31. Januar 2017

Zu Fuss zum Nordpol

Paul Quast: Zu Fuss zum Nordpol, Verlag
Worldwide Travel.
Lebensfeindlich, kalt und abweisend – so stellt man sich die Arktis vor. Kaum jemand kennt die faszinierenden Reize dieser Region hoch oben im Norden. Paul Quast fängt den Leser wie kaum ein anderer zuvor mit dem Zauber des Nordens ein. Er schildert die anfänglichen Ängste und Zweifel, die dann umschlagen in eine euphorische Begeisterung und Liebeserklärung an den Nordpol, den er am 27. April 2003 um 12.30 Uhr erreicht. Für Interessierte gibt er Tipps und Ratschläge für den Aufenthalt in der Arktis.

Unterhaltsame Lektüre eines Abenteuers, das heute bei spezialisierten Reiseveranstaltern gebucht werden kann. Quast war mit dem DAV Summit Club unterwegs. Die Expedition stand unter der Leitung von zwei russischen Arktis-Experten. Schade fand ich, dass nach Erreichen von 90° Nord ein Transporthelikopter angeflügelt kam und die Mannschaft zurück ins Basislager flog. Meiner Meinung nach ist die Expedition nur halb gelungen ... aber gefeiert wurde das Ganze wie der Sieg über die menschenfeindlichste Wüste der Welt. Wie ist das schon wieder beim Bergsteigen nach Erreichen des Gipfels ...

28. Januar 2017

Wie das Verb «gersauern» entstand


Gersau um 1870. Quelle: Wikipedia.
Man lernt doch nie aus; gerade in diesen Tagen und Wochen, wo ich mich intensiv mit dem Kanton Zug beschäftige. Nun ist mir gestern ein mir bis dato unbekanntes Wort begegnet: «gersauern». Es leitet sich ab von der Gemeinde Gersau am Vierwaldstättersee, die bis 1817 eine eigenständige freie Republik war.
In der Zeit ihres Bestehens war die Republik, am steilen Südhang der Rigi gelegen, nur auf dem Wasserweg über den Vierwaldstättersee zu erreichen. Eine Strasse in das benachbarte Brunnen wurde erst 1867 gebaut.
Seit Beginn ihres Bestehens war die Freie Republik Gersau ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Schon am 31. August 1359 wurden die «ehrbaren Leute, die guten Nachbarn und Kilchgenossen von Gersau und Weggis» mit einem Bündnisbrief ins Bündnis der Eidgenossen aufgenommen. 1390 hatte sich Gersau von allen Vogteirechten an Habsburg (verpfändet an die Junkersfamilie Moos in Luzern) freigekauft und erhielt seine formale Unabhängigkeit am 31. Oktober 1433 durch Kaiser Sigismund, der in Basel Hof haltend das Gebiet in einer Kaiserurkunde als reichsunmittelbares Gebiet (Freies Reichsdorf) direkt unter den Schutz des deutschen Kaisers stellte. Mit dem 28. Juni 1436 erhielt die Republik ihr eigenes Staatsrecht mit eigenem Hof- und Eherecht. Die höchste Gewalt lag bei der von einem Landammann geleiteten Landsgemeinde. Auch die hohe Gerichtsbarkeit wurde von der Republik selbst ausgeführt.
Die Bevölkerung war arm und lebte hauptsächlich von der Land- und Alpwirtschaft. Bei ihrer Gründung hatte die Republik zirka 1000 Einwohner, um 1730 waren es noch 500. Erst nach der Aufnahme in den Kanton Schwyz blühte die Wirtschaft auf, besonders durch die Seidenspinnerei. Die Freie Republik Gersau besass auch eigenes Militär und kämpfte zumeist auf Seiten ihrer Schirmorte Schwyz und Luzern. Anfangs war die Kriegsmannschaft 24 Mann stark; später wurde sie auf 54 Mann aufgestockt. Die freie Republik hatte über die Wirren der Helvetischen Republik hinaus Bestand. 1798 zwar dem Kanton Waldstätten zugeordnet, wurde sie später Teil des Kantons Schwyz und 1814 nochmals selbständig. Gersau wurde 1817 durch Beschluss der eidgenössischen Tagsatzung aufgelöst und bildet seit 1818 einen Bezirk des Kantons Schwyz.

Die eigenständige Stellung dieses kleinen Gemeinwesens weckte neben Neid auch den Spott seiner Nachbarn. Über die Gersauer werden dieselben Narrengeschichten erzählt wie über die Schildbürger. In der Innerschweiz ist «gersauern» auch heute noch ein Ausdruck für unüberlegtes, umständliches Handeln.

