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Gustav Ritschard, Emil Schmocker: Das Wildheuen in Ringgenberg, Verlag Ritschard/ Schmocker, Unterseen, 1980 |
Die vorliegende Darstellung einer jetzt nahezu verschwundenen alpinen Wirtschaftsform setzt zum Verständnis eine echte Freude an der Welt der ursprünglichen, aufs engste mit der Natur verbundenen Tätigkeiten voraus, die heute wiederum auf vermehrtes Interesse stossen. Der Wildheuer steht modellhaft da als ein Vertreter des genügsamen und gefahrvollen Lebens unserer Vorfahren, doch wird er, dessen Tätigkeit früher in den Lesebüchern der Volksschule beschrieben wurde, in unserer Zeit mehr genannt als gekannt. Deshalb verdient es besondere Anerkennung, dass in diesem Buch der Wildheuer mit seiner Geschichte, seinen Rechtsnormen, seinen sich aufgrund von Erfahrung entwickelnden Werkzeugen und Arbeitstechniken, seinen Unterkunfts- und Ernährungsgewohnheiten – eingebettet in das Leben – einer Familie und der Dorfgemeinschaft von Ringgenberg – ebenso verständlich wie anschaulich und warmherzig dargestellt wird. Einen breiten Raum nimmt zu Recht die minuziöse Beschreibung der Wegverhältnisse, der Traggeräte und der übrigen Transportmittel ein, denn das Wildheu legt vom steilen Graaggen bis zum hungrigen Maul der Stallgeissen einen weiten Weg zurück.
Die Arbeitswelt der Ringgenberger Wildheuer und ihre Eigenart spiegeln sich nicht nur in besonderen Ausdrücken und Redensarten, sondern auch in heiteren und ernsten Episoden, Gedichten, Erzählungen und Sagen, deren mundartliche Wiedergabe der Monographie einen ganz besonderen Wert verleiht. Die Schilderung der wilden Bergnatur mit ihren Gefahren, aber auch mit ihren Schönheiten, gibt der zeichnerisch vortrefflich ergänzten Darstellung einen grossartigen Rahmen. Es ist ein Verdienst, dass neben der Fülle des Altertümlichen auch die moderne Entwicklung bis zum Helikoptertransport unbefangen notiert wird.
Möge etwas von der Freude, welche die beiden Erforscher dieses Stückes alpiner Volkskultur bei ihrer Arbeit beflügelt hat, auf die Leser übergehen! (Vorwort von Arnold Niederer, Professor für Volkskunde, Universität
Zürich)
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