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12. August 2026

Dort, wo der Berg brennt

Hans Jörg Leu: Dort, wo der Berg brennt,
Edizione Tiramisù, Novaggio, 1997 
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Hans Jörg Leu hat in der Umgebung, die ihm seit Jahren vertraut ist, hingehört und hingesehen. Mit wachem Blick und sicherem Gespür für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Manchmal aus kritischer Distanz, mit feiner Ironie, doch nie verletzend. Dann wieder als stiller Beobachter, Anteil nehmend, Partei ergreifend. Als «narratore», als Geschichtenerzähler, berichtet er von alltäglichen, unglaublichen, skurrilen Begebenheiten. Von damals und von heute, in einer Weise, die stets geprägt ist von seiner Liebe zur kleinen Welt des Malcantone. (Klappentext)

TI: Novaggio, Malcantone, Lugano I: Luino

Hans Jörg Leu
Geboren am 22. August 1926 und aufgewachsen in Baden, studierte Hans Jörg Leu Medizin und promovierte 1951 an der Universität Zürich. Als junger Assistenzarzt am damaligen Militärspital in Novaggio kam er erstmals ins «Dorf», dem er seitdem verbunden blieb. Aus Ferien- und Wochenendaufenthalten im Haus am wilden, grünen Hang am Dorfrand wurde 1991 ein Daueraufenthalt in einem Rustico mitten im alten Dorfkern.

Er wohnte in Baden und war während Jahren in Zürich als Professor für Gefäss-Pathologie am Universitätsspital, mit Lehrauftrag für allgemeine und spezielle Pathologie an der Universität, tätig. Er publizierte wissenschaftliche Bücher und Fachbeiträge in verschiedenen Ländern und redigierte zwei internationale Fachzeitschriften. Daneben schrieb er Glossen, Satiren und Kurzgeschichten, die in Zeitschriften und auch als Buch («Nun hab’ ich es doch geschrieben», 1991, Verlag Hans Huber, Bern) erschienen sind.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Hans Jörg Leu mit Malerei in Oel und Acryl, mit Linol- und Holzschnitten, seine Werke waren regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aus seinem umfangreichen Werk stammen auch die Illustrationen in diesem Buch. Hans Jörg Leu verstarb am 3. Mai 2023 im Alter von 96 Jahren.

(Quellen: Kurzbiografie aus dem vorliegenden Buch, Lebensdaten aus der Todesanzeige, erschienen in der Aargauer Zeitung.)

22. Juli 2026

Dieses endlose Schweigen

Sandrine Fabbri: Dieses endlose Schweigen,
Lenos, Basel, 2011
Eines Tages endet plötzlich die Kindheit. Vor einem Körper, der aus dem vierten Stock gefallen ist. Direkt auf den Asphalt. Nach dem Unaussprechlichen wird die Mutter, die gestorben ist, totgeschwiegen. Die Hinterbliebenen, Vater und Tochter, sind fortan auf sich selbst zurückgeworfen. Doch wie leben mit der Lücke, die die Mutter hinterlassen hat? Wie überleben inmitten der Stille, der Lügen, die um die Fortgegangene gesponnen werden

Jahre später, als auch der Vater nicht mehr lebt, sucht die inzwischen erwachsene Tochter nach der Wahrheit über den Selbstmord, der als Unfall ausgegeben wurde. Wer war ihre Mutter, sie, die Genferin aus der Bohème, die einen jugoslawischen Einwanderer geheiratet hatte? Die Tochter beginnt nachzuforschen, taucht in die Tristesse einer Genfer Satellitenstadt ein, streift die Welt der Psychiatrie und stösst dabei auf weitere Tragödien in ihrer Familie.