27. Januar 2017

Umzug, die Kehrseite

Wie im Post von gestern angekündigt, hier die Rückseite meines Buches «Umzug», das noch 2017 erscheinen wird.


26. Januar 2017

Der Zug um Zug

Sieben Tage werde ich am Ende auf der Grenze rund um den Kanton Zug gewandert sein. Und ja, es wird ein Buch darüber geschrieben. «Umzug» nennt es sich. Und nein, ich ziehe nicht um. Nicht in den reichsten Kanton der Schweiz mit seinen sauteuren Mieten und saugünstigen Steuern. Vielmehr will ich anlässlich meines Umzugs den Kanton in all seinen Facetten näher kennen lernen und darüber schreiben. Meine bisherigen Recherchen haben einiges ans Licht befördert, das von allgemeinem Interesse sein dürfte. Der Kanton Zug ist mehr als Glencore und Kirschtorte! Versprochen.

Weil der Apetitt bekanntlich beim Wandern kommt: Hier schon mal den vorderen Buchumschlag. Wer dran bleibt, sieht im Blog von morgen die Rückseite.


25. Januar 2017

Heiniger in Buchform

Tinu Heiniger: Mueterland, Faro im Fona-
Verlag, Lenzburg, 2011
Eigentlich ist mir der Langnauer Liedermacher Tinu Heiniger sympathisch, dann aber auch wieder nicht. Vor allem dann nicht, wenn er singt. Kein Wunder: Sein Lieblingssänger ist Bob Dylan, mit dem ich nicht wirklich viel anfangen kann. Dennoch hat dieser Heiniger etwas, das mir imponiert: Er kann formidabel Geschichten erzählen. Und zwar in der Schriftform. Zu diesem Schluss komme ich nach der Lektüre des 2011 erschienenen Buches Mueterland. Darin berichtet Tinu Heiniger über seine Jugendjahre in diesem behäbigen Emmental, dessen Nähe zu Gotthelf damals noch spürbar war. Mit viel verstecktem Witz und feinem Humor erzählt der heute 71-Jährige wie das war, als er den «Tschäss» entdeckte und selber zu spielen begann, oder wie er sich als Fussballer beim FC Langnau versuchte und welche Bedeutung der Schlittschuhclub Langnau einst hatte und heute immer noch hat, obschon er seit etlichen Jahren in Schöftland wohnt.

Der Emmentaler im Aargau! Den Hügeln ist er treu geblieben, auch wenn sie nicht mehr so hoch sind. Beim Lesen von Heinigers Mueterland, entsteht unweigerlich der Eindruck, der Heiniger, dieser Heiniger braucht die Hügel, hinter denen neue Geschichten lauern, die er nur zu entdecken und in irgendeiner Form zu verarbeiten braucht. Und trotz aller Abgeschiedenheit ist aus Tinu Heiniger beileibe kein Hinterwäldler geworden. Ganz im Gegenteil. Aufmüpfig war und ist er. Politisch links, aber dennoch voll und ganz mit der Heimat verwurzelt. Und das gefällt mir an Heiniger: Er weiss genau, woher er kommt, und dass er diese Herkunft nicht verleugnen kann und will. Dennoch ist er stark und ehrlich genug, sich nicht auf jene Geleise zu begeben, die das geblühmte Trögli über alles stellt. Er weiss auch genau zu unterscheiden zwischen «Unterhaltungsbrunz», seinem Skandalwort Ende der Siebzigerjahre, und der ungekünstelten Folklore, die selbst einem kritischen, mit der Heimat verbundenen Menschen Hühnerhaut beschert.

Besonders lesenswert sind auch das Vorwort von Bänz Friedli sowie eine Art Briefwechsel mit Pedro Lenz. Das Buch gibt es zudem auch als Hörbuch.

24. Januar 2017

Ästhetik einer Brücke



Die Rotary-Brücke am Broyekanal entstand anlässlich der Expo.02 und dient Fussgängern, Radfahrern und Inline-Skatern zur Überquerung des legendären Röstigrabens. Die Spannweite beträgt über 60 Meter. Das Bauwerk kostete über 2 Mio. Franken.

