21. April 2013
Höhlentourismus 2.0
Kaum hat sich die Welt an die Omnipräsenz der Endlostelefonierer und Dauer-SMS-Schreiber gewöhnt, dringt schleichend die nächste Generation von Höhlentouristen ins Land. Gesehen heute beim Eingang zu den Beatushöhlen am Thunersee.
9. April 2013
Der Zaun, die Bank, das Tier
Auch Blogleserin Monika fotografiert gerne Bänkli. Kürzlich liess sie mir unten stehendes Bild zukommen, das in der Nähe von Müstair (GR) entstanden ist. «Soll das Schutz vor dem Bären bieten? Oder wozu ist es wohl sonst gedacht?», wurde ich gefragt. Nun, werte Monika, ich weiss es beim besten Willen nicht, da ich kein Bankenexperte bin. Meine Vermutung geht indes in Richtung Kuschelecke, denn wie sonst sollen sich zwei liebende Bären vor dem Menschen schützen, wenn nicht mit einer Bankumzäunung? Dein Bild beweist, dass die Bündner im Umgang mit Bären noch etwas unerfahren sind. Wäre das Bänkli nämlich komplett eingefriedet, wäre auch der Bär keine Gefahr mehr. Wie dies übrigens geht, machen die Solothurner vor, wie zweites Bild veranschaulicht. Hier hat sich der Mensch den Luchs einfach und effizient vom Leib gehalten.
Tja, liebe Bündner, nehmt euch daran ein Beispiel, und, wenn wir schon beim Wildtier sind, hört doch endlich auf, euren Steinböcken das Sprechen beizubringen.
Tja, liebe Bündner, nehmt euch daran ein Beispiel, und, wenn wir schon beim Wildtier sind, hört doch endlich auf, euren Steinböcken das Sprechen beizubringen.
| Damit hält man keine Menschen fern, werte Bündner. Das Bänkli bei Müstair (GR). |
| So ist's richtig, und der Luchs lässt Mensch und Tier in Ruhe. Chli Brunnersberg (SO). |
17. Februar 2013
Fitnessraumphilosophie
Das Perfide am Laufband ist, dass man gehen und rennen muss, um an Ort zu bleiben. Und das wahrlich Paradoxe ist, dass wir dafür noch bezahlen.
11. Februar 2013
Wenn die Brust schwillt
Kurioses Bild neulich am Banhofkiosk von Turgi (AG). Vom Zeitungsständer blickt mich ein Leguan an. Dieser wiederum ziert das Titelblatt der Tierwelt. Soweit nichts Aussergewöhnliches, erscheint doch das Magazin Woche für Woche in einer Auflage von über 70'000 Exemplaren. Das Spezielle ist die Platzierung zwischen Finanz und Wirtschaft, der WoZ sowie den türkischen Postillen Sabah und Hürriyet. Für ein derart prominent eingereihtes Blatt wie die Tierwelt schreiben zu dürfen, ehrte mich an Ort und Stelle über alle Massen. Mit geschwellter Brust fuhr ich sodann zum Ausgangspunkt meiner Wanderung. Wie der Gang von Schwaderloch nach Villigen war, gibt es in einer der März-Nummern eben dieser Tierwelt zu lesen.
18. Januar 2013
Ciao Jakob
Da lese ich praktisch keine ausländischen Belletristiker, entdecke aber vor kurzem den deutschen Autor Jakob Arjouni («Arschuni»), lese seinen Kriminalroman «Kismet» und bin derart angetan, dass ich sogleich «Mehr Bier» nachkaufe. Und nun ist Arjouni in der Nacht auf den 17. Januar im Alter von 48 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Ich bin erschüttert und werde die restlichen Arjounis post mortem lesen. Ciao and rest in peace!
| Bereits zwei Tage nach Arjounis Tod sah ich in der Berner Bahnhofbuchhandlung von Thalia dieses Schaufenster |
10. Januar 2013
Posaunenengel und Pouletflügeli
Winterwanderung
Wasen–Oberwald–Huttwil
Die Emme ist zwar weit, doch das Emmental nah. Hautnah sogar. Wer vom Fusse des Napfs vor die Tore des Oberaargaus geht, erlebt eine Wanderung vom Nabel der Schraubenzieherwelt bis zur psychedelischen Reizbarkeit unserer Sinne.
Am Dorfeingang Wasens, an der Bushaltestelle Bahnhof, ist auszusteigen. Gegenüber das unübersehbare Fabrikgebäude der Firma PB Swisstools. Von hier stammen unter anderem die Schraubenzieher mit den weltberühmten roten Griffen. Das Werk beschäftigt 140 Mitarbeitende, und stellt monatlich 700 000 Stück her. Nebst Schraubenziehern stellt PB Swisstools eine ganze Palette anderer Werkzeuge her, so auch für den medizinischen Bedarf. Das Sortiment umfasst insgesamt 2200 verschiedene Artikel. 66 % der Ware wird ins Ausland exportiert. Die Firma ist in 41 Ländern, hauptsächlich in Europa, Asien und Amerika, vertreten. 1878 als Schmiede gegründet, übernahm 1916 ein gewisser Paul Baumann (PB) den Betrieb und entwickelte das heute in vierter Generation erfolgreich operierende Unternehmen stetig weiter. An der Spitze des grössten Arbeitgebers der Region steht mit Eva Jaisli eine Frau.
Wasen–Oberwald–Huttwil
Die Emme ist zwar weit, doch das Emmental nah. Hautnah sogar. Wer vom Fusse des Napfs vor die Tore des Oberaargaus geht, erlebt eine Wanderung vom Nabel der Schraubenzieherwelt bis zur psychedelischen Reizbarkeit unserer Sinne.
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| Wasen–Huttwil (BE): die Route |
Der gelbe Richtungszeiger gegenüber des Firmengebäudes weist bereits den Weg Richtung Oberwald/Schaber. Auf der Nordseite der Schraubenzieherfabrik über die Grüene und auf einem Strässchen weiter in einen enger werdenden Graben hinein, die markierte Route an jener Stelle verlassend, wo sie links zum Bächlein runter führt. Auf besagtem Strässchen weiter bergan, die Abzweigung zum Battenberg ignonierend, in zwei schattigen Kehren zum Hof mit dem speziellen Namen Zwei. Auf einer Art Hochplateau mit sich weitender Aussicht zum Hof Underbärhege mit prächtigem Bauernhaus. Auf breitem Bergrücken zum nächsten Anwesen, Oberbärhege. Bei der Scheuneneinfahrt den Weg rechts wählen und nun steiler zum Waldrand hoch, diesem entlang, ein erster links abzweigender Weg ignorierend und etwas weiter oben in steiles Waldgelände eintauchen. Nach einer kurzen Traverse wird der Grat betreten, welcher Wasen von Wyssachen trennt. Bärhegenchnübeli nennt sich die Stelle. Prächtige Aussicht Richtung Nordosten.
| Underbärhege |
| Underbärhege |
| Zwischen Under- und Oberbärhege |
| Blick vom Schaber Nordostwärts ins Huttwiler Hügelland |
Nun wieder auf markiertem Weg in leichtem Ab nordwestwärts zum Schaber, wo er sich am Waldrand (Sitzbänke, Orientierungskarte) gabelt. Rechts in den Wald und in zehn Minuten auf angenehmem Forstweg zum Restaurant Oberwald.
| Restaurant Oberwald |
| Die Ründemalereien des Restaurants Oberwald |
| Die Gaststube des Restaurants Oberwald |
Das um 1750 erbaute Gebäude weist in der sogenannten Ründe und an der Stirnseite wunderbare Malereien auf. Diese zeigen biblische Szenen wie den Verkauf Josephs, den Sündenfall, oder ein paar Posaunenengel. Aber auch Landschaften und Rokoko-Ornamente sind auszumachen. Die kleine Gaststube – die bescheidene Menükarte empfiehlt unter anderem «Heissi Würstli usem Chuchirouch» sowie Pouletflügeli – ist von einer Heimeligkeit beseelt, der man am liebsten längere Zeit im denkmalgeschützten Gebäude huldigen möchte. Doch bis Huttwil sind es noch knapp zwei Stunden, obschon der Wegweiser von weniger spricht.