Sandrine Fabbris Debütroman über ein Kind, das auf brutalste Weise von seiner Mutter verlassen wurde, ist schrecklich und prächtig zugleich. Ob Autofiktion oder Autobiographie, die Autorin überzeugt durch die Kraft ihres atemlosen und poetischen Stils.
(Klappentext)

GE: Stadt Genf, Meyrin (Cité Ciel Bleu) ZH: Stadt Zürich I: Rimini, Alassio, Abano, Venedig SLO: Lokavec

28. Juni 2026

Caspar

Beate Rothmaier: Caspar, Nagel & Kimche
München/Wien, 2005
Widerwillig nimmt die Schwanenwirtin Kreszenz Borst den Jungen bei sich auf, der in ihrer Schankstube von seiner Mutter und dem Stiefvater zurückgelassen wurde. Er heisst Caspar und trägt einen Zettel um den Hals: ‹Vom Bortzlanmacher Schwartz, Wellische Schweiz›. Aber auf Dauer will die Wirtin Caspar nicht umsonst beherbergen. Sie spricht beim Amtmann Bräm in Exenheim vor, zumal bald schon gemunkelt wird, der Schwartz habe dort Geld hinterlegt.

Aber der Amtmann hat andere Pläne. Caspar kommt zum Bauer Melcher auf den Hof, der kriegt Kostgeld für den Jungen, lässt seine Wut aber trotzdem an ihm aus. Mit Hilfe seiner Freundin Karolin gelingt Caspar Jahre später die Flucht. Porzellanmaler will er werden, wie sein Vater, und er schafft es, in der Porzellanfabrik als Ausputzer angestellt zu werden. Eines Tages steht er seinem Vater leibhaftig gegenüber.

Mit furiosem Tempo und Wortgewalt gestaltet Beate Rothmaier das vergessene, historisch verbürgte Schicksal eines Findelkinds aus dem 18. Jahrhundert zu einem grossartigen Roman.
(Klappentext)

D: Schrezheim und Umgebung (Hauptschauplatz), Ludwigsburg, Jagst (Fluss)

10. Juni 2026

Uhren gibt es nicht mehr

André Heller: Uhren gibt es nicht mehr,
Zsolnay, Wien, 2017
Worauf kommt es an im Leben? Was ist wichtig, was weniger? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller, und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André geführt hat, geht es ans Verabschieden.

«Innerlich sieht man sich noch jung und klettert auf Berge und segelt über den Wolfgangsee, freut sich auf den nächsten Tag», sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach und mit gerade 19 den damals doppelt so alten Süsswarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, «dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll» und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe – «das Blödeste überhaupt» - und über Franz Lehar am Klavier in Bad Ischl.

Ein kleines Buch von grosser Weisheit, würdevoll, poetisch, komisch. Und das Dokument einer späten Liebe und grossen Offenheit zwischen Mutter und Sohn.

Elisabeth Heller wurde 1914 in Wien geboren und wuchs in ihrer Heimatstadt und in Südtirol auf. 1933 heiratete sie den Grossindustriellen Stephan Heller. Nach dem «Anschluss» und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb sie mit ihrem ersten Sohn, Fritz, in Wien, während ihr Mann zuerst nach Frankreich und dann nach Grossbritannien emigrierte. Nach dem Tod ihres Mannes, 1958, war sie Directrice des Haute-Couture-Salons von Gertrud Höchsmann. Sie lebte bis zwei Tage vor ihrem 104. Geburtstag in Wien-Hietzing.
(Klappentext)

17. Mai 2026

Tessin

Hermann Hesse: Tessin, Insel,
Frankfurt/Main, 1993
Die Poesie des Tessin, der üppigen Berg- und Seelandschaft südlich des St. Gotthard, findet sich in den Betrachtungen und Gedichten von Hermann Hesse wie auch in den 33 farbig reproduzierten Aquarellen des Dichters. Hesse erweist hier den Bergen und Wäldern, den Rebhängen und Dörfern, den Seetälern und Menschen des Tessin seine Referenz. Stärker, glühender und bildhafter hat keiner das Tessin beschrieben als Hermann Hesse. (Klappentext)

14. April 2026

Journeyman

Fabian Sixtus Körner: Jouneyman,
Ullstein, Berlin, 2015
Wie kommt man einmal um die Welt, mit nur 255 Euro auf dem Konto? Fabian Sixtus Körner schnappt sich seinen Rucksack und macht sich auf ins Ungewisse. Sein Plan: Alle Kontinente dieser Erde bereisen – und überall für Kost und Logis arbeiten. Ohne Reiseroute und feste Jobs, nur mit dem Drang nach Freiheit und grenzenlosem Optimismus im Gepäck.

