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10. Juni 2026

Uhren gibt es nicht mehr

André Heller: Uhren gibt es nicht mehr,
Zsolnay, Wien, 2017
Worauf kommt es an im Leben? Was ist wichtig, was weniger? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller, und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André geführt hat, geht es ans Verabschieden.

«Innerlich sieht man sich noch jung und klettert auf Berge und segelt über den Wolfgangsee, freut sich auf den nächsten Tag», sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach und mit gerade 19 den damals doppelt so alten Süsswarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, «dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll» und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe – «das Blödeste überhaupt» - und über Franz Lehar am Klavier in Bad Ischl.

Ein kleines Buch von grosser Weisheit, würdevoll, poetisch, komisch. Und das Dokument einer späten Liebe und grossen Offenheit zwischen Mutter und Sohn.

Elisabeth Heller wurde 1914 in Wien geboren und wuchs in ihrer Heimatstadt und in Südtirol auf. 1933 heiratete sie den Grossindustriellen Stephan Heller. Nach dem «Anschluss» und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb sie mit ihrem ersten Sohn, Fritz, in Wien, während ihr Mann zuerst nach Frankreich und dann nach Grossbritannien emigrierte. Nach dem Tod ihres Mannes, 1958, war sie Directrice des Haute-Couture-Salons von Gertrud Höchsmann. Sie lebte bis zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag in Wien-Hietzing.
(Klappentext)

20. Mai 2026

Im grossen Stil

Claus-Ulrich Bielefeld, Petra Hartlieb:
Im grossen Stil, Diogenes, 2015
Im Kunsthandel trifft man auf interessante Figuren: besessene Sammler und geldgierige Agenten, grossspurige Mäzene und eitle Kuratoren, dreiste Fälscher und einfache Diebe. Als ein Wiener Kunstgutachter und ein Berliner Sammler fast zeitgleich ermordet werden, müssen Inspektor Anna Habel und Kommissar Thomas Bernhardt dieses schillernde Ambiente gemeinsam durchleuchten. Hier weiss keiner mehr, was echt und was falsch ist. Ob es sich um Bilder oder um Gefühle handelt: Niemandem ist zu trauen. Und dabei ist Frühling – die Sonne strahlt, und die Welt zeigt sich so verführerisch, dass es Anna Habel und Thomas Bernhardt schwerfällt, ihre sieben Sinne beisammenzuhalten. (Klappentext)

D: Berlin und Umgebung A: Wien und Umgebung

19. Februar 2026

Morgarten

Peter Beutler: Morgarten, Emons, Köln
2014
An der Morgartenstrasse in Luzern wird ein Mann tot aufgefunden. Was anfänglich wie ein Selbstmord aussieht, wird zum brisanten Fall, denn der Tote hatte eine CD mit Bankdaten an deutsche Steuerfahnder weitergeleitet. Kripo-Leutnant Lauber und Detektiv-Wachtmeister Minder nehmen die Ermittlungen auf und geraten in einen tödlichen Strudel aus Macht und Politik. (Klappentext)

LU: Stadt Luzern (Hauptschauplatz), Gisikon, Fuchsberg ob Gisikon BE: Stadt Bern GR: Ofenpass, Val Müstair A: Eisenerz, Leoben, Wien I: Taufers USA: Lucerne

18. Juli 2025

Von Feldkirch nach St. Anton am Arlberg

Ich nenne es «Fernwandern light»: Eine Fussreise in mehreren Etappen, wobei der Übernachtungsort irgendwo entlang der Route stets derselbe bleibt. Gestartet wurde diesmal in Feldkirch, genächtigt jeweils in Bludenz. Die An- und Rückreise erfolgte ausnahmslos und täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. ÖV im Ausland? Klar doch! Unser benachbartes österreichische Bundesland Vorarlberg verfügt über ein vorbildlich ausgebautes öV-Netz, sei es per S-Bahn oder in Form eines einheitlich gestalteten Busnetzes mit dichtem Fahrplan. Aus fussgängerischer Optik lassen sich zudem die meist gut gekennzeichneten Wanderwege sehen.

