30. August 2013

Fuhrmann Sieber und sein Sohn

Eugen Mattes:
Fuhrmann Sieber und sein Sohn
Benziger, Einsiedeln, 1948
Durch seine zahlreichen Geschichten und Romane hat Sich der Thurgauer Eugen Mattes den Ruf eines begabten Erzählers erworben. In seinem neuen Roman schildert er das Leben eines Zigeunerfindlings, der bei einem währschaften Fuhrmann aus dem Rheintal aufwächst. Auf seinen Fahrten kreuz und quer durch die Schweiz erlebt er zwischen Pferden und Fuhrwerken, bald im Dorf, bald auf den Landstrassen, im einsamen Riet und in den dunklen Wäldern die Schönheit der Welt wie auch die Eigenart ihrer Menschen.

So lässt Mattes eine bunte Welt in köstlichen Bildern und Gestalten aufleben. Der Leser schaut die Schönheit det ziehenden Landstrasse, schaut hinein in manches Dorf, bis in die Stuben und Kammern, und nimmt teil an der eigenartigen Entwicklung des Knaben Mucki, der durch die rätselhafte Unruhe seines Blutes erregt, zwischen der Welt seiner Erziehung und seiner dunkeln Herkunft hin und hergerissen wird – bis er nach wechselnden Schicksalen bei den Zigeunern und auf Gutshöfen den Weg in die geordnete Welt seines Pfegevaters wiederfindet. Es ist ein Buch für jeden Menschen, der Freude an volkstümlichen, aber mit künstlerischen Mitteln gestalteten Stoffen hat. (Klappentext)

Was artig nach kitschigem Heimatroman klingt, entpuppt sich als gekonnte, heimatliche Dichtung. Mattes Sprache ist der damaligen Zeit entsprechend verklärend und es fragt sich, ob dieser knapp 500 Seiten starke Band nicht auch als Jugendbuch tituliert werden könnte. Mattes ist heute völlig in Vergessenheit geraten, obschon er 1943 mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstifung und 1948 mit dem C.-F.-Meyer-Preis bedacht worden ist.

SG: Diepoldsau (Hauptschauplatz), Rorschach, St. Gallen, Montlingen, Hirschsprung, Rheintal, Altstätten  AI/AR:  St. Anton, Heiden, Gais, Appenzellerland GR: Splügenpass I: Vatikan A: Feldkirch, Bludenz, Arlberg, Landeck, Innsbruck, Lechtal (Hauptschauplatz), Salzburg, Salzkammergut, Bregenzerwald

15. August 2013

Sieben Jahre

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Peter Stamm: Sieben Jahre
S. Fischer, Frankfurt, 1998
Ein Mann zwischen zwei Frauen, die eine ist begehrenswert, bei der anderen ist er frei.
Sonja ist schön und intelligent und lebt mit Alex. Eine vorbildliche Ehe, er müsste glücklich sein. Aber wann ist die Liebe schon einfach? Und wie funktioniert das Glück? Iwona wäre neben Sonja fast unsichtbar, sie ist spröde und grau. Aber Alex fühlt sich lebendig bei ihr – und weiß nicht, warum. Sie liebt ihn. Er trifft sie immer wieder, und als sie von ihm schwanger wird und das Kind kriegt, das Sonja sich wünscht, setzt er alles aufs Spiel.
(Klappentext)

Deutschland: München (Hauptschauplatz) mit Olympiadorf und Englischem Garten, Schwabing, Garching, Possenhofen, Tutzing, Perlach, Starnbergersee, Stuttgart, Garmisch Frankreich: Marseille und Cité Radieuse, Château d'If

8. August 2013

Bremer

Bremer nennt Bern sein Bois de Boulogne, den Bremgartenwald im Nordwesten der Stadt. Ich umrundete ihn heute zu zwei Dritteln, lobte innerlich den Regen, selbst wenn mich die hohe Luftfeuchte zum tropischen Schweissbade trieb. Dafür hatte ich die beliebte Naherholungszone für mich alleine. Keine wild gewordenen Biker, bloss ein Jogger sowie drei Hunde in Spielmodus mit Herrchen. Der Bremer weist ein paar hübsche Partien auf. Besonders gut gefiel mir der Glasgrabe. Ein quirliges Bächlein sucht hierbei den kürzesten Weg in den noch jungen Wohlensee. Gegen das Ende der Route wurde es weihnächtlich. Ich überquerte die Autobahn, den Gaza-Streifen quasi - und marschierte im Bethlehem ein. Was fehlte, waren die Bremer Stadtmusikanten. 

