7. März 2021

Wässerwasser

Urs Augstburger: Wässerwasser, dtv,
München, 2012
Die Walliser Alpen nach der Klimaerwärmung: Die letzten Gletscher sind geschmolzen, ein weiterer Dürresommer hält Natur und Mensch im Griff, die Luft über dem Plontal flirrt. Nur im Schutz des Flischwaldes sind die Temperaturen erträglich. Doch selbst dort, im Luxusresort «Eden», bricht Unruhe aus: Die Besitzerfamilie Bohrer wird erpresst. Unbekannte drohen, die Wälder um «Eden» in eine Flammenhölle zu verwandeln. Ihre Forderung: Zugang zu den Wassern von Plon.

Die fieberhafte Suche nach einem Ausweg führt die Bohrers zurück in die Gründerzeit des Resorts. Gewitter um Gewitter suchte damals den Flischwald heim, die Gletschermoränen gerieten ins Rutschen, der Ausbruch des Gletschersees drohte. Das Wissen um alte Technologien und der Respekt vor der Welt der Mythen und Sagen verhinderten damals die Katastrophe.
Jetzt, Jahrzehnte später, besinnen sich die Bohrer-Nachkommen endlich auf dieses Wissen der Ahnen, doch da läuft das Ultimatum der Erpresser bereits ab.

Urs Augstburger inszeniert in der Familiensaga «Wässerwasser» den Kampf der Menschen gegen eine entfesselte Natur. Motive aus den beiden bisherigen Bergromanen «Schattwand» und «Graatzug» führen die Geschichte aus der Vergangenheit in die Zukunft.
(Inhaltsangabe zum Buch)

6. März 2021

Unsere Kirche

Diverse Autoren: Unsere Kirche, Kirchgemeinde
Jenaz/Buchen, 2013
Das Buch will mitnehmen zur Kirche unseres Dorfes, zu unserer Kirche. Es erzählt «die Geschichte vom Jenazer Gotteshaus» ebenso wie persönliche «Geschichten» verschiedener Gemeindemitglieder. Berichtet wird von der geheimnisvollen «Begegnung mit einer Unbekannten», die hier zu Hause ist. Und weil die Predigt zu den Hauptgeschehnissen in diesem Raum gehört, darf auch hier eine solche nicht fehlen: Besinnung über «eine Liebeserklärung». Bilder vom früheren Äusseren der Kirche oder von leicht zu übersehenen Details ihres heutigen Erscheinungsbildes runden das Buch ab, das anlässlich der bevorstehenden Renovation erscheint. (Klappentext)

5. März 2021

Durchs Obergoms

Diverse Autoren: Durchs Obergoms,
Vereinigung «Inns Obergoms», 1987
Der kulturhistorische Wanderweg «Durchs Obergoms» will zu markanten wie versteckten Punkten der Obergommer Siedlungs- und Kulturlandschaft hinführen und dabei hervorragende wie typische Äusserungen der Kulturgeschichte dieser Region sichtbar machen und entschlüsseln. Nicht bloss, was unmittelbar sichtbar ist, ist dabei Gegenstand der Auseinandersetzung, sondern auch das, wofür dieses Scihtbare zeichenhaft steht: die Kirchenausstattung als Spiegel barocken Geistes, das Ortsbild als Ergebnis diktierender Naturgewalten, der Nutzbau als sichtbarer Ausdruck von Selbstversorgung und Gemeinschaftssinn. (Klappentext)

4. März 2021

Chinesische Scherenschnitte

Jörg Weigand (Herausgeber): Chinesische
Scherenschnitte, Heyne, München, 1983
Träume aus Papier, bemalt, farbgetränkt, goldumrandet oder geklebt – das sind die herrlichen Scherenschnitte, die im Reich der Mitte gefertigt werden. Die schönsten, ergänzt mit ausführlich kommentierenden Texten, vereinigt dieses erlesen ausgestaltete Bändchen: Ausdruck der Lebensfreude, aber auch der besinnlichen Weisheit eines der ältesten Kulturvölker der Erde. (Klappentext)