Von Feldkirch, das sich mit internationalen Fernverkehrszügen direkt ab Zürich problemlos erreichen lässt, gingen wir in fünf Tagen via Nenzing – Bludenz – Dalaas – Langen am Arlberg über den Arlbergpass vom vorarlbergischen «Ländle» hinüber ins Tirol nach St. Anton. Die in vielerlei Hinsicht äusserst abwechslungsreiche Route brachte uns Land und Leute auf eine Weise näher, wie sie eben nur achtsamen Fussreisenden vorbehalten ist und somit alles andere als einen Null-Acht-Fünfzehn-(Massen)-Tourismus darstellt.
Die 73,6 km lange Strecke von Feldkirch nach St. Anton


27. Februar 2025

Sinnierstoff

Für mich als nebenberuflicher Wanderer ein erheblich Mass an Sinnierstoff.




20. Februar 2025

Aus meinem Bauernleben

Alois Günthard: Aus meinem Bauernleben,
Friedrich Reinhardt, Basel, 1956
Alois Günthart ist in Bauernkreisen durch seine landwirtschaftlichen Arbeiten wohlbekannt. «Die Grüne» hat ihm und seinem Brüderhof in Dällikon (ZH) eine Sondernummer gewidmet. 

Günthart hat die vorliegenden Aufzeichnungen als Vermächtnis für seine acht Söhne, Sohnsfrauen und Enkel geschrieben. Auf Bitten von Freunden und des Verlegers hat sich der Verfasser bewegen lassen, dieses einzigartige, in seiner Art meisterhafte Lebensbild vielen zugänglich zu machen mit dem Erfolg, dass schon wenige Wochen nach Erscheinen die erste grosse Auflage vergriffen war und das Buch neu gedruckt werden musste. (Klappentext)

24. April 2024

Mit 3 km/h durch Mitteleuropa

Rudolf Leuenberger: Begegnungen, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2024
Soeben ist in meinem kleinen Verlag ein neuer Titel erschienen: «Begegnungen» heisst er und erzählt von Weitwanderungen durch Mitteleuropa. Kaum im frühzeitigen Ruhestand, beginnt Rudolf Leuenberger (1933–2014) mit dem Fernwandern. Für jedes Jahr bestimmt er anhand einer Landkarte eine Stadt im umliegenden Ausland als Ziel, zieht eine Luftlinie von seinem Wohnort Zollikofen bei Bern und geht hernach meist den Flüssen entlang seinen Weg. Hierbei ist für den vielseitig interessierten Menschenfreund die körperliche Leistung Nebensache. Seine Kontaktfreudigkeit bringt ihm täglich neue Begegnungen und Bekanntschaften, auch wenn er der Landessprache nicht immer mächtig ist.

Die Neugier, was ihn hinter dem nächsten Hügel erwartet, hat den Autor immer wieder neu beflügelt. So sind insgesamt 14 Berichte von Wanderungen durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Österreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Tschechien und Österreich entstanden – ergänzt mit Ausrüstungs- und Orientierungstipps, aber auch mit tiefgründigen Gedanken über Gott, die Welt und anderem.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich, wo auch eine Leseprobe heruntergeladen werden kann.

20. Januar 2024

Pawlowa

Brian Sewell: Pawlowa, Insel Verlag,
Berlin, 2019
Die bezaubernde Geschichte eines Mannes, der alles stehen und liegen lässt, um eine junge Eselin zu retten.

Auf einer Reise in Pakistan sieht Mr B, ein britischer Gentleman, eine kleine Eselin: Ihr Rücken ist vollbepackt, ihre dünnen Beine zittern unter der schweren Last. Kurzerhand springt Mr B aus dem Wagen, fest entschlossen, sich um das Tier zu kümmern und es mit nach Hause zu nehmen. Das einzige Problem: Sein Zuhause liegt in London und eine Eselin kann nicht im Flugzeug reisen. Also begeben sich Mr Bund Pawlowa, wie er die Eselin von nun an nennt, auf eine lange Reise durch den Nahen Osten bis nach Europa – zu Fuss …

