25. März 2024

Das Rütschli von Rütschelen und eine Nachgeburt

Gefahr in Rütschelen (BE).

Neulich kam ich auf einer Wanderung von Madiswil nach Herzogenbuchse im Dorf mit dem lustigen Namen Rütschelen vorbei. Was klingt wie die berndeutsche Verkleinerung von Rutschen hat etymologisch betrachtet nichts damit gemein*, dennoch musste ich schmunzeln, als mitten im Ort ein Strässchen wegen eines Hangrutsches für Fahrzeuge gesperrt war. Gespannt auf den Rutsch schritt ich vorsichtig voran. Rechterhand erhob sich ein steiles Bord aus Sandstein, aus dem an einer Stelle ein wenig Material abgebrochen und auf der Strasse gelandet sein musste. So interpretierte ich auf jeden Fall die Reinigungspuren auf dem Asphalt. Dass der Abschnitt immer noch gesperrt war, ist wohl einer Vorsichtsmassnahme geschuldet, da vorbeifahrende Fahrzeuge mit ihren Erschütterungen vermutlich weitere Teile des Sandsteinfelsens hätten abbrechen lassen.

Als ich ein paar Kilometer später durch Herzogenbuchsee zog, kamen mir zwei etwa zehnjährige Knaben entgegen. Der eine kickte gegen einen Stein, der mich zum Glück nicht traf. Der Jüngling sagte daraufhin zu mir: «Ich bi d Nachgeburt vo Ronaldo.» Was ich ihm antwortete, lässt sich erahnen.

Das Rütschli von Rütschelen.

Die offizielle Mitteilung auf der Website der Gemeinde Rütschelen (Screenshot vom 25.3.2024)

* Hier noch ein wenig Namensforscherlatein zum Wort Rütschelen: Oettli (1945) führt den Namen Rütschelen auf «altromanisches Riuskellos» zurück, das er mit französisch ruisseau vergleicht. Oettlis Deutung ist grundsätzlich wohl zuzustimmen. Rütschelen ist ein langgezogenes Strassendorf an einem Bachlauf, zwischen 545 und 590 m ü.M. Als ursprüngliche Bezeichnung ist jedoch eher an einen romanischen Flurnamen im Singular rīvuscellum «kleiner Bach» zu denken, der nach der Entlehnung ins Deutsche analogisch an die schweizerdeutsche Ortsnamenendung -(e)le/-(e)len angeglichen wurde. Diese Endung geht zurück auf ein germanisches-(i)lōn, althochdeutsch -ala, -ila, -ula, -ilja. Es handelt sich dabei um einen erstarrten Dativ Plural in lokativischer Bedeutung; die Endung drückt also eine Zugehörigkeit im weitesten Sinne aus und wird in Ortsnamen häufig als Stellenbezeichnung verwendet (cf. Burri 1995: 462s; Hogan-Brun 1996: 306). gs/ks (Quelle: www.ortsnamen.ch)

24. März 2024

3000

Ein kurzer Abschnitt meiner 3000. Wanderung führte entlang des Skulpturenwegs von Dietwil.

Gestern vollbrachte ich meine 3000. Wandertat seit Beginn der Aufzeichnungen am 28. März 1982. Ich ging vom luzernischen Rothenburg Station ins aargauische Sins. Das waren knapp 23 Kilometer in meist vorzüglichem Wanderterrain, inklusive mehrstündiger Wetterbesserung. 3000 Mal habe ich bislang die Wanderschuhe geschnürt, etliche Male davon zusätzlich die Schneeschuhe angezogen. Ziemlich genau 42 Jahre bin ich nun also per Pedes unterwegs. Eine lange Zeit und noch bin ich des Gehens nicht müde. Nach wie vor finde ich das Schritteln die mit Abstand beste, sinnvollste, schönste, umweltschonendste und beglückendste Art der Fortbewegung.

