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13. Juli 2026

Adieu Paris, Adieu Catherine

Eveline Hasler: Adieu Paris, Adieu Catherine,
Benziger, Einsiedeln/Zürich/Köln, 1966
In diesem Jugendroman geht es um das Erwachsenwerden, soziale Klassen und die erste Liebe vor der Kulisse der Weltmetropole Paris. Im Mittelpunkt steht Catherine, ein junges Mädchen aus der Schweiz, das für eine gewisse Zeit nach Paris geht, um dort in einer französischen Familie als Au-pair zu arbeiten. Die Autorin, die selbst in Paris Psychologie und Geschichte studiert hat, nutzt ihre Erfahrungen, um die Kontraste zwischen der glitzernden Pariser Oberschicht und dem harten Alltag der einfachen Leute realistisch zu schildern. Die junge Schweizerin muss sich in der fremden Grossstadt behaupten und lernt die Welt der Pariser Jugend kennen. Während ihres Aufenthalts durchlebt sie tiefe persönliche Entwicklungen, erste grosse Verliebtheiten, aber auch Enttäuschungen.

Der Titel «Adieu Paris, adieu Catherine» deutet bereits an, dass es sich um eine prägende Lebensphase handelt. Am Ende der Erzählung lässt die Protagonistin diese turbulente Zeit und die gewonnenen Freunde hinter sich, um in ihre Heimat zurückzukehren – ein Abschied, der sowohl schmerzhaft ist als auch einen Reifeprozess markiert. Das Buch zeichnet sich durch seinen feinfühligen, realistischen Schreibstil aus und fängt den Zeitgeist der 1960er-Jahre in Frankreichs Hauptstadt gekonnt ein.

F: Paris

25. Juni 2026

Pietr der Lette

Georges Simenon: Pietr der Lette,
Diogenes, Zürich, 2008
«Kriminalkommissar Maigret von der Ersten Mobilen Einsatztruppe hob den Kopf.» Mit diesem Satz betritt der unvergessliche Kommissar Maigret die Bühne der Weltliteratur.

Pietr der Lette ist der erste namentlich gezeichnete Maigret-Roman von Georges Simenon. Er entstand 1929 im Hafen von Delfzijl, Holland, an Bord seiner kleinen Yacht ‹Ostrogoth›.

In diesem Roman, der in Fécamp, Paris und Bremen spielt, soll Maigret eigentlich nur einen Mann am Bahnhof abholen, der ihm aber schon bei der Ankunft entwischt. Minuten später wird im selben Zug die Leiche eines anderen Reisenden gefunden …, und der sieht dem ersten Reisenden zum Verwechseln ähnlich.
(Klappentext)

F: Paris, Fécamp D: Bremen

8. April 2026

Verweile doch!

Arnold Kübler: Verweile doch! Ex Libris,
Zürich, 1974
«Belächle die Hatz und die Hetz und den Stress und die Fitness … Erfahre dich selbst» – der Feder- und Wortkünstler Arnold Kübler zeigt, wie er die Welt sieht.

«Ich beginne mit dem Schauen, mit dem Augenerlebnis», versichert Arnold Kübler. Seine meist heiteren Berichte und Zeichnungen, die er seit 1970 in den Sonntagsausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» veröffentlichte und nun seinen Freunden in Buchform vorlegt, sind keineswegs nur illustrierte Texte; sie sind vielmehr eigenständige zeichnerische Beobachtungen, denen der Text nur zufügt, was sich aus dem Gezeichneten nicht ablesen lässt. Freilich ein Text, der die Gedanken des Lesers ebenso verführt wie die Zeichnungen das Auge des Betrachters.

Da ist von den Umständen die Rede, unter denen die jeweilige Zeichnung entstand, von Begegnungen mit verständigen und unverständigen Menschen, von der Vergangenheit und vom Schicksal der Orte, überhaupt von allem, was Orte, Menschen und Dinge preisgeben, wenn man, wie Arnold Kübler, die innere Ruhe hat, zu verweilen. Auf verborgene Schönheiten hinweisend, lächelnd oder provokativ auf etwas deutend, Stimmungen einfangend oder neugierig beobachtend zieht der schreibende Zeichner oder zeichnende Schreibende durch die Welt. Und die Welt ist alles, was seine wache Aufmerksamkeit zu fesseln vermag: das Fabrikgelände in Zürich-Oerlikon ebenso wie Sizilien, das Bündnerland ebenso wie Dresden oder Frankreich.