Ein wunderbares Geschenkbuch über Freundschaft und die farbenprächtige Vielfalt der Welt – für alle Reisenden und Fernwehleidenden, für alle Liebhaber von Eseln, von englischen Gentlemen und Geschichten, die man sein Leben lang mit sich trägt – so elegant, augenzwinkernd und charmant geschrieben, wie es nur die Briten können.
(Inhaltsangabe im Buch)

17. Januar 2024

Polt muss weinen

Alfred Komarek: Polt muss weinen,
Diogenes, Zürich, 2000
In Brunndorf, einem niederösterreichischen Weinbauerndorf, gehen die Uhren noch anders. Der sympathische Gendarmerie-Inspektor Simon Polt, Junggeselle und Halter eines eigenwilligen Katers, hat mit seinen Weinbauern schon so manche Nacht durchzecht. Polt gehört dazu. Dann aber steht er vor der Leiche Albert Hahns, der in seinem Weinkeller durch Gärgas umgekommen ist. So etwas passiert in einer Winzergegend, doch diesmal, sagt der Gemeindearzt, «hat es den Richtigen erwischt». Er spricht aus, was fast alle im Dorf denken, und tatsächlich hätte auch so gut wie jeder ein Motiv für diese Tat gehabt.

Polt muss ermitteln, ob es den Weinbauern passt oder nicht. Doch der Inspektor verhört die Leute nicht, er plauscht mit ihnen, dort, wo er sich sowieso am liebsten aufhält: in ihren Presshäusern und Weinkellern. Das löst die Zungen, und Polt erfährt haarsträubende Dinge.
(Klappentext)

A: Weinviertel

10. Januar 2024

Bündnerfleisch

Philipp Gurt: Bündnerfleisch, Literaricum,
Haldenstein, 2015
Giulia de Medicis zweiter Fall: Die attraktive Chefermittlerin der Kantonspolizei Graubünden erhält eines Tages ein anonymes Schreiben. Der Inhalt lässt ihr den Atem stocken. Hinter den Zeilen steckt weit mehr als ein skrupelloses Verbrechen, das die gesamte Schweiz aufrüttelt. Ungereimtheiten bauen sich wie Wände vor ihr auf, je mehr sie glaubt, der Lösung des Falls auf der Spur zu sein.

Herrliche Bündner Berglandschaften, Kunst und die Tragik einer Randgruppe mischen sich in diesem Buch zu etwas ganz Besonderem. Ziehen Sie beim Lesen am besten Ihre Wanderschuhe an und lassen Sie in der Nacht ein Lichtlein brennen!

Ein spannungsgeladener Kriminalroman, der unter die Haut geht. (Klappentext)

GR: Chur (Hauptschauplatz), Landquart, Sapün, Fondei, Tenna, Grüsch, Valser Tal A: Wien

19. Oktober 2023

Planet Obrist

Christoph Simon: Planet Obrist, Bilger, 
Zürich, 2005
Vom Glück des Reisens erzählt Franz Obrist, der mit seinem Dachs zu Fuss in die Mongolei aufbricht. Sie passieren die Aare, den Rhein, den Inn, die Sava, die Ljubljanica. Die sechsmonatige Reise in die unbekannte Ferne wird zu einer Parabel über das Glück, den Eigensinn, die Liebe zum Leben. (Buchrückentext)

17. Juli 2023

Souvenirs aus dem Waldviertel

Liebhart Paul Gregor, Schendl Johannes:
Die Waldviertelbahn, Sutton Verlag, Erfurt,
2023
Mein letzter Auslandurlaub liegt Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurück. Grund genug also, sich wieder einmal in ein ferner gelegenes Gefilde zu begeben. Ende Juni war es soweit: Mit dem Nachtzug ging es nach Wien und von dort ins Waldviertel, genauer nach Gmünd an der österreichisch-tschechischen Grenze. Weshalb das Waldviertel und weshalb ausgerechnet Gmünd? Nun, die Region Waldviertel ist einerseits ein wunderbares Wandergebiet in landschaftlich schönem Ambiente. Andererseits ist Gmünd Ausgangspunkt zweier Schmalspurbahnlinien der Spurweite 760 mm*: jene nach Gross Gerungs (Südast) und jene nach Litschau (Nordast), wobei in Alt Nagelberg eine dritte Linie nach Heidenreichstein abzweigt.