Körner erlebt Hahnenkämpfe in Santo Domingo, permanente Abschiede, Modelwettbewerbe in Malaysia, Kulturschocks, wackelige Baugerüste aus Bambus in Schanghai und grenzenlose Gastfreundschaft. Er legt Tausende von Kilometern in Fliegern, Zügen, Bussen, löchrigen Booten und Rikschas zurück und arbeitet dabei mal als Grafiker, mal als Architekt oder Fotograf. Zwei Jahre und drei Monate, über sechzig Orte, querweltein (Klappentext)

11. April 2026

Im Herz das Feuer

Andreas Altmann: Im Herz das
Feuer, Picus, Wien, 2001
In Kairo beginnt Andreas Altmann seine drei Monate lange Reise in den Süden Afrikas. Mit viel Sinn für die absurde Komik des Schrecklichen führt uns der renommierte Reporter durch diesen geheimnisvollen Kontinent; dabei hat Altmann keinerlei Berührungsängste, nie ist er der distanzierte Beobachter: Er geht nah heran, verführt die Menschen zum Reden und Geheimniserzählen. So entsteht ein Kaleidoskop von teils komischen, teils traurigen meist aber beeindruckend schönen Momentaufnahmen: der Besuch beim Friseur, der mit einer Ziege auf dem Schoss in seinem Laden sitzt; die fünfköpfige Familie, die in die Totenstadt im Osten von Kairo gezogen ist, weil unter den Lebenden kein Platz mehr war; die Strassen «Old Cairos» mit ihrem Unrat und ihren Pariahunden.

Auf Sandpisten und Dschungelwegen nähert er sich langsam seinem Ziel, wobei das Vorankommen immer wieder zur fast unlösbaren Aufgabe wird: Altmann lässt den Leser teilhaben an einer Sinnlichkeit und auch den Strapazen des Reisens, die ihn an seine körperlichen Grenzen bringen. Er wohnt in Hotels «mit halbem Stern», verbringt die nächtliche Überfahrt auf dem Lake Nasser auf einem Küchentisch dösend; auf dem Dach eines Lasters geht es durch die Sahelzone; er hört Geschichten von Goldschmuggler-Karawanen und mutigen Banditen und bewundert das afrikanische Talent zum Teilen. (Klappentext)

27. März 2026

Weggehen ehe das Meer zufriert

Laure Wyss: Weggehen ehe das Meer
zufriert, Limmat, Zürich, 1994
Ihre Zeit bewunderte und verachtete Königin Christina gleichermassen; und ihre vielen späteren Interpreten sehen sie als umstrittene Persönlichkeit: ein Leben zwischen Stolz und Tragik. Diese hervorragende Frau, privilegiert durch Geburt und Erziehung, ausgestattet mit strahlenden Geistesgaben, ist nicht loszulösen von den Händeln und heftigen Auseinandersetzungen der barocken Epoche.

Ist die Frage beantwortet, aus welch tiefem Grund die schwedische Königin ihre schwerwiegenden Entscheide traf? Wir notieren ihre Unternehmungen, wir sehen ihre Gestalt, ihr Gesicht, doch kennen wir ihre Seele?
(Klappentext)

24. März 2026

Mys Worbletal

Karl Uetz: Mys Worbletal, Verlag Hans Scheibli,
Herzogenbuchsee, 1962
Vor einiger Zeit ist von Karl Uetz ein Bändchen «Ein Jahr im Melchenbühl» erschienen, worin von der ersten bis zur letzten Zeile in ergreifender Weise zum Ausdruck kommt, wie er, von einem Hirnschlag getroffen, um die Wiedererlangung seines Sprachvermögens gerungen hat. Wenn nun Elisabeth Müller im Vorwort zu diesem neuen Buch von Karl Uetz von einer Tatsache schreibt, «die an ein Wunder grenzt», so ist das nicht im Geringsten zu hoch gegriffen: Der Dichter Karl Uetz hat seine Sprache wiedergefunden!

