30. April 2014

Die ganze Wahrheit über Golf


Nachdem unsere Enkel dem Kinderwagen entwachsen sind …


… schlagen wir uns die Zeit statt mit Gofen mit Golfen um die Ohren.

29. April 2014

Cherryman jagt Mister White

Jakob Arjouni: Cherryman jagt
Mister White,
Diogenes, Zürich, 2012
Die Wünsche des achtzehnjährigen Rick klingen bescheiden: eine Lehrstelle als Gärtner, ein nettes Mädchen, vielleicht mal der Abdruck einer seiner Comicgeschichten in einer Zeitschrift. In dem verlorenen Kaff Storlitz bei Berlin klingt das wie ein Sechser im Lotto. Doch auf einmal scheint Rick den Sechser zu haben: die ersehnte Lehrstelle, noch dazu im großen, lauten, wunderbaren Berlin, und die schöne Gemüsehändlerin Marilyn, mit der er von einer gemeinsamen Zukunft träumt. Wären da nicht die Umstände, die dazu geführt haben: eine dubiose Organisation und ihre Handlanger, eine Gang verwahrloster Jugendlicher, die Ricks Glück an eine furchtbare Bedingung knüpfen. Für Rick eine Achterbahnfahrt zwischen Verzweiflung und Hoffnung, Feigheit und Stärke, vor der er sich in seine Comics flüchtet. Dort sind die Dinge einfach: Der Held Cherryman jagt den Quallenmenschen Mister White, um ihn ein für alle Mal zu erledigen. So schafft es Rick, mit Cherrymans Hilfe die Wirklichkeit in den Griff zu kriegen. Anfangs jedenfalls. Am Ende ist die Wirklichkeit stärker. (Website des Verlags)

D: Storlitz (fiktives Dorf in Brandenburg), Berlin, Fürstenwalde

28. April 2014

Märzenwetter

Francesco Chiesa: Märzenwetter,
Orell Füssli, Zürich, 1927,
Edition Kürz, Küsnacht, 1982
Ein liebenswertes Buch, gewandt, scharfsinnig und lebhaft, in welchem sich Kindheit und Pubertät eines Jungen von damals spiegeln und, nicht weniger wahr, die eines Knaben der heutigen Zeit, aller Zeiten. (Klappentext von Piero Bianconi)

Francesco Chiesa wurde am 5. Juli 1871 in Sagno bei Mendrisio, im Tessin, geboren. Er studierte in Pavia und war später als Gymnasiallehrer in Lugano tätig. Francesco Chiesa ist ein bedeutender Vertreter der italienisch-sprachigen Literatur in der Schweiz, vor allem als Lyriker und Erzähler. Am 13. Juni 1973 starb er im hohen Alter von einhundertzwei Jahren.

TI: Valle die Muggio

27. April 2014

Von Schnittmengen und Splittergruppen

Gestern war ich also mit dem Fähnlein Fieselschweif, der schweizweit renommiertesten Wandergruppe – und dies, ich übertreibe nicht, schon seit etlichen Jahren –, mit solch einer Truppe war ich also wieder einmal unterwegs. Es war lustig, vor allem weil sich die Gruppe nach gut zwanzig Minuten in zwei Harste teilte – in eine Vor- und eine Nachhut quasi. Ich war, wie befürchtet, am Schluss zugange, zusammen mit Thomas W., der mir freundlicherweise Gesellschaft leistete.

Mitten in Siebnen (SZ) gab es ein Problem.

Wir schritten von Siebnen in die Hügelzone zwischen Linthebene und Sihlsee. Auf formidablem Bergweg hangelten wir uns im Steilwald an einer Felsstuzrstelle vorbei, griffen auch mal tüchtig ins Seil und erklommen so die Pfifegg. Die Vorhut hatte mittlerweile einen Vorsprung von zwanzig Minuten erwandert, den sie bis zur Bergbeiz Gueteregg, wo sich das Fähnlein wieder zur Anfangsformation zusammenrottete, nicht mehr preis gab.

Es fanden regelmässige Verbindungskontrollen mit der Vorhut statt.

Hier langten wir, 3½ Stunden nach Wanderstart, kräftig zu. Ich orderte einen Ratsherrenschüblig mit Brot. Gebracht wurde eine wohlproportionierte Wurst mit Linkskrümmung und rustikalem Geschmack. Eine leckere Sache.

Da waren andere schon lange vor uns auf der Gueteregg.

Nach der temporären Vollversammlung splittete sich das Fähnlein erneut auf und zwar in eine Willerzell-Einsiedler-Fraktion und einen Stöcklichrüz-Etzel-Schindellegi-Feusisberg-Trupp. Thomas W. ging mit zwei Gefolgsleuten die lange Variante an, ich hingegen nahm mit einer Begleitperson den Weg an den Sihlsee hinunter, um über die Brücke hinüber nach Einsiedeln zu gelangen.

Auf dem Abstieg von der Gueteregg. Blick auf Willerzell und den Sihlsee.


Am See unten angelangt, der Schock. Die 1130 Meter lange Brücke war so schmal, dass zwei PWs gerade noch kreuzen konnten, hatte aber kein Trottoir. In einer Art Selbstmordkommando schickten wir uns an die Überquerung des Sees und kamen – dreifaches Halleluja! – heil drüben an. In Einsiedeln dann die Begehung der Pferdestallung des Klosters. Einmal mehr war ich beeindruckt von der Grösse der Sakralanlage. Ein paar optische Eindrücke der Wanderung gibt es hier.

Mord in Luzern

Jon Durschei: Mord in Luzern,
orte Verlag, Oberegg, 1994
Und wieder trifft der Disentiser Pater Ambrosius während eines Aufenthaltes in Luzern und dessen Umgebung auf Hass, Neid und Eifersucht. Freilich in einem Kontext, der eher fürs Gebet und Meditieren gedacht ist: im Luzerner Kloster Wendelin. Wer aber hat Pater Jakob getötet? Tagelang quälen Ambrosius diese und ähnliche Fragen. Selbst am Südhang der oben verbauten Rigi, hoch über dem tiefblauen Vierwaldstättersees, begleitet ihn das Düstere. Und dann geschieht ein zweiter Mord ... (Klappentext)

LU: Bürgenstock, Hergiswald, Hinterbergen ob Vitznau, Luzern, Rotsee, Vitznau, Wissiflue ob Vitznau, Kehrsiten NW: Bürgenstock

26. April 2014

Nichts für Penner


Beinahe hätte ich es übersehen, bei der alten Käserei von Oberscherli, in den Hügeln des sich anbahnenden bzw. verflachenden Schwarzenburgerlandes. Ein Bänkli für jedes Füdle sozusagen. Einzig sich querlegen wollende Penner dürften mit der Konstruktion ihre liebe Mühe haben.