Nach etwa fünf Minuten zweigt die markierte Route links in den Oberwald ab. In sanftem Gefälle hinunter zur Längweid mit seinen zwei Höfen. Auf schmalem Strässchen stets auf etwa gleicher Höhe bleibend bis zur Kreuzung, wo der ausgeschilderte Weg als Fussweg durch eine Wiese führt (Punkt 754). Da der spätere Abschnitt dieser Route ein Stück weit auf der gefährlichen Hauptstrasse verläuft, hier eine etwas längere aber bedeutend sichere Variante.
| Im Oberwald |
Ab besagtem Punkt auf einem Fahrsträssen links bis zur markanten Linkskurve. Hier in nordwestlicher Richtung über eine Wiese, später dem Waldrand entlang zum Hof Dantsch absteigen, wo auf dem Strässchen zum Weiler Schweinbrunnen weitergegangen wird. Dort rechts an einem weiteren Hof vorbei, leicht aufsteigend zum Baumgarten, linkerhand stets die Hochspannungsleitung im Visier. Bei der Weid (auf Karte nicht vermerkt) wird der offizielle Wanderweg wieder erreicht. Auf diesem nun unter der Stromleitung durch und auf leicht übersehbarem Wiesenpfad zum Hof Acher. Den Huttwilwald kurz durchqueren, über die breite Haupstrasse hinunter an die Wissachen, welche auf einem Holzsteg überschritten wird. Gegenanstieg zum Weiler Schwarzenbach und über ein offenes Feld zur Kantonsstrasse Sumiswald–Huttwil. Auf dem Trottoir in wenigen Minuten zum Bahnhof Huttwil, wo es sich lohnt, die eigenartige Unterführung mit dem Namen «Huttutunnu» zu begehen. Der 1999 von Huttwiler Schulklassen bemalte Tunnel bewirkt beim Durchlaufen spezielle, optische Effekte. Vor psychedelischen Grenzerfahrungen sei daher an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt.
| Am Weg zum Hof Dantsch |
| Schottisches Hochlandrind beim Hof Schweinbrunnen |
| Der «Huttutunnu» im Bahnhof Huttwil |
Charakter: Einfache Wanderung auf guten Wegen. Nicht durchgehend markiert. Distanz: 12.0 km Aufstieg: 330 m Abstieg: 440 m Dauer: 3½ Std. Karten: 1148 Sumiswald, 234T Willisau Einkehren: Wirtschaft Oberwald, Telefon 062 966 15 19, Ruhetag Mo, Di Hin: mit der Bahn bis Sumiswald-Grünen, weiter mit Bus bis Wasen, Bahnhof Zurück: mit der Bahn ab Huttwil.
26. Dezember 2012
Launen der Natur
Derzeit lese ich ein Buch über die Geschichte der Juragewässerkorrektionen. «überflutet – überlebt – überlistet» ist es betitelt. Geschrieben hat es der 1966 geborene Matthias Nast. Gerne hätte ich heute dem Jahrtausendwerk einen fussgängerischen Besuch abgestattet. Geplant war eine Wanderung ab Biel entlang dem Nidau–Büren-Kanal nach Meienried, wo die Alte Aare von Aarberg her kommend in den Kanal mündet. Von hier wäre ich dem ehemaligen Aarelauf – das Häftli halb umrundend – nach Büren gefolgt. Doch die Launen meiner Gesundheit erlauben mir die Durchführung des Vorhabens nicht. Umgeben von einer Pulmex-Duftwolke werde ich mich also weiter in Nasts Werk vertiefen und die Wanderung zu einem späteren Zeitpunkt ausführen.
All jenen, die sich für die Entstehung des heutigen Seelandes interessieren, sei das Buch sehr zur Lektüre empfohlen. Der Bieler Journalist und Filmemacher, Mario Cortesi, bringt es auf den Punkt:
Endlich hat es jemand gewagt, ein umfassendes, objektives und spannendes Werk über die Juragewässerkorrektionen zu schreiben! Die sorgfältig recherchierte Geschichte liest sich trotz der komplexen Materie leicht, zeigt auf, wie wichtig diese mutigen, nicht unumstrittenen Natureingriffe waren, die heute kaum mehr durchführbar wären. Diese weit zurückliegenden Momente sind hervorragend bebildert, mit Grafiken und Kartenausschnitten auch für Laien gut erklärt. Ein ausgezeichnetes Instrument für Menschen, die aus der Vergangenheit unserer Region für die Zukunft lernen wollen.
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| Matthias Nast: überflutet – überlebt – überlistet Die Geschichte der Juragewässerkorrektionen Herausgeber: Verein Schlossmuseum Nidau, 2006 |
All jenen, die sich für die Entstehung des heutigen Seelandes interessieren, sei das Buch sehr zur Lektüre empfohlen. Der Bieler Journalist und Filmemacher, Mario Cortesi, bringt es auf den Punkt:
Endlich hat es jemand gewagt, ein umfassendes, objektives und spannendes Werk über die Juragewässerkorrektionen zu schreiben! Die sorgfältig recherchierte Geschichte liest sich trotz der komplexen Materie leicht, zeigt auf, wie wichtig diese mutigen, nicht unumstrittenen Natureingriffe waren, die heute kaum mehr durchführbar wären. Diese weit zurückliegenden Momente sind hervorragend bebildert, mit Grafiken und Kartenausschnitten auch für Laien gut erklärt. Ein ausgezeichnetes Instrument für Menschen, die aus der Vergangenheit unserer Region für die Zukunft lernen wollen.
4. Dezember 2012
Mein Wintervorrat
Was tun im Winter, wenn das Tageslicht kurz und die dunkle Zeit lang? Lesen mitunter! Also habe ich diesen Herbst ein paar Wanderbücher gebunkert, die mir nun die Winterabende verkürzen sollen. Und weil ich mir den einen oder anderen Lesetipp auch aus Wanderblogs geholt habe, gebe ich meinen Wintervorrat hier gerne meiner Leserschaft weiter. Alle Texte stammen von den Verlagswebsites. Spätere kritische Würdigungen bleiben daher ausdrücklich vorbehalten.