3. März 2021

Die Eisenbahn

Wolfgang Minaty (Herausgeber):
Die Eisenbahn, Insel Verlag, Frankfurt, 1984
«Ich sitze in meinem Zug wie in meinem Schicksal», schrieb einst Joseph Roth. In unzähligen Gedichten, Prosastücken, Dramen und Hörspielen ist die Eisenbahn Gegenstand literarischer Auseinandersetzung. Obwohl die Eisenbahn in der deutschen Literatur eine einzigartige Rolle spielt, und zwar von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage, ist es verwunderlich, dass dieses Motiv bislang so wenig beachtet worden ist. Nun liegt die umfassendste Anthologie deutschsprachiger Literatur zum Thema Eisenbahn vor, die es je gegeben hat. Mit bekannten, aber auch faszinierend unbekannten Texten von Chamisso und Goethe über Fontane, Kafka und Benn bis zur Kaschnitz wird ein ganz neues Kapitel der deutschen Literatur aufgeschlagen. Die Anthologie ist kein Geschichtsbuch, noch weniger ein Geschichtenbuch, dennoch spiegelt sich in den sorgfältig ausgewählten Texten aus über 150 Jahren die Technik als historisch erfahrbare Kategorie, als Prozess, der vielfältige und tiefgreifende Auswirkungen auf das soziale wie individuelle Leben des Menschen gehabt hat. Wirklichkeitsbeschreibung und Entwurf einer anderen Wirklichkeit stehen eng beieinander. Die Eisenbahn steht für Fortschrittsgläubigkeit bis hin zur närrischen Verzückung, mit ihr oder durch sie wird aber auch Skepsis wach bis hin zum Trauma. Man liest die Anthologie, als sässe man im Zug der Zeit. (Inhaltsangabe im Buch)

2. März 2021

Krieg

Janne Teller: Krieg, Hanser, München, 2011
Janne Teller wagt erneut ein eindringliches Gedankenexperiment: Sie macht uns klar, was es bedeutet, Kriegsflüchtling zu sein – durch einen schlichten Wechsel der Perspektive. (Klappentext)

28. Februar 2021

Berner Heimatbücher

Sie sind in Berner Buchantiquariaten nicht wegzudenken: Die Berner Heimatbücher. Als ich in den 1980er-Jahren in Antiquariaten herumzustöbern begann, habe ich mir etliche dieser «Bücher» – genau genommen sind es Broschüren – gekauft ... und auch gelesen. Hier eine Auswahl davon. 
Robert Ganz: Hilterfingen und Hünibach,
Haupt, Bern, 2002
Eduard Gerber, Karl Ludwig Schmalz:
Findlinge, Haupt, Bern, 1948
Diverse Autoren: Der Hohgant – Krone des
Emmentals, Haupt, Bern, 1964



Otto Nyffeler, Hans Stucki: Diemtigtal, Haupt,
Bern, 1992

Walter Steiner: Eggiwil • Röthenbach, Haupt,
Bern, 1974

Rudolf Zbinden, Max Pfister: Langnau i.E.,
Haupt, Bern, 1963

27. Februar 2021

Spaziergänge

Franz Hohler: Spaziergänge, Luchterhand,
München, 2012
«Hochregallager!» Mittags, an einem kalten grauen Märztag, liest Franz Hohler dieses Wort zum ersten Mal. Er könnte eines dieser Regale kaufen, legt ihm das Schild nahe, doch er zieht einen kleinen Ausflug an einem Seeufer entlang vor. Einjahr lang hat Franz Hohler jede Woche einen Spaziergang unternommen, jede Woche gezielt einen anderen. Was er auf diesen Spaziergängen gesehen hat und was ihm beim Gehen widerfahren und aufgefallen ist, hat er in diesem aussergewöhnlichen Buch festgehalten. Ein Jahr durchleben wir mit ihm unterwegs und staunen wie er über einen hochgewirbelten Möwenschwarm oder über ein Plakat, dass Gott uns suche – warum ausgerechnet uns? Seine kurzen Erzählungen sind eine Schule des Sehens und der Achtsamkeit, und nach und nach bekommen wir eine Ahnung, was Heimat heute ist und was Sie sein könnte … (Klappentext)

26. Februar 2021

Allmen und die Libellen

Martin Suter: Allmen und die Libellen,
Diogenes, Zürich, 2011
Allmen, eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, hat über die Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht. Das hochherrschaftliche Anwesen musste er verkaufen, er hat sich mit seinem lebenserfahrenen Faktotum Carlos aus Guatemala ins bescheidene Gärtnerhaus zurückgezogen.

So schlecht er mit Geld umgehen kann, so virtuos beherrscht er den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Bredouille. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt.

Bis ihn nach einem alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die See-Villa ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden Jugendstil-Schalen entdeckt, jede ein kleines Vermögen wert. Und jede mit einem Geheimnis behaftet.