PS. Ich gehe heute mit Thomas Widmers Fähnlein Fieselschweif im Kanton Schwyz auf Kolumnenpirsch. So wie die in letzter Zeit zwäg sind, werde ich wohl den Besenwagen mimen. Überlebensbericht folgt!

Spaziergänger Zbinden

Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden,
Bilgerverlag, Zürich, 2010
Christoph Simons kluger und filigran komponierter Roman Spaziergänger Zbinden ist eine hinreissende Liebesgeschichte. Am Arm des Zivildienstleistenden Kâzim begibt sich der 87-jährige Lukas Zbinden auf seine Weltenreise durchs Betagtenheim. Treppe um Treppe, Stockwerk um Stockwerk zieht es den leidenschaftlichen Spaziergänger Zbinden hinaus auf die Wege, auf denen er ein Leben lang an der Seite seiner Emilie dem Sinn des Lebens nachgespürt hat. Nach und nach lernen wir einen sanftmütigen und geistreichen Mann kennen, der glaubt, seinem Begleiter die Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens anzuvertrauen, in Wahrheit aber die stille, herzbewegende Geschichte der Liebe zu seiner verstorbenen Emilie erzählt. (Klappentext)

BE: Stadt Bern als Hauptschauplatz (Kirchenfeldstrasse, Burgernziel, Brunnadernstrasse), Ostermundigen, Köniz, Unterseen, Weissenau, Schüpfen, Bütschwil, Grächwil, Interlaken, Emmental, Bonstettenpark in Thun ZH: Schlieren E: Ibiza

25. April 2014

Reiher am Himmel – Flüchtling im Tal

Brigitte Schoch: Reiher am Himmel –
Flüchtling im Tal, Verlag Peter Meili,
Schaffhausen, 1981 (vergriffen)
Die Ereignisse der letzten beiden Jahre des 2. Weltkrieges im Kanton Schaffhausen bilden den Hintergrund dieses spannenden Romans. Für die Erzählerin wurde der 1. April 1944 zum Schicksalsschlag. Ihr Vater, der damalige Regierungsrat Dr. Gustav Schoch, wurde nebst 39 weiteren Schaffhausern Opfer eines Luftangriffs der Allierten. Die Tochter zog darauf mit der leidgeprüften Familie zu den Grosseltern in die romantische Talmühle nach Schleitheim. Sie erlebte dort das Ende des Krieges, half bei der Betreuung der Flüchtlinge tatkräftig mit und rettete einen englischen Piloten vor der Kriegsgefangenschaft, indem sie half, ihn über die nahe Grenze zu «schmuggeln».

In einer bezaubernden Landschaft, betreut von lieben Grosseltern und einer guten Mutter, wächst das Mädchen zur Frau heran. Die spannende Handlung wechselt dabei ab mit Naturschilderungen des Wutachtales und der Randenhöhen im Kanton Schaffhausen. (Klappentext)

SH: Schleitheim und Umgebung, Talmühle, Stadt Schaffhausen, Randen D: Wutachtal, Stühlingen

24. April 2014

Tod auf dem Jakobsweg

Petra Oelker: Tod auf dem Jakobsweg,
Rowohlt, Reinbeck, 2007
Einmal nur Urlaub vom norddeutschen Regen! Wandern auf dem legendären spanischen Jakobsweg verheißt weite Landschaften, südliche Sonne, alte Kunst, Besinnung der Seele und eine nette Reisegesellschaft. Erholung pur! Doch nach einem schweren Unfall in der Gruppe und einem plötzlichen Todesfall wittert die pilgernde Journalistin Leo Peheim einen kriminellen Hintergrund. Spätestens am Ziel, in Santiago de Compostela, weiß sie, dass auch Neugier mörderisch gefährlich sein kann … (Klappentext)

Der Krimi ist zugleich fiktiver Reisebericht, besser als manch eine reelle Erzählung über die Erlebnisse auf dem Jakobsweg.

D: Hamburg, Flughafen Frankfurt F: St-Jean-Pied-de-Port E: Roncesvalles, Pamplona, Puente la Reina, Logronño, Burgos, Catrojeritz, Frómista, León, Puente de Orbigo, Foncebadón, Ponferrada, Portomarin, Arzua, Santiago de Compostela

23. April 2014

Liebesnacht

Urs Widmer: Liebesnacht,
Diogenes, Zürich, 1982
Im Elsass sitzen die Freunde beisammen. Über die Felder kommt der Ewige Egon zu ihnen gewandert und setzt sich dazu. Alle trinken und erzählen sich wahnsinnig schöne Liebesgeschichten aus ihrem Leben. (Klappentext)

RA: Argentinien D: Zugspitze IRL: Dublin F: Elsass (Hauptschauplatz), Provence, Marseille, Paris GR: San Bernardinopass GR: Heraklion, Naxos I: Ligurische Küste, Fiesole b. Florenz Jemen: Aden USA: Chicago, Route 66

Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 1968 wurde er mit seinem Erstling, der Erzählung Alois, selbst zum Autor. In Frankfurt rief er 1969 zusammen mit anderen Lektoren den Verlag der Autoren ins Leben. Zuletzt wurde er für sein umfangreiches Werk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2007 der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet. Urs Widmer starb am 2.4.2014 in Zürich.

22. April 2014

Mein Ostermarsch

Welch erquickender Frühling heuer! Ganz das Gegenteil des letztjährigen Debakels, als Sonnenschein und warme Temperaturen Mangelware waren. Am Ostersonntag pilgerte ich in zweieinhalb Stunden vom Bahnhof Lohn-Lüterkofen nach Arch. Die Kamera hatte ich bewusst zu Hause gelassen, musste dann aber doch mein iPhone bemühen, mir ein paar Eindrücke auf den Sensor zu bannen. Unwiderstehlich dieser Frühling, einfach unwiderstehlich. Hier die kleine Fotostrecke.