Die Kombination Schmalspurbahn und Wandern ist für mich per se eine unwiderstehliche. Und die Urlaubswoche in der Nordostecke Österreichs liess den kaum zu wünschen übrig: Acht Wanderungen und insgesamt sieben Schmalspurbahnfahrten an vier Tagen wurden absolviert. An den restlichen Tagen dienten die ÖBB  (Normalspurbahn) und der Postbus als Reisevehikel. Leider nahm die Linie von Alt Nagelberg nach Heidenreichstein erst nach meinem Aufenthalt ihren Betrieb auf weshalb es lediglich zu einer Bahnhofbesichtigung in Heidenreichstein reichte. Selbstverständlich war die Fotokamera stets mit dabei, so dass von der Waldviertelbahn zahlreiche Bilder in Bits und Bites festgehalten werden konnten.

Weil ich zudem etwas mehr über die wechselvolle Geschichte der mittlerweile 123 Jahre alten Bahn wissen wollte, kaufte ich mir ein in diesem Jahr erschienenes Buch, das mit zahlreichen Aufnahmen aus all den Jahren glänzt. Der Klappentext sagt über das Werk: 

Am 3. Juli 1900 wurde die erste Teilstrecke der Waldviertler Schmalspurbahn eröffnet. Seitdem verbindet die Lokalbahn die Orte Gross Gerungs, Langschlag, Weitra, Gmünd, Litschau und Heidenreichstein. Nach über 115 bewegten Jahren hat sich die einst so bedeutende Güter- und Personenverkehrslinie zu einer viel besuchten Freizeitattraktion entwickelt.

Die erfolgreichen Autoren Paul Gregor Liebhart und Johannes Schendl sind profunde Kenner der Waldviertler Eisenbahngeschichte. Mit über 150 bisher unveröffentlichten und überwiegend farbigen Fotografien dokumentieren sie die Geschichte der Bahn, die Strecke und die Vielfalt der eingesetzten Fahrzeuge von ihren Anfängen bis heute. 

Dieser stimmungsvolle Bildband setzt der traditionsreichen Waldviertelbahn ein liebevolles Denkmal und lädt Bahnbegeisterte und Liebhaber des Waldviertels gleichermassen zu einer vergnüglichen Bahnfahrt, zum nostalgischen Schwelgen und Neuentdecken ein.

* Für Nicht-Ferrophile: Der Schienenabstand bei Normalspur (z.B. SBB) beträgt 1435 mm. Die in der Schweiz betriebenen Schmalspurbahnen (z.B. Rhätische Bahn) weisen eine Spurweite von 1000 mm auf.

16. Mai 2023

Nicht nur des Müllers ... auch des Gesellen ...

Ernst Moser: Wandern ist des Gesellen Lust,
Edition Wanderwerk, Burgistein, 2023
Vor ein paar Tagen hat die Druckerei meines Vertrauens den 33. Titel für die Edition Wanderwerk angeliefert. «Wandern ist des Gesellen Lust – Drei Berner auf der Walz» heisst das nette Büchelchen im rucksacktauglichen Postkartenformat. Und davon handelt sein Inhalt:

Im zarten Alter von 19 Jahren macht sich der gebürtige Emmentaler Ernst Moser auf die berufliche Wanderschaft. Den gelernten Drechsler zieht es 1889 in den Kanton Zürich. Doch familiäre Umstände zwingen ihn schon bald, nach Hause zurückzukehren. Es vergehen indes fünf Jahre, ehe er mit zwei Berner Handwerkern, einem Schreiner und einem Typografen, zu Fuss in Richtung Norden aufbricht. Was die drei Walzbrüder auf ihrer anderthalbjährigen Reise durch Deutschland, Österreich-Ungarn, Kroatien, Italien, Monaco und Frankreich erleben, schildert der Autor in lebendiger Sprache und gelegentlich auch mit einer Prise Humor.