R. Frei, D. de Roulet, W. Sieber, B.Bruggmann
Gallus-Wege
Zu Fuss von Bangor nach St. Gallen
Vier erfahrene Weitwanderer lassen sich zum Gallusjubiläum der Stadt St. Gallen von der Peregrinatio inspirieren und machen sich auf zu einer Stafettenwanderung von Bangor in Nordirland auf den Klosterplatz in St. Gallen. Appenzeller Verlag, Herisau, 2012
Oliver Schulz
Indien zu Fuss
Eine Reise auf dem 78. Längengrad
Oliver Schulz folgte der Route englischer Wissenschaftler, die im 19. Jahrhundert das Land vermassen, von der tropischen Südspitze bis hinauf in den Himalaja. Abseits der Touristenpfade durchquert er idyllische Landschaften und in die Breite wuchernde Städte, von Maoisten kontrollierte Dschungelgebiete und futuristische Hightech-Viertel. Er erzählt vom oft bizarren Zusammentreffen östlicher und westlicher Denkweisen. DVA Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2011

Cheryl Strayed
Wild
From Lost to Found on the Pacific Crest Trail
A powerful, blazingly honest memoir: the story of an eleven-hundred-mile solo hike that broke down a young woman reeling from catastrophe – and built her back up again. At twenty-two, Cheryl Strayed thought she'd lost everything when her mother died young of cancer. Her family scattered in their grief, her marriage was soon destroyed, and slowly her life spun out of control. Four years after her mother's death, with nothing more to lose, Strayed made the most impulsive decision of her life: to hike the Pacific Crest Trail from the Mojave Desert through California and Oregon to Washington State – and to do it alone. She had no experience as a long-distance hiker indeed, she'd never gone backpacking before her first night on the trail. Vintage Books, New York, 2012
Thomas Knubben
Hölderlin. Eine Winterreise
Anfang Dezember 1801 machte sich Friedrich Hölderlin von Nürtingen auf nach Bordeaux. Ihn trieb »die Herzens- und die Nahrungsnot«. In Frankreich hoffte er endlich die Existenz aufbauen zu können, die ihm zu Hause versagt geblieben war. Die Winterreise sollte zum Wendepunkt in seinem Leben und Schreiben werden: Das Vorhaben lässt sich gut an. Er wird freundlich empfangen und wohnt »fast zu herrlich«. Doch schon nach wenigen Wochen lässt er sich wieder einen Pass ausstellen und kehrt zurück. Sein Zustand ist trostlos. Die Freunde in Stuttgart erkennen ihn schier nicht wieder. Er ist vollkommen erschöpft und erregt zugleich, »leichenblaß, abgemagert, von hohlem wildem Auge, langem Haar und Bart, und gekleidet wie ein Bettler«. Was bloß war geschehen?
Anfang Dezember 2007 folgt Thomas Knubben der Route Hölderlins. Von Nürtingen aus wandert er über die Alb, über den Schwarzwald, über Straßburg, Lyon, die Auvergne nach Bordeaux. Er unternimmt eine poetische Wanderung. Er will wissen, ob auf diese Weise Neues zu erfahren ist über Hölderlins »fatale Reise«. Und ob es gelingen kann, den in den Dichterolymp Entschwundenen, zu seinen Lebzeiten durchaus politischen Poeten wieder ein Stück weit zurückzuholen in den Erfahrungshorizont der Gegenwart, ihn begreifbar zu machen in seiner alltäglichen poetischen Potenz.
»Erwandert«, entstanden ist so ein Buch, das zwischen der Winterreise Hölderlins und der eigenen Winterwanderung oszilliert, dabei auch die Kulturgeschichte der vielen anderen Winterreisen von Wilhelm Müller und Franz Schubert über Johann Georg Seume bis hin zu Werner Herzog und Richard Long einbezieht und so ein faszinierendes Panorama der Welterfahrung im Gehen schafft. Klöpfer & Meyer, Tübingen, 2012
R. Frei, D. de Roulet, W. Sieber, B.Bruggmann
Gallus-Wege
Zu Fuss von Bangor nach St. Gallen
Vier erfahrene Weitwanderer lassen sich zum Gallusjubiläum der Stadt St. Gallen von der Peregrinatio inspirieren und machen sich auf zu einer Stafettenwanderung von Bangor in Nordirland auf den Klosterplatz in St. Gallen. Appenzeller Verlag, Herisau, 2012
Oliver Schulz
Indien zu Fuss
Eine Reise auf dem 78. Längengrad
Oliver Schulz folgte der Route englischer Wissenschaftler, die im 19. Jahrhundert das Land vermassen, von der tropischen Südspitze bis hinauf in den Himalaja. Abseits der Touristenpfade durchquert er idyllische Landschaften und in die Breite wuchernde Städte, von Maoisten kontrollierte Dschungelgebiete und futuristische Hightech-Viertel. Er erzählt vom oft bizarren Zusammentreffen östlicher und westlicher Denkweisen. DVA Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2011

Cheryl Strayed
Wild
From Lost to Found on the Pacific Crest Trail
A powerful, blazingly honest memoir: the story of an eleven-hundred-mile solo hike that broke down a young woman reeling from catastrophe – and built her back up again. At twenty-two, Cheryl Strayed thought she'd lost everything when her mother died young of cancer. Her family scattered in their grief, her marriage was soon destroyed, and slowly her life spun out of control. Four years after her mother's death, with nothing more to lose, Strayed made the most impulsive decision of her life: to hike the Pacific Crest Trail from the Mojave Desert through California and Oregon to Washington State – and to do it alone. She had no experience as a long-distance hiker indeed, she'd never gone backpacking before her first night on the trail. Vintage Books, New York, 2012
Thomas Knubben
Hölderlin. Eine Winterreise
Anfang Dezember 1801 machte sich Friedrich Hölderlin von Nürtingen auf nach Bordeaux. Ihn trieb »die Herzens- und die Nahrungsnot«. In Frankreich hoffte er endlich die Existenz aufbauen zu können, die ihm zu Hause versagt geblieben war. Die Winterreise sollte zum Wendepunkt in seinem Leben und Schreiben werden: Das Vorhaben lässt sich gut an. Er wird freundlich empfangen und wohnt »fast zu herrlich«. Doch schon nach wenigen Wochen lässt er sich wieder einen Pass ausstellen und kehrt zurück. Sein Zustand ist trostlos. Die Freunde in Stuttgart erkennen ihn schier nicht wieder. Er ist vollkommen erschöpft und erregt zugleich, »leichenblaß, abgemagert, von hohlem wildem Auge, langem Haar und Bart, und gekleidet wie ein Bettler«. Was bloß war geschehen?
Anfang Dezember 2007 folgt Thomas Knubben der Route Hölderlins. Von Nürtingen aus wandert er über die Alb, über den Schwarzwald, über Straßburg, Lyon, die Auvergne nach Bordeaux. Er unternimmt eine poetische Wanderung. Er will wissen, ob auf diese Weise Neues zu erfahren ist über Hölderlins »fatale Reise«. Und ob es gelingen kann, den in den Dichterolymp Entschwundenen, zu seinen Lebzeiten durchaus politischen Poeten wieder ein Stück weit zurückzuholen in den Erfahrungshorizont der Gegenwart, ihn begreifbar zu machen in seiner alltäglichen poetischen Potenz. »Erwandert«, entstanden ist so ein Buch, das zwischen der Winterreise Hölderlins und der eigenen Winterwanderung oszilliert, dabei auch die Kulturgeschichte der vielen anderen Winterreisen von Wilhelm Müller und Franz Schubert über Johann Georg Seume bis hin zu Werner Herzog und Richard Long einbezieht und so ein faszinierendes Panorama der Welterfahrung im Gehen schafft. Klöpfer & Meyer, Tübingen, 2012
1. Dezember 2012
Vor dem Vergnügen das Vergnügen
Winterwanderung
Trubschachen–Hohstullen–Langnau
Um von Trubschachen nach Langnau zu gelangen, gäbe es bedeutend kürzere Wege. Man liesse sich jedoch, würde man sie begehen, das erstaunliche Restaurant Bäregghöhe und weitere «Emmentalità» entgehen.
Der Gasthof Bäregghöhe und der Weg dorthin nennt sich das Vergnügen vor dem Vergnügen. Jenes danach ist die Runde um den abseitig gelegenen Wittenbachgraben. Vom Bahnhof Trubschachen auf ausgeschilderter Route Richtung Bäregg, dem ersten Zwischenziel. Gegenüber der Kirche, an der Dorfstrasse 7 ein auffälliges Gebäude im Laubsägelistil: das in dritter Generation geführte Schuhaus Jakob. Ein wahrer Hingucker, auf den ennet der Trueb bereits der nächste folgt: der 1356 erstmals urkundlich erwähnte Gasthof Bären und angeblich älteste Bären der Schweiz. Die gigantische Frontfassade weist 31 Fenster und die Ründe stilvolle Malereien auf.