23. Januar 2017

Auf der Nahtstelle zwischen Zug und Zürich

Die 3. Etappe auf der Zuger Kantonsgrenze (grün): von Hütten nach Uerzlikon. Rot die Route.
Gute 20 Kilometer waren das vorgestern entlang der Zuger Kantonsgrenze. Von Hütten (ZH) hinunter an die Sihl und in deren Graben bis zum dadaistisch anmutenden Sihlbrugg. Hernach eine komplett andere Szenerie: offenes Gelände mit geschlossener Aussicht. Der tief hängende Hochnebel hatte alles im Griff. Dafür ging ich über weite Strecken haargenau auf der Grenze. Die Fülle an Eindrücken war derart gross, dass ich beinahe 500 Bilder schoss. Hier ein paar speziell fokussierte Motive.

21. Januar 2017

Am Hüttentisch

Otto Zinniker: Am Hüttentisch, Orell Füssli,
Zürich, 1966
In einer Klubhütte eingeschneite Bergsteiger erzählen einander Geschichten von seltsamen Schicksalen, eigenartigen Menschen und merkwürdigen Begebenheiten, Geschichten, die dem Heimatlichen und dem Ungewöhnlichen gleicherweise verbunden sind.

BE: Grimselpass, Guttannen, Kaltenbrunnen

Otto Zinniker (7.6.1898–21.4.1969) wurde in der aargauischen Dorfgemeinde Strengelbach geboren. Er besuchte dort die Primarschule, dann die Bezirksschule in Zofingen, danach das Lehrerseminar in Wettingen. Nach kurzer Erziehertätigkeit studierte er an den Universitäten Bern, Zürich und Königsberg i.Pr. In Zürich erwarb er in Philosophie I den Doktortitel. Seither war er Redaktor in Biel, bis er sich vor kurzer Zeit von dieser Tätigkeit löste, um sich ganz schriftstellerischen Aufgaben widmen zu können.

Sein schriftstellerisches Werden reifte langsam aus der Prosaskizze zu Roman und Novelle. Die ersten Stoffe entnahm er der Bergwelt. Ihn, der immer sehr naturverbunden war, der noch heute die grösste Freude am stillen Wandern hat, an der Versenkung in der Natur, beschäftigte vor allem, wie sich der Mensch zu ihr stellt, in ihr verhält. Danach ging er über zur Gestaltung rein menschlicher Probleme, deren Grund in der Schwere seiner Jugendzeit zu finden ist. Seine geistige Haltung beeindruckten vor allem die Freundschaft mit Hans Morgenthaler, dann Begegnungen mit Alfred Huggenberger, Hermann Hesse, Max Picard.

Nicht allein unser Land lernte Otto Zinniker auf Reisen und Wanderungen kennen, sondern auch Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Ungarn und Jugoslawien. Längere Aufenthalte fesselten ihn an Königsberg und Florenz.

Otto Zinniker griff mit seiner redaktionellen Tätigkeit entscheidend in das Kunstleben des aufstrebenden Biel ein; er ist auch Gründer und Präsident der Literarischen Gesellschaft Biel.

Quelle: Literapedia Bern

20. Januar 2017

Starke Sätze aus den Achtzigern

Soeben mit viel Interesse und Begeisterung gelesen: Hansjörg Schneiders Wüstenwind. Es sind Notizen aus der Zeit von November 1982 bis April 1983, verfasst von dem damals 45-jährigen Autor. Die ehrlichen Texte geben dem Leser Einblick in das Seelenleben des in Basel lebenden Exil-Aargauers, zeigen seine Verletzbarkeit, wie er gegen seine Depression ankämpft, wie ihm die Kraft fehlt zu schreiben, wie er sich freut, wenn wieder eines seiner Theaterstücke zur Aufführung gelangt. Und selbstverständlich finden auch die politischen Umstände der Achtzigerjahre ihren Niederschlag. Von Waldsterben ist die Rede, von den Krawallen in den Städten Basel und Zürich. Der eher links stehende Schneider ist indes nicht mit allem einverstanden, was von Seiten der Autonomen kommt. Die differenzierte Betrachtungsweise der Sachlagen ist wohltuend, gerade in heutiger Zeit. Und dann schreibt Schneider Sätze in sein Notizheft, die ich so stark finde, dass ich ein paar davon gerne zitiere:

Dieser Nebel legt sich auf mein Gemüt. Ich bin Aargauer, und die Aargauer sind im November schwermütig. Die Schwermut kriecht aus der Aare und legt sich als nasser Nebel über die Menschen, die in der Nähe des Flusses leben. Das ist wie eine Sucht. Man will in einer Ecke hocken, in den Nebel starren und langsam in sich hineinsinken.