Ernst Moser erzählt also aus einer längst vergangenen Zeit, die wir uns kaum mehr vorstellen können. Mit umso grösserer Freude darf ich deshalb die 152 Seiten zur Lektüre weiterempfehlen. Sie passen auch bestens zum anstehenden Sommer. Das Werk ist wie immer direkt bei der Edition Wanderwerk oder im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

15. August 2022

Zu Fuss über die Alpen

Ludwig Grassler: Zu Fuss über die Alpen, Süddeutscher
Verlag, München, 1977
Dieses Buch ist für alle Freunde des Bergwanderns eine Sensation. Rechtzeitig zum 75. Jubiläumsjahr des Isartalvereins stellt Ludwig Grassler seinen «Traumpfad» über die Alpen von der Isar bis an den Piave in Wort und Bild vor. Der Wanderweg vom Münchner Marienplatz bis zum Markusplatz in Venedig ist etwa 515 Kilometer lang, kann in 28 Wandertagen in einzelnen Etappen bewältigt werden und führt im Bereich der Alpen über insgesamt 33 Jöcher, Scharten und Pässe. Die Stationen dieser Etappen sind: München, Wolfratshausen, Bad Tölz, Leger, Vorderriss, Wattens, Lizum, Tuxerjoch, Pfunders, Lüsen, Grödnerjoch, Marmolada, Masare, Pramperet, Belluno, Priula, Bocca Callalta, Jesolo, Venedig .

Für jeden bergerfahrenen Wanderer ist der hier vorgestellte Weg von München nach Venedig ein «Erlebnis fürs Leben»! Wer für dieses Erlebnis vier Wochen Abschied nimmt von den Bequemlichkeiten der modernen Zivilisation, der wird durch die zahllosen stillen oder gewaltigen Naturschönheiten und die einmaligen Begegnungen abseits von lärmenden Autostrassen reichlich entschädigt. 

Die vielen Bilder in diesem Buch, während der Wanderung vom Autor selbst aufgenommen, bestätigen solche Eindrücke. Die ausführliche Beschreibung des Weges und seiner Besonderheiten sowie die Vermittlung der kulturhistorisch en Daten über die zahlreichen erwanderten Stationen unterwegs durch das Isartal entlang den weissen Kalkwänden des Karwendel, den firnglänzenden Höhen der Zillertaler Berge, über die lieblichen Matten zwischen den roten Felsburgen in den Dolomiten und durch die Wildflusslandschaft am Piave bis zum Meer bei Jesolo  lassen uns darauf besinnen, wie weit die Zersiedelung unserer Landschaften und der hektische Ausbau eines immer dichteren Strassennetzes die Fussgängerfreiheiten in unserer modernen Welt beschränkt haben: Durchgehende Fusswege über weite Strecken sind heute immer weniger auszumachen. Nur noch entlang den Flüssen und im Gebirge finden wir sie, und der «Traumpfad» von Münchens «Guter Stube» über die Alpen bis zum «schönsten Salon der Welt», wie Napoleon den Markusplatz in Venedig nannte, ist wohl der verlockendste unter ihnen, weil er den aktiven Wanderer herausfordert, aber auch reichlich belohnt.

Doch selbst den Nur-Leser, der diesen Pfad lediglich mit Hilfe des Buches nachvollzieht, bereichert die Lektüre mit einem anregenden und aussergewöhnlichen Erlebnis, mit der Teilhabe an einem Abenteuer, wie es in unserer technisierten Welt nicht mehr möglich schien. (Klappentext)

27. Mai 2022

Abschied von Sidonie

Erich Hackl: Abschied von Sidonie,
Diogenes, Zürich, 1991
Diese fiktionale wahre Geschichte, die in den 1930er Jahren in Österreich spielt, betrifft ein verlassenes Baby, das die Behörden wegen seiner Färbung als Zigeuner betrachten. Sidonie Adlersburg wird von einem Paar aufgenommen, das sie bis 1943 liebevoll als ihr eigenes aufzieht, als sie im Alter von 10 Jahren gewaltsam von ihnen getrennt, zu ihrer leiblichen Mutter zurückgekehrt und in ein Konzentrationslager gebracht wird, wo sie stirbt. In einem nachdenklichen letzten Kapitel stellt der Autor fest, dass jeder – von Sidonies Schulleiter über ihre Sozialarbeiterin bis hin zum Bürgermeister des Dorfes – ihren Tod durch ein paar einfache Worte hätte verhindern können, die keinen lauten Alarm ausgelöst hätten. Stattdessen starb ein kleines Mädchen vor ihrer Zeit. Eine kurze, aber bewegende Mischung aus Fakten und Fiktion.