Links des Gebäudes hoch zu einer Wegverzweigung. Weiterhin auf die Bäregg zuhaltend zum Rand des Hasenleewaldes. Der angenehme Fussweg führt in der Steilflanke stets ansteigend und durch mehrere Gräben zu einem Strässchen am oberen Waldende. Diesem westwärts entlang bis zum Gasthaus Bäregghöhe.
Das Haus hoch über der Ilfis entspricht ganz und gar nicht dem Klischee eines behäbigen Emmentaler Landgasthofes. Dies ist weiter nicht tragisch, denn was das Wirtepaar Thomas Linder und Marianne Kühni seit über zehn Jahren im gut 100jährigen, einst als Kurhausbetrieb konzipierten Hause zelebrieren, ist vom Feinsten. Das Jugendstilambiente lädt zum Träumen und die Menükarte zum längeren Verweilen ein. Fazit: Die Einkehr ist ein Muss!
Die Fortsetzung zur Fouzhöchi beginnt oberhalb der Wirtschaft und ist bis Hohstullen–Oltneren durchgehend markiert. Sollte die Bäregghöhe geschlossen haben (Mo, Di), kann am Rande des Fouzwaldes (Punkt 984) bei Tisch und Bank gerastet werden.
Auf breitem, meist bewaldetem Bergrücken nordwärts, vorbei an den Hoflichtungen von Oberst Rigenen und Bach in den Bachwald, wo sich beim Punkt 992 ein gedeckter, halboffener Blockhausbau zur Rast anbietet.
Nach einem weiteren Kilometer wird die stattliche Hofsiedlung Hohstullen erreicht. 500 Meter weiter nördlich wähle man den linken Weg Richtung Gugernülli, dem man bis Olternen, dem hintersten Hof im Wittenbachgraben folgt.
Hier wird die offizielle Wanderroute verlassen und auf einem Fahrsträsschen zum unteren Hof von Olternen abgestiegen. Hier rechts haltend auf dem Strässchen weiter in eine mitunter waldige Partie, durch drei Gräben und über zwei Eggen bis zum ersten Gebäude des Stierenboden, einem freistehenden Spycher. Nördlich davon auf schwach erkennbarem Karrweg am Fusse eines steilen Hanges bis zum Waldrand. Hier nun nicht rechts den Weg hoch, sondern in gerader Fortsetzung in den Wald, wo ein schmaler Pfad schlecht erkennbar in einen Graben führt. Der einstige Karrweg ist an mehreren Stellen abgerutscht. Man halte daher die Augen offen und geniesse die Wildheit des Geländes. Rund 10 Minuten dauert der Spuk. Nach Erreichen des Waldrandes diesem entlang zur Fahrstrasse absteigen, wo ein gedeckter Rastplatz wartet. Die eher abenteuerliche Route kann auch umgangen werden, indem vom Stierenboden jenes Strässchen weiterverfolgt wird, welches 40 Höhenmeter tiefer den Wald durchquert und beim erwähnten Rastplatz auf die beschriebene Route trifft.
300 Meter nach dem Rastplatz wird der Hof Grindlen erreicht und damit die ausgeschilderte Route nach Langnau. Abstieg nach Chammershusschür am Schnittpunkt von Gohl- und Wittenbachgraben. Für 300 Meter folgt der Weg der Talstrasse, bevor es rechts über die Gohl und anschliessend kurz steil, später über Stufen zum Hinderen Gibel geht. Durch Wohnquartiere, vorbei an der katholischen und reformierten Kirche sowie am legendären Bären wird über die Marktstrasse das Zentrum von Langnau erreicht, wo der Bahnhof nicht mehr weit ist.
Charakter: Lange Wanderung auf zum Teil nicht gut erkennbaren Wegen. Nicht durchgehend markiert. Distanz: 15.0 km Aufstieg: 600 m Abstieg: 660 m Dauer: 4½ Std. Karten: 1168 Langnau i.E., 244T Escholzmatt Einkehren: Bären Trubschachen, Telefon 034 495 51 08, Ruhetag Mi ab 14 h, Do; Gasthaus Bäregghöhe, Ruhetag Mo, Di, Telefon 034 495 70 00, www.baeregghoehe.ch Hin: mit der Bahn bis Trubschachen Zurück: mit der Bahn ab Langnau i.E.
Trubschachen–Hohstullen–Langnau
Um von Trubschachen nach Langnau zu gelangen, gäbe es bedeutend kürzere Wege. Man liesse sich jedoch, würde man sie begehen, das erstaunliche Restaurant Bäregghöhe und weitere «Emmentalità» entgehen.
| Trubschachen–Hohstullen–Langnau: die Route |
Der Gasthof Bäregghöhe und der Weg dorthin nennt sich das Vergnügen vor dem Vergnügen. Jenes danach ist die Runde um den abseitig gelegenen Wittenbachgraben. Vom Bahnhof Trubschachen auf ausgeschilderter Route Richtung Bäregg, dem ersten Zwischenziel. Gegenüber der Kirche, an der Dorfstrasse 7 ein auffälliges Gebäude im Laubsägelistil: das in dritter Generation geführte Schuhaus Jakob. Ein wahrer Hingucker, auf den ennet der Trueb bereits der nächste folgt: der 1356 erstmals urkundlich erwähnte Gasthof Bären und angeblich älteste Bären der Schweiz. Die gigantische Frontfassade weist 31 Fenster und die Ründe stilvolle Malereien auf.
| Schuhhaus Jakob in Trubschachen (BE) |
| Bären Trubschachen, 1356 erstmals urkundlich erwähnt |
Links des Gebäudes hoch zu einer Wegverzweigung. Weiterhin auf die Bäregg zuhaltend zum Rand des Hasenleewaldes. Der angenehme Fussweg führt in der Steilflanke stets ansteigend und durch mehrere Gräben zu einem Strässchen am oberen Waldende. Diesem westwärts entlang bis zum Gasthaus Bäregghöhe.
| Der Aufstieg zur Bäregg beim Schulhaus von Trubschachen |
| Ein schmaler Pfad führt durch die Steilflanke des Hasenleewaldes |
Das Haus hoch über der Ilfis entspricht ganz und gar nicht dem Klischee eines behäbigen Emmentaler Landgasthofes. Dies ist weiter nicht tragisch, denn was das Wirtepaar Thomas Linder und Marianne Kühni seit über zehn Jahren im gut 100jährigen, einst als Kurhausbetrieb konzipierten Hause zelebrieren, ist vom Feinsten. Das Jugendstilambiente lädt zum Träumen und die Menükarte zum längeren Verweilen ein. Fazit: Die Einkehr ist ein Muss!
| Chambre séparée im Restaurant Bäregghöhe mit Blick in die verhügelte Landschaft |
| Kulinarik ... |
| ... und Interieur lassen im einstigen Kurhaus Bäregghöhe kaum Wünsche offen |
Die Fortsetzung zur Fouzhöchi beginnt oberhalb der Wirtschaft und ist bis Hohstullen–Oltneren durchgehend markiert. Sollte die Bäregghöhe geschlossen haben (Mo, Di), kann am Rande des Fouzwaldes (Punkt 984) bei Tisch und Bank gerastet werden.
