20. Februar 2016

Noch so ein Langhaargeschöpf



Nachgedoppelt: Nachdem sich an meiner linken Hand vom geronnenen Blut bereits eine Kruste gebildet hatte, stiess ich am verhängnisvollen 24. Januar 2016 in Oppligen (BE) auf eine nicht weniger fotogene Katze. Aus Erfahrung schmerzhaft schnell klug geworden, hielt ich mich nun bewusst auf Biss,- Kratz- und Sprungdistanz und verzichtete auf irgendwelche Kapriolen, nur damit mir das Büsi direkt in die Linse lächelte.

19. Februar 2016

Norwegisch, afrikanisch?


Zugegeben, puncto Katzenrassen kenne ich mich so wenig aus wie mit Nanotechnologie oder Astralphysik. Dieses Prachtsexemplar, das ich in der hochsommerlich anmutenden Altjahrswoche 2015 in Montana (VS) vor die Linse bekam, scheint mir aus der Familie der norwegischen Waldkatzen zu stammen. Doch: dieser Blick, diese Augen, dieses Fell, dazu in diesem Ambiente – das ginge freilich auch als afrikanischer Steppentiger durch. Nicht?

18. Februar 2016

Un défi pour la Nature

Loïc Quintin: Un défi pour la nature,
Édition du Belvédère, Pontarlier, 2004,
épuisé
La première traversée intégrale et en solitaire du Massif jurassion franco-suisse à raquettes.

«Je regarde dans le rétroviseur le parcours accompli non seulement dans le Massif jurassien, mais aussi dans ma vie. Je mesure le chemin réalisé. J’évalue l’avenir à partir de ce passé et de ce présent intenses.  Je revis le passage mouvementé au Chasseral, la tempête et le déluge, l’apparition des chamois, les chevreuils graciles, le silence impénétrable des vastes forêts, les larges combes, les crêts scintillants, les rencontres pittoresques, et la neige poudreuse qui m’aura porté pendant trois cents trente kilomètres et trente et un jours. Cette neige qui m’entoure à l’entrée du village. Cette neige que je saisis à poignée pour mieux m’en imprégner. Doucement, elle s’écoule entre mes doigts comme s’écouleraient des larmes d’émotion si je ne me retenais. Emotion d’en terminer. Emotion de retrouver les miens. Dilemme que tout aventurier, marcheur au long cours, explorateur rencontre. Partir, c’est revenir. Revenir, c’est partir.»

Cette traversée de l’Arc jurassien franco-suisse prolonge l’action militante de Loïc Quintin pour que la montagne mais aussi la terre entière soit le moins possible agressée, balafrée, meurtrie. Pour qu’enfin l’Homme prenne conscience qu’il n’est qu’un passage, qu’il se sauvera lui-même en sauvant son environnement …

17. Februar 2016

Bärig


Bärenstark, was sich beim Bären in Langnau vor die Hauptfassade gesetzt hat. Bärigeres als der Bären in der Ilfismetropole gibt es hierzulande sowieso nicht. Da mag nicht einmal die Bank Julius Bär mithalten, gäuit!

15. Februar 2016

Im Schatten des Schlössli

Ursula Kahi: Im Schatten des Schlössli,
Emons, Köln, 2013
Fünf Leichen innerhalb weniger Tage, und das im idyllischen Aarau: So hat sich Patrick Unold den Beginn seines Praktikums bei der Kantonspolizei Aargau nicht vorgestellt. Da an den Tatorten keine identischen Spuren zu finden sind, geht die Kripo zunächst von Einzeltaten aus. Damit liegen die Ermittler richtig – und doch so falsch … (Klappentext)

Die authentisch wirkende Geschichte ist spannend konstruiert. Die Dialoge geben die Charakterzüge der handelnden Figuren lebendig wieder, wenn auch der Umgangston unter den Polizeibeamten, Ermittlern und Kriminaltechnikern einen Tick zu rüde ausgefallen ist. Das Kriminalromandebüt der Autorin finde ich dennoch ganz gut gelungen.

Ursula Kahi, Jahrgang 1967, ist der Schweiz und insbesondere dem Aargau seit ihrer Geburt treu. Sie lebt und schreibt in der Nähe von Aarau Kindergeschichten, Kurzgeschichten für Erwachsene und durchaus auch einmal einen Groschenroman.