A: Steyr und Umgebung, Hopfengarten

3. Januar 2022

Gefährliche Ferien – Die Alpen

Diverse Autoren: Gefährliche Ferien –
Die Alpen, Diogenes, Zürich, 2017
Ein Buch fürs Handgepäck oder für die Reise im Kopf – zu den höchsten Gipfeln und in die tiefsten Abgründe, die die Alpen zu bieten haben.

Die schwindelnden Höhen verführen zu riskanten Kletterpartien, zu Mordphantasien und zu Hochgefühlen, von denen man sich nur schwer erholt. Dabei werden Sie begleitet von Meistern krimineller und seelischer Abgründe wie Donna Leon, Wolfgang Herrndorf, Benedict Wells, Martin Suter, Alex Capus, Veit Heinichen, Jörg Maurer und vielen anderen. Mit einer Exklusivgeschichte von Thomas Meyer. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein 278-Seiter, der sich bestens eignet, neue oder alte Autorinnen und Autoren kennenzulernen. Wolfgang Herrndorf war für mich in diesem Fall eine Entdeckung!

13. Dezember 2021

Das Mädchen, das gehen wollte

Barbara Schaefer: Das Mädchen, das gehen
wollte, Diana Verlag, München, 2009
Als Barbara Schaefer erfährt, dass ihre Freundin Katja am Hohen Dachstein tödlich verunglückt ist, packt sie das Nötigste in einen Rucksack und verlässt Berlin in Richtung Süden. Sie geht in zwei Etappen insgesamt fast sechs Wochen, geht rund 25 Kilometer am Tag und kommt so über Dresden und Theresienstadt nach Prag und schliesslich durch Böhmen und den Bayerischen Wald in die Berge. Schon immer konnte Barbara Schaefer durch das Gehen Energie tanken, jetzt hilft es ihr, der Trauer nachzuspüren und Abschied zu nehmen.

Eine Reise, auf der die Autorin zurück ins Leben findet. Sechs Wochen im Leben einer Frau, die um einen geliebten Menschen trauert und dafür 900 Kilometer von Berlin nach Österreich geht. (Klappentext)

Moors Fazit: Ein wunderbar geschriebenes Buch über eine Fernwanderung durch drei Länder, über eine Frauenfreundschaft und nicht zuletzt über das Leben selbst.

15. November 2021

Katzenbach

Isabel Morf: Katzenbach, Gmeiner,
Messkirch, 2012
Valerie Guts Hund fischt eine Babyleiche aus dem Katzenbach in Zürich. Es ist Luzia Attinger, die unter dem Ambras-Syndrom litt, ihr ganzer Körper ist von dunklen Haaren bedeckt. Das Kind ist aus dem Kinderwagen, der im Garten der Familie stand, verschwunden. Beat Streiff und Zita Elmer ermitteln. Hat die Mutter das Kind in den Bach geworfen, weil es den Anblick der Kleinen nicht mehr ertragen konnte? Als noch ein zweijähriger Junge verschwindet, geraten die Kommissare an ihre Grenzen. (Klappentext)

GR: Sils-Maria, Silsersee SG: Buchs, Stadt St. Gallen SZ: Einsiedeln ZH: Zürich-Seebach (Hauptschauplatz), Katzenbach, Stadt Zürich A: Innsbruck

23. März 2021

Auf der Strecke

Claus-Ulrich Bielefeld, Petra Hartlieb:
Auf der Strecke, Diogenes, Zürich, 2011
Der erfolgsverwöhnte junge Autor Xaver Pucher hatte noch viel vor. Doch unterwegs zu seinem Agenten, dem er sein neues Manuskript überreichen wollte, wird er im Schlafwagenabteil auf der Strecke zwischen Wien und Berlin ermordet. Zwei Kommissare kümmern sich um den Fall: auf der österreichischen Seite Anna Habel, Ende dreissig, temperamentvoll und unermüdlich, auf der deutschen Thomas Bernhardt, Mitte fünfzig, sarkastisch und manchmal zur Melancholie neigend.