21. April 2014

Auf Jungfernfahrt mit Aarau

Für Ostersamstag lud ich meine WG* zu einer ökologisch-biologischen Ergonomiewanderung in den Aargau ein. Die neue Landeskarte der Schweiz im Massstab 1:25 000 ermöglicht es dank entsprechender Signaturen, weitgehend teerlose Routen zu planen. Ich fand eine solche vom Bahnhof Suhr nach Teufenthal. Wir gingen gut vier Stunden, davon dreieinhalb Stunden im frühlingsgrünen Wald, besuchten die Sandsteinhöhlen von Liebegg und kamen am gleichnamigen Schloss vorbei, dessen Besichtigung bestimmt eine erneute Reise ins Wynental wert sein dürfte. Schliesslich überraschte uns das Schloss Trostburg hoch über Teufenthal. Das wunderbar restaurierte Ensemble hat seinen Ursprung im 12. Jahrhundert, ist heute in Privatbesitz und kann virtuell auf www.trostburg.ch besichtigt werden. Es gibt einiges zu entdecken!

Nach gut vier Stunden Wanderzeit: Schloss Trostburg in Teufenthal (AG). Foto: M. Jeker


Mit dem neusten Blatt 1089 «Aarau» fand ich mich gut zurecht. Die Lesbarkeit der Frutiger-Schrift ist trotz ihrer etwas sterilen Wirkung besser als jene der althergebrachten Karten. Auch die asphaltfreien Abschnitte stimmten bis auf ein paar ganz kurze Passagen perfekt. Mit weiteren Antiteer(mo)or-Aktionen ist also zu rechnen.

*Wandergruppe

Kneuss

Beat Brechbühl: Kneuss, Diogenes,
Zürich, 1970 (vergriffen)
Artikel aus Die Zeit vom 15.01.1971
Basil Kneuss (nein, kein Künstler) hat wieder einmal genug vom Alltag, wo die Kadaver auf der Strasse nach der neuesten Mode keuchen. Er begibt sich in seinem Citroën DS 19, Baujahr 61 – und natürlich mit Koffer Klemens und Hündin Finette –, nach Murten. Einfach so – er ist jetzt dreissig und will sich ungestört seinen diversen Eigenheiten widmen.

Die Situation mit den Freundinnen ist auch etwas übersichtlicher geworden; früher kannte er auf der Strecke Genf–München in jeder Stadt mindestens 1 Mädchen. Aber da sehnt man sich nach den Freundinnen, und wenn man sie dann vor sich sieht, die kleinen Generäle in ihren kleinen Wohnungen …?!

Überhaupt, von Ruhe keine Spur. Es kommen: Cécile (die früher schlicht Cäcilie hiess), Onkel Gottfried (Materialbeschaffer im eidgenössischen Militärdepartement, wo er mit goldnem Kugelschreiber Aufträge unterzeichnet), zwei Mormonen-Apostel (die ein merkwürdig-heidnisches Vergnügen an ausgepichten Zoten zeigen), eine italienische Familie ohne Wohnung, eine Party-Einladung, ein Dichter, der nicht dichtet (und deswegen so berühmt ist) – und Eugen Schnaffelmann, der etwas zu erfolgreiche junge Unternehmer (privat eine Seele von Mensch).

Alle wollen was von Basil Kneuss (nur sein Bestes!), der doch von keinem was will, ausser … Das geht zu weit. Aber es geht noch weiter – (Klappentext)

FR: Muntelier, Murten BE: Stadt Bern

20. April 2014

Die zufällig gute Luise

Die Gute Louise: Kein Hingucker aber gut
im Geschmack.
Vergangenen Frühling beging ich den Obstlehrpfad im thurgauischen Altnau. Der neun Kilometer lange Rundweg beginnt am Bahnhof und endet logischerweise auch dort. Sechzehn Schautafeln dokumentieren ebensoviele Aspekte der Obstwirtschaft. Was ich in diesen zweieinhalb Stumden lernte war Folgendes: Die Birnensorte Gute Luise ist zufälliger Herkunft.1778 entdeckte ein Franzose namens Logueval den Zufallssämling. Ein hübsches Wort!  Herrn Logueval ist die Gute Louise bzw. deren Same einfach so zugefallen. Wie habe ich mich bemüht, mir auf dem Rest des Parcours etwas darunter vorzustellen! Einen Sämling zufällig finden. Wie finden? Wo finden? Mit der Lupe? Mit dem Trüffelhund? «Google das doch, Moor!», werden Sie jetzt monieren. Ich tue es nicht. Ich will für einmal nicht wissen, welches der Sachverhalt ist. Rein zufällig und ohne Grund, versteht sich.


Die Kaiser Alexander ist keine eigentliche
Dörrbirne.
Dafür gebe ich gerne folgenden Hinweis, der vielleicht den Namen dieser Glücksbirne erklärt: Die Gute Louise ist eine «wertvolle Tafelbirne, auch zum Dörren geeignet», las ich in Altnau auf einer Infotafel. Der Kaiser Alexander, lernte ich wenig später, haftet bloss das Etikett «wertvolle Tafelbirne» an, nicht aber jenes des «geeignet zum Dörren». Wer weiss, sonst würde die Kaiser Alexander (sonderbarer Name für eine weibliche Frucht) vielleicht Gute Louise heissen. Und –  interessant, interessant! – auch die Alexander wurde 1793 in Frankreich als Zufallssämling entdeckt. Und zwar von Louis (!) Augustin Guillaume Bosc d'Antic, dem Direktor der Versailler Baumschule. Auf Französisch heisst die Birne daher Beurré Bosc. Weitere Namen auf Deutsch sind: Boscs Flaschenbirne, Kaiserkrone oder Alexanderbirne.