AG: Aarau (Hauptschauplatz), Schloss Lenzburg

13. Februar 2016

Wintersonne



Dösen unter der Wintersonne und dann der Fotograf. Ein kurzer Blick, skeptisch-gekonnt. Und dann wieder: dösen.

12. Februar 2016

Die Kiesbank

Gibt es ein anschaulicheres Beispiel, um bildhaft zu darzustellen, was eine Kiesbank ist? Gotthelf hätte bestimmt seine helle Freude daran, steht doch dieses Exemplar an der Emme zwischen Schüpbach und Äschau.


11. Februar 2016

Frankophone aufgepasst!

Als ich vor ein paar Wochen von Montana nach Susten schritt, begegnete mir ein Strassenschild, an dessen Name ich mir vergeblich die Zunge zu wetzen versuchte. Dem Französischen nicht gerade unkundig, stand ich vor einem phonetischen Rätsel. Wie bloss, um Gottes Willen, spricht man das Anhängsel dieses Chemins des … correctement aus? Wie nur wie?


10. Februar 2016

Grünsee

Christoph Geiser: Grünsee, Benziger,
Einsiedeln, 1978, vergriffen
Grünsee beginnt harmlos mit einer Reise nach Zermatt – und verliert die schöne Ausgeglichenheit bald. Der Reisende, ein Schriftsteller, der über die Jahre zurückliegende Typhusepidemie im renommierten Wintersportort recherchieren will, recherchiert schliesslich über die eigene Familie und sich selbst. Was er dabei aus dem halbvergessenen, mehr verdrängten Untergrund hervorholt und rückblickend zusammensetzt, versetzt ihm Schocks, die sich der Mitwelt gar nicht mitteilen. Der Ich-Erzähler ist von Anfang bis Ende allein, obwohl Leute ihn umgeben, die ihn eigentlich kennen sollten. Aber kann man einen ohnehin Einsamen kennenlernen? Will er es überhaupt, ist die Furcht vor den andern, auch den Nächsten, nicht zu gross? Die Furcht zurückgewiesen zu werden? Alain Claude Sulzer, Basler AZ, 20. April 1978

VS: Zermatt und Umgebung BE: Schloss Ursellen bei Konolfingen

5. Februar 2016

Klo des Monats



Uff, beinahe hätte ich vor lauter analem Flurnamenlatein das Klo des Monats vergessen. Hier ist es nun also. Es steht direkt am Rheinfall bei Neuhausen. Und das ist gut so, denn 1. stimuliert das fallende Wasser den Harndrang und 2. lungern beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit Touristen aus der ganzen Welt am zweitgrössten Wasserfall Europas herum. Man stelle sich vor, wenn da kein Klo wäre.

1. Februar 2016

Das neuste Kind der Edition

Julius Albert: Wanderungen nach
und in Graubünden
, Edition
Wanderwerk, 2016
Es ist wieder einmal an der Zeit, etwas Werbung in eigener Sache zu veranstalten. Ab sofort ist in der Edition Wanderwerk der erste Band eines Drittautors erhältlich. Die Rede ist von Julius Alberts Wanderungen nach und in Graubünden.

Im Jahre 1856 reist der Norddeutsche Julius Albert mit seinem Weggefährten in die Schweiz und geht von Altdorf zu Fuss über den Klausenpass ins Glarnerland und von dort via Walensee, Bad Ragaz und Kunkelspass ins Bündnerland. Der Autor findet Gegenden vor, die vom Tourismus noch weitgehend wenig berührt sind. Dies macht den Reisebericht zu einem wertvollen und aufschlussreichen Dokument, das einerseits schonungslos aufzeigt, welch gewaltige Entwicklung und Veränderung der Tourismus und insbesondere das Bergwandern in den nachfolgenden 100 Jahren erfahren hat. Andererseits verdeutlicht die Lektüre auch, dass gewisse Gepflogenheiten bis zum heutigen Tag ihre Gültigkeit behalten haben.