Karl Uetz ist ja längst als einer der kurzweiligsten Erzähler in unserer Mundart bekannt, trefflich beobachtend, herzlich einfühlend und träf, oft mit viel menschenfreundlichem Witz und Humor berichtend.

Wenn er nun allerlei Erlebtes und Erfahrenes, Erlauschtes und Erfragtes aus dem Tal seiner Jugendzeit zu einem Buch zusammengefügt hat, so wird sich daran männiglich ergötzen und erfreuen, der das Gemütvolle und wahrhaft Herzlich-Herzhafte in kräftiger und unverfälschter Mundart zu schätzen weiss. «Mys Worbletal» erhält auch die Erinnerung an einige jener Sonderlinge etwa den «StettIen-Zwerg» und an allerlei Brauchtum und fröhlichen Dorf-Schabernack, für die in unserer gehetzten Welt und Zeit kaum mehr Platz ist. Ganz besonders erfreulich, weil so selten geworden, ist des Autors echte und unsentimentale Freude an all jenem Unscheinbaren, an dem heute so viele achtlos vorübergehen, obgleich es zur Quelle stiller Glückseligkeiten werden könnte.

Das Buch wird nicht bloss alle jene erfreuen, denen das Worblental Heimat oder als oft durchwandertes Vorstadtgebiet lieb geworden ist, es wird jedem zum erfreulichen Gewinn werden, der in stillen Lese-Augenblicken geruhsame Erholung von der Hast des heutigen Lebens sucht
. (Klappentext)

18. März 2026

Die Edition Wanderwerk hebt ab

Jakob Christoph: Heer: Im Ballon, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2026
Soeben aus der Druckerei eingetroffen: «Im Ballon» von Jakob Christoph Heer. Es ist dies der 41. Titel, den ich in meinem Verlag publiziere und befasst sich mit den Fahrten des Ballonflug-Kapitäns Eduard Spelterini. Der aus dem schweizerischen Toggenburg stammende Spelterini (1852–1931) gilt nicht nur als einer der grossen Pioniere der Ballonfahrt, sondern auch der Luftfahrtfotografie. Seine mitunter abenteuerlichen Unternehmungen führten ihn durch halb Europa, aber auch nach Nord- und Südafrika sowie Indien und Russland.

Der Schriftsteller Jakob Christoph Heer (1859–1952) widmete zu Beginn der 1890er-Jahre dem umtriebigen Lebenskünstler, der mit echtem Namen Eduard Schweizer hiess, das neu herausgegebene, sprachlich von mir behutsam überarbeitete Buch. Dieses beschreibt nicht nur etliche von Spelterinis Ballonfahrten, es zeichnet auch die spannende Geschichte der Ballonfahrt mit all ihren Protagonisten nach. Ergänzt wird das Werk mit zahlreichen Anmerkungen des Herausgebers sowie fünf historischen Fotos.

Die lesenswerte Schrift besorge man sich direkt bei der Edition Wanderwerk.

