25. November 2012

8° 25' 30,36'' / 47° 34' 02,64''





Dieser Grenzstein markiert die nordöstlichste Festlandecke des Kantons Aargau nahe des mittelalterlichen Städtchens Kaiserstuhl. Die Grenzlinie setzt sich indes noch einige Meter in nördlicher Richtung fort, wo sie in der Rheinmitte auf Baden-Württemberg trifft und zusammen mit Zürich ein Dreiländereck bildet.

Auf der 12. Etappe meiner Aargau-Umrundung liessen wir es beim geografisch nicht ganz korrekten Nordostpunkt bewenden, ehe wir uns rheinabwärts nach Mellikon begaben. Gestartet waren wir übrigens in Niederweningen. Auf der zu weiten Teilen exakt entlang der Kantonsgrenze verlaufenden 19-Kilometer-Route fanden wir einmal mehr hübsch inszenierte Argauness vor. Mehr dazu im Aargau-Rundum-Blog.

24. November 2012

Petrefakten und Mystik

Neulich waberte und riss der Nebel über dem Ballenbühl oberhalb Ursellen bei Konolfingen. Der aus zwei Linden bestehende Aussichtsgupf war abwechselnd während Minuten über, hälftig und mitten im Wasserdampf. Von irgendwoher wusste ich, dass es sich bei dieser Lokalität um einen Kraftort handelte. Doch einmal mehr blieb mir das Kraft- und Energieempfinden eines derartigen Ortes versagt. Vielmehr beauftragte ich meine Kamera, die mystische Stimmung einzufangen und auf dem Hightech-Sensor der Digitalkamera möglichst originalgetreu abzubilden. Hier die Resultate.






Die Ballenbühl'sche Kraftsache liess mich nachträglich noch ein bisschen herumgoogeln. Hängen geblieben war ich dann bei etwas Unerwartetem. Über das Geographische Lexikon der Schweiz aus dem Jahre 1902 stiess ich unter dem Stichwort Ballenbühl auf den Hinweis, dass es sich hier unter anderem um einen Fundort von Petrefakten handle. In Meyers Konversationslexikon des dem 18. Jahrhunderts las ich sodann: «Griech., lat. Petrifakte für Versteinerungen, Fossilien, fossile organische Reste, im allgemeinen alle durch Umwandlung ihrer organischen Substanz oder eines Teils derselben oder durch Umhüllung in ihrer Form erhaltenen organischen Körper, welche man in Gesteinen eingeschlossen findet». Aha, dachte ich. Und jetzt?

15. November 2012

Der Morgenzug



Bahnhof Burgistein: Der 07.05-Uhr Zug nach Thun wird vor allem von Schülern, Auszubildenden und Arbeitspendlern benutzt. Als Trieb- und Steuerwagen dienen ehemalige Rollmaterialien des Regionalverkehrs Mittelland (früher Emmental-Burgdorf-Thun Bahn). Die zwei Zwischenwagen sind Umbauten der BLS. Im Vordergrund das Notperron, dessen Holzoberfläche aus Sicherheitsgründen mit einem grünen Kunstteppich versehen worden ist. Dieser ist nach einer frostigen Nacht mit Reif überzogen. Das Bild wurde ohne Stativ aufgenommen. Die Belichtungszeit betrug bei ISO 400 und 4-facher Unterbelichtung 1/5-Sekunde.

Fluch oder Segen?

«Psychiater, Politiker und Tyrannen versichern uns ohne Unterlass, dass ein Wanderleben eine anomale Verhaltensweise sei, eine Neurose, eine Form unbefriedigten sexuellen Verlangens, eine Krankheit, die im Interesse der Zivilisation ausgerottet werden müsse. Die Propagandisten der Nazis behaupteten, dass Zigeuner und Juden – Völker mit dem Wandertrieb in den Genen – keinen Platz in einem stabilen Reich hätten. Und doch hat der Ferne Osten die einst in der ganzen Welt gültige Vorstellung beibehalten, dass Wandern die ursprüngliche Harmonie wiederherstelle, die einst zwischen Mensch und Universum bestanden hat.»
Bruce Chatwin, Traumpfade , 1987

