29. Mai 2026

Edition Wanderwerk – die Chronologie 1

Wie ich zum Verleger wurde

Mitte der 1990er-Jahre keimte in mir der Wunsch, ein Buch zu schreiben, dieses auch selber zu gestalten und zu veröffentlichen. Doch zu jener Zeit waren dies für mich unüberwindbare Hürden. Einerseits fehlte mir eine entsprechendes Desktop-Publishing-Programm und andererseits das nötige Kleingeld, um den Druck eines Buches finanzieren zu können. Und von den Vertriebsmöglichkeiten gar nicht zu reden ...

Mit der galoppierend fortschreitenden Entwicklung der gesamten Informatikbranche, wurden in den Nullerjahren die Möglichkeiten für das sogenannte Self-Publishing erheblich erleichtert. Die Firma Adobe machte mit seinem Programm «InDesign» dem damaligen Branchenkrösus «Quark» sein «QuarkXPress» streitig, indem ersteres um einiges billiger und in der Handhabung auch etliches einfacher war.

Ich nutzte also die Gunst der Stunde, beschaffte mir das «InDesign CS2» und begann, mich anhand von Fachliteratur in das unendlich weite Feld der typografischen Gestaltung zu vertiefen. Gleichzeitig galt es, dieses «InDesign» als Benutzer zu begreifen, denn, in gewissen Fällen funktionierte das Programm völlig anders als das mir bis dahin vertraute «Word» von Microsoft. Nebenbei bemerkt: Wenn du einmal mit einem professionellen Layout-Programm arbeitest, dann verfluchst du dieses «Word» beinahe täglich.

Die stilsichere Buchgestaltung ist das eine, das Finden einer qualitativ guten aber dennoch preisgünstigen Druckerei  das andere. Fündig wurde ich schliesslich bei einer Online-Druckerei in Berlin, wo ich die ersten 150 Exemplare herstellen liess. (Aufgrund der exorbitanten Preise und Auflagenstärken fielen  sämtliche Anbieter in der Schweiz ausser Rang und Traktanden.)

Währenddem ich nach der Erteilung des «Gut-zum-Druck» auf die Lieferung der Bücher wartete, gestaltete unter www.wanderwerk.ch eine Webseite, auf welcher das Buch präsentiert wurde und ergo auch bestellt werden konnte. Gleichzeitig bereitete ich ein Presse-Comuniqué an die Lokalzeitungen vor, das ich nach Erhalt der Bücher versenden würde.

Das Cover der ersten zwei Auflagen
Im März 2009 war es dann soweit: Ich hielt mein erstes selbstgeschriebenes und -gestaltetes Buch in den Händen «Schritt für Schritt» lautete sein Titel und vereinigte «63 Wandertaten in der Schweiz und Umgebung». Der Klappentext beschreibt das Buch so: Seit seiner Jugend wandert René P. Moor ohne Unterlass. «Das Leben ist zu kurz, um nicht zu Fuss zu gehen», lautet das Credo. Die «Wandertaten», wie er seine Unternehmungen per pedes nennt, führen ihn in alle Landesteile der Schweiz sowie ins angrenzende Ausland. Mal geht es auf verschwundenen Pfaden durch die Wildnis des Tessins, mal durch die Ödnis der Oltner Agglomeration, dann auf stillgelegter Bahnlinie durch den Bregenzerwald, über Stock und Stein dem Sonnenaufgang entgegen, auf dem Jakobsweg zu kulturhistorisch bedeutsamen Stätten oder zum vermeintlichen Mittelpunkt der Schweiz. Und wenn es sein muss, trägt er auch mal einen Barhocker auf einen Alpengipfel oder schreitet in einem Tag sämtliche Strassen und Wege einer politischen Gemeinde ab.

Angelica Schorre von der Zeitschrift «Wanderland» schrieb zu meinem Erstling: Augen und Herz sind offen für das unspektakulär Schöne, für das unfreiwillig Komische. In seinen «Wandertaten» erzählt Moor liebenswürdig-frech darüber.

Das Cover der dritten Auflage
Die Resonanz in der Öffentlichkeit war für ein solches Werk erfreulich. Nicht nur der «Berner Oberländer» und das «Thuner Tagblatt» berichteten darüber, auch Wanderkolumnist Thomas Widmer erwähnte «Schritt für Schritt» in der «Weltwoche». Sowohl Privatpersonen als auch Buchhandlungen bestellten das Buch, weshalb ich schon bald eine zweite Auflage drucken lassen musste. Und weil auch die recht schnell wieder vergriffen war, ich jedoch mit der Berliner Druckerei sowie meiner typografischen Gestaltung noch nicht ganz glücklich war, machte ich mich auf die Suche nach einer anderen Druckerei und gestaltete das Buch neu. Die dritte Auflage kann nach wie vor in meinem Verlag gekauft werden.

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