22. Februar 2026

Medalges

Jürgen König: Medalges, Rasch und Röhring,
Steinfurt, 2001
Im Mai [1989] ist Jürgen König aufgestiegen zu seiner Hütte auf der Medalges-Alm im Ladinischen, 2300 Meter hoch. Er lebte ein Jahr fernab der Zivilisation – ohne Fernseher und Zeitung, ohne Bad und ähnlichen Komfort, ausgerüstet mit einem Funkgerät für den Notfall, mit einigen Musikkassetten und Büchern. Einsam war er jedoch nicht. «Schnaps», sein ebenso temperamentvoller wie gutmütiger Hirtenhund, begleitete ihn. Gemeinsam haben sie den Wechsel der Jahreszeiten in der unberührten, wilden Landschaft der Dolomiten erlebt, dort, wo die Berge am einsamsten und schönsten sind. (Klappentext)

29. Januar 2026

Nordwärts

Silvia Furtwängler: Nordwärts, Rowohlt,
Reinbek b. Hamburg, 2015
Auswandern, im Einklang mit der Natur leben, bei sich selbst ankommen – Silvia Furtwängler hat sich diesen Traum erfüllt. auf den Spuren Roald Amundsens reiste sie 2008 nach Norwegen, in die grösste Hochebene Europas, und blieb – überwältigt von der unglaublichen Schönheit der Natur. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie und ihren Schlittenhunden in einem Häuschen am See, ist oft wochenlang durch Schnee und Eis von der Aussenwelt abgeschnitten, aber glücklich. Hier bereitete sie sich auch mit ihren Hunden auf eine aussergewöhnliche Expedition vor, den Volga Quest: 600 Kilometer auf der zugefrorenen Wolga mit dem Schlitten durch Russland. Von sieben Teilnehmern ist sie die einzige Frau – und nur sie gelangt ins Ziel. (Klappentext)

26. Januar 2026

Tödliche Gier

Albert-Louis Chappuis: Tödliche Gier, Mon
Village, Vulliens, 1991
Wir möchten dem Leser zunächst den Hinweis geben, dass dieser Roman von historischem Charakter ist. Er bezieht sich auf ein gelinde gesagt unglaubliches Ereignis, das sich im Waadtland in den Jahren 1867 und 1868 abgespielt hat. Der Autor stützt sich in seiner Erzählung also auf Tatsachen, so wie sie sich zu jener Zeit wirklich ereignet haben. Um realitätsgetreu schreiben zu können, hat A.-L. Chappuis ausserdem alle seine Recherchen im kantonalen Archiv durchgeführt, welches die Unterlagen erst 1968 zugänglich gemacht hat, also 100 Jahre nach dieser geheimnisvollen Geschichte.

Um was für eine Angelegenheit handelt es sich nun eigentlich? In der Hauptsache um ein Strafverfahren, nämlich um das letzte Todesurteil im Kanton Waadt, das am 10. Januar 1868 in Moudon um 10.00 Uhr morgens bei minus 10 Grad vollstreckt wurde. Es war also ein sehr kalter Tag, was ungefähr zwanzigtausend Menschen jedoch nicht daran gehindert hat, nach Moudon zu kommen, um dieser Hinrichtung beizuwohnen. Verurteilt wurde ein junger Bauer aus der Gegend, Héli Freymond, der älteste Sohn einer wohlhabenden Familie. Wohlhabend, soviel ist sicher, und dieser Reichtum wird noch vermehrt durch die Verbindung, die Héli durch die Heirat mit einem jungen Mädchen aus St-Cierges eingeht, das ebenfalls aus begüterter Familie stammt. Mehr als genug Grund für alle Honoratioren der Gegend, an dem Fest teilzunehmen, einschliessIich des Pastors natürlich, der die kirchliche Trauung dieses aussergewöhnlichen Paars übernimmt.

Die Neuvermählten scheinen eine glückliche Ehe zu führen, bis zu dem Tag, an dem die junge Frau plötzlich von einer ebenso unerklärlichen wie unglaublichen Krankheit befallen wird. Sie stirbt unter schrecklichen Schmerzen und schenkt von ihrem Tode noch einem Jungen das Leben, einer Frühgeburt, der seine Mutter nicht überlebt. Grosse Trauer herrscht nicht allein in der Familie Freymond, sondern in der ganzen Gegend, als man sich auf dem Friedhof versammelt, um der jungen Frau und ihrem Kind die letzte Ehre zu erweisen. Und, um dem untröstlichen Witwer am Grab Beistand zu leisten.