Eine Herausforderung, an der er wachsen – oder die ihn das Leben kosten kann.
(Klappentext)

25. Februar 2021

Bosco Gurin

Tobias Tomamichel: Bosco Gurin,
Gesellschaft Walserhaus Gurin, 1997
Bosco Gurin ist das einzige deutschsprachige Dorf im Kanton Tessin. Es handelt sich um eine Walsersiedlung, die schon Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich nachgewiesen ist.

Der Verfasser des vorliegenden Buches, Tobias Tomamichel, war gebürtiger Guriner, der ausser seinem angestammten Heimatdialekt sowohl die deutsche wie auch die italienische Sprache beherrschte. Er war daher der nicht leichten Aufgabe gewachsen, eine höheren Ansprüchen genügende Monographie des Walserdorfes zu verfassen, die die erforderliche Vollständigkeit mit sachlicher Richtigkeit verbindet. Sein Bruder, Hans Tomamichel, ergänzte den Text mit über sechzig gekonnten Zeichnungen in kongenialer Weise.

So ist ein Werk entstanden, das in Wort und Bild kompetenten Aufschluss gibt über die Walser, über die Geschichte des einzigartigen Dorfes, das tägliche Leben seiner Bewohner mit seinen Schwierigkeiten und Gefahren, ihr bodenständiges Brauchtum und über ihre Sprache, das eigenständige Gurinerdeutsch.

Die Darstellung beruht auf eigenem Erleben und ernsthaften Nachforschungen und Studien. Sie kann daher vor der fachmännischen Kritik bestehen, ist aber zugleich so allgemein verständlich und anregend geschrieben, dass sie weiteste Kreise erfreuen und begeistern wird.

Leonhard Tomamichel hat die dritte Auflage auf den heutigen Stand des Wissens nachgeführt und die seit den fünfziger Jahren eingetretenen Änderungen berücksichtigt.
(Klappentext)

24. Februar 2021

Die Kunst des Wanderns

Alexander Knecht, Günter Stolzenberger (Hrsg.):
Die Kunst des Wanderns, Deutscher
Taschenbuch Verlag, München, 1997
Dieser literarische Wegbegleiter versammelt Texte und Textauszüge der Weltliteratur von der Zeit an, da das Freizeit-Wandern «erfunden» wurde – das war das 18. Jahrhundert Rousseaus – bis in unsere Gegenwart, die etwa in Bruce Chatwin einen der literarischsten Wanderer überhaupt hatte. Dazwischen liegt ein weiter Weg, auf dem einiges passiert: Nicht etwa chronologisch, sondern nach wanderspezifischen Themen werden die literarischen Bündel geschnürt, und so begibt man sich auf GRATWANDERUNGEN mit Marcel Proust, Thomas Mann oder Peter Handke, trotzt WIND UND WETTER mit Ludwig Tieck und Max Frisch, philosophiert auf GEDANKEN-GÄNGEN mit Kierkegaard und Nietzsche, aber auch Poe und Kleist und gerät AUF ABWEGE mit Joseph Roth und Kurt Tucholsky. VERLIEBTE WANDERER sind Bettine von Arnim und Hermann Hesse, und Mark Twain sinniert AM WEGESRAND über die «Hohlköpfigkeit der Durchschnittsameise» … Noch nicht einmal ein Sechstel der Weggenossen ist damit benannt, die man mit Gewinn befragen kann, wenn es unsereinem angesichts der Schönheit des Gesehenen die Sprache verschlägt. (Inhaltsangabe zum Buch)

23. Februar 2021

Im Schatten des Campanile

Werner Bucher: Im Schatten des Campanile,
Appenzeller Verlag, Herisau, 2000
Der Autor von «Unruhen» hat mit «Im Schatten des Campanile» einen neuen Roman geschrieben, in dem Unzufriedene dominieren. Wütend verbeissen sich der Appenzeller Anton Inauen und die Deutsche Ute Gründel im überalterten Tessiner Dorf Montevecchia in ihre Ressentiments, Projektionen und zahllosen Unterstellungen, mit denen sie Mitmenschen in die jeweiligen Schubladen einschliessen. Die Welt gab ihnen nie, was beiden nach eigenem Dafürhalten zustand. Neid und Hass sind die Folgen. Kaum besser reagieren andere Bewohner des Dorfes auf ihre Welterfahrungen. Einzig drei alte Männer entrinnen dem Schatten der Vergangenheit, gehören nicht zu den vermeintlich oder tatsächlich Zukurzgekommenen. Ist aber eine Umkehr wenigstens für einige Montevecchiesi möglich?