«Verweile doch!» ist eine Aufforderung an die Zeitgenossen, vielleicht sogar eine Beschwörung, an den Wundern dieser Welt nicht achtlos vorüberzuhasten.
(Klappentext)

28. Februar 2026

Der Weg ist mein Zuhause

Philipp Fuge: Der Weg ist mein Zuhause,
Knesebeck, München, 2021
272 Tage zu Fuss unterwegs, über 6500 Kilometer und 35 Breitengrade durch sieben Länder: Was für viele Wanderer ein Traum bleibt, hat Philipp Fuge in die Tat umgesetzt. Er durchquert Europa vom südlichsten Festlandszipfel in Tarifa in Spanien bis hin zum Nordkap in Norwegen, quer durch alle Klimazonen und Jahreszeiten. Während im spanischen Januar der Winter zum Frühling wird, wähnt sich Philipp im norwegischen Spätsommer schon tief im Herbst.

Die Route führt ihn von Spanien nach Frankreich durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland bis an sein Ziel in Norwegen. Er spricht kein Spanisch und auch kein Schwedisch, ist fünf Monate auf dem Weg Richtung Norden vollkommen auf sich allein gestellt, aber Sprache ist beim Wandern kein Problem. Philipp Fuge trifft auf seinem Weg viele herzliche Menschen, die seine Reise einzigartig machen. Er erspürt die Eigenheiten der Länder und Regionen und die Besonderheiten der Landschaften, die er durchwandert. Auch die Schönheit der Natur lernt er durch seine entschleunigte Fortbewegung wieder viel mehr zu schätzen. Dass er bei dieser Wanderung kein einziges Mal seinen Pass vorzeigen muss, macht seine Reise aber auch zu einem Plädoyer für ein Europa ohne Grenzen
. (Inhaltsangabe zum Buch)

4. Februar 2026

Teufelsfrucht

Tom Hillenbrand, Teufelsfrucht,
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2011
Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer hat der Haute Cuisine abgeschworen und betreibt in der Luxemburger Unterstadt ein kleines Restaurant, wo er seinen Gästen Huesenziwwi, Bouneschlupp und Rieslingpaschtéit serviert. Doch dann bricht eines Tages ein renommierter Pariser Gastro-Kritiker tot in seinem Restaurant zusammen und plötzlich steht Kieffer unter Mordverdacht. Als dann noch sein alter Lehrmeister spurlos verschwindet, beschliesst der Luxemburger, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen; sie führen ihn bis nach Paris und Genf. Dabei stösst er auf eine mysteriöse, außergewöhnlich schmackhafte Frucht, auf gewissenlose Lebensmittelkonzerne und egomanische Fernsehköche. Immer tiefer taucht Kieffer in die von Konkurrenzkampf und Qualitätsdruck beherrschte Gourmetszene ein und erkennt, was auf dem Spiel steht. (Klappentext)

PNG: Aramia-Ebene L: Stadt Luxemburg (Hauptschauplatz) F: Flughafen Charles-de-Gaulle, Paris, Châlons-en-Champagne, St-Martin-aux-Champs, Grand Étang du Roi, Lyon D: Hohenheim b. Stuttgart, Bitburg I: Aostatal GE: Stadt Genf, Genfersee ZH: Stadt Zürich