Auf breitem, meist bewaldetem Bergrücken nordwärts, vorbei an den Hoflichtungen von Oberst Rigenen und Bach in den Bachwald, wo sich beim Punkt 992 ein gedeckter, halboffener Blockhausbau zur Rast anbietet.
| Oberst Rigenen |
Nach einem weiteren Kilometer wird die stattliche Hofsiedlung Hohstullen erreicht. 500 Meter weiter nördlich wähle man den linken Weg Richtung Gugernülli, dem man bis Olternen, dem hintersten Hof im Wittenbachgraben folgt.
| Hohstullen |
300 Meter nach dem Rastplatz wird der Hof Grindlen erreicht und damit die ausgeschilderte Route nach Langnau. Abstieg nach Chammershusschür am Schnittpunkt von Gohl- und Wittenbachgraben. Für 300 Meter folgt der Weg der Talstrasse, bevor es rechts über die Gohl und anschliessend kurz steil, später über Stufen zum Hinderen Gibel geht. Durch Wohnquartiere, vorbei an der katholischen und reformierten Kirche sowie am legendären Bären wird über die Marktstrasse das Zentrum von Langnau erreicht, wo der Bahnhof nicht mehr weit ist.
| 300-Meter-Abschnitt auf der Gohlgrabenstrasse |
| Beim Hof Gibel kurz vor Langnau |
| Reformierte Kirche von Langnau |
Charakter: Lange Wanderung auf zum Teil nicht gut erkennbaren Wegen. Nicht durchgehend markiert. Distanz: 15.0 km Aufstieg: 600 m Abstieg: 660 m Dauer: 4½ Std. Karten: 1168 Langnau i.E., 244T Escholzmatt Einkehren: Bären Trubschachen, Telefon 034 495 51 08, Ruhetag Mi ab 14 h, Do; Gasthaus Bäregghöhe, Ruhetag Mo, Di, Telefon 034 495 70 00, www.baeregghoehe.ch Hin: mit der Bahn bis Trubschachen Zurück: mit der Bahn ab Langnau i.E.
15. November 2012
Fluch oder Segen?
«Psychiater, Politiker und Tyrannen versichern uns ohne Unterlass, dass ein Wanderleben eine anomale Verhaltensweise sei, eine Neurose, eine Form unbefriedigten sexuellen Verlangens, eine Krankheit, die im Interesse der Zivilisation ausgerottet werden müsse. Die Propagandisten der Nazis behaupteten, dass Zigeuner und Juden – Völker mit dem Wandertrieb in den Genen – keinen Platz in einem stabilen Reich hätten. Und doch hat der Ferne Osten die einst in der ganzen Welt gültige Vorstellung beibehalten, dass Wandern die ursprüngliche Harmonie wiederherstelle, die einst zwischen Mensch und Universum bestanden hat.»
Bruce Chatwin, Traumpfade , 1987
8. November 2012
Sörens Rat
«Verlieren Sie vor allem nicht die Lust dazu, zu gehen: ich laufe mir jeden Tag das tägliche Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und ich kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde ... beim Stillsitzen aber und je mehr man stillsitzt, kommt einem das Übelbefinden nur um so näher ... Bleibt man so am Gehen, so geht es schon.»
Sören Kierkegaard, Brief an Jette (1847)
28. August 2012
Ghörschutzpfröpfe mitnäh!
Spiez–Ougand–Gwatt
Wo mou d Chander gruuschet het, ruusche jetz d Outo
Zuegäh, dr Outobahn nache wandere isch nüt Apartigs u geit eim mit dr Zit uf e Wecker. Wöu aber d Gägend vo Chander u Glütschbach trotzdäm es Bsüechli wärt isch, lohnt es sech, d Nachteile vom Outobahnlärme i Chouf u villecht es Paar Ghörschutzpfröpfe mit z näh.
Vo dr STI-Bushautsteu Spiezmoos geit me zersch unger dr Bahn düre Richtig Spiezmoos. Uf dr lingge Strossesite bis uf d Höchi vore Tanksteu u de am Wanderwägwiser nache unger dr Houptstross düre, nächhär zmitts dür das ganze Gnusch a Outobahnzuebringerstrosse. Nid z verfähle isch dä modern Chlotz us Glas u Beton wo usgseht wie das Vogunäscht sinerzit ar Olympiade z Peking.
Nach öppe 250 Meter gablet sech dr Wäg. Hie witer Richtig Eifäud. Ufemene steile Wägli geits de gli mou abe a Waudrand, wo sech dr Wäg wieder gablet. Es geit rächts zumene aute, Hus mit Türmli. Kes Wunger heisst dä hübsch Ort Schlössli.
Me geit de bis zur Bahnlinie, verloht dr Wanderwäg u nimmt d Ungerfüerig uf dr Nordsite vom Hus. In ere 180-Grad-Kurve dür ne Burehof, ufe uf d Stross, grad bir Bahnhautsteu Lattige. Vo hie jetzt wieder ufem markierte Wanderwäg, zersch über d Outobahn, nächhär dür ds Industriequartier immer gradus Richtig Hani-Gwatt. Scho gli chunnt dr gäischt Abschnitt vo däm Spaziergang. Für 600 Meter geits dr Outobahn noche. Viellecht machts jo ou nüt, we me mou us nöchschter Nöchi ghört, wie lärmig so ne Outobahn im Grund gno isch.
Dä Spuk geit spötischtens denn verbi, we me sech uf eme Waudwäg immer meh i ds Naturschutzgebiet Ougand begit. Hie isch me plötzlech in ere vöuig angere Wäut, wenn o ds Militär no nes paar Ableger i Form vo Bunker u Lagerhüser het. Dr Wäg sänkt sech nach ere scharfe Rächtskurve abe zur Chander, wo sech nodisnoh i d Landschaft ine gfrässe het. Es isch übrigens es Ouegebiet vo nationaler Bedütig.
Di markierti Route füert im ene churze Gägenastieg ufe zur Fuesgängerbrügg vom Hani. Ds Überquere vor Chander i luftiger Höchi isch sicher nid jedermanns Sach. Nid ganz schwindufreii Lüt müesse sech haut e chli überwinde, aber passiere cha eigetlech nüt. Im Hani äne geits witer Richtig Gwatt. Derbi muess d Stross überquert wärde, bevor me i ds Gebiet vom Glütschbachtau chunnt. Vor em Chanderdurchstich anno 1714 isch d Chander hie düre gflosse u ersch ungerhaub Thun i d Aare cho. Leider het me sinerzit d Outobahn zmitts dür ds Glütschbachtau boue und us däm Bischu ä lärmigen Abschnitt vo mehrerne Kilometer gmacht. Dür das het ds Tau vieu vo sim Scharm verlore.
Bir Aute Schlyffi wird dr Glütschbach überquert. Dr Bach fliesst unger emene Aabou vor Schlyffi düre. Es isch drum aaznäh, dass me hie früecher Mässer u Schärine gschliffe het u dass dr Schliifstei über nes Wasserrad vom Glütschbach isch aatribe worde. Ab hie louft me für ne churze Momänt ufem Jakobswäg, wo vo Thun nach Aumedinge füert.
Jetzt geits no einisch ziemlich gäi dr Hang uf. Zersch uf ene Terrasse u de no ganz ufe zur Gwattegg. Vo hie het me nid nume e schöni Ussicht uf die ganz höche Aupegipfle sondern ou uf d Stadt Thun und ufe See mit em Schiufgürtu vom Gwattlischemoos. Dür nes Wohngebiet geits i dr Ribigass abe ad Bahnlinie Thun–Spiez. Unger de Gleis düre u de churz no zur Houptstross füre, wo me ar STI-Hautsteu Moos ändet.