Ich habe den 1857 erschienenen Wanderreisebericht sowohl sprachlich als auch orthografisch behutsam angepasst und ihn zudem von der altbacken wirkenden Frakturschrift befreit. Die Unternehmung gipfelt übrigens buchstäblich auf einer Berg – dem Piz Languard bei Pontresina, der damals gar nicht so einfach zu besteigen war. Und Freunde: Ich bin mächtig stolz, dieser Rarität helvetischer Tourismushistorie zu neuem Leben verholfen zu haben. Was uns Herr Albert an unverfälschten Beobachtungen und Begegnungen aus der Mitte des 19. Jahrhundert vermittelt, ist den Kauf dieses Buches absolut wert. www.wanderwerk.ch

31. Januar 2016

Hügeltour im Oberaargauer Gebirge



Gestern ging ich von Riedtwil nach Kleindietwil. Berner Provinz zwischen Burgdorf und Langenthal. Der Wind blies stellenweise heftig. Kein Hund, kein Spaziergänger, kein Wanderer. Viel Asphalt. Die durchschrittene Gegend zählt zu den Wynigen- und den Buchsibergen, wobei Hügel der passendere Ausdruck für das sanft gewellte Land wäre. Und weil ich wieder einmal quer statt Mainstream ging, gibt das Routenprofil den Charakter der Region treffend wieder.

26. Januar 2016

Der Preis für diese Langhaar

Am Sonntag gab es bloss eine Kurzwanderung von Wichtrach nach Heimberg. Zu Beginn der Route schien gar noch ein wenig die Sonne, was offenbar auch den Katzen gefiel. Ein erstes Prachtsexemplar erwartete uns bereits in Oberwichtrach. Das zutrauliche Fellknäuel nahm willig seine Streicheleinheiten entgegen. Das Tier zu fotografieren, war indes schwieriger. Sobald ich nämlich die Linse in der richtigen Position hatte, lief die Katze auf mich zu, was dem langsamen Autofokus der Kamera leider verunmöglichte, scharfe Bilder zu liefern. Also hoben wir den Vierbeiner auf einen grossen Stein, wo seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Und siehe da! Er hielt still, wendete nun aber den Kopf demonstrativ-divenhaft vom Fotografen ab. Durch gutes Zureden gelang es mir dennoch, eine Frontaufnahme zu schiessen. Als ich sodann versuchte, mittels erhobenem Arm und Fingerschnippen die Aufmerksamkeit des Tieres auf mich zu lenken, bekam ich die Krallen in die linke Hand gerammt.


Ich wusste nun, dass ich eine Grenze überschritten hatte. Das Tier war genervt und zeigte es mir unmissverständlich. Aus dem Schmusetiger war ein Geschöpf mit Selbstbewusstsein geworden. Die drei Blutstropfen, die aus dem Handrücken zu quellen begannen, waren der Preis für das Bild.


24. Januar 2016

Hanspudi und die Thuner Sonate

Stefan Haenni: Brahmsrösi, Gmeiner,
Messkirch, 2009
Wie liebe ich es doch, ohne Zeitdruck recherchieren zu können! Im Moment bin ich auf Spurensuche nach einem gewissen J. V. Widmann, dem ich im Juni 2000 in einem Berner Buchantiquariat zum ersten Mal begegnet bin. Nicht dem Autor selber, denn Josef Viktor Widmann verstarb anno 1911, sondern seinen Spaziergängen in den Alpen, die ich hernach mit grossem Interesse gelesen habe. Und je länger ich mich mit dem Menschen Widmann befasse, desto mehr bin ich fasziniert und begeistert.

Mitten in den Recherchen, zeigte mir die grösste Suchmaschine der Welt eine Textpassage aus dem zweiten Kriminalroman Brahmsrösi des Thuners Stefan Haenni. Es ging um J. V. Widmann, mit dem Johannes Brahms befreundet war. Unverzüglich sprang ich auf und hechtete in jene Gegend meines Bücherregals, wo ich die Autoren beginnend mit H, stehen habe. Den ungelesenen Brahmsrösi-Krimi nenne ich nämlich seit längerem mein Eigen. Die Lektüre habe ich sodann schleunigst und in kürzester Zeit nachgeholt. Von den drei bislang erschienen Haenni-Krimis erachte ich Brahmsrösi als den gelungensten. Als Leser erfahre ich eine ganze Menge über den Komponisten Brahms, sein Leben und Wirken, aber auch über die Brahms-Gesellschaften, insbesondere jene in Baden-Baden, wo der Komponist mehrere Jahre in einem heute öffentlich zugänglichen Haus die Sommer verbracht hatte.