17. Januar 2026

Der Mann, der Glück brachte

Claude Cueni: Der Mann, der das Glück
brachte: Lenos, Basel, 2018
Lukas Rossberg lag seit einem Kopf- und Lungendurchschuss, den er als Unbeteiligter bei einem Casinoüberfall erlitten hatte, sieben Jahre im Wachkoma. Als er nach der Reha ins Leben zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es war: Seine Freundin hat ihn verlassen, die Angestellten seiner IT-Firma sind ins Silicon Valley ausgewandert. Und die Folgen seiner schweren Verletzungen bleiben spürbar, er hat Gedächtnisausfälle und Depressionen. Sein alter Freund Robert Keller gibt ihm aus Mitleid einen Job bei der Lotteriegesellschaft. Fortan berät Lukas frischgebackene Lottomillionäre – er wird der Mann, der Glück bringt, aber selbst kein Glück hatte. Doch das eigenartige Verhalten des Lotteriechefs weckt schon bald sein Misstrauen. Der Verdacht, dass sich in der verhängnisvollen Casinonacht manches anders zugetragen hat, erhärtet sich. Als Lukas schliesslich den Server der Lotteriegesellschaft hackt, kommt er Roberts Komplott auf die Spur. (Inhaltsangabe zum Buch)

BS: Stadt Basel (Hauptschauplatz) F: Elsass I: Sardinien

6. September 2025

Hunkelers Geheimnis

Hansjörg Schneider: Hunkelers Geheimnis,
Diogenes, Zürich, 2015
Peter Hunkeler, inzwischen pensionierter Kommissär des Kriminalkommissariats Basel, ist nach einer Operation im Krankenhaus und teilt das Zimmer mit einem alten Bekannten: Stephan Fankhauser, einer schillernden Figur. Einst ein wilder Achtundsechziger, ist er im Laufe der Jahre durch die Institutionen marschiert und Leiter einer Bank geworden, der Basler Volkssparkasse. Nun ist er schwerkrank. Eines Nachts, Hunkeler hat bereits ein Schlafmittel erhalten, beobachtet er, wie eine Krankenschwester mit einem Rubinring an der Hand dem Zimmernachbarn eine Spritze setzt. Merkwürdig nur, dass Fankhauser sich so heftig dagegen wehrt. Und trug die Nachtschwester sonst nicht immer einen Diamantring?

Am nächsten Morgen, als Hunkeler aufwacht, ist Fankhauser tot. Hat Hunkeler alles nur geträumt? Er ist sich nicht sicher, aber er ist entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. (Klappentext)

BS: Stadt Basel, Riehen, Bettingen F: Knoeringe, Huningue, Hégenheim, Hésingue, Hundsbachtal

8. April 2025

Schwarze Hunde

Ian McEwan: Schwarze Hunde
Diogenes, Zürich, 1994
Ein englisches Paar auf der Hochzeitsreise: Inmitten der Naturschönheiten Südfrankreichs begegnen June zwei grässliche Hunde, die sie nie mehr vergessen wird. Bernard kann ihre aufgewühlten Gefühle nicht verstehen. Die Wege der Jungvermählten beginnen sich zu trennen …

McEwan, der Erkunder der dunklen Seite des Menschen, umkreist in «Schwarze Hunde» das Abgründige mit einer an Conrad erinnernden Meisterschaft. (Klappentext)

26. November 2024

Das Leben ist gut

Alex Capus: Das Leben ist gut, Hanser,
München, 2016
Max ist seit fünfundzwanzig Jahren mit Tina verheiratet, sie ist die Liebe seines Lebens. Er betreibt eine kleine Bar, tagsüber bringt er das Altglas weg, repariert das Mobiliar – oder begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf, der unbedingt über dem Tresen hängen soll. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das wird ihm einmal mehr bewusst, als Tina zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Ehe beruflich ohne ihn unterwegs ist. «Das Leben ist gut» verteidigt mit scharfem und versöhnlichen Blick, das, was im Alltag schnell übersehen wird. Es ist ein Roman über das Menschsein – vor allem aber eine Hymne an die Liebe. (Klappentext)

CH: Olten (Hauptschauplatz) F: Paris D: Mannheim

30. August 2024

Für immer jung und schön

Barbara Traber: Für immer jung und schön,
Zytglogge, Oberhofen, 2014
Die Gedenktafel «Für Olga Picabia-Mohler und Francis Picabia» findet sich noch heute beim Bahnhof Rubigen. Eines Tages stösst die Autorin darauf und beginnt – fasziniert von diesem aussergewöhnlichen Paar – zu recherchieren.