Einmal wieder über Land gehen und einen Nussbaum anschauen.
Einmal wieder im Gras liegen.
Einmal wieder eine frühe Nuss aufklopfen, und ihr Kern schmeckt bitter.
Wieder einmal ans Leben glauben und daran, dass das, was man denkt, dem Tod eine Antwort gibt.

Ich lebe richtig, wenn ich schreibe. Wenn ich nicht schreibe, lebe ich falsch. Aber ich kann nicht immer schreiben, ich brauche auch Krisen. Ich brauche dieses falsche Leben, und ich brauche den November.

Wir leben wieder in einer Zeit, in der die dümmsten Menschen die Macht verlangen und sie vielleicht auch erhalten.

Wer Phantasie hat, gefährdet die Macht, und wir leben in einer Zeit, in der die etablierte Macht ausserordentlich intolerant sein muss, um sich im hereinbrechenden Chaos behaupten zu können.

18. Januar 2017

Laufen. Essen. Schlafen.

Christine Thürmer: Laufen. Essen. Schlafen.
Piper, München, 2016
Als Christine Thürmer gekündigt wird, beschliesst sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich, bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie geht weiter, läuft den Continental Divide Trail und den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist – zu Fuss, per Fahrrad oder Boot. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei grossen Trails Hiking Trails der USA und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Nichts deutet in ihrer Jugend darauf hin, dass Christine Thürmer einmal zu einem der meistgewanderten Menschen weltweit werden würde: In Sport ist sie die absolute Niete, und Wandern findet sie blöd. Stattdessen legt sie eine Bilderbuchkarriere hin und ist mit 39 Jahren Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebes – nur um mit 40 alles aufzugeben: den schicken Firmenwagen, die Sekretärin, ja sogar den festen Wohnsitz. Stattdessen geht sie 12. 700 Kilometer zu Fuss und lebt draußen im Zelt. Zwischen 2004 und 2008 läuft sie dreimal von Mexiko nach Kanada auf dem Pacific Crest Trail (4277 Kilometer), dem Continental Divide Trail (4900 Kilometer) und dem Appalachian Trail (3508 Kilometer). Für diese Leistung wird sie mit dem Triple Crown Award ausgezeichnet, den nur bekommt, wer alle drei Trails bewältigt hat, was zum damaligen Zeitpunkt lediglich 231 Wanderer geschafft haben. (Klappentexte)

Kurzweilig geschriebener Bericht, der bei jedem Fernwanderer die Sehnsucht nach derartigen Plänen weckt. Leider ist das Kapitel mit dem Appalachian Trail (immerhin 3500 km lang) mit 55 Seiten (bei insgesamt 288 Seiten) zu knapp ausgefallen. Wirklich treffend hingegen der Buchtitel. Viel mehr als über Laufen, Essen und Schlafen erfährt der Leser nicht. Da wirken die geschilderten Lebensumstände der Autorin gerade wohltuend auflockernd. Ein aufschlussreiches und sympathisches Interview, das Christine Thürmer dem NDR-Fernsehen gegeben hat, ist auf Youtube zu finden.

16. Januar 2017

Winterfernweh

Sympathischer Bschiss: Das berühmte Nordkap (rechts) ist nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes. Knivskjelodden ist das wahre Nordkap und nur zu Fuss zu erreichen!


Mit regelmässiger Zuverlässigkeit packt mich des Winters das Wanderfieber. Nicht jenes Wandern, das ich so oder so Wochenende für Wochenende praktiziere. Es sind jeweils grössere Ideen, die ich mit mir herumtrage. Wanderprojekte, die sich meist im Ausland abspielen, dann aber doch nicht realisiert werden. Vergangenen Winter fasste ich den Gang ans Nordkap Norwegens ins Auge. Ermutigt durch mehrere Reiseberichte, die von der Durchquerung Deutschlands der Länge nach erzählen. Motiviert aber auch von zwei Büchern, die sich mit der Begehung Norwegens von Süden nach Norden befassen.