Das faszinierend geschriebene, wie bei einem Kriminalroman äusserst spannende und doch eindrücklich heutige Welt ins Wort umsetzende Buch deutet an, wohin die Reise gehen könnte. Damit nicht genug: Die Figuren werden für die Leserin, den Leser greifbar, deren Abgründe, Sehnsüchte, Gewohnheiten und ihr Engagement oder ihre Gleichgültigkeit gegenüber einer von Jahr zu Jahr stärker bedrohten Umwelt. Auch über das Handwerk und die Schwierigkeiten heutigen Schreibens wird nachgedacht, verschiedene Stil- und Optikwechsel werden erprobt und wieder verworfen; und dass i, Mythologisches mit ins Spiel kommt, Urmenschliches und längst Gewesenes in den Personen dieses Romans durchbricht, gibt dem Buch zusätzliche Tiefe.
(Klappentext)

22. Februar 2021

Italien in vollen Zügen

Tim Parks: Italien in vollen Zügen, Kunstmann,
München, 2014
Tim Parks‘ Bücher über Italien sind «so lebendig, so voll mit köstlichen Details, dass sie als würdiger Ersatz für das Wirkliche dienen können» (Los Angeles Times). In diesem äusserst unterhaltsamen Reisebericht zeichnet Tim Parks ein authentisches Portrait italienischer Lebensweise – wie es sich auf Zugfahrten durch das Land erschliesst. Ob als Pendler in ratternden Regionalbahnen, beim Kampf mit tückischen Fahrkartenautomaten oder auf der Suche nach dem richtigen Gleis im majestätischen Hauptbahnhof Mailands, immer richtet sich sein literarischer Blick auf Details, auf Besonderheiten.

In unvergesslichen Begegnungen mit pedantischen Schaffnern und kauzigen Mitreisenden, mit Priestern und Prostituierten, Schülern und Verliebten fängt Parks ein, was für das italienische Leben so charakteristisch ist: die Obsession für Geschwindigkeit und zugleich der Sinn für lebensfreundliche Entschleunigung; die grossartigen Baudenkmäler und ihre fast schon gezielte Vernachlässigung; und die unsterbliche Begeisterung für ein gutes Argument und den perfekten Cappuccino.

Italien in vollen Zügen erzählt auch, wie die Eisenbahn dazu beigetragen hat, Italien als Staat zu konstituieren, und wie ihre Entwicklung das Bewusstsein Italiens von sich selbst reflektiert – von Garibaldi zu Mussolini zu Berlusconi und darüber hinaus.
(Klappentext)

Moors Fazit: Lesen! Unbedingt!

21. Februar 2021

Mordsspaziergänge

Dominique Strebel, Patrik Wülser (Hrsg):
Mordsspaziergänge, Rotpunkt, Zürich,
Mordsspaziergänge auf den Spuren von Friedrich Glauser, Friedrich Dürrenmatt, Walter Vogt und vielen anderen: Die meisten literarischen Verbrechen der Schweiz spielen im Kanton Bern: im Emmental, im Berner Oberland, im Seeland oder in der Stadt Bern. Einfache Wanderungen führen zu den realen Orten, an denen man die Atmosphäre der Kriminalromane fühlen und riechen und, dank der beigelegten CD, auch hören kann. Eine Entdeckungsreise, ein Lesegenuss – und Tipps für den faulen Sonntag. (Klappentext)

20. Februar 2021

Der Spielplatz Europas

Leslie Stephen: Der Spielplatz Europas,
Amstutz, Herdeg & Co. Zürich/Leipzig, 1942
Wenn auch schon vorher einige wenige hohe Berge bestiegen wurden, so ist doch der «Alpinismus» noch keine hundert Jahre alt. Er wurde r echt eigentlich von englischen Reisenden geschaffen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die Schönheit der wilden Natur war um die Wende des neunzehnten Jahrhunderts entdeckt worden. Wie das fast bei jeder solchen Umwälzung der ästhetischen Anschauung geht, so schossen auch hier die Propheten ein bisschen über das Ziel hinaus. Selbst Rousseau und Byron wurden, trotz allem, was sie zu sagen hatten und auch sagen konnten, als allzu sentimental empfunden.