Am 1. Dezember 1925 besteigt die 20-jährige Olga Mohler, Tochter des Bahnhofvorstands, in Rubigen den Zug. Das Dorf im Berner Aaretal ist ihr zu eng geworden. Sie träumt von einem abenteuerlichen Leben – und nimmt eine Stelle als Kindermädchen an der mondänen Côte d'Azur an. Dort landet sie im «Château de Mai» von Francis Picabia und seiner Lebensgefährtin Germaine Everling. Die naive Schweizerin mit den blonden Zöpfen weiss nicht, dass Picabia ein berühmter Maler des Dadaismus ist, und von Kunst versteht sie vorerst gar nichts. Noch weniger ahnt sie, dass sie eines Tages die neue Muse, Geliebte und spätere Ehefrau von Picabia sein wird und sich im Künstlermilieu von Paris mit ­Picasso, Cocteau & Co. zu bewegen weiss. Bevor sie ihr Lebensglück findet, muss sie jedoch in einer schwierigen Ménage à trois ausharren und wie im Märchen Hindernisse überwinden. «Welche Frau hat schon so aufregende Jahre erlebt», wird sie später sagen.

Olga bleibt bis zum Tod des Künstlers 1953 an seiner Seite und überlebt ihn um fast ein halbes Jahrhundert. Damit Picabia nicht vergessen wird und sein Werk in gute Hände kommt, gründet sie eine Stiftung, das ­Comité Picabia, und sie legt ein Album an, mit Bildern des Künstlers und Erinnerungen an ihn.

Weshalb schaffte es ausgerechnet die Kindergärtnerin aus Rubigen, den 26 Jahre älteren, schwierigen, charismatischen Künstler an sich zu binden und ihm Halt zu geben?

Mit spürbarer Begeisterung und Respekt für die mutige Bernerin, die bis ins hohe Alter mit ihrem legendären Peugeot von Frankreich nach Rubigen fuhr, lässt uns Barbara Traber am Leben von Olga Picabia-Mohler teilhaben. Olga stirbt 2002 mit 97 Jahren einsam in Paris; ihre Urne wird auf den Friedhof Münsingen überführt und gerät dort in Vergessenheit. Auf Porträts jedoch ist sie von ihrem berühmten Mann, ihrer grossen Liebe, verewigt worden: für immer jung und schön.
(Inhaltsangabe zum Buch)

Hinweis: Dieses Buch gibt es auch in meinem Antiquariat zu kaufen. Siehe http://www.wanderwerk.ch/antiquariat/antiquariat.htm#lebensgeschichten

7. August 2024

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der
Welt, S. Fischer, Frankfurt/Main, 2018
Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor 20 Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiss, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird. 

Können wir unserem Schicksal entgehen oder müssen wir uns abfinden mit der sanften Gleichgültigkeit der Welt? Peter Stamm, der grosse Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war.
(Klappentext)

Dieser Roman wurde 2018 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet.

«Würde Albert Camus heute leben, würde er vielleicht Bücher schreiben wie Peter Stamm …» The New Yorker

ZH: Stadt Zürich S: Stockholm F: Paris

26. Juni 2024

Königskinder

Alex Capus: Königskinder, Hanser,
München, 2018
Max und Tina bleiben auf einem verschneiten Alpenpass stecken und müssen die Nacht im Auto verbringen. Um ihnen beiden die Zeit zu vertreiben, erzählt Max eine Geschichte, die genau dort in den Bergen ihren Anfang nimmt und Jahrhunderte zurückliegt.