Obschon im Roman dem Schriftsteller und Bund-Feuilletonisten Widmann eher eine Nebenrolle zugedacht ist, schenkt uns Haenni die eine oder andere Anekdote aus dem Leben des J. V. Und dass Haenni zwischendurch zu sprachwitziger Hochform aufläuft, möge folgendes Beispiel dokumentieren: In Oberhofen am Thunersee wird der allseits bekannte und geschätzte Violonist Bernhard Bachmann ermordet aufgefunden: 

Auf den ersten Blick sind keine Wunden sichtbar. Die vertrocknete Blutlache, die sich unter und neben dem grau-blonden Bubikopf ausgebreitet hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Ist der Geiger unglücklich gestürzt? Oder hat ihm jemand den Bogen gegeben?

Kopfblatt der gedruckten Noten von 1887
Und die Thuner Sonate? Haennis Geschichte dreht sich in erster Linie um die Oiginalpartituren, der von Brahms im Sommer 1886 am Thunersee komponierten Violinsonate Nr. 2 in A-Dur (Op. 100). Privatdetektiv Hanspeter («Hanspudi») Feller, wird vom Präsidenten der Thuner Brahms-Gesellschaft damit beauftragt, nach der Echtheit der aufgetauchten Autographen zu forschen. Ohne die Geschichte zusammengefasst ausrollen zu wollen, sei an dieser Stelle bloss auf besagte Sonate hingewiesen, denn die Lektüre erweckte in mir unweigerlich das Interesse nach dem Klange dieses Oeuvres. Eh voilà! YouTube hat die Musik an Lager. Und dies gleich in mehreren Interpretationen. Ich habe mich für jene von Anne-Sophie Mutter (Violine) und Lambert Orkis (Piano) entschieden.

Schauplätze
BE: Thun (Hauptschauplatz) mit Brahmsquai, Café Bar Alte Oele, Hofstettenpark, Freienhofgasse, Mühleplatz, Restaurant Waisenhaus, Seefeldquartier, Niesenstrasse, Restaurant Dampfschiff (inkl. Infotafel über Wasservögel in dessen Nähe an der Aare), Brahmsplakette von J.V. Widmann am Brahmsquai, Kantonspolizei Allmendstrasse, Obere Hauptgasse; Oberhofen am Thunersee, Stadt Bern (Widmann-Brunnen mit Pavillon am Hirschengraben) PL: Krakau mit Universitätsbibliothek, Jordana Park, Flughafen Johannes Paul II, Gertrudy-Strasse D: Baden-Baden mit Brahmshaus in Lichtental, Casino, Zisterzienserinnen-Abtei Lichtental, Florentinerberg, Liebfrauenkirche, Ristorante Garibaldi, Friedrichsbad, Jesuitenplatz, Coffee Fellows im Hauptbahnhof.

20. Januar 2016

Der Vorleser

Bernhard Schlink: Der Vorleser,
Diogenes, Zürich, 1995
Auf dem Nachhauseweg gerät der fünfzehnjährige Michael Berg in eine heikle Situation. Eine Frau, Mitte dreissig, kümmert sich um ihn. Später kommt der Junge mit einem Blumenstrauss, um sich zu bedanken. Und er kommt wieder. Hanna ist die erste Frau, die er begehrt. Eine heimliche Liebe beginnt. Doch es ist etwas Düsteres, Reizbares um Hanna. Seine Fragen, wer sie war und ist, weist sie schroff zurück. Eines Tages ist sie verschwunden. Aus Michaels Leben, nicht aus seinem Gedächtnis. Als Jurastudent sieht er Hanna im Gerichtssaal wieder. Der junge Mann erleidet einen Schock. Er hat eine Verbrecherin geliebt. Vieles an Hannas Verhalten im Prozess ergibt keinen Reim. Bis es ihm wie Schuppen von den Augen fällt: Sie hat nicht nur eine grauenhafte Tat zu verantworten, sie hat auch ihr verzweifelt gehütetes Geheimnis. Die Vergangenheit bricht auf – die seiner Liebe und die deutsche Vergangenheit. Michael muss erleben, dass er von beiden Vergangenheiten nicht loskommt. Eine Frauengestalt, mit der man auch als Leser nicht einfach fertig wird. Und das Dilemma einer Generation. (Website Diogenes Verlag)