19. April 2014

Rundumdieschweizwandern

Ger Peregrin:
In 111 Tagen um die Schweiz,
Rotten Verlag, Visp, 2000
Hand aufs Herz: Welcher Wanderbegeisterte hat nicht schon mal davon geträumt, die Schweiz zu Fuss zu umrunden? Wer wollte nicht schon immer die vielfältigen Grenzgebiete zu Österreich, Frankreich, Fürstentum Liechtenstein, Deutschland und Italien kennen lernen? Der Drang, dies zu tun ist offenbar so gross, dass mittlerweile eine ganze Palette an Büchern darüber geschrieben worden sind. Das neuste Werk liegt seit Jahren in den Regalen der Buchhandlungen zum Verkauf bereit. Der unter dem Pseudonym Ger Peregrin (pérégrin = franz. Irrfahrer ...) schreibende Gerhard Binggeli legt in seinem grossformatigen (ist es nun ein Text- oder ein Bildband?) Erzeugnis seine Schweizumrundung in 111 Tagen vor. Inhaltlich gesehen ist sich Peregrin seinen Vorgängern «Vom Jura zum Matterhorn» oder «Basel–Ascona» treu geblieben. Jede Etappe wird mit sehr knappen Worten umrissen. Einmal ist das Wetter der Aufhänger, dann eine freundliche Gastgeberin oder eine regionale Besonderheit. Ein Kartenkroki erleichtert das Nachvollziehen der begangenen Route.

Im Gegensatz zu den früheren Wander-Erlebnis-Führerbüchern Peregrins wird dem Bildteil ein (viel zu) grosser Platz eingeräumt. Der mittelmässige Druck und die nicht immer über alle Zweifel erhabenen Aufnahmen hinterlassen einen eher zwiespältigen Eindruck. Dies um so mehr, als es sich sehr oft um mittlerweile veraltete, aber noch nicht nostalgisch wirkende Fotos handelt. Währenddem die Wandergilde krampfhaft versucht, vom Rote-Socken-Image loszukommen, fördert Peregrin dieses in gerade nachhaltiger und fahrlässiger Weise. Weniger Abbildungen, dafür mehr (recherchierten) Text hätten dem immerhin 344 Seiten starken Wälzer mit Garantie sehr wohl getan. So warten wir gespannt auf das nächste Wanderbuch des promovierten Wirtschaftswissenschafters und Lehrbuchautors und (noch fast gespannter) auf die nächste Veröffentlichung, die sich mit der Umrundung der Schweiz befasst.

18. April 2014

Mein heiliger Schock

Es gibt in der Schweiz zwei Gemeinden mit dem Namen Zuzwil. In Zuzwil St. Gallen kam ich vor ein paar Jahren zu Fuss vorbei, das im Norden Berns gelegene Zuzwil war bis vergangenen Dienstag pedestrisch unerforschtes Land. Ich ging also in Münchenbuchsee los und endete in Mattstetten. In besagtem Zuzwil sah ich erstmals in meinem Leben eine heilige Kuh. Ich war schockiert. Bislang dachte ich, es gäbe nur rote Bullen mit Flügeln und katholische Promis mit Heiligenschein. Und ja, vom goldenen Kalb berichtet die Bibel, nicht aber von einer goldenen Kuh.

Die goldene heilige Kuh von Zuzwil (BE).

Ich hatte dringenden Bedarf nach einer Rückführung ins reale Leben. Und als ich ein paar Schritte weiter einer hornlosen Kuhherde ansichtig wurde, war mein Kuhbild einigermassen wieder intakt. Ich kniff mich in den Arm und hielt, der doofen Bise trotzend,  Richtung Jegenstorf.

Und so traurig blicken die realen, ihrer Würde beraubten Milchviecher in Zuzwil (BE) drein.

16. April 2014

Diepoldsauer Nachlese

Vorgestern berichtete ich über die Verbots- und Gebotsflut in der St. Galler Gemeinde Diepoldsau. Daraufhin erreichte mich ein Bild von Blogleser Jörg Niederer. Obschon ich den Standort des Schildes passierte, war es mir leider entgangen. Es scheint mir dennoch so etwas wie das Sahnehäubchen dieser Diepoldsauer Reglementierlawine. Doch lesen Sie selbst und beachten Sie, um wie viele zeitliche Längen die Rheintaler den Appenzell-Innerrhödlern voraus waren!

Begann in Diepoldsau (SG) das Appenzeller
Nacktwanderproblem? Foto: J. Niederer

15. April 2014

Vi gå över daggstänkta berg

Johann-Günther König: Zu Fuss,
Philipp Reclam jun., Stuttgart, 2013
Soeben habe ich Zu Fuss von Johann-Günther König zu Ende gelesen. Eine Geschichte des Gehens lautet das beeindruckende Werk im Untertitel. Eigentlich wäre das Buch Muss-Lektüre für Politiker, Städteplaner, Schreibtischtäter und alle Gehfaulen. Aber wer interessiert sich heutzutage ausser Bewegungstherapeuten und deren Klientel für den aufrechten Gang?

Selbst wenn der Inhalt ab Buchhälfte etwas deutschlandlastig wird, habe ich eine Menge über die Urform der menschlichen Mobilität erfahren. Auch liess ich mir eine bis dahin irrtümliche Annahme vor Augen führen. Das als urdeutsches Wanderlied geglaubte Im Frühtau zu Berge stammt aus Schweden! Ein Vergleich:

Im Frühtau zu Berge

Im Frühtau zu Berge wir gehn, fallera,
Es grünen die Wälder, die Höh’n, fallera.
Wir wandern ohne Sorgen
Singend in den Morgen
Noch eh im Tale die Hähne krähn.
Vi gå öfver daggstänkta berg

Vi gå öfver daggstänkta berg fallera
Som lånat af smaragderna sin färg fallera.
Och sorger har vi inga,
Våra glada visor klinga
När vi gå öfver daggstänkta berg fallera

Geschrieben wurde das Orginal von Olof Thunman (1879–1944). Die deutsche Version stammt von Walther Hensel aus den Jahren 1923/24. Wie die schwedische Fassung klingt, zeigt das nette YouTube-Filmli aus dem hohen Norden.

14. April 2014

So kommuniziert Diepoldsau

Diepoldsau ist ein Sonderfall. Seit der Rheinkorrektur von 1923 ist der Ort durch den «offiziellen» Rhein von der Restschweiz abgetrennt. Die natürliche Grenze zur Republik Österreich bildet indes nach wie vor der ursprüngliche Rheinmäander, der sogenannte Alte Rhein. Und genau diesem, einen Halbkreis bildenden Flusslauf bin ich gestern pedestrisch gefolgt. Mit einem gewissen Amusement habe ich hierbei Gebote und Verbote entlang der Route zur Kenntnis genommen. Sie seien meiner ehrenswerten Leserschaft zum Zwecke des Schmunzelns nachfolgend bildlich festgehalten.