Es ist die Zeit der Französischen Revolution, eine Zeit des Aufbruchs und Umbruchs in Europa. Jakob ist ein Hirte aus dem Greyerzerland und verliebt sich in Marie, die Tochter eines reichen Bauern. Der Vater will den Jungen loswerden und schickt ihn erst in den Kriegsdienst und dann an den Hof Ludwigs XVI. Dort ist man so gerührt von Jakobs Unglück, dass man eine Lösung ersinnt. Alex Capus erweist sich einmal mehr als der Meister faktenreichen Träumens – ein hinreissendes Spiel zwischen den Jahrhunderten. (Klappentext)

BE: Jaunpass FR: Jaunpass, Gruyère, Freiburg F: Paris (Schloss Versailles, Landgut Montreuil)

20. Juni 2024

Stille Tage am Fluss

Barbara Traber: Stille Tage am Fluss,
Waldgut, Frauenfeld, 1995
Silvia, alleinstehend, um die Fünfzig, ist freiberufliche Übersetzerin. Sie hat ein altes Haus auf dem Land in Frankreich im südlichen Burgund gekauft. Dorthin zieht sie sich für einige Monate in die Stille zurück. Sie will sich auf den Roman einer afrikanischen Autorin einstimmen, um ihn ins Deutsche zu übertragen.

Das einfache Leben im Dorf am Fluss, der Garten voller Malven, die Weite der Landschaft – das alles hat seinen Reiz im Frühling und Sommer. Aber es wird Herbst und Winter, Silvia muss mit Nebel, Feuchtigkeit, Kälte, Überschwemmungen – und mit der Einsamkeit fertigwerden.

Nach und nach lernt sie die Leute im Dorf kennen und schätzen, teilt mit ihnen Freuden und Sorgen. Da ist zum Beispiel Nachbarin Odette, die das Cafe Eglemme führt und ihre Lebensgefährtin verloren hat; oder Jannot, einst Lastwagenfahrer, heute mit dem Fahrrad auf Achse; oder Picou, der fou du village, der sich aufs Dorffest freut. An den langen Abenden, in Gesellschaft einer zugelaufenen Katze, nimmt Silvia ihre alten Tagebücher und Notizen hervor. Je kälter es wird, desto stärker flüchtet sie in ihre Erinnerungen an Afrika: sie wirken aus der Distanz wie bunte, oft klischeehafte Postkarten.

In den frühen 60er Jahren ist sie Botschaftssekretärin in Lagos, Nigeria, gewesen. In Gedanken erlebt sie noch einmal die Schiffsreise nach Westafrika, den Alltag in der Botschaft, die manchmal naive Auseinandersetzung der damals Zwanzigjährigen mit den Problemen eines Entwicklungslandes.

In der Altjahreswoche, während Silvia auf Nachricht vom Verleger wartet und sich Sorgen um ihre Zukunft macht, taucht ein Elsässer im Dorf auf, ein Komponist, der ihr ruhiges Leben gründlich auf den Kopf stellt.
(Klappentext)

24. April 2024

Mit 3 km/h durch Mitteleuropa

Rudolf Leuenberger: Begegnungen, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2024
Soeben ist in meinem kleinen Verlag ein neuer Titel erschienen: «Begegnungen» heisst er und erzählt von Weitwanderungen durch Mitteleuropa. Kaum im frühzeitigen Ruhestand, beginnt Rudolf Leuenberger (1933–2014) mit dem Fernwandern. Für jedes Jahr bestimmt er anhand einer Landkarte eine Stadt im umliegenden Ausland als Ziel, zieht eine Luftlinie von seinem Wohnort Zollikofen bei Bern und geht hernach meist den Flüssen entlang seinen Weg. Hierbei ist für den vielseitig interessierten Menschenfreund die körperliche Leistung Nebensache. Seine Kontaktfreudigkeit bringt ihm täglich neue Begegnungen und Bekanntschaften, auch wenn er der Landessprache nicht immer mächtig ist.

Die Neugier, was ihn hinter dem nächsten Hügel erwartet, hat den Autor immer wieder neu beflügelt. So sind insgesamt 14 Berichte von Wanderungen durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien, Österreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Tschechien und Österreich entstanden – ergänzt mit Ausrüstungs- und Orientierungstipps, aber auch mit tiefgründigen Gedanken über Gott, die Welt und anderem.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich, wo auch eine Leseprobe heruntergeladen werden kann.

