4. Mai 2020

Zürich Paradeplatz

Armin Och: Zürich Paradeplatz, Scherz,
Bern, 1976
Auf Zürichs Paradeplatz laufen die geheimnisvollen Fäden zusammen, die schweizerische Geldkapitale wird zum Dickicht für Jäger und Gejagte. Da flieht eine biedere Hausfrau über die tschechische Grenze nach Österreich – und in Wien paktieren prompt Russen und Amerikaner. Da verlangt die Frau einen Ausländerpass – und Berner Beamte heften sich hektisch an ihre Fersen. Ein Arzt wird unverhofft wegen einer alten Geschichte erpresst, und ein Gastarbeiter mit dem Versprechen der Staatsbürgerschaft gefügig gemacht. Und eh sich der Leser versieht, ist sein Alltag, sein Milieu die Szenerie für eine Affäre, von der er sonst nur in der Zeitung liest – Spionage live.

Dieser Roman – angesiedelt in Zürichs internationaler Bannmeile – hat keine Superhelden à la James Bond. Seine Akteure sind Menschen wie du und ich – und deshalb faszinierender, wirklicher und gefährlicher. Die vertraute Welt wird doppelbödig. Warum schaut die Frau am Kiosk so gehetzt? Warum trägt der brave Bankmann im grauen Flanell seit gestern eine dunkle Brille? Warum steht das auffallend hübsche Mädchen einen halben Tag unabgeholt an der Normaluhr?

Was sonst immer nur anderen passiert, erlebt der Zeitgenosse im bedrohlichen Gedränge am Parade platz plötzlich in eigener Person: das Verhängnis ist so wirklich wie der Morgenkaffee. Armin Och verzichtet auf die phantastischen Sandkastenspiele der Super-Thriller-Schreiber. Er liefert Spionage live – aus der Welt, in der wir leben. Und die ist oft kälter, als sich ein James Bond träumen lässt.
(Klappentext)

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