Charakter: Abwächsligsriche Spaziergang mit e chli viu Lärm vor Outobahn
Bsungerigs: Dr Hani-Stäg über d Chander isch nüt für Angschthase
Lengi: 8,9 Kilometer
Obsi: 180 Meter
Nidsi: 240 Meter
Wanderzit: Guet zwe Schtung
Charte: 1207 Thun oder 253 Gantrisch
Schwirigkeit: Eifach
Beschti Johreszit: Januar bis Dezämber
Härecho: STI-Bus bis Spiezmoos (Linie 1 ab Bahnhof Thun oder Bahnhof Spiez)
Zrüggfahre: STI-Bus ab Moos (Linie 1 bis Bahnhof Thun oder Bahnhof Spiez)
Wo mou d Chander gruuschet het, ruusche jetz d Outo
Zuegäh, dr Outobahn nache wandere isch nüt Apartigs u geit eim mit dr Zit uf e Wecker. Wöu aber d Gägend vo Chander u Glütschbach trotzdäm es Bsüechli wärt isch, lohnt es sech, d Nachteile vom Outobahnlärme i Chouf u villecht es Paar Ghörschutzpfröpfe mit z näh.
Vo dr STI-Bushautsteu Spiezmoos geit me zersch unger dr Bahn düre Richtig Spiezmoos. Uf dr lingge Strossesite bis uf d Höchi vore Tanksteu u de am Wanderwägwiser nache unger dr Houptstross düre, nächhär zmitts dür das ganze Gnusch a Outobahnzuebringerstrosse. Nid z verfähle isch dä modern Chlotz us Glas u Beton wo usgseht wie das Vogunäscht sinerzit ar Olympiade z Peking.
Bir Bushautsteu Spiezwiler zweigt me de rächts ab Richtig Hani. Amene schöne aute Simmetalerhus verbi ufe zum Spiezwilerwaud. Hie obe lärmets so richtig lut vor Outobahn här, drfür het me e schöni Ussicht über z Spiezmoos übere zum Sigriswiler Rothorn.
Nach öppe 250 Meter gablet sech dr Wäg. Hie witer Richtig Eifäud. Ufemene steile Wägli geits de gli mou abe a Waudrand, wo sech dr Wäg wieder gablet. Es geit rächts zumene aute, Hus mit Türmli. Kes Wunger heisst dä hübsch Ort Schlössli.
Me geit de bis zur Bahnlinie, verloht dr Wanderwäg u nimmt d Ungerfüerig uf dr Nordsite vom Hus. In ere 180-Grad-Kurve dür ne Burehof, ufe uf d Stross, grad bir Bahnhautsteu Lattige. Vo hie jetzt wieder ufem markierte Wanderwäg, zersch über d Outobahn, nächhär dür ds Industriequartier immer gradus Richtig Hani-Gwatt. Scho gli chunnt dr gäischt Abschnitt vo däm Spaziergang. Für 600 Meter geits dr Outobahn noche. Viellecht machts jo ou nüt, we me mou us nöchschter Nöchi ghört, wie lärmig so ne Outobahn im Grund gno isch.
| Ä skurrili Erschiinig im Industriequartier vo Lattige |
Dä Spuk geit spötischtens denn verbi, we me sech uf eme Waudwäg immer meh i ds Naturschutzgebiet Ougand begit. Hie isch me plötzlech in ere vöuig angere Wäut, wenn o ds Militär no nes paar Ableger i Form vo Bunker u Lagerhüser het. Dr Wäg sänkt sech nach ere scharfe Rächtskurve abe zur Chander, wo sech nodisnoh i d Landschaft ine gfrässe het. Es isch übrigens es Ouegebiet vo nationaler Bedütig.
| Im Chaute Chrieg vo schtrategischer Bedütig: D Chander u sini Umgäbig. Hie ä Bunker wo hütt nüm bruucht wird. |
Di markierti Route füert im ene churze Gägenastieg ufe zur Fuesgängerbrügg vom Hani. Ds Überquere vor Chander i luftiger Höchi isch sicher nid jedermanns Sach. Nid ganz schwindufreii Lüt müesse sech haut e chli überwinde, aber passiere cha eigetlech nüt. Im Hani äne geits witer Richtig Gwatt. Derbi muess d Stross überquert wärde, bevor me i ds Gebiet vom Glütschbachtau chunnt. Vor em Chanderdurchstich anno 1714 isch d Chander hie düre gflosse u ersch ungerhaub Thun i d Aare cho. Leider het me sinerzit d Outobahn zmitts dür ds Glütschbachtau boue und us däm Bischu ä lärmigen Abschnitt vo mehrerne Kilometer gmacht. Dür das het ds Tau vieu vo sim Scharm verlore.
| Ä Blick vom Fuessgängerstäg bim Hani uf d Chander u zum Niese |
Bir Aute Schlyffi wird dr Glütschbach überquert. Dr Bach fliesst unger emene Aabou vor Schlyffi düre. Es isch drum aaznäh, dass me hie früecher Mässer u Schärine gschliffe het u dass dr Schliifstei über nes Wasserrad vom Glütschbach isch aatribe worde. Ab hie louft me für ne churze Momänt ufem Jakobswäg, wo vo Thun nach Aumedinge füert.
| Bir Aute Schlyffi geit dr Glütschbach unger em Huus düre |
Jetzt geits no einisch ziemlich gäi dr Hang uf. Zersch uf ene Terrasse u de no ganz ufe zur Gwattegg. Vo hie het me nid nume e schöni Ussicht uf die ganz höche Aupegipfle sondern ou uf d Stadt Thun und ufe See mit em Schiufgürtu vom Gwattlischemoos. Dür nes Wohngebiet geits i dr Ribigass abe ad Bahnlinie Thun–Spiez. Unger de Gleis düre u de churz no zur Houptstross füre, wo me ar STI-Hautsteu Moos ändet.
| Hinger dr Gwattegg güggelet no einisch dr Niese füre |
Charakter: Abwächsligsriche Spaziergang mit e chli viu Lärm vor Outobahn
Bsungerigs: Dr Hani-Stäg über d Chander isch nüt für Angschthase
Lengi: 8,9 Kilometer
Obsi: 180 Meter
Nidsi: 240 Meter
Wanderzit: Guet zwe Schtung
Charte: 1207 Thun oder 253 Gantrisch
Schwirigkeit: Eifach
Beschti Johreszit: Januar bis Dezämber
Härecho: STI-Bus bis Spiezmoos (Linie 1 ab Bahnhof Thun oder Bahnhof Spiez)
Zrüggfahre: STI-Bus ab Moos (Linie 1 bis Bahnhof Thun oder Bahnhof Spiez)
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| Vom Spiezmoos ids Gwatt (Charte: René P. Moor) |
13. August 2012
Wandern und die höhere Mathematik
Im Kleinen Bund vom 10. August 2012 war ein längerer Artikel über die Berechnung der Wanderzeiten in der Schweiz zu lesen. Hierbei ist die Rede von einer kürzlich definierten Formel, welche auf einem Polynom 15. Grades basiert. Die Formel findet unter anderem Anwendung auf www.wanderland.ch, der Plattform von Schweizmobil. Und auch die gelben Wanderwegweiser werden nach und nach aufgrund dieser Berechnung schweizweit neu angeschrieben. Egal, mit welcher Akribie die Wanderzeiten heutzutage berechnet werden, es wird immer wieder Leute geben, die sie mit geschwellter Brust unterbieten oder aber sich darüber ärgern, dass sie für eine bestimmte Wegstrecke eine Viertelstunde länger benötigt haben als angekündigt. Und hier ist sie, die Non-plus-ultra-Formel:
1. September 2010
«Gehzeiten» – was drauf steht ist auch drin
Die Publikationsliste der Edition Wanderwerk hat ein neues Gesicht erhalten. Anderthalb Jahre nach Erscheinen von «Schritt für Schritt» ist heute die erste Auflage von «Gehzeiten» eingetroffen und zum Versand bereit. Die Freude des Verlagsleiters ist gross! Wer Produkte herstellt und vermarktet weiss, wie wichtig die Verpackung ist. Für den Umschlag von «Gehzeiten» habe ich ein symbolträchtiges Motiv gewählt. Es handelt sich um einen Felsblock, der unter anderem von der Landkartenflechte bewohnt wird. Zudem ziert eine gelbe, kaum mehr in ihrer Funktion erkennbare Wanderweg-Rhombe den Stein. Entstanden ist das Bild auf 1800 Meter über Meer im Val d’Arolla (VS) während einer Wanderung von Arolla nach Evolène. Es versteht sich von selbst, dass in meinem Zweitling unter vielem anderem auch darüber berichtet wird.
