Entscheidung: entweder ins Deutsche Reich auszuwandern oder weiter in Italien Bürger zweiter Klasse zu sein. Trina bleibt – obwohl sie in ihrem Dorf nicht als Lehrerin tätig sein darf. Und sie bleibt auch, als nach dem Krieg ihr Dorf einem Stausee weichen soll, einem Energieprojekt, das keine Rücksicht auf Mensch und Natur nimmt.

Marco Balzano erzählt eine Geschichte von Leid, Widerstand und Mut – eine universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen. (Klappentext)

I: Altgraun, Graun, Reschen, Reschensee, St. Valentin, Mals, Glurs, Schluderns, Meran, Bozen, Sondrio TI: Lugano

Mehr über den Reschensee weiss einmal mehr Wikipedia.

Die Gegend von Reschen und Graun vor der Flutung des Stausees 1949/50.

Die Gegend von Reschen und Graun heute.


3. März 2026

Mai in Morcote

Evelyn Peters: Mai in Morcote, Knaur,
München/Zürich, 1979
Urlaub im Tessin – für zwei grundverschiedene Schwestern, Anke und Elsy, ist es weit mehr als eine willkommene Abwechslung vom Alltagseinerlei. Anke – jung und schon verwitwet – ist ausgeglichen, besonnen, überlegen! Elsy dagegen ist ein lebenslustiges, erfolgsverwöhntes Mannequin mit der Angst vor dem Tag, an dem sie nicht mehr gefragt sein wird.

Zum dramatischen Wendepunkt ihres Lebens wird eine nächtliche Gartenparty mit der Schickeria Morcotes. Alles, was Rang und Namen hat, trifft sich hoch über dem Luganersee. Elsy setzt alles auf eine Karte, spielt all ihre verführerischen Reize aus, um den eingebildeten und verheirateten, aber reichen und weltgewandten Gastgeber für sich zu gewinnen.

Anke kann diese Umgebung nicht mehr ertragen und entflieht dem blasierten Geschwätz, dem arroganten Gehabe und der peinlichen Ausgelassenheit der Partygäste. In einer kleinen abgelegenen Trattoria begegnet sie einem Mann, der, durch einen schweren Unfall gezeichnet, sich verbittert in sich selbst zurückgezogen hat.

Während dieser gemeinsamen Ferien in Morcote erleben die beiden Schwestern die Liebe so verschieden, so andersartig, wie sie selbst es sind. Der Autorin ist es gelungen, mit Anke und Elsy zwei beispielhafte Charaktere absolut glaubwürdig und lebendig, differenziert und ergreifend darzustellen Ein bewegender Roman aus unseren Tagen, voller Engagement und Lebensklugheit.
(Klappentext)

TI: Melide, Morcote, Vico Morcote, Bissone, Luganersee, Collina d'Oro, Lugano Gandria, Monte Lema, Malcantone, Pura, Neggio, Magliaso I: Cernobbio, Como, Campione

27. Oktober 2025

Fifty Shades of Herbst


Vor ein paar Tagen gönnte ich mir die lange Reise ins hinterste Onsernonetal. Was ich hier antraf, haute mich beinahe um: eine Farbenorgie sondergleichen. Ein Herbstidyll, als gäbe es keinen Frühling mehr. Und ein – im Gegensatz zur Alpennordseite – Bombenwetter. Sturmtief Benjamin machte sich lediglich mit einem frischen Lüftchen bemerkbar, das indes im Verlaufe des ersten Tages gänzlich abflaute.

Um 17 Uhr erreichte ich meinen bereits im Schatten liegenden Biwakplatz, von dem aus ich das ganze Onsernone bis hin zum Lago Maggiore überblickte. Es zeichnete sich eine kalte Nacht ab, die es dann auch wurde. Am anderen Morgen war der Boden steinhart gefroren, auf dem etwas höher gelegenen See hatte sich am Ufer entlang eine dünne Eisschicht gebildet. Doch die golden gefärbten Lärchen, das rostbraune Gras, gepaart mit einer umwerfenden Aussicht auf die nahen und fernen Gipfel der Tessiner Alpen liessen mich die Kälte vergessen. Meine Kamera lief heiss, die Fotomotive schrien mich förmlich an. Fifty Shades of Herbst. Ich war hin und weg.

