20. März 2021

Danakil

Rüdiger Nehberg: Danakil, Bertelsmann,
Gütersloh, 1979
Würde es Sie, verehrter Leser, persönlich reizen, eine afrikanische Wüste zu durchqueren, die als «Höllenloch der Schöpfung» bekannt ist, weil dort tagsüber Temperaturen von über 50 Grad herrschen? Eine Wüste, wo es zu allem überfluss noch tätige Vulkane gibt, gewaltige Schwefelquellen und kochendheisse Geysire? Hätten Sie Lust, selber den, gelinde gesagt, fremdenfeindlichen Bewohnern dieses Gebietes zu begegnen, bei denen es üblich ist, getöteten Feinden den Penis abzuschneiden und ihn als Trophäe herumzuzeigen? Möchten Sie sich vielleicht der Gefahr aussetzen, in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, die gerade in diesem «Höllenloch» toben, verwickelt zu werden? «Nein, danke», werden Sie vermutlich sagen und werden hinzufügen: «Aber den möchte ich sehen, der so lebensmüde ist, sich solchen Schrecken auszusetzen!»

Nun, in diesem Buch begegnen Sie drei Männern, die sich herausgefordert fühlten, allen diesen Gefahren zu trotzen. Es sind: der Konditormeister Rüdiger Nehberg, der bereits 1972 durch eine halsbrecherische, aber erfolgreiche Bootsfahrt auf dem Blauen Nil von sich reden gemacht und bei einer späteren Expedition einen Freund durch die Kugeln räuberischer Afars verloren hatte; der ebenfalls äthiopienerfahrene Kameramann und Weltenbummler Klaus Denart; schliesslich der globetrottende Chemiker Horst Walther.

Bei aller Abenteuerlust hatte sich das Team auch eine wissenschaftliche Aufgabe gestellt: Sie wollten ihre in Deutschland bereits begonnene Wassergewinnungsversuche fortsetzen, wollten an Ort und Stelle ausprobieren, ob sie mit Hilfe von Chemikalien, einem Aluminiumschirm und Sonnenstrahlen aus trockener Luft Wasser machen konnten. Kurz: sie hatten die Absicht, eine Strategie zum Überleben in der Wüste zu entwickeln. Doch was mit dieser Ausrüstung, zwei Kamelen und einem Zentner Proviant begann und zur Überprüfung einer Theorie dienen sollte, wuchs sich in kürzester Zeit zu einem lebensbedrohenden Risiko aus.

Das unwirtliche Land und die Menschen, die es bewohnen, schenkten den Expeditionsteilnehmern aus dem fernen Deutschland nichts. Verständnis, Hass, Hilfe und Verbrechen lagen eng beieinander – kein Tag war genormt, kein Tag verging ohne bedrohliche Überraschung. Von angeheuerten einheimischen Führern im Stich gelassen, immer wieder zu medizinischen Hilfeleistungen gezwungen, überfallen und ausgeraubt, gerieten sie schliesslich auch noch in die Gefangenschaft eritreischer Freiheitskämpfer, die sie von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz mitschleppten. Als sie nach Wochen glücklich wieder den Fuss auf deutschen Boden setzen, wissen sie eines genau: Es gibt heute kein Fleckchen auf unserer Erde mehr – und sei es noch so abgelegen – das nicht zum Spielball der Weltpolitik, werden kann.
(Klappentext)

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