Und Ruth

Die Frau auf dem Bahnhof, ist es wirklich Ruth, die geheimnisvolle Freundin eines Mitschülers auf der Klosterschule? Oder nur eine Einbildung? Zögernd erinnert sich der Erzähler: an den ersten Schultag, die strengen Regeln des Zusammenlebens im Internat, die Rivalitäten und Intrigen der Jungen, die Eigenarten der Lehrer, die ersten Erfahrungen mit Liebe und Liebelei. Immer wieder gehen die Erinnerungen zu Erich, dem verletzlichen Zimmergenossen von damals, von den anderen verspottet und – uneingestanden – beneidet. Was waren das für Briefe, die Erich zu seiner Verzweiflungstat trieben? Wer schrieb sie? Und welche Rolle spielte Ruth bei alldem? (Klappentext)

Urs Faes: Und Ruth
Suhrkamp, Frankfurt, 2003
Der Aargauer Urs Faes, Autor dieses tragisch-lustigen Romans, besuchte von 1963–67 das Lehrerseminar im ehemaligen Zisterzienser Kloster Wettingen. In atemberaubender Dichte lässt Faes die Geschichte an eben diesem Ort,  Kantonsschule, spielen. Und natürlich stellt sich die Frage, ob das 2003 veröffentlichte Werk mittlerweile zur Pflichtlektüre der Wettinger Gymeler gehört. Ein fussgängerischer Abstecher an die Flussschleife der Limmat, wo die beeindruckende Klosteranlage eingebettet liegt, lohnt auf alle Fälle. Und ja, die Lektüre des Buches natürlich auch.

Aargau: Ehemaliges Kloster, späteres Lehrerseminar und heutige Kantonsschule in Wettingen

5. August 2013

Was die Welt nicht wissen muss

Heute eingekauft: Gregor Brunold: Traumberuf - Erzählung vom Journalistenleben, Echtzeit Verlag, Basel, 2012. Schnäppchen für vier Franken bei Thalia. Dann: 13 Wanderkarten im Massstab 1:50'000 zum Neupreis. Blatt 222T, 223T, 232T, 233T, 234T, 244T, 253T, 254T, 255T, 262T, 263T, 264T und 265T. Und letztlich noch zwei Schützengarten Bier in der halb Liter-PET-Flasche zum halben Preis. Ablaufdatum 23.08.2013 bzw. 24.08.2013. 

Massimo Marini

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Rolf Dobelli: Massimo Marini
Diogenes, Zürich, 2010
In einem Koffer wurde er als Säugling in die Schweiz geschmuggelt, acht Jahre lang mussten seine Eltern ihn versteckt halten, um ihre Arbeitsbewilligung nicht zu verlieren, der Vater ein harter Malocher, der es zum erfolgreichen Unternehmer schafft – alles für den Sohn Massimo, der es einmal besser haben soll. Dessen Leben verläuft weniger gradlinig und glänzt mit Dramatik und Höhepunkten. Vom italienischen Immigrantenkind zum Zürcher Gesellschaftslöwen. Vom Opernhausdemonstranten zum Opernhaussponsor. Vom Existenzphilosophen zum Bauunternehmer. Vom Linken zum Rechten. Vom Tiefen zum Hohen. Vom Süden zum Norden. Bis er einer Frau begegnet, die sein Glück krönt – und zerstört. Ein umfassendes Gesellschaftspanorama und das Porträt einer vitalen, schillernden Persönlichkeit. (Klappentext)

GR: Sedrun, Gotthardtunnel  LU: Luzern KKL, Emmenbrücke, Vierwaldstättersee TI: Chiasso UR: Gotthardtunnel ZH: Zürich Stadt, Zürichsee