13. April 2014

Das Fotogedächtnis von Heiligenschwendi

30.12.2013

10.4.2014



Am 30. Dezember 2013 wanderte ich von Heiligenschwendi nach Hünibach am Thunersee. Hierbei kam ich am oben abgebildeten Hügel im Schatten der Haltenegg vorbei. Gut drei Monate später stieg ich von Hilterfingen am Thunersee nach Heiligenschwendi hoch und gelangte erneut an besagter Stelle vorbei. Ich erinnerte mich an den 30.12. und machte noch einmal ein Bild mit dem selben Ausschnitt. Damit wollte ich den Unterschied zwischen Winter und Frühling dokumentieren. Doch da war noch etwas, das mir auffiel.

12. April 2014

Wenn der Stern bockt

Auf meiner heutigen Fahrt im IC 715 von Bern nach St. Gallen flüchte ich mich in Zürich vor biertrinkenden und nach Zigarettenrauch stinkenden Soldaten in den Speisewagen. Dieser entpuppt sich als der neuste Furz der SBB: Starbucks. Bedient werde ich auf Französisch, der Kaffee Crème schmeckt trotz Doppelzucker bitter und kostet stolze 4.70. Eine Faustbreit über meinem Kopf plärrt ein Lautsprecher in der Endlosschleife. Meine Abteilnachbarin fragt nach, ob diese Musik nicht leiser gestellt werden könne. Geht nicht. So bleibt denn der Erstklass-Sitzkomfort das einzig Positive in diesem überflüssigen Gastroangebot auf Schienen.

Am Bahnhof in Bern: Starbucks. Im Intercity nach St. Gallen:
Starbucks. Am Bahnhof von St. Gallen
(Geleise 1, dem Ankunftsort des Intercitys von Bern): Starbucks!
Die Monokultur entlang des Bahnstrangs hält Einzug.

11. April 2014

Stimmen aus dem Onsernone

Stef Stauffer: Steile Welt, Lokwort,
Bern, 2012
Etliche Wege bin ich schon gegangen in diesem Onsernonetal. Schmale Pfade in steilen Flanken, Steinplattenwege und Teile des alten Saumpfades aus der Zeit, bevor die Talstrasse gebaut wurde. Und selbst auf dieser Talstrasse bin ich lange Abschnitte gewandert, habe all die unzähligen Kurven durchmessen, stets hart am Abgrund. Die wilde Schönheit der Talschaft lässt im Touristen vorschnell romantisierende Gefühle aufkommen. Dabei kämpft die Region seit Jahrhunderten ums wirtschaftliche und ökologische Überleben.

Dieser Tatsache ist die 1965 geborene Bernerin Stef Stauffer vor Ort nachgegangen und hat mit Einheimischen und Zugewanderten gesprochen. Entstanden ist Steile Welt, ein feinfühliges Buch in poetisch anmutender Sprache. Zu Wort kommen Menschen, meist ältere Männer und Frauen. Sie erzählen von früher, aus ihrer Kindheit und Jugend. Sie vergleichen das Damals mit dem Jetzt, berichten von der Schule, vom Verliebtsein, von der Landwirtschaft, der Strohflechterei, über die Gefährlichkeit der Wege. Und immer wieder ist der Tod ein Thema. Kindstod, Muttertod, Unfalltod, aber nie der Hungertod, wenn auch der Speisezettel bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts alles andere als abwechslungsreich und ergiebig  war. Es erzählt ein junger Mann, im Onsernone aufgewachsen und dort immer noch wohnhaft, weshalb er im Tal wohnhaft geblieben ist und dafür die nicht ungefährliche Strasse als Arbeitsweg in Kauf nimmt. Spannend auch, was der Postautochauffeur zu berichten weiss. Er, der beruflich mehrmals täglich das Tal hoch und wieder runter fährt. Eingeflochten in die Aussagen der Onsernonesi sind die subtilen Beobachtungen der Autorin, die so den Leser ein wenig die Sicht der Geschichtenforscherin einnehmen lassen.

Alles in allem ein sehr zu empfehlendes Buch, sei man nun Tessin-Liebhaber, vermeintlicher Onsernone-Kenner oder generell am Leben von einst und jetzt interessiert.

10. April 2014

Pull!

Gestern ging ich von Gunten nach Heiligenschwendi. In Sigriswil machte ich einen kurzen Schlenker zur Hängebrücke. Am östlichen Brückenkopf stand tatsächlich ein Ranger und knöpfte den Touristen 8 Franken für das Begehen des Übergangs ab (okay, das Ticket gilt als Tageskarte …). Der Ranger waltete voller Stolz seines Amtes. Selbst der Rangerhut fehlte nicht. Mir gefiel diese Mischung aus Mittelalter (Brückenzoll) und Pfadi-Look (Rangerhut). Plötzlich ertönte vom Schulhaus herüber ein männliches Stöhnen. Aha, dachte ich, Rafael Nadal beim Training. Und als die erotischen Laute erneut anhoben, ging ich nachschauen. Was ich zu sehen bekam, kannte ich lediglich aus den Medien: Seilziehen. Je vier Männer bildeten ein Team und zogen am Tau (man spricht daher auch von Tauziehen), was die Muskeln hergaben. Nun war ich da nicht irgendeinem Seilziehclub begegnet, nein nein! Es trainierten hier die Seilzieher schlechthin. Aus Engelberg seien sie, sagte mir einer der starken Männer. Der 33-fache Schweizer Meister entsendet regelmässig Zieher in die Nationalmannschaft, die es bereits mehrmals zum Europa- und Weltmeister gebracht hat. Einer schob nach, dass der 1970 gegründete Club vermutlich der weltweit erfolgreichste sei. Ich war beeindruckt.

Der Seilziehclub Engelberg im Trainingslager in Sigriswil (BE).


Ein besonderes Augenmerk richtete ich auf die Schuhe. Vom Militärschuh über den Inlineskate-Schuh bis hin zum Berg- oder Schlittschuh, die Seilziehmode scheint flexibel. Natürlich waren Kufen und Räder bei den entsprechenden Modellen abmontiert. Entscheidend ist indes die zusätzlich angebrachte Stahlsohle mit Stahlabsatz, damit die Beine zünftig in den Boden gerammt werden können. Zusätzlich tragen die Sportler analog zu den Gewichthebern einen Bauchgurt, wohl auch zur Vorbeugung gegen Schürfwunden. Die Kräfte, die sich auf die Wirbelsäule auswirken, dürften enorm sein. Wahrlich keine Sportart für Milchbubis. Das Startkommando, nachdem die beide Mannschaften das Seil aufgenommen und sich entsprechend positioniert haben, lautet übrigens «Pull!» Eine sprachliche Finesse sei noch nachgeschoben. Die Seilzieher erzielen keine Resultate, sie erziehen sie.