10. Mai 2025

Neuauflage von Zoppis «Buch von der Alp»

Giuseppe Zoppi / René P. Moor: Das Buch von der
Alp, Edition Wanderwerk, Burgistein 2025
In seinem Erstlingswerk «Das Buch von der Alp», das 1922 auf Italienisch erschien, blickt der 1896 in Broglio (Val Lavizzara/Tessin) geborene Giuseppe Zoppi auf seine Kindheitsjahre zurück, die er im Sommer jeweils auf der Alpe di Brünèsc verbracht hat. Daraus entstanden ist eine Sammlung literarischer Prosatexte, die sich an den geografischen Gegebenheiten der Alp orientiert: Vom kleinen Bergdorf Broglio steigt man vorerst zum Maiensäss Monti di Rima hoch, um hernach zur weitläufigen, dreistafeligen Alpe di Brünèsc zu gelangen.

Rund 110 Jahre nach den Kindheitserlebnissen Zoppis bin ich mit der Kamera den beschriebenen Örtlichkeiten in Zoppis «Buch von der Alp» gefolgt. Hierbei hat mich die Frage angetrieben, was von der damaligen Zeit noch übriggeblieben ist: Gibt es noch Hirten auf der Alpe di Brünèsc? Finde ich den Stein auf Corte Grande, wo der junge Zoppi unzählige Stunden verbracht hat? Wie sieht es mit dem kleinen Bächlein auf Campagna aus? Und was ist mit dem Steinbrunnen auf den Monti di Rima? Ein mehrtägiger Besuch im oberen Maggiatal hat Erstaunliches zu Tage gefördert! Im neulich erschienenen Buch finden sich nebst Zoppis Text 58 stimmige Farbfotos einer Welt, in der heute etliches noch ziemlich genau so ist wie vor über 100 Jahren.

Das durchgehend vierfarbige Buch im Format 17 x 21 cm mit Hardcover und Fadenheftung ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich.

7. Juli 2024

Centovalli und Valle Vigezzo

Carlo Weder, Peter Pfeiffer: Centovalli und Valle Vigezzo,
AS Verlag, Zürich, 1997
Wer möglichst schnell in den Süden, ans Meer fahren will, wird mit den Centovalli und deren italienischer Fortsetzung, der Valle Vigezzo, nie Bekanntschaft machen. Denn die Täler liegen abseits der grossen Verkehrsströme, sie verbinden das Tessin mit der Toce-Ebene oder, anders gesagt, die Gotthard-mit der Simplon-Transitachse. Durch ihre Abgeschiedenheit und die ausgeprägte Topographie – der Name Centovalli (hundert Täler) weist auf die stark zerklüfteten Flanken dieses Tals hin – konnten sie ihre traditionelle, alpin geprägte Kultur bis in die Gegenwart bewahren.

Nirgendwo sonst findet man 50 viele malerische, in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Dörfer wie in den Centovalli und der Valle Vigezzo. Einmalig ist auch die Schmalspurbahn, welche die beiden Täler erschliesst und die Städte Locarno und Domodossola verbindet. Sie konnte nach einem Vierteljahrhundert Planungs- und Bauzeit 1923 eröffnet werden und erfüllt seither wichtige Funktionen sowohl für den Regionalverkehr als auch für Transitreisende, die vom Tessin in die Westschweiz oder nach Bern und ins Berner Oberland gelangen wollen. Und als eigentliche Gebirgsbahn – sie überwindet mehr als 1100 Meter Höhendifferenz – durch eine wilde, zuweilen unbezähmbare, aber immer pittoreske Landschaft wird sie auch von Touristen rege benützt.