16. April 2024

Fremde Freunde

Max Küng: Fremde Freunde, Kein & Aber,
Zürich/Berlin, 2021
Die Einladung klingt perfekt: Eine Woche Ferien in einem idyllischen Haus in Frankreich. Einfach mal wieder die Seele baumeln lassen. Süsses Dolcefarniente geniessen. Und natürlich: Essen wie Gott in Frankreich! Doch leider kommt es dann so, wie es oft kommt: ganz, ganz anders. (Klappentext)

6. März 2024

Chez Max

Jakob Arjouni: Chez Max, Diogenes,
Zürich, 2006
Die Welt im Jahr 2064: Überbevölkerung? Hungerkatastrophen? Religionskriege? Diktaturen? Von wegen. Jedenfalls nicht im euroasiatischen und nordamerikanischen Teil. Vom Rest der Welt durch einen Zaun getrennt, lebt es sich dort, abgesehen von vereinzelten Selbstmordattentaten und regelmässigen Grenzkonflikten, immer besser.

Zum Beispiel im elften Pariser Arrondissement in dem kleinen feinen Restaurant «Chez Max – Cuisine allemande». Allerdings wird dort nicht nur gut gegessen, sondern auch beobachtet und belauscht. Denn Max ist nicht nur Chef des Restaurants, sondern Ashcroft-Mann: Mitglied einer staatlichen Geheimorganisation, die die Gefahren, welche die politische Weltordnung bedrohen, frühzeitig erkennen und ausmerzen soll.

Max führt ein erfülltes, geregeltes Leben zwischen beruflichem Erfolg und gesellschaftlichem Engagement. Wäre da nicht sein Ashcroft-Partner, Chen Wu, ein moralisches Grossmaul, der kein Tabu auslässt, jede menschliche Schwäche aufspiesst und sich alles herausnehmen darf, weil er bei der Organisation spektakuläre Erfolge vorzuweisen hat. 

Bis er eines Tages selbst eine Schwäche zeigt und Max die Chance sieht, sich seines Partners ein für allemal zu entledigen (Klappentext)

F: Paris

14. Februar 2024

Lieber Leo

Hansjörg Schneider: Lieber Leo,
Benziger, Zürich/Köln, 1980
Dieser lange Brief an den toten Freund handelt vom Abschiednehmen: von der geliebten Frau, die ihn verlassen hat, vom Freund, der knapp 40-jährig, an einem Herzinfarkt gestorben ist, von der Mutter, deren lange zurückliegenden Selbstmord er nie überwunden hatte. Er handelt vom Schmerz des Abschieds und vom Annehmen von Trennung und Verlust.

Doch ist dieser Roman auch eine Standortbestimmung, stellvertretend vollzogen für eine Generation, die in der restaurativen Enge der 50er-Jahre aufgewachsen, sich den Zugang zu Jazz, Existenzialismus und Beat erkämpfte, die die 68er-Unruhen zwar bewusst, aber als 30-Jährige schon nicht mehr ganz dazugehörig erlebte und die, nun 40 geworden, Berufsroutine und Karriere plötzlich als schal empfindet. 

Zugleich spricht hier ein Mann, der, in patriarchalischen Vorstellungen aufgewachsen, versucht, mit dem neuen Selbstverständnis der Frau zurechtzukommen, der sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlt und doch um Verständnis bemüht.

Dieser scheinbar spontan erzählte, tatsächlich sehr durchdacht komponiere Roman ist gefühlvoll und spröde zugleich. Die Stimmungen und Schauplätze wechseln rasch – vom Tessin über Basel, Paris im Mai 68, nach Kalifornien, Mexiko und schliesslich nach Berlin. Und so entwickelt dieses Buch bei aller bewusst eingesetzten schweizerischen Färbung ein mitreissende Erzähltempo, das einem stärker aus der angelsächsischen denn aus der deutschsprachigen Literatur vertraut ist. (Klappentext)

AG: Zofingen BE: Emmental (Region Affoltern) BS: Stadt Basel TI: Carona, Lugano Morcote, Melide UR: Maderanertal D: Frankfurt, Berlin F: Paris USA: San Franzisco, Carmel MEX: San Felipe

20. Januar 2024

Pawlowa

Brian Sewell: Pawlowa, Insel Verlag,
Berlin, 2019
Die bezaubernde Geschichte eines Mannes, der alles stehen und liegen lässt, um eine junge Eselin zu retten.