Auch der Pastor ist wieder zugegen, um die Grabesrede zu sprechen. Er ist ebenso betroffen wie alle; er hatte absolut nicht erwartet, einige Monate nach der Segnung des jungen Paares und dem glücklichen Ereignis nun eine zutiefst gebrochene Familie betreuen zu müssen.

«Amen!» – Zunächst hatten wir dem Werk diesen Titel geben wollen, um uns später doch für TÖDLICHE GIER zu entscheiden. Der erwähnte Pastor wird nämlich dreimal Gelegenheit haben, dieses Wort für Héli Freymond zu sprechen. Das erste Mal bei Helis Vermählung als Abschluss der kirchlichen Trauung. Das zweite Mal einige Monate später, nach seiner Totenrede, am Grab der unglücklichen jungen Frau und ihres Kindes. Und zum dritten und letzten Mal spricht der Pastor schliesslich am 10. Januar 1868 in Moudon wiederum Amen in Anwesenheit von Héli Freymond, dem jungen Ehemann, dem jungen Witwer, der von der waadtländischen Justiz zum Tode verurteilt wurde, und dies aus Gründen, die Sie selbst entdecken werden. Ein Urteil, das die Gerichtsannalen dieses Kantons tief geprägt hat, ebenso wie die Bevölkerung, denn auch heute noch spricht man in den Familien von dieser düsteren Angelegenheit, die demnächst auch als Kinofilm erscheinen soll.

Ein wahre und fesselnde Geschichte, die Sie in einem Zug verschlingen werden
. (Klappentext)

VD: Corrençon (Hauptschauplatz), St-Cierges (Hauptschauplatz), Moudon (Hauptschauplatz), Thierrens, Denezy, Morges, Lausanne, Echallens, Poliez-le-Grand, Naz, Peyres-Possens, Chapelle-sur-Moudon, Sugnens

20. Januar 2026

Wenn die mich nicht hätten

Bänz Friedli: Wenn die mich nicht hätten,
Orell Füssli, Zürich, 2011
Bänz Friedli schenkt den kleinen, unscheinbaren Begebenheiten Bedeutung, er feiert den Alltag als grosses Abenteuer. Wir staunen, wie Fukushima ins Kinderzimmer hineinwirkt, wir lachen mit ihm über Kinderversprecher, über Fehlgriffe im Haushalt und erzieherische Fauxpas. Nichts entgeht dem präzisen Beobachter, nicht das winzige Lego-Teilchen, das im Staubsauger verschwindet, nicht die neuste Sprachmarotte der Jugendlichen: «Ey, diini Muetter…» Selbst über das grösste Ärgernis vermag er mit solcher Leichtigkeit zu schreiben, dass man am Ende darüber schmunzeln kann.

Ein Buch nur für Frauen? Nein! Zusammengefasst ergeben Friedlis «Hausmann»texte, ergänzt um Beiträge aus «NZZ», «NZZ am Sonntag», «Tages-Anzeiger», «Der Bund» und «Weltwoche», ein Journal der laufenden Ereignisse. Und die eine Sorge, seine grösste, teilt Friedli vermutlich eher mit Männern: diejenige, dass sein Lieblingsteam ja doch nie Meister wird.
(Klappentext)

11. Januar 2026

Und morgen seid ihr tot

Daniela Widmer, David Och: Und morgen
seid ihr tot, Dumont, Köln, 2013
Es sollte eine Reise entlang der Seidenstrasse werden. Sie endete in der Gewalt pakistanischer Taliban. Achteinhalb Monate lang lebten Daniela Widmer und David Och in Todesangst. Ihre eindrucksvolle Geschichte führt ins pakistanische Waziristan, nahe der Grenze zu Afghanistan, ins Stammland der Taliban.

Am 1. Juli 2011 beginnt der Albtraum. Daniela Widmer und David Och werden in Belutschistan von einem bewaffneten Kommando aus ihrem Reisebus gezerrt und fünfhundert Kilometer Richtung Norden verschleppt. Bald wird klar, dass die Taliban-Kämpfer Gotteskrieger freipressen und Lösegeld kassieren wollen.