Das vorliegende Buch stellt die Centovalli und die Valle Vigezzo in Wort und Bild als eine die politischen Grenzen übergreifende Natur- und Kulturlandschaft dar. Auf einer Reise von Locarno nach Domodossola werden die Dörfer auf der Strecke besucht, in denen man noch viel traditionelle Lebensart pflegt und die oftmals Kunstschätze und Kulturgüter bergen, die den Vergleich mit weit berühmteren Objekten nicht zu scheuen brauchen. Abstecher in die Seitentäler und auf die Berge beidseits der Haupttäler führen die Vielseitigkeit der Natur der Centovalli und der Valle Vigezzo eindrücklich vor Augen. Und ein Kapitel ist der Eisenbahn in den Tälern gewidmet, deren wechselhafte Projektierungs-, Bau- und Betriebsgeschichte ausführlich nacherzählt und mit vielen – teils bislang unveröffentlichten – Bildern belegt wird.
(Klappentext)

3. Mai 2024

Tessiner Verwicklungen

Sandra Hughes: Tessiner Verwicklungen,
Kampa, Zürich, 2020
Das Tessin gilt als Sonnenstube der Schweiz, aber der italienischsprachige Kanton hat mehr zu bieten als dieberühmten Touristendestinationen Lugano, Locarno und Ascona. Die Basler Polizistin Emma Tschopp erkundet mit ihrem Campingbus lieber die abgelegenen Täler. Zeit dafür hat sie: Dreiundzwanzig Urlaubstage muss sie im laufenden Jahr noch nehmen. Warum also nicht das Mendrisiotto besichtigen, das mit seinen sanften Hügeln an die Toskana erinnert. Meride ist das schönste Dorf im Tal, über dem der Monte San Giorgio thront, UNESCO-Weltkulturerbe und bekannt für seine prähistorischen Fossilien. Noch bekannter ist die dort ansässige Pastamanufaktur Savelli, die nicht weniger als die besten Spaghetti produziert und europaweit exportiert. Das Rezept ist streng geheim. Aber nicht nur das, wie sich bald herausstellt: Als der alte Savelli im Kühlraum der Manufaktur eine Leiche findet, kommen dunkle Familiengeheimnisse ans Licht. Emma Tschopp ermittelt, statt ihren Urlaub zu geniessen. Ihr südländisches Temperament passt dabei so gar nicht zur Nüchternheit des eigentlich zuständigen Commissario Bianchi.
(Klappentext)

TI: Meride (Hauptschauplatz), Arzo, Monte San Giorgio, Lugano, Luganersee BL: Arisdorf, Oberwil

21. April 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 13


Die dreizehnte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes führte in der Leventina von Rodi nach Faido. Währenddem es auf der Alpennordseite hudelwetterte, wehte im Tessin ein mässiger Nordföhn, was in der Regel gleichbedeutend mit wärmeren Temperaturen und Sonnenschein ist. Und so war es denn auch auf dieser abwechslungsreichen Route am frühlingshaften Gotthardzubringer. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.1.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.1.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 3.1.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  3.2.2024
GL       
GR       
JU   Buix – La Tenie – Chevenez 19,2 9.3.2024 
LU   Gelfingen – Ballwil – Emmenbrücke 26,7 6./7.4.2024 
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières 14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH  Siblingerhöhe – Langer Randen – Schaffhausen 16,7 29.3.2024
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4 16.1.2024
SZ      
TG      
TI   Rodi – Dalpe – Faido 12,3  16.4.2024
UR       
VD       
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.2.2024 
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9 1.1.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.2.2024 

14. Februar 2024

Lieber Leo

Hansjörg Schneider: Lieber Leo,
Benziger, Zürich/Köln, 1980
Dieser lange Brief an den toten Freund handelt vom Abschiednehmen: von der geliebten Frau, die ihn verlassen hat, vom Freund, der knapp 40-jährig, an einem Herzinfarkt gestorben ist, von der Mutter, deren lange zurückliegenden Selbstmord er nie überwunden hatte. Er handelt vom Schmerz des Abschieds und vom Annehmen von Trennung und Verlust.

Doch ist dieser Roman auch eine Standortbestimmung, stellvertretend vollzogen für eine Generation, die in der restaurativen Enge der 50er-Jahre aufgewachsen, sich den Zugang zu Jazz, Existenzialismus und Beat erkämpfte, die die 68er-Unruhen zwar bewusst, aber als 30-Jährige schon nicht mehr ganz dazugehörig erlebte und die, nun 40 geworden, Berufsroutine und Karriere plötzlich als schal empfindet. 