Wieder zu Hause nahm es mich wunder, wie lange ich jeweils für 1000 Wanderungen benötigte und wie viele Kilometer dabei pro 1000 Wanderungen zusammengekommen waren. Hier das Ergebnis:

Wanderungen

1–1000

1001–2000

2001–3000

Datum

18.1.1997

14.7.2013

22.3.2024

Zeitspanne

5410 Tage

6021 Tage

3904 Tage

Distanz

14'312.3 km

13'353,9 km

14'454,2 km

Ø Distanz/Tour

14,31 km

13,35 km

14,45 km


Und weil ich mich ja auch als Netzwerkwanderer verstehe, habe ich, der unverbesserliche Liebhaber von Listen, in stundenlanger Arbeit ein Verzeichnis sämtlicher Netzwerkpunkte in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein erstellt. Ein Netzwerkpunkt ist entweder ein Start- oder ein Zielort einer Wanderung, der wiederum als Start- oder Zielort einer anderen Wanderung dient. Aktuell umfasst mein Wanderwerk insgesamt 1839 Netzwerkpunkte, wovon 71 nur einseitig ins Netz eingebunden sind, d.h. entweder nur einen Start- oder nur einen Zielpunkt darstellen. Die besagte Liste wird laufend aktualisiert und kann hier eingesehen werden. Derzeit bin ich daran, sämtliche Netzwerkpunkte noch genauer zu verorten und dort, wo relevant, die Bezeichnung der Haltestelle des öffentlichen Verkehrs anzubringen. In der Liste ist übrigens auch ersichtlich, ob ich bei Mehrtagestouren im Zelt oder in einer festen Unterkunft übernachtet habe.

Auf vielen dieser 3000 Wanderungen habe ich jeweils meine Kamera dabei gehabt. So auch gestern, denn einmal mehr hat es sich gelohnt, die Augen offen zu halten und von der Rolle des Wanderers in jene des Fotografen zu schlüpfen.

23. März 2024

Wörter wandere dür d Jahrhundert

Ruth Bietenhard: Wörter wandere dür
d Jahrhundert, Cosmos, Muri b. Bern,
1999
Geht unsere Mundart, im speziellen Fall die berndeutsche, sachte verloren? Opfern wir sie gedankenlos unserer Anglophilie oder einfach einer allgemeinen schweizerischen Umgangssprache? Nein – aber sie wandelt sich, wie alles, was lebt! Diesen Wandel mitzuerleben an einzelnen Wörtern und Sprachfakten, lädt dieses Buch ein.

Wortgeschichten können fast so spannend wie ein Krimi sein. Warum entsteht ein Wort, wer ist sein Vater, seine Mutter? Was bewirkt es? Wieso verschwindet es manchmal spurlos? Wie können Wörter auch nach Jahrzehnten wieder zum Leben erwachen? Wie weit sind Wörter manipulierbar? Lauter Fragen, die wir uns oft stellen und die in diesem Buch «zu Wort» kommen.

55 Wortgeschichten versammelt das Buch. Geschrieben hat sie Ruth Bietenhard für das «Stübli », die beliebte Berndeutsch-Kolumne im «Bund», für die sie von 1977 bis heute nahezu dreihundert Artikel zu Sprach- und Literaturfragen verfasst hat.
(Klappentext)

20. März 2024

Leere Gräber

Petra Ivanov: Leere Gräber, Unionsverlag,
Zürich, 2014
Bei der Bergung eines Schiffsmotors vom Grund des Zürichsees stösst ein Polizeitaucher auf die Leiche eines Mannes. Dessen Glieder wurden mit Hanteln beschwert, was einen Unfall ausschliesst. Da der Tote in der Schweiz nicht vermisst wird, schalten Staatsanwältin Regina Flint und Kriminalpolizist Bruno Cavalli Interpol ein. Bald wird klar: Die Beschreibung passt auf einen argentinischen Journalisten, der vor sechs Monaten spurlos verschwunden ist. Doch was führte Ramón Penasso nach Zürich? Und woran arbeitete er vor seinem Tod?