In der Tat machte ich mich dann am Karfreitag 2016 von meinem Wohnort auf Richtung Norden. In sieben Etappen habe ich es immerhin bis nach Basel geschafft. Dann verliess mich des unpassenden Sommer- und Herbstwetters wegen vorübergehend der Mut, die Fortsetzung, den Westweg durch den Schwarzwald, in Angriff zu nehmen. Und nun, wo wir wieder Winter haben, träumt es mir weiter. Weiter vom Weg nach Norden. Ich sehe mich im Frühling vom Basler SBB-Bahnhof loswandern, durch die Stadt und über den Rhein, über die Grenze bei Lörrach, durch die Reben Südbadens, in den Schwarzwald hinein, mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und Kocher, um am Ende dem Nordkap eine Woche näher zu sein; dem wirklichen Nordkap notabene, nicht dem touristischen. Denn, das berühmte Nordkap stellt nicht den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes dar. Dieser liegt etwas westlich davon und ist nur zu Fuss zu erreichen. Wer Tausende von Kilometern durch Mittel- und Nordeuropa geht, will sich doch am Ende nicht mit einer Horde motorisierter Halbschuhtouristen wiederfinden. Ich auf jeden Fall nicht.

15. Januar 2017

Seeland im Schnee

Grün der Korridor dies- und jenseits der Koordinate 574. Rot die Route.
Die 6. Etappe meines Projektes «Die Koordinate» führt mich heute von Ins nach Murten. Und wenn im Seeland schon mal Schnee liegt, dann nichts wie los! Fünf Zentimeter Pulver und Winter ist. Diese Rarität gilt es zu zelebrieren. Wie bereits bei der letzten Etappe muss ich mich, was die Route anbelangt, mit einem Kompromiss zufrieden geben. Bei Sugiez verlasse ich den Korridor der Koordinate 574 und durchquere östlich davon den Staatswald, das sogenannte Chablais. Hier, so lehrt mich eine Infotafel, wurden einst ausschliesslich Pappeln zur Herstellung von Kisten angepflanzt. Die Monokultur wirkte sich äusserst nachteilig auf die Fauna aus, fehlte es den Tieren doch, wie bei einem natürlichen Wald üblich, an Rückzugsmöglichkeiten. Zum Glück hat der Mensch aus diesem Anbaufehler gelernt, die Pappelkultur aufgegeben und tierfreundlicheres Gehölz gesetzt.

Doch doch, diese Flachwanderung im Schnee hat mir gut gefallen. Es braucht nicht immer die Berge, um ein Wintergefühl zu erzeugen.

Am Broyekanal bei der Rotary-Brücke.

Blick vom Chablais über den Murtensee zum Mont Vully.

Türkiye, Hürriyet, Habertürk?



Im Gegensatz zur gestern präsentierten Sitzbank aus Transportpaletten, ist dieses Exemplar hier, mit Ausnahme der Farbgebung vielleicht, gut schweizerischer Bänklidurchschnitt. Für einmal dient die Sitzgelegenheit jedoch bloss als – so unlogisch es klingt – Vehikel. Bei genauer Betrachtung der Plakette am oberen Bildrand, entdecken wir ein geschmeidiges Wort: «Üdiker».

«Üdiker», so nennen sich die Einwohner der Zürcher Gemeinde Uitikon an der Nordwestabdachung des Uetlibergs nahe Schlierens. Was wie ein Türkischer Zeitungstitel klingt, ist also der adjektivische Beiname von gut 4100 Menschen in der Agglomeration Zürichs. Der mundartliche Name «Üdike» war 1951 sogar Thema an einer Gemeindeversammlung. Obschon Uitikon phonetisch ähnlich klingt wie Witikon oder Uetikon, entschieden sich die Üdiker für die Beibehaltung ihres Ortsnamens. Gut so!

Und weil ich mich nicht mit fremden Federn schmücken will, danke ich an dieser Stelle Marianne Jeker für die Zusendung der Bilder, die meine Recherchen erst ausgelöst haben.


14. Januar 2017

Die Palette scheint endlos



Die Bänklivielfalt nimmt kein Ende! Neustes Exemplar in meiner Sammlung: die rezyklierte Palette vom Hochmoor bei Rothenthurm. Das exquisite und mit rustikaler Innovationskraft geschaffene Teil steht auf der Zuger Seite des Moors, exakt an meiner Umrundungsroute des Kantons Zug. Ob es sich darauf auch gut sitzen lässt, entzieht sich meiner Kenntnis. Für einmal lockte das schöne Wetter zum Weitermarsch anstatt zur Rast.

13. Januar 2017

Das Klo des Monats


Auf dem Campingplatz im Gwatt, Gemeinde Thun, gibt es für das kleine Geschäft der männlichen Spezies eine klare Signalisation. Kein mühsames Durchfragen, kein peinliches Von-einem-Bein-auf-das-andere-Treten, wenn die Blase mal arg drückt. Und auch keine Versuchung, den Thunersee als ...