30. April 2010
Tessin für Anfänger und Fortschreitende
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| Marco Volken, Remo Kundert: Bergwandern im Tessin, AT-Verlag, Aarau, 2010 |
Die Verfasser beschreiben einerseits 45 Wanderungen «auf stillen Pfaden zwischen Gotthard und Como» und andererseits, dies macht das grossformatige Buch auch für Nicht-Fussgänger wertvoll, greifen sie all die unzähligen Themen auf, welche den kultur- und naturhistorischen Reichtum des Tessins ausmachen. Schritt für Schritt, Kapitel für Kapitel. Die kurzweilig und kompetent verfassten Themenbeiträge werden begleitet und dokumentiert von hervorragenden Farbaufnahmen in bestechender Druckqualität.
Das Werk könnte in seiner Aufmachung demnach durchaus als touristischgeografisches Standardwerk eines jeden Tessinreisenden herhalten, vorausgesetzt, dieser interessiert sich für das Berggebiet. Jenes dominiert bekanntlich den Südkanton zum weitaus grössten Teil. Kein Wunder, schlagen Volken/Kundert auch Bergwanderungen vor, die in Städten wie Lugano, Bellinzona oder Biasca beginnen beziehungsweise enden.
Im Gegensatz zum obgenannten Alpinwanderführer sind die über das gesamte Kantonsgebiet und alle Höhenlagen beinahe gleichmässig verteilten Tourenvorschläge mit wenigen Ausnahmen für Durchschnittsbergwanderer gut zu bewältigen. Die technischen Anforderungen halten sich also in erträglichen Grenzen, ebenso die Etappenlängen. Und sollte sich eine solche als zu streng erweisen, werden mögliche Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Weges gleich mitgeliefert. Wie es sich für Sanfttouristiker gehört, sind alle Ausgangs- und Endpunkte – und seien sie noch so abgelegen – mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Von den behandelten Themen erhalten nachfolgende besondere Erwähnung: Schönes Wetter, schlechtes Wetter, Schlangen, Kirchen und Kapellen, Berghütten, Bergseen, Kastanien, alte und moderne Architektur, Unterschied Sottoceneri/Sopraceneri, Wegbaukultur, Weinbau, Deutschweizer im Tessin, Wildheuen, Menschen und Warenschmuggel, Auswanderung, Gneis und, und, und.
Marco Volken und Remo Kundert haben die Faszination der Tessiner Berge auf gekonnte Art und Weise zwischen zwei Buchdeckeln verdichtet und wecken so unweigerlich die Sehnsucht, dies alles mit eigenen Augen und Füssen nachzuentdecken, auch wenn nicht die grossen Namen auf der Landkarte locken. Oder vielleicht gerade deshalb.
11. April 2010
Widmer legt zu
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| Thomas Widmer, Zu Fuss – Die verschwundene Seilbahn, Echtzeit Verlag, Basel, 2010 |
«Die verschwundene Seilbahn» nennt sich mystisch das die Trilogie der Zu-Fuss-Wanderbücher vervollständigende Werk des in Zürich wohnhaften und mit Appenzell-Ausserrhoder Wurzeln und dem damit unzertrennlich verbundenen Schalk ausgestatteten Thomas Widmer. Die Lösung des Titelrätsels offenbart sich, im Nachhinein betrachtet, bereits auf Seite 33. Als Leser ist man auf den verbleibenden 88 Textseiten dennoch versucht, herauszufinden, ob sich nicht doch mehr hinter dem romanhaft anmutenden Titel verbirgt. Fehlanzeige, oder aber, dem aufmerksamen Rezensenten ist etwas Entscheidendes durch die Lappen gegangen. Herr Widmer: «Bitte helfen Sie mir und Ihrer Diaspora auf die Sprünge!»
Trotz der wohltuend einheitlichen Aufmachung von «Zu Fuss» Nummer drei – der fotografische Vor- und Nachspann sowie die unschätzbar wertvollen Kartenausschnitte
im Massstab 1:50 000 fehlen also auch diesmal nicht –, sind dennoch Unterschiede zu den zwei vorangegangenen Bänden zu bemerken:
- Die gleichbleibende Anzahl Wanderungen – pro Kalenderwoche eine, ergo52 – hat dennoch ein dickeres Volumen zur Folge. Der Grund liegt in der Kolumnenlänge.Widmer muss, im Gegensatz zu seinem früheren Arbeitgeber,der Weltwoche, mehr Text abliefern. Andere Zeitung, andere Bräuche.
- Widmer ist bissiger, aufmüpfiger, will sagen, kritischer geworden. Kein Blatt vor den Mund nimmt er beispielsweise, wenn er sich über «grausige DJ-Ötzi-Musik» mitten im Skigebiet von Sörenberg mokiert; beim Anblick von«Modern-Überbauungen» auf der Fahrt von Stans hinauf nach Emmetten in eine «Spontandepression» verfällt; von einer «pampigen Serviererin» spricht, wenn die Bedienung den gastgewerblichen Gepflogenheiten nicht nachkommt, sprich: schlecht gelaunt ihres Amtes waltet; oder, angesichts der übermässigen Dichte von Töfffahrern und Autotouristen beim Hotel «Chasseral»auf eben diesem Berg, den Vergleich «das ist ein Irrenhaus (mit Selbstbedienung)» bemüht.
Wanderung 16 führt vom Bahnhof Näfels-Mollis nach Mühlehorn: «Mollis ist ein mit Neuzeit-Allerweltsbauten gut getarntes Freiluftmuseum des Ancien Régime.» Den Jura definiert Widmer als «wirksam die Seele beruhigende Gegenwelt zum Mittelland-Alltag» und die Apfelwähe des Eigenthalerhofs im gleichnamigen Tal als «mit äusserster Liebe und Kompetenz zubereitet … schliesslich der Nussguss: süssfeuchte Poesie, ein Kuss in essbarer Form». So und ähnlich folgen sich sprachlich-philosophische Miniaturen Zeile für Zeile und, das ist das Gefährliche, lenken ab vom eigentlichen Sinn des Produktes: Auf dass man die Schuhe schnüre und loswandere.
Widmers Drittling führt wiederum in beinahe alle Gegenden der Schweiz, Schwergewicht Deutschschweiz und rätoromanische Kolonien. Vom 90-minütigen Spaziergang im Solothurn-Bernischen Bucheggberg bis zu den 7½-Stündern über den Restipass im Wallis oder den Passo di Redorta im Tessin ist für alle Praktiker des Schrittelns zu jeder Jahreszeit etwas vorhanden. Ob anspruchsvolle Geröllhalden zwischen Muotathal und Klausenpass oder das «schmale, endlos lange» Val Roseg, wo unser Kolumnist «in eine Art mobiles Koma, typisch für die Kategorie des vegetativen Gehens, bei dem man nicht denken muss», verfiel: Keiner zu klein, ein Jünger Widmers zu sein.