Weil die Untersuchung nicht vorankommt, fliegt Regina Flint nach Buenos Aires. In Zürich überschreitet Bruno Cavalli auf der Jagd nach dem Täter die Grenzen des gesetzlich Erlaubten. Denn er hat nichts mehr zu verlieren.
(Inhaltsangabe im Buch)

ZH: Stadt Zürich, Zürichsee, Uetliberg, Uitikon, Urdorf, Gockhausen, Bonstetten, Herrliberg, Zollikon PY: Asunción RA: Buenos Aires ROU: Montevideo

16. März 2024

Im Wald von Brunegg nach Baden

Zwischen Birmenstorf (AG) und der Baldegg


Die 17. Etappe meiner Durchquerung der Schweiz im Wald führte mich neulich durchs Aargauer Mittelland. Ich startete vom Fusse des Chestenbergs, stieg am Schloss Brunegg vorbei hinauf in den wunderbaren Wald, der den Chestenberg fast völlig bedeckt. Es erstaunt deshalb nicht wenig, dass der in Sachen Forstwirtschaft vorbildliche Kanton Aargau weite Teile des Forstes zum Naturwald-Reservat deklariert hat. Braune Wegweiser wiesen mich in Richtung «Bronzezeitliche Höhensiedlung». Doch leider wurde ich ihr nicht ansichtig, da ich – vom Ambiente bereits ziemlich geflasht auf dem Grat angekommen – offenbar eine entscheidende Abzweigung verpasst haben musste. Die Begehung des Gratweges war dank des leicht wabernden Nebels ein buchstäblicher Hochgenuss. Dies- und jenseits der Krete breitete sich eine neue Generation Bärlauch aus, deren Grün sich markant vom braunen Laub abhob. Die langsam durchdringenden Sonnenstrahlen tauchten den drei Kilometer langen Hügel in ein zauberhaftes Licht. Gleichzeitig gab mir der Chestenberg einen kleinen Vorgeschmack auf den Lägerngrat, den ich mir für die nächste Etappe vorgenommen habe.

Hoch über der Aare setzte ich meinen Waldgang an einer Geländekarte fort. Und einmal mehr ärgerte ich mich über jene rücksichtslosen Biker, die den mit einem Befahrungsverbot belegten Pfad arg malträtiert haben. Da wurden nicht nur Treppenstufen zu Kleinholz gemacht, sondern auch ausweichende Abschnitte gefahren, die zu Erosionen führen, wovon wir eh schon genug haben. Zum Glück begegnete mir an diesem Morgen kein Mensch der strampelnden Zunft, ich glaube, er oder sie wäre nicht ohne wohltemperierte Schimpftirade meiner Wenigkeit ins restliche Leben geschickt worden.

Umso schöner war es dann auf der Habsburg, wo sich ein Haufen Unterstüfeler in die mittelalterliche Zeit der Habsburger einweisen liessen. Als mich nach mehreren Stunden der Wald für kurze Zeit in bewohntes und industrialisiertes Gebiet ausspuckte, erlebte ich das in solchen Situationen immer aufs Neue wiederkehrende Phänomen, mich hier völlig deplatziert zu fühlen, und möglichst schnell wieder Wald zu gewinnen. Dieser folgte denn auch schon bald, schliesslich hatte ich die Route so geplant, dass möglichst wenig «offenes» Land zu durchmessen war.

Ein wenig entspannter ging ich dann die nächste waldfreie Zone an, denn es erwartete mich mit der Überquerung der Reuss ein weiterer Fluss von nationaler Bedeutung. Und weil ich mich auch ein wenig nach der wärmenden Sonne sehnte, hielt ich am Ufer Mittagsrast. Ehe es in den letzten langen Waldabschnitt ging, gelangte ich an der Kirche von Birmenstorf vorbei, wo eine kleine Tafel mit der Aufschrift «Freskenkapelle» meine Neugier weckte. Bei der Kapelle handelt es sich um den ehemaligen Chorteil der paritätischen Kirche. Das genaue Entstehungsjahr ist nicht bekannt, doch dürfte das Gebäude ungefähr im 13./14. Jahrhundert erbaut worden sein. Bis 1936 diente die Kirche sowohl den Reformierten als auch den Katholiken von Birmenstorf als Gotteshaus. In den Jahren 1935/36 erhielten die beiden Konfessionsgemeinden je eine eigene Pfarrkirche; die katholische wurde unmittelbar neben der heutigen Freskenkapelle und die reformierte auf dem Bollrain errichtet. Damit verlor die paritätische Kirche ihre Funktion, weshalb man das nicht mehr genutzte Gebäude abzureissen gedachte. Als das Kirchenschiff bereits in Schutt lag, wurden im Chor unter einer dicken Verputzschicht wertvolle Wandmalereien entdeckt. Die auf den Platz gerufenen Spezialisten bestätigten bald die Echtheit der Fresken und schätzten das Entstehungsjahr auf 1440. Aufgrund dieser unerwarteten Entdeckung blieb der Chor bestehen, wurde zu einer Kapelle umgebaut und die Fresken 1937 renoviert. Diesen kulturhistorischen Leckerbissen wollte ich mir selbstverständlich nicht entgehen lassen.