Ein wenig aussergewöhnlich sind dagegen die Pissoirs. Hier schwingen die 1970er-Jahre auf eine prickelnde Art und Weise mit. Und sollten die Pissboxen tatsächlich aus jener Dekade stammen, Mann, dann haben sie sich verdammt gut gehalten.


12. Januar 2017

Wer ist Karl der Kühle?



«Endlich wieder einmal ein Bänkli», werden die einen denken. «Ach, schon wieder ein Bänkli, hört das denn nie auf?», die anderen. Der erste Gedanke ist hiermit Tatsache. Und nein, so lange ich lebe, werde ich mich der Ruhe- und Sitzbank in all ihren Facetten widmen. Dasselbe gilt übrigens auch für Aborte, doch davon morgen mehr!

Wer nun aber ist dieser Karl, der sich im zugerisch-schwyzerischen Schornen ein praktisches Denkmal gesetzt hat und dazu erst noch, so er denn sitzt, den Blick auf das Schlachtgelände des Morgartens von anno 1315 geniesst. Ich weiss es leider nicht, gehe aber davon aus, dass es ein cooler Typ sein muss, dieser Karl.

11. Januar 2017

Auschwitz aus der Sicht zweier Knaben

John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama,
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 2007
Der neunjährige Bruno weiss nichts von der Endlösung oder dem Holocaust. Er ist unberührt von den entsetzlichen Grausamkeiten, die sein Land dem europäischen Volk zufügt. Er weiss nur, dass man ihn von seinem gemütlichen Zuhause in Berlin in ein Haus verpflanzt hat, das in einer öden Gegend liegt, in der er nichts unternehmen kann und keiner mit ihm spielt. Bis er Schmuel kennenlernt, einen Jungen, der ein seltsam ähnliches Dasein auf der anderen Seite des angrenzenden Drahtzauns fristet und der, wie alle Menschen dort, einen gestreiften Pyjama trägt. Durch die Freundschaft mit Schmuel werden Bruno, dem unschuldigen Jungen, mit der Zeit die Augen geöffnet. Und während er erforscht, wovon er unwissentlich ein Teil ist, gerät er unvermeidlich in die Fänge des schrecklichen Geschehens. Inhaltsangabe zum Buch

Bewegender und sehr einfühlsam geschriebener Text, der ein Thema aufgreift, das in der heutigen Zeit in den Köpfen gewisser Menschen dringend in Erinnerung gerufen werden sollte.

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er ist der Autor von vierzehn Romanen, darunter Der Junge im gestreiften Pyjama, der sich weltweit sechs Millionen Mal verkaufte, zahlreiche internationale Buchpreise gewann und mit grossem Erfolg verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.

Der Junge mit dem gestreiften Pyjama wurde mehrfach ausgezeichnet:

  • Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 (Jugendjury)
  • Buch des Monats Dezember 2007 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V., Volkach
  • Empfehlungsliste des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2008
  • Ausgezeichnet als Penguin Orange Readers’ Group Book of the Year 2009
  • Ausgezeichnet mit dem Irish Book Award: Bestes Kinderbuch des Jahres
  • Ausgezeichnet mit dem Listener's Choice Book of the Year: Bestes Hörbuch des Jahres (UK)
  • Nominiert für die Carnegie Medal (UK)
  • Nominiert für den Ottakar's Book Prize (UK)
  • Nominiert für den Paolo Ungari Prize (Italien)

8. Januar 2017

Um den Sempachersee herum

–8 Grad Celsius in Sursee. Zieht dem Mann wenigstens einen Pyjama an!


Gestern, Wanderung rund um den Sempachersee. Start in Sursee. Ziel in Sursee. Antizyklische Gehrichtung. 1 Toter Igel, Autobahnlärm, viele Züge, menschliche Knochen und Schädel im Beinhaus von Chilchbüel. Wohnarchitektur zum Heulen. 1 Café Creme und 1 halber Apfelkuchen ohne Sahne im Adler Sempach, 2 Eichhofs im Stadtcafé von Sursee. 2 Sandwiches, 2 Schmelzbrötli, 3 Ricola Bonbons (Bergminze), 1 Banane, Zitronensirup, Schwarztee, 2 Begleiterinnen, 1 Begleiter. –8 bis –4° Celsius. Hochnebel. Was noch? Nichts. Repräsentative Momentaufnahmen dieser Winterwanderung gibt es hier.