10. November 2012

Der Intelligenzquotient von Wasser

Heute ging ich von Einsiedeln nach Oberägeri. Ein Dreistünder auf dem Pilgerweg vom Schwyzerischen ins Zugerische. Wie bereits vor Wochenfrist ermöglichte föhnbedingtes Schongangwetter passables Wandern. Auf dem Abstieg vom Katzenstrick, einem Pässlein, welches das Hochtal von Rothenthurm mit Einsiedeln verbindet, eine Tafel mit der Bezeichnung «Gyr-Q.». Sonderbare Q-Abkürzung, dachte ich. Klingt wie IQ, macht aber null Sinn. Erst der bombierte Schachtdeckel neben dem Täfelchen brachte die Lösung: Q steht für Quelle. Als ich wenige Schritte weiter ein Täfelchen mit Kälin-Q. sah – wobei die Erosion den Namen zu Käiin mutieren liess – hatte ich die Bestätigung meiner Q-Interpretation.

Welchen IQ hat das Wasser der Gyr-Q.?

Zwei Fragen beschäftigten mich bis zum Zwischenhalt im Gasthaus Schlüssel oberhalb der Dritten Altmatt, wo mir der Wirt netterweise den Kaffee spendierte, nicht weil ich etwa kein Geld mitführte, sondern ... nun, das ist eine andere Geschichte. Zu den zwei Fragen: 1. Weshalb benennen die Rothenthurmer ihre Quellen? 2. Welchen IQ hat Wasser?

8. November 2012

Sörens Rat

«Verlieren Sie vor allem nicht die Lust dazu, zu gehen: ich laufe mir jeden Tag das tägliche Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und ich kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde ... beim Stillsitzen aber und je mehr man stillsitzt, kommt einem das Übelbefinden nur um so näher ... Bleibt man so am Gehen, so geht es schon.»

Sören Kierkegaard, Brief an Jette (1847)

5. November 2012

Das Föhnfenster

Am Samstag war wiederum Aargau rundum, mein Gehprojekt entlang der Aargauer Kantonsgrenze. Der anhaltende Föhn ermöglichte nicht nur eine tadellose Überquerung der Lägeren, er – oder wer auch immer – hatte auf dem Lägerengrat eine nicht alltägliche Überraschung, mit einer Baseball-Mütze in der Hauptrolle, parat. Die komplette Geschichte der elften Etappe gibt's auf www.aargaurundum.blogspot.ch

Föhn sei Dank: Blick von der Lägeren über den Altberg auf Zürich und den Zürichsee.
 Im Hintergrund das Glärnischmassiv


4. November 2012

Sämis Bänkli

Heute ging ich von Büren an der Aare nach Arch. Zunächst durch das autoverseuchte Städtchen, hernach der Aare entlang bis zur gigantesken Aarebrücke, welche Grenchen mit Arch verbindet. Auf Rütener Gemeindegebiet zeigte ein hölzerner Wegweiser mit der Aufschrift «Sämis Bänkli» zur Aare hinunter. Ich folgte ihm und stiess nach wenigen Schritten auf besagtes Objekt. Mit Sämi ist der in Rüti wohnhafte alt Bundesrat Samuel Schmid gemeint. Ihm zu Ehren wurde die geschützte Stelle am Fluss errichtet und benannt.

Samuel Schmid: Das ex SVP- und spätere BDP-Mitglied erinnert mich beim Sprechen immer wieder an einen Bauchredner. Dies, weil er seine Sätze praktisch ohne die Lippen zu bewegen
und bei kaum geöffnetem Mund zu artikulieren vermag.

Henu, i ma am Sämi Schmid sis Plätzli ar Aare vo Härze gönne, nid zletscht drum, wöus es Örtli isch, wo aune öffentlech zuegänglech isch und d Ussicht uf ds äneren Ufer e beruigendi Würkig uf eim usüebt.


Was blüht denn da zur späten Jahreszeit am Aareufer bei Rüti (BE)?

Sämis Bänkli am Aareufer seines Wohnortes Rüti bei Büren (BE)

Ausblick von Sämis Bänkli mit kontemplativer Wirkung

Das Notperron



Gesamterneuerung Bahnhof Burgistein: Ein Notperron aus Holz ist erstellt worden und bietet endlich Einsteigekomfort auf der ganzen Zuglänge. Rechts im Bild die Vorarbeiten für das Perron Nord.