Die englischen Berg-Pioniere brachten die Naturbegeisterung auf ein allgemein verständliches und gesundes Mass zurück. Sie waren es, die die «alpine Literatur» schufen. Diese klassischen englischen Bücher über Gebirge und Bergsteigen sind wirklich Literatur im besten Sinn, sie behalten ihren Wert, sie sind heute so interessant und lesenswert wie je. Daneben sind sie «Abenteurerbücher»; ihre innere Wahrhaftigkeit, die Spannung der Geschehnisse und ihre echte Begeisterung sichern den best en von ihnen einen Platz in der Literatur.

Mit an erster Stelle steht hier Leslie Stephen mit seinem «SPIELPLATZ EUROPAS». Er war der erste, der bewusst und absichtlich auf jede wissenschaftliche Verbrämung in seinen Bergschilderungen verzichtete. Er gab nur «Fahrtbericht», «Impression» und «philosophische Betrachtung». Das konnte er tun, weil er eine einmalige und glückliche Mischung war von Literat, Denker, Künstler und Bergsteiger. Er war Theologieprofessor in Cambridge und machte sich als Mitarbeiter der «Saturday Review» und später als jahrelanger Redaktor des «Cornhill Magazine», das durch ihn zu grosser literarischer Bedeutung gelangte, sowie als Verfasser zahlreicher philosophischer und anderer Werke einen bedeutenden Namen im angelsächsischen Schrifttum seiner Zeit.

Es mag hier interessieren, dass seine erste Frau eine Tochter von Thackeray war und eine seiner Töchter die jüngst verstorbene, bekannte Romanschriftstellerin Virginia Wolf. Er selbst schreibt einen glänzenden Stil, voller Humor und Witz, oft satirisch und ironisch, aber auch voll Selbstironie – und niemals boshaft und verletzend. In der «goldenen Zeit » des Alpinismus gelangen Stephen eine grosse Reihe glänzender Neutouren (Monte della Disgrazia, Überschreitung von Jungfraujoch und Fiescherjoch, Bietschhorn, Blümlisalp, Rothorn, Jungfrau vom Rottal, Lysskamm von Westen, Schreckhorn, Mont Mallet, Überschreitung vom Col des Hirondelles etc.).

Seine Berichte darüber lesen sich heute noch so frisch wie einst. An Einfühlung in die Bergwelt, an feinen Beobachtungen, an sprachlichem Können und Kunst der Darstellung kommen ihm wohl nur wenige – wenn überhaupt jemand – gleich. «DER SPIELPLATZ EUROPAS» lenkt den Blick wieder auf die geistigen Werte des Bergsteigens im Gegensatz zum modernen «Betrieb» mit seiner übertriebenen Anwendung technischer Hilfsmittel und seiner Rekordsucht.
(Klappentext)

19. Februar 2021

Allmen und die verschwundene Maria

Martin Suter: Allmen und die verschwundene
Maria, Diogenes, Zürich, 2014
Maria Moreno gegen das Dahlienbild, hatten die Entführer auf der letzten Seite von «Allmen und die Dahlien» gefordert. Das millionenschwere Kunstwerk, mittlerweile wieder im Besitz von Dalia Gutbauer, ist zwar greifbar, doch es gibt ein Problem: Durch eine Laune der alten Dame ist es nicht mehr ganz unversehrt. Und mit einem beschädigten Fantin-Latour lässt sich der Deal natürlich nicht machen.

Angetrieben von seinem verzweifelten Faktotum Carlos, versucht Johann Friedrich von Allmen zu retten, was zu retten ist. Sie fahnden nach einem kostbaren Stückchen Leinwand, bekommen es mit einem gerissenen Restaurator und noch gerisseneren Ganoven zu tun und dürfen zwei alte Damen nicht aus dem Blick verlieren, die ihren sehr eigenen Kopf haben. All dies unter dem dramatischen Druck einer tickenden Zeitbombe – dem Leben von Marla Moreno.
(Klappentext)

18. Februar 2021

Norwegen

Peter Mertz: Norwegen, Bruckmann,
München, 1998
20 Touren für anspruchsvolle Wanderungen und gemütliche Spaziergänge. Exakte Kartenskizzen in Farbe. Sonderseiten «Natur beobachten» mit den NaturHighlights der Region. Übersichtliche Infokästen mit Informationen zum Tourencharakter, zu Anfahrt, Gehzeit, Ausrüstungstips und Einkehrmöglichkeiten. Wertvolle Zusatzinformationen über Sehens- und Wissenswertes am Weg, Varianten und Alternativen. Tourenbegleiter zum Mitnehmen im praktischen Taschen-Einsteckformat mit allen wichtigen Infos und einer Übersichtskarte zur Tour. (Klappentext)