Die letzten zwei Stunden dieser gut 22 Kilometer langen Wanderung führten mich erneut durch vorfrühlingshaften Wald. Kurz vor Baden erblickte ich vom Waldrand aus zum ersten Mal die Lägern, die ich dann, als ich auf der hoch über Baden gelegenen Burgruine Stein stand, direkt vor der Nase hatte. Vorfreude auf den nächsten Abschnitt meiner Waldroute keimte auf. Allerdings muss dann die Bodenbeschaffenheit deutlich trockener sein, denn was mir heute die Pfade boten, war an gewissen Stellen grenzwertig. Dementsprechend gezeichnet zeigten sich auf der Heimfahrt im Zug Schuhe und Hosenbeine.

13. März 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 10

Die zehnte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes ging von Buix nach Chevenez in der Ajoie (Kanton Jura). Auf diesen knapp 20 Kilometern begegnete ich kaum Menschen. In Fahy kam es indes zu einem unerfreulichen Zwischenfall, über den ich im Buch berichten werde, das im Zusammenhang mit diesem Projekt erscheinen wird. Ansonsten war die Route sehr angenehm und landschaftlich reizvoll. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU   Buix – La Tenie – Chevenez 19.2 09.03.2024 
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.02.2024 
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9  01.01.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.02.2024 

8. März 2024

Widmann Nummer 4

Josef Viktor Widmann: Die Patrizierin,
Edition Wanderwerk, Burgistein, 2024
Ich gebe es unumwunden zu: Josef Viktor Widmann zählt zu meinen Lieblingsautoren des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Drei Werken des umtriebigen Menschenfreundes habe ich in meinem Verlag bislang zu neuem Leben verholfen. Und soeben ist mit «Die Patrizierin» ein weiterer Widmann in der Edition Wanderwerk erschienen – sprachlich behutsam überarbeitet und mit etlichen Anmerkungen versehen. Davon handelt der Roman:

Hier, die in der Aristokratie verwurzelte Familie Fininger mit der hübschen Dougaldine und ihrem jüngeren Bruder Amadeus. Dort, der aus einfachen Verhältnissen stammende Dr. phil. Hans Almeneuer, der an einem Ball auf Dougaldine aufmerksam wird, die ihn jedoch abweisend behandelt. Der Zufall will es, dass der junge Akademiker dennoch Zugang zum Haus Fininger erhält: Hans Almeneuer wird der Privatlehrer von Amadeus. Obschon sich die junge Patrizierin gegenüber dem neuen Hausangestellten anfänglich distanziert zeigt, macht sich bei ihr langsam das Dilemma zwischen der Wahrung des gesellschaftlichen Besitzstandes und der Zuneigung zum ehemaligen Bergbauernbub breit. Ob es zu einem glücklichen Ende zwischen den beiden Individuen gegensätzlicher Herkunft kommen wird?

Der Roman ist mit einer in der Gegend Gottfried Kellers gebürtigen Ruhe und stilistischen Beherrschung geschrieben, unnervös, ohne Eile erzählt, mit einem Wort gesagt, dass man hier die grosse Kunst des Atemanhaltens beim Erzählen lernen könnte. Berliner Tageblatt

Das Buch kann direkt bei der Edition Wanderwerk bestellt werden.