Nichts für Milchbubis. Seilziehen erfordert Kraft, Ausdauer und einen starken Rücken.

9. April 2014

Mord in Mompé

Jon Durschei, Irmgard Hierdeis:
Mord in Mompé
orte Verlag, Oberegg, 1987
Im winzigen rätoromanischen Dorf Mompé-Tujetsch geschieht ein Mord. Wer war der Täter, fragen sich alle. Wer hat Gabi Andermatt, die Liebe in Person, ermordet? Sicher ists dieser komische «Luzerner» gewesen, der sich auf Kosten von Gabi in Mompé wochenlang durchfrass und angeblich an einem Buch schrieb, das nie fertig wurde. Die Suche nach dem Mörder ist nur mitunter das Thema des Buches. Es handelt von Liebe und Hass, Sexhunger und Zärtlichkeit, von Naturgewalten und Frustrationen, geschrieben von zwei Autoren, von denen jeder sich seine eigene Sprache bewahrt. Faszinierend, was die österreichische Lyrikerin und «Inn»-Herausgeberin und der junge Bündner Landwirt und Schriftsteller Jon Durschei aus je anderer Optik an Spannung zu erzeugen vermögen. (Klappentext)

GR: Mompé-Tujetsch, Disentis, Benediktiner-Kloster Disentis (Hauptschauplätze), Mompé-Medel, Tavetsch (Surselva), Chur LU: Stadt Luzern UR: Altdorf A: Axams, Birgitz, Götzens, Innsbruck D: Schwabing, München (Elisabethenplatz)

8. April 2014

Dies ist eine Erlebnisbank


Hätten Sie's erraten? Dies ist eine Erlebnisbank! Angetroffen habe ich sie neulich am Südende des Pfäffikersees. Was, habe ich gerätselt, unterscheidet denn dieses Freiluftmöbel hinsichtlich Erlebnisgehalt von einem banalen Bänkli in Rot oder Grün? Was macht die Differenz zwischen einer profanen Lehne mit zwei Querlatten und der Lehne in Fischform aus? Was erlebe ich anders, neu? Fischelt die Bank im Gegensatz zur bünzelnden 08.15-Sitzgelegenheit? Oder beginnt der Hecht plötzlich zu sprechen? Wissen tut es mit Bestimmtheit der Verein Weitzikontakt, der die Bänkli auf Wetziker Gemeindegebiet neu gestalten liess und sie am 18./19. Juni 2011 öffentlich zu «Erlebnisbanken» deklariert hat.

7. April 2014

Santiago, Santiago …

Hans Aebli: Santiago, Santiago …,
Klett-Cotta, Stuttgart, 1990
Hans Aebli, der bekannte Schweizer Psychologe und Pädagoge, legte Ende der 80er Jahre zusammen mit seiner Frau in sechzig Marschetappen die 1500 Kilometer des Jakobsweges zurück. Dieses Buch dokumentiert auf faszinierende Weise seine Erfahrungen als Wanderer, als moderner Pilger, als Suchender nach dem anderen Leben. Längst ist dieses Buch zu einem beliebten Standardwerk über den berühmten mittelalterlichen Pilgerweg geworden. Verena Aebli hat nun den praktischen und informativen Teil dieser Ausgabe überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.

In der Welt der Psychologie und der Schule ist Aebli als der Herausgeber und Fortsetzer des Werkes von Jean Piaget, als Kognitionspsychologe und als Didaktiker der »Grundformen des Lehrens« bekannt. In diesem Buch tritt uns ein anderer Aebli entgegen. An den Wissenschaftler erinnert nur noch die Präzision seiner Beschreibungen. Aber seine Rolle und seine Befindlichkeit ist eine andere. Aebli ist hier der Wanderer, der mit seiner Frau Verena zusammen drei Monate lang alles Seinige in einem sechs Kilogramm schweren Rucksack mit sich trägt, den Weg durch eine unbekannte Landschaft sucht, alle möglichen Abenteuer erlebt, aber auch Gespräche mit den Bauern am Wege und mit Pilgerfreunden führt. Wir erfahren, wie im Geiste der beiden Wanderer das Mittelalter wieder auflebt und wie sie die Menschen zu verstehen beginnen, die die Kirchen am Jakobsweg bauten und die einst zu Hunderttausenden zum Grabe des Apostels Jakob nach Santiago de Compostela wanderten.

Im Verlaufe der sechzig Wandertage wird allmählich auch sichtbar, welche Beweggründe die beiden modernen Pilger treiben: sicher ein Stück Abenteuerlust und Freude an der Bewältigung all der unvorhergesehenen Probleme einer Fussreise, dann aber immer deutlicher auch die Tiefenschichten ihrer Motivation: die Aufarbeitung der eigenen geistigen Geschichte, letztlich wohl jene Sehnsucht, die Aebli eine »augustinische« nennt: das Suchen nach dem einfachen und dem richtigen Leben und nach einer visionären Stadt, in der die Seele ihre Heimat findet.

Der Autor ist ein guter Kenner der Geschichte des Jakobsweges. Die sachlichen Informationen werden jedoch nicht wie in einem Sachbuch systematisch dargestellt; sie fließen natürlich in die Beschreibung der sechzig Wandertage und der eingeschobenen Ruhetage ein. Immer wieder kommt auch der Humor zu seinem Recht, etwa dort, wo die Wanderer eine leere Schachtel mit Rössli- Stumpen am Wegrand finden und über ihre Herkunft sinnieren oder dort, wo eine Ordensschwester Aebli das spanische Buchstabieren lehrt. Jeder Pilger, der das Unternehmen der 1500-Kilometer-Wanderung seinerseits versuchen möchte, erfährt hier, was er zu erwarten hat.
(Klappentext)

6. April 2014

Globi ist nicht Gessler

Am Samstag wanderten wir im Säuliamt und darüber hinaus. Von Obfelden via Maschwanden–Knonau–Uerzlikon nach Kappel am Albis und von dort ins zugerische Baar hinunter. Die ehemalige Klosteranlage von Kappel war der Knaller des Tages. In der mächtigen Klosterkirche belustigten wir uns an einer historischen Wandmalerei, die uns unweigerlich an Globi erinnerte. Es wird gar gemunkelt, dass sich der Globi-Erfinder, Robert Lips, am Wappen der Gessler von Brunegg inspirieren liess. Gemäss meinen Recherchen war dem allerdings nicht so.

