22. Oktober 2026

100 Jahre Schweizer Eisenbahn

Diverse Autoren: 100 Jahre Schweizer
Eisenbahn, Generaldirektion der SBB,
Bern, 1947
Die Nachkriegszeit mit ihren Sorgen und Nöten ist wenig dazu angetan, rauschende Feste zu begehen und besinnliche Betrachtungen über das erste Eisenbahnjahrhundert in der Schweiz anzustellen. Die Eisenbahnen haben sich in unserem Land ohnehin erst einige Jahre später Geburtsrecht erworben als im Ausland, weil die Alpen und Voralpen die Trassierung und den Bahnbau begreiflicherweise erschwerten. Zudem ist die Schiene in ausgesprochenem Masse ein Werkzeug für den wirtschaftlichen Alltag, dessen Wertschätzung sich nach der täglichen Dienstleistung für den Einzelnen wie für Volk und Wirtschaft bemisst.

Dementsprechend ist es der Wille der Bundesbahnleitung, das Jahr 1947 nicht in erster Linie zu einem Jahr äusserer Kundgebungen zu machen. Unser Blick richtet sich vielmehr in die Zukunft. Wir wollen keine Anstrengung scheuen, um den Ruf der Bundesbahnen als zuverlässigstes und allzeit bereites Transportmittel der Nation durch vermehrte Leistung und restlose Ausnützung des technischen Fortschrittes zu wahren und zu mehren. Damit bleiben wir auch im Jubiläumsjahr der Devise treu, die dem ersten Eisenbahnjahrhundert in der Schweiz das Gepräge gab und die in der ganzen Eisenbahngesetzgebung und Eisenhahnpolitik sichtbaren Ausdruck gefunden hat.

Unser Volksbuch wird davon nur in bescheidener Weise, einen flüchtigen Eindruck vermitteln können. Es hat keinen andern Ehrgeiz, als möglichst grosse Volkskreise zum eigenen Urteil über die in hundert Jahren schrittweise erkämpfte beträchtliche, technische und wirtschaftliche Leistungskraft der Schiene anzuregen. Darüber hinaus will es zur Besinnung über die soziale, kulturelle, militärische und politische Bedeutung der Eisenbahnen für unser bundesstaatliches Zusammenleben aufrufe~. Das Jubiläum soll daher auch zu einer Zwiesprache zwischen Nation und Staatsbahn werden, wobei unser Buch mehr als kleine Hilfe für die eigene Beobachtung und für das vom Bürger bei der täglichen Benützung der Bahn selbständig geformte Urteil gedacht ist.

Möge es damit dem vermehrten Verständnis zwischen Oeffentlichkeit und Staatsbahn dienen; möge es dazu beitragen, dass auch beim Eintritt in das zweite Eisenbahnjahrhundert der Leistungswille der Bundesbahnen sich auf die Zustimmung und den Willen des ganzen Volkes stützen kann.


Geleitwort der Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen

19. Oktober 2026

Nach oben sinken

Wilfried Meichtry: Nach oben sinken,
Nagel&Kimche, Hamburg, 2023
«Nach oben sinken» erzählt von einem fantasievollen Jugendlichen, der an der rohen Enge der katholischen Dorfwelt der 1970er- und 1980er-Jahre leidet und gegen eine unnahbare Erwachsenenwelt ankämpft, die vor lauter Schweigen die Worte vergessen hat. Immer mehr zieht sich der Junge, der nach Nähe und Zuneigung sucht, in die Welt seiner Fantasie zurück und wird zum Aussenseiter im Dorf. Als er zufällig entdeckt, dass er einen Onkel hat, der vor Jahrzehnten spurlos verschwunden ist, ist er überzeugt, in diesem seinen einzig wahren Verwandten gefunden zu haben. Bei seinen Nachforschungen allerdings rennt er erneut gegen eine Mauer des Schweigens an. (Klappentext)