6. März 2024

Chez Max

Jakob Arjouni: Chez Max, Diogenes,
Zürich, 2006
Die Welt im Jahr 2064: Überbevölkerung? Hungerkatastrophen? Religionskriege? Diktaturen? Von wegen. Jedenfalls nicht im euroasiatischen und nordamerikanischen Teil. Vom Rest der Welt durch einen Zaun getrennt, lebt es sich dort, abgesehen von vereinzelten Selbstmordattentaten und regelmässigen Grenzkonflikten, immer besser.

Zum Beispiel im elften Pariser Arrondissement in dem kleinen feinen Restaurant «Chez Max – Cuisine allemande». Allerdings wird dort nicht nur gut gegessen, sondern auch beobachtet und belauscht. Denn Max ist nicht nur Chef des Restaurants, sondern Ashcroft-Mann: Mitglied einer staatlichen Geheimorganisation, die die Gefahren, welche die politische Weltordnung bedrohen, frühzeitig erkennen und ausmerzen soll.

Max führt ein erfülltes, geregeltes Leben zwischen beruflichem Erfolg und gesellschaftlichem Engagement. Wäre da nicht sein Ashcroft-Partner, Chen Wu, ein moralisches Grossmaul, der kein Tabu auslässt, jede menschliche Schwäche aufspiesst und sich alles herausnehmen darf, weil er bei der Organisation spektakuläre Erfolge vorzuweisen hat. 

Bis er eines Tages selbst eine Schwäche zeigt und Max die Chance sieht, sich seines Partners ein für allemal zu entledigen (Klappentext)

F: Paris

29. Februar 2024

Seegrund

Volker Klüpfel, Michael Kobr: Seegrund,
Piper, München, 2008
Statt Kässpatzen essen zu dürfen, muss Kluftinger, der kultige Kommissar aus Kempten, seinen neuen Fall lösen: Im Allgäu liegt verwunschen im Wald der Alatsee, den viele Geheimnisse umgeben. Dort macht Kluftinger eine schreckliche Entdeckung – in einer riesigen roten Lache liegt ein lebloser Taucher. Ein fürchterliches Blutbad? Bald stellt sich heraus, dass bei bestimmten Witterungsverhältnissen eine seltsame organische Substanz in dem See nach oben treibt. Was aber ist mit dem Taucher geschehen? Kluftinger, der diesmal bei den Ermittlungen sehr zu seinem Missfallen weibliche Unterstützung von der Kripo Füssen erhält, steht lange vor einem Rätsel. Der Schlüssel zur Lösung des Falles muss tief auf dem Grund des geheimnisvollen, sagenumwobenen Sees liegen. Viele scheinen etwas zu wissen, doch überall trifft der Kommissar auf eine Mauer des Schweigens … Kluftingers dritter Fall von dem erfolgreichen Allgäuer Autoren-Duo Volker Klüpfel und Michael Kobr.
(Inhaltsangabe im Buch)

D: Alatsee (Hauptschauplatz), Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau, Forggensee, Füssen, Kempten, Skigebiet Fellhorn, Altusried

26. Februar 2024

Der Hufschmied von Heimiswil

Freiluft-Pediküre bei Heimiswil  

Kürzlich widmete ich mich einmal mehr der Begehung sämtlicher offiziellen Wanderwege des Kantons Bern. Ich zog von Rüegsbach nach Burgdorf. Topografisch betrachtet bedeutete dies die Überschreitung der zwei letzten Hügelketten des unteren Emmentals bis zu dessen Pforte. Eine beeindruckende Angelegenheit, da einem einmal mehr bewusst wird, wie abgelegen und doch so nah von der Stadt Burgdorf mitunter gelebt und gewohnt wird. Gerne hebe ich an dieser Stelle drei Punkte hervor, welche diese Wanderung zusätzlich geprägt haben:

  1. Im Rucksack führte ich einen neuen, lediglich 300 Gramm leichten Poncho mit, der auch als Tarp verwendet werden kann. Trotz des geringen Gewichtes misst die Plane erstaunliche 270 x 170 cm. In einem kleinen Waldstück oberhalb von Rüegsbach machte ich einen Testaufbau, um im Falle eines Falles die notwendigen Handgriffe schon einmal geübt zu haben.
  2. Auf dem Abstieg nach Heimiswil gelangte ich an einem Pferdehof vorbei, wo ein mobiler Hufschmied gerade zugange war. Ich hielt an und schaute dem Handwerker interessiert zu.
  3. Die sogenannte «Leuenhohle» bildete den Abstieg von der letzten Hügelkette hinab in Richtung Burgdorf. Der beeindruckende Hohlweg führt durch Sandsteinmolasse und diente einst als Hauptverbindung zwischen Bern und Luzern und somit auch als Pilgersteig nach Santiago de Compostela.

25. Februar 2024

Bis das Ross im Himmel ist

Stef Stauffer: Bis das Ross im Himmel ist,
Lokwort, Bern, 2014
Dass der Bub des Sattlers in ein bewegtes Umfeld hineingeboren wird, ist sein Glück. Er wächst auf in diesem Alltag, wo das Brichten, Plagieren und Wüsttun genauso dazugehören wie das stete Kommen und Gehen der Kundschaft in der Werkstatt – in einer Zeit, in der Freude und Leid ganz nah zusammen sind und das Pech vom Wetter abhängt. Wo man das Glück beim Zwirbele findet und den Schatz auf der Schiffschaukel.

Als feinsinniger Beobachter realisiert er, wie der Fortschritt sein Dorf verändert. Wie die Pferde von ersten Traktoren abgelöst werden und der Opel Kapitän Einzug hält. Die Stimmung des Cupfinals dringt über die Stadtgrenze hinaus bis in sein Dorf, und im Musikunterricht macht ein Tonbandgerät Furore. So nimmt der Bub auf, was zu fassen ist, und öffnet damit eine Tür in die Vergangenheit. wie sie präsenter nicht sein kann. (Klappentext)

23. Februar 2024

Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola

Urs Mannhart: Die Anomalie des
geomagnetischen Feldes südöstlich
von Domodossola, Bilger, Zürich, 2006
Mit möglichst wenig Gepäck reisen. Zeitung, Schokolade, Unterwäsche, ein Buch, eine fast leer getrunkene Wasserflasche, Geld und Ausweis in der Jacke. Festsitzen auf dem Mittelmeridian der geomagnetischen Weltvermessung. Und fragen: Warum ein Mensch eine solche Mühsal auf sich nimmt: Alle vierzehn Tage ewige Stunden und Hunderte von Schienenkilometern in einem Nachtzug von Basel nach Roma-Tiburtina, nur um sich wund zu lieben, nur um dann wieder zwölf Tage alleine zu sein. (Klappentext)

BS: Stadt Basel I: Domodossola, Rom

21. Februar 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 9


Die neunte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes ging von Arbaz nach Ardon. Das war feinstes Mittelwallis an einem viel zu warmen Februartag. Es flatterten die Schmetterlinge, es raschelten die Eidechsen, es blühten die ersten Waldblümchen. Im Zentrum der Tour standen zwei Suonen, die man hier Bisses nennt. Mehr darüber bei anderer Gelegenheit. Zum Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU       
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
VS   Arbaz – Chandolin – Ardon 17,9 19.02.2024 
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9  01.01.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.02.2024 

20. Februar 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 8

Über die achte Wanderung – der Kanton Zürich war an der Reihe – im Rahmen meines Jahresprojektes habe ich im Post vom 18.2. bereits berichtet. Über das Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU       
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
VS       
ZG   Sihlbrugg – Edlibach – Oberägeri 13,9   01.01.2024
ZH   Zürich HB – Küsnacht – Meilen 16,8 17.02.2024 

18. Februar 2024

Die 10 Meilen nach Meilen

Der Traum eines jeden Urbanwanderers: eine saubere öffentliche Toilette mit Seife und Papierhandtüchern, wie z.B. jene des Friedhofs von Herrliberg.