Sind nicht miteinander verwandt: das Gessler-Wappen und die Kultfigur Globi
Das zwischen der Reuss und der Albiskette gelegene Säuliamt nannte sich einst Zürcher Freiamt. Es ging aber auch als Knonaueramt in die Annalen ein. Heute nennt sich der Landstrich offiziell Bezirk Affoltern. Meine Nachforschungen ergaben zudem Folgendes:
  • Der Bezirk Affoltern ist der einzige im Kanton Zürich mit Wappen.
  • Im Kanton Zürich gab es bis zu deren Abschaffung im Jahre 2010 sogenannte Zivilgemeinden. Der Höchststand  wurde 1855 mit 420 Körperschaften erreicht. 2005 waren es noch 20. Wie alle übrigen Gemeinden waren auch die Zivilgemeinden der Aufsicht des Bezirksrates sowie des Regierungsrates unterstellt und damit öffentlichrechtlich organisiert. Die Zivilgemeinden hatten aber keinen Anspruch auf Zahlungen aus dem Finanzausgleich, sie mussten selbst für ihren Unterhalt aufkommen, beispielsweise über Gebühren und Erträge aus den ihnen verbliebenen Aufgaben wie der Elektrizitäts- und der Wasserversorgung oder dem Flurweg-Unterhalt. Steuern durften sie keine erheben.
  • Der Name Säuliamt kennt mindestens zwei Ursprünge:
    1. Bei den alten Häusern im Amt besteht manchmal unter den Treppen ein kleiner Raum. Dort schliefen früher die Schweine. Am Tag durften sie frei herumlaufen, was typisch war für das Säuliamt.
    2. Der Legende nach musste einst ein Bauer dem Stift Fraumünster seinen Zehnten abliefern. Als er auf dem Albisgrat ein Schwein und ein Kalb Richtung Zürich trieb, stieben die beiden plötzlich auseinander. Das Kalb hielt nach rechts Richtung Sihltal und das Schwein nach links Richtung Reusstal. Seither nennt sich das Amt Horgen Chalberamt und das Knonaueramt Säuliamt.
  • Dem Säuliamt ist ein Lied gewidmet. Es proklamiert unter anderem:
Diä schwerschte Säu händ mir ellei
dezue es prächtigs Veh
und s'beschti Moscht im ganze Land
das händ nur mir, persee.

Zwillinge

Arthur Honegger: Zwillinge,
Huber, Frauenfeld, 2000 (vergriffen)
Eigentlich ist Wolfwil ein ganz gewöhnliches Schweizer Dorf: Ein Schulzentrum, Kleingewerbe, eine katholische Kirche, zwei, drei Familienclans, die an den Strippen ziehen. Gut schweizerischer Durchschnitt eben. Eines Tages verschwinden die Schwander-Zwillinge. Angst und Entsetzen vergiften die Stimmung. Das Dorf ist wie gelähmt – bis die Kinder gefunden werden. Tot. Die Vermutung wird Gewissheit: «Der Mörder ist unter uns.» Das Motiv zu diesem Roman ist ein Kapitalverbrechen, das der Autor vor Jahren als Reporter einer grossen Tageszeitung bearbeitet hat, und das das ganze Land erschütterte. Honegger recherchierte die Hintergründe und Beziehungsfelder erneut und baut mögliche Täterprofile auf. «Zwillinge» ist eine unheimliche Geschichte, wie sie sich eben auch im Schweizer Alltag ereignen kann. (Klappentext)

SG: Krummenau, Rapperswil TG: Weinfelden und Umgebung ZH: Stadt Zürich

5. April 2014

Eidechse auf Abwegen

Was sah ich nicht alles an wilden Tieren, gestern auf meiner Trainingswanderung von Gunten nach Schwanden bei Sigriswil. In der Nagelfluhschlucht des Oertlibachs entdeckte ich auf einem Felsvorsprung ein brütendes Kolkrabenpaar. Oberhalb von Ringoldswil waren sich vier Rehe nicht sicher, ob sie nun weiter äsen oder doch lieber die Flucht ergreifen sollten. Das Ergebnis war eine Mischung aus beidem. Über der Szenerie kreisten unablässig zwei Mäusebussarde, die mit ihrem «Hiäääää, Hiäääää» ihre Beute aus der Erde hervorzulocken versuchten. Kurz vor Schwanden dann noch einmal zwei zwischen Heuschobern frech frühlingsgrünes Gras abrupfende Rehe. Den Vogel schoss indes eine Zauneidechse ab, der ich beim Pausieren beinahe ein Farmerriegelpapierli an den Kopf schmiss. Das Tierchen sonnte sich auf einer Pendlerzeitung in einem Abfalleimer. Ich hoffe, dass das Reptil den Weg aus der Tonne findet, bevor die Abfuhrmänner zupacken.

Staub im Feuer

Ernst Solèr: Staub im Feuer,
Grafit, Dortmund, 2006
Während des morgendlichen Berufsverkehrs wird ein Brandanschlag auf eine Zürcher S-Bahn verübt, was in der Bevölkerung zu panischem Entsetzen führt. Hauptmann Fred Staub, Chef der Abteilung «Besondere Verfahren» der Zürcher Kantonspolizei, übernimmt die Ermittlungen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die Täter fordern acht Millionen Franken, andernfalls wird es weitere Anschläge geben.

Der erste Versuch, das Geld zu übergeben, endet in einer Katastrophe: Eine weitere S-Bahn wird vollkommen zerstört, drei Menschen sterben. Die Umstände, warum die Situation eskalierte, sind mehr als rätselhaft und Staub beschleicht der Verdacht, dass es den Tätern nicht nur um Geld geht, sondern dass die Angelegenheit ihn ganz persönlich treffen soll. Aber warum? Dann wird dem Hauptmann plötzlich klar, wo er am verletzlichsten ist …
(Klappentext)

Ernst Solèr, geboren 1960 in Männedorf am Zürichsee, lebte bis zu seinem Tode im Juli 2008 in Zürich. Nach der Matura studierte er kurzzeitig Ethnologie und versuchte sich u. a. als Rockgitarrist, Spieleerfinder und Quizkandidat. 1987 begann er eine Karriere beim Schweizer Fernsehen, wo er sich als Redaktor und Produzent diverser TV-Sendungen einen Namen machte. Seit 1999 widmete sich Ernst Solèr ausschließlich dem Schreiben von Kurzgeschichten, Hörspielen oder Reportagen für Wirtschaftsmagazine und Ratgeber.