Wir bilanzieren: Thomas Widmers Wanderbücher haben den Charakter von Schweizer Taschenmessern: Ein genial konstruiertes Qualitätsprodukt mit einer Unzahl an Möglichkeiten der Anwendung. Zwar fehlt das legendäre Schweizerkreuz auf dem Umschlag, wer diesen indes aufklappt entdeckt die wahre Grösse. Als Schreibe für den Tagesgebrauch konzipiert, wird die Buch- die Zeitungsform um Dekaden überdauern und dereinst als wertvolle, zeitgenössische Darstellung der helvetischen Fussreiseszene zu Beginn des 21. Jahrhunderts dienen. Und sei es bloss, um weitere verschwundene Seilbahnen ans Tageslicht zu befördern.
Genug gewidmert jetzt, gewandert wird!
4. August 2009
Grenzen sprengen im Rätikon
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| François Meienberg: Hinauf ins Rätikon, Rotpunktverlag, Zürich, 2009 |
In 19 Kapiteln warten insgesamt 27 Tagesetappen sowie 12 Tageswanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf Nachahmung. Ein viertägiger Abstecher widmet sich zudem dem angrenzenden Silvretta-Gebiet. Meienberg schafft es mit den informativ und unterhaltsam geschriebenen Texten gekonnt, den Leser in das geschichtlich bedeutungsvolle Dreiländereck zu entführen. So berichtet er unter anderem über das Schmugglerwesen, den Dorfbrand von Seewis, St. Antönien und die Lawinen, den esoterischen Firlefanz eines Montafoner Touristenortes oder die als Weltmonument klassierte Salginatobelbrücke oberhalb Schiers. Natürlich fehlt auch ein Kapitel über die Walser und deren Rätikon-Besiedlung im 13./14. Jahrhundert nicht.
Was die beschriebenen Routen anbelangt, lässt die «Sélection Meienberg» weder gebietstypische Touren, wie etwa jene auf die Schesaplana, den Naafkopf oder die Sulzfl uh vermissen, noch geizt sie mit gemeinhin weniger bekannten Abstechern ins Fürstentum Liechtenstein – so etwa durch die Saminaschlucht – oder auf den Girenspitz, der als «ideale Aussichtskanzel, um die Kalkwände des Rätikons zu bestaunen», angepriesen wird.
Wie für die mittlerweile beeindruckende Wanderführerkollektion des Rotpunktverlages üblich, illustrieren das Werk unzählige Fotos aktueller und historischer Natur. Die Routenkarten vermitteln gute Überblicke und die ebenfalls zum rotpunkt’schen Wanderbuchstandard gehörenden Serviceinformationen lassen kaum Wünsche offen.
Nach den «Glarner Überschreitungen», «Gratwegs ins Entlebuch» und den zwei Pyrenäen-Führern setzt François Meienberg mit «Hinauf ins Rätikon» erneut zu neuen Höhenfl ügen an. Wenn auch «nur» zu Fuss.
1. August 2009
Es muss nicht immer Kaviar sein
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| Fredy Joss, Sabine Joss, GenussWandern – Region Bern, hep Verlag, Bern, 2009 |
Frei nach dem Sprichwort: «Weshalb denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah», präsentiert das Autorenpaar Sabine und Fredy Joss 25 mehr oder weniger bekannte Wanderungen in der Grossregion Bern, die im vorliegenden Falle vom Seeland über das Greyerzerland, den Jura-Südfuss bis ins Emmental, das Entlebuch und den Oberaargau reicht. Das mittelformatige Wanderbuch trägt den vielversprechenden Titel «Genuss-Wandern» und ist laut Klappentext «der erste Wanderführer, der dem Bedürfnis nach Wanderungen über kurze Strecken und geringe Höhendifferenzen entgegenkommt». Die vorgeschlagenen Touren dauern daher maximal drei Stunden und folgen ausgeschilderten Wegen. Zum echten Genusswandern gehören zudem die komfortablen An- und Rückreisemöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die gelegentliche Einkehr in eine Wirtschaft. Auf beides nimmt der Führer Rücksicht, wenn auch eine ausführlichere Beschreibung der Restaurants willkommen gewesen wäre. Als genussorientierter Wanderer lässt man sich durch die Schilderung exquisiter Gaststätten doch gerne im Voraus auf die Folter spannen. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft ausgerechnet den Lesegenuss. Hier wünschte man sich durchaus ein wenig mehr sprachliche Raffinesse oder zumindest ein Lektorat, das die Texte stilistisch ein wenig aufgepeppt hätte.
Die durchgehend mit reichlichen Farbfotos bebilderten Wandervorschläge eignen sich in vorzüglichem Masse auch für Schulklassen oder Familien mit Kindern. Nicht zuletzt deshalb, weil die Routen praktisch das ganze Jahr über begehbar sind. Einzelne Kapitel beinhalten gar kleine Exkurse zu geschichtlichen oder naturhistorischen Besonderheiten, so etwa zu den bereits erwähnten Findlingen in Steinhof, den Dinosaurierspuren im Steinbruch von Lommiswil oder zu Avenches, das als Aventicum einst die Hauptstadt des römischen Helvetiens darstellte.
Es muss also nicht immer Kaviar sein, um entdeckerischen Gehgelüsten nachkommen zu können. Ein Gang dies- und jenseits der Aare vermag dank der neusten Produktion aus dem Hause Ott gar manch dergestaltiges Bedürfnis zu befriedigen. Und sei es bloss als Vorbereitung und Training für grössere Unternehmungen. Der Begehung des GR 20 zum Beispiel.
8. Januar 2009
Graubündens Gletscher, Granit und Geröll
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| Marco Volken, Remo Kundert: Alpinwandern Südbünden – Engadin Müstair Puschlav Bergell Misox, SAC-Verlag, Bern, 2007 |
Doch dies ist noch nicht alles: Als Dreingabe gibt es neun Gipfelbesteigungen – allesamt über 3000 Meter hoch. Und wem die Routenbeschriebe zu wenig hergeben, der findet vielleicht Gefallen an den 14 regelmässig eingestreuten Fachbeiträgen zu Themen wie Bewässerung, Wasserkraft, Bären, Wetter, Grotti und einigen mehr. Diese sind indes so gut und spannend geschrieben, dass man sich mehr davon wünscht. So hätten zum Beispiel die neun Gipfeltouren ruhig weggelassen und statt dessen weitere thematische Kapitel integriert werden können. Als zusätzliche Anregung sei den Machern zudem mit auf den Weg gegeben: Bitte in den ansonsten toll gestalteten Routenkärtchen alle wichtigen, im Text erwähnten Orte aufführen. Sinnvoll wäre zum Beispiel auch das Einzeichnen der in einzelnen Etappen vorgeschlagenen Varianten.
Alles in allem präsentiert der SAC-Verlag ein handliches Werk in dem meist Unternehmungen im mittleren bis oberen Wanderschwierigkeitsgrad (T3–T5) vorgeschlagen werden. Kein Wunder, wimmelt es jeweils von steilen Geröll-, Gras-, Granit- und anderen Felshängen, wobei auffallend ist, dass die Autoren immer wieder auf den unaufhaltsamen Gletscherschwund zu schreiben kommen. Das gibt zu denken. Nun aber das endgültige Fazit: Ganz gut gemacht, guys!
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