Die gestrige Wandertat führte mich vom Zürcher Hauptbahnhof durch die Armenviertel der Goldküste nach Meilen. Das waren gut 16 Kilometer Asphalt vom Feinsten, begleitet vom vierrädrigen Krösus-Sound aus den Häusern Porsche, Ferrari, BMW, Audi, Range Rover, Mercedes und Tesla – letztere Karren waren nur deshalb nicht leise, weil es die ersten drei Stunden regnete und nasse Strassen bekanntlich mehr Lärm verursachen, egal, über welchen Antrieb die hochtourigen Rollstühle verfügen. 

Ich hatte mich schon bei der Planung der Route auf einiges gefasst gemacht, insbesondere was die Pinklerei anbelangt, denn von Zürich bis Meilen ist, bis auf die paar hundert Meter vor Meilen, alles zugebaut. Die Rettung kam dann in Form eines nicht abgeschlossenen Baustellen-Toi-Tois in Küsnacht sowie der bislang feudalsten Friedhofstoilette, der ich bislang ansichtig geworden bin, im vorliegenden Fall war es jene von Herrliberg.

16. Februar 2024

13 wahre Geschichten

Alex Capus: 13 wahre Geschichten,
dtv, München, 2006
Menschen unterschiedlichster schweizerischer Herkunft versammelt Capus in seinen 13 wahren Geschichten. Im Stil alter Chroniken erzählt Capus, distanziert und leise belustigt, von kauzigen Patrioten, freundlichen Spinnern und glücklosen Erfindern, von mutigen Auswanderern, rauflustigen Söldnern und liebenswerten Betrügern – radikale Individualisten allesamt, deren Widerstand gegen jede Form der Fremdherrschaft sich in höchst unterschiedlichen unerhörten Begebenheiten ausdrückt. Ein Blick in den Anhang des Buches zeigt: All diese skurrilen Geschichten scheinen wahr zu sein. Auf der Basis von Dokumentationen, akademischen Untersuchungen und Zeitzeugenberichten entwirft Capus seine historischen Miniaturen – Episode um Episode entsteht so eine Art Anti-Hausbuch von vierhundert Jahren schweizerischer (Kultur-) Geschichte: Mit anachronistischem Gestus wird landläufiger Patriotismus gegen den Strich gebürstet, mit frohlockender Lust am zivilen Ungehorsam seiner Helden stellt Capus sich in die Tradition Gottfried Kellers, der vor hundert Jahren mit seinen Zürcher Novellen dem Biedersinn seiner Landsleute schon einmal einen kritischen Spiegel vorgehalten hat. Und gleichzeitig führt er uns vor Augen, an welch ungewöhnlichen Schicksalen Menschen wachsen oder zugrunde gehen. (Inhaltsangabe im Buch)

14. Februar 2024

Lieber Leo

Hansjörg Schneider: Lieber Leo,
Benziger, Zürich/Köln, 1980
Dieser lange Brief an den toten Freund handelt vom Abschiednehmen: von der geliebten Frau, die ihn verlassen hat, vom Freund, der knapp 40-jährig, an einem Herzinfarkt gestorben ist, von der Mutter, deren lange zurückliegenden Selbstmord er nie überwunden hatte. Er handelt vom Schmerz des Abschieds und vom Annehmen von Trennung und Verlust.

Doch ist dieser Roman auch eine Standortbestimmung, stellvertretend vollzogen für eine Generation, die in der restaurativen Enge der 50er-Jahre aufgewachsen, sich den Zugang zu Jazz, Existenzialismus und Beat erkämpfte, die die 68er-Unruhen zwar bewusst, aber als 30-Jährige schon nicht mehr ganz dazugehörig erlebte und die, nun 40 geworden, Berufsroutine und Karriere plötzlich als schal empfindet. 

Zugleich spricht hier ein Mann, der, in patriarchalischen Vorstellungen aufgewachsen, versucht, mit dem neuen Selbstverständnis der Frau zurechtzukommen, der sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlt und doch um Verständnis bemüht.