2. August 2013

Mutz

Meine Inkompatibilität mit diesem Hitzewetter liess mich gestern früh losfahren. Nicht in die Berge, nein, in den Mutzgraben wollte ich. Schattige Morgenfrische und der mit 14 Metern höchste Wasserfall des Oberaargaus lautete der Plan. Von Wynigen nach Riedtwil. Eine wahrlich kurze Route, dafür reichte die Zeit für längere Betrachtungen im «Mutz», wie die Einheimischen das Tobel zwischen Buchsi- und Wynigerberge kurz und schnurz nennen.

Der berndeutsche Begriff «Mutz» hat indes mehrere Bedeutungen. Als Substantiv bezeichnet er das Oberteil der Berner Männertracht und steht gleichsam als Synonym für den Bär. Als «Mutzen» werden denn auch die Spieler des Schlittschuh-Clubs Bern bezeichnet, nicht aber jene des Berner Fussballclubs Young Boys. Bewahre! Adjektivisch gebraucht wird «mutz», wenn eine Person schnöde auf eine Frage antwortet oder sich generell kaltschnäutzig gibt. Jemand, der die Haare sehr kurz trägt, hat einen «mutzen» Schnitt. «Mutz über d Rüebe», lautet in diesem Falle der Auftrag an den Coiffeur. Bleibt freilich noch zu klären, was «Mutz» mit dem üppig bewachsenen Mutzgraben gemein hat.

Mutzbachfall im Mutzgraben (BE), mit 14 Metern Fallhöhe der Rekordhalter im Oberaargau.

1. August 2013

Die Schweiz neu definiert. Oder: meine Rede zum 1. August

Da wird doch immer wieder behauptet, die Schweiz sei eine Wandernation. Seit Jahren hege ich indes eine subtil-gegenteilige Auffassung. Mit Bestimmtheit wird allenthalben gewandert, vor allem dort, wo Bahnen die Bergwelt erschliessen oder einfache Wege zu Alpenclub-Hütten führen. Treibt man sich freilich etwas abseits dieser kanalisierenden Infrastrukturen herum, herrscht Wandererflaute – egal ob in den Alpen oder im Jura. Und im Mittelland erst recht. Statt von einer Wandernation zu sprechen, müsste vielmehr die Rede sein von einer Nation mit dem wohl dichtesten Netz an markierten Wanderrouten. Dies hat mir neulich folgende Spielerei deutlich vor Augen geführt: Auf dem Kartenportal der Schweizerischen Eidgenossenschaft blendete ich die drei offiziellen Wanderweg-Kategorien ein und zog den Zoomregler auf Volltotale.

Die Schweiz der Zukunft: Ein riesiges Wanderparadies und zwischen Neuenburger-
und Genfersee die einzige Stadt mit 7½ Millionen Einwohnern.

Es zeigte sich mir ein Bild, als ob die Schweiz beinahe nur aus Wanderwegen (gelb), Bergwanderwegen (rot),  ein paar wenigen Alpinwanderwegen (blau) sowie Seen und Gletschern bestehen würde. Einzig in den Kantonen Freiburg und Waadt waren grössere Wegnetzlücken ersichtlich. Hier liesse sich eine verdichtete Schweiz mit einer einzigen Gross-Agglomeration, mit Industrie, Strassen, S-Bahn-Linien, einem einzigen Flughafen sowie einem gigantischen unterirdischen Biomassen-Kraftwerk realisieren. Die verhinderte Wandernation würde also räumlich zusammenrücken. Wir Deutschschweizer wüssten endlich, weshalb wir in der Schule Französisch lernen, die Romands, Ticinesi und Grischuns rumantschs natürlich auch. Die Mega-City mit dem klingenden Namen Begebaluchzü (eine aus einem freundeidgenössischen Kompromiss hervorgegangene Wortschöpfung aus den Städtenamen Bern, Genf, Basel, Lugano, Chur und rich) würde zu einem vierlandessprachigen Konglomerat und gleichzeitig zur neuen Landeshauptstadt. Der Trilingueisme mutierte mit der Zeit zum weltweit einmaligen und von der UNESCO zusätzlich gekrönten Kulturstandard.