Im Laufe der Monate wird die Situation immer auswegloser, die Geiseln fragen sich: Warum kommen die Verhandlungen zwischen den Taliban und der Schweizer Regierung nicht voran? Tagtäglich wird das Gebiet systematisch bombardiert, ihre wechselnden Gefängnisse werden immer prekärer. Mit Lauftraining, Gymnastik und Tagebuchschreiben versuchen die Geiseln, eine Alltagsroutine und Disziplin zu wahren, trotz permanenter Magen-Darm-Infekte und Malaria, trotz schwindender Widerstandskraft.

Als sich in den Wintermonaten auch die letzte Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen zerschlägt, treffen David Och und Daniela Widmer eine mutige Entscheidung. Am 15. März 2012 gelingt ihnen die Flucht. Sie kehren zurück in die Schweiz. Doch gibt es das noch: ihr altes Leben?
(Klappentext)

3. Dezember 2025

Alljährlich im Frühjahr …

Simone Müller: «Alljährlich im Frühjahr
schwärmen unsere jungen Mädchen
nach England», Limmat, Zürich, 2017
In der Zwischenkriegszeit gingen sie zu Hunderten, in den späten Vierziger- und Fünfzigerjahren zu Tausenden. Sie hiessen Emma, Bertha oder Marie und kamen aus Wilderswil, Urnäsch oder Bellinzona. Sie arbeiteten als Hausangestellte, Kindermädchen oder Gesellschafterinnen in Liverpool oder London und auf Landgütern von Adligen.

Sie gingen, obwohl die Medien warnten: vor dem britischen Wetter, vor dem englischen Klassendünkel, vor unerwünschten Schwangerschaften. Ein Massenexodus von Frauen, wie er in der Schweizergeschichte wohl kein zweites Mal vorkam. Und wenn sie in England geblieben sind, dann fast immer deshalb, weil genau das passierte, wovor sie so eindringlich gewarnt worden sind: Sie verliebten sich, wurden schwanger, haben geheiratet.

Simone Müller erzählt elf beispielhafte Lebensgeschichten dieser Frauen, die heute fast ganz aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind. Und sie erzählt auch von einer der grössten Repatriierungsaktionen der Schweiz, als fast tausend Frauen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zurückgeholt wurden.
(Klappentext)

20. August 2025

Lebenslänglich

Guido Bachmann: Lebenslänglich, 
Lenos, Basel 1997
«Ich bin kein Schweizer.» Mit diesem Satz beginnt Guido Bachmann seinen autobiographischen Bericht. der ein Heranwachsen in der Schweiz von 1940 bis 1959 dokumentiert. Der Sohn eines Schweizer Vaters und einer italienischen Mutter beleuchtet in diesem schnörkellosen Protokoll einer Jugend die Kehrseite der kriegsverschonten Schweiz.

Schonungslos sich selbst und andern gegenüber beschreibt Guido Bachmann das Bild einer Zeit, die ihn bis heute verfolgt und deren Wunden auch die Sitzungen bei einem Psychiater nicht heilen können. Im Gegenteil, diese bestätigen, dass der Autor, indem er sich die Pubertät als trotzige Kraft der Freiheit ins Erwachsenenalter hinüberrettete und zur Triebfeder für sein Schreiben machte, instinktiv das Richtige tat.