Zugleich spricht hier ein Mann, der, in patriarchalischen Vorstellungen aufgewachsen, versucht, mit dem neuen Selbstverständnis der Frau zurechtzukommen, der sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlt und doch um Verständnis bemüht.

Dieser scheinbar spontan erzählte, tatsächlich sehr durchdacht komponiere Roman ist gefühlvoll und spröde zugleich. Die Stimmungen und Schauplätze wechseln rasch – vom Tessin über Basel, Paris im Mai 68, nach Kalifornien, Mexiko und schliesslich nach Berlin. Und so entwickelt dieses Buch bei aller bewusst eingesetzten schweizerischen Färbung ein mitreissende Erzähltempo, das einem stärker aus der angelsächsischen denn aus der deutschsprachigen Literatur vertraut ist. (Klappentext)

AG: Zofingen BE: Emmental (Region Affoltern) BS: Stadt Basel TI: Carona, Lugano Morcote, Melide UR: Maderanertal D: Frankfurt, Berlin F: Paris USA: San Franzisco, Carmel MEX: San Felipe

18. September 2023

Die Familie der Beatrice

Arnaldo Alberti: Die Familie der Beatrice,
Benziger/Ex Libris, Zürich, 1986
Diese Geschichte einer Locarneser Familie vermittelt ein genaues Bild der Situation des Tessins nach dem radikalen gesellschaftlichen Wandel der letzten hundert Jahre. Die Tessiner haben ihr Land den «Kolonisatoren» aus dem Norden verkauft und damit den Zugang zu ihrer Vergangenheit, ihren Wurzeln, verloren. Ein kulturelles Vakuum ist entstanden. In Politik und Wirtschaft herrscht Korruption. Beatrice und ihre Geschwister finden in ihrem Leben verschiedene Antworten auf diese Situation: Trivina, Beatrices Schwester, verkauft sich in Zürich als Prostituierte den «Herren im Norden» und kehrt als unabhängige, erfolgreiche Geschäftsfrau zurück. Beatrice gibt sich selber auf und wird drogenabhängig. Ihr Bruder hingegen versucht, auf einem abgelegenen Bauernhof im Malcantone Lebensformen zu verwirklichen, die an archaische, bäuerliche Traditionen anknüpfen.

Die Chronik der Familie wird mit historischen Ereignissen aus dem 19. Jahrhundert konfrontiert, dem Aufstand der Liberalen in Locarno und der Ermordung des liberalen Politikers Francesco Gegiorgi. Eine überzeugende Auseinandersetzung mit dem Mythos Tessin. (Klappentext)

12. Mai 2023

Die Umschlaglosen VI

Der sechste Post über gelesene Bücher ohne Klappentext widmet sich einerseits einigen Mundartwerken und andererseits einer Neuentdeckung, die ich kürzlich gemacht habe: das zeichnerische und pedestrische Werk von Werner Rosenbusch. Die antiquarisch erworbenen Bücher sind reiner Lese- und Sehgenuss!

Werner Rosenbusch: An den Ufern der Lahn, Verlag Limburger
Vereinsdruckerei, Limburg, 1986


Werner Rosenbusch: Von Passau nach Heidelberg,
Band 2: Vierzehnheiligen – Heidelberg, Vaas Verlag, Ulm, 1980


Werner Rosenbusch: Von Passau nach Heidelberg,
Band 1: Passau – Vierzehnheiligen, Vaas Verlag, Ulm, 1979


Ernst Moser: Wandern ist des Gesellen
Lust, Verlag Gute Schriften, Bern, 1952
Lisa Wenger: Der Garten, Grethlein & Co.
Verlag Seldwyla, Zürich/Leipzig, 1924
Elisabeth Bardill: Leben im Bergdorf,
edition bardill, Tenna, 2010
Hanny Schenker-Brechbühl: Bärner Märit,
Francke, Bern, 1972
Jacques Schmid: Granita, Hauenstein-
Verlag, Olten 1951