VS: Leuk, Susten, Pfynwald, Illgraben, Brig, Nivenalp, Sion

16. Oktober 2026

Die Entweihung der Alpen

«Die Einsamkeit geht verloren». Ich möchte doch einmal erfahren, wieviel Quadratkilometer Einsamkeit eigentlich ein einzelner Mensch für sich beansprucht, damit er sich zufrieden gebe: Der Mensch hat 5 bis 6 Fuss Höhe und 1 bis 2 Fuss im Durchmesser; und dieser Knirps begehrt für seine Ferieneinsamkeit nicht etwa bloss, dass ihm auf seinen Spaziergängen niemand begegne, nein, er verlangt gleich ein paar Dutzend Gebirgsstöcke von je 4000 Metern Höhe und je zwanzig Stunden im Umkreis für sich allein. Ich begreife die Einsamkeit und liebe sie; ich kann sogar äussert lebhaft mitfühlen, dass es kein Genuss ist, sich mit den Ellenbogen stossen zu lassen oder auf Schritt und Tritt einem Mitmenschen auszuweichen. Allein was es mir schaden sollte, wenn ich auf der Walliser Seite der Jungfrau über das Eis kletternd, weiss, dass auf der Berner Seite, weit ausserhalb meines Horizontes, in einer Entfernung von zwei Tagereisen eine Partie von einigen hundert Passagieren im Dampfwagen hinauffährt, das begreif ich nicht. So weit das Auge reicht, keinen Menschen zu sehen, das ist schon eine ganz annehmbare Einsamkeit; die Forderung, es sollten keine vorhanden sein, so weit der Gedanke denkt, wird wohl etwas unbescheiden heissen dürfen. «Die blosse Vorstellung davon verleidet mir die Alpen.» Unter uns gesagt, das ist eine ziemlich griesgrämige Vorstellung. Es gibt ja unter den Menschen nicht bloss Engländer, es gibt auch ganz leidliche, ja sogar äusserst liebenswürdige Herren und Damen. Warum sich gleich das Schlimmste vorstellen? Und wenn denn einer so galligen Temperaments ist, dass er nicht einmal in Gedanken einen andern auf zwanzig Kilometer Entfernung dulden mag, so verkrieche er sich meinetwegen in eine Höhle des Finsteraarhorns. Zu verlangen, dass mit ihm die ganze Gebirgskette überlassen sollen, damit er sein Leberleiden darauf kuriere, das ist etwas viel. Und dann, ebenso gut wie ihn die blosse Vorstellung davon ärgert, dass eine fröhliche Vergnügungsbande mit der Eisenbahn lustig nach dem Jungfraugipfel kutschiert, könnte die Vergnügungsschar ihrerseits daran Anstoss nehmen, dass ein Brummbär auf dem Finsteraarhorn lungert, welchen die blosse Vorstellung eines Vergnügungszuges nach der Jungfrau schon ärgert. Sollen sich nun beide Teile gegenseitig von den Gipfeln hinunterärgern?

Wahrlich eine bizarre Feindseligkeit! Und ein kindischer Anlass! Der Kampf ums Dasein hat einen Sinn; denn wenn zwei nicht nebeneinander Platz finden, so stösst eben einer den andern von der Stelle; allein der Kampf ums Dortobensein, herbeigeführt durch die Anmassung, dass im Umkreis von zwölf Gletscherkegeln niemand anders sich aufhalten dürfe, ist einfach lächerlich. In diesem Krieg werden übrigens die Gebirgseremiten jämmerlich unterliegen; denn es ist in der Welt so eingerichtet, dass die Herde den Bock und nicht der Bock die Herde ausstösst. Mit der Einsamkeit ist es eben bestellt wie mit den übrigen Gütern; wenn viele Menschen der Einsamkeit teilhaftig werden wollen, so müssen sich eben alle in eine Teilung derselben fügen. Und das lässt sich ja über die Massen leicht bewerkstelligen. Welche Begriffe macht man sich denn eigentlich von den räumlichen Verhältnissen des Menschen zu den Bergen? In den einzigen Kanton Graubünden könnte man die Bevölkerung der ganzen Schweiz derart verteilen, dass jeder Einzelne nicht bloss Einsamkeit, sondern überdies noch ein gerütteltes Mass von tödlicher Langeweile erhielte.

Carl Spitteler (1845–1924) in der Neuen Zürcher Zeitung vom 12.1.1930

13. Oktober 2026

Eine Frau für den Barista

Marco Malvaldi: Eine Frau für den Barista,
Piper, München, 2016
Alice Martelli. So heisst die neue Kommissarin in Pineta. Da sie von Klatsch als Ermittlungsmethode nicht wenig hält, macht sie bald die Bekanntschaft der BarLume und ihrer eigentümlichen Stammgäste. Die vier Senioren erläutern ihr auch umgehend ihre Theorie zum Verschwinden von Vanessa Benedetti. Sie sind sich sicher, dass ihr Ehemann sie zum Schweigen gebracht hat. Trotz der Affenhitze gelingt es den vier Alten selbstverständlich wie immer mit der Unterstützung von Massimo, ihrem Barista, am Ende jede Unklarheit zu beseitigen. Mithilfe messerscharfer Witze und tödlicher Wortgefechte. (Klappentext)

10. Oktober 2026

Endstation Alpenparadies

Markus Michel: Endstation Alpenparadies,
Münster, Basel, 2019
Max Berger, ein älterer Auslandschweizer, langjähriger Buchhalter in Paris, hört in der Metro, wie zwei Frauen von einem Alpenparadies Dolce Vita in der Schweiz erzählen, wohin alte Menschen aus ganz Europa geschickt werden. Obwohl Max sich einredet, dass dies nicht sein kann und er selbst noch jung sei, wird sein Alltag immer mehr zum Alptraum. Er verliert seine Stelle, spielt seiner Frau vor, immer noch arbeiten zu gehen, irrt durch Paris. Max sieht nur noch einen Ausweg.

Scheinbar alles nur wilde Fantasterei von Max, der, seit sie einen neuen Mitarbeiter und den neuen Computer haben, keine Arbeit mehr hat und schauen muss, wie er die Bürostunden hinter sich bringt?! Nein, die Realität holt den Alptraum ein.
(Klappentext)

F: Paris

3. Oktober 2026

Die Gedanken-Bank

Es ist an der Zeit, wieder einmal ein Bänkli zu zelebrieren. Dieses Exemplar befindet sich im Dorfzentrum von Rünenberg, Kanton Basel-Landschaft. Es soll an die schmerzlichen Erfahrungen der Betroffenen von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen erinnern. Im gesamten Kanton sind 13 solcher halbrunden Gedankenbänke aufgestellt worden. Hergestellt wurden sie aus Baselbieter Eichenholz in der Schreinerei des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene Arxhof. Weitere Informationen über das Weshalb und Wozu dieses Projektes gibt es hier.