Der Rest der Schweiz? Ein Wanderland in rot, weiss, gelb und blau! Und weil es die in der 7½-Millionen-Stadt lebende Bevölkerung Wochenende für Wochenende in die von Strassen, Eisenbahnen, Städten, Industriezonen und, und, und befreite Natur zieht, würde die Schweiz doch noch zu einer Wandernation. Endlich.

30. Juli 2013

Das Haus der Mütter

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Therese Bichsel: Das Haus der Mütter
Zytglogge, Oberhofen, 2001
Ein packender Roman mit Anklängen an die Familiengeschichte der Autorin. Therese Bichsel verwebt das Schicksal einer modernen Frau des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts mit jenem ihrer Vorfahren. (Barbar – 1849; Rosa – 1888; Luise – 1914 und 1940; Leni – 1959). Wie in ihrem Erstling ‹Die schöne Schifferin› verknüpft Therese Bichsel geschickt historische Fakten mit dem farbigen Alltag ihrer Figuren. (Klappentext)

BE: Hasle bei Burgdorf (Hauptschauplatz), Bigelberg, Uetigen, Kalchofen, Eichholz (Bern), Bad Biembach, Stadt Bern

22. Juli 2013

Das Handtäschli

Die Abkürzung RF steht nicht nur für République Française, Roger Federer oder Rundfunk, sondern auch für ein Mitglied von Thomas Widmers Wanderfähnlein, mit dem ich sporadisch unterwegs bin. So auch am vergangenen Samstag. Geplant war der Schächentaler Höhenweg. Wir gingen ihn in voller Länge von der Klausen-Passhöhe bis auf die Eggberge. Und weil wir fanden, ein Abstieg nach Flüelen runde den Wanderklassiker formidabel ab, hängten wir noch 1000 spektakuläre Höhenmeter an.

RF war ebenfalls mit von der Partie. Wir anderen trippelten in Wanderschuhen und mit angehängtem Rucksack über blumenreiche Wiesen und durch tannigen Bergwald. Nicht so RF. Ihre Ausrüstung beschränkt sich seit Jahren auf Turnschuhe und ein ledernes Umhängetäschchen. Jedesmal, wenn ich die gestandene Journalistin in ihrem Outfit sehe, denke ich: Moor, du machst was falsch. Zwar nehme ich mir ab und zu vor, ebenfalls mit leichterem Gepäck wandern zu gehen. Geschafft habe ich es bislang freilich nicht.

RFs Umhängetasche als Multifunktionsteil. Hier beim Überqueren eines Viehzauns
auf dem Schächentaler Höhenweg (UR)

21. Juli 2013

980 Gramm, die ich mir leiste

Als 2011 der Outdoor-Austrüster Transa in seinem Sortiment ein neues Ein-Personen-Zelt anpries, war ich von Beginn weg begeistert. Darauf habe ich jahrzehntelang gewartet: Eine doppelwandige Solobehausung, welche die Bezeichnung «Zelt» verdient und weniger als ein Kilo wiegt. Was an die Quadratur des Kreises grenzt, nenne ich seit ein paar Tagen mein Eigen. 980 Gramm perfekt verarbeitete Hightech-Materialien, made in China. Fly Creek 1 UL heisst die portable Hütte und stammt aus der Schmiede des amerikanischen Zeltherstellers Big Agnes. Die aus Polyester und Nylon bestehenden Stoffe sind derart dünn, dass ich auf deren Strapazierfähigkeit gespannt bin.

Das Fly Creek Ultra Light des US-Herstellers Big Agnes wiegt nur 980 Gramm

Unter gewissen Umständen lässt es sich auch nur mit dem Innenzelt biwakieren, was das
Gewicht noch einmal um etwa einen Drittel reduziert.