Mit «Lebenslänglich» gibt Guido Bachmann nebst dem Einblick in seine persönliche Geschichte und einer bitteren, aber nie verbitterten Zeitkritik auch einen Schlüssel zum präziseren Verständnis seines bisherigen Werks, das in seiner Stringenz, Wortgewaltigkeit, aber auch Verletzlichkeit in der schweizerischen Nachkriegsliteratur so einsam dasteht wie zwischen den beiden Weltkriegen das Werk eines anderen, der – obwohl heimatberechtigt in Sigriswil – eigentlich kein Schweizer sein wollte: Blaise Cendrars. (Klappentext)

29. Juli 2025

Der Wächter des Matterhorns

Kurt Lauber: Der Wächter des Matterhorns,
Droemer, München, 2012
Wenn Kurt Lauber Glück hat, ist es noch früh am Tag und das Wetter so gut, dass er und seine Kollegen von der Zermatter Bergrettung ein paar unerfahrene Touristen, die sich überschätzt haben per Helikopter einsammeln können. Doch wenn es schlecht läuft, erlauben Gelände, Schneesturm und Dunkelheit nur eine Rettung zu Fuss. Dann ist er schon mal siebzehn Stunden unterwegs und setzt sein Leben aufs Spiel, um Verletzte oder im schlimmsten Fall tödlich Verunglückte zu bergen.

Kurt Lauber lebt ein abenteuerliches und abwechslungsreiches Leben. Denn seit mehr als fünfzehn Jahren betreibt er auch die Hörnlihütte am Matterhorn – auf 3260 Meter Höhe. In der Hochsaison stellt ihn der Ansturm der Bergsteiger vor grosse Herausforderungen: Bei idealen Voraussetzungen brechen morgens über hundert Alpinisten auf, um das Matterhorn zu besteigen. Während einer Schlechtwetterperiode hingegen kann es auf der Hütte ziemlich einsam sein.

Kurt Lauber erzählt, was er bei seinen gefährlichen Rettungseinsätzen in den Bergen rund um Zermatt erlebt hat. Und er schildert, wie er und sein Hüttenteam eine eingeschworene Familie auf Zeit bilden. Ein beeindruckender Bericht vom Leben und Arbeiten vor dem Panorama des mächtigen Matterhorns (Klappentext)

Dieses Buch ist in meinem Antiquariat unter der Rubrik «Alpinismus» erhältlich.

16. Juli 2025

Praden

Yvonne Léger + Katharina Krauss-Vonow:
Praden, Ex Libris, Zürich, 1984
Praden im Kanton Graubünden, unweit der Hauptstadt Chur, in einem Seitental gelegen. Im Dorf auf 1167 Metern Meereshöhe lebt ein halbes Hundert Menschen.

Wer sind diese Einwohner, wie leben sie, was bewegt sie, wie sehen sie ihre Zukunft? In mehr als einjähriger Arbeit sind subtile Portraits entstanden, mit Worten der Journalistin Yvonne Leger und Bildern, der Fotografin Katharina Krauss-Vonow.

Gerade die intensive Nähe der beiden Autorinnen zu Praden hat zur Erkenntnis geführt, dass der Ort Modellcharakter hat. In diesem Buch sind Lebensgeschichten enthalten, die eine Melodie bilden. Der Blues der Bergdörfer. Melancholisch, etwas traurig und versponnen, aber nicht ohne Hoffnung.
(Klappentext)

30. Juni 2025

Mit dem Wind um die Welt

Bertrand Piccard, Brian Jones: Mit dem
Wind um die Welt, Piper, München, 1999
Es galt als eine der letzten Herausforderungen, die die Welt zu bieten hat: Nonstop um die Erde, nur mit dem Wind als Helfer. Die besten Ballonfahrer haben es versucht – Bertrand Piccard und Brian Jones ist es gelungen.

Fast gleichzeitig mit ihren schärfsten Konkurrenten nahmen sie die Weltumrundung in Angriff. Fasziniert verfolgte die Welt das dramatische Wettrennen. Im Kampf gegen schlechtes Wetter, widrige Winde, Hitze und Kälte arbeiten Piccard und Jones sich voran. Im fairen Wettstreit mit ihren Konkurrenten und im Bund mit der Natur gelingt ihnen ihr ehrgeiziges Vorhaben. In Form eines Tagebuches schildern die Autoren ihre dramatischen Erlebnisse. Zahlreiche exklusive Fotos lassen den Leser teilhaben an der einzigartigen Fahrt. (Klappentext)