Mit ihren unterschiedlichen Temperamenten geraten sie schon bald aneinander. Doch im Dienst der Sache und unter dem Druck der Öffentlichkeit müssen sie sich zusammenraufen. Ihre Recherchen führen sie in Wien auf den Zentralfriedhof, in den Prater und in die Gassen der Inneren Stadt, in Berlin zu den hippen Büros am Prenzlauer Berg, in die Hinterhöfe von Schöneberg und die Kneipen Neuköllns.
(Klappentext) 

 A: Wien D: Berlin, Frankfurt

13. Februar 2021

Eine Bahn im Rhythmus der Zeit

Lothar Beer: Ein Bahn im Rhytmus der Zeit,
Hecht Verlag, Hard, 2007

Im vorliegenden Buch wurde der Versuch unternommen, die spannende Geschichte der Bregenzerwaldbahn – Museumsbahn (BWB-MB) aufzuzeigen und mit zahlreichem Bildmaterial zu belegen. Zum besseren Verständnis der Museumsbahngeschichte wird dem Leser zur Einführung ein geschichtlicher Überblick zur Bregenzerwaldbahn geboten. Neben der chronologischen Darstellung

«20 Jahre Museumsbahnbetrieb» werden in eigenen Themenabschnitten die speziellen Anlagen und Einrichtungen, einschliesslich der Fahrzeuge, ausführlich erläutert und alles Wissenswerte über die Museumsbahn vermittelt. Vor allem aber sollen die vielfältigen Aktivitäten des rührigen Vereins einem breiten Leserkreis vorgestellt werden.

Eine Streckenbeschreibung und Vorschläge über Wandermöglichkeiten geben dem Fahrgast Informationen übe r die Museumsbahn und deren näheren Umgebung. Die Vielzahl der Fahrzeuge (Diesel-, Dampflokomotiven und Wagen), die bei der Museumsbahn zum Einsatz kamen, werden in einem umfangreichen Themenblock (ergänzt mit vielen Bildern, Daten und Skizzen) vorgestellt.

Über die erfreuliche Zunahme der Fahrgastfrequenz, ein Ergebnis gezielter Aufbauarbeit durch die Vereinsmitglieder, wird im Abschnitt «Beförderungsleistungen und Strukturdaten» berichtet.

Ein eigener Themenschwerpunkt ist der Arbeit der aktiven Mitglieder gewidmet, die unentgeltlich für die Museumsbahn tätig sind. Zum Abschluss des Buches werden Möglichkeiten über die Zukunft der Museumsbahn aufgezeigt, denn diese Bahn stellt heute für die Region eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung dar. In einem Rückblick, der mit dem Museumsbahngedanken verbunden ist, wird der derzeitige Zustand der Bregenzerwaldbahn-Trasse mit ihren Bauwerken dargestellt und die Erhaltung dieses historischen Verkehrsweges hinterfragt.

Da frühere Publikationen über die Bahn in d en Bregenzerwald schon seit längerem vergriffen sind, und immer wieder ein Buch übe r die «Bahngeschichte» dieser Region verlangt wird, hat sich der Verein, gemeinsam mit dem Verlag entschlossen, das vorliegende Werk herauszubringen. Ursprünglich war geplant, das Thema «Bregenzerwaldbahn und Museumsbahn» in einem Band zu vereinen. Auf Grund des grossen Umfanges an Texten und Bildmaterial musste eine Aufteilung der beiden Bereiche vorgenommen werden. Aus Anlass des 20-jährigen «Betriebsjubiläums» beschloss der Verein, vorerst e in eigenes Buch über die Museumsbahn herauszugeben. Die mit viel Aufwand entstandene Dokumentation bietet eine lückenlose Darstellung der Museumsbahngeschichte von den Anfängen bis heute.

Das Buch soll vor allem an die großen Leistungen der «Museumseisenbahner» erinnern, denn ihnen ist zu verdanken, dass in d er grössten Vorarlberger Talschaft noch eine Teilstrecke vom einstigen «Bähnle», einem verkehrsgeschichtlichen Bauwerk unserer Vorfahren, erhalten blieb.

Vorwort des Autors