Dieser scheinbar spontan erzählte, tatsächlich sehr durchdacht komponiere Roman ist gefühlvoll und spröde zugleich. Die Stimmungen und Schauplätze wechseln rasch – vom Tessin über Basel, Paris im Mai 68, nach Kalifornien, Mexiko und schliesslich nach Berlin. Und so entwickelt dieses Buch bei aller bewusst eingesetzten schweizerischen Färbung ein mitreissende Erzähltempo, das einem stärker aus der angelsächsischen denn aus der deutschsprachigen Literatur vertraut ist. (Klappentext)

AG: Zofingen BE: Emmental (Region Affoltern) BS: Stadt Basel TI: Carona, Lugano Morcote, Melide UR: Maderanertal D: Frankfurt, Berlin F: Paris USA: San Franzisco, Carmel MEX: San Felipe

7. Februar 2024

Für nes Füfi Brot

Erika Wiedmer-Mani: Für nes Füfi Brot,
Weber Verlag, Thun-Gwatt, 2011
Erika Wiedmer nimmt uns in ihrem stimmungsvollen Erzählband mit auf ihren Bergbauernhof. In humorvollen, alltäglichen und oft auch nachdenklich stimmenden Geschichten gewährt sie Einblick in ihren Alltag und lässt uns teilhaben an ihrem Erinnerungsschatz. Vieles mag uns heute entbehrungsreich erscheinen – Erika Wiedmer hat das nie so empfunden.

Nach wie vor verbringt sie zusammen mit ihrer Familie, den Kindern und den Grosskindern den Sommer auf der Alp. Ihre Erinnerungen schreibt sie im Dialekt ihres Tales: dem Diemtigtal. (Klappentext)

5. Februar 2024

26 Kantone 26 Wanderungen – 7

Die siebte Wanderung im Rahmen meines Jahresprojektes widmete sich voll und ganz der westlichsten Ecke der Schweiz. Von Chancy ging ich der Rhone entlang zum westlichsten Punkt unseres Landes (Grenzstein 1.5) und folgte hernach recht lange der Landesgrenze, ehe ich durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet schritt und schliesslich in La Plaine zurück an die Rhone fand. Was der Kanton Genf in seiner ebenfalls westlichsten Ecke zu bieten hat, ist schlicht und ergreifend phänomenal! Über das Projekt: Für 2024 habe ich mir vorgenommen, jeden Kanton mindestens ein Mal fussgängerisch zu beehren. Die Liste wird nach jeder Begehung eines Kantons erneut publiziert. 


 Route km  Datum 
AG  Seon – Lütisbuech – Brunegg 15,5  27.01.2024
AI       
AR   Herisau – Ober Waldstatt – Urnäsch 14,3 19.01.2024
BE   Riedtwil – Rütschelen – Langenthal 17,0 03.01.2024 
BL       
BS       
FR       
GE   Chancy – Champlong – La Plaine 14,2  03.02.2024
GL       
GR       
JU       
LU       
NE   Les Sagnettes – St-Sulpice – Les Verrières  14,0 12.01.2024 
NW       
OW       
SG       
SH      
SO  Olten – Rumpelhöchi – Hägendorf 10,4   16.01.2024
SZ      
TG      
TI       
UR       
VD       
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3. Februar 2024

Die Schweiz in Listen

Hannes Bertschi: Die Schweiz in Listen,
Fona Verlag, Lenzburg, 2012
Typisch Schweiz? Das vielseitige Nachschlaegewerk enthält Ratings, Listen und Tabellen; es führt Zahlen, Daten und Fakten auf und berichtet prägnant von Menschen, Ereignissen und Einzigartigkeiten, exklusiv und erstmalig für die Schweiz. Darüber hinaus wirft es einen aktuellen Blick auf ein Land in Bewegung. Lesevergnügen, überraschende Informationen, staunenswerte Fakten und eine wunderbare Grundlage für Ratespiele! (Klappentext)

Themen: Schweiz, Land und Leute, Bauen und Wohnen, Natur, Kultur, Essen und Trinken, Sport, Politik, Medien, Reisen und Tourismus, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion, Panorama