17. Februar 2021

Walden

Henry David Thoreau: Walden, Könemann,
Köln, 1999
Das berühmteste Werk des amerikanischen Dichters Henry David Thoreau (1817–62) basiert auf Tagebuchnotizen zu einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt des Autors in einem selbstgezimmerten Holzhaus am Ufer des Waldensees, unweit seines Heimatortes Concord, Massachusetts. Dorthin hatte er sich zwischen 1845 und 1847 zurückgezogen, um ein Experiment ganz eigener Art durchzuführen: Er beschränkte sich auf die einfachsten und elementarsten Bedürfnisse und tat nur das Notwendigste zu deren Befriedigung, nicht um sich als Lebenskünstler ein bequemes Leben zu verschaffen, sondern um in Schlichtheit und vor allem «Musse zum wirklichen Leben» sich der Entfaltung seiner Spiritualität und Moralität zu widmen. Damit wollte er ein Zeichen setzen gegen die Technikeuphorie seiner Zeit und den grenzenlosen Optimismus seiner Landsleute, die sich auf einem Weg in eine neue Zivilisation jenseits der kühnsten Menschheitsträume sahen. Thoreau glaubte an das Recht des einzelnen zu freier, unkonventioneller Entscheidung, allein an den Normen der Natur orientiert. Dabei verfiel er weder in völlige Naturschwärmerei noch in einen radikalen Individualismus. Es ging ihm dabei auch weniger um Gesellschaftskritik als um das Individuum, das er aus den Zwängen seines oft selbstgewählten sklavischen Charakters befreien wollte. In «Walden» hat Thoreau die Erlebnisse dieser zweieinhalb Jahre in der Zeit eines Jahreskreislaufs zusammengefasst; kein Tatsachenbericht über ein Eremitendasein, sondern ein Mythos von der Fähigkeit des Menschen zu Selbstverwirklichung. (Klappentext)

16. Februar 2021

Deutschlandreise

Roger Willemsen: Deutschlandreise,
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt, 2006
Wochenlang reiste Roger Willemsen mit dem Zug durch Deutschland – von Konstanz nach Kap Arkona, von Bonn nach Berlin, von Rostock nach Oberstdorf. Aus seinen Beobachtungen entwirft er das facettenreiche Bild eines Landes, das uns allen bekannt zu sein scheint und schon deshalb unbekannt zu werden droht. Ob bei einer Abiturfeier in Bonn oder in einem schäbigen Hotel in Berlin, ob bei den Schachspielern an der Brücke von Remagen oder bei der Begegnung mit einem Pornodarsteller – Roger Willemsen notiert und kommentiert Gespräche, Werbesprüche, Redensarten und Geschichten. Mit wacher Neugier und dem Blick des Forschers entdeckt er das Wesentliche im Alltäglichen und das Typische im Zufälligen – das Glück und Unglück des ganz normalen Lebens. (Klappentext)

«Willemsen fährt dorthin, wo die meisten nicht hinwollen, die Mehrheit jedoch zu Hause ist. Er ist ein unbestechlicher Reisebegleiter. Seine Augen lassen sich nicht betrügen und seine Sprache gaukelt uns nichts vor.» Freitag

15. Februar 2021

Kind der Aare

Hansjörg Schneider: Kind der Aare,
Diogenes, Zürich, 2018
Hansjörg Schneider geht an die Quellen seiner Herkunft zurück – als Mensch wie als Schriftsteller. Und setzt ein bei der Aare, dem grünen Fluss, der Schneiders Heimatkanton Aargau den Namen gibt. «Ich will der Erinnerung dorthin folgen, wo sie mich hinführt.» Und die Erinnerung sprudelt und strömt, genau wie die Aare.

Sie führt Hansjörg Schneider zurück in ein Land, dass es so gar nicht mehr gibt: die Schweiz der Nachkriegsjahre. Sie lässt ihn von seinen Eltern erzählen, von seiner Kindheit im ländlichen Aargau samt all ihren Freuden und Schrecknissen, von seinen frühen Begeisterungen für Kunst und Literatur und den ersten kleinen Fluchten und Aufbrüchen – bis hin zum Sprung in das ungewisse Leben als Romancier und Dramatiker. Ein Blick zurück in Liebe, Trauer, Zorn und Zärtlichkeit von einem der bekanntesten und beliebtesten Autoren der Schweiz.
(Klappentext)