D: Heidelberg und Umgebung (Hauptschauplatz), Berlin F: KZ Struthof im Elsass

18. Januar 2016

Winter 2.0

Fulminante 20 Kilometer im Schnee! Gestern schritt ich vom Oberaargau ins Emmental; von Kleindietwil an der Langete via Dürrenroth nach Sumiswald. Die dezenten Schnefälle der Vortage bepuderten die Landschaft mit 10 cm Glück. Die perfekte Unterlage, um dem Winter 2.0* die Ehre zu erweisen. Und wie das Wetter Kapriolen vollführte! In regelmässigen Abständen peitschte der Wind dichtes Schneegestöber übers Land. Aus Nordwest blies zeitweilig eine giftige Brise, die dann abrupt inne hielt, um wenig später erneut loszutoben. In der zweiten Streckenhälfte trieb der Wind die Wolken auseinander. Eine morgens nicht für möglich gehaltene Sonne strich mit ihren Strahlen über die Hügel und inszenierte grosses Landschaftskino. Lediglich fünf Menschen bin ich unterwegs begegnet: einer hübschen jungen Frau, die mit ihrem Hund die Morgenrunde absolvierte, zwei Reitern und zwei ernsthaften Wanderern. In Sumiswald angekommen, stieg ich in den Zug, der mich ohne umsteigen gemütlich ins Gürbetal nach Hause fuhr. Das nenne ich Service public!

Und nun noch der Dämpfer: Laut Wetterprognosen soll es am Ende dieser Woche wieder wärmer werden. Nicht bloss ein bisschen. Stolze 12 Grad Celsius sind angekündigt! War das schon alles vom Winter 2.0?

*Wir erinnern uns: Ende November machte es den Anschein, als ob der Winter endgültig Einzug hielte, was ja dann bekanntlich nicht der Fall war …

Eine Viertelstunde nach Ursenbach (BE)

Reiterin und Reiter beim Gehöft Höchi. Wir wünschten uns einen schönen Sonntag. Den hatte ich!

Im Anmarsch auf Sumiswald. Blick von der Schonegg nach Norden. Die Sonne zaubert.

Auf der Schonegg beim Schabenleen kurz vor Sumiswald.

Als hätte Gotthelf nie gelebt ...

16. Januar 2016

Die Schweiz als Rettungsboot

Alfred A. Häsler: Das Boot ist voll, Ex Libris,
Zürich, 1967. Das Werk ist im Diogenes Verlag,
Zürich nach wie vor vorrätig!
Das 1967 von Alfred A. Häsler erschienene Buch Das Boot ist voll handelt von der Schweiz und ihrer Rolle in der Flüchtlingspolitik von 1933–45. Das Werk löste damals ein kleineres Erdbeben aus und stellte das Verhalten unseres Landes während des Nazi-Regimes in ein düsteres Licht. Endlich bin ich nun dazu gekommen, den Band zu lesen. Was mich am meisten erschüttert hat, – nebst den geschilderten, tragischen Fällen und dem zum Teil selbstherrlichen Walten eines Bundesrats Eduard von Steiger und seinem Handlanger, dem Chef der Polizeiabteilung, Heinrich Rothmund –, ist die Tatsache, dass auch in heutiger Zeit gewisse Parolen in einschlägigen Kreisen, darunter auch eine hier nicht namentlich zu erwähnende Bundesratspartei, 1:1 skandiert werden. Als ob es das mehrere Jahre andauernde Flüchtlingsdrama vor rund 70 Jahren gar nie gegeben hätte.

Ich bin mir bewusst, dass die Situation heute eine andere ist als damals. Was indes gleich geblieben ist: Es sind nach wie vor Menschen, die in unserem Land um Asyl ersuchen, egal welches ihre wirklichen Absichten sind. Und ja, der Zweite Weltkrieg mit seinen Millionen von Toten, die er übrig gelassen hat, war der Menschheit nicht Lehre genug. In den meisten Herkunftsländern der heutigen Flüchtlinge herrscht Krieg, Diktatur und politische Willkür und in der Regel auch wirtschaftliche Armut. Die Lektüre von Das Boot ist voll sei hiermit wärmstens empfohlen, auf dass sie uns die Augen öffnen oder offen halten.