ZH: Stadt Zürich, Küsnacht, Küsnachter Tobel, Rumensee, Oerlikon, Zürichsee, Uetlibergbahn

4. April 2014

Die Plakette

Vorgestern berichtete ich von einer kleinen Plakette beim Pavillon oberhalb der Bieler Seevorstadt. Hier nun die Auflösung der Geheimniskrämerei. Das Täfelchen ist Bestandteil des literarischen Spaziergangs über den einst in Biel wohnhaften Schriftsteller Robert Walser. Die Route umfasst insgesamt neun Stationen. Sie erzählen autobiografisch Walsers Lebensgeschichte: Kindheit, Schule, Schauspielversuche, Schriftstellerdasein, Heimkehr, Liebesunglück, Spaziergänge, Rastlosigkeit und Abschied. «In der Umgebung von Biel folgen fünf literarische Wanderungen den Landschaften und Orten aus Robert Walsers Prosa und erzählen einzelne Textpassagen: Zum End der Welt, auf die St. Petersinsel, zum Bözingenberg und um den See», lässt sich zudem auf der Website der Tourismusorganisation Biel-Seeland nachlesen.

Auf besagtem Schild steht:

7. Sonntags
Seevorstadt, Pavillon Felseck

Auf  seinen täglichen Spaziergängen kam Robert Walser oft hierher. «Heute am schönen Sommerabend standen allerlei stille Leute, Männer wie Frauen, am Geländer beim Pavillon und schauten in die farbige abendliche Tiefe hinunter, wo der See in seinem Glanze lag, von der Wärme und von den Abendwinden umstreichelt.»

Der Rober-Walser-Spaziergang in Biel. (Screenshot aus www.biel-seeland.ch/de)

2. April 2014

Glückpechglück

In Biel und Umgebung lancierte ich einst meine Fussgänger- und Wanderkarriere, was nicht heissen will, dass ich die Gegend auf Schritt und Tritt erkundet habe. Im Gegenteil. So war ich beispielsweise noch nie beim Pavillon nahe der Biel-Magglingen-Bahn, auch fehlte bislang der Abstecher zum ehemaligen Feriendorf Twannberg, das sich mittlerweile Hotel Twannberg nennt.

Gestern startete ich also am Bieler Bahnhof, schlug mich zur Seevorstadt durch, von wo ich den Wanderweg zum Pavillon in Angriff nahm. Unglaublich, was dann abging. Nur wenige Schritte vom Hangfuss entfernt, wähnte ich mich in einer Art Paraparadies. Grünende Sträucher, blühende Büsche, zilpzalpende und quietschende Vögelein zelebrierten eine betörende Frühlingsorgie, derweil vom Stadtgrund Bass mimender Dumpflärm hochbrandete. Vom Pavillon genoss ich den Blick auf die Hafenanlage und den sich dahinter ausbreitenden See. An der Balustrade entdeckte ich eine pinkige Plakette, über deren Aufschrift ich übermorgen berichten werde. Die Fortsetzung der Route via Gaicht nach Lamboing kann ich meiner Leserschaft bedenkenlos empfehlen. Am Ziel gibt's zwei Restaurants sowie Postautoverbindungen nach Le Landeron oder La Neuveville.

Blick vom Pavillon auf den Strandboden und den Bielersee. Im Vordergrund die erratische Plakette.


Ich schaffte es punktgenau auf den 14.19-Uhr-Kurs nach Le Landeron und wähnte mich glücklich. Allerdings nicht für lange, denn in Le Landeron angekommen bemerkte ich, dass ich die Fotokamera – meine lieb gewonnene Lumix LX5 – im Postauto vergessen hatte. Und dieses war bereits um alle Ecken entschwunden. Ich rief Postauto Schweiz an und wurde mit der Firma FuniCar in Biel verbunden. Sie betreibt im Auftrag von Postauto Schweiz unter anderem die Linien vom Bielersee auf das Plateau de Diesse. Was folgte war eine beispiellose Such-, Find- und Rückgabeaktion, bei der Hela Moser von der FuniCar-Zentrale perfekte Regie führte. Ich wurde von Le Landeron nach La Neuveville beordert, wo mir ein Postautochauffeur die Kamera aushändigte. Sie war in der Zwischenzeit mit meinem ursprünglichen Bus auf den Tessenberg gelangt, wo sie dem neuenstadtwärts fahrenden Chauffeur übergeben wurde. Das nenne ich Dienst am Kunden, liebe FuniCar! Herzlichen Dank an alle Beteiligte! Zur Feier des Tages, hier noch eine kleine Bildstrecke der besagten Wanderung, denn mit der Kamera kamen auch die Fotos wieder in meine Hände. 

1. April 2014

Hochsaison

Jörg Maurer: Hochsaison, S. Fischer,
Frankfurt/Main, 2009
Sterben, wo andere Urlaub machen: der zweite Alpenkrimi mit Kommissar Jennerwein. Beim Neujahrsspringen in einem alpenländischen Kurort stürzt ein Skispringer schwer – und das, wo Olympia-Funktionäre zur Vergabe zukünftiger Winterspiele zuschauen. Wurde der Springer etwa beschossen? Kommissar Jennerwein ermittelt bei Schützenvereinen und Olympia-Konkurrenten. Als ausgerechnet in einem Gipfelbuch per Bekennerbrief weitere Anschläge angedroht werden, kocht die Empörung im Ort hoch: Jennerwein muss den Täter fassen, sonst ist die Hochsaison in Gefahr … (Klappentext)

D: Garmisch-Partenkirchen und Umgebung (Hauptschauplatz) namentlich: Sprungschanze, Höllentalklamm, Krottenkopfspitze, Weilheimer Hütte, Riessersee, Seilbahn Eibsee–Zugspitze A: Scharnitz Emirat Dubai: Stadt Dubai