Auf einer Reise in Pakistan sieht Mr B, ein britischer Gentleman, eine kleine Eselin: Ihr Rücken ist vollbepackt, ihre dünnen Beine zittern unter der schweren Last. Kurzerhand springt Mr B aus dem Wagen, fest entschlossen, sich um das Tier zu kümmern und es mit nach Hause zu nehmen. Das einzige Problem: Sein Zuhause liegt in London und eine Eselin kann nicht im Flugzeug reisen. Also begeben sich Mr Bund Pawlowa, wie er die Eselin von nun an nennt, auf eine lange Reise durch den Nahen Osten bis nach Europa – zu Fuss …

Ein wunderbares Geschenkbuch über Freundschaft und die farbenprächtige Vielfalt der Welt – für alle Reisenden und Fernwehleidenden, für alle Liebhaber von Eseln, von englischen Gentlemen und Geschichten, die man sein Leben lang mit sich trägt – so elegant, augenzwinkernd und charmant geschrieben, wie es nur die Briten können.
(Inhaltsangabe im Buch)

11. November 2023

Reise nach Amerika

Markus Michel: Reise nach Amerika,
Zytglogge, Bern, 1991
Brienz, Bern, Amerika. Die meisten kommen nie bis Amerika. Der Berner Oberländer Joli kam als Seifen- und Heiligenbildchenhändler bis in den Jura und ins Wallis, bevor er sich in Bern niederliess. Dort verdiente er den Lebensunterhalt für sich und seine Familie mit Büroarbeit. Geld war nie viel vorhanden. Jolis Familie war gross und der Beamtenlohn gering. Manchmal schrieb Joli Zugsverbindungen aus dem Fahrplan ab, nach Wien vielleicht, oder nach Milano. Von Amerika träumte Joli. Dort lag das Geld auf der Strasse, man brauchte sich nur danach zu bücken. Jolis Land der unbegrenzten Möglichkeiten war das Berner Stadttheater. Hier verbrachte er seine ganze Freizeit, als Obmann der Statisterie.

Auch Frau Joli träumte von Amerika. Abends, wenn sie mit den Kindern allein zuhause sass, erzählte sie von ihrer Schulfreundin Hilde, die als einziges Mädchen die Reise nach Amerika gewagt hatte. Frau Joli malte sich und ihren Kindern aus, was Hilde auf ihrer Reise erlebt haben könnte. Nach einigen Jahren kehrte Hilde mit zwei Kindern ohne Vater zurück. Ein Traum mehr, der ausgeträumt war.

Markus Michel zieht in seinem Roman immer weitere Kreise um Joli, baut dessen Familie, Geschichten von Brienzerinnen und Brienzern und Hildes Reise nach Amerika ein. Er holt die Lebensverhältnisse der nicht privilegierten Leute ans Licht, deren Leben aus Billig-Angeboten, Dienen bei fremden Leuten, der Schande unehelicher Kinder und der Schadenfreude der Nachbarn bestand. In der kleinbürgerlichen Enge hatte Amerika Platz im Kopf, aber keinen im Alltag.
(Klappentext)

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Brienz (Hauptschauplatz), Köniz, Meiringen, Gümigen, Iseltwald, Interlaken, Unterseen, Hofstetten b. Brienz, Brienzersee GE: Stadt Genf NE: Stadt Neuenburg SO: Grenchen VD: Montreux VS: Sion, Rhonetal F: Paris D: Dresden

25. Oktober 2023

Maigret und die alte Dame

Georges Simenon: Maigret und die alte
Dame, Diogenes, Zürich, 1997
Die alte Dame ist von rührender Zerbrechlichkeit und lebt in einer Puppenvilla an der rauen Küste der Normandie. Doch als ihr Dienstmädchen vergiftet wird, beweist sie auch einen eisernen Willen, reist kurzentschlossen nach Paris und wendet sich an Kommissar Maigret. Und sie hat Erfolg. Maigret reist ans Meer. Dort herrscht an Verdächtigen kein Mangel … (Klappentext)