Als erfahrener Biwakör werde ich mich noch nach einer passenden Zeltunterlage umsehen. Die Krux dabei ist, dass normale Unterlagen gegenüber diesem Gewichtswinzling verhältnismässig viel zu schwer sind. Das wissen auch die Big-Agnes-Leute und haben deshalb eine ultraleichte Unterlage im Angebot. 115 Gramm wiegt der Fetzen und kostet in der Schweiz saloppe 89 Franken. Zum Vergleich: In den USA liegt der offizielle Preis bei umgerechnet 47 Franken. Meine alte Zeltunterlage aus beschichtetem Alu schlägt mit sagenhaften 280 Gramm zu Buche – dies entspricht mehr als einem Viertel des Zeltgewichtes. Bewegt man sich einmal in den Ultraleicht-Sphären der Outdoor-Industrie, sind dies ernst zu nehmende Fakten. Noch habe ich keine Lösung für das Zeltunterlagenproblem, dafür aber eine Menge möglicher Wanderungen mit gediegenen Biwakplätzen in petto.

Problemzone Unterlage: 89 Schweizer Franken für 115 Gramm beschichtetes Nylon ... Abzocke oder vertretbar?

19. Juli 2013

Tödliche Seilschaft

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Barbara Traber: Tödliche Seilschaften
Gmeiner, Messkirch, 2012
Warum tun so viele Frauen Dinge, nur um einen Mann zu beeindrucken und ihm zu gefallen, gehen an ihre Grenzen und verlieren sich selbst? Das fragt sich Eva in der Mitte des Lebens. Sommer in den Dolomiten. Die junge Eva freut sich, mit ihrem Freund eine unbeschwerte Zeit zu verbringen und klettern zu lernen. Doch statt romantischer Tage erlebt sie abenteuerliche und gefährliche Bergtouren. Wird sich die neue Seilschaft bewähren oder ist das Absturzrisiko zu groß? (Klappentext)

Barbara Traber schreibt subtil-einfühlsam und wohlrecherchiert. Die Lektüre dieses vielschichtigen Romans kann ich daher sehr empfehlen. Etwas vom Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe und eine wunderbare Geschichte – auch wenn sie traurig-glücklich endet – für all jene, die sich im Südtirol tummeln.

Südtirol (Hauptschauplatz): Völs, Seis, Kastelruth, Bozen, Meran, Dolomiten, Stilfserjoch, Reschenpass Übriges Italien: Berninamassiv, Campofranco, Rifugio Marc e Rosa, Rifugio Marinelli, Rom Bern: Adelboden, Grindelwald Basel: Basel Bahnhofbuffet SBB Graubünden: Berninamassiv, Diavolezza, Pontresina Obwalden: Engelberg Österreich: Krems/Stein, Pfaffenberg bei Krems Frankreich: Chamonix Tschechien: Prag Deutschland: München

15. Juli 2013

Aufräumen, bitte!

Vergangenen Samstag fuhr ich mit meinem Sohnemann auf die hoch über dem Brienzersee gelegene Axalp. Die Route führte vorerst zur Alp Chrutmettli und von dort auf wunderbarem Bergpfad zur Alp Urserli am Fusse der sehenswerten Oltschiburg Westwand. Über die steile und mit Kletterstellen versehene Nordflanke des Sattels gelangten wir schliesslich ins skandinavisch anmutende Hochtal von Oltscheren. Begeistert blickten wir einem Rudel Gämsen nach, wie es sich im steilen Schrofengelände geschmeidig fortbewegte.

Am Aufstieg zum Sattel. Blick zur Alp Urserli (links) und der imposanten Oltschiburg.


Auf dem Sattel wächst die Trichterlilie (Paradisea liliastrum)


Unser Plan sah den langen Abstieg via Züün und den ehemaligen Alpweg nach Meiringen vor – vom dahin schmelzenden Lawinenschnee zur Schmelzwasser führenden Aare am Dreh- und Angelpunkt von Brünig-, Susten- und Grimselpass. Auf dem Karrweg zur Alp Oberfeld entdeckte mein Sohn einen grosskalibrigen Schuss. Wir hoben ihn auf. Wenige Schritte weiter fanden wir den zweiten, und wieder ein paar Meter weiter einen dritten. Auf einer Distanz von circa 200 Metern lasen wir insgesamt sieben Luftabwehrgeschosse zusammen. Ich fragte mich, wie viele Tonnen Munition in diesem einmalig schönen Hochtal wohl vor sich hin rostend herumliegen.