Alfred A. Häsler wurde 1921 in Wilderswil im Berner Oberland geboren. Er absolviert eine Typographenlehre in Interlaken. Ab 1939 erschienen von ihm u.a. in der Nation erste Artikel gegen die schweizerische Flüchtlingspolitik. Von 1958 bis1977 war er Redakteur bei der Tat, 1964–1985 bei Ex Libris, 1977–1984 bei der Weltwoche, daneben arbeitete er als freier Mitarbeiter für Radio und Fernsehen. Er erhielt 1986 den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, ist Honorary Fellow der Hebräischen Universität Jerusalem und erhielt 1992 den Fischhof-Preis u.a. «in Anerkennung für sein gesamtes literarisches Schaffen, in dem er insbesondere mit dem Buch Das Boot ist voll ein bleibendes Zeichen für seine Gesinnung setzte». Alfred A. Häsler starb am 7. April 2009 in Zürich. (Website Diogenes Verlag)

7. Januar 2016

Der letzte Weynfeldt

Martin Suter: Der letzte Weynfeldt,
Diogenes, Zürich, 2008
Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, grossbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie ausserhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schliesslich merkt, dass nichts ist, wie es scheint. (Klappentext)

GR: St. Moritz ZH: Stadt Zürich, Oerlikon E: Mallorca

3. Januar 2016

Der Fehlschuss als Fehlschuss

Thomas Bornhauser: Fehlschuss, Weber
Verlag, Thun/Gwatt, 2015
Im Bremgartenwald bei Bern brennt ein Ferrari, zwei Personen kommen darin ums Leben. Drei Tage später wird in der Berner Innenstadt ein Anlageberater auf offener Strasse erschossen. Zwei voneinander völlig unabhängige Verbrechen. Joseph Ritter, Dezernatsleiter Leib und Leben bei der Kantonspolizei Bern – intern nur «J.R.» genannt, nach J.R. Erwing in der TV-Serie «Dallas» –, sieht sich gefordert, zusammen mit seinem Team, Regula Wälchli, Elias Brunner und Stephan Moser.

Je länger die Ermittlungen andauern, umso wahrscheinlicher wird, dass es möglicherweise doch einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen im Bremgartenwald und in der Berner Marktgasse geben könnte. Aber welchen? (Klappentext)

Thomas Bornhausers Erstling spielt in der heutigen Zeit und ist gespickt mit Stadtberner Lokalkolorit. Für meinen Geschmack zitiert der Autor dabei zu viele real existierende Ladengeschäfte, Restaurants und Markennamen. Alleine dadurch verliert der Roman an literarischem Gehalt. Und noch ein Wort zur Handlung: Vielleicht habe ich bereits zu viele Krimis gelesen, aber der vorliegende Plot hat mich leider nicht vom Hocker gehauen. Der Hauptkommissär hat typischerweise seine Macken, das Ermittler-Team glänzt mit den üblichen Sticheleien, der Staatsanwalt ist wie immer auf Zack und die kriminelle Seite ist in dubiöse Händel verstrickt. Und ja, das Kriminalrätsel wird letztlich auf nicht unkonventionelle Art aufgelöst.

Sonderbar auch das Format und die Ausstattung des Buches. 16,5 x 23,6 cm hat schon fast Bildband- oder zumindest Sachbuchgrösse. Gaben die ganzseitigen Fotos der Originalschauplätze den Ausschlag (für mich das einzig Originelle am Werk)? Speziell auch das gewählte, gestrichene Offsetpapier: Für Romane – und Krimis erst recht – eher die Ausnahme. Aber am meisten irritiert hat mich indes die Haptik der Buchdeckel: Ein leicht ekelig anzufassendes Material, das sich sonderbar wächsern anfühlt. Nach der Lektüre musste ich mir jeweils die Hände eincremen, obschon im Roman keine Markencreme namentliche Erwähnung findet.

Henu, letztlich weiss der Verleger am besten, wie er seine Bücher auf den Markt und an die Leserschaft bringen will. Ich finde, der Titel Fehlschuss hat seine Schuldigkeit getan.

Und hier noch die Schauplätze

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Bremgartenwald, Glasbrunnen, S-Bahn Münsingen–Bern, Hinterkappelen, Muri b. Bern, Gerzensee, Rubigen, Ortschwaben, Gurten, Köniz VS: Vercorin F: Bordeaux PL: Warschau, Bystra, Lodz USA: New York

1. Januar 2016