Adolf Schaer-Ris: Drätti erzellt Müschterli
us sir Juget, Francke, Bern, 1940
Käthi Künzi-Schmalz: Der guldig Fade,
Verlag Emmentaler Druck, Langnau, 1988

Käthi Künzi-Schmalz: Gang nid verby,
Verlag Emmentaler Druck, Langnau, 1986

Karl Uetz: Erläbts Ämmital, Viktoria-
Verlag, Bern, 1958

Hans Rudolf Balmer: Vo Mönsch zu
Mönsch, Friedrich Reinhardt, Basel



24. Januar 2023

Guntens stolzer Fall

Werner Schmidli: Guntens stolzer Fall,
Nagel & Kimche, Zürich, 1989
Eigentlich möchte Gunten nichts anderes, als sich in dem Berghotel an der alten Passstrasse zum Lukmanier erholen und auf Wanderungen das Bleniotal erkunden. Doch es regnet am Lukmanier, Guntens Freundin reist nach zwei Tagen verärgert ab.

Einmal, nach einer schlimmen Erfahrung, hat Gunten sich vorgenommen, sich nie wieder in das Leben anderer einzumischen. Doch mit 65 ist es wohl nicht einfach, sich zu ändern. Auf sich selbst zurückgeworfen, findet sich Gunten schon bald bei seiner Lieblingsbeschäftigung wieder: das Treiben seiner Mitmenschen mit unersättlicher Neugier zu beobachten. Ein alter Zeitungsartikel, eine Kette merkwürdiger Unfälle, die einer alten Dame im Hotel zustossen, verwickeln ihn immer tiefer in die Geschichte zweier Familien aus dem Tal. Am Ende hat Gunten zwei Mordfälle gelöst – und wenig Grund, auf sich stolz zu sein; denn hat er nicht rundum Unheil angerichtet? (Klappentext)

30. November 2022

Historisches aus dem Tessin

Hermann Aellen: Die Lawine von Gurin,
Edition Wanderwerk, Burgistein, 2022
Selten bisher habe ich an einem Buch über einen derart langen Zeitraum gewerkelt. Doch nun ist das Büchelchen von der Druckerei angeliefert worden und meine Freude gross. Die Rede ist von Hermann Aellens historischem Roman «Die Lawine von Gurin».

Das Tessiner Walserdorf Gurin gegen Ende des 18. Jahrhunderts: Bedroht von der Bodenalplawine und unter der Knutte des Landvogts der ennetbirgischen Vogtei Meiental. Im Dorf herrschen Neid und Missgunst. Der gefürchtete Niedergang der Lawine fordert einmal mehr zahlreiche Menschenleben. Doch nach und nach raufen sich die Guriner zusammen und beginnen, sich gegenseitig zu helfen.

Gleichzeitig beginnt es südlich des Gotthard zu rumoren. Mit dem Nahen der Französischen Revolution und somit Napoleons Truppen, wittert die Bevölkerung die Chance, sich aus dem Regime der eidgenössischen Vögte zu befreien. Der Aufstand ist bloss von kurzer Dauer und die Geburtsstunde der Republik und somit des Kantons Tessin lässt nicht lange auf sich warten.

Hermann Aellen gelingt es, einen grossen Bogen vom kargen Leben des kleinen Bergdorfs Gurin über das eidgenössische Machtgebaren bis hin zur Napoleon’schen Politik zu spannen und die damalige Zeit realitätsnah zu schildern.

Ich habe den Text behutsam überarbeitet und mit Anmerkungen versehen. Eine Biografie Aellens sowie ein Flurnamenverzeichnis Gurins runden den gefälligen und äusserst rucksacktauglichen Band ab.  So bleibt mir nun nichts Anderes übrig, als der geneigten Leserschaft «Die Lawine von Gurin» herzlich zur Lektüre zu empfehlen. Das Buch kann auf der Webseite meines Verlägleins bestellt werden: Edition Wanderwerk