Blick durch das unter Naturschutz stehende Hochtal von Oltscheren (Berner Oberland).


In nur knapp fünf Minuten auf dem Weg zusammengeklaubt: Munitionsschrott der Schweizer Armee


Im Vorfeld dieser Unternehmung war ich über den Gebirgsschiessplatz Axalp-Ebenfluh nur vage im Bild. Aus den Medien wusste ich, dass hier oben jedes Jahr im Oktober eine Flugdemonstration mit scharfer Munition und Tausenden von Luftwaffenfanatikern aus halb Europa stattfindet. Als stiller Bewunderer der Bergwelt habe ich freilich null Verständnis für ein derartiges Spektakel. Worin genau liegt der Sinn dieser 1½-stündigen Lärm- und Zerstörungs-Show? Hinzu kommt, dass der Beschuss von Bodenzielen nicht mehr zur Aufgabe der Schweizer Luftwaffe gehört.

Es handelt sich also um eine reine Prestige- und Machtdemonstration und um die Befriedigung niedriger Triebe. Zu den rund 8000 Schaulustigen, die sich zu Fuss ins Hochgebirge begeben, gehören auch ranghohe Politiker und Militärs. Letztere lassen sich in der Regel von Armeehelikoptern auf die 2300 Meter über Meer hochfliegen, wo bereits ein VIP-Bereich auf sie wartet. Gleichzeitig werden Verpflegungsstände und Toilettenhäuschen hochgehelikoptert, damit auch die Massen ordentlich verpflegt sowie Blasen und Därme artgerecht entleert werden können. Das Ganze selbstverständlich auf Kosten des Steuerzahlers, Show inklusive.

Blick von der Alp Oberfeld talaufwärts. Links die Äbeflue, rechts das von der Luftwaffe unter
Beschuss genommene Axalphorn.


Ich wünsche mir deshalb, dass sich sowohl die Schweizer Armee als auch die kriegsgeilen Aviatikfreaks einmal zu Fuss in die Zone des Naturschutzgebietes Oltscheren-Wildgärst begeben und Matten, Felsen sowie Bäche vom viel bejubelten Müll befreien.

14. Juli 2013

Am Hang

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Der junge Scheidungsanwalt Clarin freut sich auf ein ungestörtes Pfingstwochenende in seinem Tessiner Ferienhaus, wo er einen Aufsatz für eine Fachzeitschrift schreiben möchte. Am ersten Abend lernt er auf der Terrasse des Hotels Bellavista einen älteren Mann kennen, einen scheinbar Verwirrten, einen Verrückten vielleicht. Sie reden und debattieren bis tief in die Nacht, und allmählich erzählen sie sich auch ihre Geschichten und Liebesgeschichten. 

Markus Werner: Am Hang
Fischer, Frankfurt, 2006
Was als stockendes Gespräch zwischen Zufallsbekannten begonnen hat, entwickelt eine fiebrige, beklemmende Dynamik, der sich weder Clarin noch der Leser entziehen kann. Es sind zweifelhafte Umstände, unter denen Loos seine geliebte, fast vergötterte Frau verloren hat, und dieser Verlust scheint ihm die Welt schwer und verhasst zu machen. Clarin hingegen lebt leicht und gern. – Ferner könnten zwei Menschen einander nicht sein. Wie nah sie sich sind, stellt sich erst spät heraus. (Inhaltsangabe im Buch)

Tessin: Agra, Cademario, Montagnola

10. Juli 2013

Japanisches Finale



Vergangenen Samstag vollbrachte ich sie: die komplette Umrundung des Kantons Aargau entlang seiner Grenze. In 19 Etappen mit einer Gesamtlänge von 367,7 Kilometern schritt ich im Gegenuhrzeigersinn einmal im Monat zur Tat. Die verbleibende Lücke war mit 12,3 Kilometern der kürzeste Abschnitt und endete dort, wo Anfang Januar 2012 alles begann. Womit ich damals freilich nicht gerechnet hatte, war das japanische Finale. Wie es dazu kam und wie wir im Himalaja des Aargaus den Mount Everest bestiegen, lässt sich im gesonderten Blog nachlesen.

PS. Die wirklich allerletzte Etappe widmet sich in Bälde der einzigen Aargauer Exklave, dem Kloster Fahr.

7. Juli 2013

Frei nach Jules Verne


Als ich vorletzte Woche dieser Gestalt begegnete, musste ich unweigerlich an Jules Verne und seinen 1869 erschienenen Roman 20'000 Meilen unter dem Meer denken. Denn etwa so stellte ich mir einige der Protagonisten in Vernes Fantasiewerk vor. Fotografiert habe ich das klobige Outfit in den Grottes de Vallorbe. Es handelt sich hier also um einen einigermassen unterwassertauglichen Höhlenforscher aus den 1890er-Jahren.

5. Juli 2013

Wandern ist doof

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Die Frankfurterin Conny hat bei einem Kreuzworträtsel zwölf Tage Ferien gewonnen. Ferien in der Schweiz. In der Urschweiz. Ferien im schwyzerischen Morschach. Der Gewinn kommt für die Hotelrezeptionistin, die gerade Liebeskummer hat, wie gerufen. Doch die Freude währt nur so lange, bis ihr klar wird: Diese Ferien sind als Wander- und Fastenreise für Singles ausgeschrieben.

Blanca Imboden: Wandern ist doof
Wörterseh, Gockhausen, 2013
Conny will absagen, denn sie weiß genau: Wandern ist doof. Fasten ist doof. Und Männer sind erst recht doof. Dank der Überredungskunst ihrer Freundin Andrea fährt sie trotzdem hin. Im Gepäck ihre neu gekauften Wanderschuhe und die geliehenen Wanderstöcke, den Rucksack und die Thermosflasche. Im Herzen die Gewissheit, das wird vor allem eines – verlorene Zeit. (Klappentext)

Luzern: Luzern Stadt, Rigi Schwyz: Fronalpstock, Morschach (Hauptschauplatz), Rigi, Stoos Tessin: Ascona, Brissago Uri: Rütliwiese Zürich: Zürich Flughafen Deutschland: Frankfurt

30. Juni 2013

Häbet nech am Bänkli


D Blogläsere Monika het mir vor zwone Wuche das Föteli per Meil lo zuecho. Gseh het d Fotografin das Bänkli vor der Filiale vo der Sanggauer Kantonaubank z Bad Ragaz. Die zwe Manne erinnere e chly a die Zyt, vo sech die Mehbessere ufere Sänfte dür d Gägend hei lo träge. Wo me du de Sänfte het afo vier Redli  verpasse, si nodisno aui zu Mehbessere worde. Aber no besser isch, wär zfuess geit. Gäuit.

28. Juni 2013

Fangschuss

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Vijay Kumar ist dreißig Jahre alt, indischer Abstammung, frischgebackener Privatdetektiv − und schon desillusioniert: Seine erste Auftraggeberin ist eine anstrengende Frau, die ihre Katze vermisst. Indischer Whisky und eine gehörige Portion Selbstironie helfen ihm, aufkommende Zweifel an seiner Berufswahl zu verdrängen.
 

Sunil Mann: Fangschuss
Grafit, Dortmund, 2010
Doch auch sein zweiter Auftrag ist weder lukrativ noch Glanz und Ruhm versprechend: Die junge Ness macht sich Sorgen um ihren Freund, den Drogendealer Philipp. Lustlos hört sich Vijay in der Szene um und merkt erst, als er über eine Leiche stolpert, dass er längst selbst in Gefahr schwebt. Eine Jagd beginnt − durch das noble Zürcher Bankenviertel bis in die Einsamkeit einer Berghütte. (Klappentext)

Graubünden: Marmorera, Fiktives Seitental bei Marmorera, Oberhalbstein, St. Moritz

Zürich: Kreis 4 insbesondere die Langstrasse, Wollishofen und weitere Stadtteile Zürichs