Über den Autor
Hermann Aellen wurde am 24.5.1887 als Sohn eines Lehrers in Oberbalm bei Bern geboren. Studium der Geschichte und Literatur in Bern. 1908–11 Redaktor am «Oberländer Tagblatt» in Thun, 1911–12 am «Brugger Tagblatt», 1913 an der «Tessiner Zeitung» in Locarno, 1915–19 als Nachfolger Rudolf von Tavels beim «Berner Tagblatt», 1921 Gründer und bis 1923 bzw. 1935–39 Redaktor der «Südschweiz», ab 1929 auch Feuilletonredaktor der «Neuen Berner Zeitung». 1912 Mitbegründer des Schweizerischen Schriftstellervereins, Herausgeber des «Schweizer Schriftstellerlexikons» (1918) und des «Schweizerischen Zeitgenossen-Lexikons» (1920–23). Sein literarisches Werk, von Heinrich Federer beeinflusst, zeigt eine Vorliebe für nationale Stoffe in Geschichte und Gegenwart und ist geprägt von romantischer und der Sehnsucht nach dem Süden. In seiner Tessiner Publizistik wirkte er auf eine Versöhnung von deutscher und italienischer Schweiz im patriotischen Geist der geistigen Landesverteidigung. Aellen starb am 26.9.1939 in Minusio bei Locarno.

23. Juli 2022

«Indirettissima» ist da!

Reto Küng: Indirettissima, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2022
Inspiriert von der 1983 landesweit legendär gewordenen «Direttissima Schweiz» unternimmt Reto Küng fast 40 Jahre später eine ähnliche Reise: zu Fuss vom nordwestlichsten Zipfel des Kantons Waadt zur südöstlichsten Ecke des Bündnerlandes. Anders als seine Vorgänger sucht der Autor nicht den möglichst direkten Weg. Seine Absicht ist es vielmehr, bislang weniger begangene Gegenden von Jura, Mittelland und Alpen zu bewandern.

An 43 Tagen legt Küng weit über 900 Kilometer zurück. Begleitet vom Wetterglück durchstreift er fantastische Landschaften und fotografiert diese gekonnt. In seinem Erlebnisbericht erzählt er von Begegnungen mit Wildtieren, Beherbergern und mitunter gewalttätigen Einheimischen. Er berichtet aber auch von den Sorgen und Nöten des Fernwanderers, seinen Glücksmomenten und vielem mehr.

Der mit 140 meist grossformatigen Fotos reich bebilderte Band lädt dank einer Etappenübersicht sowie den zur Verfügung gestellten GPS-Tracks zum Nachwandern der wunderbaren Route ein.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich. Hier steht auch eine Leseprobe und ein kurzes Autorenporträt zur Verfügung.

16. April 2022

Tessiner Abgrund

Michael Moritz: Tessiner Abgrund,
Emons, Köln, 2015
Zwei Männer sind abgestürzt und in der Melezza ertrunken. Ein dritter ist verschwunden. Für Kommissar Bertini ist die Sache klar: Die beiden Toten sind Räuber einer Bande aus Rumänien, die auf der Flucht vom Weg abgekommen sind. Doch Journalistin Laura Leone gibt sich damit nicht zufrieden und macht sich auf die Suche nach dem dritten Mann. Sie ahnt nicht, dass sich damit ihr Leben katastrophal ändern wird. (Klappentext)

TI: Locarno, Borgnone, Camedo, Centovallibahn, Ascona I: Domodossola, Mergozzo, Verbania

Moors Fazit: Ein Krimi wird nicht besser, wenn alle 10 Seiten jemand umgelegt wird. Aus diesem Grund kann ich die Lektüre von Michael Moritzens «Tessiner Abgrund» leider nicht weiterempfehlen.

3. September 2021

Foroglio

Diverse Autoren: Foroglio, Agenziakay,
Foroglio, undatiert
Foroglio ist ein Ort, der aus vielen Orten besteht. Foroglio ist eine wunderbare Location. Um einen Tag zu verbringen, eine Woche, ein Leben. Um einen Film zu drehen. Um sich zu begeistern. Um auf Augen und Seele das einzigartige Zusammenspiel von Stein, Wasser und Himmel wirken zu lassen. Und darauf ins Flachland zurückzukehren und zu sagen: Ich war dort, wo die Welt entsteht. (Klappentext)